MYLADY VALENTINSBAND BAND 0003

MYLADY VALENTINSBAND BAND 0003

Erscheinungstag:Di, 05.01.2010
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Roman:
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HEIMLICHE KÜSSE AUF DEM VALENTINSBALL von: SIMPSON, DONNA

Über diesen Roman:

Liebe, Romantik – gar eine glückliche Ehe? Nichts als eine Illusion, glaubt Lord Kentigern. Aber dann besucht er in der Valentinsnacht einen Maskenball, tanzt mit einer liebreizenden Fremden und spürt erstaunt: Auch sein zynisches Herz ist nicht vor Amors Pfeil sicher …

HEIRAT AM VALENTINSTAG von: HINSHAW, VICTORIA

Über diesen Roman:

Kalter Februar in London – aber in Susans Herzen lacht die warme Sonne! Sie hat sich in den samtäugigen Gianni DiFerrante verliebt, und sein Valentinsgedicht hat ihr verraten, dass er ihre Gefühle erwidert! Doch der italienische Adlige verbirgt etwas vor ihr …

EIN LIEBESBRIEF MIT ROTEN ROSEN von: PARKS, JULIA

Über diesen Roman:

Die junge Lady Claire ist überzeugt: Wenn es um Schönheit geht, wird sie für immer im Schatten ihrer bezaubernden Schwestern stehen! Doch dann naht der Valentinstag, und plötzlich erhält ausgerechnet sie hinreißende Liebesbriefe von einem Unbekannten …

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Leseprobe

Aus: HEIRAT AM VALENTINSTAG von VICTORIA HINSHAW

1. KAPITEL

London, 1814

Aufmerksam betrachtete Miss Susan Kimball die Bewegungen ihrer Lippen im Spiegel, während sie Worte formte. "Bella mia, ti amo … Ti amo, carissima mia." Sie stellte sich vor, wie ein stattlicher, edler Conte sie in seine Arme zog und ihr ganzes Gesicht mit süßen Küssen bedeckte. In ihren Gedanken konnte sie gar seine Seufzer der Liebe hören, seine tiefe, brennende Leidenschaft spüren.
Sie richtete den Blick auf das schmale Buch in ihrer Hand und blätterte um, darauf hoffend, weitere Wendungen für Liebesbezeugungen zu finden. Das nächste Kapitel trug allerdings die Überschrift "Das Mieten einer Kutsche". Was hatte sie auch erwartet? Die Wörter ti amo, auf die sie in dem Werk "Die Sprache der italienischen Staaten und Provinzen – ein Kompendium mit nützlichen Redewendungen, Wörtern und Informationen für Reisende" gestoßen war, hatten sie ins Träumen gebracht. Die Ausgabe stammte aus dem Jahr 1788, war also bereits fast dreißig Jahre alt. Doch mehr stand ihr nicht zur Verfügung, um sich selbst die Sprache des Landes zu lehren, das sie glühend gern bereist und im wahrsten Sinne des Wortes erlebt hätte.
Wieder auf ihre Lippen im Spiegel blickend, flüsterte sie: "Ti amo, mia bella."
Gleich darauf verzog sie den Mund zu einem traurigen Lächeln. Warum gab sie sich bloß mit diesem haarsträubenden Unsinn ab? Niemals würde ein Conte von ihr entzückt sein. Niemand würde ihr diese melodisch klingenden Liebesbezeugungen ins Ohr raunen, und sie würde nie die Gelegenheit haben, sie selbst zu äußern, denn der dunkelhaarige, ein wenig gefährliche Mann, dem sie diese Worte zuflüstern wollte, existierte nur in ihren Träumen.
Sie trat einen Schritt zurück und begutachtete ihre Figur, von der schlanken Taille über die Rundungen ihres Busens bis zu ihrem Gesicht. Kein englischer Gentleman hatte sie bisher mit liebevollen Komplimenten bedacht. Wie kam sie nur auf den Gedanken, dass ein adliger Herr aus Florenz oder Venedig ihr braunes, zu einem Knoten aufgestecktes Haar oder ihre grauen Augen der Bewunderung wert finden würde?
Unwillkürlich schüttelte sie den Kopf. Sie unterschied sich in jeder Hinsicht von ihren vier Schwestern, war das mittlere Kind, das sich nirgendwo einfügte. Ihre Schwestern besaßen die Schönheit ihrer Mutter. Sie hatten ihre hellblonden Locken geerbt und ihre Augen, die so blau waren wie der Himmel über den Feldern ihrer Heimat in der Nähe von Salisbury. Sie selbst hingegen kam ganz nach ihrem Vater William Kimball, Baron Halford.
Doch nicht nur im Aussehen unterschied sie sich von ihren Schwestern. Ihre beiden älteren Schwestern Araminta und Philadelphia hatten bereits vor geraumer Zeit geheiratet und mehrere Kinder zur Welt gebracht, denn trotz ihrer ausgefallenen Namen waren sie so konventionell und altmodisch, wie eine Frau nur sein konnte. Den Beschreibungen in den Damenmagazinen nacheifernd waren sie stets bestrebt sich als Vorbild an Tugendhaftigkeit und weiblicher Würde zu zeigen. Ihre jüngere Schwestern Dianthe und Theodosia waren da nicht anders. In dieser Saison würden sie sich auf die Suche nach einer passenden Partie machen. Ihre Mutter hatte indes jegliche Hoffnung aufgegeben, für ihre mittlere Tochter einen Gemahl zu finden, nachdem sie in ihrer dritten Saison im letzten Jahr dem einzigen Mann einen Korb gegeben hatte, der sich überhaupt die Mühe machte, sie zu umwerben.
Susan wandte sich von ihrem glanzlosen Ebenbild im Spiegel ab. Es schien ihr, als ob sie den ihren Schwestern zugedachten Anteil an Fantasie erhalten hätte, beim Verteilen des guten Aussehens dafür aber leer ausgegangen sei. Während die Gedanken ihrer Schwestern ausschließlich um konventionelle Dinge kreisten, träumte sie von aufregenden Reisen, insbesondere nach Italien. Die barocke Pracht Roms, die Kirchenfresken in Florenz – der Stadt der Medici, die auf dem Canal Grande in Venedig dahingleitenden Gondeln, solche Bilder füllten ihren Geist und bewegten ihr Gemüt. Umso ironischer erschien es ihr, dass nicht sie mit der Schönheit gesegnet war, die ein Italiener an einer Frau wohl bewundern würde, sondern ihre Schwestern, deren Horizont sich allein auf die feine Gesellschaft Londons beschränkte.
"Susan, bist du immer noch nicht fertig? Wir wollen aufbrechen", drang die Stimme ihrer Großmutter, der verwitwete Dowager Countess of Traisdel, mahnend aus der Halle durch die geöffnete Zimmertür. "Du solltest deine wärmste Pelisse überziehen."
Rasch verbarg Susan das Buch in den Falten ihres Rocks, bevor sie sich umdrehte und rief. "Ich komme gleich."

Eine Viertelstunde später erreichten sie Renwick House. Susan folgte ihrer Großmutter aus der Kutsche in die marmorne Halle, wo ihnen ein Lakai aus den Mänteln half.
"Lady Renwick erwartet Sie im Blauen Salon", sagte der Butler und führte die Damen die breite Treppe aus weißem Marmor hinauf.
Hinter ihrer Großmutter herschreitend, schwor sich Susan, kein Wort zu äußern, sollte die Einführung ihrer Schwestern in die Londoner Gesellschaft zur Sprache kommen, und damit auch ihr eigenes Versagen, selbst nach mehreren Saisons keinen Gatten gefunden zu haben. Dass dies im Laufe der Unterhaltung der Fall sein würde, daran gab es keinen Zweifel. Eigentlich sollte sie sich inzwischen an solche Bemerkungen gewöhnt haben. Seit ihrer Ankunft in London, eine Woche nach Neujahr, schien es nur noch ein einziges Gesprächsthema zu geben: warum Susan keinen Anklang bei der Herrenwelt fand und weshalb Dianthe und Theodosia gewiss mehr Erfolg haben würden als sie.
Höflich knickste Susan vor Lady Renwick und setzte sich neben deren Tochter Lady Caroline, ein stilles Mädchen von neunzehn Jahren, dessen erste Saison im letzten Jahr ebenso erfolglos verlaufen war wie ihre eigene. Mit Caroline hatte sich Susan bei mindestens einem Dutzend Bällen unterhalten, während sie als Mauerblümchen den Tanzenden zuschauten.
"Mama hat Pläne für mich", sagte Caroline nun leise, während die beiden älteren Damen sich über das ungewöhnlich kalte Wetter austauschten.
"Sie hat Pläne für dich? Was hat sie denn vor? Was sollst du tun?" Susan wusste, wie schüchtern Caroline in Gesellschaft wurde, obgleich sie über eine zarte Schönheit und ansehnliche Mitgift verfügte.
"Mama möchte, dass ich singe. Sie ist der Ansicht, meine Stimme sei mein höchstes Gut, deshalb soll ich auf dem Ball einige Lieder vortragen. Einen Musiklehrer hat sie auch schon für mich engagiert, doch ich fürchte, ich werde vor Aufregung keinen Ton herausbringen."
"Natürlich wirst du das. Du hast eine wunderbare Stimme." Susan schaute verstohlen hinüber zu Lady Renwick, die sich angeregt mit ihrer Großmutter unterhielt. Der Plan von Carolines Mutter schien vielversprechend, wenn das schüchterne Mädchen nur den Mut aufbringen würde, diesen auszuführen.
"Der Musiklehrer, Mylady, wie Sie befohlen haben", meldete der Butler von der Tür und trat einen Schritt zur Seite, um zwei Herren eintreten zu lassen.
Susans Augen weiteten sich. Beide hatten dunkles, lockiges Haar, das auf italienische Abstammung deuten konnte. Vielleicht ergab sich die Möglichkeit zu einem Gespräch. Möglicherweise konnte einer der beiden sie sogar die italienische Sprache lehren.
Völlig gebannt von dem blendenden Aussehen der beiden, ließ sie ihre Gedanken weit in die Ferne schweifen und versäumte es vor Aufregung, bei der Vorstellung auf die Nachnamen der beiden Männer zu achten. Doch der italienische Akzent des Musiklehrers, der mit Vornamen Antonio hieß, war unverkennbar. Sein faszinierend gut aussehender Begleiter, dessen Name Gianni lautete, verbeugte sich vor ihr und erwiderte ihren Blick aus solch dunklen, funkelnden Augen, dass sie wie versteinert dasaß.
Selbst als er seine Aufmerksamkeit Lady Renwick zuwandte, konnte sie den Blick nicht von ihm lösen. Sein Teint zeugte von vielen Stunden in der Sonne und an der frischen Luft, sein Haar weckte Erinnerungen an samtschwarze Nächte, sein Mund ließ sie von Küssen träumen. Die ebenmäßigen Gesichtszüge glichen dem Antlitz eines von Meisterhand gemeißelten Engels.
Unwillkürlich entsann sich Susan der Anwesenheit ihrer Großmutter, und hastig wandte sie den Blick von Gianni ab, die Hände öffnend, die sie so krampfhaft zu Fäusten geballt hatte, dass die Fingerknöchel weiß hervorgetreten waren. Verstohlen blickte sie zu Lady Traisdel hinüber und fand sie aufmerksam dem Gespräch von Lady Renwick mit Antonio lauschend.
Ein weiterer unauffälliger Blick zur Seite offenbarte ihr die Verzückung im Gesicht ihrer Freundin. Hatte Carolines Mutter vom blendenden Aussehen des Musiklehrers etwa nichts geahnt, als sie ihn engagierte? Hatte sie keine Vorstellung davon gehabt, dass sein Begleiter beinahe noch attraktiver aussah?
Lady Renwick gab derweil völlig ungerührt ihre Anweisungen kund. "Es ist wichtig, Antonio, dass Lady Caroline wenigstens zwei Stücke auf unserem jährlichen Valentinsball vortragen kann. Sie haben nicht einmal vier Wochen Zeit, meine Tochter darauf vorzubereiten, unsere Gäste zu begeistern. Die Wahl der Musikstücke überlasse ich Ihnen. Und Caroline, du musst deine Schüchternheit überwinden."
Susan beobachtete das Mädchen, das mit großen Augen dasaß, hin- und hergerissen zwischen der Bewunderung für ihren Musiklehrer und der grässlichen Vorstellung, vor Publikum singen zu müssen.
"Susan, würdest du bitte Caroline und die Herren ins Musikzimmer begleiten?" Lady Renwick machte eine Geste mit der Hand.
Aus ihren Gedanken gerissen, nickte Susan rasch, sich insgeheim wünschend, sie hätte sich an diesem Morgen mehr Mühe mit ihrem Haar gegeben und ein hübscheres Kleid gewählt. Ganz so wie Caroline brachte sie keinen Ton heraus.
Im Musikzimmer stand ein elegantes neues Pianoforte, das neueste und beste Modell, das die Klavierhersteller John Broadwood & Sons verkauften.
"Darf ich?" Antonio setzte sich auf die Bank, die davor stand, und schlug eine Reihe von Akkorden an, um das Instrument zu prüfen. "Nun, Lady Caroline, Sie werden singen für mich, bitte?"
Caroline blickte so erschrocken drein, dass Susan in Lachen ausgebrochen wäre, hätte sie nicht solch großes Mitleid für die Freundin empfunden.
"Ich … äh … Ich kann nicht …", stotterte Caroline, nach einer Ausrede suchend.
Susan gewahrte Giannis amüsierte Miene und zog die Stirne kraus. "Sie ist sehr schüchtern, fürchte ich. Vielleicht sollten wir uns besser ein wenig zurückziehen, damit sie sich nicht von uns beobachtet fühlt", meinte sie leise.
"Va bene."
Susan ging voran zu einer Ecke des Zimmers, in der Caroline sie nicht sehen konnte. Ihr Herz raste, denn in dem Raum gab es bloß eine einzige Sitzgelegenheit, ein schmales Sofa, das kaum Platz für zwei bot. Verlegen blieb sie neben einer eingetopften Palme stehen, die Wedel betastend.
Gianni verbeugte sich leicht und bedeutete ihr, Platz zu nehmen. Vorsichtig, als ob sie auf Eiern säße, drückte sie sich ganz an den Rand des Sofas. Er hielt ihren Blick einen Augenblick gefangen, bevor er sich neben ihr niederließ. Ihre Beine berührten sich beinahe.
"Signore, Sie sagten 'va bene'. Das heißt 'gut', wenn ich mich nicht irre?"
Gianni nickte lächelnd. "Si. Sprechen Sie Italienisch?"
"Nein. Ja. Das heißt, ich habe mich ein wenig mit der Sprache befasst. Doch ich habe keinen Unterricht erhalten." Susan spürte, wie ihr allein durch seine Nähe heiß wurde, obwohl der Nachmittag recht kalt war und sie weit entfernt vom Kamin saßen.
"Also führen wir un po' di conversazione, per favore."
Doch Susans Kopf war unversehens wie leer gefegt. Einzig die Worte ti amo kamen ihr in den Sinn, und die waren eindeutig nicht für die Eröffnung eines Gespräches geeignet. Nicht an eine einzige Wendung konnte sie sich mehr erinnern. "Si, per favore." Obwohl sie seine Aussprache nachzuahmen versuchte, klang ihre Stimme dünn. Auch ihren englischen Akzent konnte man deutlich heraushören.
"Bene. Es ist wichtig, die Wörter richtig auszusprechen. Achten Sie auf meine Lippen. Questa è la sala della musica, Lei mi capisce?"
Sie hätte seine Lippen ewig anschauen können. Sein Mund war faszinierend, verlockend, schön. Sie wünschte, er würde einfach weitersprechen, damit sie jede Bewegung seines Mundes beobachten könnte.
Er schmunzelte. "Wiederholen Sie. Questa è la sala della musica. Lei mi capisce?"
Sie versuchte ihre dummen, unvernünftigen Gedanken zu vertreiben. Wenn Sie von diesem Mann lernen wollte, musste sie sich zusammenreißen und durfte ihn nicht wie ein ehrfürchtiges Gänschen anstarren.
Den Rücken straffend räusperte sie sich. "Questa è la sala della musica. Das ist das Musikzimmer."
"Molto bene."
Seine dunklen Augen funkelten ermutigend, und Susan platzte unvermittelt mit der Frage heraus, die sie beschäftigte, seit er das Zimmer betreten hatte. "Unterrichten Sie? Würden Sie mir Stunden geben, Signor Gianni?"
"Es wäre mir eine Freude, Ihnen behilflich zu sein. Aber ich bestehe darauf, dass Sie mich Gianni nennen und ich Sie während unserer Stunden mit Susanna anreden darf."
Sie spürte, dass ihr ein schwärmerisches Lächeln im Gesicht stand. Rasch wandte sie den Blick ab und versuchte, diese alberne Miene aus ihrem Gesicht zu vertreiben. Schließlich war sie kein törichter Backfisch mehr, der das Schulzimmer gerade erst verlassen hatte. Sie war eine junge Dame mit eigener Meinung und einer Vorliebe für das Unkonventionelle. Das Lächeln eines attraktiven Mannes sollte sie also nicht beeindrucken können.
Dass er verträumte Augen hatte, ein markantes Gesicht mit ausgeprägten Wangenknochen, eine leichte Adlernase … dass er von stattlicher, schlanker, muskulöser Gestalt war, überdurchschnittlich groß, sowohl geschmeidig als auch äußerst männlich … dass sein dunkles Haar sich in der Art sorgloser Windstoß-Frisur lockte, die viele Männer durch stundenlanges Kämmen und Frisieren zu erreichen suchten … dass er freundlich und herzlich war, wenn auch vielleicht ein wenig zu vertraulich … dass er außergewöhnlich anziehend auf sie wirkte, all das sollte nichts bedeuten. Sie könnte ebenso gut bei einem alten Mann Italienisch lernen. Alter und Geschlecht hatten schließlich keinen Einfluss auf die Güte des Unterrichts. Doch da sie Gianni nun einmal begegnet war, bevor sie einen anderen für den Unterricht geeigneten Lehrer gefunden hatte …
"Würden Sie morgen gegen zwei Uhr nachmittags nach Halford House in der Brook Street kommen, damit wir über die Bedingungen sprechen können?
"Selbstverständlich gerne."
Susan merkte, wie sich dieses alberne Lächeln in ihr Gesicht zurückstehlen wollte, und biss sich rasch auf die Lippe, um dies zu verhindern. "Domani?"
Seine Augen strahlten heller als die Kerzen eines Kronleuchters. "Si, domani, Susanna mia. Morgen."
Sie zwang sich, den Blick wieder auf Caroline zu richten, die zaghaft einige Töne piepste.
Leicht berührte Gianni ihre Hand. "Keine Sorge, Susanna. Maestro Antonio wird dafür sorgen, dass sie bereits in wenigen Wochen wie ein Engel singt."
Im selben Augenblick erschien Lady Renwick mit besorgter Miene an der Tür. Nachdem sie ihre Tochter, die mit dem Rücken zu ihr stand, eine Weile beobachtet hatte, ging sie hinüber zu Susan.
Gianni erhob sich höflich, worauf Lady Renwick sofort seinen Platz einnahm, ohne ihn eines weiteren Blickes zu würdigen. "Susan, meine Liebe, meinst du nicht auch, es würde Caroline helfen, wenn du mit ihr singst? Sie würde doch gewiss an Selbstvertrauen gewinnen, wenn sie nicht alleine vortragen müsste, nicht wahr?"
Susan verspürte keineswegs den Wunsch, für irgendjemanden zu singen, ganz besonders nicht auf dem berühmten Valentinsball der Renwicks. In diesem Jahr wollte sie an keinerlei gesellschaftlichen Veranstaltungen teilnehmen, weder an Bällen, noch an Soirees oder Kostümfesten, außer dem Ball, den ihre Eltern zum Debüt von Dianthe und Theodosia geben würden. So würde sie weniger neue Roben benötigen und könnte ihre Mutter vielleicht dazu überreden, ihr das eingesparte Geld auszuhändigen. Susan hoffte, sich mithilfe des Kleidergeldes später einige Reisen finanzieren zu können.
Bevor sie jedoch eine Ausrede ersinnen konnte, ergriff Gianni das Wort. "Bitte erlauben Sie mir zu sagen, Mylady, ich halte dies für eine ausgezeichnete Idee. Zwar kenne ich Lady Caroline nicht, indes ist es immer trostreich, einen Freund an seiner Seite zu wissen."
Lady Renwick nickte eifrig. "Dann ist es also beschlossen, Susan. Du bist doch einverstanden, nicht wahr?"
Susan hatte bereits den Mund geöffnet, um zu widersprechen, doch dann bemerkte sie, wie Gianni ihr zuzwinkerte. Statt abzulehnen, stellte sie plötzlich fest, dass sie nickend ihre Zustimmung bekannte.
Lady Renwick teilte Maestro Antonio ihren Vorschlag mit, und Caroline stürzte sofort zu Susan und nahm sie in die Arme.