DIRTY

DIRTY

Erscheinungstag:Mi, 26.05.2010
Bandnummer:35009
Bestellnummer:1000735009
Roman in 5-8 Tagen lieferbar
eBook sofort lieferbar
Roman:
8,95* EUR inkl. 7 % MwSt.
Als eBook:
8,49* EUR inkl. 19 % MwSt.

DIRTY von: Megan Hart

Über diesen Roman:

Elle ist verrückt nach Schokolade! Die süßen Pralinés aber können einen ganz anderen Appetit nicht stillen: nach Körper, nach Abenteuer, nach den verbotenen Früchten der Lust. In Dan, dem Liebhaber eher herberer Genüsse, scheint sie den perfekten Mann zum Vernaschen gefunden zu haben. Ihre erotischen Eskapaden kennen keine Grenzen: Sex in der Öffentlichkeit, Sex zu dritt, Sex mit sinnlichen Spielzeugen – verführerische Angebote, von denen Elle nicht ein einziges auslässt. Sie genießt die hemmungslosen Lustspiele mit Dan über alle Maßen. Mindestens ebenso wie die Unverbindlichkeit ihrer Affäre … Doch Dan will mehr. Viel mehr!

Kunden, die diesen Artikel kauften, haben auch folgende(n) Artikel gekauft:

Liefervorteile

Ab 15 Euro Warenwert versandkostenfrei!
Bei allen Bestellungen innerhalb Deutschlands mit mindestens 15 Euro Warenwert übernehmen wir die Versandkosten für Sie. Abonnements sind in Deutschland ebenfalls immer portofrei. Sonst betragen die Versandkosten innerhalb Deutschlands 2,50 EUR. Bei Bestellungen aus dem Ausland erheben wir auf die Gesamtlieferung (ausgenommen Abos) einmalig unabhängig vom Bestellwert eine Versandkostenpauschale von 4,90 EUR.

14 Tage Rückgaberecht
Bei CORA haben Sie ein 14-tägiges Rückgaberecht. Sie können alles unverbindlich anfordern und bei Nichtgefallen zurücksenden. Ausnahme sind für Sie individualisierte Produkte (z.B. Ihr persönlicher Liebesroman).

Bequem per Rechnung oder Lastschriftverfahren bezahlen
Bezahlen Sie die Rechnung  innerhalb von 14 Tagen nach Rechnungseingang – ohne zusätzliche Bearbeitungsgebühren. Oder lassen Sie den Betrag bequem von Ihrem Konto abbuchen (Bonität vorausgesetzt).

 

Leseprobe

 

1. KAPITEL
Unsere Geschichte begann so:
Wir begegneten uns in einem Süßwarenladen. Er drehte sich um, lächelte mich an, und ich war so überrascht, dass ich zurücklächelte.
Das Sweet Heaven war kein einfacher Süßwarenladen für Kinder, sondern ein gehobener Gourmet-Tempel; hier gab es keine billigen Lutscher oder vertrockneten Schokoküsse; hierhin ging man, wenn man mit schlechtem Gewissen Trüffelpralinen für die Frau des Chefs kaufen wollte, weil man mit ihm bei einer Geschäftsreise nach Milwaukee gevögelt hatte.
Er kaufte Jelly Beans, nur schwarze, und musterte die Tüte mit Schokolinsen in meiner Hand, ebenfalls alle in einer Farbe.
"Sie wissen, was Grün bedeutet." Der verwegene Zug um seine Lippen war anziehend.
"St. Patrick's Day?" Das war nämlich genau der Grund, warum ich sie in Grün kaufte.
Er schüttelte den Kopf. "Nein. Die Grünen steigern die Lust."
Ich bin ja schon ziemlich oft angemacht worden, meistens von wenig feinsinnigen Männern, die glauben, das, was sie zwischen den Beinen haben, wäre ein Ausgleich für das, was zwischen ihren Ohren fehlt. Manchmal bin ich trotzdem mit einem von ihnen nach Hause gegangen, einfach, weil es sich gut anfühlte, zu begehren und begehrt zu werden, auch wenn alles meist nur gespielt war und üblicherweise enttäuschend endete.
"Das ist eine Erfindung von pubertierenden Jungs, deren überschwängliche Fantasien leider selten erfüllt werden."
Sein Lächeln wurde breiter. Dieses strahlend weiße Lächeln war das Schönste an seinem ebenmäßig geschnittenen Gesicht. Sein Haar hatte die Farbe von feuchtem Sand, seine Augen waren blaugrün – er war attraktiv, doch wenn er lächelte, war er atemberaubend.
"Sehr gute Antwort", sagte er.
Er streckte eine Hand aus. Als ich sie ergriff, zog er mich näher an sich heran, so nah, dass er mir ins Ohr flüstern konnte. Sein heißer Atem tanzte über meine Haut, und ich erschauerte. "Mögen Sie Lakritze?"
Allerdings, und so schob er mich um ein Regal herum und griff in ein Glas voller kleiner schwarzer Rechtecke, auf dem ein Etikett mit dem Bild eines Kängurus klebte.
"Dann probieren Sie das." Er hielt mir ein Stück hin, und ich öffnete die Lippen, obwohl auf einem Schild deutlich zu lesen war: Probieren verboten. "Kommt direkt aus Australien."
Die Lakritze lag auf meiner Zunge. Weich, duftend und auf eine Weise klebrig, dass ich mit der Zunge über meine Zähne fuhr. Ich schmeckte seine Finger dort, wo er meine Lippen berührt hatte. Er lächelte.
"Ich kenne eine hübsche Bar", sagte er, und ich ließ mich von ihm dorthin bringen.

The Slaughtered Lamb. Ein grausiger Name für eine kleine Bar, versteckt in einem Gässchen mitten in Harrisburg. Verglichen mit den angesagten Tanzschuppen und teuren Restaurants in dieser Gegend wirkte der Laden irgendwie fehl am Platz und deswegen umso reizvoller.
Er wählte für uns zwei Plätze an der Bar, abseits der Collegestudenten, die in einer Ecke Karaoke sangen. Weil mein Barhocker wackelte, musste ich mich an der Theke festhalten. Ich bestellte eine Margarita.
"Nein." Er schüttelte den Kopf, und ich hob eine Augenbraue. "Sie möchten bestimmt Whiskey."
"Ich habe noch nie Whiskey getrunken."
"Eine Jungfrau." Bei jedem anderen Mann hätte dieser Kommentar albern geklungen und meinerseits nur ein Verdrehen der Augen nach sich gezogen.
Doch bei ihm funktionierte es.
"Eine Jungfrau", stimmte ich zu, und das Wort fühlte sich ungewohnt auf meiner Zunge an, als ob ich es ziemlich lange nicht mehr benutzt hätte.
Er bestellte uns jeweils ein Glas Jameson's Irish Whiskey und stürzte seinen, so wie es sich gehört, in einem Zug hinunter. Mir war Alkohol wahrlich nicht fremd, auch wenn ich noch nie Whiskey probiert hatte, doch ich machte es ihm nach, ohne das Gesicht zu verziehen. Es gibt einen guten Grund, warum Whiskey Feuerwasser genannt wird, aber nach dem ersten Brennen breitete sich der Geschmack in meinem Mund aus und erinnerte mich an den Duft von verbrannten Blättern. Angenehm. Warm. Sogar ein bisschen romantisch.
Sein Blick hellte sich auf. "Es gefällt mir, wie Sie ihn heruntergeschluckt haben."
Ich war auf der Stelle wahnsinnig erregt.
"Noch einen?", fragte der Barkeeper.
"Noch einen", entgegnete mein Begleiter. Und zu mir sagte er: "Sehr gut."
Dieses Kompliment freute mich, wobei mir nicht klar war, warum es mir auf einmal so wichtig erschien, ihm zu gefallen.
Wir tranken also eine Weile, und der Whiskey zeigte mehr Wirkung, als ich gedacht hätte. Oder vielleicht lag es auch an der Gesellschaft meines Begleiters, jedenfalls fing ich an, über seine spitzen, aber irgendwie netten Kommentare über die anderen Gäste zu kichern. Die Frau im Geschäftsanzug in einer Ecke war ein Callgirl, das gerade Pause hatte. Der Mann mit der Lederjacke ein Leichenbestatter. Mein Begleiter erfand Geschichten über jeden Gast und den freundlichen Barkeeper, der seiner Meinung nach früher Fruchtgummis angebaut hatte.
"Fruchtgummis werden nicht angebaut." Ich beugte mich vor, um seine Krawatte zu berühren, die auf den ersten Blick mit den üblichen Punkten und Kreuzen gemustert zu sein schien. Ich hatte jedoch bemerkt, dass es sich um winzige Totenköpfe mit gekreuzten Knochen handelte.
"Nicht?" Er schien enttäuscht zu sein, dass ich nicht mitspielte.
"Nein." Ich zupfte an seiner Krawatte und blickte in seine blaugrünen Augen, die inzwischen mit der Schönheit seines Lächelns konkurrieren konnten. "Fruchtgummi wächst wild."
Er warf den Kopf in den Nacken und brach in schallendes Gelächter aus. Ich beneidete ihn darum, wie natürlich er dem Impuls nachgab, laut zu lachen. Ich hätte befürchtet, dass die Leute mich komisch anschauten.
"Und Sie?", fragte er schließlich. Sein Blick durchbohrte mich. "Was sind Sie?"
"Ein Fruchtgummidieb", flüsterte ich mit meinen vom Whiskey tauben Lippen.
Er streckte die Hand nach einer Haarsträhne aus, die sich aus meinem langen französischen Zopf gelöst hatte, und zwirbelte sie zwischen den Fingern. "So gefährlich wirken Sie meiner Ansicht nach gar nicht."
Wir sahen uns an, zwei Fremde, lächelten – und ich dachte, dass es schon lange her war. "Möchten Sie mich nach Hause begleiten?"
Das wollte er.
An diesem Abend versuchte er nicht, mich zu lieben, was mich nicht überraschte. Allerdings versuchte er auch nicht, mich zu vögeln, was mich doch etwas wunderte. Er küsste mich nicht einmal, obwohl ich zögerte, bevor ich den Schlüssel ins Schloss steckte und noch ein wenig mit ihm lachte und plauderte, bevor ich Gute Nacht sagte.
Nicht mal nach meinem Namen hatte er gefragt. Auch nicht nach meiner Telefonnummer. Er ließ mich einfach, ein wenig schwankend vom Whiskey, vor meiner Tür zurück. Ich sah, wie er die Straße hinunterging und das Kleingeld in seiner Hosentasche klimpern ließ. Erst als er in der Dunkelheit hinter der Straßenlaterne verschwand, ging ich ins Haus.

Am nächsten Morgen, als ich mir unter der Dusche den Zigarettenrauch aus den Haaren wusch, musste ich an ihn denken. Ich dachte an ihn, während ich meine Beine, die Achseln und mein Haar zwischen den Beinen rasierte. Ich putzte meine Zähne, betrachtete mein Gesicht im Spiegel und versuchte mir vorzustellen, wie er meine Augen wohl gesehen hatte.
Bei genauerem Betrachten waren sie blau mit weißen und goldenen Sprenkeln. Viele Männer machten mir deswegen Komplimente. Einer Frau zu sagen, sie habe schöne Augen, ist vermutlich der schnellste Weg, um herauszufinden, ob man als Nächstes eine Hand auf ihren Schenkel legen darf. Er hatte meine Augen nicht erwähnt. Er hatte mir, um genau zu sein, kein einziges Kompliment gemacht, außer über die Art und Weise, wie ich den Whiskey trank.
Ich dachte an ihn, als ich mich für die Arbeit anzog. Schlichte weiße Unterhose, bequemer Schnitt und angenehmer Stoff, passender BH mit einem Hauch von Spitze, gerade genug, um hübsch auszusehen, aber dafür gemacht, meine Brüste eher zu stützen als hervorzuheben. Ein schwarzer, fast knielanger Rock. Eine weiße Bluse mit Knöpfen. Schwarz und Weiß wie immer, weil es einem die Wahl erleichtert und mich die Einfachheit von Schwarz und Weiß beruhigt.
Auf der Fahrt zur Arbeit dachte ich an ihn, die Ohren verschlossen mit Kopfhörern, um die willkürlichen Gespräche von Fremden auszublenden, Schutzschild der modernen Zivilisation. Die Fahrt dauerte nicht länger als sonst, war aber auch nicht kürzer, ich zählte die Haltestellen wie immer und warf dem Busfahrer dasselbe Lächeln zu.
"Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag, Miss Kavanagh."
"Danke, Bill."
Ich dachte auch an ihn, als ich exakt fünf Minuten vor Dienstbeginn die Treppe zu meinem Bürogebäude hinauflief.
"Sie sind heute spät dran", sagte Harvey Willard, der Sicherheitsbeamte. "Genau eine Minute."
"Der Bus ist schuld", erklärte ich mit einem Grinsen, von dem ich wusste, dass es ihn erröten lassen würde. Obwohl natürlich nicht der Bus dafür verantwortlich war, sondern allein die Tatsache, dass ich, in Gedanken versunken, langsamer gelaufen war.
Mit dem Fahrstuhl nach oben, den Flur entlang in mein Büro und hinter meinen Schreibtisch. Alles war wie immer, und doch hatte sich alles verändert. Nicht einmal der Zettel mit den vielen Telefonnummern konnte meine Gedanken von dem Rätsel, das er mir aufgab, losreißen.
Ich kannte nicht einmal seinen Namen. Hatte ihm meinen nicht verraten. Ich hatte gedacht, es würde leicht werden – zwei Fremde, die dasselbe Bedürfnis verspürten. Die übliche Verführung, bei der man keine Namen brauchte, die alles nur kompliziert machten.
Ich mochte es nicht, wenn Männer meinen Namen wussten. Damit hätte ich ihnen eine gewisse Macht über mich gegeben, die sie nicht verdienten. Als ob die Tatsache, dass sie beim Orgasmus meinen Namen riefen, diesen Moment für alle Ewigkeit festhalten könnte. Wenn es gar nicht anders ging, nannte ich ihnen einen falschen Namen, und wenn sie ihn später mit heiserer Stimme herausschrien, musste ich jedes Mal lächeln.
Heute lächelte ich nicht. Ich war abgelenkt, verärgert und durcheinander … und wäre wohl enttäuscht gewesen, wenn ich noch in der Lage gewesen wäre, mich täuschen zu lassen.
Ich arbeitete an dem Problem wie an einer meiner Kalkulationen. Stellte eine Gleichung auf, entschlüsselte die individuellen Komponenten, fügte logische hinzu und zog die unverständlichen ab. Bis zur Mittagspause war es mir noch immer nicht gelungen, ihn in eine unbedeutende Erinnerung zu verwandeln.
"Hattest du letzte Nacht ein heißes Date?", fragte Marcy Peters, die Königin der toupierten Haare und knallengen Röcke. Marcy gehört zu den Frauen, die sich selbst als Mädchen bezeichnen, die weiße Pumps zu hautengen Jeans tragen und deren Blusen immer ein wenig zu weit aufgeknöpft sind.
Sie schenkte sich einen Becher Kaffee ein. Ich trank Tee. Wir saßen an einem kleinen Tisch und packten die kurz zuvor gelieferten Sandwiches aus – ihres mit Thunfisch und meines wie üblich mit Truthahn.
"Wie immer", war meine Antwort, und wir lachten, zwei Frauen, miteinander durch etwas verbunden, was nichts mit gemeinsamen Interessen zu tun hatte, sondern dazu diente, uns vor den Haien zu schützen, mit denen wir zusammenarbeiteten.
Marcy hält sich die Haie mit ihrer unverblümt zur Schau gestellten Weiblichkeit vom Hals, sie ist blond, drall und durchaus bereit, ihre Vorzüge einzusetzen, um zu erreichen, was sie will.
Ich ziehe die etwas indirektere Methode vor.
Marcy lachte über meine Antwort, weil die Elle Kavanagh, die sie kannte, keine Verabredungen hatte, schon gar keine heißen. Die Elle Kavanagh, die sie kannte, war die Juniorchefin eines Finanzunternehmens, in deren Gegenwart selbst eine strenge Oberlehrerin mit Brille und Dutt so sexy wirkte wie Marilyn Monroe.
Marcy wusste überhaupt nichts über mich oder mein Leben außerhalb der vier Wände von Triple Smith and Brown.
"Hast du schon das Neueste über Flynn gehört?" So stellte sich Marcia ein Gespräch beim Mittagessen vor: Tratsch über Kollegen und Kunden verbreiten.
"Nein", antworte ich, um sie zu beruhigen und weil sie es irgendwie immer schaffte, die besten Geschichten aufzuschnappen.
"Mr Flynns Sekretärin hat an Bob die falschen Unterlagen geschickt. Bob kümmert sich um dieses Kundenkonto, nicht wahr?"
"Genau."
Marcys Augen funkelten. "Offenbar hat sie ihm die privaten Rechnungen von Mr Flynn gemailt, nicht die geschäftlichen."
"Das ist noch nicht besonders spannend."
"Wie es scheint, listet Mr Flynn all seine Hundert-Dollar-Nutten und seine geschmuggelten Zigarren penibelst auf!" Sie drehte sich auf ihrem Stuhl.
"Dumm gelaufen für seine Sekretärin, fürchte ich."
Marcy grinste. "Sie hat Bob einen geblasen. Und er hat es Mr Flynn nicht verraten."
"Bob Hoover?" Diese Neuigkeit kam wirklich unerwartet.
"Tja. Ist das zu glauben?"
"Ich schätze, ich kann so ziemlich alles über jeden glauben", sagte ich ehrlich. "Die meisten Leute sind bei ihren Bettgeschichten anspruchsloser, als man annehmen sollte."
"Ach wirklich?" Sie warf mir einen listigen Blick zu. "Und woher willst du das wissen?"
"Reine Spekulation." Ich stand auf und warf meinen Müll in den Eimer.
Marcy wirkte nicht enttäuscht, sondern vielmehr interessiert. "Aha."
Ich schenkte ihr ein süßes und sanftes Lächeln und überließ es ihr, sich in eine Meditation über mein geheimnisvolles Sexleben zu versenken.

Tatsache ist, dass die meisten Menschen in Bezug auf ihre Sexpartner tatsächlich anspruchsloser sind, als sie zugeben wollen. Aussehen, Intelligenz, Sinn für Humor, Reichtum, Macht … nicht jeder kann mit diesen Qualitäten aufwarten, und die wenigsten besitzen mehr als eine davon. Hier ist die Wahrheit: Fette, hässliche und dumme Menschen werden ebenfalls gevögelt, die Medien berichten bloß nicht in dem Maße darüber wie über fantastisch aussehende Filmstars. Man muss einem Mann nicht seine Titten unter die Nase halten, um ihm zu demonstrieren, dass man auf der Suche nach einem Abenteuer ist. Selbst Frauen mit dem verklemmten Bibliothekarinnen-Look wie ich lassen sich, mit heruntergezogenem Höschen an eine raue Hauswand gedrückt, vögeln.
Oder zumindest habe ich das vor drei Jahren getan, als ich das letzte Mal darauf aus war. Im Sweet Heaven war ich nicht darauf aus gewesen, sondern wollte lediglich meine Schokoladensucht befriedigen. Warum aber war ich dann mit ihm etwas trinken gegangen? Warum hatte ich ihn gebeten, mich nach Hause zu begleiten und mich darüber geärgert, als er mich mit einem kurzen Winken einfach an der Tür stehen ließ?
Die Tatsache, dass ich an diesem Tag nicht nach einem Abenteuer gesucht hatte, machte es nur noch schlimmer. Hätte ich ihn in einer Bar statt im Sweet Heaven kennengelernt, hätte ich mein Haar offen getragen, die Bluse aufgeknöpft – hätte er mich dann gebeten, hineinkommen zu dürfen? In meinen Körper zu dürfen? Hätte er mich vor der Tür geküsst, mich an der Hüfte umfasst und fest an sich gedrückt?
Ich würde es nie erfahren.
Den ganzen Tag dachte ich an ihn, auch den nächsten, und mein Begehren stieg stetig an, als würde man Wasser in eine Vase voller Steine gießen. Die Gedanken an ihn füllten meine wachen Stunden aus, schlichen sich in meine Träume und sorgten für verschwitzte Nächte zwischen zerwühlten Bettlaken.
Unablässig musterte ich mein Gesicht und fragte mich, was er darin entdeckt hatte, um mit mir in eine Kneipe zu gehen, aber nicht ins Bett. Hatte ich irgendetwas falsch gemacht? Hatte ich etwas Falsches gesagt, eine Schwäche gezeigt, über seine Witze zu laut gelacht oder nicht laut genug?
Mir war klar, wie obsessiv ich mich aufführte, wie ich immer und immer wieder jede gemeinsame Sekunde mit ihm in meinem Kopf kreisen ließ und aus allen möglichen Blickwinkeln betrachtete. Wie ich analysierte, kalkulierte und grübelte.
Ich konnte nicht vergessen, wie sein Atem mich gestreift hatte, als er mir ins Ohr flüsterte: "Mögen Sie Lakritze?"
Ich konnte die Wärme seiner Hand auf meiner nicht vergessen, als er mir nach dem ersten Schluck Whiskey gratulierte. Ich konnte das Blitzen seiner blaugrünen Augen oder die kleine, aber perfekte Kerbe in seinem Kinn nicht vergessen, auch nicht die blassen Sommersprossen auf seiner Nase und der Stirn. Genauso wenig wie seine Stimme und sein Lachen, diese tiefe, warme Tonlage, die in mir den Wunsch weckte, mich an ihm zu reiben wie eine schnurrende Katze.
Als ich das letzte Mal einen Mann in einer Bar aufgabelte, habe ich ihn mit nach Hause genommen, wo er sich über meinen Rock ergoss und nach Bier riechende Tränen auf mein Gesicht tropfen ließ. Dann beschimpfte er mich und wollte, dass ich ihm das Geld für all die Drinks zurückzahlte, die er mir ausgegeben hatte. Das war meine letzte schlechte Erfahrung, eine von vielen. Jungs, die mit ihrem Schwanz nicht richtig umgehen konnten, ältere Männer, die glaubten, zwei Minuten Rumgefummel gingen als Vorspiel durch, nett aussehende Kerle, die sich in brutale Scheißkerle verwandelten, kaum dass die Tür hinter ihnen ins Schloss gefallen war.
Enthaltsamkeit schien mir die bessere Wahl, und was zunächst wie eine Herausforderung schien, wurde nach und nach zur Gewohnheit. Als ich ihn im Sweet Heaven traf, war es drei Jahre, zwei Monate, eine Woche und drei Tage her, dass ich das letzte Mal Sex gehabt hatte.
Und jetzt, mit diesem namenlosen Fremden in meinem Kopf, konnte ich an nichts anderes mehr denken. Wenn ein Mann auf der Straße meinen Blick auffing, krampfte sich mein Schoß zusammen wie Finger um eine Blume. Meine Brustwarzen rieben immerzu gegen den Stoff meines BHs. Mein Slip rieb an meiner Haut und drängte mich, den kleinen Knopf zu streicheln, ganz egal wo, wann oder unter welchen Umständen.
Ich war geil.
Bei meinen Verabredungen mit Männern ging es nie um Gefühle. Es ging darum, eine Leere in mir auszufüllen, die dunklen Wolken zu vertreiben, denen ich meist entkommen konnte, aber manchmal … eben nicht. Ich ging in Kneipen, auf Partys und in den Park, um Männer zu finden, die mich für ein paar Stunden ablenken konnten, mich alles vergessen ließen, was in mir vorging. Ich benutzte Sex, um den Schmerz in mir zu betäuben. Das wusste ich. Ich wusste, warum ich es tat. Ich wusste, warum ich wie eine Bibliothekarin aussah und mich wie eine Nutte aufführte.
Bis jetzt hatte es keine Rolle gespielt. Ich hatte Männer getroffen, die mich zum Lachen brachten, zum Stöhnen und sogar einige wenige, bei denen ich gekommen bin. Bis jetzt hatte ich keinen getroffen, den ich nicht vergessen konnte.
Zwei Wochen lang stolperte ich auf diese Weise durchs Leben. Weil ich mit Zahlen so gut umgehen kann, litt meine Arbeit nicht darunter, alles andere allerdings schon. Ich vergaß, Rechnungen zu bezahlen, Kleider aus der Reinigung zu holen, meinen Wecker zu stellen.
An diesen Frühlingstagen wurde es immer noch früh genug Abend, sodass ich manchmal im Dunkeln nach Hause fuhr. Ich saß im Bus auf meinem üblichen Platz, den Mantel und die Aktentasche ordentlich über meinen Schoß gebreitet, die Beine übereinandergeschlagen. Ich starrte aus dem Fenster und stellte mir sein Gesicht vor und seinen Atem, und dann, mit der Hilfe des schaukelnden Busses, legte ich los.
Zuerst spannte ich die Muskeln meiner Schenkel rhythmisch an. Meine Klit wurde zu einem kleinen, harten Knoten und rieb an dem weichen Stoff meines Slips. Versteckt unter dem Mantel und der Aktentasche, rutschte ich auf meinem Sitz herum. Bei meinen züchtig gefalteten Händen wäre niemand jemals auf die Idee gekommen, was ich da tat.