Tales of Partholon: Ausersehen

Tales of Partholon: Ausersehen

Erscheinungstag:Di, 22.11.2011
Bandnummer:0001
Bestellnummer:8110110001
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Roman:
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Tales of Partholon: Ausersehen von: P.C. Cast

Über diesen Roman:

Verwunschene Wälder, romantische Sonnenuntergänge, aber keine Waschmaschine! Shannon Parker findet sich plötzlich in einer anderen Welt wieder. Und auch wenn sie zunächst nicht begreift, warum sie in Partholon wie eine Göttin behandelt wird, nimmt sie es mit Humor. Sie ist jedoch entsetzt, als sie erfährt, dass sie heiraten soll! Nicht im Traum, denkt Shannon. Da kann dieser ClanFintan ihr noch so tief in die Augen schauen und sie charmant anlächeln … Noch ahnt sie nicht, dass sie dazu ausersehen ist, Partholon zu retten. Und dafür braucht sie Hilfe – von ClanFintan

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Leseprobe

Tales of Patholon:Ausersehen

1. KAPITEL

Endlich unterwegs. Es fühlte sich gut an, mit dem Mustang den beinah leeren Highway hinunterzubrausen. Wieso hat man das Gefühl, dass Autos immer am besten fahren, wenn sie frisch gewaschen sind? Ich schob eine CD in den Player, wählte Lied 6 und stimmte Eponine aus vollster unmusikalischer Kehle zu, die über die Nutzlosigkeit der Liebe sang. Beim nächsten Lied überholte ich elegant einen langsam fahrenden Chevy und rief: "Ich liebe es, Lehrerin zu sein!"
    Es war der erste Juni, und der ganze Sommer lag noch unberührt und jungfräulich vor mir.
    "So viele Tage, an denen ich ausschlafen kann!"
    Allein das laut auszusprechen machte mich schon glücklich. In den zehn Jahren, die ich jetzt unterrichtete, hatte ich bemerkt, dass viele Lehrer die schlechte Angewohnheit haben, mit sich selbst zu sprechen. Meine Theorie ist, dass wir unseren Lebensunterhalt verdienen indem wir reden und uns sicher fühlen, wenn wir unsere Gefühle laut aussprechen. Es könnte allerdings auch sein, dass die meisten von uns – besonders die von den Highschools – einfach nur total verschroben sind.
    Nur leicht Irre entscheiden sich dafür, ihr Leben dem Unterrichten von Teenagern zu widmen. Ich sehe meine beste Freundin Suzanna förmlich vor mir, wie sie das Gesicht verzieht, während ihr ein Schauer über den Rücken läuft, wenn ich genüsslich die neuesten Horrorgeschichten aus dem Englischunterricht an der Highschool vor ihr ausbreite.
    "Meine Güte, Sha, die sind so … hormongesteuert. Schrecklich!"
    Suzanna ist der typische Collegeprofessor-Snob, aber ich liebe sie trotzdem. Sie weiß die vielen humorigen Zwischenspiele nur einfach nicht zu schätzen, die einem Teenager täglich servieren.
    Jean Valjeans dynamischer Tenor unterbrach meine Gedanken und brachte mich zurück auf die I-44 East in Oklahoma am 1. Juni.
    "Ja, so ist es, das Leben einer Highschool-Englischlehrerin mit Humor. Dazu ver-dammt, kein Geld zu haben, aber dafür viel Stoff für komödiantische Erzählungen. Oh Mist, hier ist meine Ausfahrt."
    Zum Glück bewältigte mein kleiner Mustang die harte, schnelle Rechtskurve auf die US-412 ohne Probleme. Ein Schild zeigte an, dass Locust Grove noch zweiund-zwanzig Meilen entfernt war. Halb mit den Knien, halb mit einer Hand lenkend kramte ich den Flyer über die Auktion hervor, auf dem ich mir die Wegbeschreibung notiert hatte. Irgendwo zwischen Locust Grove und Siloam Springs sollte es ein Schild geben, das eine Nebenstraße markierte, die wiederum zu einem weiteren Schild und einer weiteren Nebenstraße führte, und so weiter und so fort, bis ich da wäre. Ich las noch einmal: Auktion auf einem einzigartigen Anwesen – ungewöhnliche Offerten – offen für alle – alles muss raus.
    "Nun, ganz sicher mag ich verrücktes altes Zeug. Und ganz besonders mag ich günstiges verrücktes altes Zeug."
    Meine Schüler sagen, mein Klassenraum sei wie ein bizarrer Zeitsprung. Die Wände und Schränke sind bedeckt und gefüllt mit Drucken von Waterhouse, Postern von Mighty Mouse, von Star-Trek-Modellen und einer unglaublichen Menge Windspiele (die sorgen für gutes Chi).
    Und das ist nur mein Klassenzimmer. Sie sollten mal meine Wohnung sehen. Na ja, Sie wären wohl nicht wirklich überrascht. Außer darüber, dass ich zu Hause eine echte Ordnungsfanatikerin bin. Mein Klassenraum befindet sich hingegen im Zustand konstanter Unordnung. Irgendwie finde ich nie etwas, wenn alles einfach zu finden ist. Was auch immer das bedeutet, verdammt.
    "Ich muss endlich aufhören zu fluchen!" Es laut auszusprechen würde dem Vor-satz hoffentlich mehr Kraft verleihen. Sozusagen die umgekehrte Pawlow'sche Theorie: Wenn ich es nur oft genug sage, wird es irgendwann passieren.
    "Ich ertrage dich heute nicht, Javert." Klack. Les Misérables verstummten. Statt-dessen erklang der Jazzsender aus Tulsa. Ich hätte nicht gedacht, dass ich den hier draußen in dieser Einöde noch empfangen könnte.
    Da war das Schild, das den Ortseingang von Locust Grove kennzeichnete. Also wurde ich langsamer, blinzelte einmal und war auch schon wieder außerhalb des Orts. Na gut, vielleicht dauerte es ein kleines bisschen länger als ein Blinzeln. Ich beschleunigte das Tempo nicht. Zeit, innezuhalten und das Grün des Grünen Staa-tes zu schnuppern. Oklahoma im frühen Sommer ist eine erstaunliche Ansammlung von Farben und Formen. Ich bin auf die Universität von Illinois gegangen, und es hat mich immer genervt, dass die Leute über Oklahoma sprachen, als wäre es einfach nur eine rote Staubschüssel oder eine schwarzweiße Elendsszene aus Früchte des Zorns. Doch wenn ich versuchte, meinen Mitstudenten klarzumachen, dass Oklahoma der "Grüne Staat" genannt wurde, erntete ich nur ungläubiges Schnauben und Blicke, die besagten: Du hast wohl zu viel Steppenläufer gegessen oder dich mit einer Kuh zu viel angelegt, was?
    Ich passierte die kleine Ortschaft Leach. Kurz darauf führte die Straße auf eine Anhöhe, und vor mir breitete sich Oklahoma aus, ungezähmt in seiner Schönheit. Ich stelle mir gern eine Zeit vor, in der diese Straßen nur Wege waren und die Zivilisation noch nicht so selbstverständlich. Es muss aufregend gewesen sein, zu der Zeit zu leben – nicht in dem Sinne aufregend, wie sich dem Rektor zu stellen, nachdem er gerade von einer aufgebrachten Mutter darüber informiert wurde, wie entsetzt sie darüber ist, dass ich Guinevere eine Schlampe genannt habe. Viel mehr auf eine raue Art, nach dem Motto: Vielleicht baden wir nicht und putzen uns auch nicht die Zähne, und wir töten unser Abendessen selbst und schleppen unser Wasser mit uns. Wenn ich so darüber nachdenke … es ist fantastisch, von den Zeiten zu träumen, in denen es noch Cowboys gab, oder Ritter und Drachen, und ich gebe auch zu, dass ich besessen bin von den Dichtern der Romantik und den Schriftstellern von anno dazumal (typischer Lehrerausdruck). Die Realität erinnert mich allerdings daran, dass man damals ohne Penizillin und Zahnpasta auskommen musste. Wie meine Schüler sagen würden: "Und, was ist daran verkehrt?"
    "Da ist es! Abzweig Nummer eins."
    AUKTION AUF EINZIGARTIGEM ANWESEN HIER ENTLANG
    Ein Pfeil zeigte auf die kleine Straße zu meiner Linken. Diese Straße wurde offenbar sehr wenig befahren. Eine Schotterpiste, auf der sich ein Schlagloch ans andere reihte. Irgendwie wand sie sich auf angenehme Art durch die Landschaft, und mir ging das Lied "To Grandmother's House we go" durch den Kopf. Für die nächsten Meilen versuchte ich vergeblich, mich an den Rest des Textes zu erinnern.
    AUKTION AUF EINZIGARTIGEM ANWESEN HIER ENTLANG
    Ein weiterer Pfeil. Eine Nebenstraße der Nebenstraße. Noch mehr Schotter, nichts zu sehen von einer zweiten Fahrspur. Vielleicht hielt die Abgeschiedenheit des Anwesens die Antiquitätenhändler vom Besuch der Auktion ab. Ich hoffte es, denn für mich waren sie der Fluch eines jeden nur über geringe Mittel verfügenden Auktionsbesuchers. Langsam verlor ich den Jazzsender, und auf meinem inneren Radio wurde auch nicht länger das Lied über Großmutters Haus gespielt, sondern es lief die Titelmelodie des Films Die Beverly Hillibillies (von der ich mich an jedes einzelne Wort erinnern kann, was ich leicht irritierend finde).
    Wo wir gerade von Hillibillies sprechen … bis jetzt hatte ich noch nicht viele Häu-ser gesehen. Hm. Vielleicht war das "Anwesen" in Wahrheit ein altes Ranchhaus, mitten auf einem Gelände, das früher einmal eine richtige Farm gewesen war, die irgendwelchen reichen Leuten, ähnlich wie bei Bonanza, gehörte. Nun waren sie alle gestorben, und das Land würde in viele kleine Parzellen aufgeteilt werden, auf denen man ordentliche kleine Mittelklassehäuser baute für die Pendler aus … was weiß ich. Ich nenne das Jobsicherung, jedenfalls für mich. Die gehobene Mittelklasse hat immer die durchschnittlichen 2,5 Kinder plus 1,5 zusätzliche (aus einer vorherigen Ehe). Diese Kinder mussten den Englischtest bestehen, um ihren Highschool-Abschluss zu schaffen. Gott segne Amerika.
    Hinter einer Kurve und nach einer Kuppe tauchte das auf, was ich mir als altes Ranchhaus vorgestellt hatte. "Ach du heilige Schande. Das ist ja das verdammte Haus Usher!" (Ich musste diesen Sommer wirklich an meiner Ausdrucksweise arbeiten.) Ich drosselte das Tempo. Ja, da war wieder ein Schild.
    AUKTION AUF EINZIGARTIGEM ANWESEN.
    Es stand direkt neben dem Schotterweg, der zum Haupthaus führte. Einige Autos, aber hauptsächlich Trucks (wir waren definitiv in Oklahoma), parkten auf einer Fläche, die offensichtlich einmal ein sehr schön angelegter … ich weiß nicht, wie nennt man so etwas – es breitete sich über Meter und Meter aus – Vorgarten schien ein zu profanes Wort dafür. Die Auffahrt wurde von großen Bäumen gesäumt, und ich meine wirklich groß, so wie in Vom Winde verweht nur ohne das herabhängende Moos.
    Mir fiel erst auf, dass ich mich mit offenem Mund umschaute, als ein alter Mann in schwarzer Stoffhose und hochgeschlossenem weißem Baumwollhemd mir mit einer orange blinkenden Kelle zuwinkte, wobei sein Gesicht einen leicht irritierten Ausdruck zeigte, den ich mit "hören Sie auf zu glotzen und fahren Sie weiter, Lady" übersetzte. Als ich auf seiner Höhe war, bedeutete er mir, das Fenster herunterzulassen.
    "Tag auch, Miss." Er beugte sich leicht vor und blinzelte in mein Auto. Ein übel riechender Hauch trug die Worte in das klimaanlagengekühlte Innere meines Wa-gens und dämpfte meine anfängliche Freude darüber, Miss genannt zu werden, da das eindeutig jünger klang als Ma'am. Er war größer, als ich gedacht hatte, und sein Gesicht war von tiefen Falten durchzogen, als hätte er sein ganzes Leben bei Wind und Wetter draußen gearbeitet. Trotzdem hatte sein Teint eine ungesunde, bleiche Farbe.
    Guter Gott. Er war der Vater aus Kinder des Zorns von Stephen King.
    "Guten Tag. Es ist ganz schön warm heute, was?" Ich versuchte höflich zu sein.
    "Ja, Miss." Igitt, wieder dieser Geruch. "Bitte fahren Sie vor auf das Grün. Die Auktion beginnt pünktlich um zwei."
    "Danke." Ich versuchte mich an einem Lächeln, während ich das Fenster hochfuhr und seinen Anweisungen folgte. Was war das für ein Geruch? Es miefte wie etwas Totes. Na ja, er war unglaublich blass; vielleicht ging es ihm nicht gut. Das würde den Gestank erklären und auch, wieso er im Juni ein langärmliges Hemd trug. Ich war ein wirklich gemeines Biest, ihn mit dem Vater aus Kinder des Zorns zu vergleichen.
    Der Platz vor dem Haus wird also das Grün genannt. Lerne jeden Tag etwas Neues! Ich zog eine Grimasse und grinste. Klischees sind der Fluch der Gebildeten.
    Bevor ich den Motor abstellte, nahm ich mir meine notwendigen paar Minuten (ein Mann hatte mir mal erzählt, er könne den Attraktivitätsgrad einer Frau daran bestimmen, wie lange sie brauchte, um aus ihrem Auto auszusteigen – ich versuche, seeeeehr lange dafür zu brauchen), um meinen Lippenstift zu erneuern. Ich nahm mir auch eine Minute, um das Haus zu betrachten. Streichen Sie das – ich betrachtete natürlich den hochherrschaftlichen Wohnsitz.
    Mein erster Eindruck wurde bestätigt. Dieser Ort weckte Assoziationen an Poe und Hawthorne. Der Bau war riesig, auf eine ausladende, viktorianische Art und Weise. Normalerweise ziehen mich ungewöhnliche alte Häuser an, dieses seltsamerweise nicht. Ich schaute über den Rand meiner Sonnenbrille, um einen besseren Blick darauf zu haben. Es sah seltsam aus. Ich brauchte einen Moment, um herauszufinden wieso, dann traf es mich – es sah aus, als wäre es in verschie-denen Etappen entstanden. Das Hauptgebäude war ein großes Rechteck, an das man zwei unterschiedliche Veranden angebaut hatte. Eine rechteckig mit Stufen, die in elegantem Schwung zur Eingangstür führten, und keine fünf Meter weiter eine zweite, runde, ähnlich wie ein Pavillon, die einfach an die Vorderseite des Gebäudes geklatscht worden war, komplett mit Rankgitter und knorrig aussehendem Rosengestrüpp. Wie ein Krebsgeschwür erhob sich ein Turmzimmer an einer Seite des Hauses, und am anderen Ende des Baus zeigte sich ein Seitenflügel mit abfallendem Dach. Das gesamte Gebilde war in einem entsetzlichen Grauton gestrichen und zeigte schon Risse und Falten, wie die Haut eines alten Rauchers.
    "Es sollte hier besser wirklich einige einzigartige Stücke geben", murmelte ich vor mich hin. Während ich mich darauf vorbereitete, meinen Blick von Ushers Bleibe loszureißen, lief mir plötzlich ein Schauer über den Rücken. Eine dicke Wolke schob sich vor die Sonne und das Gefühl, jemand ginge über mein Grab, traf mich wie ein Keulenschlag. Ist es schon spät? Mir scheint, dass das Licht dunkler wird. Mein Englischlehrer-Gehirn produzierte automatisch dieses Zitat aus Medea. Griechische Tragödie, angefüllt mit Rache, Betrug und Tod. Das schien mir auf unpassende Weise passend.