Konkurrenz belebt die Liebe

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Wie bitte, Paul schnappt ihr den Job weg? Layne ist empört! Vor Jahren haben sie sich getrennt, weil Layne bei einem TV-Sender in Washington D. C. Karriere machen wollte. Und jetzt soll ausgerechnet Paul den Moderator-Posten bekommen, auf den sie so lange hingearbeitet hat. Das ist so was von inakzeptabel! Inakzeptabel ist allerdings auch die Anziehung zwischen ihnen, die schon beim ersten Wiedersehen voll aufflammt. Layne will ihm unbedingt widerstehen, trotzdem landet sie bald mit Paul im Bett. Belebt die Konkurrenz ihre Liebe neu?


  • Erscheinungstag 04.07.2023
  • Bandnummer 2297
  • ISBN / Artikelnummer 9783751515689
  • Seitenanzahl 144
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

1. KAPITEL

„Ich bin Paul Waverly für News at Ten von WNCC und wünsche Ihnen eine gute Nacht.“ Da war es wieder, dieses entwaffnende Lächeln, das die Zuschauer in den Bann schlug, bevor der nächste Werbespot eingeblendet wurde.

Layne seufzte wohlig. Sie saß auf der Couch im Wohnzimmer, richtete die Fernbedienung auf den Fernseher und schaltete ihn aus. Dann hob sie das Glas Weißwein an die Lippen und trank einen Schluck. Absolut perfekt, wie immer – doch nichts anderes hätte sie von Paul erwartet. Er war durch und durch ein Vollprofi, und die Zuschauer liebten ihn. Sein attraktives schwarzes Gesicht war regelmäßig auf den Titelblättern zahlreicher Magazine im ganzen Land abgebildet. Jeden Abend um zweiundzwanzig Uhr war er im Fernsehen zu sehen. Er war ein gefragter Journalist, und es hieß, dass sowohl ABC als auch NBC ihn umworben hatten. Doch er hatte ihnen eine Abfuhr erteilt – mit der Begründung, seine Wurzeln lägen nun einmal in North Carolina. Darüber hinaus hatte WNCC jedes Angebot der Mitbewerber überboten. Also war Paul geblieben, und WNCC tat alles, um ihn zu halten. So bezahlte der Sender das Penthouse in Downtown von Charlotte, ein Spesenkonto sowie ein sechsstelliges Gehalt.

Layne stand auf und ging ins Bad, um dort heiß zu duschen. Seit dem frühen Morgen war sie schon auf den Beinen, und inzwischen war es fast Mitternacht.

Nachdem sie sich abgetrocknet hatte, rieb sie sich mit ihrem Lieblingsöl ein und schlüpfte in ein pfirsichfarbenes Satinhemd, das bei jeder Bewegung sanft schimmernd das Licht reflektierte. Dann kehrte sie kurz ins Wohnzimmer zurück, um ihr Weinglas nachzufüllen, und wollte sich gerade ins Bett legen, als sie hörte, wie der Schlüssel in der Haustür umgedreht wurde.

Sofort beschleunigte sich ihr Herzschlag, wie er es immer bei diesen Gelegenheiten tat. Der Zauber des Geheimnisvollen war ein wesentlicher Bestandteil der prickelnden Aufregung, die ihren Körper durchflutete.

„Hey, Baby.“

Sie stellte das Weinglas auf dem Nachttisch ab, stand auf und ging dem Mann entgegen, der an der Tür des Schlafzimmers stand. Zärtlich streichelte sie ihm das Gesicht und erschauerte wohlig beim Gefühl des kaum sichtbaren Bartschattens unter ihren Fingern.

„Du warst wie immer fabelhaft“, sagte sie leise und fasste an die Umschläge seines marineblauen Jacketts. Seine gestreifte Krawatte war gelockert, der oberste Knopf des schneeweißen Hemdes geöffnet.

Er umschlang ihre Taille und zog sie an sich. „Ich wette, das sagst du zu allen Männern“, wisperte er heiser, bevor er ihr einen sinnlichen Kuss gab.

Paul weckte eine Leidenschaft in ihr, die sie mit keinem anderen Mann geteilt hatte. Leise aufstöhnend spürte sie seine Hände durch den zarten Stoff ihres Nachtkleids, als er begann, die schmalen Träger herunterzustreifen. Gleichzeitig widmete sie sich den restlichen Knöpfen seines Hemdes, löste den Gürtel und öffnete den Reißverschluss seiner Hose.

Wegen ihrer Liebe zu Paul war sie länger in North Carolina geblieben, als sie ursprünglich beabsichtigt hatte. Nach ihrem Abschluss als Klassenbeste an der School of Journalism in Columbia mit Politikwissenschaften als Nebenfach hatte sie eigentlich andere Pläne gehabt. Erst ein Jahr in einem kleinen Sender, ihre Fähigkeiten und Kenntnisse ausbauen und dann nach Washington DC zur DC Morning Show. Als sie im Alter von zehn die berühmte schwarze Moderatorin Cynthia Medley gesehen hatte, hatte sie gewusst, dass auch sie eines Tages mit der gleichen mühelosen Eleganz prominente Politiker interviewen und die Breaking News verkünden wollte.

Doch dann war sie Paul begegnet, dem charismatischen und unerhört attraktiven Star von WNCC News, der darüber hinaus der begehrteste Junggeselle in Charlotte war.

Es war in ihrer zweiten Woche beim Sender gewesen. Sie hatte im Kontrollraum die Notizen des Tages zusammengesucht und alles für die nächste Schicht vorbereitet, als Paul eintrat. Zwar waren sie sich zuvor schon auf dem Flur begegnet und hatten lächelnd oberflächliche Höflichkeiten ausgetauscht, doch so ungestört waren sie bisher noch nie gewesen.

„Ich wollte mich endlich mal richtig bei Ihnen vorstellen“, sagte er mit seiner samtweichen, dunklen Stimme, die Millionen von Zuschauern allabendlich in den Bann zog. Layne erschauerte wohlig und spürte, wie sich ihr Herzschlag beschleunigte.

Er trat auf sie zu, die Hände in den Taschen seiner Hose, als wollte er sich davon abhalten, Laynes nackte Arme zu streicheln.

„Paul Waverly“, sagte er, und seine Stimme kam einer Berührung gleich.

„Layne Davis“, erwiderte sie lächelnd.

Er nickte, und fasziniert betrachtete Layne seine unverschämt langen Wimpern und die sinnlichen braunen Augen. „Ich weiß.“

Verwirrt blinzelte sie. „Das wissen Sie?“

„Ja, ich lege viel Wert darauf, mein Team zu kennen.“

„Oh.“ Sie räusperte sich. „Also, ich freue mich, Sie jetzt ganz offiziell kennenzulernen.“

„Ich habe mich ein wenig umgehört.“

„Umgehört?“, wiederholte sie. „Warum?“

„Um herauszufinden, wer Sie sind und was Sie wollen.“

„Und?“

„Sagen wir einfach, es gefällt mir, was ich erfahren habe. Aber … ich mache mir lieber selbst gern ein Bild – sowohl in beruflicher als auch in privater Hinsicht.“

Ihre Kehle fühlte sich staubtrocken an, und ihr war plötzlich so heiß, dass sie befürchtete, ohnmächtig zu werden.

„Ich hatte gehofft, Sie zum Lunch einladen zu können, und im Gegenzug erzählen Sie mir etwas vom großen bösen New York.“ Sein Lächeln hatte eine so umwerfende Wirkung auf sie, dass sie in diesem Moment einfach alles für ihn getan hätte.

Die Anziehungskraft zwischen ihnen war so unwiderstehlich, dass aus Laynes ursprünglich geplantem Jahr in Charlotte, North Carolina, inzwischen ein Vier-Jahres-Vertrag geworden war. Sie bewährte sich in der Produktionsabteilung, sodass man ihr anbot, im Bedarfsfall bei den Lokalnachrichten einzuspringen. Zwar wünschte sie sich immer noch, ihre eigene Sendung zu moderieren, war aber gewillt, noch eine Weile auf die passende Gelegenheit zu warten. Wenn diese sich ergab, würde sie bereit sein.

Pauls Stimme holte sie in die Gegenwart zurück. „Ich konnte nur daran denken, endlich wieder bei dir zu sein“, sagte er, sein Blick dunkel vor Verlangen. Er hob sie auf die Arme und trug sie wie eine Braut zum Bett.

Manchmal glaubte sie, dass er sie damals bei ihrem ersten Lunch verhext hatte. Warum sonst war der Sex mit ihm jedes Mal eine so lustvolle Erfahrung, die von ihrem Körper und ihrer Seele Besitz ergriff, sodass sie sich Pauls sinnlicher Ausstrahlung widerstandslos ergab?

Sie liebte es, ihn in sich zu spüren, seine kraftvollen Bewegungen zu fühlen, wenn er sich in ihr bewegte. So tief, dass sie fast zum Höhepunkt kam, um sie wieder zurückzuholen und das lustvolle Spiel von Neuem zu beginnen, bis Layne vor Erregung zitternd weinte und ihn anflehte, ihr endlich Erlösung zu schenken.

Dann fasste er unter ihren Po und zog sie fest an sich.

„Oh.“ Layne stöhnte auf.

„Lass mich dich lieben“, forderte er heiser.

Sie erschauerte vor Erregung, denn sie wusste, was sie erwartete. Lust durchströmte ihren Körper wie flüssige Lava.

Paul hob ihre Schenkel über seine Schultern, spreizte sie, bis sie ein perfektes V bildeten, und drang in sie ein.

„Sieh mich an“, stieß sie hervor.

Er senkte den Kopf und blickte ihr in die Augen.

„Sag es“, forderte sie ihn auf.

Aufstöhnend stieß Paul noch tiefer in sie. Das war immer seine erste Antwort.

„Ja!“ Layne schrie laut auf. „Und jetzt sag es!“

„Ah!“, stieß er erregt hervor.

Sie umfasste ihre Brüste und hob sie ihm entgegen. „Küss mich.“

Ihre Zehen, deren Nägel pinkfarben lackiert waren, hatte sie gegen das lederne Kopfteil des Bettes gepresst. Währenddessen bewegte sich Paul erregend in ihr, beugte sich vor und saugte an ihren Nippeln, bis er ebenso verrückt vor Verlangen war wie sie.

Tränen der Ekstase rannen ihr über die Wangen, und sie spürte die erlösenden Wellen zuerst an ihren Fußsohlen, bevor sie an den Beinen entlangbrandeten und sich machtvoll zwischen ihren Schenkeln entluden. Jegliche Selbstbeherrschung wurde fortgerissen von dem Strom elektrisierender Lust.

„Sag es!“, schrie sie auf.

„Ah! Ich liebe dich. Oh, Gott. Oh!“ Er wölbte den Rücken durch, als sie ihn mit den Fingern umfasste und sacht zudrückte. „Oh, ja! Oh, ja!“, rief er, und sie fühlte seine feuchte Wärme, als er von seinem Orgasmus übermannt wurde.

„Ich lie…liebe dich auch“, stieß sie zwischen zwei tiefen Atemzügen hervor, bevor sich Paul erschöpft auf sie sinken ließ. Sie schlang die Beine fest um seine Hüfte, um ihn noch eine Weile länger in sich zu spüren. Zärtlich streichelte sie seine dunklen, feuchten Locken. „Ich liebe dich auch“, wiederholte sie sanft.

Nach und nach entspannte Paul sich und rollte sich schließlich von ihr herunter. Befriedigt lächelnd schlang er den Arm um ihren Bauch und küsste sie auf das Schlüsselbein – genau so, wie sie es liebte. Genießerisch schloss sie die Augen.

Vielleicht führte sie nicht das Leben, das sie sich erträumt hatte, aber es war gut und erfüllend. Sie hatte einen Job, der ihr Spaß machte. Sie hatte Freunde und einen Mann, der sie liebte und nur das Beste für sie wollte. Was sonst konnte sie sich noch wünschen? Und wenn die Zeit reif war, würden sie ihre Beziehung öffentlich machen.

Zum Klang von Pauls gleichmäßigem Herzschlag glitt sie allmählich in den Schlaf hinüber.

Ihre gegensätzlichen Arbeitszeiten machten es sehr einfach, keine Gerüchte über sie aufkommen zu lassen. Obwohl sie die meisten Nächte in Pauls Penthouse verbrachte, behielt sie ihre kleine Einzimmerwohnung, um den Schein zu wahren. Außerdem musste sie um zehn Uhr morgens im Studio sein, Paul hingegen nicht vor fünfzehn Uhr, um seine Sendung um zweiundzwanzig Uhr vorzubereiten. Auch das trug dazu bei, dass niemand eine Verbindung zwischen ihnen vermutete.

Am nächsten Morgen machte Layne sich für die Arbeit fertig und verabschiedete sich von Paul. „Bis heute Abend, Babe“, sagte er und küsste ihren Nacken.

Wohlig erschauerte sie. „Versuch, bis dahin keinen Ärger zu machen“, riet sie.

„Dein Misstrauen trifft mich tief“, scherzte er und drehte sie zu sich herum, damit er ihr in die Augen sehen konnte. „Wir müssen nicht mehr lange ein Geheimnis aus unserer Beziehung machen“, versprach er leise und streichelte ihre Wange. „Versprochen.“

Layne lächelte schwach. „Wenn die Zeit dafür reif ist, ist sie reif“, erwiderte sie.

Dann griff sie nach ihrer Umhängetasche mit dem Laptop, die auf dem Küchentresen lag, und gab Paul einen raschen Kuss. „Bis später.“

Zielsicher lenkte Layne ihren silbergrauen Audi, den sie sich selbst zum dreißigsten Geburtstag geschenkt hatte, durch den fließenden Verkehr der Innenstadt. Ursprünglich hatte Paul ihn für sie kaufen wollen, aber sie hatte darauf bestanden, das Auto selbst zu bezahlen. Das hatte ihn allerdings nicht davon abgehalten, ihr stattdessen ein Diamantarmband sowie ein romantisches Wochenende in Vail zu schenken. Dort waren sie von vorn bis hinten bedient worden, und Layne hatte sogar ein bisschen Skifahren gelernt.

Doch sosehr sie Paul liebte, fehlte ihr etwas – nicht in ihrer Beziehung, sondern vielmehr in ihrem Leben. Sie war zufrieden, aber sie wollte ihrer Berufung folgen, und je länger sie in Charlotte blieb, desto weiter entfernte sie sich von ihrem Traum.

Sie parkte in der Tiefgarage des North-Tyron-Bürokomplexes, in dem sich der Sender befand. Hastig griff sie nach ihren Sachen und wappnete sich für einen weiteren hektischen Tag.

Eins musste sie zugeben: Kein Tag bei WNCC war wie der andere. Immer gab es neue, überraschende Nachrichten, die präsentiert werden mussten, und im Sender herrschte stets rege Betriebsamkeit.

Der Aufzug brachte Layne in den zehnten Stock, wo sie in den langen Flur trat, dessen Boden mit beigefarbenem Teppich ausgelegt war. An den Wänden hingen Fotos von den Stars von WNCC und den zahlreichen Prominenten, die im Laufe der Jahre in dem Studio zu Besuch gewesen waren. Als sie an Pauls Foto vorbeikam, wurde sie etwas langsamer und musste insgeheim lächeln. Eines Tages würde auch ihr Gesicht in einer solchen Galerie zu sehen sein – doch nicht hier, da war sie ziemlich sicher. Ihr Glück war zum Greifen nah, sie musste nur noch herausfinden, wie sie es zu fassen bekam.

Sie grüßte einige Kollegen, die in den Gängen hin und her eilten, und winkte denen zu, die in ihren gläsernen Büros saßen. In der Teeküche nahm sie sich einen Becher mit frisch gebrühtem Kaffee sowie einen Bagel und ging zu ihrem Büro am Ende des langen Flurs.

Nachdem sie die ID-Karte durch den Schlitz gezogen hatte, öffnete sich die Tür. Es dauerte nur wenige Augenblicke, bis Layne hinter ihrem kleinen und mit Ordnern und To-do-Listen vollgepackten Schreibtisch saß, den Rechner hochfuhr und einen Schluck Kaffee trank.

Neben ihrer Arbeit als Reporterin für die Lokalnachrichten war sie für die Einladungen und das Zeitmanagement der Studiogäste zuständig.

Sie atmete tief durch und wollte gerade nach dem Telefonhörer greifen, als ihr Handy klingelte. Lächelnd las sie den vertrauten Namen auf dem Display.

„Hey, Süße“, grüßte sie.

„Ich hoffe, du sitzt gerade“, kam Tina Gerard sofort zur Sache.

Nachdem sie beide ihren Abschluss gemacht hatten, war Tina geradewegs nach Washington DC gegangen, um dort für die Washington Post zu arbeiten. Während ihrer Zeit in New York hatten sie sich ein Apartment geteilt und waren beste Freundinnen geworden. Vergeblich hatte Tina ihre Freundin dazu überreden wollen, mit ihr in die Hauptstadt zu gehen, aber Layne hatte nun einmal einen Plan – und auch Tinas Überredungsversuche konnten sie nicht davon abhalten.

„Ich habe genau zehn Minuten, bis wieder jemand etwas von mir will“, sagte Layne scherzend.

„Pack deine Sachen, deine Arbeitsproben und deinen Lebenslauf, und schwing dich in das nächste Flugzeug Richtung DC.“

Überrascht richtete Layne sich auf. „Was meinst du damit?“

„Erinnerst du dich an meinen Onkel Ernest?“

„Ja, ja, natürlich. Aber jetzt komm zur Sache“, drängte Layne aufgeregt.

„Okay, okay. Wie du weißt, war er mal im Vorstand von WWDC. Du weißt schon, die diese Morning Show machen. Also, er hat immer noch Freunde da.“

Laynes Puls beschleunigte sich. „Tina, ich schwöre dir, wenn du nicht bald mit der Sprache …“

„Ich habe ein Bewerbungsgespräch für dich organisiert! Das heißt, mein Onkel, weil ich nämlich seine Lieblingsnichte bin.“

Völlig überwältigt stieß Layne die Luft aus, von der sie noch nicht einmal bemerkt hatte, dass sie sie angehalten hatte. „Oh, mein Gott. Ist das dein Ernst?“

„Damit würde ich mir ganz bestimmt keinen Scherz erlauben.“ Tina machte eine bedeutungsvolle Pause. „Eine Sache gibt es da allerdings noch …“

„Und welche?“ Laynes Gedanken überschlugen sich förmlich.

„Das Bewerbungsgespräch ist im Grunde nur eine Formalität. Wenn du den Job als Regieassistentin möchtest, gehört er dir.“

Völlig perplex blinzelte Layne. „Nein, Tina. Das kann doch gar nicht sein.“

„Doch, Süße“, kreischte ihre Freundin begeistert.

„Oh, mein Gott.“ Layne schloss die Augen. „Auf so eine Gelegenheit habe ich schon lange gewartet.“

„Genau. Und jetzt musst du nur noch deine Sachen packen, den Leuten bei WNCC Adiós sagen und anfangen, bei deinem Traumsender zu arbeiten. Und dann dauert es nicht mehr lange, bis du deine eigene Sendung bekommst.“

„Träume gehen in Erfüllung“, sagte Layne leise.

„Nächste Woche erwartet dich die leitende Produzentin Deanna Mitchell. Sie möchte dich gern treffen, bevor alles offiziell wird.“

„Kennst du sie?“

„Nein. Aber ich habe gehört, dass sie knallhart ist und was von ihrem Job versteht. Es ist allein ihr Verdienst, dass The DC Morning Show im Ranking auf Platz zwei ist. Du würdest direkt für sie arbeiten. Deswegen musst du in deinem Bewerbungsgespräch dafür sorgen, dass sie aus ihren Designer-Heels kippt.“

„Hm, klingt fast so, als sei sie ein Fashion Victim“, meinte Layne skeptisch.

„Ja, das kann man wohl sagen. Sie ist immer topgestylt und nicht besonders erfreut, wenn einer aus ihrem Team aussieht, als sei er gerade aus einem fahrenden Bus gesprungen.“

In Gedanken durchforstete Layne ihren Kleiderschrank, doch das Resultat war nicht besonders vielversprechend. „Okay, ich gebe alles.“

„Das solltest du auch. Und natürlich kannst du bei mir wohnen. Das wird wie früher!“

Layne kicherte. Damals hatten sie New Yorks Clubs unsicher gemacht, waren zu Filmpremieren und in Kunstausstellungen gegangen und hatten tolle Restaurants besucht.

„Dann triff deine Vorbereitungen, und lass mich wissen, wann du hier ankommst. Ich schicke dir Deanna Mitchells E-Mail-Adresse, damit du sie anschreiben kannst.“

„Oh, Tina, ich weiß gar nicht, wie ich dir danken soll.“

„Mach dir keine Gedanken deswegen. Ich bin immer für dich da. Aber wir müssen uns was für meinen Onkel Ernest überlegen.“

„Auf jeden Fall!“

Jemand klopfte leise an ihre Bürotür.

„Ja?“, rief Layne.

Marlo, eine der Assistentinnen, sah in den Raum hinein. „Du wirst vorne gebraucht“, sagte sie entschuldigend.

„Danke. Ich bin gleich da“, erwiderte Layne, bevor sie wieder in den Telefonhörer sprach. „Hör mal, Tina, ich muss jetzt Schluss machen. Ich rufe dich heute Abend an, okay? Und ich liebe dich, Süße.“

„Dito. Und Glückwunsch.“

Nachdem Layne aufgelegt hatte, schloss sie die Augen und lehnte sich einen kurzen Moment zurück, um dieses Gefühl purer Freude, das sie durchströmte, in vollen Zügen zu genießen. Doch urplötzlich verflog ihre Euphorie, als ihr ein Gedanke kam. Sie riss die Augen auf.

Was war mit Paul?

Paul setzte sich hinter das Lenkrad seines weißen Tesla, und schon kurz darauf steuerte er die Limousine nahezu geräuschlos durch den dichten Verkehr. Dabei war er sich der bewundernden Blicke der Passanten durchaus bewusst.

Eigentlich machte er sich nichts daraus, ständig im Mittelpunkt zu stehen. Es genügte ihm, jeden Abend auf den meisten Bildschirmen des Staates gesehen zu werden. Der Tesla gehörte zum Image, das der Sender ihm gern verlieh. Allerdings war Paul ganz anders, als er sich vor der Kamera gab. Natürlich machte ihm seine Arbeit Spaß, und er genoss die Vorzüge, prominent zu sein. Doch wenn es wirklich nach seinen Wünschen ginge, würde er an dem Politthriller schreiben, zu dem er schon seit einigen Jahren inspiriert war. Außerdem würde er mehr reisen, vielleicht ein Haus am Strand kaufen und Layne heiraten. Bei dem Gedanken lächelte er.

Sein Bruder und er waren in einem liebevollen Elternhaus aufgewachsen. Paul hatte immer gehofft, eines Tages mit einer eigenen Familie ebenfalls so glücklich zu sein. Doch sein zeit-intensiver Job hatte Gedanken an ein beschauliches Zuhause völlig in den Hintergrund gedrängt, und ihm waren nur kurze Bekanntschaften geblieben. Die meisten Frauen, mit denen er zu tun gehabt hatte, waren mit seinen ungewöhnlichen Arbeitszeiten nicht zurechtgekommen, und so hatten seine Beziehungen stets nur einen oder zwei Monate gehalten. Dies wiederum hatte ihm den Ruf als Charlottes begehrtester Junggeselle eingebracht.

Im Grunde wünschte er sich aber nur, was seine Eltern miteinander geteilt hatten. Nie hätte er für möglich gehalten, dass sein Traum irgendwann in Erfüllung gehen würde – bis er Layne kennengelernt hatte. Zwischen ihnen war schon im ersten Augenblick der Funke übergesprungen. Ihre Nähe tat ihm gut, und er liebte es, Zeit mit ihr zu verbringen. Bedauerlicherweise mussten sie ihr Verhältnis im Sender geheim halten, was sehr kräftezehrend war. Doch das würde sich schon bald ändern.

Erwartungsvoll bog er auf die Aberdeen Avenue ein.

Joe Scarborough und Mika Brzezinski von MSNBC waren bereits seit Jahren die Gastgeber von Morning Joe. Dann hatten sie geheiratet und waren so erfolgreich wie eh und je. Paul war überzeugt: Er und Layne konnten das auch. Die Weichen hatte er bereits gestellt.

Er parkte vor dem Fitnesszentrum, und während er zum Eingang ging, wählte er Laynes Nummer. Nach dem dritten Klingeln nahm sie den Anruf entgegen.

„Hey, Babe“, sagte er. „Ich weiß, dass du viel zu tun hast. Ich habe Pläne für das Dinner heute Abend. Es ist schon ziemlich lange her, dass wir zusammen ausgegangen sind.“ Das lag natürlich daran, dass sie nicht riskieren konnten, bei einem Candlelight-Dinner in der Öffentlichkeit gesehen zu werden. Normalerweise verließen sie zum Ausgehen die Stadt. Doch heute Abend würde es anders sein.

„Wirklich?“, fragte sie und klang angenehm überrascht.

„Ja, tolles Essen, Wein, vielleicht ein bisschen tanzen.“

Sie lachte. „Wie kommt’s? Normalerweise planen wir unsere Dates immer wie eine geheime Staatsmission.“

„Es ist Samstag. Ich habe heute Abend frei und möchte ihn mit meinem Mädchen verbringen“, erklärte er.

Er hörte, wie sie ausatmete. „Okay. Ich habe um achtzehn Uhr Schluss. Und … ich habe auch Neuigkeiten. Die erzähle ich dir bei einer Flasche Wein.“

„Ich kann’s kaum erwarten. Ich habe für acht Uhr reserviert.“

„Ich liebe dich, Paul“, sagte sie leise.

„Ich liebe dich auch.“ Er beendete den Anruf und öffnete die schwere Glastür zum Fitnessstudio. Ein ordentliches Workout würde ihm dabei helfen, seine Aufregung vor dem heutigen Abend etwas zu dämpfen.

Layne presste ihr Handy an die Brust und biss sich nachdenklich auf die Unterlippe. Timing ist wirklich alles, dachte sie, während sie zum Regieraum ging. Bei einem erlesenen Essen in einem schönen Restaurant hätte sie das richtige Ambiente, um Paul von ihren Neuigkeiten zu berichten.

Schon kommenden Mittwoch würde sie sich bei Deanna vorstellen. Der Sender bezahlte Flug und Unterkunft, und mit einem Mal schien sich alles, worauf sie schon so lange gewartet hatte, in Lichtgeschwindigkeit zu entwickeln. Aber was würde das für sie und Paul bedeuten? Wie würden sie mit dieser neuen Situation zurechtkommen? Auch unter optimalen Umständen waren Fernbeziehungen schwierig – doch was, wenn beide Partner unregelmäßige Arbeitszeiten und zeitintensive Jobs hatten? Doch jetzt wollte sie nicht darüber nachdenken.

Nachdem sie im Regieraum, in dem sich das Produktionsteam von Live with Tess, einer Nachmittagskochshow des Senders, aufhielt, ihre Nachricht abgegeben hatte, kehrte sie zu ihrem Büro zurück. Auf dem Weg dorthin wurde sie auf dem Flur jedoch von Linda Kreps abgefangen, der Produzentin von Midday Charlotte.

„Dich habe ich gerade gesucht“, sagte die kleine Frau mit weizenblondem Haar und hellblauen Augen hinter einer großen Brille.

„Weswegen denn?“, erkundigte sich Layne.

„Morgen Abend findet die Carolina Arts Foundation Gala statt, und ich möchte, dass du dort für uns hingehst.“

Unwillkürlich fragte sich Layne, ob man ihr ansah, wie schockiert sie war. „Wirklich?“

„Ja, wirklich. Ich finde, es ist eine gute Gelegenheit für dich, die richtigen Leute zu treffen und dich den Bossen unseres Senders vorzustellen.“

„Wow. Ähm … vielen Dank.“ Layne schluckte. Warum ausgerechnet jetzt? In dem Moment, in dem Washington nach ihr rief, öffnete sich plötzlich eine neue Tür bei WNCC in Charlotte für sie. Auf solchen Veranstaltungen wimmelte es von Philanthropen, Künstlern, prominenten Entertainern und Politikern. Wenn es ihr gelang, ein Interview mit der richtigen Person zu führen …

„Gibt es ein Problem?“, fragte Linda.

Layne blinzelte, dann setzte sie ein strahlendes Lächeln auf. „Nein, überhaupt nicht. Ich überlege nur, was ich anziehen soll.“

Sacht drückte Linda ihren Arm. „Gut. Komm noch mal in mein Büro, bevor du nach Hause gehst. Dann gebe ich dir die notwendigen Infos und deinen Presseausweis. Ron wird dein Kameramann.“ Sie blieben vor Laynes Bürotür stehen. „Oh, und du darfst noch jemanden mitbringen.“ Linda winkte ihr zu und eilte weiter.

Ein paar Sekunden stand Layne völlig perplex vor der verschlossenen Tür und atmete tief ein und aus. Dieser Tag steckte wirklich voller Überraschungen. Was wohl als Nächstes passierte?

2. KAPITEL

Während Layne und Paul sich anzogen, diskutierten sie darüber, was sie anziehen sollten und wer länger unter der Dusche gewesen war. Nachdem Layne ihrem Make-up den letzten Schliff verliehen hatte, folgte sie Paul gut gelaunt in die Tiefgarage. Er entschied sich für seinen mitternachtsblauen Lexus, der zwar auch sehr luxuriös, aber wesentlich weniger auffällig als die E-Limousine war.

Angesichts der Vorfreude auf ihren gemeinsamen Abend hatten sie sich versprochen, mit den Neuigkeiten bis zum Dessert zu warten.

Während der Fahrt zum Restaurant musterte Layne Paul verstohlen von der Seite. Mit seinen fast einen Meter neunzig war er selbst sitzend eine imposante Erscheinung: breite Schultern, taubengraues Seidenhemd, dessen erster Knopf geöffnet war, die elegante Uhr am Handgelenk – dieser Mann hatte Klasse und war durch und durch cool. Sie liebte ihn, daran gab es keinen Zweifel. Doch als sie an ihre Zukunft dachte, machte sie sich Sorgen um ihre Beziehung.

Paul hatte immer gesagt, dass seine Wurzeln, seine Karriere, seine Familie und Layne in Charlotte waren und er nicht beabsichtigte, das zu ändern. Das war ihm so wichtig, dass Layne irgendwann aufgehört hatte, von ihrem Traum zu reden, eines Tages in Washington die Nachrichten zu moderieren. Zwar reiste Paul gern, aber ein Umzug in einen anderen Staat kam für ihn nicht infrage.

Ob eine Fernbeziehung dann überhaupt möglich wäre?

Autor

Donna Hill
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