BACCARA MAGISCHE MOMENTE BAND 0001

BACCARA MAGISCHE MOMENTE BAND 0001

Erscheinungstag:Di, 01.09.2009
Bestellnummer:8069090001
Ausverkauft
eBook sofort lieferbar
Als eBook:
4,49* EUR inkl. 19 % MwSt.

DEM MOND VERSPROCHEN von: JONES, LINDA WINSTEAD

Über diesen Roman:

Gideon Raintree will den Fall allein lösen – ohne neue Partnerin. Hope Malory ist zwar schlagfertig, sieht gut aus und hat ein wunderschönes Lächeln, ja. Aber damit sie nicht hinter sein dunkles Geheimnis kommt, muss Gideon sie schockieren … vielleicht mit einem heißen Kuss?

DER LIEBE GEWEIHT von: BARTON, BEVERLY

Über diesen Roman:

Was will Judah Ansara hier? Mercy zittern die Knie, als sie ihm nach Jahren unerwartet gegenübersteht. Nie wieder darf sie ihrem Verlangen nachgeben und sich in Judahs Arme schmiegen. Schließlich ist er ihr Erzfeind – und hat mit ihr eine Tochter, von der er nichts weiß …

AUS DEM FEUER GEBOREN von: HOWARD, LINDA

Über diesen Roman:

"Das ist ein Irrtum!" Lorna kann es nicht fassen, als sie in das Büro des Kasinobesitzers Dante Raintree geführt wird. Was will dieser rätselhafte Mann von ihr? Irgendwie scheint er ihre Gedanken zu lesen – und Lorna fühlt sich mit einem Mal wie magisch zu ihm hingezogen

Kunden, die diesen Artikel kauften, haben auch folgende(n) Artikel gekauft:

Liefervorteile

Ab 15 Euro Warenwert versandkostenfrei!
Bei allen Bestellungen innerhalb Deutschlands mit mindestens 15 Euro Warenwert übernehmen wir die Versandkosten für Sie. Abonnements sind in Deutschland ebenfalls immer portofrei. Sonst betragen die Versandkosten innerhalb Deutschlands 2,50 EUR. Bei Bestellungen aus dem Ausland erheben wir auf die Gesamtlieferung (ausgenommen Abos) einmalig unabhängig vom Bestellwert eine Versandkostenpauschale von 4,90 EUR.

14 Tage Rückgaberecht
Bei CORA haben Sie ein 14-tägiges Rückgaberecht. Sie können alles unverbindlich anfordern und bei Nichtgefallen zurücksenden. Ausnahme sind für Sie individualisierte Produkte (z.B. Ihr persönlicher Liebesroman).

Bequem per Rechnung oder Lastschriftverfahren bezahlen
Bezahlen Sie die Rechnung  innerhalb von 14 Tagen nach Rechnungseingang – ohne zusätzliche Bearbeitungsgebühren. Oder lassen Sie den Betrag bequem von Ihrem Konto abbuchen (Bonität vorausgesetzt).

 

Leseprobe

Sonntag

Dante Raintree stand mit verschränkten Armen da und beobachtete die Frau auf dem Bildschirm. Das Bild war schwarz-weiß, Farben lenkten nur ab. Er konzentrierte sich auf ihre Hände, beobachtete jede ihrer Bewegungen. Was ihm am meisten auffiel, war allerdings, wie ungewöhnlich ruhig sie dasaß. Sie rutschte nicht auf ihrem Stuhl hin und her, spielte weder mit den Chips, noch sah sie die anderen Spieler an. Sie warf einen kurzen Blick auf ihre erste Karte und fasste sie danach nicht mehr an. Dass sie eine weitere Karte wollte, signalisierte sie, indem sie mit dem Fingernagel auf den Tisch klopfte. Aber sie war keineswegs so harmlos, wie sie wirkte.
"Wie heißt sie?"
"Lorna Clay", antwortete der Kopf seiner Sicherheitsleute Al Rayburn.
"Ist das ihr richtiger Name?"
"Sie ist vollkommen sauber."
Wenn Al sie nicht schon überprüft hätte, wäre Dante enttäuscht gewesen. Er bezahlte schließlich eine Menge Geld dafür, dass Al effizient und gründlich arbeitete.
"Erst habe ich gedacht, sie zählt", sagte Al. "Aber dafür ist sie nicht aufmerksam genug."
"Sie ist aufmerksamer, als du glaubst", murmelte Dante. "Man sieht es ihr nur nicht an." Ein Kartenzähler musste sich an jede gespielte Karte erinnern. Eigentlich galt es als unmöglich, Karten zu zählen, bei der großen Anzahl an Decks, die in einem Kasino verwendet wurden. Nichtsdestotrotz gab es diese seltenen Individuen, die sich ihre Gewinnchancen sogar bei mehreren Kartendecks ausrechnen konnten.
"Das habe ich auch gedacht", sagte Al, "aber sehen Sie sich das an. Jemand kommt zu ihr, sie dreht sich um und unterhält sich mit ihm, bekommt überhaupt nicht mit, wie die Leute links von ihr spielen – und dreht sich nicht einmal um, als sie wieder an der Reihe ist, sie klopft nur mit dem Finger auf den Tisch. Und hol mich der Teufel, wenn sie nicht gewinnt. Da. Schon wieder."
Dante sah sich die Aufnahme an, spulte sie zurück und überprüfte die Szene. Dann ein drittes Mal. Es musste irgendetwas geben, aber er entdeckte kein einziges verräterisches Zeichen.
"Wenn sie betrügt", sagte Al mit einem Anflug von Respekt, "dann ist sie die Beste, die ich je gesehen habe."
"Was sagt dein Bauch?" Dante vertraute seinem Sicherheitschef. Al arbeitete seit dreißig Jahren im Kasinogeschäft, und er erkannte die meisten Betrüger, sobald sie zur Tür hereinkamen. Wenn Al glaubte, dass sie betrog, dann würde Dante etwas unternehmen – und sie würden sich diese Aufnahme nicht gemeinsam ansehen, hätte Al keinen Verdacht.
Al kratze sich am Kinn. "Wenn sie nicht betrügt, ist sie der glücklichste Mensch, der auf Erden wandelt. Sie gewinnt. Woche für Woche. Nie große Summen, aber ich habe die Zahlen überprüft, und sie erleichtert uns jede Woche um etwa fünf Riesen. Verdammt, Boss, sie steckt einen Dollar in einen Spielautomaten und ist um fünfzig reicher. Es ist nie die gleiche Maschine. Ich habe sie beobachten lassen, ich habe sogar überprüft, ob sie einen Komplizen hat, aber ich kann nichts finden."
"Ist sie gerade hier?"
"Sie ist vor etwa einer halben Stunde gekommen. Spielt Blackjack."
"Bring die Frau in mein Büro", entschied Dante schnell, "und mach keine Szene."
"Geht klar", sagte Al, und verließ das Sicherheitszimmer, wo die Bildschirme an den Wänden jede einzelne Ecke des Kasinos zeigten.
Dante ging in sein Büro. Sein Gesicht zeigte keinerlei Regung. Normalerweise kümmerte Al sich um Betrüger, aber Dante war neugierig. Wie stellte sie es an? Es gab eine Menge schlechter Betrüger, einige gute. Manchmal kam einer daher, der Geschichte machte: Der Betrüger, den man nicht erwischen konnte, auch wenn alle ihn beobachteten und die Kamera auf ihn gerichtet war – wie in diesem Fall?
Es war natürlich möglich, dass man einfach Glück hatte – zumindest das, was die meisten Menschen darunter verstanden. Das Schicksal konnte aus einem ewigen Verlierer einen Gewinner machen, und im Grunde lebten Kasinos von genau dieser Hoffnung. Aber das vermeintliche Glück entpuppte sich häufig genug als Betrug. Und dann gab es noch diese andere Art von Glück – jene nämlich, die er allzu gut kannte. Es hatte nichts mit Schicksal zu tun, sondern damit, was er war, es war eine angeborene Kraft und keine von Fortunas Launen. Doch diese Kraft war selten, und die Frau, die er beobachtete, war vermutlich nur eine sehr gute Betrügerin.
Ihre Fähigkeit ermöglicht ihr einen hohen Lebensstandard, dachte er, und rechnete nach. Fünf Riesen die Woche machten zweihundertsechzigtausend Dollar im Jahr, und das nur aus seinem Kasino. Wahrscheinlich besuchte sie alle und achtete darauf, nicht zu viel zu gewinnen, um nicht aufzufallen.
Wie lange sie sie wohl schon in sein Kasino kam, bis sie Al aufgefallen war.
Die Vorhänge vor der verglasten Außenwand seines Büros waren nicht zugezogen. Auf den ersten Blick wirkte es, also würde man einen überdachten Balkon betreten. Die Doppelglasfenster zeigten nach Westen, sodass Dante die Sonnenuntergänge betrachten konnte. Jetzt stand die Sonne tief am violett und gold getönten Himmel. In seinem Haus in den Bergen zeigten die meisten Fenster nach Osten. Irgendwie war es ihm ein Bedürfnis, die Sonne sowohl zu begrüßen als auch zu verabschieden. Ihr Licht hatte ihn schon immer angezogen, vielleicht weil das Feuer sein Element war.
Noch vier Minuten bis Sonnenuntergang. Er wusste genau, wann die Sonne hinter den Bergen verschwinden würde. Einen Wecker besaß Dante nicht, weil er keinen brauchte. Er war so fein auf den Stand der Sonne eingestimmt, dass er nur in sich hineinhorchen musste, um die genaue Zeit zu wissen. Er war einer der Menschen, die sich nur vornehmen mussten, zu einer bestimmten Zeit aufzuwachen, und es dann auch taten. Diese besondere Gabe hatte nichts damit zu tun, dass er ein Raintree war, vielen andere hatten dieselbe Fähigkeit.
Andere seiner Talente hingegen verlangten es, gründlich verborgen zu werden. Die langen Sommertage verliehen ihm ein fast sinnliches Hochgefühl, er konnte die Energie, die in ihm brummte, unter der Haut spüren. Er musste in dieser Zeit besonders aufpassen, dass sich Kerzen in seiner Nähe nicht einfach entzündeten oder dass er mit nur einem Blick einen trockenen Busch in ein Lauffeuer verwandelte. Und Dante liebte Reno, er wollte es nicht abbrennen. Nur fühlte er sich so verdammt am Leben, wenn das Sonnenlicht auf ihn hinabströmte, dass er die Energie durch sich hindurchfließen lassen wollte, statt sie in sich zu verwahren.
So musste sich sein Bruder Gideon fühlen, wenn die heiße Kraft der Blitze durch seine Muskeln und Adern strömte. Das hatten sie gemeinsam, diese Verbindung mit den Naturgewalten. Alle Mitglieder des weit verzweigten Raintree-Clans hatten eine Gabe, eine besondere Fähigkeit, aber nur Mitglieder der königlichen Familie konnten die Energien der Erde einfangen und kontrollieren.
Dante war nicht nur Mitglied der königlichen Familie, er war der Dranir, der Führer der gesamten Sippe. "Dranir" bedeutete so viel wie "König". Dante war der älteste Sohn des letzten Dranir. Jedoch wäre ihm die Position aberkannt worden, wenn er nicht auch dessen Macht geerbt hätte.
Gideon stand an zweiter Stelle. Wenn Dante etwas zustoßen sollte oder er kinderlos starb, würde Gideon Dranir werden – eine Möglichkeit, die seinem Bruder überhaupt nicht gefiel, weshalb Dante auch einen Fruchtbarkeitszauber auf dem Schreibtisch stehen hatte. Es war gerade am Morgen mit der Post gekommen. Gideon schickte sie ihm regelmäßig, nur teilweise als Scherz. Tatsächlich setzte er alles daran, dass Dante einen Nachkommen zeugte. Immer, wenn es ihnen gelang, sich zu treffen, musste Dante sorgfältig jede Falte seiner Kleidung durchsuchen, um sicherzugehen, dass Gideon nicht einen seiner cleveren kleinen Zauber versteckt hatte.
Gideon wurde immer besser darin, diese Zauber zu fertigen, aber er hatte in den letzten Jahren auch eine Menge davon hergestellt. Sie waren jetzt nicht nur mächtiger, er benutzte auch eine andere Herangehensweise. Einige von ihnen waren offensichtlich, kleine Schmuckstücke, die dazu gedacht waren, sie um den Hals zu tragen wie ein Amulett – nicht dass Dante der Typ für Amulette wäre.
Andere waren winzig wie der, den Gideon in die Visitenkarte eingebettet hatte, die er geschickt hatte, weil er wusste, dass Dante sie höchstwahrscheinlich in die Tasche stecken würde. Er hatte nur nicht damit gerechnet, dass die Kraft des Zaubers ihn verraten würde. Dante hatte die Magie gespürt, auch wenn es ihm alles andere als leicht gefallen war, ihre Quelle zu finden.
Hinter ihm ertönte das für Al typische Klopfen an der Tür. Dantes Sekretärin war schon vor Stunden nach Hause gegangen.
"Herein", sagte er, wendete sich aber nicht vom Sonnenuntergang ab.
"Mr. Raintree, das ist Lorna Clay."
Dante drehte sich um und sah die Frau an. Das Erste, was ihm auffiel, war die leuchtende Farbe ihrer Haare – ein tiefes, dunkles Rot, das aus einer Vielzahl von Farbtönen, von Kupfer bis Burgunder, bestand. Das Licht tanzte auf den schimmernden Strähnen, und er spürte das scharfe Ziehen reiner Lust. Ihr Haar zu betrachten war, als würde er ins Feuer sehen.
Das Zweite, was ihm auffiel, war, dass die Frau vor Wut schäumte.
Dann geschahen mehrere Dinge kurz nacheinander, vielleicht sogar gleichzeitig. Dantes Sinne waren geschärft. Der Funke der Begierde prallte auf das Feuer, das ihm im Blut lag. Auf der anderen Seite des Raumes entzündeten sich alle Kerzen, die einzelnen Flammen größer und heller, als sie sein sollten. Und auf seinem Schreibtisch begann Gideons verdammter kleiner Fruchtbarkeitszauber zu vibrieren, als wäre ein Schalter umgelegt worden.
Was in aller Welt …?
Er hatte nicht die Zeit, alles, was um ihn herum geschah, zu analysieren, er musste sich in den Griff bekommen, und zwar schnell. Sonst stand bald der ganze Raum in Flammen. So einen beschämenden Kontrollverlust hatte Dante nicht mehr erlebt, seit er in die Pubertät gekommen war.
Gnadenlos begann er, der aufbrausenden Kraft seinen Willen aufzuzwingen. Auch wenn er reglos dastand, fühlte er sich, als würde er im Geiste einen großen, schlecht gelaunten Bullen reiten. Es lag in der Natur der Energie, sie leistete erbitterten Widerstand gegen jeden Versuch, sie zu zähmen. Normalerweise gelang es Dante. Es reichte eben nicht aus, Macht zu besitzen, um Dranir zu werden, man musste sie beherrschen. Kontrollverlust führte zu Zerstörung – und dazu, entdeckt zu werden. Und die Raintree verdankten ihr Überleben zu großen Teilen ihrer Fähigkeit, sich den normalen Menschen anzupassen, also konnte man mit diesem Thema nicht leichtfertig umgehen.
Dante hatte sein Leben lang trainiert. Und auch wenn er wusste, dass die Zeit vor der Sommersonnenwende immer schwierig war, war er an so einen hohen Grad der Schwierigkeit nicht gewöhnt. Mit grimmiger Entschlossenheit konzentrierte er sich, zog seine Energie zurück, verschloss sie in sich. Er hätte die Kerzen löschen können, aber mit noch größerer Willenskraft ließ er sie brennen. Er würde sonst nur noch mehr Aufmerksamkeit auf sie lenken, als das Entzünden sowieso schon hervorgerufen hatte.
Das Einzige, was sich seiner Kontrolle entzog, war dieser verfluchte Fruchtbarkeitszauber, der immer noch summte und vibrierte. Auch wenn Dante wusste, dass Al und Miss Clay die Energie, die von dem Ding ausging, nicht spürten, brauchte es seine ganze Willenskraft, um es nicht anzusehen. Gideon hatte sich diesmal wirklich selbst übertroffen. Ha! Und wenn Gideon die Sache amüsant fand, dann würden sie ja sehen, wie sehr er lachte, wenn sie die Seiten umkehrten. Gideon war nicht der Einzige, der Fruchtbarkeitszauber herstellen konnte.
Nachdem er das Feuer unter Kontrolle gebracht hatte, wandte Dante sich wieder seinem Gast zu.

Lorna versuchte noch einmal, ihren Arm aus dem Griff des Gorillas zu befreien. Er packte gerade fest genug zu, um sie zu halten, ohne ihr wehzutun. Während sie es einerseits zu schätzen wusste, dass er ihr keine unnötigen Schmerzen bereitete, war ihre Wut doch stärker. Sie war außer sich und, ja, auch verängstigt – so sehr, dass sie ihn anspringen und mit aller Kraft kratzen, treten und beißen wollte, um sich zu befreien.
Ihr Überlebensinstinkt überkam sie mit voller Wucht. Doch der Mann, der so unbewegt und ruhig vor dem Fenster stand, war eine viel größere Bedrohung für sie als der Gorilla.
Ihre Kehle zog sich zusammen. Sie konnte nicht sagen, was an ihm sie so in Alarmbereitschaft versetzte, aber sie hatte sich bisher nur ein einziges Mal so gefühlt, in einer abgelegenen Gasse in Chicago. Sie war daran gewöhnt, auf sich aufzupassen, und benutzte den Weg oft als Abkürzung zu ihrer Wohnung – besser gesagt, zu dem kleinen, heruntergekommenen Zimmer in einem verfallenen Gebäude. Aber eines Nachts, als sie gerade dort eingebogen war, hatten sich ihre Haare aufgestellt. Lorna hatte, starr vor Schreck, keinen Schritt mehr machen können. Sie konnte nichts Verdächtiges sehen oder hören – doch sie konnte sich nicht vorwärts bewegen. Ihr Herz hatte so stark in ihrer Brust geschlagen, dass sie kaum atmen konnte, und ihr war auf einmal schlecht vor Angst geworden. Langsam hatte sie sich aus der Gasse zurückgezogen, war die Straße hinunter geflüchtet und hatte einen großen Umweg gemacht.
Am nächsten Morgen war die Leiche einer Prostituierten in der Gasse gefunden worden. Lorna wusste, dass sie das Opfer hätte sein können, wenn ihre plötzliche Panik sie nicht gewarnt hätte.
Und jetzt war es genau so wie damals, als würde ihr Sinn für Gefahr mit voller Wucht ihren Körper rammen. Der Mann, der vor ihr stand, war eine Bedrohung. Er würde sie nicht ermorden, aber es gab genügend andere Wege, sie zu zerstören.
Ihr war, als müsste sie ersticken. Kleine Punkte flimmerten vor ihren Augen, und sie merkte, dass sie kurz davor war, in Ohnmacht zu fallen. Das durfte nicht passieren.
"Miss Clay", sagte er samtweich, als würde er ihre Panik nicht bemerken. "Bitte setzen Sie sich."
Diese nüchterne Kombination aus Einladung und Befehl hatte den segensreichen Effekt, dass Lorna aus ihrer Erstarrung erwachte. Irgendwie gelang es ihr, einzuatmen, ohne zu keuchen, einmal, dann noch einmal. Ihr würde nichts geschehen. Sie musste keine Angst haben. Ja, es war eine beunruhigende Situation, und wahrscheinlich würde sie nicht ins Inferno zurückkommen, um zu spielen, aber sie hatte weder Gesetze noch Kasinoregeln gebrochen. Sie war in Sicherheit.
Wieder flammten die Lichtpunkte auf. Was …? Verwirrt drehte Lorna den Kopf und starrte auf zwei Altarkerzen, jede von ihnen fast einen Meter hoch. Eine stand auf dem Boden und die andere auf einem weißen Marmorbrocken, der als Ofen diente. Flammen tanzten an den Dochten der Kerzen.
Kerzen. Sie wäre gar nicht in Ohnmacht gefallen. Die flimmernden Punkte vor ihren Augen waren Kerzenflammen gewesen. Sie hatte sie nicht bemerkt, als sie in den Raum gebracht worden war.
Die Flammen tanzten hin und her, als stünden sie in einem Luftzug. Logisch, es war Sommer, und die Klimaanlage lief mit Sicherheit auf höchster Stufe. Lorna trug trotzdem immer etwas Langärmeliges, wenn sie in ein Kasino ging, sonst wurde ihr einfach zu kalt.
Sie zuckte zusammen, als ihr bewusst wurde, dass sie nur die Kerzen ansah und auf die Einladung, sich zu setzen, gar nicht reagiert hatte. Lorna zwang sich, ihre Aufmerksamkeit wieder auf den Mann am Fenster zu richten.
"Wer sind Sie?", fragte sie scharf. Noch einmal versuchte sie, ihren Arm zu befreien, aber der Gorilla seufzte nur und hielt sie weiter fest. "Lassen Sie mich los!"
"Ist schon gut", mischte sich der fremde Mann ein und klang dabei leicht amüsiert. "Danke, dass du sie hergebracht hast."
Der Gorilla gab sie augenblicklich frei. "Ich bin in der Sicherheitszentrale", sagte er, bevor er leise das Büro verließ.
Ob es sich lohnen würde zu fliehen? Lorna dachte darüber nach, blieb jedoch nach wie vor stehen. Sie wollte nicht weglaufen. Im Kasino kannte man ihren Namen und hatte eine Beschreibung von ihr. Sobald Lorna floh, würde man sie auf die Schwarze Liste setzen – nicht nur im Inferno, sondern in jedem Kasino in Nevada.
"Ich bin Dante Raintree." Der Mann wartete auf eine Reaktion. Lorna zog aber nur fragend die Augenbrauen hoch. "Mir gehört das Inferno."
Mist! Ein Besitzer hatte eine Menge Einfluss bei der Spielkommission. Lorna musste jetzt sehr vorsichtig sein, aber sie hatte einen Vorteil. Er konnte nicht beweisen, dass sie betrog. Denn das tat sie ja auch nicht.
"Dante. Inferno. Verstehe", antwortete sie gelassen und dachte Na und? Er war wahrscheinlich so reich, dass er glaubte, man müsse vor Ehrfurcht erstarren. Tja, wenn er das von ihr erwartete, musste er schon etwas mehr auf Lager haben. Sie wusste Geld zu schätzen, es machte das Leben einfacher. Jetzt, da sie ein kleines finanzielles Polster hatte, schlief sie viel besser. Es war erstaunlich erleichternd, zu wissen, woher ihre nächste Mahlzeit kam. Gleichzeitig verachtete Lorna Menschen, die glaubten, ihr Reichtum würde sie zu Sonderbehandlungen berechtigen.
Außerdem war sein Name lächerlich. Vielleicht hieß er ja wirklich Raintree, aber den Vornamen hatte er wahrscheinlich der Dramatik wegen gewählt und weil es zu seinem Kasino passte. Sicher hieß er in Wirklichkeit Fred oder Melvin.
"Bitte setzen Sie sich", wiederholte er und deutete auf das cremeweiße Ledersofa zu ihrer Rechten.
Ein Couchtisch aus Jade stand zwischen dem Sofa und zwei gemütlichen Sesseln. Lorna versuchte, den Tisch nicht anzustarren, als sie auf einem der Sessel Platz nahm. Sicherlich hatte der Tisch nur die gleiche Farbe wie Jade und war nicht wirklich aus dem Stein gefertigt worden. Wahrscheinlich war es nur Glas. Doch selbst wenn, es war er ein ausgezeichnetes Stück Handwerkskunst.
Lorna hatte nicht viel Erfahrung mit Luxusartikeln, aber sie besaß eine Art sechsten Sinn für ihre Umgebung. Sie begann, sich von den Dingen um sie herum überwältigt zu fühlen. Nein, das war das falsche Wort. Sie versuchte, das Fremde, das Unbekannte, das in der Luft lag, zu benennen. Es gelang ihr nicht. Aber sie spürte immer noch einen Hauch von Gefahr.
Als Dante Raintree auf sie zukam, merkte sie, dass alles, was sie spürte, von ihm ausging. Sie hatte recht gehabt, er war es. Er war die Gefahr.
Er bewegte sich mit träger Eleganz, dennoch wirkte er keinesfalls langsam oder faul. Er war groß, fast zwanzig Zentimeter größer als sie, und auch wenn er maßgeschneiderte Kleidung trug, verbarg der Stoff seine Muskeln nicht ganz. Er war kein Gepard, er war eher ein Tiger.
Wie um sich zu schützen, hatte sie bisher vermieden, ihm direkt ins Gesicht zu sehen. Doch sie wusste es besser. Unwissen war keine gute Verteidigung. Und Lorna hatte schon vor langer Zeit gelernt, dass es nichts nützte, den Kopf in den Sand zu stecken und auf das Beste zu hoffen.
Er setzte sich ihr gegenüber, und nachdem sie sich innerlich gewappnet hatte, sah sie ihm direkt in die Augen.
Ihr stockte der Atem. Sie hatte das schwindelerregende Gefühl zu fallen, sie konnte sich gerade noch dazu zwingen, sich nicht auf die Lehnen des Sessels zu stützen.

-Leseprobe