GELIEBTER RETTER
Maya ist Heilpraktikerin, lebt streng vegetarisch und hat kein Geld. Sawyer verabscheut Kräutertees, mag saftige Steaks und ist steinreich. Als er ihr und ihrem Baby das Leben rettet, verliebt sich Maya sich gegen ihren Willen unsterblich in diesen unmöglichen, faszinierenden Mann …
NUR EIN KURZER TRAUM VOM GLÜCK?
Die Nacht mit dem einfühlsamen Zack war wundervoll. Schon malt Diana sich eine Zukunft mit ihm als liebendem Ehemann und stolzem Vater ihrer kleinen Töchter in den rosigsten Farben aus. Da lässt ein Anruf ihre Träume jäh zerplatzen …
DAS SCHICKSAL HAT SEINEN EIGENEN PLAN
Nach diesem Kuss hat sich Hannah lange gesehnt. Als sie zum ersten Mal in Erics starken Armen liegt, spürt sie minutenlang nur pures Glück. Plötzlich kommen Zweifel auf: Wird ihr attraktiver Jugendschwarm sie auch noch begehren, wenn er von ihrer Schwangerschaft erfährt?
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Leseprobe
Aus: GELIEBTER RETTER von NICOLE FOSTER
Aus dem Roman "Geliebter Retter" von Nicole Foster
1. KAPITEL
So war das nicht geplant gewesen. Nichts davon hätte so kommen sollen – nicht der Sturm und die Graupelschauer, nicht die nasse, rutschige Straße durchs Gebirge, auch nicht dieser idiotische Autofahrer, der auf sie zugeschossen kam und sie zum Ausweichen zwang, und erst recht nicht das Einsetzen der Wehen.
Nicht jetzt und hier, nicht sechs Wochen zu früh.
Wieder kam eine Wehe, und Maya Rainbow bohrte die Finger in die muffige Decke, an der sie sich festklammerte, als könne die ihr das Leben retten. Sie kämpfte gegen die Angst an, die jeden Moment in eine Panikattacke umschlagen konnte.
"Wie geht es Ihnen, Maya? Sind Sie noch da?"
Die Wehe ebbte ab, und Maya atmete flach weiter, während sie ihr Mobiltelefon ans Ohr drückte, um der Frau von der Notrufzentrale antworten zu können, die immer noch mit ihr sprach, obwohl die Sanitäter längst unterwegs waren. "Ja, ich bin hier."
Wohin hätte sie auch gehen sollen? Ihr alter Jeep Cherokee war im Straßengraben gelandet. Maya war ohnmächtig geworden, und als sie wieder das Bewusstsein erlangte, musste sie feststellen, dass der Wagen sich an einem Baum verkeilt hatte und sie nicht aussteigen konnte.
Noch vor ihrem Anruf bei der Notrufzentrale war ihr klar geworden, dass die Wehen eingesetzt hatten.
"Die Sanitäter sind auf dem Weg. Versuchen Sie, Ruhe zu bewahren, und achten Sie auf Ihre Atmung", sagte die Frau am anderen Ende der Leitung. "Geben Sie mir Bescheid, wenn die nächste Wehe einsetzt."
"Jetzt!", keuchte Maya.
Es war eine absurde Situation. In den letzten Jahren hatte sie unzähligen Menschen beigebracht, wie man ohne Medikamente Schmerzen in den Griff bekam, Stress bekämpfte und zu innerer Ruhe gelangte. Monatelang hatte sie selbst all die Techniken geübt, die sie ihren Kunden mit auf den Weg gab. Und jetzt wollte sie nichts lieber, als bei jeder Wehe laut zu schreien!
Was, wenn die Rettungssanitäter sie nicht finden konnten? Sie hatte keinen anderen Wagen vorbeifahren sehen. Und was war mit dem Fahrzeug, das den Unfall verursacht hatte? Sie konnte nicht mal beurteilen, ob ihr Jeep von der Straße aus überhaupt zu sehen war.
Niemals zuvor hatte Maya sich einsamer gefühlt als in dieser regnerischen, kalten Nacht.
"Keine zwei Minuten Abstand", hörte sie die Frau am Telefon sagen. "Halten Sie durch, die Sanitäter müssen jeden Augenblick bei Ihnen eintreffen."
Sie konnte nicht länger die Tränen zurückhalten. Wäre sie doch nur nicht auf die verrückte Idee gekommen, an diesem Abend nach Hause zu fahren!
Dabei hatte es zunächst noch wie die ideale Lösung ausgesehen, um Ruhe vor Evan zu finden, der sie unablässig aus dem gemeinsamen Apartment vertreiben wollte. Von Taos bis zum Haus ihrer Eltern in Luna Hermosa waren es keine zwei Stunden Autofahrt, und als sie abfuhr, herrschte trockenes Wetter, der Himmel war wolkenlos gewesen. Ihre Schwangerschaft war bislang ohne Komplikationen verlaufen, und der Geburtstermin war für in gut sechs Wochen ausgerechnet.
Eigentlich hätte nichts schiefgehen dürfen.
Doch dann war alles schiefgegangen.
Sawyer Morente warf einen finsteren Blick auf das Mobiltelefon, das vor ihm auf dem Tisch lag und klingelte. Das Display zeigte die Nummer seines Bruders. Hätte er doch bloß daran gedacht, das Gerät auszuschalten!
Für einen Freitag verlief der Bereitschaftsdienst ungewöhnlich ruhig. Von einem kleineren Brand abgesehen, der ein dreiköpfiges Einsatzteam seit einer Stunde beschäftigte, waren in der Zentrale in Luna Hermosa keine Notrufe eingegangen.
Sawyers Partner Rico Esteban, der sich gelangweilt auf einem Bürostuhl flegelte, sah von seiner Zeitung auf, als er das Klingeln hörte. "Willst du nicht rangehen? Allmählich nervt das."
"Das kannst du laut sagen", murmelte Sawyer. Es war Corts vierter Anruf in dieser Woche, und Sawyer war es längst leid, seinem jüngeren Bruder immer wieder zu erklären, er wolle nicht über diesen Brief reden, der von seinem Vater gekommen war.
Aus unerfindlichen Gründen wollte Cort darauf reagieren, während es für Sawyer nur eine Antwort auf den Brief gab: Geh zum Teufel. Nach sechsundzwanzig Jahren ohne Vater komme ich auch weiterhin gut ohne dich zurecht.
"Lass mich in Ruhe, Cort", herrschte Sawyer ihn an, als er endlich den Anruf annahm. "Kannst du nicht sonst jemandem auf die Nerven gehen?"
"Nein, nur dir. Und du gibst dir verdammt viel Mühe, mir aus dem Weg zu gehen."
"Das würde ich nicht machen", gab Sawyer zurück, "wenn du das Thema endlich vergessen könntest."
"Früher oder später müssen wir uns damit befassen."
"Tue ich doch", meinte Sawyer so schroff, dass Rico kurz aufsah. "Und zwar auf die Weise, wie er sich die ganzen Jahre über mit uns befasst hat, nachdem er genug davon hatte, uns zu verprügeln. Für mich existiert er einfach nicht."
Er sah keine Veranlassung, weiter mit Cort zu diskutieren. Ihr Vater hatte sie beide nie gewollt. Er war groß und grobschlächtig, und sein aufbrausendes Temperament wurde umso schlimmer, je mehr er sich auf seinen guten alten Freund Jim Beam verließ. Sawyer war von Anfang an die Zielscheibe seiner Wutausbrüche gewesen, und als er sieben und sein Bruder fünf Jahre alt war, warf ihr Vater sie aus dem Haus und verbannte sie wortlos aus seinem Leben.
Seine Mutter wollte nie über ihn reden und erklärte allenfalls, Jed Garrett liebe seine Ranch über alles. Sie war der Ansicht, dass Sawyer und Cort keinen Vater brauchten, der nichts von ihnen wissen wollte. Schließlich hatte sie auch noch den Namen Garrett aufgegeben und voller Stolz wieder ihren Mädchennamen Morente angenommen.
Sawyer hätte ihren Worten wohl geglaubt, wäre er nicht dahinter gekommen, dass Jed Rafe adoptiert hatte, den Sohn seines Geschäftspartners, ein zweites Mal heiratete und mit dieser Frau ebenfalls einen Sohn hatte. Weil er das wusste, hatte er jahrelang gegrübelt, warum ihr leiblicher Vater ihn und Cort nicht liebte und warum er ihre Existenz einfach leugnete.
Nun war ihre Mutter tot, und mit einem Mal wollte Garrett seine zwei ältesten Söhne wiedersehen. Weshalb er so urplötzlich an ihnen interessiert war, wusste Sawyer nicht, und er wollte es auch nicht wissen. Genauso, wie er nichts von Garrett wissen wollte.
"Wenn es dir so viel bedeutet, kannst du ihm ja antworten, Cort", sagte er schließlich. "Aber das ist dann ganz allein deine Sache, Bruder. Ich will mit ihm nichts zu tun haben."
Der Alarm schrillte los und übertönte Corts Antwort.
"Unfall mit zwei Fahrzeugen und Verletzten", schallte eine Frauenstimme aus dem Lautsprecher. "Eine Frau liegt in den Wehen. Highway 137 am Coyote Pass."
"Ich muss los", rief Sawyer und trennte die Verbindung.
Das Aufheulen einer Sirene ließ Maya hochschrecken, dann zuckten rote und gelbe Lichter durch die Nacht. Voller Erleichterung regte sich in ihr die Hoffnung, ihr Baby nicht auf dem Fahrersitz ihres Jeeps, sondern in einem Krankenhausbett zur Welt bringen zu können.
Durchs Fenster konnte sie im Schein einer Taschenlampe das Gesicht eines Mannes erkennen, der in den Wagen leuchtete und dann aufmunternd lächelte. "Wir holen Sie da raus", rief er.
Maya kniff die Augen zusammen, als sie die nächste Wehe spürte. Gleich darauf zersplitterte Glas, dann wurde die Heckklappe geöffnet. Es dauerte ein paar Sekunden, ehe sie begriff, dass jemand über die Ladefläche zu ihr kletterte.
"Wie geht es Ihnen?", fragte der Sanitäter, den sie eben noch neben dem Wagen gesehen hatte und der nun auf den Beifahrersitz kletterte. Maya zog die Decke enger um sich, zitterte aber unablässig weiter.
Ehe sie antworten konnte, richtete er seine Taschenlampe auf sie, um sich ein Bild von ihrem Zustand zu machen. "Entschuldigen Sie, das war ein dummer Spruch. Ich muss mir wohl eine andere Anmache ausdenken." Dann begann er rasch einige Fragen zu stellen, die den Unfallhergang und ihre Schwangerschaft betrafen.
"Das ist noch viel zu früh", flüsterte Maya, als eine weitere Wehe einsetzte.
"Das würde ich auch sagen", stimmte er ihr zu und nahm ihre Hand. "Hier, drücken Sie fest zu."
Sie zögerte. Auf der einen Seite hasste sie es, so schwach zu sein, dass sie sich von einem Fremden helfen lassen musste, andererseits brauchte sie wirklich jemanden, der ihr Trost spenden konnte, und wenn es nur für ein paar Minuten war.
Als wüsste er, was ihr durch den Kopf ging, sagte er: "Ich stehe ziemlich schlecht da, wenn Sie das ganz allein durchziehen … ja, das ist schon besser."
Tatsächlich half es ihr, sich an etwas – an jemandem – festzuklammern, solange es nicht diese zerschlissene Decke aus dem Wagen war. Seine Stimme war voll und wohlklingend, mit einem Hauch von Akzent, die zusammen mit der Wärme seiner Hand dafür sorgte, dass sie ruhiger und von der nahenden Panik abgelenkt wurde.
Fast war sie davon überzeugt, sich endlich entspannen zu können, da ließ ein metallisches Kreischen dicht neben ihr sie hochfahren.
Behutsam drückte er sie gegen die Rückenlehne. "Ganz ruhig. Wir schneiden nur die Tür auf", erklärte er und zeigte auf einen Feuerwehrmann gleich neben dem Wagen. "Dann können wir Sie beide hier rausholen und ins Krankenhaus bringen."
Die Frau musste nichts von seinen Zweifeln wissen, ob sie es überhaupt bis ins Krankenhaus schaffen würden. Sie hatte auch so genug Angst, ihre zierliche Hand war kalt und zitterte. Gleichzeitig aber bemühte sie sich mit aller Kraft, nicht von ihrer Furcht überwältigt zu werden.
Warum nur war sie allein unterwegs? Was war das für ein werdender Vater, der seine schwangere Frau bei einem solchen Wetter allein durch die Nacht fahren ließ?
"Wie heißen Sie?", fragte er, als sie tief Luft holte und sich auf eine weitere Wehe gefasst machte.
"Maya … Maya Rainbow."
"Junge oder Mädchen? Oder wissen Sie es noch nicht?"
"Junge. Joey", antwortete sie zwischen den Atemzügen. "Ich fürchte nur, er ist sehr ungeduldig. Oder er hat eine Vorliebe für das Dramatische, wenn er unbedingt zu früh auf die Welt kommen will, mitten in einem Unwetter, am Rand einer … oh!"
Der Schmerz kam im gleichen Moment, in dem die Fahrertür geöffnet wurde. Von da an ging alles so schnell, dass Maya kaum mitbekam, wie man sie aus dem Jeep holte und zum Rettungswagen brachte. Als sie schließlich wieder hochsah, entdeckte sie das vertraute Gesicht des Sanitäters vom Beifahrersitz. Der Mann sagte irgendetwas davon, er müsse nach dem Baby sehen.
"Ich kenne ja nicht mal Ihren Namen", fauchte Maya ihn an, bis ihr klar wurde, wie idiotisch sich ihr Tonfall unter diesen Umständen anhören musste, wenn sie doch froh sein konnte, dass ihr jemand half. "Ach … vergessen Sie, was ich gesagt habe …"
"Sawyer Morente. Es dauert nur einen Moment."
Der Name sorgte dafür, dass sie gar nicht mitbekam, was er eigentlich tat. Sie war viel zu verblüfft, ausgerechnet von ihm gerettet zu werden – zum zweiten Mal in ihrem Leben. Jahrelang hatte sie nicht mehr an ihn gedacht, und jetzt …
Sawyer richtete sich auf und sah sie an. "Joey will nicht warten, bis wir im Krankenhaus sind, und mein Kollege kümmert sich momentan um den Fahrer, der Sie von der Straße gedrängt hat. Das heißt, wir zwei ziehen das jetzt allein durch."
"Was? Allein? Oh nein, ich … das geht nicht. Das können Sie nicht machen!"
"Natürlich kann ich das", entgegnete er gelassen. "Keine Sorge, das ist nicht mein erstes Mal."
Als sie ihn nur fassungslos anstarrte, legte er eine Hand auf ihren Arm. "Gemeinsam kriegen wir das schon hin, Maya."
"Ich kann nicht …", begann sie und verkrampfte sich am ganzen Leib. "Nicht hier …"
"Es muss aber hier sein. Weiß Ihr Mann, was passiert ist?"
Sekundenlang sah es so aus, als wollte oder könnte sie nicht antworten, dann erwiderte sie mit seltsam erstickter Stimme: "Da ist kein Mann. Joey hat … keinen Vater." Eine Mischung aus Schmerz und Trotz blitzte in ihren Augen auf. "Es gibt nur mich."
Zu gern hätte er Maya getröstet und ihr versichert, sie und ihr Baby seien besser dran, wenn da kein Mann war, der sich von seinem eigenen Kind abwenden konnte. Er wollte ihr sagen, es sei nicht wichtig, ob das Kind seinen Vater kannte – doch es war wichtig, und das wusste er besser als jeder andere.
Ein statisches Krachen aus dem Funkgerät holte ihn in die Gegenwart zurück. "Okay, Maya", sagte er und sah ihr tief in die Augen. "Machen Sie sich bereit, und wenn ich es Ihnen sage, dann pressen Sie … jetzt!"
Da er sich völlig darauf konzentrierte, das Kind wohlbehalten zur Welt zu bringen, kam es ihm so vor, als seien seit dem ersten Pressen bis zur Geburt nur ein paar Sekunden vergangen. Momente später begann das Baby lautstark zu weinen, und er stand auf, um den Kleinen in Mayas Arme zu legen. Tränen liefen ihr übers Gesicht, als sie das Kind sanft an sich drückte.
"Willkommen in unserer Welt, Joey", meinte Sawyer leise.
Maya war so von ihren Gefühlen überwältigt, dass ihr die Worte fehlten. Er schien das zu verstehen, und als er sie einen Moment lang einfach nur ansah, kam es ihr vor, als sei alles in Ordnung.
"Ich hätte nicht gedacht", flüsterte sie, "dass es so wunderbar sein würde. Wie könnte jemand nicht wollen …" Abrupt hielt sie inne. Das war nicht der richtige Zeitpunkt, um an Evan zu denken.
Sie griff nach Sawyers Hand, sodass sie drei miteinander verbunden waren. Ihre Stimme versagte, als sie sich bei ihm für alles bedanken wollte, doch ein Blick in seine Augen genügte, um zu wissen, dass er auch so verstand.
Ihre Berührung und der liebevolle Glanz in ihren Augen weckten in Sawyer all die Gefühle, die er verdrängt hatte, als ihm klar wurde, dass Joeys Vater Maya und ihr Kind aus seinem Leben verbannt haben musste. Fast hätte er etwas Dummes gesagt, etwas in der Art, er fühle sich durch die Geburt mit ihr und ihrem Sohn verbunden. Dann aber setzte sein gesunder Menschenverstand wieder ein.
Er lächelte sie an und löste sich sanft aus ihrem Griff, um sich wieder auf seine Arbeit zu konzentrieren, denn das war das, was er eigentlich nur erledigte: seine Arbeit.







