Der Anruf kam nach Mitternacht
Die Welt der internationalen Geheimdienste kannte die junge Washingtoner Wissenschaftlerin Sarah Fontaine bislang nur aus dem Kino. Das ändert sich, als sie vom Mord an ihrem Mann Geoffrey in Berlin erfährt und sich auf die gefährliche Suche nach der Wahrheit macht. Ein Alptraum beginnt, bei dem sie nur einen Verbündeten hat, der zu ihr hält: Nick O'Hara, enger Mitarbeiter des Botschafters in Washington. Gemeinsam verfolgen sie eine heiße Spur nach London, kommen hinter ein bizarres Doppelleben, das Geoffrey geführt hat. Doch bevor sie verstehen, was passiert, sind sie Gejagte in einem mörderischen Spiel, in dem Informationen alles und Menschenleben nichts bedeuten ...
Liefervorteile
Ab 15 Euro Warenwert versandkostenfrei!
Bei allen Bestellungen innerhalb Deutschlands mit mindestens 15 Euro Warenwert übernehmen wir die Versandkosten für Sie. Abonnements sind in Deutschland ebenfalls immer portofrei. Sonst betragen die Versandkosten innerhalb Deutschlands 2,50 EUR. Bei Bestellungen aus dem Ausland erheben wir auf die Gesamtlieferung (ausgenommen Abos) einmalig unabhängig vom Bestellwert eine Versandkostenpauschale von 4,90 EUR.
14 Tage Rückgaberecht
Bei CORA haben Sie ein 14-tägiges Rückgaberecht. Sie können alles unverbindlich anfordern und bei Nichtgefallen zurücksenden. Ausnahme sind für Sie individualisierte Produkte (z.B. Ihr persönlicher Liebesroman).
Bequem per Rechnung oder Lastschriftverfahren bezahlen
Bezahlen Sie die Rechnung innerhalb von 14 Tagen nach Rechnungseingang – ohne zusätzliche Bearbeitungsgebühren. Oder lassen Sie den Betrag bequem von Ihrem Konto abbuchen (Bonität vorausgesetzt).
Leseprobe
aus dem Roman: Der Anruf kam nach Mitternacht
PROLOG
Berlin
Um einen Menschen bewusstlos zu machen, ist zwanzig Sekunden lang ein starker Druck auf die Halsschlagader notwendig. Bei zwei Minuten tritt bereits unweigerlich der Tod ein. Simon Dance benötigte kein medizinisches Handbuch, um diese Informationen nachzuschlagen – er wusste es aus Erfahrung. Er wusste auch, dass man die Schlinge ganz fest zuziehen muss, denn wenn der Strang nicht ganz straff ist, wenn auch nur das geringste bisschen lebenswichtige Blut in das Gehirn des Opfers gelangen sollte, dann würde der Todeskampf unnötig hinausgezögert, ja, die Situation sogar gefährlich werden. Niemand kämpft verbissener als ein sterbender Mensch.
In der Dunkelheit lauernd wickelte sich Dance die Schlinge zweimal um die Hände und warf einen Blick auf die Leuchtziffern seiner Uhr. Zwei Stunden waren verstrichen, seit er das Licht ausgemacht hatte. Sein Mörder war offensichtlich ein vorsichtiger Mensch, der sichergehen wollte, dass Dance auch tief schlief. Wenn der Mann ein Berufskiller war, dann würde er wissen, dass die ersten zwei Stunden Schlaf die intensivsten waren. Jetzt war die Zeit für den Angriff gekommen.
Draußen im Korridor war plötzlich ein Schritt zu hören. Dance stand vorsichtig und angespannt auf und wartete neben der Tür. Es war stockdunkel. Dance ignorierte sein eigenes Herzklopfen. Er spürte, wie der gewohnte Adrenalinstoß seine Reflexe hellwach sein ließ, und er spannte die Schlinge zwischen seinen Händen.
Ein Schlüssel wurde vorsichtig in das Türschloss gesteckt. Dance vernahm das metallische Geräusch des Bartes, der über das Metall kratzte. Der Schlüssel wurde umgedreht und das Schloss sprang mit einem Klicken auf. Langsam wurde die Tür geöffnet und das Licht des Korridors fiel durch den Spalt. Ein Schatten bewegte sich durch den Raum auf das Bett zu, wo jemand zu schlafen schien. Der Schatten hob einen Arm. Drei Kugeln wurden aus dem Schalldämpfer in die Kissen abgefeuert. Als die dritte Kugel einschlug, sprang Dance hervor.
Er warf die Schlinge um den Hals des Eindringlings, riss sie nach oben und sofort zurück. Sie drückte genau auf den kritischsten Punkt der Halsschlagader, direkt unter dem Unterkiefer. Die Waffe fiel zu Boden. Der Mann wand sich wie ein Fisch an der Angel und versuchte, seine Hände in Dances Gesicht zu krallen. Seine Arme und Beine gehorchten ihm jedoch nicht mehr, ruckten und schlugen in alle Richtungen. Dann sackten ihm langsam die Beine weg, er griff noch einmal nach Dance, ehe seine Arme schlaff herabsanken. Während Dance die Sekunden zählte, spürte er die letzten Zuckungen des Körpers, das Aufbäumen des gewürgten Gegners. Er hielt die Schlinge fest zusammengezogen.
Nach drei Minuten lockerte er die Schlinge, und der Körper sackte zu Boden. Dance machte das Licht an und sah auf den Mann hinunter, den er soeben getötet hatte.
Das blau angelaufene Gesicht war ihm irgendwie vertraut. Rasch durchsuchte er die Sachen des Mannes, aber er fand nur Geld, Autoschlüssel und weitere Arbeitsutensilien: Ersatzmunition, ein Schnappmesser, einen Dietrich. Ein namenloser Killer, dachte Dance und überlegte, wie viel man dem Mann wohl gezahlt hatte.
Er zerrte den Körper auf das Bett und warf die drei Kissen beiseite, mit denen er eine unter der Decke liegende Gestalt vorgetäuscht hatte. Er schätzte die Größe des Toten auf einen Meter dreiundachtzig. Also ungefähr meine Größe, dachte er, das ist gut. Dance wechselte mit der Leiche die Kleider, wahrscheinlich war das unnötig, aber er war ein gründlicher Mensch. Dann nahm er seinen Ehering ab und versuchte, ihn dem Toten aufzusetzen, doch der Ring ging nicht über den Knöchel. So ging er ins Badezimmer, seifte den Ring ein und zwang ihn auf diese Weise auf den Finger des Mannes.
Dann setzte er sich hin und rauchte, während er angestrengt überlegte, ob er irgendein Detail übersehen hatte. Natürlich – die drei Kugeln! Er wühlte in den Kissen herum, untersuchte sie gründlichst und fand endlich auch zwei davon wieder. Die dritte war vermutlich tief in die Matratze eingedrungen. Ehe er noch weiter nachsehen konnte, hörte er plötzlich im Korridor Schritte. Hatte der Mörder noch einen Komplizen?
Dance griff hastig zu seiner Waffe, zielte auf die Tür und wartete. Die Schritte gingen jedoch weiter und verklangen im Korridor. Falscher Alarm. Trotzdem, ich sollte jetzt lieber gehen, sagte er sich. Länger hier zu bleiben wäre sehr unklug.
Aus der Schublade der Kommode holte er eine Flasche Methanol. Es würde schnell brennen und keine Spuren hinterlassen. Er schüttete den Alkohol über die Leiche, das Bett und den davorliegenden Teppich. Im Zimmer gab es weder einen Rauchmelder noch eine Sprinkleranlage. Aus diesem Grunde hatte Dance sich für dieses alte Hotel entschieden. Er stellte den Aschenbecher neben das Bett, suchte die Habseligkeiten des Toten zusammen und steckte sie, zusammen mit der leeren Methanolflasche, in eine Mülltüte. Dann setzte er das Bett in Brand.
Zischend loderten die Flammen auf und hüllten Sekunden später die Leiche völlig ein. Dance wartete nur so lange, bis er sicher sein konnte, dass nichts Erkennbares übrig blieb.
Er nahm die Mülltüte, verließ das Zimmer, schloss die Tür ab und ging den Korridor hinunter zum Feuermelder. Er wollte keine unschuldigen Menschen gefährden, schlug deshalb das Glas ein und betätigte den Alarmhebel. Dann eilte er die Treppe ins Erdgeschoss hinunter.
Aus einer der Straße gegenüberliegenden Gasse sah er zu, wie die Flammen aus seinem Fenster schlugen. Das Hotel wurde geräumt, und die Straße war kurz darauf voller schläfriger, notdürftig in Decken gehüllter Leute. Innerhalb von zehn Minuten trafen drei Löschzüge ein. Zu dem Zeitpunkt war Dances Zimmer bereits ein loderndes Inferno.
Es dauerte eine Stunde, bis das Feuer gelöscht war. Eine schaulustige Menge hatte sich zu den zitternden Hotelgästen gesellt, und Dance betrachtete ihre Gesichter, um sie sich einzuprägen. Falls er je wieder einem von ihnen begegnen sollte, wäre er gewarnt.
Dann entdeckte er eine schwarze Limousine, die sich langsam einen Weg durch die Menschenmenge bahnte. Er erkannte den auf dem Rücksitz sitzenden Mann. Also auch der CIA war hier. Wie interessant!
Er hatte genug gesehen. Es war schon spät, und er musste sich auf den Weg machen, zurück nach Amsterdam.
Drei Häuserblocks weiter warf er die Tüte mit der leeren Methanolflasche in einen Mülleimer. Damit hatte er sich auch des letzten Beweises entledigt. Er hatte getan, weshalb er nach Berlin gekommen war – er hatte Geoffrey Fontaine getötet. Jetzt war es an der Zeit, zu verschwinden. Leise vor sich hin pfeifend ging er in die Dunkelheit davon.
Amsterdam
Der alte Mann wurde nachts um drei Uhr mit der Neuigkeit geweckt.
„Geoffrey Fontaine ist tot.“
„Wie?“, fragte der Alte.
„Ein Hotelbrand. Man sagt, er habe im Bett geraucht.“
„Ein Unfall? Unmöglich! Wo ist die Leiche?“
„Im Berliner Leichenschauhaus. Stark verbrannt.“
Natürlich, dachte der alte Mann. Man konnte sich denken, dass die Leiche bis zur Unkenntlichkeit verbrannt sein würde. Wie üblich hatte Simon Dance beim Verwischen seiner Spuren hervorragende Arbeit geleistet. Er war ihnen also wieder entwischt.
Doch der Alte hatte noch einen Trumpf im Ärmel. „Du hast mir erzählt, seine Frau sei in Amerika“, sagte er. „Wo lebt sie?“
„In Washington.“
„Ich möchte, dass sie beschattet wird.“
„Aber warum? Ich sagte dir doch gerade, der Mann ist tot.“
„Er ist nicht tot. Er lebt, davon bin ich überzeugt. Und diese Frau könnte wissen, wo er ist. Behaltet sie im Auge.“
„Ich werde meinen Leuten …“
„Nein. Ich werde meinen eigenen Mann schicken. Jemanden, auf den ich mich verlassen kann.“
Eine Pause trat ein. „Ich werde dir ihre Adresse beschaffen.“
Nachdem er aufgelegt hatte, konnte der alte Mann nicht mehr einschlafen. Fünf Jahre hatte er nun gewartet. Fünf Jahre lang hatte er gesucht. Dann war er so kurz davor gewesen, und wieder war es schiefgegangen! Jetzt hing alles davon ab, was diese Frau in Washington wusste.
Er musste sich in Geduld fassen und darauf warten, dass sie sich selbst verriet. Er würde Kronen schicken, einen Mann, der ihn noch nie im Stich gelassen hatte. Kronen hatte seine eigenen Methoden, sich Informationen zu verschaffen – Methoden, denen man schwer widerstehen konnte. Das war nämlich Kronens besondere Begabung – Überredungskraft.







