DIE MÄTRESSE DES PRINZEN
Die Mätresse des Prinzen von Wales – für viele Damen der Gesellschaft ein erstrebenswertes Ziel! Aber nicht für die schöne Witwe Mariah Eller. Denn sie träumt nur von Jack St. Lawrence, dem treu ergebenen Freund des Thronfolgers. Treu jedenfalls so lange, bis Mariah ihm süße, nächtliche Verlockungen in Aussicht stellt …
QUELLEN DER LUST
Nackt räkelt Genevieve Ralston sich in der heißen Quelle, heimlich von dem Spion Simon Cooperstone beobachtet. So jung, so schön, so begehrenswert ist sie – und so eine Lügnerin! Warum lebt sie unter falschen Namen? Simon sieht nur eine Chance, ihr die Wahrheit zu entlocken: Er muss ihr Mitternachtsbad teilen …
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Leseprobe
aus dem Roman Quellen der Lust von Jacquie d'Alessandro
Little Longstone, Kent, 1820
"Genevieve … die geheime Alabasterschatulle … der Brief darin beweist, wer das getan hat …"
Langsam näherte sich Simon Cooperstone, Viscount Kilburn, dem Cottage, das sich zwischen die alten Ulmen schmiegte. In Gedanken hörte er dabei wieder einmal die Worte des sterbenden Earl of Rigdemoor. Worte, die der Earl mit seinen letzten Atemzügen hervorgepresst hatte, nachdem er von Simon mit der Frage bedrängt worden war: "Wer hat auf Sie geschossen?"
Mit Glück würde Simon jetzt gleich die Antwort finden – und den Täter überführen, der versuchte, ihm den Mord an dem Earl anzuhängen.
Die radikalen Sozialreformen, die der Earl – von dem es hieß, er würde der nächste Premierminister werden – vertreten hatte, waren nicht überall populär. Schon zwei Wochen zuvor war ein Anschlag auf Ridgemoors Leben verübt worden, doch Simons Ermittlungen im Auftrag des Königs hatten ins Leere geführt. Jetzt war es zu spät. Wer immer Ridgemoor zum Schweigen bringen wollte, beim zweiten Versuch war es ihm gelungen. Ein Umstand, der in Simon Schuldgefühle weckte und den Eindruck, versagt zu haben.
Seit er sich vor acht Jahren als Spion für die der Krone verpflichtet hatte, waren einige seiner Missionen gescheitert, doch niemals zuvor war dabei der Verdacht auf Simon selbst gefallen. Unglücklicherweise hatte sein Versagen diesmal genau das bewirkt – Ridgemoors Butler hatte ihn angetroffen, wie er sich über den Leichnam beugte, eine Pistole in den Händen. Simon war zum Stadthaus des Earls gegangen, nachdem er die Nachricht bekommen hatte, dass Ridgemoor ihm wichtige Informationen mitteilen wollte. Bedauerlicherweise war er zu spät gekommen. Der Butler hatte den Behörden gegenüber geschworen, dass niemand außer Simon das Haus betreten hatte, und tatsächlich waren alle Fenster von innen verschlossen gewesen.
Als Simon das Misstrauen in den Augen seiner Vorgesetzten aufflackern sah, wusste er, dass ihm Ärger bevorstand. John Waverly, dem Mann, dem er zur Rechenschaft verpflichtet war, hatte mit keinem Wort etwas davon erwähnt, dass er seinen Bericht anzweifelte. Aber Simon hatte sein Zögern gespürt, und das hatte ihn mehr verletzt als er zugeben wollte. Vor acht Jahren hatte Simon nichts von dem gewusst, was ein Spion zu tun hatte. Tatsächlich hatte er wenig gewusst, was über den Reichtum und die Privilegien hinausging, die sein Name und sein Titel mit sich brachten. Er wollte und brauchte eine Veränderung – musste etwas Sinnvolles mit seinem Leben anfangen – und John Waverly hatte ihn unter seine Fittiche genommen und ihn die Feinheiten seiner neuen Aufgabe gelehrt. Simon hatte in Waverly stets mehr gesehen als nur einen Vorgesetzten – er bewunderte und respektierte ihn, und er sah in ihm einen vertrauten Freund und Mentor.
Und als wäre Waverlys Unsicherheit noch nicht genug, erkannte Simon auch das Misstrauen in den Blicken von William Miller und Marc Albury, seinen engsten Kollegen, Männer, in denen er so etwas wie seine Brüder sah. Tatsächlich fühlte er sich Miller und Albury häufig enger verbunden als seinem leiblichen Bruder – Simon konnte seine Spionagetätigkeit weder seiner Familie noch seinen Freunden anvertrauen. Wären Miller, Albury oder Waverly in derselben Lage wie die, in der Simon sich jetzt befand, würde er ihnen eine Chance geben und ihnen vertrauen, auch wenn alle Beweise gegen sie sprachen? Er wollte das gern glauben, aber vielleicht würde er in einer ähnlichen Situation ebenso an ihnen zweifeln wie sie jetzt an ihm.
Da sowohl der König als auch der Premierminister verlangten, dass Ridgemoors Mörder möglichst schnell gefasst wurde, fürchtete Simon, Schnelligkeit würde in diesem Fall mehr zählen als Gründlichkeit. Und im schlimmsten Falle hieße das, dass der falsche Mann – nämlich er – für das Verbrechen gehängt werden konnte, vor allem, weil es keine Hinweise auf weitere Verdächtige gab. Aufgrund der vielen gescheiterten Missionen in den letzten Jahren glaubten Simon, Miller, Albury und Waverly ebenso wie ihre Kollegen, dass sich in ihren Reihen ein Verräter befand, aber bisher war es ihnen nicht gelungen, den Betreffenden auszumachen. Simon wusste nur, dass er es nicht war. Jetzt sah es unglücklicherweise so aus, als stände er mit diesem Wissen allein.
Weil er nicht wusste, wem er vertrauen konnte, wem sein Wohlergehen am Herzen lag, hatte er gelogen, als er gefragt wurde, ob Ridgemoor ihm etwas anvertraut hatte. Doch Waverly konnte genau wie Miller und Albury eine Lüge auf zwanzig Schritt Entfernung wittern, und so hatte Simons Verhalten seine Lage nur verschlimmert und ihr Misstrauen noch vertieft. Bisher war keine Anklage gegen ihn erhoben worden, aber sein Instinkt sagte ihm, dass dies nur eine Frage der Zeit war. Und deshalb brauchte er die Alabasterschatulle, von der Ridgemoor gesprochen hatte. Jetzt gleich. Damit er den Schuldigen ausmachen konnte, ehe ihm seine eigene Hinrichtung bevorstand.
Aufgrund der knappen Zeit hatte er Waverly gebeten, ihn freizustellen, damit er seine Unschuld beweisen konnte. Sein Vorgesetzter hatte ihn lange angesehen, dann hatte er genickt und gesagt: "Ich glaube, dass Sie gelogen haben – und dafür sollten Sie einen verdammt guten Grund gehabt haben – aber ich denke nicht, dass Sie Ridgemoor umgebracht haben. Dennoch, die Beweise gegen Sie sind überzeugend, und wenn die Oberen Ihren Kopf fordern, gibt es nicht viel, was ich oder irgendjemand sonst tun könnte, um Ihnen zu helfen. Ich gebe Ihnen vierzehn Tage, Kilburn. Bis dahin erzähle ich jedem, dass Sie sich von einem Fieber erholen, das vermutlich ansteckend ist – das sollte sie eine Weile fernhalten. Tun Sie, was Sie tun müssen, um Ihren Namen reinzuwaschen, und tun Sie es um Gottes Willen schnell. Ich werde tun, was ich kann, um Ihnen dabei zu helfen."
Mehr konnte Simon nicht verlangen. Und er hatte keine Zeit vergeudet: Die Ermittlungen, die er seit dem Mord an Ridgemoor angestellt hatte, hatten ihn hierher geführt – zum Haus von Mrs. Genevieve Ralston, die bis vor einem Jahr Ridgemoors Mätresse gewesen war. Hatten Ridgemoors letzte Worte bedeutet, dass Mrs. Ralston an dem Plan beteiligt war, ihn zu töten? Oder hatte sie ihn vielleicht selbst erschossen? Das schien ihm gut möglich zu sein.
Simon hatte herausgefunden, dass Ridgemoor sein jahrzehntelanges Verhältnis mit Mrs. Ralston vor einem Jahr gelöst hatte. Konnte sie als verstoßene Frau Rache gesucht haben? Oder waren es politische Motive, die sie leiteten? War sie vielleicht eine Feindin der Krone und hatte geholfen, Ridgemoor zu erledigen, ehe er Premierminister werden konnte?
Simons Informationsquellen zufolge verließ Mrs. Ralston ihr Anwesen in dem kleinen Dorf Little Longstone nur selten, und der Earl war in London ermordet worden. Aber eine Kutschfahrt nach London dauerte nur drei Stunden. Was wäre geschickter, als ein zurückgezogenes Leben zu führen und sich dann heimlich davonzuschleichen, um Verbrechen zu begehen?
An diesem Abend zum Beispiel hatte Mrs. Ralston ihr Cottage vor fünf Minuten verlassen. Sie hatte nur einen Diener, einen Riesen mit Namen Baxter, der – davon hatte Simon sich überzeugt – im Augenblick in der Dorfschänke saß, einem Krug Ale in der Hand. Wenn Mrs. Ralston vor Baxter ins Haus zurückkehrte, würde niemand wissen, dass sie den Abend nicht in ihrem Cottage verbracht hatte.
Niemand außer dem, den sie treffen wollte.
Und Simon.
Simon stand in den dunklen Schatten der Bäume, die ihr Heim umgaben, und hatte ihr nachgesehen, wie sie den Pfad hinunterging, der zu den heißen Quellen auf ihrem Anwesen führte sowie zu einigen benachbarten Cottages. Er hatte erfahren, dass eines dieser Häuser im Augenblick leerstand und ein anderes vor einigen Monaten an einen Künstler vermietet worden war, einem Mr. Blackwell. War Mrs. Ralston zu den heißen Quellen unterwegs oder zu dem Künstler? Oder hatte sie ein anderes Ziel im Sinn? Simon wusste es nicht. Und so gern er ihr auch gefolgt wäre, gerade jetzt war ihr Cottage verlassen, und er musste die Gelegenheit nutzen, um die Alabasterschatulle zu finden, die den Beweis für seine Unschuld enthielt.
Lautlos hastete er den kurzen Weg zum Haus entlang. Er zwängte ein dünnes Stück Metall zwischen die Flügeltüren, die ihm am nächsten waren, und schob es geschickt über das Schloss. Das Glück war auf seiner Seite, denn just in diesem Moment verbargen Wolken den Mond und die Sterne.
Tief atmete er die kühle Luft ein, die bereits einen Hauch des nahenden Herbstes mit sich brachte, öffnete die Türen und schlüpfte in einen gut eingerichteten Wohnraum. Während seiner Suche achtete er darauf, alles so zurückzulassen, wie er es vorgefunden hatte, und bemerkte, dass Mrs. Ralston ein sehr gutes Auge für Möbel besaß. Auch ihre Schwäche für Kunst war unübersehbar: Gerahmte Bilder bedeckten die cremefarbenen Wände, von Landschaften über Zeichnungen bis hin zu illustrierten Gedichten und Miniaturporträts.
Soweit er bisher herausgefunden hatte, seit er vor zwei Tagen ihren Namen zum ersten Mal gehört hatte, war Genevieve Ralston keine reiche Frau. Doch ihre Besitztümer sprachen von einigem Wohlstand. Wie konnte sie sich solche Dinge leisten? Waren es Geschenke von einem großzügigen Wohltäter – oder die Bezahlung für einen Mord?



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