TRUST ME - BLUTIGES GRAUEN
Seit ein gefährlicher Psychopath Skye Kellerman nachts in ihrem eigenen Bett überfiel, ist ihr Leben nicht mehr dasselbe. Der Mann bedrohte sie mit einem Messer und brachte sie fast um. In letzter Sekunde konnte Skye ihn mit einer Schere außer Gefecht setzen und die Polizei rufen. Doch das Grauen von damals holt sie jäh wieder ein, als sie von Detective David Willis erfährt, dass der Täter vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen wird. Denn Skye weiß: Er will blutige Rache - und endlich vollenden, was er einst begann
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Leseprobe
Aus: TRUST ME - BLUTIGES GRAUEN von BRENDA NOVAK
1. KAPITEL
"Hast du's schon gehört?"
David Willis blickte hoch. Detective "Tiny" Wyman lehnte sich gegen die Wand der Arbeitsnische, in der Davids vollgestopfter Schreibtisch stand. Sein bester Freund in der Einheit war ein verdammt guter Polizist und sogar noch größer als David selbst. Tinys Teint schimmerte wie poliertes Kupfer, und das ständige Lächeln auf seinen Lippen schien die tiefe Traurigkeit in seinen braunen Augen Lügen zu strafen. Tiny nahm die Verbrechensbekämpfung wirklich ernst. Und er verlor nie viele Worte. Aber wenn er was sagte, dann hörten die anderen auch zu, David inbegriffen.
"Was gehört? Dass ich mit dem Papierkram mal wieder hinterherhinke?", scherzte er.
Tiny schob seine Riesenpranken in die Taschen seiner Khakihose. Allerdings täuschte seine lässige Haltung auch nicht darüber hinweg, wie unwohl er sich in seiner Kleidung fühlte. Er war einfach nicht der Jackett-Typ – ganz zu Schweigen von seiner Krawatte. "Du hinkst doch immer mit dem Papierkram hinterher", brummte er. "Meinst du, ich vergeude meine kostbare Zeit damit, dich darauf aufmerksam zu machen?"
Er blickte ihn ernst an, und jetzt wurde David klar, dass sein Freund nicht nur auf einen kurzen Plausch vorbeigekommen war. "Was ist los?"
Tiny zerrte an seinem Schlips, als würde er keine Luft mehr bekommen. "Erinnerst du dich an den Knaben, den wir eingesperrt haben, weil er diese kleine Blondine mitten in der Nacht angefallen hat?"
David hatte in den über dreizehn Jahren, die er nun beim Sacramento Police Department war, eine Menge Fälle bearbeitet. Aufgrund einer so vagen Beschreibung hätte er sich nicht unbedingt an diesen einen erinnern müssen. Aber bei Tinys Erwähnung dieser "kleinen Blondine" fiel ihm sofort wieder jede Einzelheit ein. Wahrscheinlich hatte er diese Geschichte doch nicht so tief vergraben wie gedacht. Seit seinem letzten Gespräch mit Skye waren inzwischen schon ein paar Monate vergangen, und trotzdem musste er oft an sie denken. "Ja, ich erinnere mich. Burke hat acht bis zehn Jahre dafür bekommen."
"Scheint sich inzwischen auf drei reduziert zu haben."
David rollte mit seinem Stuhl zurück und warf seinen Schreiber auf den Stapel Formulare, mit denen er sich abgequält hatte. "Ich wusste von seiner Anhörung, aber meinen letzten Informationen zufolge hatte er nicht die Spur einer Chance."
"Hätte er auch nicht haben dürfen", erwiderte Tiny. "Burke ist gefährlich. Aber …" Er ließ endlich von seiner Krawatte ab. Plötzlich wirkte er, als würde er sich in sein Schicksal fügen, das ihn einen weiteren Tag ans Büro kettete. "Ich vermute, er hat einen Mithäftling verraten. Was bedeutet, dass San Francisco jetzt zwei ungeklärte Mordfälle abschließen kann. Die haben seine Strafaussetzung empfohlen."
David schoss von seinem Stuhl hoch. "Hat denn, verdammt noch mal, keiner meinen Bericht gelesen? Warum haben die nicht zuerst bei uns angerufen? Um den Typen zu überprüfen?"
"Anscheinend haben sie sich vor ein paar Wochen bei Chief Jordan gemeldet."
"Hat er ihnen auch erzählt, dass es keine Toten mehr am Fluss gegeben hat, seit unser netter Zahnarzt im Gefängnis sitzt?"
"Natürlich. Und sie behaupten, es könnte ebenso gut reiner Zufall sein." Schließlich zeigte Tiny wieder sein breites Lächeln. "Ich habe ihnen versichert, sie könnten sich auf unser Gefühl verlassen. Aber sie wollen mehr."
Mehr. Deshalb hatte der Chief ihn wegen der ungelösten Fälle angesprochen. Er hatte sich erkundigt, ob er inzwischen irgendetwas Neues gefunden hätte. Sie mussten Oliver Burke die drei Morde nachweisen, aber David war nicht in der Lage gewesen, Jordan neue Beweise für Burkes Schuld zu liefern. Ihr Gespräch hatte ihn allerdings nicht weiter beunruhigt. Ihm war gar nicht klar gewesen, was auf dem Spiel stand. Er war davon ausgegangen, dass ihm noch mindestens zwei Jahre blieben, um die fehlenden Verbindungsstücke zu finden.
"Das ist doch scheiße!" David schob seinen Freund zur Seite und quetschte sich an ihm vorbei. Er war fest entschlossen, mit Jordan zu reden. Aber Tiny packte ihn am Arm und hielt ihn zurück.
"Spar dir deinen Atem, Alter, du kannst nichts mehr tun. Die Entscheidung ist gefallen. Dr. Burke kommt nächste Woche raus."
"Nächste Woche? Interessiert es denn niemanden, was er anrichten kann?" Zwei weitere Detectives der Abteilung für Gewaltverbrechen streckten ihre Köpfe auf den Flur. David warf ihnen einen scharfen Blick zu, der so viel bedeutete wie: Kümmert euch um euren eigenen Kram! Dann drehte er sich wieder zu Tiny um.
"Scheint so, als wären die Kollegen in San Francisco mehr daran interessiert, alte Akten zu schließen", sagte Tiny. "Dass sie Burke freilassen, soll für die anderen ein Ansporn sein. Da gibt es eine Menge Vergewaltiger, die ziemlich viel wissen. Ich bin sicher, dass die in San Francisco die Sache wenn nötig bis vor den Gouverneur gebracht hätten, um seine Haftentlassung zu bewirken."
Offensichtlich hatte es aber auch funktioniert, ohne so weit zu gehen. David hätte nie gedacht, dass Burke so leicht wieder auf freien Fuß käme. "Aber wenn er wieder jemanden überfällt, wird sein Opfer diesmal bestimmt nicht überleben und gegen ihn aussagen können. Das ist ihm ein Mal passiert, und das hat ihn ins Gefängnis gebracht."
"Genau das hat Chief Jordan auch behauptet."
"Und?"
"Ihm wurde entgegnet, dass man sich nicht zu sehr mit solchen Prognosen aufhalten darf, wenn man seinen Job ordentlich machen will."
"Skye Kellerman wird aber sicher anders darüber denken!"
Tiny fuhr sich mit der Hand über seine Glatze. "Sie interessiert dich, was?"
Die Bemerkung kam wie immer in Tinys typisch spöttischem Tonfall. Trotzdem entging David nicht ein gewisser missbilligender Unterton. Er ignorierte ihn. Genauso wie damals Tinys Warnung, sich nicht zu sehr mit Skye einzulassen. Zu jener Zeit hatte er genauso wie jetzt versucht, sich mit seiner Exfrau auszusöhnen.
"Ich würde mich nicht wundern, wenn Burke sich an sie ranmacht. Sicher will er beenden, was er angefangen hat. Und sich nebenbei noch ein bisschen rächen." Allein bei dem Gedanken daran wurde ihm übel.
Tiny blickte ihn ernst an. "Das denke ich auch."
"Wir müssen was unternehmen."
"Was denn? Wir haben keine Beweise, um ihm die anderen Morde anzuhängen. Und solange er sich nichts zuschulden kommen lässt, können wir nichts tun." Er seufzte resigniert. "Soll ich sie anrufen?"
David wünschte, er könnte es Tiny oder jemand anderem überlassen, Skye diese Nachricht zu überbringen. Er hätte sich einen angenehmeren Anlass vorstellen können, um mit ihr zu sprechen. Aber er konnte sich nicht davor drücken. Es war sein Fall. "Nein, ich mach das schon."
"Bist du dir sicher?"
"Ja." Fluchend schlug David gegen die Gipskartonwand, als Tiny ging. Der drehte sich nicht mal um. Er kannte David gut und wusste, was in ihm vorging. Und er war selbst frustriert. Allerdings spähten nun noch ein paar Kollegen in den Flur.
"Was glotzt ihr denn so?", bellte David.
Alle zogen sofort wieder den Kopf ein, aber das machte die Sache auch nicht besser. Nachdem sie Burkes Angriff überlebt hatte – wie sollte er Skye am besten beibringen, dass der ganze Horror von Neuem anfing? Dass sie jetzt wieder in Gefahr war?
Skye Kellerman zuckte zusammen, als sie Reifen auf dem Kiesweg hörte. Es war ein kalter Morgen Anfang Januar. Nicht direkt dunkel, aber eine dichte Nebelwand gab ihr das Gefühl, vollkommen isoliert zu sein. Abgeschnitten vom Rest der Welt.
Verletzlich …
Sie rannte zu dem antiken Sekretär, den sie nach dem Tod ihrer Mutter vor einem Jahr zusammen mit dem Haus geerbt hatte, und holte ihre halb automatische Kel-Tec P-3AT heraus. Die war noch leichter, schmaler und einfacher zu verstecken als ihre SIG P232. Mit der Pistole in der Hand rannte sie ins Schlafzimmer, um sich ein T-Shirt zu holen. Sie wollte ihr Dekolleté und den Bauch bedecken, sie hatte zum Training nur einen Sport-BH und Lycrashorts angezogen. Wegen ihrer großen Brüste war sie immer etwas befangen. denn sie erregten mehr Aufmerksamkeit, als Skye lieb war.
Eine Autotür schlug zu, und Schritte näherten sich dem Haus. Schwere Schritte. Die Schritte eines Mannes.
Skye zog sich ein weites T-Shirt über, auf dem stand: The Last Stand – Opfer schlagen zurück. Dann ging sie zu den vorderen Fenstern, um durch die Holzlamellen zu spähen. Anschließend sah sie durch den Spion, den sie in die Tür eingebaut hatte. Aber der Nebel war zu dick, um mehr zu erkennen als einen großen Schatten. Und der kam direkt auf sie zu.
Verdammt! Der bittere Geschmack von Angst kroch ihr die Kehle hoch, und ihr Magen brannte. Wahrscheinlich war das nur jemand, der sich verlaufen hatte und nach dem Weg fragen wollte. Sherman Island lag im Herzen des Sacramento River Deltas, hier lebten lediglich hundertfünfundsiebzig Menschen. Nur wenige Leute von auswärts fanden sich hier in den Sümpfen zurecht. Zwischen all den natürlichen Wasserstraßen mit den Zugbrücken und Deichen, die das Feuchtgebiet so einzigartig machten, konnte man sich schnell verirren. Doch Skye ging nicht mehr davon aus, dass sie von Fremden nichts zu befürchten hatte. Nicht, seit sie mitten in der Nacht von einem Mann mit Kapuze aus dem Schlaf gerissen und mit einem Messer bedroht worden war.
Oliver Burke saß im Gefängnis – Gott sei Dank. Doch seit sie vor zwei Jahren mit ihren Freundinnen Sheridan Kohl und Jasmine Stratford The Last Stand gegründet hatte, eine Organisation zur Unterstützung von Gewaltopfern, waren eine Menge Typen sauer auf sie. Das hier konnte womöglich Tamara Linds Ehemann sein. Er hatte seine Frau geschlagen und gab Skye nun die Schuld dafür, dass Tamara ihn kürzlich verlassen hatte. Vergangene Woche hatte er gedroht, das Büro von The Last Stand in die Luft zu jagen. Oder es könnte auch Kevin Sheppard sein. Kevin war erst neulich in ihrem Büro erschienen. Über ihre Organisation hatten gerade viele Zeitungen positiv berichtet, und Kevin wollte sich als ehrenamtlicher Mitarbeiter anbieten. Skye musste ihn abweisen. Eine Überprüfung hatte ergeben, dass er wegen Stalking angezeigt worden war. Da hatte er einen Wutanfall bekommen und war hinausgestürmt. Seitdem war er nicht mehr aufgetaucht.
Es klingelte an der Tür. Gleich darauf klopfte es heftig.
Skye sah sich in Gedanken die Alarmanlage abstellen, die Tür mit der Kette davor einen Spalt öffnen … und wie jemand sie weit aufriss. Ihre Handflächen wurden feucht. Bleib ruhig!
Sie konnte verdammt gut schießen, aber Nervosität brachte den besten Schützen der Welt aus dem Konzept. Also würde sie die Tür nicht öffnen. Sie würde so tun, als wäre sie nicht zu Hause, und hoffen, dass der Mann wieder verschwand.
Mit angehaltenem Atem blieb sie mit dem Rücken an die Wand gepresst stehen. Dabei fragte sie sich, was wohl die Schülerinnen aus ihren Schießkursen denken würden, wenn sie sie so sehen könnten: schwitzend und zitternd – nur wegen eines bisschen Nebels und eines unerwarteten Besuchers. Die meisten sahen in ihr eine unbesiegbare Kämpferin, wenn sie die Waffe in der Hand hielt. Und sie glaubten wohl auch, dass sie selbst mit einer Pistole unverwundbar wären. Aber sie konnten sich eine solche Situation überhaupt nicht richtig vorstellen. Sie ahnten nicht, dass eine Frau auch mit Hunderten von Waffen nicht unangreifbar war … wenn sie zögerte, auch wirklich abzudrücken.
Wäre sie bereit, Kevin Sheppard zu töten? Oder Tamaras Exmann?
Wenn es sein musste …
Sie hatte sich nicht bewegt und keinen Ton von sich gegeben, aber ihr Besucher gab nicht auf. Offensichtlich schien er nicht zu glauben, dass keiner zu Hause war. Er klingelte erneut. Klopfte. Dann wurde sein Schatten am Fenster noch größer, als er sich vorbeugte und versuchte, ins Haus zu lugen.
"Skye? Skye, bist du da? Ich bin's, David! Detective Willis."
Sie atmete langsam aus und lockerte den Griff um den Abzug. David … Sie war doch nicht in Lebensgefahr. Allerdings beruhigte sich ihr heftiges Herzklopfen keineswegs – nicht, nachdem sie wusste, dass er da draußen stand.
"Dein Wagen steht in der Auffahrt", rief er. "Willst du mir nicht aufmachen?"
Nach einem weiteren tiefen Atemzug sicherte sie ihre Pistole und steckte sie in die Tasche ihres Mantels, der in der Diele neben der Tür hing. Dann fuhr sie sich mit dem Finger über ihre feuchte Oberlippe.
"Skye?"
"Ich komme!" Sie schaltete die Alarmanlage aus, löste die Kette von der Tür, drehte den Riegel um und öffnete.
Er trug ein grünes Hemd mit Krawatte und sah gut aus – verdammt gut. Der Schlips war ein bisschen zu elegant für das Hemd, aber seine Art, sich zu kleiden, war einzigartig und sehr anziehend: eine Mischung aus James Dean und Johnny Depp, cool und stilsicher. Kurz erinnerte sie sich an die Zeit vor fast einem Jahr. Als er ihren Mund erst zart mit den Lippen gestreift und sie dann leidenschaftlich geküsst hatte … Wie er sie gegen die Wand gedrückt hatte … In diesem Moment hatte diese flatterhafte Anziehungskraft zwischen ihnen über jede Vernunft gesiegt.
"Hallo." Sie lächelte und hoffte, dass man ihr die Aufregung nicht ansah. Ihre Beziehung war so kompliziert, sie konnte ihm einfach nicht locker gegenübertreten. Vor allem nicht, wenn er so unerwartet auftauchte. "Was führt dich denn in diese Einöde?"
Er machte nicht den Eindruck, als würde er ihr einen Freundschaftsbesuch abstatten. Wahrscheinlich erinnerte er sich noch nicht einmal an den besagten Abend. Als er ihr beim Umzug geholfen hatte und sie fast miteinander im Bett gelandet wären … "Ich muss mit dir reden. Kann ich einen Moment reinkommen?"
Er verhielt sich so unpersönlich, so distanziert. Er hatte auch nicht vorher angerufen, sondern erschien unangemeldet vor ihrer Tür. Was hatte das zu bedeuten?
Sie trat zur Seite und bat ihn mit einem flauen Gefühl im Magen herein. Dabei redete sie sich ein, dass sie keinen Grund hatte, sich Sorgen zu machen. Das Schlimmste war überstanden. Egal, was jetzt noch geschehen würde: Diese Hölle musste sie nicht mehr durchstehen. Und das war alles, was zählte. "Kann ich dir eine Tasse grünen Tee machen?"
"Grünen Tee?", wiederholte er und zog die Augenbrauen hoch.
"Tut mir leid, Kaffee habe ich nicht. Ich trinke keinen mehr."
"Danke, lieber keinen Tee. Ich fürchte, so was Gesundes würde ich gar nicht vertragen." Er betrachtete sie aufmerksam mit seinen hellgrünen Augen. Ihm schien kein Detail ihres Gesichts und ihrer ganzen Erscheinung zu entgehen. Sofort war sie sich seiner Gegenwart nur umso intensiver bewusst. Aber sie konnte ihm nicht ansehen, ob ihm der Anblick gefiel oder nicht. Was auch immer er dachte: Er verbarg es hinter einer undurchdringlichen Fassade. Dann war der Augenblick vorbei, und er blickte sich um.
Zum ersten Mal nach langer Zeit betrachtete Skye ihr Haus mit den Augen eines anderen. Sie hatte die "Besuchercouch" ihrer Mutter aus dem Wohnzimmer entfernt. Ebenso die mit Walnussholz furnierten Beistelltische, die antiken Vitrinen und Vasen mit Seidenblumen. Alles war an ihre beiden Stiefschwestern Jennifer und Brenna gegangen, die in Südkalifornien in der Nähe ihres Vaters lebten. Sie hatte die Möbel durch Hanteln ersetzt, ein Trainingsrad, einen Stepper und eine Yogamatte. Von ihrem Standpunkt aus konnte man nur einen schmalen Streifen der Küche erkennen. Aber man sah den Blumenkasten, in dem sie Kräuter und Weizengras kultivierte.
"Wow. Interessant, was du aus dem Haus gemacht hast", sagte er.
Sein ironisches Grinsen sagte ihr, dass er nicht gerade eine Verbesserung erkennen konnte. Ihr war klar, wie das Ambiente auf ihn wirken musste: als könnte sie die Vergangenheit nicht hinter sich lassen. Weshalb sie sich bei ihrer letzten Begegnung gestritten hatten.
"Vielen Dank. Ich fand es schade, so viel Platz zu verschwenden."
"Immer die Praktische."
Sie war noch nie praktisch gewesen. Bis zu den frühen Morgenstunden des 11. Juli vor fast vier Jahren hatte sie es für eine Katastrophe gehalten, wenn sie sich einen gerade manikürten Fingernagel abbrach. "Es verändert das Leben offensichtlich, wenn man einem Vergewaltiger eine Schere in den Bauch rammt."







