DIE JUNGFERNFALLE

DIE JUNGFERNFALLE

Erscheinungstag:Di, 16.02.2010
Bandnummer:0002
Bestellnummer:8067100002
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DIE JUNGFERNFALLE von: GEORGETTE HEYER

Über diesen Roman:

Die bezaubernde junge Aristokratin Judith Tavernier ist der Liebling der Londoner Gesellschaft. Die begehrtesten Junggesellen umschwärmen sie, wetteifern um ihre Gunst. Bis plötzlich Judiths Bruder verschwindet und sie Opfer eines schrecklichen Verdachts wird. Der Einzige, der ihr jetzt noch zur Seite steht, ist ihr attraktiver Vormund Julian Audley, Earl of Worth: . ein ebenso mysteriöser wie mächtiger Mann, der mit Mit seiner arroganten, provozierenden Art reizt er nicht nur ihren Widerspruch, sondern immer mehr auch ihre Sinne reizt. Ohne es zu wollen, ist Judith fasziniert wie nie zuvor. Sie hat doch nicht etwa ihr Herz verloren? Erst nach vielen Umwegen, Intrigen und tollkühnen Duellen findet eine uneingestandene Liebe ihre Erfüllung …

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Leseprobe

Aus: DIE JUNGFERNFALLE von GEORGETTE HEYER

1. Kapitel

Sie hatten Newark hinter sich gelassen, und der vierspännige Reisewagen fuhr nun durch flaches Land, das dem Auge wenig bot und kaum Anlass zu einer Bemerkung gab. Miss Taverner wandte also den Blick von der Landschaft ab und kehrte sich ihrem Gefährten zu, einem blonden Jüngling, der sich in einer Ecke der Kutsche rekelte und schläfrig den Rücken des ihm zunächst sitzenden Postjungen betrachtete. "Wie langweilig, stundenlang ununterbrochen stillsitzen zu müssen!", bemerkte sie. "Wann kommen wir eigentlich nach Grantham, Perry?"
Ihr Bruder gähnte. "Himmel, weiß ich doch nicht! Du warst es ja, die unbedingt nach London wollte." Darauf erwiderte Miss Taverner nichts, sondern griff nach dem Reiseführer, der auf dem Sitz neben ihr lag, und begann ihn durchzublättern. Der junge Sir Peregrine gähnte wieder und bemerkte, die beiden Stangenpferde, die in Newark vorgespannt worden waren, seien ansehnliche, starke Biester, ganz anders als das letzte kurzatmige Paar. Miss Taverner war in den Reiseführer vertieft und stimmte ihm zu, ohne die Augen von der eng bedruckten Seite zu heben.
Sie war ein schönes junges Frauenzimmer, überdurchschnittlich groß und seit den letzten vier Jahren daran gewöhnt, dass man sie als ein bemerkenswert hübsches Mädchen bezeichnete. Sie selbst fand ihre Schönheit durchaus nicht bewundernswert, sondern war eher geneigt, ihren Typ geringzuschätzen. Sie wäre viel lieber schwarzhaarig gewesen und hielt das Blond ihrer goldenen Locken für langweilig. Zum Glück waren ihre Brauen und Wimpern dunkel, die Augen, von einem aufsehenerregenden Blau (wie bei einer Wachspuppe, hatte sie einmal verächtlich zu ihrem Bruder gesagt), waren von einer Offenheit und einem Feuer, die ihrem Gesicht sehr viel Eigenart verliehen. Auf den ersten Blick hätte man sie als eine hübsche, langweilige Meißner-Porzellan-Figur abtun können, sah man aber näher hin, entdeckte man unweigerlich Intelligenz in ihren Augen, und im Schwung ihrer Lippen einen Zug von Entschlossenheit.
Sie war zwar nett, jedoch keineswegs nach der letzten Mode gekleidet, über dem schlichten Kleid mit weitem Rock aus französischem Batist und einer Rüsche aus Languettenspitze um den Hals trug sie einen ärmellosen, eng anliegenden Mantel aus geköpertem Seidentaft. Eine Schute aus Strohgeflecht mit einem gestreiften Samtband umrahmte schmeichelnd ihr Gesicht, die lohfarbenen Yorker Handschuhe waren eng um die Handgelenke geknöpft.
Der junge Mann, der seine schläfrige Betrachtung des Postillonrückens wieder aufgenommen hatte, sah ihr sehr ähnlich. Seine Haarfarbe neigte allerdings eher zu Braun, und seine Augen hatten nicht das gleiche tiefe Blau, aber er war unverkennbar ihr Bruder. Er war ein Jahr jünger als Miss Taverner und ließ es, sei es aus Gewohnheit, sei es aus Sorglosigkeit, durchaus zu, dass sie alles so ordnete, wie es ihr gefiel. "Von Newark nach Grantham sind es vierzehn Meilen", verkündete Miss Taverner und hob die Augen vom Reiseführer. "Ich hätte nicht gedacht, dass es so weit ist." Sie beugte sich wieder über das Buch. "Hier steht – es ist Kearsleys 'Unterhaltsamer Reiseführer', den du ja in Scarborough für mich besorgt hast –, es sei eine hübsche, dicht bevölkerte Stadt am Witham-Fluss. Nach den ausgegrabenen Resten eines Kastells zu schließen, dürfte es eine römische Garnison gewesen sein. Ich muss schon sagen, ich möchte mich dort gern ein bisschen umsehen, wenn wir Zeit dazu haben, Perry."
"Ach Himmel, weißt du, Ruinen schauen doch überall gleich aus!", wandte Sir Peregrine ein und vergrub die Hände in den Taschen seiner Wildlederhose. "Ich sage dir schon im voraus, Judith, wie das ausgeht: Wenn du darauf aus bist, in allen Kastellen, die am Weg liegen, herumzuschnüffeln, werden wir eine ganze Woche unterwegs sein. Ich bin dafür, dass wir nach London durchfahren."
"Na schön", sagte Miss Taverner nachgiebig, klappte den Reiseführer zu und legte ihn wieder auf den Sitz. "Wir werden also im 'George' ein zeitliches Frühstück bestellen, und du musst ihnen sagen, wann du angespannt haben willst."
"Ich dachte, wir steigen im 'Engel' ab?", bemerkte Sir Peregrine.
"Nein", erwiderte seine Schwester entschieden. "Du hast den miserablen Bericht vergessen, den uns die Mincemans über die Unterbringung dort gegeben haben. Es ist das 'George-Hotel', und ich habe unsere Zimmer schriftlich bestellt, weil mich Mrs. Minceman gewarnt hat, was für Aufregung und Getue sie einmal hatte, als man ihr zumutete, zwei Treppen hoch zu einem elenden Appartement im Hintertrakt hinaufzusteigen."
Sir Peregrine wandte den Kopf und grinste sie freundschaftlich an. "Na ja, ich glaube, es gelingt ihnen bestimmt nicht, dich mit einem Hinterzimmer abzuspeisen, Ju."
"Bestimmt nicht", erwiderte Miss Taverner mit einer Strenge, die von dem Zwinkern in ihren Augen Lügen gestraft wurde.
"Nein, das steht fest", fuhr Peregrine fort. "Aber ich bin gespannt darauf, wie du mit dem Alten zurechtkommen wirst, mein Liebling."
Miss Taverner sah etwas ängstlich drein. "Ich bin doch auch mit Papa zurechtgekommen, Perry, nicht? Wenn Lord Worth bloß keine Gicht hat! Ich glaube, das war das einzige Mal, dass Papa wirklich schwierig zu behandeln war."
"Alle alten Leute haben Gicht", sagte Peregrine.
Miss Taverner, die die Wahrheit dieser Bemerkung anerkennen musste, seufzte.
"Und ich glaube", fügte Peregrine hinzu, "er will nicht, dass wir nach London kommen. Wenn ich es recht bedenke – hat er das nicht sogar geschrieben?"
Miss Taverner lockerte die Schnüre ihres Retiküls und grub darin nach einem schmalen Briefpäckchen. Einen davon entfaltete sie.
"'Lord Worth lässt sich Sir Peregrine und Miss Taverner empfehlen, hält es aber nicht für ratsam, dass sie die Ermüdungen einer Reise nach London in dieser Jahreszeit auf sich nehmen. Seine Lordschaft werden sich die Ehre geben, sie in Yorkshire aufzusuchen, wenn er demnächst im Norden ist.' Und das", schloss Miss Taverner, "wurde vor drei Monaten geschrieben – schau dir nur das Datum an, Perry: 29. Juni 1811 –, und nicht einmal persönlich. Ich bin überzeugt, das hat irgendein Sekretär geschrieben, oder diese grässlichen Anwälte. Verlass dich darauf, Lord Worth hat vergessen, dass wir überhaupt vorhanden sind, denn du weißt ja, alle Vorkehrungen wegen des Geldes, das wir bekommen sollen, sind von den Anwälten getroffen – und wann immer ein Problem zu regeln ist, sind sie es, die uns darüber schreiben. Wenn er also nicht mag, dass wir nach London kommen, ist es nur seine Schuld, denn er hat nicht den geringsten Versuch unternommen, zu uns zu kommen oder uns zu sagen, was wir tun sollen. Ich halte ihn für einen armseligen Vormund. Ich wollte, Vater hätte einen unserer Freunde in Yorkshire ernannt, irgendjemanden, den wir kennen. Es ist sehr unangenehm, unter der Vormundschaft eines Fremden zu stehen."
"Na ja, wenn sich Lord Worth nicht die Mühe machen will, unser Leben zu lenken, umso besser", sagte Peregrine. "Du willst in London eine Rolle spielen, und ich bin überzeugt, ich werde mich königlich unterhalten, wenn wir keinen mürrischen alten Vormund haben, der uns fortwährend den Spaß verdirbt."
"Ja", stimmte ihm Miss Taverner, wenn auch etwas zweifelnd, zu. "Aber die bloße Höflichkeit verlangt es, dass wir seine Erlaubnis einholen, wenn wir uns in London einrichten. Hoffentlich entdecken wir, dass er nichts gegen uns hat, ich meine, dass er uns als Bürde empfindet, vielleicht denkt er, es hätte eher unser Onkel als er zu unserem Vormund ernannt werden sollen. Es muss ihm sehr eigenartig vorkommen. Es ist eine peinliche Sache, Perry."
Da als einzige Antwort darauf nur ein Brummen kam, sagte sie nichts weiter, sondern lehnte sich in ihre Ecke zurück und studierte die unbefriedigenden Botschaften, die sie bisher von Lord Worth erhalten hatte.
Es war wirklich eine peinliche Sache. Seine Lordschaft, der, wie sie überlegte, etwa fünfundfünfzig oder sechsundfünfzig sein musste, zeigte eine betonte Abneigung, sich mit den Angelegenheiten seiner Mündel zu befassen, das war zwar in einiger Hinsicht als vorteilhaft, in anderer hingegen als ausgesprochenes Übel zu betrachten. Weder sie noch Peregrine waren von daheim je weiter als bis Scarborough gekommen. Sie wussten nichts über London und hatten keine Bekannten dort, die ihnen hätten behilflich sein können. Die einzigen Leute in der ganzen Stadt, die sie kannten, waren ihr Onkel und eine Kusine, die, zwar achtbar, aber in kleinen Verhältnissen, in Kensington lebte. Miss Taverner konnte nur hoffen, dass diese Dame sie in die Gesellschaft einführte, denn ihr Onkel, ein pensionierter Admiral der Blue Squadrons, war dank gegenseitiger Abneigung und tiefem Misstrauen auf derart schlechtem Fuß mit ihrem Vater gestanden, dass es von vornherein ausgeschlossen war, seine Unterstützung oder auch nur seine Bekanntschaft zu suchen.
Sir John Taverner hatte niemals freundlich von seinem Bruder gesprochen, und wenn ihn seine Gicht am schlimmsten plagte, bezeichnete er ihn immer als einen verdammt schuftigen Kerl, dem er nicht über den Weg trauen würde. Es gab sehr wenige Menschen, über die Sir John je nett gesprochen hatte, aber vom üblen Verhalten ihres Onkels hatte er seinen Kindern so viele Beispiele angeführt, dass sie überzeugt waren, er müsse tatsächlich ein schäbiger Mensch sein, nicht etwa nur das Opfer eines Vorurteils von Sir John.
Lord Worth mochte es für eigenartig halten, dass er, der seinen alten Freund in den letzten zehn Jahren nicht mehr gesehen hatte, zum Vormund seiner Kinder ernannt worden war, aber die Geschwister, die ja Sir John kannten, fanden es leicht verständlich. Sir John, seit jeher jähzornig, konnte in seinen letzten Lebensjahren auch nicht mehr dazu gebracht werden, mit seinen Nachbarn freundschaftlich zu verkehren, es kam immer wieder zu Streit. Da er aber seit dem Tod seiner Frau zurückgezogen auf seinen Gütern gelebt und Lord Worth in einem Dutzend Jahren nicht öfter als dreimal begegnet war, hatte er mit ihm nicht gestritten und war allmählich und unmerklich so weit gelangt, ihn für den einzig richtigen Mann zu halten, der im Fall seines eigenen Ablebens seine Kinder in Obhut nehmen müsse. Worth war ein prächtiger Bursche, Sir John konnte sich darauf verlassen, dass er das sehr beträchtliche Vermögen, das Sir John seinen Kindern hinterlassen würde, gut verwaltete, bei Worth brauchte man keine Angst zu haben, dass er sich die eigenen Taschen füllen würde. Gesagt, getan. Die Sache wurde durchgeführt, das Testament verfasst, ohne die geringste Erwähnung, dass es auf Worth oder auf die Kinder selbst ausgestellt wurde – ein Umstand, der, wie Miss Taverner wider Willen überlegen musste, völlig mit Sir Johns anmaßender Handlungsweise übereinstimmte.
Aus diesen Überlegungen wurde sie durch das Geratter und Geholper der Kutschenräder geweckt, die jetzt über Kopfsteinpflaster fuhren, sie blickte auf und sah, dass Grantham erreicht war.
Bei der Einfahrt in die Stadt mussten die Postburschen das Tempo sehr verringern, so viel Verkehr herrschte auf den Straßen und so groß war die Menschenmenge, die sich auf den Gehsteigen, ja sogar bis auf die Fahrbahn herunter drängte.
Alles war in Geschäftigkeit und Bewegung, und als die Chaise endlich auf Sichtweite des George-Hotels kam, eines riesigen Backsteinbaus an der Hauptstraße, war Miss Taverner überrascht, als sie jede nur denkbare Zahl von Kutschen, Karriols, Gigs und Phaetons davor stehen sah.
"Nun, ich bin froh, dass ich Mrs. Mincemans Rat gefolgt bin und unsere Zimmer vorbestellt habe", sagte sie. "Ich hatte keine Ahnung, dass Grantham so überfüllt sein könnte." Sir Peregrine hatte sich aufgerafft und beugte sich nun vor, um aus dem Fenster zu schauen. "Der Ort scheint ja in einer teuflischen Aufregung zu sein", bemerkte er. "Da muss etwas Außergewöhnliches los sein."
Gleich darauf war ihr Reisewagen in die Einfahrt zum Hof eingebogen und hielt an. Hier herrschte sogar noch größere Geschäftigkeit, und jeder Stallknecht hatte derart viel zu tun, dass eine Weile niemand zu ihrer Chaise herankam oder auch nur das geringste Anzeichen von sich gab, dass ihre Ankunft überhaupt bemerkt worden wäre.
Ein schon gestiefelter und gespornter Postbursche in einem weißen Arbeitskittel über seiner Uniform, der sich an die Wand lehnte und an einem Strohhalm kaute, betrachtete zwar die Kutsche, aber teilnahmslos, denn es gehörte nicht zu seinen Obliegenheiten, Pferde zu wechseln oder nach den Wünschen der Reisenden zu fragen, daher rührte er sich nicht von der Stelle.
Mit einem ungeduldigen Ausruf stieß Sir Peregrine den Wagenschlag auf, sprang hinaus und wies seine Schwester kurz an, still sitzen zu bleiben und zu warten. Er ging auf den lümmelnden Postburschen zu, der sich bei seinem Herannahen respektvoll aufrichtete und den Strohhalm aus dem Mund nahm. Nach einem kurzen Gespräch mit dem Burschen kam Sir Peregrine zu der Chaise zurückgelaufen, seine Langeweile war verschwunden, seine Augen blitzten vor Erwartung.
"Judith, das nenn' ich ein Riesenglück! Ein Boxkampf! Denk nur! Ausgerechnet an diesem einzigen Tag im Jahr nach Grantham zu kommen, und durch den reinsten Zufall!"
"Ein Boxkampf?!", wiederholte Miss Taverner und runzelte die Stirn.
"Ja, sag' ich dir doch! Der Champion – Tom Cribb, du weißt ja – soll morgen hier irgendwo gegen Molyneux antreten – ich habe den Namen nicht genau verstanden, aber ganz in der Nähe. Gott sei Dank, dass du so vernünftig warst und unsere Zimmer vorbestellt hast, denn es heißt, zwanzig Meilen in der Runde sei kein Bett mehr zu haben! Also komm doch schon, Ju, trödle nicht herum!"
Die Nachricht, dass sie am Vorabend eines Preisboxens nach Grantham gekommen waren, konnte Miss Taverner kaum Freude bereiten, da sie jedoch den größten Teil ihres Lebens in der Gesellschaft ihres Vaters und ihres Bruders verbracht hatte, war sie daran gewöhnt, sehr viel über Männersport zu hören. Sie hielt es daher für völlig schicklich, dass Herren an ihm teilnahmen, und fügte sich bereitwillig in Peregrines Wunsch, sich dieses Match anzusehen. Was sie selbst betraf, so wäre sie lieber anderswo gewesen. Boxkämpfe konnten sie nur anwidern, und obwohl es natürlich nicht infrage kam, dass sie dem Schauspiel beiwohnte, würde sie sich alles darüber anhören müssen und aller Wahrscheinlichkeit nach das einzige weibliche Wesen in einem Gasthof sein, der vor sportlich gesinnten Herren überquoll. Sie versuchte zwar einen Einwand, jedoch ohne viel Hoffnung, gehört zu werden. "Aber Perry, bedenke doch! Wenn der Boxkampf morgen stattfindet, ist es Sonnabend, und dann müssen wir bis Montag hierbleiben, denn du willst doch sicher sonntags nicht reisen. Wir haben aber damit gerechnet, morgen in London zu sein."
"Ah, pah, was, um alles in der Welt, hat das schon zu sagen?", antwortete er. "Ich möchte diesen Kampf auf gar keinen Fall versäumen! Ich sage dir etwas: Du kannst deine römischen Ruinen erforschen, so viel du willst. Das hast du ja gewollt. Bedenke: Cribb und Molyneux! Du musst dich doch erinnern, dass ich von dem Match im letzten Jahr gesprochen habe, bei dem ich gern dabeigewesen wäre. Dreiunddreißig Runden, und der Schwarze gab auf! Aber es heißt, diesmal sei er besser in Form. Es wird ein großartiger Kampf – du wirst doch bestimmt nicht wollen, dass ich ihn versäume! Als sie das letzte Mal aufeinandertrafen, dauerte er fünfundfünfzig Minuten! Sie müssen verteufelt gleichwertig sein. So steig doch schon aus, Ju!"
Nein, Miss Taverner wollte wirklich nicht, dass Peregrine etwas versäumte, das ihm Freude machte. Also nahm sie den Reiseführer und ihr Retikül, ergriff seine dargebotene Hand und stieg aus der Chaise in den Hof hinunter.
Bei ihrem Eintritt in den Gasthof kam ihnen der Wirt zwar entgegen, schien ihnen jedoch nur sehr wenig Zeit widmen zu können. Der Kaffeesalon war bereits überfüllt, und es waren ein Dutzend Herren von Rang anwesend, die seine Aufmerksamkeit verlangten. Zimmer? In seinem Haus gab es nicht einen Winkel, der nicht bestellt gewesen wäre. Er würde ihnen raten, ein frisches Gespann zu nehmen und nach Greetham oder Stamford weiterzufahren.

 

 

© der deutschen Übersetzung Paul Zsolnay Verlag Wien 1967.