NÄCHTE VOLLER MAGIE
Nacht für Nacht hat Kayla Sex mit einem umwerfend attraktiven Mann – leider nur im Traum. Und dann steht dieser Lover eines Tages leibhaftig vor ihr! Der Geist einer jungen Frau hat ihm verraten, dass Kayla in Gefahr schwebt. Gage Vicknair ist gekommen, um sie zu warnen – und um Kaylas heißen Traum endlich wahr zu machen?
DIE SCHÖNE HEXE VON CHICAGO
Unverzeihlich! Lilith hat versucht, den Cop Mac Mancusi zu verhexen. Als Strafe muss sie vorübergehend auf jede Magie verzichten. Noch schlimmer ist, dass Mac sich von ihr abwendet. Bis er bei einem Fall ihre Hilfe braucht. Das ist Liliths Chance! Sie will Mac erneut verzaubern. Aber diesmal nur mit der Kraft ihrer Liebe …
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Leseprobe
Lesepobe - TIFFANY SEXY MAGISCHE MOMENTE
Prolog und Anfang des ersten Kapitels aus dem Roman "Die schöne Hexe von Chicago" von Julie Leto
"Das kann nicht dein Ernst sein!" Lilith St. Lyon warf die Zeitschrift auf den Couchtisch und sprang auf. Sie konnte es nicht ausstehen, wenn ihre Schwester hereinplatzte, ohne auch nur anzurufen oder anzuklopfen oder wenigstens zu flüstern: Entschuldige, Schwesterherz, ich erscheine jetzt in deinem Apartment. Bitte nicht erschrecken.
Manchmal hasste Lilith es, eine Hexe zu sein. Besonders wenn Regina ohne Vorwarnung auftauchte und auf diese Weise damit prahlte, dass sie die übersinnlichen Kräfte ihrer kleinen Schwester umgehen konnte. Einer der Vorteile von Liliths Fähigkeiten war, dass sich fast niemand unbemerkt an sie heranschleichen konnte. Niemand außer der mächtigsten Hexe im Reich – ihre große Schwester, die wie immer wunderschön und hoheitsvoll aussah, in ihrem lila Gewand, mit den langen dunklen Haaren und den fliederfarbenen Augen. Aufgebracht starrte sie Regina sowie die beiden grauhaarigen Mitglieder des Hexenrats rechts und links neben ihrer Schwester an.
"Lilith St. Lyon, du wirst beschuldigt …"
Lilith unterbrach Regina, indem sie heftig gegen den Couchtisch trat. Während die beiden Ratsmitglieder mit verkniffenen Gesichtern erschrocken zurücksprangen, zuckte Regina nicht einmal mit der Wimper. Wie gewöhnlich hatte sie sich völlig unter Kontrolle und war so verdammt perfekt, dass Lilith am liebsten um sich geschlagen hätte. "Tu das nicht, Reg." Sie versuchte, das betrübte Gesicht ihrer Schwester zu ignorieren. Regina hatte sich diesen Auftritt nicht ausgesucht, aber sie nahm diese Sache Liliths Ansicht nach viel zu ernst. Das hatte sie vom ersten Tag an getan. Allerdings war ihr auch nichts anderes übrig geblieben.
"Lilith, du hast dem Rat keine andere Wahl gelassen."
"Du stehst dem Rat als Wächterin vor." Wütend deutete Lilith auf das große Amulett mit dem rot, grün und blau funkelnden Alexandrit, das Regina an einer Platinkette um den Hals trug. "Du kannst den Ratsmitgliedern sagen, wohin sie sich ihre dummen Regeln stecken sollen. Oder, noch besser, zaubere sie alle hierher, damit ich es ihnen selbst sagen kann. Du kannst mir meine Kräfte nicht wegnehmen."
Dank ihrer übersinnliche Begabung wusste Lilith genau, weshalb ihre Schwester gekommen war. Allerdings hätte sie dafür keine Hellseherei gebraucht. Natürlich war ihr klar, dass sie gegen die Regeln verstoßen hatte. Die übernatürlichen Kräfte durften niemals eingesetzt werden, um sich persönlich zu bereichern. Ihre Mutter und ihre Tante Marion hatten sich jahrelang bemüht, ihr das einzutrichtern, doch Lilith konnte den Sinn dieser Regel nicht nachvollziehen. Wenn sie schon all den Mist akzeptieren musste, den das Leben als Hexe und Angehörige eines höheren Reiches mit sich brachte, konnte sie doch auch einige der angenehmen Dinge im Leben genießen.
"Der Rat fürchtet dich nicht", sagte Regina.
Das war gelogen. Sicherlich hatte Regina keine Angst vor ihr. Als Wächterin hatte ihre Schwester keinen Grund, irgendjemanden zu fürchten – außer gelegentlich einen Hexenjäger, einen Warlock oder einen Dämon. Lilith hatte schon vor langer Zeit akzeptiert, dass sie niemals die Art Zauber ausüben konnte, über den ihre Schwester verfügte. Das war für sie völlig in Ordnung. Sie hatte die Zukunft ihrer Schwester gesehen. Picknicks standen bei ihr nicht gerade auf dem Programm. "Der Rat lebt schon zu lange getrennt von den Irdischen", konterte sie. "Sie haben vergessen, wie das Leben in der normalen Welt ist. Wir sind Schwestern, Reg. Das, was uns verbindet, reicht tiefer als Regeln und Vorschriften – selbst wenn sie kurz nach Beginn der Menschheitsgeschichte in Steintafeln gemeißelt worden sind."
Reginas Gesichtsausdruck wurde weicher. Die beiden Ratsmitglieder dagegen waren von einer weißen Aura umgeben, in der sich deutlich ihre Angst manifestierte. Jeder in der Hexenwelt fürchtete und verunglimpfte Lilith schon ihr Leben lang. Sie wusste nicht, weshalb. Sicherlich verlor sie öfter einmal die Beherrschung, und ihre Prophezeiungen hatten ab und zu für Kummer und Ärger gesorgt, aber im Vergleich zu den Fähigkeiten ihrer Schwester waren ihre völlig unbedeutend. "Ich brauche meine übernatürlichen Kräfte, Reg", flüsterte sie.
"Du verdienst sie nicht länger."
"Hörst du nicht, dass du wie eine Heuchlerin klingst?"
Regina sog scharf die Luft ein.
Einen Moment fühlte Lilith sich schuldig, dann schüttelte sie das schlechte Gewissen ab. Ihre vier Jahre ältere Schwester war noch kaum ein Teenager, als sie schon als Nachfolgerin ihrer Mutter zur Wächterin bestimmt wurde. Damals war ihre Mutter brutal von einem Warlock getötet worden. Anders als die meisten Hexen, die von einem räuberischen Hexenkiller angegriffen wurden, hatte sie es geschafft, ihre Fähigkeiten auf ihre älteste Tochter zu übertragen, bevor sie gestorben war. Seit diesem Moment besaß Regina eine ganze Reihe von Zauberkräften. Unter anderem konnte sie sich und andere von Ort zu Ort zaubern sowie durch den Einsatz von Energiestößen einen Dämon oder Warlock ins Jenseits befördern – eine Aktion, die sie nur Sekunden nachdem ihre Mutter gestorben war, durchgeführt hatte.
Auch wenn es auf der Welt vielleicht nicht so viele Dämonen und Warlocks gab, wie gewisse populäre Fernsehsendungen über Hexen gern glauben machen wollten, war ein derartiger Energiestoß ausgesprochen praktisch. Und dafür liebte jeder Regina.
Lilith dagegen konnte nur Gedanken lesen und die Zukunft vorhersagen. "Was ist mit all dem Guten, das ich mit meinen Fähigkeiten tue?", wandte sie ein. "Mit meiner Arbeit für die Polizei?"
"Du hast vor drei Monaten abrupt aufgehört, für die Polizei tätig zu sein."
"Ich kann nichts dafür, wenn sie mich nicht mehr rufen", entgegnete sie schnippisch.
Regina verzog ihren sinnlichen Mund – ein Merkmal aller Frauen in der Familie der St. Lyons – zu einem Lächeln. "Kannst du nicht?", fragte sie mit wissendem Blick. "Und du kannst uns ehrlich sagen, dass du aus deiner Zusammenarbeit mit der Polizei keinen persönlichen Gewinn gezogen hast?"
Nicht, ohne zu lügen. Lilith hatte viel gewonnen – zuerst und vor allem tollen Sex mit dem Dezernatsleiter Mac Mancusi. Das war allerdings vorbei, seitdem er herausgefunden hatte, dass sie tatsächlich übersinnliche Kräfte besaß und nicht einfach eine sehr intuitive Frau war, wie er geglaubt hatte. Leider hatte er auch erkannt, dass sie ihre Fähigkeiten eingesetzt hatte, um ihn zu veranlassen, sich Hals über Kopf in sie zu verlieben. "Mein Gewinn war nur von kurzer Dauer und hatte für mich Konsequenzen." Sie strich sich durch ihr kurzes, zu einer Igelfrisur gestyltes Haar. "Ich bin wieder auf mich selbst gestellt. Dabei könnte ich alle Kriminellen in Chicago hinter Gitter bringen."
"Und damit das Gleichgewicht von Gut und Böse zerstören? Meine Güte, Lilith, gibt es eigentlich keine Regel, die du nicht brechen würdest?"
Lilith stampfte wie ein bockiges Kind mit dem Fuß auf. "Die einzigen Regeln, die ich nicht brechen würde, sind meine eigenen."
"Und die wären?"
Lilith machte ein düsteres Gesicht. Sie stellte nicht gern Regeln auf. Leben und leben lassen – so lautete ihre Devise. "Ich schade niemandem, Regina."
"Wie nennst du dann die Folgen für deine Klienten, nachdem du ihnen vorgeschwindelt hast, einen Blick in ihre Zukunft zu werfen?"
"Es ist kein Schwindel, wenn es stimmt, was ich ihnen vorhersage", entgegnete Lilith. "Wenn sie nicht mit der Wahrheit umgehen können, ist das ihr Problem."
Die beiden älteren Ratsmitglieder an Reginas Seite flüsterten ihrer Schwester simultan etwas ins Ohr. Daraufhin nickte Regina ihnen zu und ließ sie mit einer Handbewegung aus dem Zimmer verschwinden.
Obwohl Lilith wusste, dass alles Argumentieren und Manipulieren nichts genützt hatte und sie bestraft werden würde, trat sie hoffnungsvoll einen Schritt auf ihre Schwester zu. "Was ist los?"
"Bei dem, was vollzogen werden muss, brauche ich sie nicht als Zeugen."
"Reggie, das kannst du mir nicht antun."
"Du lässt mir keine andere Wahl. Finde dich also bitte mit der Bestrafung ab. Nutze diese Zeit als Irdische, um dem Rat zu beweisen, dass du fähig bist, selbstlos Gutes zu tun. Vielleicht kannst du dann deine Kräfte zurückbekommen."
Instinktiv straffte Lilith die Schultern. "Der Rat kann mich mal."
Regina unterdrückte ein Grinsen und legte sanft eine Hand auf Lilith Stirn und die andere auf ihr Herz. Dann sprach sie eine uralte Zauberformel.
Lilith versuchte vergeblich Widerstand zu leisten, als ihr die übersinnliche Energie entzogen wurde. Ohne sich bewusst zu sein, wie einschneidend sich ihr Leben gerade unwiderruflich veränderte, sank sie bewusstlos zu Boden.
"Du musst sie anrufen."
Mac Mancusi starrte auf den Ganoven auf der anderen Seite des Einweg-Spiegels und fluchte. Es musste einen anderen Weg geben, um diesen Fall zu lösen – bevor es zu spät und dann auch mit seiner Karriere vorbei war. "Ich muss überhaupt nichts, Fernandez. Noch bin ich der Chef hier. Auch wenn der Bürgermeister es auf mich abgesehen hat. Oder bist du schon von ihm befördert worden?"
Detective Rick Fernandez strich sich ratlos durchs Haar. "Wir alle wissen, dass der Bürgermeister dir schon seit seiner Wahl Schwierigkeiten macht. Seine Mitarbeiter haben die ganze Woche hier herumgeschnüffelt, um etwas zu finden, das sie an die Presse durchsickern lassen können. Wenn dieser Drogenfall eskaliert, kannst du deinen Job vergessen."
"Ich weiß, was auf dem Spiel steht", sagte Mac grimmig.
"Worauf wartest du dann? Ruf sie an."
Das klang so einfach. Ruf die Hexe an, die dich zum Narren gehalten und dir das Herz aus dem Leib gerissen hat. "Weißt du was, Fernandez? Ich erinnere mich an eine Zeit, in der wir hier auch ganz ohne irgendeine Voodoo-Prinzessin den Tätern Geständnisse entlockt haben."
"Ich weiß, dass du Pogo Goins am liebsten windelweich schlagen würdest, damit er uns schließlich den Ort nennt, an dem dreihundert Kilo Kokain versteckt sind, aber das geht nun einmal nicht. Wir müssen aber sofort erfahren, wo die Drogen sind. Was auch immer zwischen dir und Lilith vorgefallen ist, kann nicht so schlimm sein wie das, was passiert, wenn wir das Kokain nicht finden, bevor die Dealer es unter die Leute bringen. Gerüchten zufolge ist es gestreckt worden. Junkies werden daran sterben, und es wird schwere Auseinandersetzungen und Rachefeldzüge geben. Goins hat seinen Anwalt noch nicht kontaktiert. Er denkt immer noch, dass wir mit ihm über sein gestohlenes Auto reden. Uns bleibt nicht mehr viel Zeit, bis er wieder klar genug im Kopf ist, um uns zu durchschauen und seinen Anwalt anzurufen."
Dann wäre das Interview vorbei. Die Polizei hatte nichts gegen Pogo Goins in der Hand. Es gab nur den Tipp, dass der Kleinkriminelle der Vermittler einer großen Ladung Kokain gewesen war. Als Goins wegen seines gestohlenen Autos tatsächlich zur Polizei gegangen war, hatten die Cops in Chicago die Chance bekommen, auf die sie gewartet hatten – die Chance, den Drahtziehern hinter dem Handel mit sehr teurem und verunreinigtem Kokain auf die Spur zu kommen. Wenn die Gerüchte stimmten, und das Kokain gestreckt war, stand unermesslich viel auf dem Spiel. Die Zeit lief ihnen davon. Er brauchte Lilith. "Besorg eine Packung Zigaretten für unseren Gast", sagte Mac grimmig, "während ich einen Anruf erledige."
Rick grinste, nickte und ging schnell hinaus.
Mac nahm sein Handy und drückte auf die Kurzwahltaste, denn er hatte Liliths Telefonnummer noch nicht gelöscht. Als sie sich nicht sofort meldete, wuchs seine Anspannung. Normalerweise nahm sie einen Anruf nach dem ersten Klingeln entgegen – manchmal sogar schon vorher. Sie behauptete, immer zu wissen, wann er sie sprechen wollte. Diesmal ignorierte sie ihn. Vielleicht wollte sie nicht mit ihm reden, was er ihr nicht verübeln konnte.
Als er herausgefunden hatte, wie Lilith die perfekte Liebhaberin für ihn geworden war, die immer genau wusste, was er wollte, war er so verletzt, verwirrt und wütend wie noch nie zuvor gewesen. Er hatte sich betrogen gefühlt, als er erfahren hatte, was sie wirklich war. Keine clevere Schwindlerin oder kluge Menschenkennerin oder unglaublich intuitive Frau. Nein, sie war eine Art Medium, an deren Fähigkeiten nur Verrückte glaubten – und in die sich nur noch größere Narren verliebten.
Er steckte sein Handy wieder ein und verließ den Beobachtungsraum, um in sein Büro zu gehen. Dort bat er die Telefonzentrale, Liliths Nummer zu wählen. Nach viermaligem Klingeln nahm sie den Hörer ab.
"Lilith St. Lyon."
"He", sagte er. Als sie schwieg, fuhr er fort: "Lilith? Ich bin es, Mac."
"Und ich dachte, heute könnte es nicht noch schlimmer kommen."
"Ich bin auch begeistert, deine Stimme zu hören", fuhr er sie an. Er konnte nicht anders.
Sie legte auf.
Er fluchte lautstark und bat die Telefonzentrale erneut, ihre Nummer zu wählen.
Diesmal nahm Lilith erst nach dem sechsten Klingeln ab. "Was willst du, Mancusi?"
Mac hätte mit ihrer ablehnenden Haltung rechnen müssen, aber eigentlich hatte er Grund, auf sie sauer sein, nicht umgekehrt. Er räusperte sich. "Wir haben einen dringenden Fall."
"Wie nett für dich."
"Wir brauchen deine Mitarbeit."
"Zu dumm. Ich übe meine Tätigkeit nicht mehr aus."
Verdammt, sie konnte so stur sein. "Offensichtlich bist du immer noch böse auf mich, Lilith."
"Oh, verfügst du plötzlich über die teuflische Fähigkeit der Hellseherei? Hast du nicht Angst vor dir selbst?"
"Ich habe keine Angst vor dir", entgegnete Mac beleidigt.
Ihrem Seufzer war deutlich anzuhören, dass sie ihm nicht glaubte. "Ich lege jetzt auf, aber das muss ich dir nicht sagen, denn das weißt du ja bereits."
"He, derart zynische Bemerkungen sollten von mir kommen, nicht von dir", ereiferte er sich.
"Vielleicht habe ich eine neue Fähigkeit entwickelt – Channeling! Aber so oder so will ich genauso wenig mit dir reden wie du mit mir."
"Dann rede mit Fernandez", bot er ihr schnell an. Sein engster Mitarbeiter war Lilith mit einer Mischung aus Angst und Respekt sowie einer großen Portion Lust begegnet. Jeder Mann auf dem Revier war heiß auf die Frau mit den brünetten Haaren und der schlanken, geschmeidigen Figur, was Mac ihnen nicht verdenken konnte. Er hatte seinen Mitarbeitern sehr deutlich gemacht, wer auf dem Revier das Sagen hatte und sich im Zweifelsfall durchsetzen würde. Dennoch hatten Lilith und Fernandez eine merkwürdige Freundschaft geschlossen, und er schreckte nicht davor zurück, diese Beziehung zu seinem Vorteil auszunutzen. Einige Lektionen hatte er sehr gut von ihr gelernt.
"Rick ist mit dem Fall beschäftigt?"
"Alle hier. Der Fall ist kein Witz. Es geht um eine große Menge Drogen, die in den Umlauf kommen werden, wenn wir nicht aus Pogo Goins herausbekommen, wo der Stoff versteckt ist."
"Goins? Er ist ein Trottel", meinte Lilith. "Warum sollte er eine solche Information haben?"
"Das ist es, was ich wissen will." Mac wusste, dass er definitiv ihr Interesse geweckt hatte.
"Ich werde in einer halben Stunde da sein", sagte sie schließlich, es klang resigniert.
"In einer Viertelstunde."
"In zwanzig Minuten, wenn du Glück hast. Und ich will, dass heißes Wasser für meinen Kräutertee parat steht, verstanden?" Sie beendete das Gespräch.
Mac legte den Hörer auf und lächelte. In dem Moment, als er merkte, dass ihm warm ums Herz wurde, befahl er sich, kühl und rational zu bleiben, denn er musste sich schützen. Er hatte Lilith angerufen, ihre Stimme gehört und sich mit ihr auseinandergesetzt. Er konnte es sich nicht erlauben, dass seine alten Gefühle wieder die Oberhand gewannen.
Er wusste, dass er seinen Ärger überwinden musste. Das fiel ihm so schwer, weil es ihn kalt erwischt hatte, als er von ihren geheimen Kräften erfuhr. Er hatte geglaubt, dass ihre Beziehung ein Leben lang halten könnte. Sie hatten so gut zusammengepasst, aber das war nur eine Illusion gewesen. Ein Schwindel. Sie hatte ihre übernatürlichen Kräfte benutzt, um zu seiner perfekten Partnerin zu werden und so dafür gesorgt, dass er sich in sie verliebte. Abgesehen von dem Geheimnis, das sie um ihre übersinnliche Begabung gemacht hatte, war Lilith immer offen und ehrlich gewesen. Und wenn er es sich jetzt genau überlegte, hatte sie überhaupt kein Geheimnis daraus gemacht, sondern ihm von Anfang an gesagt, dass sie eine Hellseherin war. Er hatte ihr einfach nicht geglaubt.
Sicherlich hatte er in bestimmten Fällen ihre Hilfe in Anspruch genommen. Er erinnerte sich noch lebhaft an ihre erste Begegnung im Kinderzimmer eines kleinen Mädchens, das ihre Eltern als vermisst gemeldet hatten. Lilith hatte mit den Fingern über ein winziges Teeservice aus Porzellan gestrichen. Die Tränen waren ihr über die Wangen gelaufen. Doch sie hatte nicht versucht, ihre Gefühle zu verbergen, als er aufgetaucht war. Er hatte sofort gewusst, dass sie keine Betrügerin war, die versuchte, den verzweifelten Eltern falsche Hoffnungen zu machen. Eigentlich hatte sie nicht dort sein wollen, dennoch hatte sie geholfen. Das Kind, das spurlos verschwunden gewesen war, war in weniger als zwölf Stunden entdeckt worden.
Mac versuchte, sich genau zu erinnern, wie er sich damals ihre Fähigkeit erklärt hatte. Zu akzeptieren, dass sie tatsächlich übernatürliche Kräfte besaß, hatte für ihn nie zur Debatte gestanden. Er hatte ihren Erfolg einfach auf ihre Sensitivität und ihr großes Einfühlungsvermögen zurückgeführt. Schließlich hatte Lilith den Fall gelöst. Sie hatte nicht nur dafür gesorgt, dass das Kind gefunden werden konnte, bevor ihm Schaden zugefügt wurde, sondern sie hatte ihm auch dabei geholfen, den schuldigen Stiefvater zu einem Geständnis zu bewegen.
Nach diesem ersten Einsatz hatte er sie autorisiert, bei Verhören auf dem Revier mitzuarbeiten. Sie war zuverlässiger als jeder Lügendetektor und sah dabei auch noch sehr gut aus. Er fing an mit ihr zu flirten, was sich dann unvermeidlich zu einer heißen Affäre entwickelte.
Seit der ersten gemeinsamen Nacht hatte er sich einfach blind und taub gestellt, was ihre übersinnlichen Fähigkeiten anging. Wie konnte eine Person wissen, was eine andere Person dachte? Er hatte sie zwar nie belogen, weil sie so geschickt darin war, der Wahrheit auf die Spur zu kommen, aber er hätte im Traum nicht daran gedacht, dass sie sich in sein Seelenleben einschleichen und seine geheimen Vorlieben und Fantasien ausfindig machen würde. Und jetzt, da Lilith auf dem Weg zurück in sein Leben war, würde er nicht in der Lage sein, irgendetwas vor ihr zu verbergen, oder vor sich selbst – und das machte ihm am meisten zu schaffen.
-Leseprobe


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