DIE ROSE VON BYZANZ

DIE ROSE VON BYZANZ

Erscheinungstag:Do, 27.05.2010
Bandnummer:35031
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DIE ROSE VON BYZANZ von: Julie Gordon

Über diesen Roman:

Sklavenmarkt in Konstantinopel: Wer wird der neue Besitzer der schönen Johanna? Erleichtert atmet sie auf, als nicht der hochgewachsene blonde Krieger Eirik sie ersteigert, unter dessen verlangendem Blick sie so ungewohnt erzittert ist. Doch ist der zurückhaltend wirkende Adlige Andronikos wirklich die bessere Wahl? Kaum in seinem Palast angekommen, muss sie erkennen: Er will sie nur als Lustsklavin für seine hemmungslosen Sexspiele. Und plötzlich sehnt sie sich verzweifelt nach Eiriks starken Armen. Wird er sie aus den Fängen ihres Peinigers befreien können?

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Aus: DIE ROSE VON BYZANZ von JULIE GORDON

1. KAPITEL (AUSZUG)

Byzanz 985

Das Erste, was sie von ihm wahrnahm, war sein Blick. Sie spürte ihn auf ihrer Haut kribbeln.
Johanna hob den Kopf und schaute sich suchend um. Sie wusste, dass sie ihn erkennen würde, wer auch immer er war, der auf ihrer Haut das Beben tanzen ließ, das sie längst vergessen geglaubt hatte.
Da stand er, am gegenüberliegenden Ende des kleinen Platzes. Händler, Edelleute und Soldaten drängten an ihm vorbei. Wie groß er war! Wie finster seine Gesichtszüge, wie dunkel seine Augen! Er trug die Kleidung eines Warägergardisten, einige Strähnen seines blonden Haars hingen unter dem Helm hervor, und sein Gesicht wirkte durch den Bartschatten dunkler.
Ein Nordmann, dachte sie erschüttert. Sie versuchte, den Blick von ihm zu lassen. Sie verabscheute jeden Mann, der über den Sklavenmarkt von Byzanz schlenderte und die Ware in Augenschein nahm. Besonders verhasst waren ihr aber die Nordmänner, seit diese Johannas Heimatdorf im fernen Frankenreich überfallen, die Alten getötet und die jungen Leute gefangen genommen hatten. Damit hatte ihr Martyrium begonnen, das Johanna über Haithabu, die Kiewer Rus und das Schwarze Meer hierher geführt hatte. So war sie in den Besitz von Kallistos gelangt, der sich rühmte, die schönsten Sklavinnen der Christenheit zu versteigern.
Sie war eine dieser Sklavinnen.
Sie konnte den Blick nicht von ihm lassen. Und obwohl sie ihn hassen wollte, wie sie alle anderen Nordmänner im Stillen hasste, war etwas an ihm, das sie nicht losließ. Das sie nicht wegschauen ließ. Das ihre Knie weich werden ließ. Sie schwankte, und im nächsten Moment spürte sie den dicken Sklavenhändler Kallistos, der hinter ihrem Rücken auftauchte und ihr die Gerte in die Rippen rammte, mit der er sie in den letzten Stunden immer wieder getriezt hatte, wenn sie sich vor Erschöpfung kaum mehr auf den Füßen halten konnte und versuchte, sich hinzuhocken.
"Steh gerade", knurrte er. "Und senk gefälligst den Kopf, du Feuerhexe."
Feuerhexe. So hatte er sie stets genannt, seit er sie in Haithabu von einem Nordmann gekauft hatte. Einen Beutel gehacktes Silber hatte es ihn gekostet, Ise und sie zu erwerben. Johanna war für ihn die Feuerhexe, der Beifang, den er in Kauf nehmen musste, um Ise zu erwerben, denn der Nordmann hatte sich nicht die Mühe gemacht, sie einzeln anzubieten. Ise aber war die zarte, blonde Nymphe, die jeder Mann gerne in sein Bett holte, und Kallistos‘ Augen hatten gierig geglitzert, als er die Mädchen in der Schenke länger als nötig auf Krankheiten untersuchte, wie er es nannte. Ihn interessierten nur die hübschen, jungen Mädchen. Johanna verabscheute er wegen ihrer roten Haare und ihrem Hexenblick. Hätte ein Sturm sein Schiff auf der Heimfahrt nach Byzanz erfasst, hätte er wohl nicht gezögert, sie über Bord zu werfen, um die Naturgeister zu besänftigen. Er hatte Angst vor ihr, doch das war für sie ein schwacher Trost. Gehorsam senkte sie den Kopf. Wie ein Vorhang fiel das rote Haar vor ihr Gesicht.
Das Nächste, was sie spürte, war seine Bewegung.
Der Nordmann löste sich von der Bretterwand der Bude, an die er sich so lässig gelehnt hatte, während er sie beobachtete. Johanna spürte ihn nur, obwohl sie gerne den Kopf gehoben hätte. Sie hatte schon mehrfach am eigenen Leib erfahren, was es hieß, Kallistos nicht zu gehorchen. Seine Gerte verteilte schmerzhafte Hiebe, ohne die Haut blutig zu reißen. Hübsche Jungfrauen sollten mit reiner Haut in die Versteigerung gehen.
Johanna holte zitternd Luft. Sie spürte die Schritte des Warägers auf den Stufen zum Podest, auf dem sie und ihre Leidensgenossinnen seit den frühen Morgenstunden reglos standen und von allen Männern begafft, begrapscht und beurteilt wurden. Kallistos hatte Johanna seitdem nichts zu trinken gegeben, und ihre Zunge klebte geschwollen und wie ein trockener Fremdkörper am Gaumen. Sie schluckte, doch auch das tat weh.
"Habt Ihr Interesse an meiner Ware, mein Herr?" Sofort war Kallistos zur Stelle und schob sich zwischen die Mädchen und den Nordmann. Johanna beobachtete aus dem Augenwinkel, dass der Fremde den Sklavenhändler ein Stückchen überragte, obwohl er eine Stufe unter ihm stand.
"Nein, mich interessieren deine Mädchen nicht. Aber mein Herr interessiert sich für ein paar Mädchen, die ihm die Zeit vertreiben."
Seine Stimme … sie war wie ein bitterer Gesang in ihrem Kopf. Sie hatte das Gefühl, nur noch aus dieser Stimme zu bestehen, die in ihrem Kopf widerhallte. Johanna versuchte, sich gerade aufzurichten, ihm stolz zu begegnen, wenn er sie in Augenschein nahm. Zu oft schon hatte sie sich von Männern wie ihm einschüchtern lassen. Bei ihm sollte ihr das nicht passieren. Bei ihm …
Die Welt drehte sich und stand im nächsten Augenblick kopf. Hart und dumpf schlug Johannas Körper auf den Planken auf, und das Nächste, was sie spürte, war ein stechender Schmerz, der von ihrer Schläfe ausgehend in Wellen durch ihren Körper brandete. Sie öffnete den Mund, wollte etwas sagen, doch kein Laut drang über ihre Lippen. Sie wollte um Wasser bitten, einen Schluck nur, um in dieser unbarmherzigen Hitze zu bestehen, eine Schöpfkelle Wasser, wie sie den anderen Mädchen jederzeit gebracht wurde, wenn sie danach verlangten.
Sie spürte das Beben der Planken, und dann waren es seine Hände, die sich um ihren Kopf legten. Sie spürte seine Berührung und hätte weinen und um sich schlagen wollen, weil sie in diesem Moment so verzweifelt war. Sie wollte nicht berührt werden, nicht von diesem nordmännischen Untier, das sich jetzt über sie beugte. Sie nahm alles gedämpft wahr, hörte seine Stimme etwas sagen, dann spürte sie, wie Kallistos etwas auf sie schleuderte, und im nächsten Moment sprang ihr Verstand wieder an Ort und Stelle und sie spürte das kühle Nass, das zu trinken sie sich seit Stunden gesehnt hatte, auf ihrem Gesicht und ihrem Körper.
Der Sklavenhändler hatte den ganzen Wassereimer über ihr ausgeleert, um sie wieder zu Bewusstsein zu bringen.
Johanna hustete und schnappte wie eine Ertrinkende nach Luft. Dabei wollte sie Wasser atmen, nicht Luft, und der kleine Schluck, den sie bei Kallistos' Bemühen, sie aus der Bewusstlosigkeit zu reißen, geschluckt hatte, reichte lediglich, um ihren Durst anzustacheln.
"Wasser", japste sie, und dann noch einmal: "Wasser."
Und die ganze Zeit spürte sie seine Hände, die ihre Wangen umschlossen, seine Finger, die sich riesig an ihre Schläfen drückten. Plötzlich weinte sie, und in diesem Moment drehte er sich von ihr weg und sprach die erlösenden Worte: "Gib ihr zu trinken, sie ist ja nicht mehr bei Sinnen." Wasser tropfte auch ihm vom Gesicht, denn er hatte von dem Wasserschwall einen nicht unbeträchtlichen Teil abbekommen.
Das Wunder geschah: Kallistos nickte knapp und verschwand.
Während sie wartend verharrten, löste er sich kurz von ihr und nahm den Helm ab, den er neben sich legte. Doch dann war er wieder da, seine Finger strichen eine Strähne ihres Haars aus dem Gesicht. Ein Windhauch fuhr durch die Bude und sorgte für erleichternde Kühle auf ihrer nassen Haut.
Die anderen Mädchen waren zurückgewichen. Johanna versuchte, sich in eine bequeme Position zu rücken, denn ihre Hände waren hinter dem Rücken gefesselt, und bei ihrem abrupten Sturz war sie auf die Hände gefallen. Sie überlegte, ob es zu viel verlangt war, wenn sie darum bat, ihre Fesseln zu lockern. Kallistos würde dem nie zustimmen, denn er hatte schon einmal erlebt, wozu sie fähig war, wenn sie nicht gefesselt wurde. Vermutlich hatte ihn das vorsichtig werden lassen.
"Du bekommst bald Wasser", sagte der Nordmann beruhigend. Sein Daumen strich über ihre Schläfe, und sie schloss die Augen. Sie ertrug es nicht, ihn zu sehen, ertrug seine Augen nicht und die Besorgnis, die sie darin zu lesen glaubte.
Ein Nordmann kannte keine Gnade, kein Mitgefühl. Wenn er sich um sie sorgte, dann geschah es gewiss nur, weil er sich davon etwas versprach. Er handelte nicht auf eigene Rechnung, sondern für seinen Herrn, wer auch immer dieser sein mochte.
Seine Linke löste sich von ihrer Schläfe und strich über ihre Schulter. Seine Finger fuhren an der Linie ihres Halses entlang. Johanna erschauderte. Seine Berührung weckte tief in ihr ein Feuer, das ihr völlig neu war. Das sie nicht einzuordnen wusste. Sie wollte seine Hand beiseiteschlagen, doch zugleich hungerte sie danach, mehr zu spüren. Und er erfüllte ihren Wunsch, ließ seine Finger den Ausschnitt ihrer Tunika nachzeichnen.
Sie war sich dessen bewusst, dass sie unter dem dünnen, nassen Stoff vollständig nackt war. Nur die viel zu kurze Tunika hatte Kallistos ihr und den anderen Sklavinnen heute zugestanden. Sie wimmerte leise, doch nicht, weil es ihr unangenehm war, was er mit ihr tat.
Johanna wollte nicht nur seinen Blick auf ihrem Körper spüren. Sie wollte ihn spüren.
Zugleich war ihr der Gedanke so zuwider, dass erneut Tränen unter ihren Lidern hervorrannen und im Schläfenhaar versickerten.
Sie wusste, warum sie auf diesem Sklavenmarkt war. Sie war jung, hübsch, hatte die Figur, die Männern gefiel – üppig, an den richtigen Stellen wohlgerundet. Dazu ihr feuriges Haar, das bis zur Taille in weichen Wellen fiel. Eine reine Haut, von keiner Krankheit während ihrer Kindheit entstellt. Ja, vielleicht würde mancher sich dazu hinreißen lassen, sie eine Schönheit zu nennen. Aber das maskierte nur unzureichend, was diese Männer, die seit den frühen Morgenstunden auf das Podest traten und sie in Augenschein nahmen wie eine Stute auf dem Jahrmarkt, tatsächlich mit ihr vorhatten.
Von zu Hause wusste sie, was Mann und Frau des Nachts unter ihren Decken trieben, denn in der einzigen Schlafkammer hatte sie oft genug die Eltern belauscht, zunächst noch unwissend, doch zunehmend reimte sie sich manches zusammen. Und am Tag vor ihrer Hochzeit nahm ihre Mutter sie beiseite und erklärte ihr das, was sie noch nicht wusste.
Von diesem zart kribbelnden Gefühl war nie die Rede gewesen. Von diesem Zittern, das durch ihren ganzen Körper rann und sie leise wimmern ließ, hatte die Mutter nichts gesagt.
Wenige Stunden später tauchten in der Morgendämmerung ihres Hochzeitstages die Drachenschiffe der Nordmänner am Horizont auf. Ihren zukünftigen Mann verlor Johanna in den Kämpfen. Verbissen hatten die Dorfbewohner versucht, sich gegen die Übermacht zu wehren, doch ihre Heugabeln und Äxte, ihre kleinen Dolche und Balken, Waffen, die sie in aller Eile gegriffen hatten, wussten gegen die schwer bewaffneten Nordmänner nichts auszurichten. Johanna hatte mit ansehen müssen, wie der Schädel ihres Mannes mit einer Axt gespalten wurde.
Nachts wachte sie manchmal von ihren eigenen Schreien auf, weil sie wieder am Strand kniete, Sand und Blut an ihren Fingern, während sie versuchte, das letzte Glimmen des Lebensfunken in den weit aufgerissenen Augen Konrads auszumachen. Es war das Letzte, was sie sah, ehe sie hochgehoben und zum Drachenboot geschleppt wurde, das sogleich wieder in See stach.
Inzwischen wusste sie nicht mehr, wie ihr Mann ausgesehen hatte, und in den Monaten auf den Schiffen der Nordmänner und des Sklavenhändlers hatte sie manches Mal geglaubt, seinen Namen vergessen zu haben, bis sie auf ihren Kopf eintrommelte und er sich ihr stotternd entrang.
Doch seine keuschen Küsse, die sie des Abends vor dem Zubettgehen hinterm Backhaus ausgetauscht hatten, waren nichts, verglichen mit diesem Gefühl, das ihren ganzen Körper erfasste, als der Fremde ihren Hals und ihre Schultern streichelte, um sie zu beruhigen.
Sich vorzustellen, wie er sie intimer berührte … wie seine Hände vielleicht sogar ihre Brüste berührten, ihre Taille umschlossen … nein. Undenkbar. Trotzdem dachte sie genau dies, während sie reglos dalag und wartete, dass Kallistos zurückkam.
Sie hielt die Augen geschlossen und versuchte, ihren Körper schwer und steif zu machen. Nun hielt er wieder ihr Gesicht, und sie hörte ihn leise summen, während seine Daumen ihre Tränen auffingen. Sie spürte seinen Blick, seine zarten Bewegungen.
Johanna schluchzte. Sie fühlte sich ihm ausgeliefert, aber zugleich genoss sie dieses Gefühl zu sehr.
Was passierte nur mit ihr? War das der Wahnsinn, den Kallistos ihr täglich prophezeite, seit er sie in Haithabu an Bord seines Schiffes gebracht hatte?
Kallistos' schwere Schritte bebten auf den Stufen zum Podest. "Hier, Wasser."
Sie hörte das Plätschern, dann spürte sie, wie der Nordmann seine Position veränderte, ihren Oberkörper behutsam anhob und ihr einen Becher an die Lippen hielt. Sie vermisste seine Hand an ihrer Schläfe, doch dann berührte das kühle Nass ihre Lippen, und sie öffnete gehorsam den Mund. Leicht und beinahe kalt floss etwas Wasser in ihren Mund. Sie schluckte.
Nie hatte sie etwas Köstlicheres geschmeckt.
Sie trank den Becher bis zur Neige, und die ganze Zeit hielt er sie mit starkem Arm und flößte ihr das Wasser ein. Erst dann schlug sie die Augen auf.
"Danke", flüsterte sie.
Es fiel ihr so schwer, ihn in diesem Moment zu hassen. Ihn anzusehen ließ etwas in ihr erklingen.
Aber das konnte nicht sein. Er war ihr Feind. Außerdem stand er im Dienst eines Mannes, der sich ein Vergnügen daraus machte, unschuldige Mädchen zu seinen Kurtisanen zu machen. Mehr noch, er schien sich um die Auswahl dieser Mädchen zu kümmern. Ihre Abscheu vor ihm wuchs. Seine Berührungen brannten auf ihrer Haut, sie versuchte, nach ihm zu schlagen, zerrte an ihren Fesseln und wand sich in seinem Arm.
"Seid vorsichtig mit ihr, das ist eine Feuerhexe", warnte Kallistos den Warägeroffizier. "Ich würde sie nur einem Herrn empfehlen, der es versteht, ihr mit harter Hand ihre Fehler auszutreiben." Dabei schwenkte er vielsagend die Gerte.
Statt zu antworten, stellte der Nordmann sie wieder auf die Füße. Er war so viel größer als sie, und Johanna senkte den Blick. Dieser Mann hatte sie berührt, hatte sie festgehalten, hatte ihr frisches Wasser eingeflößt. Sie hasste ihn. Er hatte sie in einem Moment großer Schwäche erlebt. Und sie hatte sich geschworen, nie wieder Schwäche zu zeigen.
"Mein Herr interessiert sich für vieles", sagte der Mann unbestimmt. Er blickte Johanna ein letztes Mal prüfend ins Gesicht. "Vor allem interessiert er sich für das Besondere", fügte er hinzu. Dann wandte er sich abrupt von ihr ab und konzentrierte seine Aufmerksamkeit auf den Sklavenhändler.
"Mein Name ist Eirik Hallgrimsson, und ich bin Offizier der Warägergarde. Sagt Euch mein Name etwas?"
Kallistos wurde erst blass, dann knallrot. "Natürlich", stammelte er.
"Gut. Ich möchte meinem Herrn diese vier Mädchen zeigen. In seinem Palast", fügte er hinzu, als bedürfe es dieser Ergänzung.
"Jederzeit, wann immer Euer Herr will", sagte Kallistos eifrig. Er hätte dem Nordmann vermutlich sogar die Stiefel geleckt, wenn dieser es verlangt hätte.
"Gut", sagte Eirik Hallgrimsson. "Dann machen wir es sofort. Und um Eure Feuerhexe kümmere ich mich persönlich."
Er drehte sich zu Johanna um und legte die Hand auf ihre Schulter. Sie zuckte unter der erneuten Berührung zusammen.
"Keine Angst", flüsterte er.
Sie atmete tief durch.
Sie ahnte, dass es gute Gründe gab, seiner Beschwichtigung zum Trotz Angst zu empfinden. Für den Moment aber wollte sie sich allein auf seine Gegenwart konzentrieren und hoffen, dass er nicht allzu bald verschwand. Er schenkte ihr das trügerische Gefühl von Sicherheit.
Sie wollte es genießen, solange dieses Gefühl andauerte. Wollte von einem Augenblick zum nächsten leben.
Nur so hatte sie in den letzten Monaten überlebt.