Eiskaltes Feuer

Eiskaltes Feuer

Erscheinungstag:Fr, 27.05.2011
Bandnummer:0061
Bestellnummer:0840110061
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Eiskaltes Feuer von: Linda Howard

Über diesen Roman:

"Wie konnte ich ihn nur heiraten?" Victoria Waverly ist verzweifelt: Sie ist gefangen in einer lieblosen Ehe mit einem widerlichen Rohling! Nur ihre Träume von Jake, einem Gefolgsmann ihres Gatten, versüßen ihr die Tage unter der Sonne New Mexicos. Bis sich alles unwiderruflich ändert: Die Ranch wird überfallen, ihr Ehemann ermordet. In letzter Sekunde entkommt Victoria, doch ein Verfolger heftet sich an ihre Fersen. Als er sie einholt, wird ihr gewahr, dass sie den Banditen kennt: Es ist Jake! Warum hat er ihr das angetan? Und warum lodert in seinen Augen ein eiskaltes Feuer, wo sie doch gestern noch mit heißer Leidenschaft auf Victoria ruhten?

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Leseprobe

 

PROLOG

Das Land war außergewöhnlich schön. Vielleicht entschieden sich die ersten Menschen, die den Kontinent besiedelten, deshalb, dort zu leben. Fünfundzwanzigtausend Jahre plus / minus ein Jahrhundert später sollte es New Mexico heißen. Der Name reichte bei weitem nicht aus, um eine Vorstellung vom Zauber der unberührten Bergwälder im Norden zu wecken, die durchsetzt waren mit kristallklaren Seen und allmählich in hügeliges Grasland mit vereinzelten Bergkegeln übergingen. Die Luft war so klar, dass sie Augen und Verstand besänftigte, und jeder Sonnenuntergang kam einem Farbrausch am Himmel gleich.
    Die ersten Menschen in New Mexico waren die, die die Weißen später Indianer nannten, und sie lebten Tausende von Jahren erfolgreich in dem schönen Land. Doch als die kriegerischen Spanier mit ihren Rüstungen, stählernen Lanzen und temperamentvollen Pferden kamen, um in dem reichen Land nach Gold zu graben, beanspruchten sie das Land selbst für ihren fernen König. Als Belohnung für die unerschrockenen Siedler gab der König ihnen Landzuweisungen, Papiere, die ihnen den Besitz des wilden Landes bestätigten, das sie zähmen wollten.
    Einer dieser frühen spanischen Siedler war Francisco Peralta, ein großer, stiller Mann mit leidenschaftlichen grünen Augen. Er steckte die Grenzen des Landes ab, das er sein Eigentum nennen wollte, und verteidigte sie mit seinem Blut. Er baute ein Haus aus Adobeziegeln und ließ die hochgeborene Frau aus Spanien kommen, die der Heirat mit ihm zugestimmt hatte.
    Sie hatten nur ein Kind, einen Sohn. Aber was für einen Sohn! Juan Peralta erweiterte die Grenzen des väterlichen Landes, er förderte Gold und Silber, züchtete Pferde und Rinder und wurde reich dabei. Auch er holte sich eine Braut aus Spanien, eine Frau, die während der Indianerüberfälle an seiner Seite kämpfte und ihm drei Kinder gebar, einen Sohn und zwei Töchter. Juan Peralta baute ein neues Haus für seine Familie, bedeutend prächtiger als das seines Vaters. Es war ein harmonischer Bau mit Bogentüren, kühlen weißen Wänden und dunkel gefliesten Böden. Duftende Blumen blühten im Gartenhof.
    Juans Sohn, mit Namen Francisco nach seinem Großvater, zog sogar noch mehr Reichtum aus dem rancho. Doch seine zarte Frau starb nur sechs Monate nach der Geburt ihres einzigen Kindes, einer Tochter. Der gramgebeugte Gatte heiratete nicht noch einmal und hegte seine Tochter Elena als den kostbarsten Schatz in seinem Leben.
    Zu dieser Zeit, im Jahr 1831, schwärmten Amerikaner von Texas kommend in den Westen aus. Die meisten waren Pelzjäger und Männer aus den Bergen, einige waren Abenteurer. Zuerst waren es nicht viele, doch dann kamen immer mehr, harte, ruhelose Männer ohne Blick für die große Schönheit des Landes. Die Peraltas blickten auf diese groben Amerikaner herab, und Francisco verbat Elena, mit ihnen zu reden.
    Doch einer von den Amerikanern, Duncan Sarratt, scherte sich keinen Deut um Franciscos Verordnungen. Er verliebte sich auf den ersten Blick in die zierliche Elena Peralta. Schlimmer noch, auch Elena verliebte sich in ihn. Francisco tobte, drohte, versuchte, seine Tochter wie auch den Amerikaner einzuschüchtern. Doch er hatte Elena so viele Jahre lang mit seiner Nachsicht verwöhnt, dass sie seine Drohungen nicht ernst nahm. Sie wollte ihren Amerikaner haben.
    Sie bekam ihn, und sie heirateten mit Franciscos widerwillig gegebener Erlaubnis. Da er jedoch nicht dumm war, erkannte er bald, dass Duncan Sarratt vielleicht genau der Mann war, den Elena zur Verteidigung ihres Erbes brauchte. Der grünäugige Amerikaner verstand zu kämpfen und seinen Besitz zu verteidigen.
    Francisco erlebte die Geburt seiner Enkelkinder nicht mehr. Er starb im folgenden Jahr, 1832, und Duncan Sarratt wurde Herrscher über das Land der Peraltas. Er wurde zu einem derart absolutistischen Herrscher, dass er als "König" Sarratt bekannt wurde. Folgerichtig, wie auf die Nacht der Tag folgt, wurde das Hochtal als Sarratt's Kingdom bekannt.
    Die Erben des Königreichs wurden geboren: ein Sohn, Jacob, und zwei Jahre später ein weiterer Sohn, Benjamin.
    Die Jungen wuchsen in dem eleganten Ziegelhaus auf, das ihr Urgroßvater erbaut hatte. Sie spielten auf den kühlen dunklen Fliesen, ließen sich an den Händen von den Balkonen zum Gartenhof baumeln, rangen und kämpften wie zwei Tigerjunge und liebten jeden Zentimeter des Königreichs, das einmal ihnen gehören würde.
Doch im Jahr 1845 führten die Amerikaner Krieg gegen Mexiko. Er berührte die Sarratts zunächst nur wenig, so weit hoch im Norden, wie sie lebten. Doch eine Folge des Kriegs bestand darin, dass Mexiko den Vereinigten Staaten das herrliche, schöne Land abtrat, das die Amerikaner als New-Mexico-Territorium bezeichneten. Mit einem Federstrich lebten die Sarratts plötzlich auf amerikanischem Boden.
    Die Vereinigten Staaten erkannten die Gesetze und Bewilligungen der Regierung, die sie ersetzten, nicht an. Die alten spanischen Landbesitzer lebten seit hundert Jahren oder länger auf dem ihnen zugewiesenen Land, doch plötzlich waren ihre Heimstätten legal zu haben. Sie konnten ihr Land behalten, indem sie Anträge stellten, doch das wussten die meisten nicht. Duncan Sarratt, der in seinem riesigen Königreich im Tal ziemlich abgelegen lebte, wusste es auch nicht. Es machte keinen großen Unterschied; jeder, der versuchte, ihm Sarratt's Kingdom zu nehmen, musste auf Leben und Tod dafür kämpfen.

Schüsse weckten den Jungen auf. Er wälzte sich aus dem Bett und griff nach seiner Hose. Man schrieb das Jahr 1846, und mit seinen dreizehn Jahren arbeitete er schon fast zwei Jahre lang wie ein Mann auf der Ranch. Ganz gleich, was geschehen mochte, er hatte nicht vor, sich wie ein Kind unter dem Bett zu verstecken.
    Er hörte Leute rennen, und Rufe hallten durch das Haus und auch draußen über den Hof. Dann vernahm er die Stimme seines Vaters, der Befehle brüllte. Der Junge schlüpfte in seine Schuhe und lief hinaus auf den Flur. Unterwegs stopfte er sich das Nachthemd in die Hose. Er stieß mit seinem jüngeren Bruder zusammen, der ebenfalls gerade aus seinem Zimmer stürzte. Er hielt den kleineren Jungen fest, der fragte: "Was ist passiert?"
    "Ich weiß es nicht." Dicht gefolgt von seinem Bruder, rannte er den Flur entlang.
Im Erdgeschoss hörten sie Schüsse aufpeitschen. Einen Augenblick lang herrschte Stille, dann folgten weitere Schüsse, die donnernd durch die hohen Räume hallten. Instinktiv duckten sich die Jungen seitlich weg.
    "Duncan!" Ihre Mutter Elena stürmte aus dem Schlafzimmer, das sie mit dem Vater der Jungen teilte. Nackte Angst schwang in ihrer Stimme mit, als sie nach ihrem Mann rief, der sich unten aufhielt. Sie sah ihre Söhne an, dann riss sie die beiden an sich. "Bleibt hier", befahl sie.
    Mit dreizehn war der Junge schon größer als seine Mutter. "Ich will ihm helfen", sagte er und wandte sich der Treppe zu.
    "Nein!" Sie packte ihn am Arm. "Bleib hier! Ich befehle es dir. Gib acht auf deinen Bruder. Ich schau nach, was da los ist, und sage euch dann Bescheid. Versprich es! Versprich, dass ihr hier bleibt!"
    "Ich kann selbst auf mich achtgeben." Ihr jüngerer Sohn reckte das Kinn. Er war genauso ungestüm wie sein Bruder. Sie sah ihn einen Moment lang an und strich ihm übers Gesicht.
    "Bleibt hier", flüsterte sie und rannte los.
    Noch nie hatten sie einen direkten Befehl ihrer Mutter missachtet. Sie standen im Flur, voller Angst, weil sie nicht wussten, was genau vor sich ging, und wütend, weil sie dabei sein wollten. Das Knallen von Pistolenschüssen und das Peitschen von Gewehrfeuer erschütterten das große Haus. Von unten waren Schreie und Flüche, eilige Schritte und das Bersten von Glas zu hören.
    Dann gellte ein Schrei durch den Lärm. Er ging in einen schrillen Ton über, brach dann zu einem wunden, tiefen Klagelaut. Es war ihre Mutter.
    Der ältere Junge stürzte zur Treppe, doch unvermittelt hielt ihn ein warnendes Vorgefühl zurück. Er warf sich zu Boden und spähte durchs Geländer, um zu sehen, was im Erdgeschoss passierte.
    In der Eingangshalle lag ein Mann auf dem Boden. Von dort, wo der Junge sich befand, war nur die obere Körperhälfte sichtbar. Obwohl das halbe Gesicht weggeschossen war, erkannte der Junge seinen Vater. Eisige Fassungslosigkeit breitete sich in ihm aus. Seine Mutter hatte sich über die Leiche ihres Mannes geworfen und stieß immer noch diese grauenhaften Klagelaute aus. Vor den Augen des Jungen packte ein Mann den Arm seiner Mutter und zerrte sie von der Leiche fort. Dabei fiel das Licht der Lampe auf sein Gesicht. Der Junge erstarrte. Es war Frank McLain, einer der Männer seines Vaters.
    "Kümmert euch auch um die Kinder." McLain sprach leise, doch der Junge konnte ihn verstehen. "Bringt sie um."
    Elena schrie, stürzte sich auf ihn und zerkratzte mit den Fingernägeln sein Gesicht. McLain fluchte, dann holte er mit der Faust aus und schlug sie mit einem Hieb an die Schläfe nieder. "Holt die Jungen", befahl er und neigte sich über die Frau.
    Der Junge kroch zurück und packte seinen Bruder. "Lauf!", zischte er.
    Das Haus war ihnen vertraut; sie kannten jeden Winkel. Da sie wussten, dass die Männer sie zuerst in ihren Zimmern suchen würden, flüchteten sie sich stattdessen in das Eckzimmer, das Gästen vorbehalten war und über einen kleinen Balkon zum Innenhof verfügte.
    "Ich springe zuerst", flüsterte der Ältere und schwang die Beine über die Brüstung. Er hielt sich an dem schwarzen Eisengeländer fest und ließ sich herab, bis er über dem Boden hing, dann ließ er los. Er fiel höchstens zwei Meter; in ihren wilden Spielen hatten sie diesen Sturz oftmals geprobt. Leichtfüßig wie eine Katze landete er und verschwand sofort in den Sträuchern an der Mauer. Ein dumpfer Aufprall war zu hören, und sein Bruder folgte ihm.
    "Was ist los?", flüsterte der Jüngere.
    "Pa ist tot. McLain war's. Er hat Mutter in seiner Gewalt."
    Immer noch waren sporadisch Schüsse zu hören, da die Getreuen Duncan Sarratts und der Familie Peralta sich zu wehren versuchten. Die Jungen hielten sich im Schatten und schlichen um die Mauer herum. Ihre Gewehre befanden sich im Herrenzimmer, wo sie sie jeden Tag nach sorgfältiger Reinigung verstauten. Sie mussten sie holen. Immer noch breitete sich die Kälte im Inneren des großen Jungen aus; er sah seinen Vater auf dem dunklen Boden liegen, und sein halbes Gesicht war weg.
    Die Schreie ihrer Mutter gellten durch die kalte Nachtluft.
    Sie krochen durch die Küchentür ins Haus. Drinnen klangen die Schreie ihrer Mutter noch lauter und schmerzten in den Ohren. Sie war noch in der Eingangshalle, und jetzt waren auch gedämpfte Flüche zu hören.
    Der Junge begriff, und ihm wurde noch kälter. Er war dreizehn, und er wusste Bescheid. Er erhob sich auf die Füße und bewegte sich lautlos wie ein junger Panther. Auf dem Küchentisch blitzte etwas Stählernes, und automatisch griff er nach dem Küchenmesser mit der langen Klinge.
    Die Schreie waren jetzt in ein Stöhnen übergegangen, das immer schwächer wurde. Als der Junge in die Halle trat, sah er, wie McLain sich zwischen Elenas Beinen aus ihr zurückzog und sich auf die Knie erhob. Seine Hose war offen und übers Gesäß herunter gelassen, seine schrumpfende Männlichkeit glänzte nass. Die Pistole hielt er noch in der Hand. Mit einem schwachen Lächeln setzte er die Mündung an den Kopf der Frau und drückte ab.
    Ein unmenschlicher Aufschrei blieb dem Jungen in der Kehle stecken, doch er wusste jetzt genau, was zu tun war. Er warf das Messer, zielsicher dank vieler im Spiel verbrachter Stunden. McLain nahm nur eine Bewegung im Dunkeln wahr und duckte sich seitlich weg, gerade genug, damit das Messer sich in seine Schulter statt in sein Herz bohrte. Er brüllte um Hilfe und versuchte aufzustehen, als der Junge sich mit seinem ganzen Gewicht auf ihn stürzte und ihn wieder zu Boden warf. Der Aufprall ließ ihn vor Schmerzen schreien; sein nackter Hintern schrammte über den kalten Boden. Der Junge riss das Messer aus der Schulter, und die blutige Klinge zielte auf das entblößte Gemächt des Mannes. McLain schrie und versuchte, sich aus der Gefahrenzone zu wälzen. Die Bewegung lenkte den Messerstoß so weit ab, dass er nur einen seichten Schnitt im Oberschenkel hinterließ. Mit dem Fauchen eines wilden Tieres holte der Junge noch einmal aus, dieses Mal mit einer flachen, seitwärts gerichteten Armbewegung. Das Messer blitzte silbern und scharlachrot auf, und McLain empfand heiße, sengende, erstickende Todesangst, als der Stahl in seinen Hodensack fuhr.
    Wahnsinnig vor Schmerz und Angst, brüllte er auf. Er wälzte sich und versuchte zu treten, doch die herabgelassene Hose behinderte ihn. Vorher hatte er kein Grauen gekannt, doch jetzt ließ es ihm das Blut in den Adern gefrieren. Er konnte nicht aufhören zu schreien, während er versuchte, den Messerstößen auszuweichen. Im flackernden Licht sah er flüchtig das Gesicht des Jungen, und es wirkte erbarmungslos.
    "Ich schneide dir den verdammten Schwanz ab und stopfe ihn dir ins Maul", flüsterte der Junge mit wildem Blick, doch McLain verstand ihn trotz seiner eigenen, hysterisch-schrillen Schreie.
    Ein ohrenbetäubender Schuss riss den Jungen zur Seite. Das Messer fiel klappernd zu Boden, doch der Junge war nicht tot. Er kroch unbeholfen zur Küche, und der andere Junge, der kleinere, kam ihm hastig zu Hilfe.
    "Bringt sie um!", kreischte McLain, beide Hände über seine blutenden Geschlechtsteile gepresst. "Bringt die kleinen Scheißkerle um!" Er wälzte sich auf dem Boden, die Hose immer noch auf Kniehöhe, während der Hass auf den kleinen Sarratt ihm bitter in die Kehle stieg und ihn zu ersticken drohte. Er wimmerte, hatte zu große Angst, um die Hände wegzuziehen und nachzusehen, welchen Schaden das Messer angerichtet hatte, doch das Blut quoll zwischen seinen Fingern hindurch, und er begriff, dass er Gefahr lief zu verbluten. Immer noch wimmernd, hob er zitternd eine Hand und stöhnte laut auf. Sein Glied war unversehrt, doch der linke Hodensack war zerfleischt. Er konnte nicht erkennen, ob er den linken Hoden verloren hatte oder nicht.
    Verflucht, der Mistkerl hätte ihn um ein Haar kastriert! Er würde die Sarratts vom Angesicht der Erde tilgen, er würde dem Jungen das Fell abziehen und ihn den Bussarden überlassen. Doch noch während er sich vorstellte, was er alles tun wollte, wusste McLain, dass er das würgende Entsetzen und den Schmerz, die Demütigung, sich mit herabgelassenen Hosen auf dem Boden zu wälzen, während das Messer zustieß, nie vergessen würde.

Die Jungen kauerten in der kleinen Höhle, die sie fünf Jahre zuvor an der nördlichen Grenze von Sarratt's Kingdom entdeckt hatten. Schmerzen schüttelten den Älteren und zwangen ihn, die Zähne zusammenzubeißen, um sein Stöhnen zu unterdrücken. Sein Bruder lag still, viel zu still, neben ihm. Der ältere Junge wimmerte unter der Anstrengung, den Arm zu heben und seinem Bruder die Hand auf die Brust zu legen, die sich mit dessen Atemzügen hob und senkte.
    "Nicht sterben", flüsterte er in die kalte Dunkelheit, obwohl er wusste, dass der Jüngere bewusstlos war. "Nicht sterben. Noch nicht. Wir müssen McLain töten."
    Eine Kugel hatte seinen kleinen Bruder ziemlich weit oben in der linken Seite getroffen. Der Ältere wusste nicht, wie ihnen die Flucht gelungen war, aber wie verwundete Tiere waren sie hinaus in die Dunkelheit gekrochen. Er selbst hatte zwei Verletzungen davongetragen, eine im rechten Oberschenkel und eine Fleischwunde an der Taille. Blut tränkte sein Hemd und seine Hose, und er spürte, wie ihn die Kräfte verließen. Ihm wurde schwindlig von den Schmerzen und dem Blutverlust.
    Verschwommen wurde ihm bewusst, dass sie womöglich hier sterben würden.
    "Nein", sagte er und berührte noch einmal den reglosen Körper seines Bruders. "Was auch geschieht, wir müssen McLain kriegen. Komme, was da wolle. Das schwöre ich."