Christiane Heggan » zurück zur Übersicht

Biografie
Ich wurde in Nizza geboren, und obwohl ich mittlerweile weiß, dass die französische Riviera als einer der schönsten Plätze der Welt gilt, hatte ich damals nur einen Wunsch: so schnell wie möglich von dort wegzukommen.
Als Teenager träumten meine Freundin und ich von den Städten, in denen wir leben wollten: Paris, Rom oder London. Wir waren uns zwar nicht sicher, von was wir, dort erst mal angekommen, unseren Lebensunterhalt bestreiten würden, aber das schmälerte unsere Fantasie keineswegs. Erst als ich meinen ersten Freund hatte, verschwand das Fernweh.
Jahre später, während meines Studiums an der Universität in Nizza, traf ich meinen zukünftigen Ehemann, der beim amerikanischen Militär war, heiratete ihn und zog in die USA. Das alles geschah innerhalb von sieben Monaten, und obwohl Lake Charles, Louisiana, etwas weiter weg war, als ich ursprünglich vorgehabt hatte, war ich jung, verliebt und abenteuerlustig genug, um dem ganzen mit viel Enthusiasmus entgegenzutreten.
Aber die ersten Monate in dem fremden Land glichen eher einem Albtraum als dem Märchen, von dem ich geträumt hatte. Ich sprach kein Wort Englisch, konnte nicht kochen und hatte nicht die leistete Ahnung vom Saubermachen
Ein Jahr später sah alles ganz anders aus: Ich sprach fließend Englisch, hatte zu kochen gelernt, und unser Haus war das sauberste in der ganzen Straße. Ich hatte mich sogar für einen Kurs zum Thema kreatives Schreiben angemeldet. Warum, weiß ich nicht mehr, aber ich glaube, mir war einfach langweilig.
Die Jahre, die ich als Ehefrau eines U.S. Air Force-Soldaten verbrachte, waren sehr ausgefüllt. Mein Mann wurde oft versetzt: Wir lebten in Louisiana, Kalifornien, Delaware und New Jersey. Dann zogen wir nach Deutschland, nach Marokko und Spanien. In Spanien war es auch, dass eine Freundin mir erzählte, die Zeitung, die auf diesem Stützpunkt herausgegeben wurde, suche einen neuen Reporter. Sie meinte, ich sei für diesen Job genau die Richtige.
Zuerst fand ich diese Idee völlig abwegig. Trotz des Schreibkursus hatte ich keine Ahnung von Journalismus. Aber meine Freundin leistete ganze Überzeugungsarbeit, und schließlich war ich von meiner Eignung ebenso überzeugt wie sie.
Am nächsten Tag suchte ich den Verleger auf und log ihm vor, journalistische Erfahrung zu haben, und erfand Zeitungen, für die ich angeblich geschrieben hatte. Zu meiner Überraschung gab er mir die Aufgabe, bis zum nächsten Tag ein Interview durchzuführen und bis 15:00 den fertigen Artikel in seinem Büro vorzulegen.
Nachdem die erste Panik abgeklungen war, machte ich mich an die Arbeit, und ich hatte Glück: Der Artikel gefiel, und ich wurde als Reporterin bei der Torrejon Raider eingestellt. Erst als der Verleger wieder zurück in die USA versetzt wurde, erfuhr ich, dass er kein Sekunde lang meinen Lügen Glauben geschenkt hatte. Aber er fand mich so mutig und enthusiastisch, dass er mir eine Chance geben wollte. Wäre der Artikel nicht gut genug gewesen, hätte er mir die Stelle natürlich niemals angeboten. Zum Abschied sagte er zu mir: „Bleib am Schreiben dran, dann wirst du es noch weit bringen."
Mein zweiter Mann Bob brachte mich schließlich auf den Gedanken, eine Romance zu schreiben. Zuerst fand ich diese Idee genauso abwegig wie damals, als meine Freundin meinte, Reporterin sei das Richtige für mich, aber schließlich entschloss ich mich, einen Versuch zu wagen.
Mittlerweile bin ich überzeugt, dass das Schreiben von Liebesromanen meine wahre Berufung ist. Und noch immer denke ich an den Herausgeber der Torrejon Raider und wie wichtig er für mein ganzes Leben war. Nur weil er an mich glaubte, haben die Dinge sich so entwickelt, wie sie jetzt sind.





