Verlangen - unbezähmbar wie ein Sturm

Verlangen - unbezähmbar wie ein Sturm

Erscheinungstag:Di, 08.11.2011
Bandnummer:1688
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Verlangen - unbezähmbar wie ein Sturm von: Emilie Rose

Über diesen Roman:

„Sie wollen mein Land? Dann heiraten Sie meine Enkelin!“ Verblüfft hört Gavin Jarrod, was der alte Caldwell verlangt. Er war sich mit seinem Bruder zwar einig, dass sie viel tun würden, um das Grundstück zu bekommen. Aber heiraten? Gavin liebt seine Freiheit und will sich nicht fest binden. Andererseits … Wenn er Sabrina betrachtet, knistert es verheißungsvoll zwischen ihnen. Sie ist wahnsinnig sexy! Gavin bekäme das Land und heiße Nächte. Kurz entschlossen willigt er ein. Aber ob es ihm gelingt, das Herz der selbstbewussten und impulsiven Sabrina für sich zu gewinnen?

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Leseprobe

Aus: Verlangen - unbezähmbar wie ein Sturm von Emilie Rose

"Du hast gesagt, es wäre eilig. Und hier sind wir auch schon." Gavin Jarrod betrat noch vor seinem ältesten Bruder Blake das Büro von Christian Hanford. Es war Montagmorgen. Dass der Familienanwalt sie so dringend sprechen wollte, bedeutete normalerweise nichts Gutes.
"Bitte, setzt euch." Christian wies auf die beiden Besucherstühle. "Danke, dass ihr gekommen seid. Leider habe ich keine guten Nachrichten."
Gavin warf seinem Bruder einen Blick zu, mit dem er sagen wollte: Hab ich's doch gewusst. "Das wundert mich nicht. Seit Vaters Tod vor fünf Monaten hast du uns nichts Erfreuliches mitzuteilen. Das fing schon bei der Testamentseröffnung an. Dass wir ins Jarrod Ridge zurückkehren und mindestens ein Jahr hier bleiben müssen, wenn wir unseren Erbanspruch nicht verlieren wollen, war schon schlimm genug. Dafür mussten wir alles aufgeben, was wir uns bisher ohne die Hilfe des Vaters aufgebaut hatten." Er seufzte. "Was gibt's denn jetzt?"
"Diesmal geht es um eure Erweiterungspläne, genauer gesagt, um die Genehmigung für den Bau des Luxusbungalows."
"Ja, und? Warum dauert das so lange? Wir haben bereits den ersten November, und das Fundament sollte gegossen sein, bevor der Frost einsetzt."
"Dass ihr die Genehmigung nicht bekommen habt, hat einen ganz einfachen Grund. Das Stück Land, auf dem ihr den Bungalow errichten wollt, gehört euch nicht."
"Was?", riefen Gavin und Blake wie aus einem Mund. Dann beugte Blake sich vor. "Das kann nicht sein. Es liegt doch mitten auf unserem Besitz. Wieso sollte es nicht der Familie gehören?"
Christian nahm eine Luftaufnahme vom Jarrod Ridge aus der Schreibtischschublade und breitete sie vor sich aus. "Hier wollt ihr bauen." Er wies auf ein dickes handgemaltes X in der Mitte eines großen rot umrandeten Gebiets. "Als wir uns das Grundbuch angesehen haben, mussten wir feststellen, dass euer Großvater dieses Stück Land vor fünfzig Jahren an Henry Caldwell abgegeben hat."
Caldwell? Gavin zerbrach sich den Kopf, aber er hatte keine Ahnung, wer das sein konnte. Na ja, mit achtzehn hatte er Aspen verlassen. Kein Wunder, dass er sich nicht mehr an die Namen der einzelnen Familien erinnerte. Denn in den zehn Jahren, die er möglichst weit entfernt von dem beherrschenden Vater verbracht hatte, war er höchst selten zu Hause gewesen. Dass er und der alte Don nicht gut miteinander ausgekommen waren, war eine glatte Untertreibung. Er hatte den Vater gehasst. "Wer, zum Teufel, ist dieser Caldwell?"
"Ihm gehört das Snowberry Inn, ein großer Gasthof hier in Aspen, den es schon so lange gibt wie das Jarrod Ridge."
"Aber warum hätte unser Großvater ihm das Land mit der ausgebeuteten Mine verkaufen sollen?" In der alten Mine hatte Gavin als Kind besonders gern gespielt. Er hatte mit seinen Brüdern sämtliche Schächte erforscht. Und später hatte er seine häufig wechselnden Freundinnen gern dahin mitgenommen …
"Noch erstaunlicher ist, dass Caldwell diese Mine kaufen wollte", fügte Blake hinzu. "Das bisschen Silber, das vielleicht noch zu gewinnen war, lohnte den Aufwand sicher nicht."
"Diese Frage habe ich mir auch gestellt", sagte Christian zustimmend. "Aber meine Nachforschungen haben ergeben, dass euer Großvater das Land nicht verkauft hat. Er hat es offenbar beim Pokern verloren."
"Das gibt's doch nicht!" Fassungslos sah Gavin den Anwalt an. "Und wenn schon. Dann kaufen wir es ihm eben wieder ab."
"Viel Glück!" Christian lächelte kurz. "Aus den Unterlagen geht hervor, dass euer Vater genau das immer wieder versucht hat. Aber der alte Caldwell will nicht verkaufen."
Blake sah erstaunlich gelassen aus, wenn man bedachte, dass ein Projekt zu scheitern drohte, in das schon so viel investiert worden war. "Dann müssen wir wohl auf ein anderes Stück Land ausweichen. Aufgeben können wir die Sache nicht, denn die Baupläne sind bereits fertig, und der Bauunternehmer ist fest verpflichtet. Von dem Material ganz abgesehen, das bestellt ist und in den nächsten Tagen angeliefert wird."
"Auf ein anderes Stück Land ausweichen?" Empört sah Gavin seinen Bruder an. "Ich denke nicht daran! Wenn ich schon gezwungen bin, noch weitere sieben Monate in dieser Einöde zu verbringen, dann werde ich nicht nachgeben. An die Gegend um die Mine herum habe ich die einzigen guten Kindheitserinnerungen. Ich werde Caldwell dazu bringen, dass er verkauft."
Lächelnd schüttelte Blake den Kopf. "Gib doch zu, dass du Dad noch im Nachhinein beweisen willst, dass du etwas schaffen kannst, was ihm nicht gelungen ist."
"Vielleicht." Gavin grinste kurz. Sein Bruder kannte ihn zu gut. "Ich hätte nichts dagegen. Wahrscheinlich wird er sich vor Ärger im Grabe umdrehen, wenn es mir gelingt."
"Falls es dir gelingt." Blake lehnte sich zurück und verschränkte die Arme vor der Brust.
"Es klappt, das schwöre ich dir." Da Gavin sich oft gegen die beiden älteren Zwillingsbrüder hatte zur Wehr setzen müssen, hatte er sich eine besondere Hartnäckigkeit angewöhnt, die ihm auch im Geschäftsleben zugutekam.
Schweigend zog Blake sein Portemonnaie aus der Tasche und legte einen Hundertdollarschein auf den Schreibtisch. Dabei blinkte kurz der goldene Reif an seinem Finger auf, und Gavin starrte verblüfft darauf. Was hatte das zu bedeuten? Ein Ring? Hatte Blake sich etwa verlobt? Das konnte nicht sein. Aber jetzt ging es erst mal um die Mine. Fragend sah er seinen Bruder an.
"Ich wette um hundert Dollar, dass du es nicht schaffst, dem alten Caldwell die Mine abzukaufen", meinte Blake lächelnd. "Dad war vielleicht ein fürchterlicher Vater, aber er war ein ausgebuffter Geschäftsmann. Wenn es möglich gewesen wäre, das Land zurückzubekommen, dann hätte er es geschafft."
"Du wirst schon sehen." Auch Gavin zog eine Hundertdollarnote aus dem Portemonnaie. "Ich nehme die Wette an. Wenn ich etwas während des Ingenieurstudiums gelernt habe, dann dass es immer eine Lösung gibt. Es ist nur eine Frage des Preises. Ich muss nur herausfinden, was Caldwell das Stück Land wert ist. Dann gehört es so gut wie uns."

"He, warte mal!", rief Gavin Blake hinterher, bevor sein Bruder in sein Auto steigen konnte. "Was ist denn das da an deinem Finger?"
Blake lächelte so zufrieden, als hätte er gerade ein Fünf-Gänge-Menü eines Gourmetkochs verspeist. "Samantha und ich haben in Las Vegas geheiratet."
"Was?" Gavin war schockiert. "Ich dachte, ihr wart da, um euch um deine Hotels zu kümmern."
"Nein, diesmal nicht. Wir haben geheiratet und noch kurze Flitterwochen angehängt. Heute Abend werden wir die Familie damit überraschen."
"Bist du vollkommen verrückt geworden?"
Ernst sah Blake ihm in die Augen. "Ja. Vor Glück."
"Aber du arbeitest doch schon jahrelang mit Samantha zusammen, und du hast nie irgendetwas mit ihr anfangen wollen. Ja, du hast sogar gesagt, dass du Arbeit und Vergnügen immer strikt trennst. Und jetzt hast du deine Assistentin geheiratet?"
Blake wurde direkt ein bisschen rot. "Ja, ich weiß, das kommt überraschend. Ich war da wohl ziemlich blind."
"Sei mal ehrlich, du hast dich doch nur an Samantha rangemacht, weil du sie als Assistentin behalten möchtest."
"Anfangs hatte ich tatsächlich so etwas vor. Aber das hat sich geändert. Ich liebe sie."
Gavin lachte laut los, bis ihm auffiel, dass sein Bruder nicht mitlachte. "Das ist doch nicht dein Ernst, oder?"
"Doch. Liebe ist der einzige Grund, einen so entscheidenden Schritt zu wagen."
Nicht für Gavin. In seiner Welt war Liebe etwas, das man unter allen Umständen vermeiden sollte, dem man aus dem Weg gehen sollte wie der Teufel dem Weihwasser. "Du sagst, du liebst Samantha. So richtig 'bis dass der Tod uns scheidet' und so?"
"Ja, genau so."
Zu Gavins großem Erstaunen sah Blake ausgesprochen glücklich aus. Wie hatte das geschehen können? Aber egal, diese Euphorie würde nicht lange anhalten. Blake war ein Workaholic. In dem Punkt waren sich die Brüder gleich. Frauen hassten das. Und Samantha würde ziemlich bald genug von den einsamen Abenden haben und ihre Koffer packen. "Ist sie schwanger?"
"Nicht dass ich wüsste. Und wenn, dann hätte ich auch nichts dagegen."
"Habt ihr einen Ehevertrag gemacht?"
"Darüber zerbreche ich mir nicht den Kopf."
"Aber Blake! Wie kannst du nur so blind sein."
"Ich bin nicht blind, im Gegenteil. Zum ersten Mal in meinem Leben sehe ich die Dinge klar. Samantha ist die einzige Frau, die ich wirklich will, und ich vertraue ihr hundertprozentig."
Armer Irrer. "Und das, obwohl du weißt, dass Dad halb verrückt geworden ist, als Mom ihn allein gelassen hat?"
"Vielleicht bin ich verrückt, aber ich weiß, es wäre ein großer Fehler, wenn ich nicht alles daransetze, damit unsere Ehe funktioniert."
"Dann kann ich dich nicht überreden, die Ehe annullieren zu lassen?"
"Nein." Das klang sehr entschlossen. "Und halte dich bitte aus der Sache raus. Ich dachte, du magst Samantha?"
"Ja, als deine Assistentin. Da ist sie sehr gut. Aber als deine Ehefrau? Brrr…!"
"Ja, sie ist meine Frau. Du solltest es selbst mal mit der Ehe probieren."
Um Himmels willen! Er und Trevor waren die Einzigen, die dem Ehevirus entkommen waren, der in den letzten Monaten im Jarrod Ridge grassierte. Gut, dass bei ihm keine Gefahr bestand, sich anzustecken. "Dann kann ich dir wohl nur alles Gute wünschen und dir versprechen, dass ich immer für dich da bin."
"Du meinst, wenn ich eine Schulter brauche, um mich auszuheulen? Keine Sorge, das ist nicht nötig."
"Das meinst du."
"Das weiß ich. Samantha ist die einzig Richtige."
Gavin wollte noch etwas erwidern, aber dann überlegte er es sich anders. Blake war wahrscheinlich nicht mehr zurechnungsfähig, weil der Sex mit dieser Samantha so toll war. Aber warum hatte er deshalb gleich heiraten müssen? Doch es hatte keinen Sinn, weiter auf ihn einzureden. Man konnte nur hoffen, dass seine Frau mit ihren Forderungen nicht das Unternehmen ruinierte, wenn es zur Scheidung kam.

Während das Jarrod Ridge sehr luxuriös wirkte, strahlte das Snowberry Inn Wärme und Gemütlichkeit aus. Gavin war ein paar Mal um das Grundstück gefahren, auf dem das große viktorianische Haus stand, um eine Vorstellung davon zu bekommen, was der Besitz wohl wert war. Der Gasthof lag mitten in der Stadt und verkörperte den Charme alter Zeiten, als hier noch Silber abgebaut worden war. Das Jarrod Ridge dagegen stammte zwar aus derselben Zeit, war aber von Grund auf modernisiert und auf die Ansprüche wohlhabender Touristen ausgerichtet.
Gavin stieß die Tür des großen schwarzen SUVs auf und stieg aus. Tief durchatmend sah er sich um. Nicht schlecht. Gegen die Lage war wirklich nichts einzuwenden. Von hier aus waren Läden, Galerien und Restaurants problemlos zu Fuß zu erreichen. Das Grundstück war ziemlich groß und musste einige Millionen wert sein.
Er folgte einem gewundenen Pfad durch kahle Espen und Schneebeerenbüsche, deren Früchte weiß in der Nachmittagssonne leuchteten. Es war schon ewig her, dass er und seine Brüder die Beeren als Munition für ihre Katapulte benutzt und damit harmlose Passanten erschreckt hatten. Er lächelte kurz. Sehr oft war ihnen das nicht gelungen, denn ihr Vater hatte aufgepasst wie ein Luchs.
Das Haus wirkte solide und gepflegt, auch wenn es mal wieder gestrichen werden könnte. Und auch das Geländer wackelte ein wenig, als Gavin die Stufen zu der umlaufenden Terrasse hochstieg. Wahrscheinlich mangelte es dem alten Caldwell etwas an Bargeld. Nun, davon würde er bald genug haben. Aber wo war er? Gavin sah sich um. Irgendjemand hämmerte hinter dem Haus. Caldwell? Auf alle Fälle war da jemand, der ihm weiterhelfen konnte.
Gavin ging um das Haus herum und blieb vor einer Gestalt in einem roten Overall stehen, die kniete und ihm den Rücken zuwandte. Ganz offensichtlich war es eine Frau, denn unter der roten Schirmmütze quollen dunkle Locken hervor.
Das war ganz eindeutig nicht Caldwell. "Autsch! Verdammt noch mal!", fluchte sie. Der Hammer flog in hohem Bogen zu Boden.
"Haben Sie sich wehgetan?"
Erschrocken fuhr die Frau herum und starrte Gavin aus großen blauen Augen an. "Wer sind Sie denn?"
"Gavin Jarrod. Kann ich Ihnen helfen?"
Die Frau ging nicht darauf ein. "Möchten Sie ein Zimmer?"
"Nein. Ich möchte mit Henry Caldwell sprechen." Instinktiv musterte er sie von oben bis unten. Hm, nicht schlecht. Wahrscheinlich Anfang bis Mitte zwanzig, helle makellose Haut. Groß und schlank. Mit einem Wort: hübsch und es wert, sich etwas näher mit ihr zu beschäftigen. Er bückte sich und hob den schweren Hammer auf. Offenbar hatte sie gerade versucht, eine Bohle festzunageln. Ein kräftiger Schlag, und der Nagel saß. "So, das wär's."
"Danke", stieß sie unwillig hervor. Immer noch drückte sie sich die linke Hand an die Brust.
"Lassen Sie mal sehen." Ohne die Zustimmung abzuwarten, griff Gavin nach ihrer Hand und betrachtete den geröteten Daumen. Der Nagel schien unversehrt zu sein, Blut war bisher nicht ausgetreten. Seltsamerweise überlief es Gavin heiß, als er sehr bewusst die Wärme der Hand wahrnahm. Unverheiratet? Sie trug keinen Ring. Sanft strich er mit dem Daumen über das zierliche Handgelenk. Hastig zog sie den Arm zurück.
Schade, so prompt hatte er schon lange nicht mehr auf die Berührung einer Frau reagiert. "Wahrscheinlich nur ein kleiner Bluterguss. Vielleicht hätten Sie lieber Arbeitshandschuhe anziehen sollen."
Verärgert kniff sie die Augen zusammen. Was für lange schwarze Wimpern sie hat, dachte Gavin. Offenbar war sie auch überhaupt nicht geschminkt, zumindest fiel ihm nichts auf. "Mit den Arbeitshandschuhen kann ich den Nagel nicht festhalten", entgegnete sie genervt. "Was wollen Sie von Henry? Er hat mir nicht gesagt, dass er jemanden erwartet."
"Er weiß auch nichts von meinem Besuch." Das war Absicht gewesen. Gavin wollte den Mann mit seinem Angebot überraschen. Vielleicht war er dann eher bereit zu verkaufen.
"Wollen Sie etwas verkaufen?"
"Nein. Wie war noch gleich Ihr Name?"
"Ich habe ihn noch nicht genannt." Sie griff nach dem Kasten mit Nägeln und dem Hammer. "Kommen Sie."
Sie ging um das Haus herum und ließ Gavin durch die Hintertür in die warme Küche gehen. Es duftete nach frisch gebackenem Brot, und Gavin spürte plötzlich, dass er Hunger hatte, während er der jungen Frau durch den langen Flur in den vorderen Salon folgte. "Warten Sie hier. Ich sage ihm Bescheid. Worum handelt es sich denn?"