Die schöne Heilerin - Kapitel 4

4. Kapitel

Bereits von Weitem konnte sie erkennen, dass die Burg genauso groß und hässlich war, wie Terence sie beschrieben hatte. In Wirklichkeit sogar noch schlimmer, denn die Mauern ragten rundum mindestens hundert Fuß in den Himmel, und Madeleine vermochte nirgends Fensteröffnungen zu entdecken. Jemmie neben ihr sah ebenso bestürzt aus wie sie. Sie hatten nun wirklich keinen Palast erwartet – aber das hier? Der Baustil spottete jeder Beschreibung, so etwas hatte sie noch nie zuvor gesehen. Es war kein Baustil, sondern nur ein Stein gewordener Vorsatz, auch in fünfhundert Jahren noch da zu sein.

     Ashblane.

     Die Dankesgabe für die Treue des Ullyot-Clans zu Robert the Bruce im schottischen Unabhängigkeitskrieg gegen die verhassten Engländer. Keine zivilisierte Burg aus Lehm und Holz, sondern aus reinem schottischem Felsgestein. Und unbezwingbar.

     Dudelsackklänge wehten über das Tal, und laute Rufe brandeten auf, als sich die Tore öffneten und die Burgbewohner herausströmten, um Ausschau nach geliebten Angehörigen und Freunden zu halten. Nur auf Alexander Ullyot war noch niemand zugekommen, und Madeleine wunderte sich darüber. Im Gegenteil, eher schienen alle vor ihm zurückzuweichen und ihm Platz zu machen, als er über die Zugbrücke in den eigentlichen Außenhof einritt.

     Wenige Augenblicke später passierten auch sie und Jemmie die Zugbrücke; die vielen Gesichter ringsum nahm sie kaum wahr. Hätte sie etwas genauer hingesehen, wären ihr nicht die Verachtung und der Hass in den Blicken entgangen. Sie war Noel Falstones Schwester, und der war nun einmal der Erzfeind.

     Inzwischen konnte sie die ersten Klagelaute derer hören, die den Karren mit den Toten erreicht hatten. Sie beruhigte ihr Pferd, das auf das Getümmel nervös reagierte, und fragte sich, wo sie hinreiten sollte.

     „Ihr müsst absteigen. Folgt mir.“

     Quinlans Stimme übertönte den allgemeinen Lärm. Madeleine nickte und ließ sich vorsichtig aus dem Sattel gleiten. Ihr ganzer Körper schmerzte nach den vielen Stunden des Reitens. Dann drehte sie sich zu Jemmie um, legte die Hände um ihre knochigen Ellenbogen und half ihr beim Absitzen.

     Die Große Halle war sehr schlicht. Keine Wandteppiche, die dem Raum etwas von seiner Düsterkeit hätten nehmen können, keine Stühle mit bestickten Polstern, keine Vasen mit Blumen. Keine Banner, die die Wände anderer Bergfriede schmückten, auch sonst keinerlei Zierrat, einzig eine Hirschtrophäe, die an einem Mauervorsprung über der Feuerstelle angebracht war. Teile des Geweihs lagen seltsamerweise auf einem Regal darunter.

     Alexander Ullyot stand am Feuer, wärmte sich die Hände und sprach mit einem Mann, den Madeleine bisher noch nicht gesehen hatte. Alexander hatte die Schlinge abgelegt, aber er winkelte den Arm immer noch unbeholfen ab. Als einer der Hunde neben ihm versehentlich gegen den Arm stieß, fluchte Alexander herzhaft.

     Stirnrunzelnd fragte Madeleine sich, ob der übrige Bergfried wohl auch so schmucklos war, und ihr Herzschlag beschleunigte sich sofort bei diesem Gedanken. Ob man sie schon in dieser Nacht in sein Bett zerren würde? Würde er jetzt seinen Anspruch auf sie besiegeln wollen? Er machte den Eindruck eines Mannes, der niemals auf jemanden wartete, am allerwenigsten auf eine Frau. Reine männliche Kraft ging von allen seinen Handlungen aus. Und was war mit seiner Gemahlin und seinem Sohn? Wo waren sie?

     „Man wird Euch etwas zu essen und Wasser bringen.“ Ullyot hatte das Gespräch mit seinem Gefolgsmann beendet und sich ihr zugewandt.

     „Ist es hier nicht Brauch, in der Großen Halle zu essen?“, erkundigte Madeleine sich atemlos in der Hoffnung, Zeit zu gewinnen.

     „Nicht heute Abend“, erwiderte er ruhig. „Heute Nacht werden wir unsere Toten begraben.“

     Der Schmerz in seiner Stimme war fast greifbar, und Madeleine wandte den Blick ab. „Ian“, entfuhr es ihr, ohne dass sie sich dabei etwas dachte; ihr war nur wieder der Name eingefallen, den er auf dem Schlachtfeld bei Heathwater ausgerufen hatte.

     „Was habt Ihr gesagt?“

     Sie zuckte zusammen, als er sich vor ihr aufbaute. „Euer Freund. Ich habe gesehen, wie er gefallen ist.“

     „Großer Gott.“ Heller Zorn flackerte in seinem Blick. „Ich habe schon davon gehört, dass Ihr gern bei Gemetzeln zuseht. Wie bei einem Turnier?“ Obwohl er nur geflüstert hatte, trieften seine Worte von Abscheu und Verachtung. Er kehrte Madeleine den Rücken zu.

     „Ihr hört Euch die Geschichten, die man über die de Cargnes verbreitet, aufmerksam an, Laird Ullyot, und das ist auch gut so.“ Ihre Stimme klang jetzt ebenso hart wie seine, und das weckte seine Aufmerksamkeit.

     Er drehte sich wieder zu ihr um.

     Madeleine zwang sich zu einem Lächeln. Für den Augenblick musste er alles glauben, was über ihre Familie erzählt wurde. Die Wunde über ihrer Brust war das Zeichen, dass sie sein Eigentum war, und hier wie auch in Heathwater musste sie einen gewissen Schutzwall um sich ziehen. Männer begehrten Frauen, die sie verstehen konnten, sanfte Frauen, schwache Frauen. Ihr hingegen kamen Aberglaube und Magie zu Hilfe. Selbst ein Mann wie Alexander Ullyot war abergläubisch.

     Sie glaubte fest, er würde sie ohrfeigen, und wich tatsächlich zwei Schritte zurück. Jemmie, die neben ihr stand, war puterrot angelaufen und warf ihr warnende Blicke zu, während sie insgeheim betete, ihre große Schwester möge nicht so töricht sein, sich zu verteidigen, falls Alexander Ullyot sie schlagen sollte.

     „Buhlt Ihr mit dem Tod, Lady Randwick?“, fragte Ullyot ausdruckslos, und Madeleine sah verwirrt auf.

     „Verzeihung?“

     „Das hier.“ Ehe sie sich versah, hatte er den kleinen Dolch aus der Tasche ihres Gewands gezogen und auf den Boden geschleudert. „Für eine Hexe seid Ihr erstaunlich leicht zu durchschauen. Aber lasst Euch gewarnt sein. Solltet Ihr in Gegenwart meiner Männer eine Waffe auf mich richten, könnte es sein, dass Euer Herz von einem Schwert durchbohrt wird, noch ehe Ihr dazu kommt, eine Erklärung abzugeben.“

     Mit einer überraschend lüstern wirkenden Geste strich er ihr über die Brust. „Und das, finde ich, wäre wirklich eine Vergeudung, Hexe oder keine Hexe.“

     Madeleine zuckte zurück, noch immer brannte der Abdruck seiner Finger auf ihrer Haut. Auf einmal fühlte sie sich wieder eingeschüchtert, allein durch seine Größe. Mit einem einzigen Schlag seiner Hand konnte er sie töten, wenn er sich im Zorn auf sie vergaß. Es gab so viele Geschichten über sein aufbrausendes Wesen. Trotzdem konnte sie nicht widerstehen, eine Bemerkung zu machen, nachdem sie ihren Tartan wieder zurechtgezogen hatte. „Ich denke, Eure Gemahlin würde es sicher nicht gern sehen, wenn Ihr mich auf diese Art berührt, Laird Ullyot.“

     Sein Blick wurde noch kälter. „Meint Ihr etwa, als Herr dieser Burg hätte ich nicht das Recht der Wahl?“

     Die Frage war so unverhohlen provozierend, dass Madeleine das Blut in die Wangen schoss. „Keine Wahl, die mit Zwang einhergeht, ist besonders ehrenhaft, Sir, wie Euch jede ehrbare Gemahlin bestätigen wird.“ Sie richtete sich zu ihrer vollen, gar nicht unbeträchtlichen Größe auf und wünschte sich, sie wäre noch größer gewesen. „Ihr braucht nur Eure eigene zu befragen.“

     Zum ersten Mal trat ein beinahe warmer Ausdruck in seine Augen. „Es freut mich festzustellen, dass Gedankenlesen offenbar nicht zu Euren Fähigkeiten gehört, Lady Randwick“, stellte er geheimnisvoll fest. Dann wechselte er mit Quinlan rasch ein paar Worte auf Gälisch, ehe er sich nach ihrem Dolch bückte, ihn aufhob und davonging. Madeleine beobachtete eine Gruppe von Frauen in der Nähe der Küche, die ihm nachsahen, aber er schien sie nicht einmal zu bemerken. Auf jedem einzelnen Frauengesicht spiegelte sich unverschleiertes Interesse wider.

     Madeleine drehte sich um, um sich zu vergewissern, dass Jemmie immer noch sicher hinter ihr stand, und fragte sich, was wohl als Nächstes passieren mochte. Wo würden sie schlafen, und würde man ihr das versprochene Essen bringen? Ihr Magen knurrte, als wollte er sich über die spärliche Nahrungszufuhr der vergangenen beiden Tage beschweren. Plötzlich schoss ein etwa fünfjähriger Junge aus einem der Gänge, irgendjemand hinter ihm versuchte, ihn mit einem ziemlich schweren Besen zu erwischen.

     „Fort mit dir, du Nichtsnutz!“ Eine Dienstmagd war es, die ihn verfolgte. Unvermittelt fand Madeleine sich zwischen der Angreiferin und dem Kind wieder, und schon beim ersten Blick auf den Jungen erkannte sie, dass er Alexander Ullyots Sohn sein musste. Er hatte die gleichen Augen und das gleiche Haar. Und die gleiche Ausstrahlung, abseits von allem und jedem zu stehen. Bei einem Kind war diese Ausstrahlung herzzerreißend.

     „Hast du den Verstand verloren?“, herrschte sie die Frau an und versuchte, ihr den Besen wegzunehmen. „Was hat der Junge denn getan?“

     „Er hat von dem Brot für die Totenwache heute Nacht gestohlen“, klagte die Frau, und Madeleine sah, dass sie trotz der Falten auf der Stirn noch sehr jung war. Nach einer Erklärung suchend drehte sie sich zu dem Kind um, das sich hinter ihr versteckt hatte, doch sie erhielt keine. Der Kleine warf ihr nur verstohlene Blicke zu und verspeiste das letzte Brotstückchen.

     Für gewöhnlich stritten Kinder ihre Missetaten ab. Der Gedanke machte sie stutzig. Andere Kinder, die zur Rechenschaft gezogen wurden, hatten immer eine Fülle von Gründen, warum sie das, was man ihnen vorwarf, unmöglich getan haben konnten. Dieses Kind tat nichts dergleichen. Er rannte nicht einmal weg, um sich in Sicherheit zu bringen, oder schüttelte die verräterischen Krümel von seiner Tunika.

     „Warum hast du das Brot gestohlen?“ Madeleine sprach betont freundlich und bückte sich, damit das Kind ihr ins Gesicht sehen konnte. Ihr fiel auf, dass er ihre Lippen beobachtete, ihr aber nicht in die Augen blickte.

     „Weil er gedankenlos, schwer von Begriff und obendrein stocktaub ist!“

     Der Junge merkte, dass die Dienstmagd auf ihn zugehen wollte, und nahm Reißaus. In Windeseile war er die Treppe hinaufgerannt und verschwunden.

     Madeleine drehte sich um und stellte fest, dass Quinlan sich von der Szene ferngehalten hatte. Offensichtlich kannte er das Kind, machte aber keine Bemerkung dazu, sondern ging ebenfalls auf die Treppe zu und forderte sie und Jemmie auf, ihm zu folgen.

     „Ich führe Euch in Euer Schlafgemach“, erklärte er, ohne sie dabei anzusehen. War das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen? Unwillkürlich tastete sie nach dem goldenen Kreuz an ihrer Halskette und rieb zweimal darüber. Als sie merkte, was sie da tat, hielt sie sofort inne. Erst letzte Woche hatte Noel sie für solche Dummheiten getadelt und wieder und wieder bestraft, um ihr diese Angewohnheit aus Kindertagen auszutreiben. Auf Heathwater war alles genauestens geregelt, so wie hier wahrscheinlich auch. Keine falschen Bewegungen, keine unbesonnenen Handlungen, um anderen nicht die mächtige Waffe des Wissens in die Hand zu geben. Maß halten und unnahbar bleiben – das war die Maxime der Falstone-Männer. Ihre Frauen mussten dafür büßen, wenn sie diese Regeln einmal vergaßen.

     Übe Zurückhaltung und habe die Kraft, den Anstand zu bewahren, ganz gleich, was auch geschieht.

     Die Worte ihrer Mutter fielen ihr wieder ein, und sie hob das Kinn. Fast wie ein Gebet wiederholte sie diese Worte in Gedanken, während sie Quinlan die Treppe hinauf und bis zu einem Gemach im hinteren Teil der Burg folgte, von dem aus man über einen See blicken konnte. Also gab es hier doch wenigstens ein paar Fenster. Madeleine holte dankbar tief Luft.

     „Hier werdet Ihr bleiben, Lady Randwick. Der Junge, Jemmie, ist nebenan untergebracht, bis wir eine Aufgabe für ihn finden. Sobald es fertig ist, wird Euch das Abendessen auf einem Tablett gebracht.“

     „Vielen Dank.“ Sie spürte selbst, wie zittrig ihre Stimme klang, doch sie unterdrückte die Frage, was in dieser Nacht noch geschehen würde. Wieder überraschte Quinlan sie mit seiner geradezu unheimlichen Fähigkeit, ihre Gedanken lesen zu können.

     „Durch das Trauerritual wird der Laird die nächsten Tage beschäftigt sein. Niemand wird Euch heute Nacht belästigen.“

     Flüchtig trafen sich ihre Blicke. Neben einer gewissen Ratlosigkeit entdeckte sie auch einen sehr menschlichen Ausdruck in seinen blauen Augen. Ein ehrenwerter Mann also, dieser Quinlan Ullyot, noch dazu einer, der unsicher war, welche Auswirkungen ihre Gefangennahme wohl haben mochte. Konnte sie ihn vielleicht überreden, sie gehen zu lassen? Ihr und Jemmie bei der Flucht zu helfen? Durfte sie es überhaupt wagen, diese Frage zu stellen?

     „Ich bin eine Dame, Sir“, fing sie an und bedauerte erstmals in ihrem Leben, nicht mit der Gabe mancher junger Frauen ausgestattet zu sein, auf Kommando in Tränen ausbrechen zu können. „Euer Laird hat als Gentleman nicht das Recht, mich gegen meinen Willen hier festzuhalten. Wenn Ihr mir helfen könntet …“ Weiter kam sie nicht.

     „Damen tragen nicht das Zeichen ihres Liebhabers auf der Brust, und sie sehen auch nicht von Nahem beim Abschlachten guter Männer auf dem Schlachtfeld zu. Wenn Ihr weise seid, dann lernt lieber, dass man dem Willen des Lairds bedingungslos gehorcht, ehe Ihr mir noch einmal die Frage stellt, die Ihr mir eben stellen wolltet. Verrat wird mit dem Verlust des Lebens bestraft, und kein Leben hier ist weniger wert als Eures. Nur ein falscher Schritt und Ihr, Madeleine Randwick, werdet gemeinsam mit unseren Gefallenen noch heute Nacht der kalten Erde von Ashblane übergeben.“

     Ohne ihre Antwort abzuwarten, gab er Jemmie ein Zeichen, ihm zu folgen, und verließ das Gemach. Madeleine hörte, wie der Schlüssel von außen im Schloss herumgedreht wurde, und das erinnerte sie wieder einmal daran, dass sie eine Gefangene auf dieser Burg war.

     Das fahle Licht der Oktobersonne, das sich durch die Wolken kämpfte, fiel auf die Wand hinter ihr, und Madeleine trat ans Fenster. Durch die Scheibe aus poliertem Horn wirkte die Welt seltsam verwaschen und unwirklich. In der Ferne konnte sie Berge erkennen, wahrscheinlich die Cheviots. Genau unter sich sah sie einen vorbeieilenden Geistlichen, dem der Wind das schwarze Gewand gegen die Beine presste und an den Quasten seines Gürtels zerrte. Wenn sie genau hinhörte, konnte sie die ersten Dudelsackklänge wahrnehmen, die klagend über das Tal wehten.

     In dieser Nacht fühlte sie sich einsam, verängstigt und verwirrt. Sie versenkte die Hände in den Taschen ihres Gewandes und ertastete die letzten Krümel der vor langer Zeit getrockneten Heilkräuter. Kamille. Melisse. Majoran. Diese Kräuter gaben ihr Kraft. Machten sie zu dem, was sie war. Nur wenige Menschen hatten eine ähnliche Wirkung auf sie gehabt. Jemmie. Goult. Ihre Mutter und ihre Großmutter. Madeleine schloss die Augen und stellte sich vor, wie Eleanor und Josephine zu ihr sprachen auf dieselbe Weise, wie die Frauen der de Cargnes seit Jahrhunderten ihre Vorfahren angerufen hatten. Hier liegt die wirkliche Magie, dachte sie leise lächelnd und legte sich die Hand auf das Herz, während sie den sich entfernenden Schritten der Krieger lauschte.

     Als es still um sie geworden war, durchquerte sie das Gemach und beugte sich zu der Wand, die sie von Jemmies Kammer trennte. Den Atem anhaltend klopfte sie zweimal, und sie atmete erst wieder aus, als sie es von der anderen Seite her ebenfalls zweimal klopfen hörte. Zweimal für Sicherheit. Drei für Gefahr. Diese noch aus Heathwater stammenden Signale saßen so tief in ihr verwurzelt, dass sie plötzlich und wider alle Vernunft zornig wurde. Wann würde ihr Leben jemals wirklich sicher sein? Wann konnte sie endlich wieder nachts schlafen, ohne panikerfüllt aus Albträumen hochzufahren? Wann konnte Jemmie endlich ihre Jungenkleider ablegen und ihren ganz normalen Platz in einer Welt einnehmen, in der keine Gefahr für sie drohte? Ashblane war in jeder Hinsicht genauso ein Gefängnis wie es Heathwater immer gewesen war, mit einem mächtigen Burgherrn und völliger Abgeschiedenheit. Und hier, in diesem nebligen, verregneten Grenzland gefangen, löste sich alles, was sie je zu erreichen versucht hatte, in Nichts auf.

     Die Schwarze Witwe. Sie hauchte die Worte in die sie umgebende Stille und erschauerte bei ihrem hässlichen Klang. Mit vierundzwanzig Jahren war sie bereits genauso berüchtigt wie ihre Mutter es gewesen war – und genauso gefangen.

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