VAMPIRALARM
Beiß mich, fleht Colleen den geheimnisvollen Damian an. Seine Augen glänzen verheißungsvoll, sie wünscht sich nichts sehnlicher, als mit ihm vereint zu sein! Doch da erwacht sie – und erkennt die Gefahr, die mit dem blutdürstigen Traumtypen über die Stadt gekommen ist …
BLUTSBANDE
Nächtliche Schreie, Blutspuren im Keller: Ashley stirbt fast vor Angst! Was geschieht in dieser Hollywood-Villa? Und warum will der Filmproduzent unbedingt mit ihr einen Vampirfilm drehen, nachdem ihre Mutter diese Rolle gespielt hat – und spurlos verschwunden ist?
DAS GRAB DES VAMPIRS
Immer stärker wird Jessies Gier! Seit sich ihr Blut mit dem des Vampirsohns Lucan vermischt hat, verändert sie sich unaufhaltsam. Es scheint keine Rettung mehr zu geben – für die anderen! Denn Jessie kann nur noch an das Eine denken: an scharlachroten Menschensaft …
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Leseprobe
VAMPIRALARM
Gähnend fuhr sich Colleen Richardson über die schweren Lider. Sie fühlte sich müde wie nie zuvor in ihrem Leben, und trotzdem bekam sie kein Auge zu. Wie hatte sie die breiten Sitze des Greyhound-Busses bloß bequem finden können?
Doch das war jetzt bereits Stunden her. Stunden, in denen sie kaum einmal die Gelegenheit gehabt hatte, ihre steifen Glieder zu strecken. Sie machte sich schon langsam Sorgen, dass ihr Hintern von der ewigen Sitzerei am Ende ganz platt sein würde.
Colleen stöhnte, als der Bus durch ein Schlagloch fuhr, das sämtliche Passagiere mit einem markerschütternden Ruck aus den Sitzen hob. Schon wieder! Konnten die hier draußen in der Pampa denn keine anständigen Straßen bauen?
Pampa. Ja, das Wort traf es ziemlich genau. Meile um Meile fuhren sie durch diese öde Landschaft. Rechts und links der Straße war nichts zu sehen als Mais, Mais und noch mal Mais. Ein Feld reihte sich an das nächste, und Colleen hatte fast das Gefühl, in eine vollkommen andere Welt geschleudert worden zu sein. Vielleicht hatte der Bus ja irgendwo hinter der Grenze von Arizona einen Dimensionssprung vollführt, und sie bewegten sich jetzt durch eine Welt, in der die Maispflanze und nicht der Mensch die höchstentwickelte Lebensform war?
Blödsinn!, dachte Colleen und grinste über diese absurde Idee. Dabei war der Gedanke im Grunde gar nicht mal so abwegig. Für eine Fünfzehnjährige, die bisher in einer pulsierenden Metropole wie L. A. gelebt hatte, war die Aussicht, die nächsten zwölf Monate hier draußen in dieser Einöde zu verbringen, tatsächlich wie ein Schritt in eine neue, völlig fremde Welt.
Zwölf Monate.
Allein der Gedanke daran ließ es Colleen eiskalt den Rücken herunterrieseln. Missmutig lehnte sie sich in ihrem Sitz zurück und schloss die Augen. Schon jetzt vermisste sie ihre Freunde, ihre Familie – ja, sogar ihre Schule. Dabei war sie doch gerade einmal ein paar Stunden von zu Hause fort!
Ihre Gedanken wanderten zurück zu dem verhängnisvollen Nachmittag vor drei Wochen. Mit ihrer besten Freundin Darlene war sie durch die piekfeinen Boutiquen von Beverly Hills gezogen – nicht, dass sie es sich hätten leisten können, dort auch nur ein Haarband zu kaufen! Es war zwar nicht so, dass Colleens Eltern arm waren, doch sie waren nun einmal felsenfest davon überzeugt, dass zu viel Taschengeld den Charakter verdarb.
Colleen machte es nichts aus. Sie hatte auch so mit Darlene jede Menge Spaß. Sie begnügten sich meistens damit, so zu tun, als ob – und die Verkäuferinnen in den Boutiquen nahmen es ihnen ab.
Doch an diesem Nachmittag war etwas anders gewesen.
"Schau mal!", rief Darlene begeistert und deutete mit dem Finger auf einen silbernen Armreif im Schaufenster der Filiale eines bekannten und sündhaft teuren Modelabels. "Ist er nicht wunderschön? Meinst du, der steht mir?"
Colleen pfiff durch die Zähne. "Du spinnst ja. Hast du zufällig schon mal einen Blick auf das Preisschild geworfen?"
Doch auch davon ließ sich Darlene nicht abbringen. "Ist doch egal, was er kostet, ich möchte ihn mir ja bloß mal ansehen. Ach komm schon, sei kein Frosch!"
"Na, dann lass uns halt reingehen. Aber mach nicht so lange, hörst du?"
Gemeinsam betraten sie den Laden. Eine chic gekleidete, wasserstoffblonde Verkäuferin kam sogleich auf sie zugeeilt und fragte nach ihren Wünschen.
"Ich würde mir gern den Armreif aus dem Schaufenster näher ansehen", erklärte Darlene cool. Eines musste man ihr lassen: Sie hatte es echt drauf, anderen etwas vorzuspielen. Wenn sie es drauf anlegte, konnte sie wahrscheinlich sogar einem waschechten Briten weismachen, dass sie die Queen von England war.
Ihr Charme zog auch diesmal. "Sie haben wirklich einen vorzüglichen Geschmack, Miss", säuselte die Verkäuferin. "Das Stück ist ganz besonders exquisit."
Colleen verdrehte die Augen. Sie hatte die Show ihrer Freundin schon zu oft miterlebt, um sie noch wirklich aufregend zu finden. "Entschuldigen Sie", sprach sie die Blondine an. "Könnte ich bei Ihnen vielleicht kurz auf die Toilette gehen?"
Missbilligend rümpfte die Verkäuferin ihr schmales Näschen, dann nickte sie. "Hinter den Umkleidekabinen gleich rechts. Kommen Sie alleine zurecht?"
"Natürlich", erwiderte Colleen stirnrunzelnd. Sie wandte sich an Darlene. "Ich lasse meinen Rucksack hier bei dir, okay?"
Colleen deutete das Schweigen ihrer Freundin als Zustimmung und machte sich auf den Weg zum Waschraum. Hinter ihrem Rücken hörte sie, wie Darlene und die blonde Verkäuferin aufgeregt miteinander debattierten. Was für ein Brimborium, dachte sie bei sich. Vor allem, da Darlene den Armreif ohnehin nicht würde kaufen können.
Als sie fünf Minuten später in den Verkaufsraum zurückkehrte, war nur noch Darlene zu sehen. Auffordernd streckte sie ihr den Rucksack entgegen. "Komm, wir gehen", sagte sie, nahm Colleen beim Arm und zog sie mit sich zur Tür.
"Was ist denn los?", wollte Colleen wissen. "Warum hast du's plötzlich so eilig?"
Darlene antwortete nicht, doch gerade, als sie zur Eingangstür hinausgingen, schrillte plötzlich eine Alarmsirene los. Irritiert blickte Colleen sich um. Doch noch bevor sie begriff, was geschehen war, stürmte ihre Freundin auch schon los und zog sie einfach hinter sich her.
Sie waren bereits an der nächsten Straßenecke angelangt, als Colleen eine Frauenstimme rufen hörte: "Haltet die beiden Mädchen auf! Das sind Ladendiebinnen!"
Noch ehe Colleen sich versah, fand sie sich im unsanften Klammergriff eines jungen Mannes in Polizeiuniform wieder. "Stehen geblieben, junge Dame", sagte er. "Lass mich doch mal einen Blick in deinen Rucksack werfen, ja?"
Verwirrt blickte sie sich um. Wo war Darlene geblieben? Sie schien plötzlich wie vom Erdboden verschluckt. Und was war hier überhaupt los? Wieso hatte die Verkäuferin aus der Boutique behauptet, sie hätten etwas gestohlen?
Doch als der junge Officer triumphierend einen silbernen Armreif aus ihrem Rucksack hervorzog, schwante Colleen, was geschehen war. Darlene!, dachte sie zugleich wütend und verzweifelt. Was hast du getan?
Ihre Freundin musste das Armband in ihrer Tasche versteckt haben, während sie auf der Toilette gewesen war. Ja, genau so musste es gewesen sein!
Ihr erster Impuls war es, Darlene zu verraten. Doch dann überlegte sie es sich anders. Sie war unheimlich enttäuscht von ihrer besten Freundin. Wie hatte sie ihr das nur antun können? Und doch konnte sie Darlene nicht einfach in die Pfanne hauen. Wahrscheinlich würde ihr ohnehin niemand glauben, dass sie von alldem nichts gewusst hatte. Und Darlenes Eltern waren, wie sie wusste, äußerst streng. Nicht auszudenken, was sie mit ihrer Tochter anstellten, wenn herauskam, dass sie neuerdings eine Karriere als Ladendiebin anstrebte!
Colleen nahm schließlich alle Schuld auf sich. Was dann kam, war entsetzlich. Die Stunden auf dem Polizeirevier und die Befragungen waren nicht einmal das Schlimmste. Die Enttäuschung im Blick ihrer Eltern war es, die Colleen am meisten mitnahm. Doch niemals hätte sie damit gerechnet, was ihre Entscheidung, Darlene zu decken, noch für Konsequenzen für sie haben sollte …
Ein paar Tage später teilten ihre Eltern ihr mit, dass sie sie für ein Jahr zu ihrem Großvater Jock Stevens nach Arizona schicken wollten. Um ihr die Flausen auszutreiben, nannten sie es. Colleen hingegen hatte eher das Gefühl, ins Exil geschickt zu werden. Ein Jahr in einem kleinen Kaff in Arizona – das war für sie so gut wie lebenslänglich!
Sie hatte gefleht und gebettelt, gejammert und geheult, doch es hatte alles nichts gebracht. Ihre Eltern waren hart geblieben, und so befand sich Colleen jetzt auf dem Weg zu ihrem Großvater nach Jaspers Landing. Schon allein der Name ließ ahnen, dass sich hier Fuchs und Hase gute Nacht sagten.
Darlene war ein paar Tage vor ihrer geplanten Abreise reumütig zu ihr nach Hause gekommen. "Das habe ich nicht gewollt", sagte sie. "Ich erkläre deinen Eltern, was wirklich passiert ist, okay? Es tut mir so furchtbar leid! Ich weiß selbst nicht, was da in mich gefahren ist …"
"Schon gut." Colleen winkte ab. "Mach dir um mich mal keine Sorgen, okay? Die zwölf Monate kriege ich schon rum. Kein Grund, dass du dich jetzt auch noch in Schwierigkeiten bringst." Und mit einem Lächeln fügte sie hinzu: "Hauptsache, du schreibst mir ab und zu."
Das hatte Darlene ihr natürlich hoch und heilig versprochen, und so hatten die beiden beschlossen, bei der Version, die Colleen ihren Eltern aufgetischt hatte, zu bleiben.
Jetzt allerdings, wo sie wirklich im Bus auf dem Weg nach Jaspers Landing saß, war Colleen keineswegs mehr so sicher, dass das eine Jahr fernab der Zivilisation tatsächlich so schnell vorübergehen würde, wie sie ihrer Freundin gesagt hatte.
Was, wenn sie und ihr Großvater sich überhaupt nicht verstanden? Sie kannte ihn ja eigentlich gar nicht, hatte ihn zuletzt auf der Party zu ihrem sechsten Geburtstag gesehen.
Doch es war zu spät, sich darüber Gedanken zu machen. Frustriert fuhr sich Colleen durch das lange, kupferfarbene Haar. Sie musste da jetzt wohl oder übel durch …
"Entschuldigen Sie, aber wenn mich nicht alles täuscht, müssen Sie beim nächsten Stopp raus, junge Lady."
Colleen blinzelte verwirrt. Es dauerte einen Moment, bis sie begriff, dass sie eingeschlafen war. Ihr Sitznachbar, ein älterer Herr mit schlohweißem Haar und freundlich dreinblickenden Augen, musterte sie lächelnd. "Jaspers Landing, so war doch der Name der Ortschaft, nicht wahr?"
Colleen nickte, wischte sich hastig den Schlaf aus den Augen und schaute aus dem Fenster. Gerade passierten sie das Ortseingangsschild von Jaspers Landing. "Ja richtig. Vielen Dank!"
Sie schulterte ihren schweren Rucksack und trat auf den Gang. Ein paar Minuten später lenkte der Fahrer den Bus an den Straßenrand. Mit einem leisen Zischen glitten die Türhälften auseinander.
"Gute Fahrt noch", rief sie ihrem Sitznachbarn zu, bevor sie auf die staubige Straße hinuntersprang.
Gepäck hatte sie, außer ihrem Rucksack, keines dabei, da ihre Eltern ihr das meiste bereits vorausgeschickt hatten. Und weil außer ihr niemand in Jaspers Landing aussteigen wollte, brauste der Bus einen Augenblick später auch schon wieder davon und verschwand in einer gewaltigen Staubwolke aus ihrem Blickfeld.
Seufzend sah sich Colleen um. Die Haltestelle des Greyhounds schien etwas außerhalb der eigentlichen Ortschaft zu liegen. Nach Häusern hielt sie auf jeden Fall vergeblich Ausschau. Auch hier schien es nur die ewig gleiche Aneinanderreihung von Maisfeldern zu geben.
Hatte ihre Mom nicht gesagt, dass ihr Großvater sie abholen wollte? Sie warf einen Blick auf ihre Armbanduhr. Nein, sie war nicht zu früh dran. Eigentlich war sie sogar ziemlich pünktlich. Doch Grandpa Jock war nirgendwo zu sehen.
Das fängt ja super an!, dachte sie grimmig. Es blieb ihr wohl nichts anderes übrig, als zu warten. Sie wusste ja nicht einmal, in welcher Richtung der Ortskern von Jaspers Landing lag. Wenn sie jetzt auf eigene Faust losging, würde sie sich nur verlaufen.
Frustriert ließ sie sich auf einen umgestürzten Straßenbegrenzungsstein sinken und beschattete ihre Augen vor dem grellen Sonnenlicht. Wie aus weiter Ferne drang ein leises, irgendwie metallisch klingendes Husten und Stottern an ihr Ohr.
Angestrengt horchte Colleen. Ja, jetzt war sie ganz sicher, dass es sich um einen alten Pick-up oder Lastwagen handelte. Auf jeden Fall hatte er schon bessere Tage erlebt, denn die Geräusche, die er erzeugte, klangen alles andere als gesund.
Colleens Neugier wurde nicht lange auf die Probe gestellt. Das Knattern und Scheppern wurde immer lauter, bis schließlich tatsächlich ein uralter Pick-up an der nächsten Straßenbiegung auftauchte.
Amüsiert betrachtete sie das altersschwache Vehikel. Wahrscheinlich war der Lack einmal rot gewesen, doch jetzt hatte er eine rotbraune, rostähnliche Farbe angenommen. Gar nicht mal so unpassend, fand Colleen. Denn schließlich wirkte das ganze Gefährt so, als würde es nur noch von Rost und Dreck zusammengehalten.
Und mit einem Mal kam ihr ein äußerst besorgniserregender Gedanke: Was, wenn dieser motorisierte Schrotthaufen ihrem Grandpa gehörte?
Und tatsächlich kam der Pick-up mit dem ohrenbetäubenden Knall einer Fehlzündung genau neben ihr zum Stehen. Das erleichterte Keuchen, das er ausstieß, als der Motor abgestellt wurde, klang beinahe menschlich.
Colleen verdrehte die Augen und seufzte. Ging ihre Pechsträhne denn nie vorbei?
Doch sie änderte ihre Meinung sehr schnell wieder, als die Beifahrertür des Wagens aufgestoßen wurde und sie einen Blick auf den Fahrer erhaschen konnte. Bisher hatte sie ihn durch die vor Schmutz fast blinden Scheiben gar nicht sehen können.
Jetzt schnappte sie überrascht nach Luft.
"Hi, du musst Colleen sein, richtig?"
Colleen nickte stumm, zu mehr war sie augenblicklich nicht in der Lage. Wow, was für ein süßer Typ! Sie konnte nicht anders, als ihn schweigend anzustarren. Das strahlende Blau seiner Augen war einfach zum Niederknien, und der Rest war auch nicht schlecht.
Das dunkle Haar trug er so kurz, dass man die helle Kopfhaut durchscheinen sehen konnte – normalerweise keine Frisur nach Colleens Geschmack, doch irgendwie stand sie ihm. Sie brachte seine umwerfenden Augen zur Geltung. Ein bisschen sah er aus wie Orlando Bloom mit extremem Kurzhaarschnitt.
"Hallo, ist jemand zu Hause?" Mit einem amüsierten Lächeln musterte er sie.
Colleen schoss die Röte ins Gesicht, als ihr bewusst wurde, dass sie ihn die ganze Zeit über mit großen Augen angestarrt hatte. "Ähm … Ja, ich bin Colleen. Freut mich, dich kennenzulernen."
Er lächelte noch immer, als er ihr die Hand entgegenstreckte. "Mein Name ist Jake Kennedy. Freut mich auch." Verschmitzt zwinkerte er ihr zu. "Umso mehr, da wir nicht allzu viele hübsche Girls in Jaspers Landing haben!"
Colleen schwieg verlegen. Sonst durchaus nicht auf den Mund gefallen, tat sie sich mit Komplimenten immer schon schwer. Besonders, wenn sie ihr von gut aussehenden Jungs gemacht wurden. Sie beneidete dann immer jene Mädchen, die in solchen Situationen cool und gelassen blieben.
"Sag mal, willst du hier Wurzeln schlagen? Steig doch endlich ein, dann können wir auf der Fahrt in die Stadt ein bisschen quatschen."
"Ich weiß nicht, Jake", erwiderte Colleen zögernd. "Eigentlich wollte mein Großvater mich abholen. Wenn er jetzt gerade auf dem Weg hierher ist …"
"Mach dir da mal keine Sorgen. Rate doch mal, wer mich geschickt hat." Jake lächelte. "Der alte Jock hatte gerade ein wichtiges Telefonat und bat mich, dich abzuholen. Ich hoffe, das macht dir nichts aus."
Rasch schüttelte sie den Kopf. "Im Gegenteil!"
Jake musste mehrere Anläufe starten, bevor sein Wagen endlich wieder stotternd und klappernd zum Leben erwachte. Strahlend blickte er Colleen an, die auf dem Beifahrersitz Platz genommen hatte. "Ist schon ein bisschen in die Jahre gekommen, aber zuverlässig wie nur irgendwas. Hat mich noch nie im Stich gelassen, mein altes Schätzchen", sagte er und tätschelte liebevoll das Lenkrad.
Es fiel Colleen schwer, ein Schmunzeln zu unterdrücken. Jake war nicht der erste Junge, dessen Augen zu leuchten begannen, wenn er über seinen Wagen sprach. Meistens fiel ihr solch ein Imponiergehabe ziemlich rasch auf den Wecker, doch bei Jake war das anders.
Im Gegensatz zu den Jungs aus ihrer Schule in Los Angeles, die von ihren Eltern zur Feier der bestandenen Führerscheinprüfung gleich die Schlüssel eines schicken Sportwagens in die Hände gedrückt bekamen, wirkte sein Stolz auf den klapprigen Schrotthaufen, den er Auto nannte, beinahe rührend.
"Erzähl doch mal", sagte Jake, während der Pick-up sich mühsam eine sanfte Steigung hochkämpfte. "Was treibt dich in so ein verschlafenes Nest wie Jaspers Landing? Wie ich hörte, kommst du doch aus Los Angeles. Jock wollte einfach nicht mit der Sprache rausrücken, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass du das Leben in der Großstadt freiwillig gegen eines hier auf dem Land eintauschst."
Colleen seufzte. "Meine Eltern denken, ich wäre in schlechte Kreise geraten oder so. Sie hielten es wohl für besser, wenn ich eine Weile aus L. A. verschwinde."
"Und?"
Verwirrt blickte sie ihn an. "Was, und?"
"Bist du wirklich in schlechte Kreise geraten?"
Colleen schwieg einen Augenblick nachdenklich, dann schüttelte sie den Kopf. "Nein, eigentlich nicht. Es war im Grunde keine große Sache, und eigentlich war ich nicht einmal direkt darin verwickelt, sondern eine Freundin." Sie zuckte mit den Schultern. "Aber so, wie die Dinge lagen, hätte mir ohnehin niemand geglaubt. Ich hatte ja keine Ahnung, dass ich deshalb gleich hierher strafversetzt werde."
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