MEINE BRÜDER, DIE LIEBE UND ICH

MEINE BRÜDER, DIE LIEBE UND ICH

Erscheinungstag:So, 10.07.2011
Bandnummer:25535
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MEINE BRÜDER, DIE LIEBE UND ICH von: Kristan Higgins

Über diesen Roman:

Femme Fatale, sexy Vamp, fleischgewordener Männertraum – all das ist Chastity O’Neill nicht. Mit vier großen Brüdern und einer Schwäche für die Yankees ist sie für die Männerwelt nur der gute Kumpel. Kein Wunder, dass auch der attraktive Trevor das so sieht. Dabei ist er der Eine! Chastity weiß es, seit sie sich als Teenager hoffnungslos in den besten Freund ihrer Brüder verknallt hat. Das ist zwölf Jahre her, doch Chastitys heimliche Liebe hat in all den Jahren nichts erschüttern können. Nun, wenn sie eins in ihrer verrückten Familie gelernt hat, dann das: Ein Mädchen muss für seinen Traum kämpfen! Zeit, die Waffen einer Frau zu zücken …

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Leseprobe

Aus: MEINE BRÜDER, DIE LIEBE UND ICH von KRISTAN HIGGINS



1. KAPITEL

"Ich finde, wir sollten uns nicht mehr treffen."
Mir fällt die Kinnlade herunter. Ich atme ein, und der gefüllte Champignon, den ich mir gerade in den Mund geschoben habe, rutscht mir direkt in die Luftröhre. Ungeachtet meiner misslichen Lage fährt Jason fort: "Es hat sich totgelaufen, findest du nicht auch? Ich meine, es war ja nicht gerade ..."
Dem Gefühl nach scheint meine Luftröhre komplett blockiert. Meine Augen beginnen zu tränen, ich verkrampfe ... Lieber Jason, bevor du mit mir Schluss machst – könntest du mir wohl noch schnell das Leben retten? Ich schlage mit der Faust auf den Tisch, sodass Teller und Besteck klirren, doch Jason interpretiert meinen Ausbruch wohl als Trennungsschmerz und nicht als akuten Sauerstoffmangel. Er blickt betreten zur Seite.
Ich werde an einer Vorspeise zugrunde gehen. Ich weiß, ich hätte sie gar nicht erst bestellen sollen, aber hier im Emo schwenkt man diese kleine Köstlichkeit in Butter, Knoblauch und Petersilie und ... äh ... Spar dir deine Restaurantkritik für später, du brauchst jetzt dringend Luft! Der Druck in meinem Hals nimmt immer mehr zu. Ich balle nochmals eine Faust, drücke sie mir gegen das Brustbein und werfe mich so gegen die Tischkante. Der Champignon schießt aus meinem Mund, prallt an einem Wasserglas ab und landet auf dem weißen Tischtuch. Ich sauge Luft in meine Lungen und beginne zu husten.
Angeekelt beäugt Jason den Pilzmatsch. Ich schnappe mir das Ding, wickle es in eine Serviette und inhaliere weiter köstliche Luft. Atmen wird ja so unterschätzt!
"Ich bin fast erstickt, du Idiot", bringe ich keuchend hervor.
"Oh, das tut mir leid. Tja, schön, dass es dir jetzt wieder besser geht."
Ich kann nicht fassen, dass ich Jason überhaupt als festen Freund in Betracht gezogen habe, geschweige denn, dass er mich jetzt abserviert. Er mich! Ich sollte ihn abservieren!
Ich blicke auf die zusammengeknüllte Serviette, die das Instrument meines knapp entronnenen Todes enthält. Der arme Tellerwäscher, der das entsorgen muss! Soll ich ihn warnen? Sonst schüttelt er die Serviette noch unbedarft aus, und der Pilzbrei fliegt durch die Küche, segelt auf den Boden, gerät unter einen Schuh und ...
Konzentration, Chastity, Konzentration! Du wirst gerade abserviert. "Ach, Jason, das ist schon in Ordnung. Ich meine, es war ja nicht gerade Liebe auf den ersten Blick. Aber davon mal abgesehen ... Könntest du mir bitte erklären, warum?"
Jason, mit dem ich in den letzten drei Wochen einige Male ausgegangen bin, nimmt einen kräftigen Schluck Wein und starrt über meinen Kopf hinweg in die Luft. "Müssen wir das jetzt analysieren, Chastity?"
"Na ja ... Sieh darin meinen unbändigen Drang nach Information. Ich bin schließlich Journalistin, falls du dich daran noch erinnern kannst?" Ich versuche ein fröhliches Lächeln, auch wenn mir in diesem Moment nicht besonders fröhlich zumute ist. Eigentlich noch nie, wenn ich genauer darüber nachdenke. Zumindest nicht bei Jason.
"Willst du es wirklich wissen?"
"Ja, will ich." Ich spüre, wie ich allmählich rot werde. Mein Stolz ist verletzt. Unsere kurze Beziehung war bislang bestenfalls lauwarm, aber ich dachte, ich müsse der Sache einfach mehr Zeit geben. Jason und ich waren erst vier Mal verabredet. Er lebt in Albany, und die Fahrt dorthin oder von dort ist ziemlich aufwendig, und manchmal hatte keiner von uns so richtig Lust dazu. Trotzdem habe ich mit seiner Abfuhr nicht gerechnet.
Jason verzieht seltsam den Mund, während seine Wange sich nach außen beult. Offenbar sucht er mit seiner Zunge irgendetwas hinter einem seiner Backenzähne. Ich ertappe mich bei dem Wunsch, dass er ebenfalls ersticken möge. Das scheint mir nur fair. Es fällt ihm immer noch nicht ein, mich anzusehen. "Na, schön", lenkt er ein und verschiebt seine Krümelsuche auf später. "Du willst den Grund wissen? Ich finde dich einfach nicht attraktiv genug. Tut mir leid."
Ich bin fassungslos. "Nicht attraktiv genug? Nicht attrak... Ich bin sehr attraktiv!"
Jason verdreht die Augen. "Natürlich. Du bist wunderschön. Klar. Aber mit solchen Schultern könntest du als Hafenarbeiter anheuern!"
"Ich rudere!", protestiere ich. "Ich bin stark! Das ist sexy!"
"Na ja, dass du mich in der Tat hochheben und tragen kannst, hat mich nicht gerade angetörnt."
"Aber das war doch nur Spaß!", rufe ich. Es war tatsächlich eine der lustigsten Begebenheiten in unserer Beziehung. Wir waren wandern, er konnte nicht mehr, und ich habe ihn Huckepack genommen, das war alles.
"Du hast mich anderthalb Meilen auf dem Rücken getragen, Chastity. So was macht ein Sherpa, aber nicht die eigene Freundin."
"Es war schließlich nicht meine Schuld, dass du bei diesem lächerlichen Zwölf-Meilen-Trip schlappgemacht hast!"
"Und noch etwas. Du schreist immer so."
"Ich schreie nicht!", schreie ich und fange mich sofort wieder. "Ich habe vier Brüder", fahre ich sehr viel leiser fort. "Da ist es nicht immer leicht, sich Gehör zu verschaffen."
"Meinst du denn wirklich, das hat noch einen Sinn?", will Jason wissen. "Es tut mir leid. Ich finde dich einfach nicht so attraktiv."
"Schön. Dann kann ich dir ja verraten, dass du öfter duschen solltest. Diese pseudo-lässige 'Ich wasch mich nicht und klatsch Patchouli drüber'-Haltung ist ziemlich eklig!"
"Wie du meinst ... Hier." Er zieht sein Portemonnaie aus der Tasche und wirft ein paar Scheine auf den Tisch. "Das sollte für meinen Anteil reichen. Mach's gut." Er windet sich aus der Sitznische.
"Jason?"
"Was ist?"
"Du wirfst wie ein Mädchen!"
Er verzieht das Gesicht und geht.
Es ist mir vollkommen egal. Oder? Es ist ja nicht so, als wäre er "der Richtige" gewesen! Er war nur ein Experiment, das Eintauchen eines einzelnen Zehs in das Verabredungsmeer von Upstate New York. Das Gute ist, dass ich seine haarlosen, sommersprossigen Beine nicht mehr zu sehen brauche. Und ich muss nicht mehr mit ansehen, wie er sein Essen in winzig kleine Puzzleteilchen zerschneidet, die er so lange kaut, bis sie nur noch aromatisierte Spucke sind. Ich muss nicht mehr dieses komische Nasenpfeifgeräusch hören, das er selbst überhaupt nicht wahrnimmt. Außerdem war er nur eins achtundsiebzig – fast fünf Zentimeter kleiner als mein Prachtkörper.
Prachtkörper. Genau. Ich schiebe die Champignons beiseite – wie kann man jetzt noch Hunger haben? – und leere mein Weinglas in einem Zug. Nicht attraktiv genug. Arschloch. Jason sieht auch nicht gerade so sexy aus wie George Clooney. Er war nichts weiter als ein dünner, blasser, zottelhaariger Blödmann, der mich angesprochen hat. Er wollte mit mir ausgehen! Ich habe mich ihm nicht an den Hals geworfen. Ich habe ihn schließlich nicht entführt oder so etwas, ihm keinen Sack über den Kopf geworfen, Handschellen angelegt und in den Kofferraum meines Wagens verfrachtet. Ich musste keine Grube im Keller ausheben und ihn dort anketten. Warum bin ich ihm plötzlich nicht attraktiv genug?
Das hat nichts zu bedeuten, beruhige ich mich. Jason hat nichts bedeutet. Er war einfach nur der erste Typ, mit dem ich seit meiner Rückkehr in die alte Heimat ausgegangen bin. Na ja, eigentlich der erste Typ, mit dem ich seit ... ich weiß nicht wann ausgegangen bin. Seit langer Zeit, jedenfalls. Jason war nur ein Frosch, den ich geküsst habe, kein verzauberter Prinz. Natürlich will ich eine feste Beziehung. Aber vielleicht setze ich mich etwas zu sehr unter Druck, endlich zu heiraten und meine vier Wunschkinder in die Welt zu setzen.
Ich bin fast einunddreißig – für Frauen wie mich ein schreckliches Alter. Wo sind all die Typen hin, die ich mit Mitte zwanzig kennengelernt habe? Es muss eine Art Schwelle geben, die wir Frauen überschreiten. College, Uni, der erste richtige Job ... eine tolle Zeit! Aber wenn wir dann ein paar Jahre Karriere auf dem Buckel haben ... Aufgepasst, Jungs! Sie will einen Ring!
Mit der Hoffnung auf Gesellschaft sehe ich mich unauffällig im Restaurant um. Das Emo ist gut belegt – Familien, Pärchen aller Altersstufen, Freunde. Mein Status als frisch Abservierte hat sicher schon die Runde gemacht. Im Grunde ist es natürlich besser, als mit Jason zusammen zu sein, aber trotzdem. Ich bin der einzige Mensch, der allein dasitzt. Das Emo – ein Lokal, das meine Familie so oft besucht, dass eine Sitznische unseren Namen trägt – ist halb Bar, halb Restaurant die beiden Bereiche sind durch Glastüren getrennt. Auch die Bar ist ziemlich voll. Meine geliebten Yankees bestreiten ein Heimspiel. Die ersten fünf Spiele der Baseball-Saison haben sie schon gewonnen. Ich frage mich, warum ich überhaupt mit Jason ausgegangen bin, wo ich stattdessen meinem Lieblingsspieler Derek Jeter hätte zusehen können.
Ohne weiteres Zögern verlasse ich den Ort meiner Erniedrigung und Nahtod-Erfahrung, gebe der Bedienung ein Zeichen und gehe in die Bar hinüber.
"Hallo, Chas!", rufen ein paar Männer – Jake, Santo, Paul und George – im Chor, was mein gebeuteltes Ego einigermaßen wieder aufrichtet. Vier ältere Brüder zu haben, von denen zwei gemeinsam mit meinem Vater bei der Feuerwehr von Eaton Falls arbeiten, hat den Vorteil, dass ich beinahe jeden männlichen Einwohner unter fünfzig kenne. Leider hat mir das in puncto Beziehungen bisher noch keine Vorteile verschafft, da sich offenbar alle scheuen, mit dem "O'Neill-Mädel" auszugehen.
"Hallo, Chastity", grüßt auch Stu, der Barkeeper.
"Hi, Stu. Wie wär's mit einem ... äh ..."
"Bud Light?", schlägt er mein Standardgetränk vor.
"Nö. Wie wär's mit einem Zombie?"
Stu zögert. "Bist du sicher? Der ist eigentlich für zwei Personen gedacht."
"Ich bin zu Fuß da. Das geht schon. Ich brauche das jetzt, Stu. Ach, und ein paar Nachos, bitte. Große Portion."
Ich finde einen freien Barhocker und richte meine Aufmerksamkeit auf den Fernseher, wo gerade die Bronx Bombers am Schlag sind. Derek Jeter auf Shortstop-Position vollführt seinen berühmten Sprung, schnappt den Ball und wirft den Runner der Bombers aus, der dumm genug war, die zweite Base zu verlassen. Ein Double Play, hurra! Immerhin läuft heute Abend wenigstens etwas gut.
Stu serviert mir meinen Cocktail, ich nehme einen großen Schluck und verziehe kurz das Gesicht, weil er extrem stark ist. Blöder Jason. Ich wünschte, ich hätte ihm den Laufpass gegeben, bevor er mich abservieren konnte. Ich wusste genau, dass er nicht derjenige war, bei dem ich bleiben würde, aber ich hatte gehofft, ihn mit der Zeit lieben zu lernen, und vielleicht hätte ich irgendwelche verborgenen Qualitäten entdeckt, die die schleichende Erkenntnis übertönt hätten, dass ich nur deshalb mit ihm ausgegangen bin, weil ich keinen besseren gefunden habe.
Doch das ist nicht passiert. Ein weiterer Schluck aus meinem riesigen Glas rinnt mir brennend durch die Kehle. Mach dir keine Gedanken um diesen Blödmann, scheint der Cocktail mir zu sagen, der war sowieso doof. Genau! Aber beim Schlussmach-Wettlauf hat er mich geschlagen. Verdammt.
"Bitte sehr, Chastity." Stu stellt einen Berg Nachos vor mir ab. Käsesoße läuft an den Seiten herab, Jalapeños ragen aus einer dicken Wolke Sauerrahm, und plötzlich habe ich einen Riesenhunger.
"Danke, Stu." Ich ziehe ein paar Nachos aus dem Gebilde und schiebe sie mir in den Mund. Himmlisch. Noch einen Schluck vom fiesen Cocktail, der auf einmal gar nicht mehr so schlimm ist, und schon habe ich ein angenehm taubes Gefühl im Hirn. Der gute alte Zombie! Seit den feuchtfröhlichen Partys zu College-Zeiten habe ich keinen mehr getrunken, aber ich erinnere mich wieder, warum die damals so beliebt waren.
Das Inning ist um, es läuft Werbung. Ich esse und trinke und blicke durch die Glastüren ins Restaurant. Am Tisch neben der Theke sitzt ein gut aussehender Mann. Seine Begleitung kann ich nicht genau erkennen, aber sie hat weißes Haar, was darauf hindeutet, dass sie seine Mutter oder seine Chefin sein könnte. Der Typ sieht wirklich außergewöhnlich gut aus – auf diese perfekte, fast sterile Art, wie man sie im New York Times Magazine sehen kann ... Privatschultyp mit vollen Lippen, langem, leicht gelocktem Blondhaar und göttlichem Körperbau. Eins achtundachtzig. Das sehe ich, obwohl er sitzt. Ich kann die Körpergröße jedes Menschen zentimetergenau abschätzen, vorausgesetzt natürlich, es liegt keine unerwartete Beinamputation vor. Eins achtundachtzig. Für einen Mann die perfekte Größe. Neben Baseball-As Derek Jeter und Viggo Mortensen als Aragorn in Herr der Ringe wäre dieser Typ also der perfekte Mann für mich.
Doch während ich ihn weiter beobachte, sinkt mir der Mut. Ein solcher Mann ist weit außerhalb meiner Liga. Nicht, dass ich eine hässliche, warzenbesetzte Vogelscheuche wäre, aber ich bin ... nun ja ... vielleicht ein bisschen sehr groß? Doch heißt es nicht, "groß" sei groß im Kommen? Modedesigner lieben große Frauen, versichert mir mein Zombie. Ich schnaube. Das gilt vielleicht für Frauen, die zehn bis fünfzehn Kilo leichter sind als ich! Und trotzdem: lieber eins einundachtzig Komma fünf als eins fünfundvierzig. Und ja, ich bin stark. Gesund. Straff. Muskulös. Wie ein Möbelpacker.
Ich seufze. Nein, Mr. New-York-Times-Model würde mich nicht einmal bemerken. Das ist überaus schade, denn es macht mich schon an, ihm nur beim Kauen zuzusehen. Es ist sexy. Wirklich! Noch nie habe ich jemanden so sexy kauen sehen.
An der vollen Theke schiebt sich jemand neben mich. Trevor. Na, toll. Er sieht mich kurz an, dann sieht er mich noch mal genauer an, und ich habe den Eindruck, er hätte sich lieber woanders hingestellt, wenn er gewusst hätte, dass hier das O'Neill-Mädel sitzt.
"Hallo, Chas", grüßt er dennoch freundlich. "Wie geht's?"
"Hallo, Trevor, ich bin gerade abserviert worden", verkünde ich und bereue es auf der Stelle. Es hatte selbstironisch und erhaben klingen sollen, doch es kam eher deprimiert heraus.
"Wer hat dich abserviert?", fragt er nach. "Etwa dieser blasse Magertyp vorhin?"
Ich nicke, ohne Trevor anzusehen, der weder blass noch mager ist, sondern gut gebaut, mit schokoladenbraunen Augen und unwiderstehlich.
"Machst du Witze? Der hat dich abserviert?"
Ich lächle schwach. "Ja", gebe ich zu. "Und danke."
"Sei froh, dass du ihn los bist", fährt Trevor fort. "Das war ein Idiot." Trevor hat ihn nur einmal getroffen, aber seine Einschätzung ist absolut zutreffend. Ich schweige, und Trevor sieht mich fragend an. "Soll ich dich nach Hause bringen, Chastity?" Er wirft einen Blick in die Runde. "Ich schätze, von den Jungs ist keiner da, oder?" Mit "Jungs" meint er meine Brüder und meinen Vater.
"Nein", antworte ich und seufze erneut. "Aber ich will lieber hier sitzen und das Spiel sehen."
"Okay. Ich leiste dir Gesellschaft", entgegnet er, pflichtbewusst wie immer.
"Danke, Trev." Ich blinzle die erbärmlichen Tränen zurück, die sein Angebot – und vermutlich auch mein toller Cocktail – bei mir auslösen und verpasse mir im Geiste eine Ohrfeige. Jason ist es nicht wert, dass ich ihm hinterherheule! Doch was er gesagt hat ... tat weh. Selbst wenn er ein nach Patchouli stinkender Blödmann war.
"Komm mit, da drüben wird ein Tisch frei."
Trevor greift die Nachos, ich meinen Riesenkelch.
Trevor – eins einundachtzig Komma fünf – belegt einen eigenartigen Platz in meinem Herzen. Auf der einen Seite ist er so was wie mein fünfter Bruder. Ich kenne ihn seit der dritten Klasse, und er ist der beste Freund meiner Brüder Mark und Matt. Tatsächlich hat Trevor in den letzten zehn Jahren mehr Zeit mit meiner Familie verbracht als ich. Er arbeitet mit meinem Vater, den er vergöttert und der sein Hauptmann ist. Er ist der Patenonkel eines meiner Neffen. Und manchmal habe ich den Verdacht, dass er der Lieblingssohn meiner Mutter ist, Biologie hin oder her.