Ein so starkes Gefühl erfüllte Estrella, dass sie beinahe davon überwältigt wurde. "Ich habe mein ganzes Leben lang auf dich gewartet", gestand sie.
Carlo beugte sich über sie, sein Gewicht auf den Ellbogen abstützend. "Mir geht es ebenso", gab er leise zurück, bevor er ihren Hals mit schmetterlingsgleichen Küssen bedeckte.
Sie erzitterte unter den sanften und dennoch erregenden Zärtlichkeiten. Carlos Lippen fühlten sich so gut auf ihrer Haut an. Die Finger in seinem dichten schwarzen Haar vergraben, überließ sie sich völlig ihren Empfindungen.
"Du solltest nichts beginnen, was du hier nicht beenden kannst", wisperte sie schließlich.
"Wollen wir zurückgehen?"
"Ja, lass uns in mein Hotel gehen."
Auf dem Weg zum Carlton kamen sie am Filmpalast vorbei, über dessen zweiundzwanzig, mit einem roten Teppich bedeckten Stufen schon so viele große Produzenten, Regisseure und Schauspieler geschritten waren.
"Da sind sie", sagte Carlo, während er, den Arm locker um Estrellas Taille gelegt, seinen Schritt ein wenig verlangsamte. Er konnte sich nicht mehr daran erinnern, wann er zuletzt einen Abend so sehr genossen hatte. In ihrer Gegenwart fühle er sich wohl und entspannt. "Die berühmtesten Treppen von Cannes."
"Ohne die vielen Menschen sehen sie völlig anders aus."
"Möchtest du ein Teil dieser glitzernden Gesellschaft sein?"
Sie schüttelte den Kopf. Ihre Abendsandaletten baumelten lässig an zwei Fingern. "Nein, diese schillernde Welt ist nichts mehr für mich. Ich möchte einen anderen Weg beschreiten und Menschen in Not helfen."
Ihre Worte überraschten ihn. "Du willst deinen Modeljob aufgeben?"
"Man hat mir eine Tätigkeit bei 'Trost und Hilfe' angeboten." Sie schob eine Haarsträhne hinter das Ohr. "Ich denke darüber nach, den Job anzunehmen."
Carlo, der nie müde wurde, sie zu betrachten, fragte: "Handelt es sich dabei um eine bezahlte Position?"
"Nein. Aber ich verfüge über einige Ersparnisse, von denen ich ein oder zwei Jahre lang leben kann."
"Ein Leben ohne Scheinwerfer und Kameras", sinnierte Carlo, der sich gerade vorstellte, mit ihr zurückgezogen in seinem großen Haus in Mailand zu leben und die Wochenenden in seiner Villa am Comer See zu verbringen.
Schließlich erreichten sie das Carlton. Er begleitete sie zu den Fahrstühlen.
Estrella zögerte nicht, ihn in die Kabine zu ziehen. "Hast du heute Abend noch anderweitige Verpflichtungen?"
Sein Blick verschmolz mit ihrem. "Nein."
"Dann bleib bei mir."
Seit langer Zeit war Estrella mit keinem Mann mehr zusammen gewesen. Trotzdem überließ sie sich vertrauensvoll Carlos Händen. Der öffnete zuerst die Haken ihrer Korsage, bis sich das duftige Abendkleid schließlich wie ein roter See um ihre Füße legte.
Sacht streichelte er zuerst ihre Schultern, ihre Brüste und ihre Hüften, um dann mit dem Mund den gleichen Weg zu gehen, den zuvor seine Hände genommen hatten. Seine Zunge hinterließ heiße Spuren auf ihrer Haut. Ein leiser Seufzer entfuhr ihr, als er eine ihrer Brustspitzen mit den Lippen umschloss. Allmählich hatte sie das Gefühl, ihr ganzer Körper stehe in Flammen, und sie wünschte sich, diese süße Qual möge niemals enden.
Das Liebesspiel mit Carlo war aufregend und erotisch. Genau so hatte sie es sich immer erträumt. Sie begehrte ihn über alle Maßen!
Carlo hob den Kopf, und ihre Blicke trafen sich im Dämmerlicht ihres Zimmers. Auch er atmete schwer. Auch er wollte sie!
Estrella streifte ganz zart seine breite Brust mit ihren Brüsten. Dann nahm sie sich viel Zeit, um die Knöpfe von Carlos Smokinghemd zu öffnen.
Sein Blick verschmolz mit ihrem, als sie ihm das Hemd von den Schultern streifte. Sie streichelte seine gebräunte Brust und seinen flachen muskulösen Bauch, um dann mit der Zunge seine duftende Haut zu erkunden.
Schließlich löste sie den Gürtel seiner Hose und öffnete den Reißverschluss. Das zwischen ihnen herrschende Schweigen erhöhte die Spannung und auch ihre Leidenschaft. Carlo stöhnte leise, als sie ihn streichelte. Deutlich spürte Estrella, wie sehr er sie begehrte. Zum ersten Mal in ihrem Leben wünschte sie sich, einen Mann auf jede erdenkliche Weise glücklich zu machen. Aber bevor sie vor ihm niederknien konnte, zog er sie auf die Füße, um sie dann zum Bett zu tragen.
Als Carlo sie leidenschaftlich küsste, erkannte Estrella, dass sie noch nie zuvor wirklich geliebt hatte. Natürlich gab es Männer, mit denen sie Spaß gehabt hatte, aber so wunderschön und erfüllend wie mit ihm hatte sie die körperliche Liebe noch niemals erlebt.
Schließlich verschmolzen ihre Körper miteinander. Sie liebten sich langsam und intensiv, alles geschah wie von selbst. Es gab nur sie beide und ihre gemeinsame Lust. Als Estrella dem Höhepunkt zustrebte, schlang sie die Arme um Carlos Schultern und schmiegte das Gesicht an seinen Hals. In diesem Moment schenkte sie ihm nicht nur ihren Körper, sondern auch ihr Herz.
Carlos zärtliches Streicheln weckte sie am nächsten Morgen auf. Sie liebten sich noch einmal voller Leidenschaft und Hingabe. Nachdem sie später eine Weile erschöpft nebeneinandergelegen hatten, stützte Estrella das Kinn auf die Hand und betrachtete ihn.
"Du sprichst niemals von dir", sagte sie in ernstem Ton. "Ich weiß nichts über deine Familie und die Frauen, die in deinem Leben einmal eine Rolle gespielt haben."
"Meine Familie ist sehr groß. Ich habe drei Brüder. Sie alle arbeiten in Italien. Dann gibt es noch Dutzende von Cousins." Er schwieg einen Moment. "Und abgesehen von dir, gab es niemals eine Frau, die ich von ganzem Herzen geliebt habe. Natürlich waren Frauen an meiner Seite, aber wahre Liebe war nicht im Spiel."
Sein Bekenntnis ließ ihr Herz schneller schlagen. "Ich fühle genauso, was dich betrifft."
Carlo legte eine Hand an ihre Wange. Estrella verkörperte alles, was er sich von einer Frau erträumte. Sie war wunderschön, mitfühlend und intelligent.
"Was wünschst du dir in diesem Moment?"
"Ich möchte all die süßen Kinder in Tamil Nadu retten."
Diese Worte brachen ihm beinahe das Herz, aber er beugte sich vor, um zärtlich ihre Lippen zu küssen. "Und danach?"
"'Ein Herz' soll in der ganzen Welt bekannt werden. Ich will, dass alle Menschen von der Existenz des Waisenhauses erfahren."
Später machten sie mit dem Wagen einen Ausflug in die Berge, von wo aus sie einen wundervollen Ausblick auf die Riviera genossen. Carlos hielt in Mougins an, einer alten Stadt auf der Kuppe eines Berges, die immer noch von den Überresten eines Schutzwalls aus dem fünfzehnten Jahrhundert umgeben war. Sie ließen das Auto stehen und wanderten über eine mit den unterschiedlichsten Wildblumen bedeckte Wiese, bis sie zu einer verfallenen Mauer kamen, in deren Schutz sie sich niederließen.
Glücklich schmiegte Estrella sich an Carlo. "Es ist wunderschön hier. So still und friedlich."
Er sah auf sie hinab. Ihr langes dunkles Haar ergoss sich über ihre Schultern. Ein bisher unbekanntes Glücksgefühl erfüllte ihn, und er war sicher, dass er nie wieder im Leben so empfinden würde.
Sacht drehte er sie zu sich herum. Lange sah er ihr in die Augen. Er liebte Estrella so sehr! Ein Leben ohne sie war unvorstellbar für ihn. Ihr Gesicht mit beiden Händen umschließend, küsste er sie.
"Heirate mich."
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