Ein Chef zum Verlieben

– oder –

 

Rückgabe möglich

Bis zu 14 Tage

Sicherheit

durch SSL-/TLS-Verschlüsselung

Finger weg vom Chef! Immer ist Madison ihrem Grundsatz treu geblieben. Bis zu diesem Weihnachtsdinner in einem Londoner Luxushotel. Jacks Abschiedskuss durchfährt sie wie ein Stromschlag, ihre Nerven vibrieren – und es ist fast ein Schock: Maddie hat sich rettungslos verliebt ...


  • Erscheinungstag 10.12.2022
  • ISBN / Artikelnummer 9783751521093
  • Seitenanzahl 130
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

PROLOG

New York – 23. Dezember

Als Jack die Stimme seiner Schwester hörte, fühlte er sich wieder wie der Achtzehnjährige, als der er damals sein Londoner Elternhaus in Ungnade verlassen hatte. Und dieses Gefühl mochte er gar nicht.

Das hatte er nun wirklich nicht nötig. Er, Jack Valentine, Inhaber und Geschäftsführer von Valentine Ventures, New York, der sich von ganz unten nach ganz oben gekämpft hatte. Aber sie erwartete tatsächlich, dass er nach Hause kam.

Jack umklammerte den Telefonhörer, bis seine Finger schmerzten und die Knöchel weiß hervortraten. „Es ist zwölf Jahre her, Emma. Zwölf Weihnachtsfeste ohne mich. Warum sollte ich gerade zu diesem kommen?“

„Hast du etwas Besseres vor?“

Es klang, als wüsste sie ganz genau, dass er im Grunde keine anderen Pläne hatte.

„Alles ist besser als das.“

„Es wird Zeit, Jack.“

Er starrte auf die nächtlichen Lichter New Yorks hinaus, die die berühmte Skyline abbildeten. Irgendwo da draußen stand sicher ein armer Tropf und sah zu seinem Gebäude hinauf. Und ganz bestimmt fragte er sich, wie es wohl wäre, sich jeden Wunsch erfüllen zu können.

An dieses Gefühl erinnerte sich Jack nur zu gut, denn vor zwölf Jahren war er selbst mit leeren Taschen durch die Straßen der Stadt gezogen. Damals hatte er zu den riesigen Bürokomplexen aufgesehen und sich geschworen, selbst irgendwann hier zu sitzen und Geld zu scheffeln. Den Weg vom Tellerwäscher zum Millionär ging kaum jemand bis zum Ende, aber er hatte es geschafft. Und darauf war er stolz.

„Hörst du mir überhaupt zu, Jack?“

„Ja. Und ich spüre, dass irgendwas nicht stimmt, Em. Also red nicht um den heißen Brei herum. Was ist passiert?“ Trotz all der Jahre, die vergangen waren, kannte er seine Schwester immer noch sehr gut.

Emma seufzte am anderen Ende der Leitung. „Du hast recht. Das Bella Lucia ist in Schwierigkeiten. Wir brauchen deine Hilfe.“

Die kostbaren Restaurants mit dem Namen Bella Lucia waren seinem Vater Robert Valentine immer wichtiger gewesen als alles andere. Wichtiger als seine Familie, wichtiger als seine Frau. Und nun steckte die Kette in Schwierigkeiten. Gut. Es wurde allmählich Zeit, dass sein Vater, dieser notorische Schürzenjäger, für seine Sünden bezahlte. Und am besten da, wo es ihn am meisten schmerzte.

„Ich wüsste nicht, was mich das angeht.“

„Dann werde ich es dir sagen, Jack. Es geht dich verdammt viel an, weil du, so wenig es dir auch passen mag, immer noch Teil dieser Familie bist.“ Sie klang sehr bestimmt.

„Hat er dich vorgeschickt?“

„Nein.“ Wieder seufzte sie. „Jack, was ist damals zwischen euch vorgefallen?“

Vor zwölf Jahren hatte Jack seine Mutter vor dem Zorn seines Vaters beschützt. Dafür hatte er einen sehr hohen Preis gezahlt. Er hatte seine Familie verloren.

„Das ist heute nicht mehr von Bedeutung, Em.“

Das Schnauben seiner Schwester klang wenig damenhaft. Jack sah sie vor sich, wie sie genervt die blassblauen Augen verdrehte, und er vermisste sie. Dieses Gefühl überfiel ihn vollkommen überraschend, und es brachte ihn mehr aus dem Gleichgewicht, als er sich selbst eingestehen mochte.

„Ich höre dir doch an, dass es dir immer noch etwas ausmacht.“

„Das stimmt nicht.“ Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück. „Wenn das jetzt alles war …“

„Nein“, fuhr sie ihn an. „Wir brauchen dich, Jack. Du hast eine Investmentfirma. Und das Familienunternehmen braucht finanzielle Unterstützung. Du bist praktisch unsere einzige Hoffnung.“

„Es gibt jede Menge Investoren, die bestimmt gern einen Teil vom Kuchen hätten. Immerhin ist das Bella Lucia eine renommierte Adresse.“

„Aber das wären Fremde. Wenn du investierst, bliebe das Bella Lucia in der Familie. Du kannst uns nicht einfach den Rücken kehren.“

Selbst dann nicht, wenn ihm die Familie einst den Rücken gekehrt hatte? „Ihr schafft das schon, Em.“

„Ich wünschte, du hättest recht. Wie du selbst gesagt hast, es sind jetzt schon zwölf Jahre. Zwölf ist eine gute Zahl, um Frieden zu schließen. Es ist Weihnachten. Die Zeit des Friedens und der Versöhnung. Du weißt schon.“

„Ich bin aber nicht in versöhnlicher Stimmung.“ Jack stützte den Ellbogen auf dem Schreibtisch ab.

„Ich auch nicht.“ Nun klang auch sie verärgert. „Du bist damals einfach abgehauen. Dad hat kein Wort über die Angelegenheit verloren, und Mum stand kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Ich war sechzehn, als du mich in diesem Schlamassel allein gelassen hast. Große Brüder sollten sich eigentlich um ihre kleinen Schwestern kümmern.“

Und kleine Schwestern wussten, wie sie in alten Wunden herumstochern mussten, um ihren Willen durchzusetzen. Er hatte sie geliebt. Verdammt, er liebte sie immer noch.

„Ich hatte keine Wahl, Em. Ich musste fort.“

„Das ändert nichts daran, dass du mich im Stich gelassen hast. Aber wahrscheinlich hast du nur getan, was du tun musstest. Du brauchtest Abstand. Jetzt brauche ich mal etwas von dir.“ Sie zögerte. „Ich habe übrigens geheiratet, Jack.“

Er brauchte einen Moment, um sich seine kleine Schwester als erwachsene Frau vorzustellen. Als verheiratete Frau. „Ich gratuliere. Wer ist denn der Glückliche?“

„Er war ein Prinz …“

„Dein Prinz“, neckte er sie.

Emma lachte glücklich. „Auch das. Aber Sebastian war ein echter Prinz. Inzwischen ist er zum König von Meridia gekrönt worden.“

Meridia. Dem Namen nach kannte Jack das kleine europäische Königreich.

„Jack, ich möchte, dass du ihn kennenlernst.“

„Sieh mal, Emma …“

„Ich habe dich noch nie um etwas gebeten“, unterbrach sie ihn energisch. „Aber das hier ist mir wirklich wichtig. Und ich denke, du bist es mir schuldig. Komm nach Hause, Jack, nur über Weihnachten. Wir feiern, wo wir jedes Jahr feiern. Ich erwarte dich.“

Damit legte sie auf. Jack atmete tief durch. Seine kleine Schwester hatte einen König geheiratet?

Und er hatte es nicht mitbekommen.

Was war ihm sonst noch alles entgangen? Emma hatte ihn wirklich noch nie um etwas gebeten. Bis jetzt.

„Jack, du bist verrückt geworden.“ Seine Assistentin Maddie Ford trat in sein Büro, ohne von dem Angebot aufzusehen, das er ihr auf den Schreibtisch gelegt hatte. „Du kannst nicht ernsthaft in diese Firma investieren wollen. Das ist verrückt, viel zu riskant. Aber es ist wieder einmal typisch für dich.“

Sie sprach weiter, doch er hörte seiner blonden, blauäugigen und außerordentlich klugen Maddie kaum zu. Der vernünftigen, bodenständigen Maddie, die das Herz immer auf der Zunge trug. In den zwei Jahren, die sie nun zusammenarbeiteten, hatte er gelernt, sich auf ihren gesunden Menschenverstand zu verlassen, und so war sie mehr als eine Assistentin für ihn geworden. Er vertraute ihr blind.

Abgesehen davon war sie die einzige schöne Frau, mit der er sich nie eingelassen hatte. Und so sollte es auch bleiben, denn seine Beziehungen, sofern sie diesen Namen überhaupt verdienten, dauerten für gewöhnlich kaum länger als ein paar Tage. Aber Jack konnte es sich nicht leisten, Maddie wegen einer Affäre zu verlieren. Sie war seine rechte Hand und für Entscheidungen unentbehrlich. Dass er stets auf ihren Rat gehört hatte, war zum Schlüssel seines Erfolges geworden. Und nun sagte ihm die Intuition, dass er sie an seiner Seite brauchte, wenn er Emma und ihrem Mann gegenübertreten wollte.

Als Maddie verstummte, fragte er sie also: „Was hältst du von Weihnachten in London?“

1. KAPITEL

London – Heiligabend

„Offenbar haben auch Millionäre Probleme.“

Maddie Ford wartete auf eine Reaktion des reichen Junggesellen, und Jack Valentine enttäuschte sie nicht.

Er funkelte sie wütend an. „Was soll das denn heißen?“

„Tut mir leid. Habe ich das laut gesagt?“, fragte sie unschuldig.

„Das weißt du ganz genau. Kehrst du jetzt die Blondine raus? Das zieht bei mir nicht“, bemerkte er gereizt.

Diese Stimmung sah ihm gar nicht ähnlich. Maddie kannte ihn eigentlich nur entspannt. Und selbst wenn er sich aufregte, konnte er immer noch über sich selbst lachen. Das Geschäft, für das er sie unbedingt mit nach London nehmen wollte, musste wirklich wichtig sein. Sonst wäre er nicht so angespannt.

Langsam machte sie sich Sorgen. Jack Valentine war reich, gut aussehend, charismatisch und galt als New Yorks begehrtester Junggeselle. Und er hatte diesen unwiderstehlichen britischen Akzent. Mit dem schwarzen Haar, den unverschämt blauen Augen und seinem anziehenden Bad-Boy-Image verkörperte er genau den Typ Mann, auf den sie leider schon zweimal hereingefallen war.

Zu Beginn ihrer Zusammenarbeit hatte ihr Herz manchmal höhergeschlagen, wenn sie ihn angesehen hatte, doch sie erkannte schnell, dass er kein Mann war, der sich mit einer einzigen Frau zufriedengab. Also erleichterte es sie, dass er ihr nie Avancen gemacht hatte. Vermutlich war sie nicht sein Typ. Das war ein Segen, denn Maddie liebte ihren Job.

In den letzten zwei Jahren hatten sie gut miteinander gearbeitet. Mit ihrem Sinn fürs Praktische glich Maddie seine Neigung zu übereilten Entschlüssen perfekt aus, was sie zu einem überaus erfolgreichen Team machte. Gemacht hatte. Bis er ihre Weihnachtspläne durchkreuzte. So sauer war Maddie selten gewesen.

Doch sein Verhalten verwunderte sie. Seit ihrer Abreise aus New York hatte Jack keinen einzigen Scherz gemacht. Deshalb bekam Maddie beinahe ein schlechtes Gewissen, weil sie ihm in ihrer schlechten Laune so zugesetzt hatte. Vielleicht sollte sie ihn selbst ein wenig necken. Dann ließ seine Anspannung möglicherweise nach.

„Wenn du damit meinen derzeitigen Zustand völliger Verwirrung meinst, kann ich dir nur versichern, dass ich meine Sinne gut beisammen habe“, knüpfte sie an seine Bemerkung über Blondinen an. „Es ist Weihnachten, und ich muss das Fest auf dem falschen Kontinent verbringen. Ich hoffe, du hast einen guten Grund, warum dieses Geschäft nicht bis nach den Feiertagen warten konnte.“

„Es ist doch nur ein einziger Tag. Und ich habe dir versprochen, dass ich es wiedergutmache.“

Das war keine Antwort. „Wie willst du ein verdorbenes Weihnachtsfest gutmachen? Ich hatte eigene Pläne.“

„Das weiß ich. Du hast es mehr als deutlich gesagt.“

Er brauchte schließlich nicht zu wissen, wie ihre Pläne ausgesehen hatten. Maddies verheiratete Geschwister feierten mit ihren Partnern und deren Familien. Sie hatten sie zwar eingeladen, aber nur, weil sie sonst allein zu Hause gesessen hätte. Und ihre Eltern machten eine Kreuzfahrt, bei der Maddie sich nur als fünftes Rad am Wagen gefühlt hätte. Also hatte sie alle Einladungen abgesagt. Aber sie hätte es niemals ertragen, wegen ihres nicht vorhandenen Liebeslebens mitleidige Bemerkungen vom begehrtesten Junggesellen New Yorks zu ernten.

„Es ist lieb von dir …“, setzte Jack wieder an.

„Nein. Ich bin nicht lieb.“

„Du hast gewonnen. Dann bist du eben böse. Damit kann ich leben.“ Für den Bruchteil einer Sekunde schenkte er ihr das gewohnte sorglose Jack-Valentine-Lächeln.

Hatte dieses Lächeln schon immer so eine Wirkung auf sie gehabt? Oder wurde es erst durch den Kontrast zu seiner ernsten Anspannung so anziehend?

„Ich fasse es einfach nicht, dass du deine Macht als Boss ausgespielt hast, um mich nach London zu bringen. Du hast mich geradezu erpresst.“

„Es machte nicht den Eindruck, als hätte ich dich anders überzeugen können. In Anbetracht des Zeitdrucks schien es mir die beste Methode.“

Maddie mochte diese Einstellung nicht, und er hatte einen Denkzettel verdient. „Dass ich hier bin, ist völlig sinnlos. Seit wann brauchst du mich bei deinen Geschäften? Wer kümmert sich überhaupt Weihnachten um Geschäfte? Kein Amerikaner jedenfalls.“

„Dann ist es ja gut, dass wir in Großbritannien sind.“

Seit wann schlug er ihr gegenüber so einen Ton an? Doch bevor sie ihn zurechtweisen konnte, bog der Wagen schon in eine kleine Straße und hielt vor einem Restaurant. Erst jetzt bemerkte Maddie, dass sie durch ihre Diskussion gar nichts von der fremden Stadt gesehen hatte. Trotz allem war sie neugierig auf London. Nur deshalb hatte sie der Reise letztlich zugestimmt.

„Warum halten wir hier?“

„Ich habe etwas zu erledigen.“ Jack klang ernst.

Sein Blick war dunkel und zornig, und das machte Maddie Angst, weil sie ihn noch nie so gesehen hatte. „Jack, was ist los?“

„Ich muss meine Schwester treffen.“

„Deine Schwester?“ Wäre sie nicht so schockiert gewesen, hätte sie eine humorvolle Bemerkung gemacht. „Ich wusste nicht, dass du Geschwister hast.“

„Jetzt weißt du es.“

„Was hast du mir noch vorenthalten?“, wollte sie wissen, als ihr der Fahrer die Tür aufhielt.

Jede Menge, dachte Jack. Aber er ignorierte die Frage. Er würde Emma und ihren Mann treffen, und damit wäre seine Pflicht erfüllt. Danach könnten sie umgehend wieder abreisen.

Die kalte Londoner Luft durchströmte seine Lungen. Langsam ging er auf das Bella Lucia zu, aus dem er damals Hals über Kopf davongelaufen war. Der Hof war ihm vertraut, ebenso wie die Büsche und kleinen Laternen. Im Speisesaal saßen viele Menschen.

Seine Familie. Und er stand draußen. Eine lange verdrängte Einsamkeit machte sich in seinem Herzen breit.

„Jack?“

Dankbar sah er Maddie an. Es war gut, dass sie bei ihm war, aber das würde er ihr nicht verraten.

„Bringen wir es hinter uns“, bestimmte er.

„So entschädigst du mich also für mein verdorbenes Weihnachtsfest.“ Ihre Bemerkung triefte nur so vor Sarkasmus, und Jack musste lächeln. Die fast brutale Ehrlichkeit schätzte er an seiner Assistentin am meisten.

Bevor er es sich anders überlegen konnte, stieß er die Tür auf, ließ Maddie eintreten und folgte ihr. Dann sah er sich im Restaurant um. Im Inneren hatte sich alles verändert. Der italienische Stil von damals war einem trendigen stilvollen Design gewichen. Wo eben noch fröhliches Stimmengewirr erklungen war, herrschte mit einem Mal Totenstille, und unzählige Augenpaare ruhten auf ihnen.

Jack erkannte seinen Onkel John, der mit einem Champagnerglas in der Mitte des Raums stand und offenbar gerade einen Toast ausgesprochen hatte. Neben ihm stand Robert Valentine, und Jack begegnete dem Blick seines Vaters. Der Rest der Familie hatte sich um die beiden Männer versammelt. Jack hätte schwören können, dass sie alle den Atem anhielten.

Maddie lehnte sich zu ihm hinüber. „Die starren uns alle an, Jack.“

„Ich weiß.“

„Sind wir in eine geschlossene Gesellschaft hineingeplatzt?“

„So ist es.“

Während er sprach, wandte Jack den Blick nicht von seinem Vater. Jeder Muskel seines Körpers war zum Zerreißen gespannt. Vor zwölf Jahren hatte dieser Mann ihn des Hauses verwiesen. Die junge Frau an Roberts Seite sah Jack ängstlich an. Dann lief sie auf ihn zu.

„Jack, du bist gekommen. Ich hatte nicht mehr damit gerechnet.“

„Emma?“ Ihre Stimme erkannte er zwar, doch diese zierliche feminine Schönheit hatte nichts mit dem launischen pausbäckigen Teenager aus seiner Erinnerung gemein. „Du bist erwachsen geworden.“

„Genau wie du. Ihr kommt genau rechtzeitig zum Anstoßen.“ Sie reichte Maddie und ihm eine Champagnerflöte.

„Frohe Weihnachten allerseits.“ Sein Onkel John fuhr fort, als wäre nichts geschehen. „Trinken wir auf ein gesundes, glückliches und erfolgreiches Weihnachtsfest. Auf die Familie.“ Er hob sein Glas.

Zustimmendes Murmeln erklang von allen Seiten, und Gläser klirrten. Ohne zu trinken, stellte Jack sein Glas auf einem Tisch ab.

Emma runzelte die Stirn, lächelte ihm aber zu. „Willkommen zu Hause, Jack.“

„Das hier ist nicht mein Zuhause.“

Sobald er Emmas Mann kennengelernt hätte, würden er und Maddie umgehend in den nächsten Flieger steigen. Er sah seine Assistentin an, die neben ihm stand, schön wie immer. Dass sie hier war, verlieh ihm die Kraft, diesen Besuch durchzustehen. Ihr blondes Haar schimmerte, und sie sah sich mit ihren großen blauen Augen um. Sie war die einzige schöne Frau, die er zu sehr respektierte, um etwas mit ihr anzufangen. Abgesehen davon war sie anders als die anderen Frauen, und ihr Arbeitsverhältnis war ihm heilig.

Emma ignorierte seine Bemerkung und wandte sich an Maddie. „Und wer sind Sie?“

„Madison Ford, aber Sie können mich Maddie nennen. Ich bin Jacks Assistentin.“ Damit streckte sie Emma herzlich die Hand entgegen.

„Freut mich. Und Sie begleiten Jack sogar Weihnachten?“

„Nicht freiwillig. Ich hatte eigentlich andere Pläne.“

„Nachdem du angerufen hast, habe ich den Besuch hier mit einer Geschäftsreise verbunden“, wandte sich Jack an seine Schwester. „Wo ist dein Mann?“

Emma sah sich um und strahlte dann den gut aussehenden Mann an, der sich ihnen näherte. „Seine Hoheit Sebastian Marchand-Dumontier von Meridia. Darf ich dir Jack Valentine vorstellen, meinen Bruder?“

Die beiden Männer schüttelten sich die Hände, und Jack bemerkte Sebastians festen Händedruck. Am Händedruck erkennst du den Charakter eines Menschen.

Unwillkürlich kamen ihm die Worte seines Vaters in den Sinn, und Jack wusste, dass es ein Fehler gewesen war herzukommen. Dann sah er, wie der Prinz Maddie die Hand küsste.

„Es ist mir eine Ehre, Sie kennenzulernen, Hoheit.“

„Sebastian reicht vollkommen“, entgegnete Emmas Mann unkompliziert.

Maddie sah Emma an. „Und welchen Titel tragen Sie? Sind Sie Königin? Oder Kronprinzessin? Ich kenne mich mit Königshäusern nicht aus.“

„Nennen Sie mich einfach Emma. Und duzen Sie mich bitte.“ Sie zwinkerte Maddie zu.

„Gern. Erzähl mir doch vom königlichen Schmuck. Ich habe gehört, es soll in Meridia ein ganz fantastisches Collier geben. Bei diesem Thema könnte ich fast meine geplatzten Weihnachtspläne vergessen.“

Lachend lehnte sich Emma an ihren Mann. „Ich fürchte, das Collier kann ich dir nicht vorführen. Es liegt im Safe des Schlosses. Aber komm uns doch mal besuchen, Maddie. Ich habe das Gefühl, wir beide werden uns ganz ausgezeichnet verstehen.“

„Ich glaube nicht, dass ich sie entbehren kann“, schaltete sich Jack ein.

„Ich finde die Idee großartig“, widersprach Maddie. „Und mein verehrter Boss wird dann eben ausnahmsweise eine Zeit lang ohne mich auskommen müssen.“

„Jack.“

Als er sich umsah, erblickte er seinen Halbbruder Max. Freude erhellte Jacks Gesicht, und die beiden Brüder umarmten sich.

Emma räusperte sich. „Du und Max, ihr habt sicher eine Menge zu besprechen.“

„Wie lange bleibt ihr in London?“, fragte Maddie.

„Ein paar Wochen.“ Emma sah Jack an. „Und ihr? Willst du Mum besuchen?“

„Darüber habe ich noch nicht nachgedacht.“

„Du solltest sie treffen.“ Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und küsste ihn auf die Wange. „Du siehst nicht sehr glücklich aus, Jack.“

Bei dieser beiläufigen Bemerkung machte sich wieder Einsamkeit in Jacks Brust breit. Warum gerade jetzt? All die Jahre war es ihm so gut gelungen, ohne irgendjemanden auszukommen. Sollte das alles umsonst gewesen sein?

„Nicht glücklich? Und das kannst du in fünf Minuten beurteilen?“

„In weniger.“ Zärtlich nahm sie Sebastians Hand. „Jetzt, da ich weiß, wie ein glücklicher Mensch aussieht, habe ich einen Blick dafür entwickelt. Wir sehen uns später.“

Damit mischten sie und Sebastian sich wieder unter die Familie. Jack sah Max an, und die Einsamkeit in seinem Herzen nahm ihm beinahe die Luft. In seiner Jugend war Max für ihn nicht nur ein großer Bruder, sondern auch ein bester Freund gewesen. Er hatte ihm alles über Mädchen, Autos und Partys beigebracht. Wie Pech und Schwefel hatten sie damals zusammengehalten.

Erst jetzt erkannte er, wie sehr er ihn vermisst hatte. „Es tut gut, dich wiederzusehen.“

„Das kann ich nur zurückgeben.“ Max sah Maddie an. „Willst du mich nicht deiner atemberaubenden besseren Hälfte vorstellen?“

„Ich bin in der Tat atemberaubend, aber Jack hat ständig wechselnde bessere Hälften, zu denen ich bestimmt nicht gehöre“, klärte Maddie ihn auf.

„Ausgezeichnete Neuigkeiten. Ich bin Max Valentine.“

„Jacks Bruder?“

„Fast, sein Halbbruder.“

„Maddie Ford“, stellte sie sich vor. „Ich bin Jacks Assistentin. Zu meinem Leidwesen musste ich die abgelegten besseren Hälften immer mal wieder tröstend unter meine Fittiche nehmen.“

Max grinste. „Sie sind ganz schön direkt.“

Überrascht bemerkte Jack, dass er eifersüchtig war. „Du bist nicht ihr Typ, Max.“

„Wie willst du das denn wissen?“ Maddie sah ihn skeptisch an.

„Max hat Persönlichkeit.“

Maddie leerte ihr Glas. „Dann sollte ich ihn vielleicht besser kennenlernen.“

Bevor Jack begriff, warum er sich einerseits so freute, seinen Bruder wiederzusehen, und ihn Maddies und Max’ Sympathie füreinander andererseits so irritierte, trat sein Vater auf ihn zu.

Der ältere Mann legte Max die Hand auf die Schulter. „Der verlorene Sohn ist also heimgekehrt.“

Autor

Teresa Southwick
Teresa Southwick hat mehr als 40 Liebesromane geschrieben. Wie beliebt ihre Bücher sind, lässt sich an der Liste ihrer Auszeichnungen ablesen. So war sie z.B. zwei Mal für den Romantic Times Reviewer’s Choice Award nominiert, bevor sie ihn 2006 mit ihrem Titel „In Good Company“ gewann. 2003 war die Autorin...
Mehr erfahren