JULIA COLLECTION BAND 0008

JULIA COLLECTION BAND 0008

Erscheinungstag:Fr, 29.05.2009
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EIN MANN ZUM HEIRATEN? von: JORDAN, PENNY

Über diesen Roman:

Poppy ist nur unwillig auf die Hochzeit ihres großen Schwarms gegangen. Die attraktive Dolmetscherin schwört, nun alleine aus Trotz niemals zu heiraten. Schon gar nicht den zynischen James, der ihr auf einer gemeinsamen Reise ein nur zu verführerisches Angebot macht.

EINE FRAU ZUM HEIRATEN? von: JORDAN, PENNY

Über diesen Roman:

Claire Marshall ist verwitwet und vollauf damit zufrieden, sich um ihre Schüler und Familie zu kümmern. An die große Liebe hat sie noch nie geglaubt und sie kann sich nicht vorstellen, noch einmal zu heiraten. Doch sie hat ihren Plan ohne den charmanten Brad Stevenson gemacht.

HEIRAT NICHT AUSGESCHLOSSEN? von: JORDAN, PENNY

Über diesen Roman:

Drei Maxime haben die feurige Star Flower bisher durchs Leben gebracht: Sex – gerne. Liebe – auf keinen Fall. Heirat – völlig ausgeschlossen. Nur ihr neuer Chef Kyle will sich nicht so recht an diese Regeln halten.

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Leseprobe

 

1. KAPITEL aus dem Roman "Eine Frau zum Heiraten"
Claire Marshall ließ bedauernd den Blick durch die Empfangshalle des Hotels schweifen, die mittlerweile leer war. Überall lag Konfetti auf dem Boden.
War es wirklich erst wenige Stunden her, dass ihre Stieftochter und deren frischgeba-ckener Ehemann unter einem wahren Blumenregen lachend diese Treppe herunterge-kommen waren?
Es war eine perfekte Hochzeit gewesen. Nur die Tatsache, dass ihr Mann, Sallys Vater, nicht bei ihnen gewesen war, hatte ihnen die Freude ein wenig getrübt.
Obwohl er bereits seit über zwei Jahren tot war, vermisste Claire ihn immer noch. Er war ein guter Ehemann gewesen – nett, liebevoll und sehr fürsorglich. Als sie sich bückte, um den Brautstrauß zu berühren, den Sally ihnen dreien so raffiniert zugespielt hatte, wurde Claire bewusst, dass die Eigenschaften, die sie ihrem verstorbenen Mann zu-schrieb, mehr zu einem Vater passten.
"Du solltest wieder heiraten", hatte Sally ihr in letzter Zeit immer wieder geraten. Ein trauriger Ausdruck trat in Claires Augen. Sie hatte das Glück gehabt, einen liebevollen, verständnisvollen Ehemann zu finden. Daher bezweifelte sie, dass es ihr noch einmal ge-lingen würde. Außerdem wollte sie im Grunde gar nicht wieder heiraten.
Im nächsten Moment wurde sie aus ihren Gedanken gerissen, denn die beiden Braut-jungfern gesellten sich zu ihr. Poppy betrachtete wütend den Brautstrauß und gab dabei Stars bittere Worte wieder.
"Heutzutage nimmt doch sowieso niemand mehr diesen Aberglauben ernst …", sagte sie.
Claire lächelte verständnisvoll. Sally hatte ihr anvertraut, es sei ein offenes Geheimnis in der Familie ihres Mannes, dass seine Cousine schon seit Jahren unglücklich in Chris verliebt sei.
Armes Mädchen, dachte Claire mitfühlend. Es war kein Wunder, dass Poppy so blass war und so mitgenommen wirkte. Die ganze Hochzeit musste ein einziges Martyrium für sie gewesen sein, und James, Chris' Bruder, hatte es ihr nicht gerade leichter gemacht. Claire hatte zufällig mitbekommen, wie die beiden sich stritten, und vermutete, dass Pop-py geweint hatte.
"Ich möchte nie heiraten – niemals!", verkündete Poppy jetzt wild entschlossen.
"Ich kann dir nur beipflichten", sagte Star leise.
Claire drehte sich um und lächelte sie an. Star war die beste und älteste Freundin ihrer Stieftochter. Claire erinnerte sich noch genau daran, wie Star als Teenager immer be-hauptet hatte, sie werde niemals heiraten und stattdessen lieber Karriere machen.
"Es ist wirklich schade, dass keine von uns Sallys Geste zu schätzen weiß", bemerkte Claire bedauernd, als sie den Brautstrauß aufhob, um ihn zu betrachten.
"Pass auf", warnte Star sie trocken. "Wer weiß, was es für Folgen hat, wenn du ihn in der Hand hältst."
Claire lachte, legte den Strauß jedoch wieder weg. "Es ist doch nur eine Tradition", er-innerte sie die beiden.
"Ja … Aber wir sollten besser etwas unternehmen, um sicherzustellen, dass wir uns an unseren Schwur halten und nicht heiraten", meinte Star.
"Und das wäre?", fragte Poppy und fügte bitter hinzu: "Nicht, dass ich meine Meinung je ändern würde … wenn ich es könnte …" Sie blinzelte wütend, um die Tränen zu unter-drücken.
"Wir könnten uns zum Beispiel alle drei Monate treffen, um uns gegenseitig daran zu erinnern, dass wir ohne Ehemann bleiben wollen. Falls eine von uns schwach wird, sind immer noch die anderen da, um sie zu unterstützen", schlug Star vor.
"Ich werde keine Unterstützung brauchen", verkündete Poppy.
Claire dagegen, die bereits ahnte, dass sich nach Sallys Heirat sowohl ihrer aller Ver-hältnis zu ihr als auch untereinander ändern würde, erklärte entschlossen: "Ich halte das für eine sehr gute Idee. Lasst uns gleich ein Datum festsetzen. Wir können uns hier treffen und zusammen zu Mittag essen. Ich lade euch ein."
"Toll, ich schreibe es gleich in meinen Terminkalender", erwiderte Star.
Claire blickte zu Poppy. Obwohl sie sie nicht so gut kannte wie Star, merkte sie, wie unglücklich Poppy war. Es musste sehr schwer für sie gewesen sein, mit anzusehen, wie der Mann, den sie liebte, eine andere heiratete.
Sally hatte Claire gestanden, dass sie Poppy gegenüber zuerst misstrauisch gewesen war. Als sie sie jedoch kennengelernt und gemerkt hatte, wie sehr sie Chris liebte, hatte Poppy ihr unendlich leidgetan.
"Es muss schrecklich sein, wenn man jemanden liebt, der diese Liebe nicht erwidert", hatte Sally gesagt. "Natürlich mag Chris sie, aber …"
"Aber er liebt dich", hatte Claire ergänzt.
Daraufhin hatte Sally sie in den Arm genommen. Claire und sie hatten sich von Anfang an prima verstanden. Sally war auf die Gesamtschule gegangen, an der Claire ihr Refe-rendariat gemacht hatte.
Claire hatte sich oft gefragt, ob Sally sie deshalb so schnell akzeptiert und ins Herz ge-schlossen hatte, weil sie ihre Mutter nie kennengelernt hatte. Ihre Mutter, Johns erste Frau, war nämlich kurz nach Sallys Geburt gestorben.
"Paula wird immer ein Teil meines … unseres Lebens sein. Ich werde sie immer lie-ben", hatte John zu Claire gesagt, als er ihr einen Heiratsantrag gemacht hatte.
Die Erkenntnis, dass er seine erste Frau so geliebt hatte und sie, Claire, trotzdem lieb-te, hatte ihr ein Gefühl der Sicherheit vermittelt.
Sally hatte sie einmal gefragt, wann sie denn einen Bruder oder eine Schwester be-kommen würde. Um die Situation zu entschärfen, hatte Claire es John überlassen, zu antworten.
Sie seufzte leise. Unter anderen Umständen hätte sie natürlich gern Kinder bekommen, zumal sie es sich als junges Mädchen immer gewünscht hatte, einmal welche zu haben.
"Ich glaube, wir sollten jetzt gehen", sagte sie zu den beiden Brautjungfern. "Ich hoffe, dass wir nichts vergessen haben. Siehst du noch irgendetwas, Poppy?"
"Nein, es ist nichts mehr da", bestätigte Poppy ausdruckslos. "Jetzt nicht mehr."
Claire warf ihr einen flüchtigen Blick zu, schwieg aber taktvoll.

"Und wie stellst du dir dein weiteres Leben vor, nun, da die Hochzeit vorbei ist?"
"Oh, ich habe nicht vor, viel zu ändern", sagte Claire zu ihrer Schwägerin. "Ich werde wohl ein paar Stunden mehr in der Schule arbeiten, aber sonst …"
Claire war stundenweise als ehrenamtliche Mitarbeiterin an einer Schule für geistig und körperlich behinderte Kinder in ihrem Wohnort tätig. John hatte ihr zwar genug Geld hin-terlassen, doch sie hatte sich in der Gemeinde engagieren wollen. Da sie Lehrerin war, hatte sie an der Schule angefangen.
"Du bist nicht zufällig daran interessiert, einen Untermieter bei dir aufzunehmen, o-der?", erkundigte sich Irene.
"Einen Untermieter?" Claire blickte ihre Schwägerin fassungslos an.
"Einen Kollegen von Tim, der eine private Unterkunft sucht. Ein Apartment mit vollem Service kommt für ihn nicht infrage, weil es ihm zu unpersönlich ist. Er ist Amerikaner und möchte nicht allein leben, weil er aus einer Großfamilie kommt."
Nachdem sie Claire einiges über seine Herkunft erzählt hatte, sagte Irene: "Er ist Ende Dreißig, und deshalb wäre es nicht besonders passend, eine Studentenbude für ihn zu mieten. Er bekleidet eine ziemlich hohe Position in der Firma. Das heißt, die Firma gehört seiner Familie."
"Um was für eine Position handelt es sich denn?", fragte Claire alarmiert.
"Er ist Tims Chef", erklärte Irene ein wenig steif.
"Ah, verstehe." Claire lächelte. "Er ist Tims Chef, und nun muss Tim eine geeignete Unterkunft für ihn finden, stimmt's? Warum nehmt ihr ihn nicht auf?", fügte sie spöttisch hinzu. "Da Peter studiert und Louise in Japan arbeitet, habt ihr doch ein Zimmer übrig."
"Ich halte das für keine gute Idee. Im Moment läuft es für Tim nicht so gut. Der Absatz geht zurück, und es gibt Probleme mit der Lieferung und der Installation. Ich sage Tim ständig, dass er härter sein und entschlossener auftreten muss …" Irene verstummte und schüttelte den Kopf.
"Würdest du es tun, Claire?", fragte sie schließlich ungewöhnlich bescheiden. "Tim dreht nämlich langsam durch. Offenbar ist dieser Amerikaner ein … Individualist …"
"Ein Individualist?", wiederholte Claire misstrauisch.
Wie sie aus Erfahrung wusste, neigte ihre Schwägerin, so nett sie war, manchmal da-zu, andere zu überrumpeln. Auch jetzt passte es ihr anscheinend nicht, hinterfragt zu werden.
"Er ist sicher kein schwieriger Mensch", erwiderte sie. "Oh, Claire, ich würde dich nicht darum bitten, aber Tim ist momentan so empfindlich, was seine Arbeit betrifft. Seiner Mei-nung nach wird dieser Amerikaner frischen Wind in die Firma bringen, und Tim würde sich wesentlich besser fühlen, wenn er vor seiner Ankunft etwas Konstruktives tun könnte."
"Bist du sicher, dass dieser Mann überhaupt bei mir wohnen will? Mir scheint, dass er an ein Leben im Luxus gewöhnt ist. Du weißt, wie zurückgezogen ich lebe, Irene."
"Das weiß ich, aber du bist sehr beliebt, Claire. Du bekommst oft Besuch, und ständig klingelt das Telefon."
Da Irene recht hatte, verkniff sich Claire eine Bemerkung.
John hatte ihr oft Vorhaltungen gemacht, weil sich alle Leute bei ihr ausweinten. In ih-rem großen Haus, das Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts erbaut worden war, war es nur in den Wochen vor seinem Tod richtig ruhig gewesen – und das auch nur, weil sie ihre Bekannten gebeten hatte, nicht anzurufen.
Beim Gedanken daran, wie sehr sie John vermisste, schauderte sie.
"Irene, ich glaube, es ist keine so gute Idee …"
"Bitte, Claire."
Als sie sah, wie besorgt Irene wirkte, seufzte Claire leise.
"Also gut", stimmte sie schließlich zu. "Aber ich bezweifle, dass Tims neuer Chef be-geistert sein wird, wenn er …"
"Unsinn. Dein Haus wird genau seinen Erwartungen entsprechen", erklärte Irene und begann, sämtliche Vorzüge aufzuzählen. "Es liegt in der besten Wohngegend der Stadt, und du hast genug Platz für Gäste. Er kann Sallys altes Zimmer und ihr Bad benutzen und sich in einem der anderen Schlafzimmer ein Büro einrichten. Er kann seinen Wagen im Garten abstellen, und außerdem hat er Familienanschluss."
"Familienanschluss? Ich bin doch ganz allein", protestierte Claire.
"Eben nicht. Sally und Chris und wir sind auch noch da. Davon abgesehen hast du ei-nen großen Freundeskreis und bist Mitglied im Fitnesscenter. Dorthin kannst du ihn mit-nehmen und …"
"Wohin soll ich ihn mitnehmen? Warte mal einen Moment, Irene …"
Irene hörte ihr jedoch überhaupt nicht zu, sondern stand auf, um sie zu umarmen. "Ich wusste, dass du es tun würdest. Schließlich ist es die ideale Lösung. Tim wird ein Stein vom Herzen fallen. Der Arme hatte Angst davor, du könntest nein sagen, zumal …"
"Zumal was?", erkundigte sich Claire.
"Ach, nichts Wichtiges. Es ist nur so, dass dieser Mann morgen hier eintrifft und natür-lich erwartet, dass Tim inzwischen alles geregelt hat. Für die ersten Tage haben wir ihm ein Hotelzimmer reservieren lassen …"
"Er kommt morgen?", wiederholte Claire. "Irene, seit wann weißt du …?"
"Ich muss jetzt los", fiel Irene ihr ins Wort. "Ich bin mit Mary verabredet und schon spät dran. Wir holen Alex morgen vom Flughafen ab und laden ihn morgen Abend zu uns nach Hause zum Essen ein. Du musst natürlich auch kommen, damit ihr euch kennenlernt und abmachen könnt, wann du ihm das Haus zeigst …"
"Irene …", wandte Claire ein, aber es war zu spät. Ihre Schwägerin hatte bereits den Rückzug angetreten.

"Was machst du da?"
Claire kniete im Bad, das an das Gästezimmer grenzte, und blickte auf. Ihre Wangen waren gerötet. Sie hatte ihre Freundin und Nachbarin Hannah gar nicht hereinkommen hören. Nun legte sie den nassen Lappen weg.
"Ich räume alles für meinen Untermieter leer", erwiderte sie etwas außer Atem und er-zählte Hannah dann, was passiert war.
"Typisch Irene. Diesmal hat sie dich reingelegt, stimmt's?", bemerkte Hannah trocken. "Ein Untermieter, und wie ich vermute, ist er Junggeselle, sonst hätte er bestimmt ein Haus gemietet. Das wird sicher einige Aufregung geben … Wie er wohl aussieht?"
"Keine Ahnung, und es ist mir auch egal." Claire stand auf und betrachtete geistesab-wesend die Fliesen, die sie gerade geputzt hatte. Dabei hob sie ihr Haar im Nacken an.
Ihr dichtes dunkles Haar, das von Natur aus lockig war, nervte sie manchmal richtig. Sally ärgerte sie oft damit, dass sie mit dem kastanienbraunen Haar, dem herzförmigen Gesicht und der zierlichen Statur aussah, als wäre sie genauso alt wie sie. Dabei war Claire fast zehn Jahre älter als ihre Stieftochter.
Daher hatte sie auch den Kopf geschüttelt, als Sally zum Spaß vorgeschlagen hatte, sie solle Brautjungfer für sie sein, und erklärt, sie sei eine reife Frau.
"Eine reife Frau?", hatte Sally gespottet. "Du siehst eher wie ein junges Mädchen aus. Es ist komisch", hatte sie etwas ernster hinzugefügt, "aber obwohl du über zehn Jahre mit Dad verheiratet warst, hast du so etwas … Jungfräuliches an dir. Ich weiß, es klingt ver-rückt, aber es stimmt. Chris ist es auch aufgefallen …"
"Du bist unmöglich", schalt Hannah sie jetzt. "Du bist eine Frau im besten Alter, dazu alleinstehend, und willst mir weismachen …"
Als sie Claires Blick sah, lenkte sie schnell ein. "Schon gut. Ich weiß ja, wie sehr du John vermisst. Es ist nur so ein Jammer, das ist alles. Aber eines verstehe ich nicht. Wenn dieser Knabe Tims Chef ist, warum will er dann zur Untermiete wohnen?"
"Er möchte bei einer Familie wohnen", erklärte Claire geduldig. "Offenbar kommt er aus einer Großfamilie. Irene hat mir erzählt, dass seine Eltern bei einem Unfall ums Leben gekommen sind, als er achtzehn war. Daraufhin hat er für seine Geschwister die Vaterrol-le übernommen und sich und sie durchs College gebracht. Dann hat er eine Stelle in dem familieneigenen Unternehmen angenommen, um die Familie zusammenzuhalten."
"Verstehe. Und ich nehme an, dass er so damit beschäftigt war, für seine Geschwister zu sorgen, dass er keine Zeit hatte, um zu heiraten und selbst eine Familie zu gründen. Wie er wohl ist? Anscheinend …"
"Sehr ehrenwert und furchtbar langweilig", ergänzte Claire trocken.
Beide begannen zu kichern.
"Das wollte ich nicht sagen", protestierte Hannah. "Ach übrigens, was hat es damit auf sich, dass du mit den beiden Brautjungfern einen Pakt geschlossen hast, nicht zu heira-ten?"
"Was?" Claire sah sie verwirrt an, doch dann begriff sie. "Ach, das … Es war eigentlich kein Pakt, sondern vielmehr ein Akt weiblicher Solidarität. Die arme Poppy hat mir so leid-getan, Hannah. Alle wissen, was sie für Chris empfindet. Sally hat hin und her überlegt, ob sie sie bitten soll, Brautjungfer zu sein, aus Angst, es könnte eine zu große Belastung für Poppy sein. Doch die beiden waren sich darin einig, dass es Poppy in eine noch unange-nehmere Lage gebracht hätte, wenn Sally es nicht getan hätte.
Und was Star betrifft … Na ja, du weißt ja über sie Bescheid. Ihre Mutter ist bereits mehrfach geschieden und hat gerade eine Affäre mit einem Mann, der jünger ist als Star. Ihr Vater hat mittlerweile neun Kinder von verschiedenen Frauen und kann sich um keines davon richtig kümmern. Kein Wunder, dass Star so gegen das Heiraten ist …"
"Dann stimmt es also nicht, dass ihr drei euch geschworen habt, euch gegenseitig zu unterstützen und ledig zu bleiben?"
Claire blickte ihre Freundin starr an. "Wer hat dir das erzählt?"
"Ah, es stimmt also tatsächlich. Jemand ist zufällig an der Tür vorbeigegangen und hat euch gehört. Allerdings kann ich dir nicht sagen, wer es war. Angeblich hat man schon Wetten darüber abgeschlossen, ob ihr drei immer noch solo seid, wenn Sally und Chris ihren ersten Hochzeitstag feiern."
"Ach wirklich?", entgegnete Claire heftig. "Nur damit du es weißt: Ich werde nie wieder heiraten, Hannah." Leise fügte sie hinzu: "John war ein wundervoller Ehemann, und ich habe ihn sehr geliebt."
Hannah war ebenfalls ernst geworden. "Du bist doch erst seit zwei Jahren verwitwet, Claire. Eines Tages wirst du einem Mann begegnen, der dir bewusst macht, dass du im-mer noch eine Frau bist. Wer weiß? Vielleicht ist es sogar dieser Amerikaner!"
"Niemals", erwiderte Claire überzeugt.
Für sie würde es weder eine zweite Ehe geben noch eine intime Beziehung zu einem Mann. Dafür gab es gewichtige Gründe, von denen allerdings nur John gewusst hatte. Unter anderem vermisste sie ihn deshalb so schmerzlich.
John hatte sie so gut gekannt wie kein anderer, und niemand würde sie je so gut ken-nenlernen wie er – vor allem kein anderer Mann.

Als Alex Stevenson an Bord des Flugzeugs ging, das in Heathrow landen würde, runzelte er die Stirn. Er hatte den Posten in England nicht haben wollen und alles darangesetzt, um darum herumzukommen. Erst der Aufsichtsratsvorsitzende und der ehemalige Vor-standsvorsitzende, der inzwischen im Ruhestand war – seine beiden Onkel –, hatten ihn gemeinsam dazu gebracht, seine Meinung zu ändern.
Als er ihnen im Sitzungssaal gegenübergesessen hatte, hatte Alex beteuert, er sei sehr zufrieden mit seiner derzeitigen Position und wolle auf keinen Fall nach England geschickt werden, um die Probleme in der englischen Vertretung zu lösen. Gegen seinen Rat hatten die beiden darauf bestanden, sich in die Firma einzukaufen.
"Okay", hatte er gesagt, "in Großbritannien herrscht also eine Hitzewelle, und alle Leute wollen eine Klimaanlage. Im nächsten Sommer könnte es aber schon ganz anders ausse-hen, und dann sitzt ihr mit einem großen Bestand da."
Er hatte seine ganze Überredungskunst aufbieten müssen, um die Klimaanlagen in diversen Unternehmen in Großbritannien abzusetzen. Nur dadurch war es ihm gelungen, die dortige Vertriebsfirma vor dem Konkurs zu retten. Aber genug war genug. Der Gedan-ke daran, dass er viel Zeit investieren musste, um die marode Vertretung zu sanieren, frustrierte ihn.
Wie, zur Hölle, hatten die beiden alten Knaben bloß erraten, dass er vorgehabt hatte, sich langsam aus dem Unternehmen zurückzuziehen, damit er nicht irgendwann in ihre Fußstapfen treten musste?
Er war jetzt achtunddreißig, und es gab noch viele Dinge, die er tun wollte, ja musste. Da war zum Beispiel das Boot, das erst halb fertig war. Seit seiner Highschool-Zeit träum-te er davon, auf Kolumbus' Spuren zu segeln.
Nun, da auch sein jüngster Bruder von zu Hause ausgezogen war, wollte Alex endlich sein eigenes Leben leben.
"Pass auf, du bist der nächste", hatte Sheri, die zweitjüngste, ihn geneckt. "Jetzt, da du uns nicht mehr bemuttern musst, wirst du dir eine Frau suchen, eine Familie gründen … und wieder von vorn anfangen."
"Niemals", erwiderte er entschlossen. "Meinen Bedarf an Kindererziehung habe ich bei euch fünfen schon gedeckt."
Daraufhin sah sie ihn ernst an. "War es denn wirklich so schlimm?" Die Antwort darauf gab sie ihm gleich selbst. "Na ja, ich glaube, manchmal schon. Du hast es mit uns nicht leicht gehabt, aber du hast uns immer unterstützt und geliebt. Es hat dich doch hoffentlich nicht davon abgeschreckt, selbst zu heiraten und eine Familie zu gründen, oder?
Ich meine, wir sind alle verheiratet und haben Kinder – abgesehen von Doug, der gera-de erst geheiratet hat. Aber ich wette, dass er und Lucille nicht mehr lange warten wer-den. Du bist so gut zu uns gewesen. Ich mag gar nicht daran denken …"
"Dann tu es auch nicht", riet er, und Sheri merkte sofort, dass es besser war, nichts mehr zu sagen. Es gab Momente, in denen man Alex nicht zu sehr unter Druck setzen durfte.
Sie hatte gar nicht daran denken wollen, was passiert wäre, wenn Alex nach dem Tod ihrer Eltern nicht die Vaterrolle für sie und ihre Geschwister übernommen hätte. Amy, die zweitälteste, war damals zwölf gewesen, aber der Altersunterschied zwischen den übrigen Geschwistern betrug jeweils nur höchstens anderthalb Jahre, und Doug war zu dem Zeit-punkt fünf. Der Unfall lag mittlerweile zwanzig Jahre zurück.
Um nicht nach England gehen und dort als Vermittler für seinen Onkel fungieren zu müssen, hatte Alex einige Bedingungen hinsichtlich seiner Unterkunft gestellt, die unmög-lich zu erfüllen waren. Zumindest hatte er das angenommen. Er hatte natürlich nicht ah-nen können, dass der Leiter ihrer Vertretung in England eine verwitwete Schwägerin hat-te, die ihm die gewünschte Unterkunft zur Verfügung stellen konnte.
Alex verzog das Gesicht, als er seinen Platz im Flugzeug einnahm. Dennoch lächelte die Stewardess ihm zu. Er trug ausgeblichene Jeans und ein weißes T-Shirt, das den Blick auf seine muskulösen, sonnengebräunten Arme freigab – für einen Passagier der ersten Klasse ein ziemlich ungewöhnliches Outfit.
Normalerweise machte die Stewardess sich nichts aus diesen dunkelhaarigen Macho-typen, doch bei diesem Prachtkerl würde sie eine Ausnahme machen!
Seine grauen Augen konnten unter gewissen Umständen sicher sehr streng, sogar ei-sig blicken, aber seine dichten dunklen Wimpern und sein markantes Profil hatten etwas sehr Anziehendes.
"Miss, Miss … Wir sitzen in Reihe F. Wo ist das bitte?" Widerstrebend wandte die Ste-wardess ihre Aufmerksamkeit einem Paar mittleren Alters zu, das auf sie zukam. Pech gehabt, dachte sie. Da das Flugzeug ausgebucht war, würde sie sicher keine Zeit haben, um mit diesem alleinreisenden attraktiven Mann zu flirten.
Alex bemerkte das unverhohlene Interesse der Stewardess, ignorierte es aber. Im Mo-ment stand ihm nicht der Sinn nach einer Beziehung – egal, welcher Art. Vorerst war es für ihn das wichtigste, seinen Auftrag in England zu erledigen und anschließend auf dem schnellsten Weg in die Staaten zurückzukehren und seinen Onkeln höflich, aber bestimmt zu erklären, dass er nicht vorhatte, in ihre Fußstapfen zu treten.
Er wollte sein zukünftiges Leben nicht damit verbringen, sich zwanzig Jahre oder noch länger Sorgen um das Schicksal des familieneigenen Unternehmens und dessen Mitarbei-ter zu machen, sondern sein eigenes Leben führen und seine Träume verwirklichen.
Er wollte sich aus dem Berufsleben zurückziehen, sein Boot zu Ende bauen und dann … Vielleicht würde er eines Tages ja tatsächlich um die Welt segeln. Kurzum, er wollte all die Dinge tun, zu denen er bisher nie die Gelegenheit gehabt hatte, weil er zu sehr damit beschäftigt gewesen war, sich um seine Geschwister zu kümmern.
Einen Augenblick lang fragte sich Alex, wie diese Witwe wohl sein mochte. Er hoffte, dass sie keine penible Hausfrau war. Schon jetzt bedauerte er es, zu diesem Trick gegrif-fen zu haben, und fragte sich, wie bald er seiner Vermieterin erklären konnte, dass er es sich anders überlegt hatte und sich lieber eine Wohnung mieten wollte. Niemals hätte er damit gerechnet, dass Tim Burbridge so schnell jemanden auftreiben würde, der seinen Anforderungen in dem Maße gerecht wurde.
Als das Flugzeug startete, sagte sich Alex, dass es eigentlich wichtigere Dinge für ihn gab, als sich den Kopf darüber zu zerbrechen, dass er womöglich die Gefühle seiner Vermieterin verletzen könnte.
Irgendwo über dem Atlantik schlief er schließlich ein. Die Stewardess blieb stehen, um ihn zu beobachten. Ein wenig eifersüchtig überlegte sie, ob es bereits eine Frau in seinem Leben gab und wie es wohl sein mochte, jeden Morgen neben ihm aufzuwachen. Sie seufzte leise, bevor sie weiterging.