Operation Heartbreaker 2: Für immer - Blue

Operation Heartbreaker 2: Für immer - Blue

Erscheinungstag:Mi, 10.03.2010
Bandnummer:25465
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Operation Heartbreaker 2: Für immer - Blue von: Suzanne Brockmann

Über diesen Roman:

Operation Heartbreaker:
Besiege die Gefahr, vertraue deinen Freunden – und verschenke nie dein Herz.

Für Lucy hat die Liebe einen Namen: Blue McCoy. Als der attraktive Navy SEAL damals die Stadt verließ, wusste sie zwar, dass er dem Ruf nach Abenteuer, nach Gerechtigkeit folgen musste. Trotzdem tat es weh. Doch jetzt ist Blue zu Besuch in Hatboro Creek, genauso sexy und selbstbewusst wie damals. Für Lucy, die inzwischen Polizistin geworden ist, beginnt alles von vorn: Das Herzklopfen, die Hoffnung – und die Angst, dass Blue genauso schnell verschwindet wie er gekommen ist und ihr Herz als Scherbenhaufen zurücklässt. Aber dann wird sein Halbbruder ermordet. Schnell spricht alles dafür, dass Blue der Täter ist. Plötzlich ist Lucy ihrem Helden ganz nah – als Polizistin, die den Fall aufklären muss …

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Leseprobe

Aus: Operation Heartbreaker 2: Für immer - Blue von SUZANNE BROCKMANN


Prolog

Lieutenant Blue McCoy führte sechs Männer über morastigen Boden. Zentimeter für Zentimeter bewegte er sich durch die Dunkelheit. Stück für Stück suchte er die weiche Erde nach Sprengfallen und Landminen ab, bevor er das Gewicht von einem Fuß auf den anderen verlagerte.
Vor ihnen befand sich ein Dickicht, und er registrierte jeden Schatten, jedes Blatt, jeden Zweig. Blue McCoy achtete auf jede noch so kleine Bewegung.
Die Geräusche der Nacht umgaben ihn. Insekten summten und zirpten, irgendwo in der Ferne bellte ein Hund. Plötzlich rief eine Eule durch die Dunkelheit. Mit ihrem gespenstischen Schrei behauptete sie sich als Herrin dieser nächtlichen Szenerie, als Königin dieser zwielichtigen Welt.
Blue McCoy gehörte in diese Welt. Eine Welt, in der er seine Männer so lautlos durch die Finsternis führte, dass nicht einmal die Ameisen zu ihren Füßen sie bemerkten.
Die Alpha Squad hatte über eine Stunde gebraucht, um das freie Feld zu überqueren. Noch fünf Meter, und die Männer würden im Schutz des Dickichts untertauchen. Dann konnten sie sich schneller fortbewegen. Schneller, aber nicht weniger vorsichtig.
Blue lauschte. Er verschmolz mit dem Land um sich herum, wurde eins mit der Nacht. Sein Herz schlug langsam im stillen, uralten Rhythmus der Erde. Er dachte nichts – an nichts als daran, zu überleben. All der Lärm der Air-Force-Basis, wo das SEAL-Team noch vor zehn Stunden gewesen war, war längst der Nacht gewichen. Hinter ihm waren sechs Männer, aber Blue vernahm nicht den geringsten Laut. Dass sie da waren, wusste er nur, weil er darauf vertraute und nicht im Geringsten daran zweifelte. Die anderen SEALs gaben ihm Rückendeckung, während er sie führte. Er wusste, dass sie sterben würden, um ihn zu beschützen. Das wusste er mit derselben Gewissheit, mit der er sein Leben für sie opfern würde.
Blue roch etwas und verharrte. Er nahm einen schwachen, moschusartigen Geruch wahr, atmete noch einmal tief ein. Es musste sich um ein Tier handeln, das sich genauso lautlos durch die Nacht bewegte wie er. Es war kein menschlicher Geruch, und daher nicht von Interesse. Denn heute Nacht war Blue auf menschliche Beute aus.
Geradewegs durch den Wald, direkt da vorn, nur vierzig Meter von ihnen entfernt, lag eine Hütte. Laut der Spione der Federal Intelligence Commission, kurz FInCOM, befand sich dort Karen, die fünfzehn Jahre alte Tochter von US-Senator Mike Branford. Die letzten Infrarotaufnahmen der Satelliten hatten gezeigt, dass außerdem mindestens vier ihrer Entführer in der Hütte waren. Weitere zehn Personen schliefen in einem zweiten Gebäude, das etwa zwanzig Meter nordöstlich lag. Und zwei fünf Mann starke Terroristen-Patrouillen überwachten den Wald in der näheren Umgebung. Vor wenigen Minuten hatte sich eine der Gruppen Blue und der Alpha Squad auf fast zwei Meter genähert. Der Kommandant hatte sich eine Zigarette angezündet und das rauchende Streichholz weggeworfen. Nur Zentimeter von Blues Hand entfernt war es zu Boden gefallen, bevor der Terrorist seinen Männern befohlen hatte, weiterzugehen.
Mit ihren grün-schwarz bemalten Gesichtern, ihrer intensiven SEAL-Ausbildung, ihrer Erfahrung und Disziplin waren die Männer der Alpha Squad unsichtbar, umarmt von der Dunkelheit und eingehüllt vom Mantel der Nacht.
Nachdem sich die SEALs im Dickicht positioniert hatten, das um die Hütte herum wuchs, drehte sich Blue um und sah seinen Commander und Freund Joe Catalanotto an. Blue konnte Joe Cats Gesicht in der Dunkelheit zwar kaum erkennen, aber er sah ihn nicken.
Es war an der Zeit, loszulegen.
Aus dem Augenwinkel nahm Blue die schleichenden Bewegungen von Cowboy, Lucky, Bobby und Wes wahr. Sie verblassten, während die Männer in nordöstliche Richtung auf das zweite Bauwerk zusteuerten. Sie würden das Gebäude sichern und die Terroristen darin ausschalten.
Joe Cat und Harvard blieben vor der Hütte Blue würde hineinklettern, sich das Mädchen schnappen und es da rausholen.
Harvard stand Wache, während Joe und Blue die Hütte auskundschafteten, insbesondere das Fenster, das Blue als Einstieg benutzen sollte. Nichts. Es gab keine Sprengfallen, keinen Alarm, keine zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen – was sicher daran lag, dass die Hütte im Radius von einem halben Kilometer ja mit Sprengfallen, Alarmsystemen und bewaffneten Sicherheitspatrouillen gesichert war.
Vielleicht lag es auch daran, dass Aldo Fricker, der Anführer der Terroristen, Regel Nummer Eins vergessen hatte: Verlass dich nie auf Vermutungen. Die Terroristen ließen ihre verwundbare Seite ungeschützt, weil sie angenommen hatten, dass niemand den streng bewachten Umkreis des Geländes durchdringen konnte.
Sie hatten sich getäuscht.
Al Fricker, darf ich vorstellen: Alpha Squad, SEAL Team Ten.
Joe Cat schnitt schnell und leise die Fensterscheibe der Hütte heraus. Harvard stützte Blues Fuß ab, und schon war er drinnen.
Mit dem Nachtsichtgerät sah Blue sich in Windeseile um er entdeckte die junge Senatorentochter sofort. Sie lag zusammenkauert auf einem alten Messingbett, das in der südöstlichen Ecke des Raums stand. So weit er es beurteilen konnte, lebte sie noch. Die vier Wachen schliefen in Schlafsäcken oder hatten sich auf dem blanken Boden bei der Tür ausgestreckt. Blue nahm das Nachtsichtgerät ab und wartete einige Sekunden, bis sich seine Augen wieder an die Dunkelheit gewöhnt hatten. Er lauschte auf den leisen Atem der schlafenden Wachen. Es wäre schlecht, das Mädchen zu wecken, wenn er das Gerät noch trug und damit wie ein Alien aussah. Sie wäre so schon verängstigt genug.
Er nahm vier Spritzen aus seiner Kampfweste und schlich durch das Zimmer. Jedem der Wachen verabreichte er eine sorgsam gewählte Dosis Schlafmittel. Er schob die Schutzkappen auf die Nadeln und stopfte die nun leeren Spritzen in einen Beutel. Schnell durchsuchte er die Hütte, um sicherzugehen, dass keine weiteren Terroristen auf der Lauer lagen. Dann ging er zu der Tochter des Senators.
Er schaltete die Taschenlampe an, schirmte das Licht mit einer Hand ab und blickte auf das schlafende Mädchen herunter. Sie hatte sich zusammengerollt, die Knie an die Brust gezogen. Ein Arm lag oben, das Handgelenk war an das Messinggestell des Betts gefesselt. Ihr Haar war wirr und verknotet, Schmutz und Blut aus Schürfwunden bedeckten ihr Gesicht, die bloßen Arme und Beine. Sie trug blaue Shorts und ein ärmelloses Top. Beide waren zerrissen.
Die Bastarde hatten ihr wehgetan. Karen. Sie hieß Karen Branford. Sie hatten sie geschlagen, vermutlich vergewaltigt. Verdammt, sie war fünfzehn Jahre alt!
Zorn erfüllte ihn. Heiß, zähflüssig und tödlich. Blue spürte, wie er durch seinen Körper sickerte, unter die Haut und ihn bis zu den Fingern und Zehen ausfüllte. Dieses Gefühl war ihm bei der Arbeit vertraut. Für gewöhnlich war er froh darüber. Aber in dieser Nacht bestand seine Aufgabe nicht darin, zurückzuschlagen. Heute Nacht sollte er dieses übel zugerichtete kleine Mädchen hier rausholen und sie in Sicherheit bringen.
Blue zog das Mikrofon seines Headsets dichter an seinen Mund. "Cat", sagte er fast lautlos zu seinem Commander. "Sie haben sie verletzt."
Joe Catalanotto fluchte. "Schlimm?"
"Ja."
"Kann sie laufen?"
"Ich weiß es nicht", erwiderte Blue.
Er drehte sich wieder dem Mädchen zu und erkannte am veränderten Klang ihres Atems, dass sie wach war. Wach und angsterfüllt.
Schnell kniete er sich neben sie und hielt die Taschenlampe so, dass sie sein mit Tarnfarben bemaltes Gesicht beleuchtete.
"Ich bin Lieutenant Blue McCoy, Miss", sagte er mit gesenkter Stimme. "Ich bin ein US Navy SEAL, und ich bin hier, um Sie nach Hause zu bringen."
Aus großen Augen starrte sie ihn an, sah auf seine Uniform und seine Waffe. Blue wusste, dass sie ihn nicht verstanden hatte.
"Ich bin ein amerikanischer Soldat, Karen", erklärte er. "Ich bin ein Freund von Ihrem Daddy, und ich werde Sie hier rausholen."
Bei der Erwähnung ihres Vaters flackerten gleichzeitig Einsicht und Hoffnung in ihren braunen Augen auf. In einem vergeblichen Versuch, den Anstand zu wahren, hatte sie sich das zerrissene Shirt zugehalten, doch jetzt ließ sie es los, um die Hand vor seine Taschenlampe zu halten.
"Pst", flüsterte sie. "Sie wecken die Wachen auf."
"Nein, tue ich nicht", antwortete Blue. "Sie werden für eine ganze Weile nicht aufwachen. Und wenn sie es tun, werden sie bereits im Gefängnis sitzen." Er zog einen Dietrich aus seiner Weste und begann, die Handschellen zu bearbeiten. Nach drei Sekunden schnappte das Schloss auf.
Während sie sich das Handgelenk rieb, setzte er den Rucksack ab, schlüpfte aus seiner Kampfweste und knöpfte eilig das Tarnhemd auf, das er darunter trug. Es war feucht vom Schweiß und roch wahrscheinlich nicht besonders gut. Aber es war das Beste, was er ihr unter diesen Umständen anbieten konnte.
Sie nahm es schweigend entgegen, streifte es über und knöpfte es bis oben zu.
Blue zollte ihr große Anerkennung. Nach dem ersten Schrecken und der anfänglichen Angst hielt sie seinem Blick nun unnachgiebig stand, klar und tapfer. Er hatte braune Augen wie diese schon einmal irgendwo gesehen, vor einer halben Ewigkeit. Sie war auch fünfzehn Jahre alt gewesen …
Lucy. Die kleine Lucy Tait. Verdammt, er hatte seit Jahren nicht an sie gedacht.