Es geschah in einer Sommernacht - 11. Kapitel

11. Kapitel

Marina bahnte sich ihren Weg zum Ausgang der schicken Bar. Sie beachtete den Tumult nicht, der am Fenster ausgebrochen war. Dort, wo Charles Wakefield jetzt alleine saß. Und die Kellnerin die Pfütze neben ihm aufwischte.

     Schade, dass er Champagner bestellt hatte. Rotwein hätte einen fieseren Fleck auf seinem silbergrauen Anzug hinterlassen.

     Als sie ins Freie trat, löste sich ein Schatten aus der Dunkelheit und trat diskret neben sie. Es war Jackson Bourne, einer von Ronans Sicherheitsleuten. Er hatte die Anweisung, auf sie zu warten und sie dann nach Hause zu fahren. Als Ronan das beschlossen hatte, fand sie es zunächst erniedrigend, aber jetzt war sie froh darüber.

     Bournes große Gestalt erinnerte sie an Ronan. Sie sehnte sich nach ihm. Sie wollte, dass er sie in seine Arme nahm und darüber hinwegtröstete, wie ungerecht alles war. Ronan würde ihr sagen, dass alles gut würde. Dass sie Wakefield gemeinsam besiegen würden. Und dass es das Wichtigste war, dass sie einander hatten und sich liebten.

     Na klar.

     Plötzlich war der Ärger, den sie wegen Wakefield empfunden hatte, verflogen. Sie fühlte sich nur noch leer und einsam. Ihre Beine zitterten und sie blieb stehen, um das Gleichgewicht wiederzugewinnen.

     „Ms. Lucchesi? Alles in Ordnung?“ Bourne hörte sich ernsthaft besorgt an.

     „Mir geht es gut, danke. Wo steht das Auto?“ Das letzte, was sie jetzt brauchte, war noch jemand, dem sie leid tat.

     „Hier drüben.“ Er zeigte auf einen schwarz glänzenden Mercedes.

     Marina kletterte hinein und bemerkte, dass Bourne kurz mit dem Handy telefonierte, bevor er ebenfalls einstieg. Wahrscheinlich informierte er seinen Boss, dass er sie jetzt brav nach Hause brachte.

     Ronan und Wakefield hatten sie heute beide auf ihre Art wie ein Spielzeug behandelt. Wie etwas, das man sich nehmen konnte und das einem dann einfach gehörte. Aber sie war kein Gegenstand. Sie war ein menschliches Wesen, ein verwirrtes menschliches Wesen mit Ängsten und unerfüllten Träumen.

     Marina schauderte. Sie war erschöpft. Ihr Körper schmerzte an Stellen, von denen sie nicht einmal gewusst hatte, dass es sie gab. Wie war sie bloß auf den Gedanken gekommen, ausgerechnet heute Abend mit Wakefield fertig zu werden?

     Selbstmitleid war etwas Verlockendes. Aber wenn sie erst einmal damit anfing, würde sie nicht mehr aufhören können. Sie starrte aus dem Wagenfenster und kämpfte mit den Tränen. Es waren Tränen der Enttäuschung und der Erschöpfung.

     Das Auto hielt in der Einfahrt vor Ronans Haus. Marina machte sich daran auszusteigen, noch bevor Bourne den Motor abgestellt hatte.

     „Danke fürs Fahren“, sagte sie über die Schulter hinweg. Ihre Beine waren jetzt stabiler, aber bleischwer vor Müdigkeit.

     Während sie noch in ihrer Handtasche nach dem Hausschlüssel suchte, öffnete sich bereits die Tür. Im hellen Schein des Flurlichtes stand Ronan, größer und imposanter, als sie ihn je empfunden hatte.

     „Marina.“

     „Hallo, Ronan.“ Sie konnte ihm nicht in die Augen sehen. Er trat zur Seite, um sie einzulassen.

     Marina steuerte direkt auf die Treppe zu. Ihre Absätze klapperten auf den Fliesen. Hinter sich hörte sie leise Männerstimmen, die miteinander sprachen. Sie fragte sich, ob Bourne die Szene mit Wakefield beobachtet hatte.

     Aber was machte das schon? Selbst wenn halb Sydney zugesehen hätte, wäre es egal.

     Sie erreichte den oberen Treppenabsatz, als Ronan sie einholte.

     „Marina.“

     „Ich bin müde, Ronan. Ich möchte ins Bett.“

     „Wir müssen reden.“ Er folgte ihr durch den Flur.

     „Nicht mehr heute Abend.“ Sie war zu aufgewühlt, um zu schlafen, aber sie wollte allein sein. Sie hatte nicht mehr die Kraft, weiter den Schein einer selbstbewussten, starken Frau zu wahren. Sie wollte nur in ihr Zimmer gehen, um sich in der Dunkelheit die Augen auszuweinen.

     „Hast du schon gegessen?“

     „Ich habe keinen Hunger.“ Sie war nur noch ein paar Schritte von ihrem Schlafzimmer entfernt. Endlich allein!

     „Gut“, bemerkte er und packte sie am Handgelenk. „Dann hast du sicher nichts dagegen, dich mit mir zu unterhalten.“ Er zog sie weiter zu seinem eigenen Schlafzimmer. Mit der freien Hand stieß er die Tür auf.

     „Nein!“ Verzweifelt wehrte sie sich gegen seinen Griff.

     „Doch! Und keine Angst, ich beiße nicht.“

     Aber Marina hatte genug von selbstgerechten Männern, die ihr vorschreiben wollten, was sie zu tun hatte. Sie fauchte und versuchte mit aller Kraft, sich loszureißen. „Lass mich los, du Mistkerl!“

     „Verdammt noch mal, Marina, ich muss mit dir reden!“

     Mittlerweile war ihr alles egal. Sie konnte nicht mehr. Wie wild schlug sie um sich.

     Und dann war es vorbei. Mit einem gewaltigen Schwung wirbelte Ronan sie zu sich herum und hielt sie fest. Mit dem Rücken stand sie zur Wand, während er seinen starken Körper an sie presste. Die Hände legte er rechts und links neben ihrem Kopf an die Wand.

     Marina konnte sich keinen Zentimeter mehr bewegen. Sie saß in der Falle. Aber obwohl sie so wütend war und sich entsetzlich hilflos fühlte, erwachte plötzlich die Flamme der Leidenschaft in ihr. Ihr Puls begann zu rasen. Die Spannung zwischen ihnen schien fast greifbar.

     Und dann gab sie auf. Sie ergab sich. Es lag nicht nur daran, dass Ronan so viel stärker war als sie. Es lag auch an ihren Gefühlen, ihrem Herzen, das sich nicht von ihm trennen mochte. Sie konnte nicht mehr dagegen ankämpfen.

     Wie hatte sie es nur geschafft, heute Abend einfach wegzugehen? Ihn allein zu lassen? Er liebte sie nicht. Brauchte sie nicht. Aber sie brauchte und liebte genug für sie beide. Ihr Stolz war endgültig dahin.

     „Marina.“ Seine Stimme war nur noch ein raues Flüstern an ihrer erhitzten Wange. Sie sah auf und redete sich ein, dass er ihren Namen voller Sehnsucht gemurmelt hatte. Sie schluckte. Sie musste irgendetwas sagen, um die bedrohliche Intimität zu zerstören.

     Und dann, ganz plötzlich, trat er zurück. Ihre schwachen Beine ließen sie fast im Stich. Ihr Herz schrie auf, weil er sich so plötzlich von ihr entfernte.

     Einen Moment lang sah er sie nur an. Sie spürte seinen Blick, auch wenn sie ihm nicht in die Augen sehen konnte.

     Dann nahm er ihre Hand und führte sie durch den Raum. Sie sagte nichts, als er sie neben sich auf das Bett zog. Ihr Kopf fühlte sich leer an. Das Gefühlschaos hatte sie überwältigt. Sie war wie betäubt.

     Ronan streichelte ihre Hand und sie sah zu, wie er ihre Hand mit seiner bedeckte. Sein Daumen strich gleichmäßig über ihr Handgelenk. Stromstöße liefen durch ihren Körper.

     „Marina.“ Seine Stimme verriet nichts. Er klang ganz ruhig. „Was ist mit Wakefield passiert?“

     Sie war enttäuscht. Er wollte wirklich nur reden.

     Natürlich hatte sie nicht ernsthaft gedacht, dass er wieder mit ihr schlafen wollte. Einmal war genug für ihn. Wo war ihr Verstand? Ihre Selbstachtung?

     Fasziniert betrachtete sie seine Hände. Sie waren groß, kräftig und schön geformt. Daneben sahen ihre eigenen klein und zerbrechlich aus.

     „Marina“, wiederholte er sanft. „Was ist passiert?“

     Sie holte tief Luft und schluckte den bitteren Geschmack hinunter, der in ihr aufstieg. Sie sah Wakefield wieder vor sich, geschniegelt und elegant in seinem Designeranzug. Braungebrannt vom Solarium. Sein deutliches Angebot.

     Ronan legte eine Hand unter ihr Kinn und hob ihren Kopf, damit sie ihm in die Augen sah. Sein Gesicht verriet nichts, außer der Anspannung, die allzu deutlich darin zu lesen war.

     „Also? Willst du es mir nicht erzählen?“

     Und da merkte sie endlich, was los war. Er war ungeduldig. Und vor allem: besorgt. Ihretwegen. Sie beobachtete, wie er den Unterkiefer anspannte. Wie seine Halsschlagader pochte. Es war sonnenklar, dass Ronan sich bitter an Wakefield rächen würde, wenn sie ihm erzählte, was der ihr vorgeschlagen hatte. Ein einziges Wort von ihr würde genügen.

     Marina stellte sich vor, wie sie Ronan den Vorwand lieferte, den er wollte. Dass Wakefield zwar Interesse an ihr hatte, es aber nicht für nötig hielt, seinen legendären Charme spielen zu lassen. Oh nein. Er hatte ganz offen gesagt, was sie tun musste, damit er sich die Sache mit ihrer Firma vielleicht noch einmal überlegte: Sie sollte Ronan verlassen und stattdessen ihn zufrieden machen.

     Sie hatte immer geahnt, was für ein schmieriger Typ Wakefield war. Heute Abend hatte es sich bestätigt. Nichts anderes konnte sie von einem Mann erwarten, der ihren Bruder so skrupellos über den Tisch gezogen hatte.

     Sie fühlte sich schmutzig, als sie an Wakefields lüsternen Blick und sein schmieriges Grinsen dachte. Und sie wusste, dass Ronan unberechenbar und brutal auf ihr Geständnis reagieren würde. Vielleicht würde man ihn eines Tages wegen Körperverletzung verklagen. Und das war Wakefield einfach nicht wert.

     „Wenn er dir wehgetan hat, mache ich ihn fertig.“ Ronan zog scharf die Luft ein. „Jetzt gleich.“ Marina zweifelte nicht daran, dass er es ernst meinte.

     „Nein!“ Sie fasste ihn am Handgelenk und spürte, dass sein Puls wie verrückt schlug. „Es gibt keinen Grund auszurasten.“ Sie starrte ihm direkt in die elektrisierenden Augen. Er sollte ihr glauben. „Er hatte Interesse an mir, aber er hat nichts von mir verlangt“, log sie. „Ich bin einfach nicht gern mit ihm allein.“ Das war die Wahrheit. „Er ist abscheulich.“

     Ronans Blick brannte auf ihrer Haut, doch Marina schaffte es standzuhalten. Endlich hob er eine Hand und strich mit dem Daumen sanft über ihre Wange. Es war eine zärtliche, liebevolle Geste.

     „Er hat nicht versucht, dich anzufassen?“

     „Nein.“ Im Gegenteil. Er hatte darauf gewartet, dass sie damit anfing.

     „Du musst nie wieder mit ihm allein sein.“

     Sie schluckte, als sie merkte, wie sanft und zärtlich er mit ihr sprach. Die Vorstellung, dass Ronan sich um ihre Probleme kümmerte, war so verlockend. Sie hatte noch nie jemandem erlaubt, ihre Schwierigkeiten zu lösen. Es hatte sich auch noch nie jemand angeboten. Bis jetzt. Und bei Gott, sie hatte nicht die Kraft, es ihm auszureden. Er mochte sie vielleicht nicht lieben, aber er wollte sie vor Wakefield beschützen.

     „Ich hätte dich nie alleine zu ihm gehen lassen sollen.“ Ronans Stimme klang zornig. „In Zukunft werde ich das regeln. Egal, was er verspricht, du hältst dich von ihm fern.“

     Sie nickte, froh, dass sie nicht mehr lügen musste. „In Ordnung.“

     „Du vertraust mir, dass ich mich um alles kümmern werde?“, murmelte er. Noch immer streichelte er ihre Wange. Wohlige Schauder durchfuhren sie. Es war lächerlich, dass sie geglaubt hatte, ihre Gefühle bezwingen zu können.

     Es machte ihr nichts aus, alles Ronan zu überlassen. Wenn irgendjemand Marina Enterprises zurückbekommen konnte, dann er. Er hatte die Kraft und die Erfahrung. Und seine beschützende Art zeigte ihr, dass es ihm wirklich um sie ging. Vielleicht nur aus Mitleid. Aber er tat, was er konnte, um ihr und Seb zu helfen.

     „Ich … Ja. Ja, ich vertraue dir.“ Es tat gut, es zuzugeben.

     Sie sah das Feuer in seinen Augen. Ihr Atem stockte unter seinem durchdringenden Blick. Dann legte er die Hand auf ihre Wange und fuhr mit dem Daumen über ihren Mund. Einmal, zweimal, bis sich ihre Lippen unter dem sanften Druck öffneten. Sie unterdrückte den Wunsch, sich an ihn zu schmiegen, sich an seine Brust zu pressen und sich ihm noch einmal anzubieten.

     Sie musste gehen. Bevor es zu spät war. Verzweifelt schloss sie die Augen und versuchte, die Kraft zu finden, um aufzustehen. Aber dadurch wurde das Verlangen nur noch stärker, das seine Berührung in ihr auslöste. Ihr Körper war vollkommen schwach und ihre Vorsätze lösten sich in Luft auf.

     Als sie die Augen wieder aufmachte, war sein Gesicht nah bei ihrem. Begierde durchströmte sie.

     „Ich sollte jetzt gehen“, flüsterte sie. Nicht einmal sich selbst überzeugte sie damit. Wo war ihre Willenskraft? Hatte sie nicht beschlossen, dass er zu gefährlich war für ihren Seelenfrieden?

     Mit der freien Hand streichelte Ronan ihren nackten Arm. Eine Gänsehaut überkam sie, als er ihre Schulter streifte und ihren Nacken berührte. Als er mit den Fingern durch ihr Haar fuhr, sog sie die Luft ein.

     „Ronan. Ich glaube wirklich …“ Sie sprach nicht weiter, weil er sich in diesem Moment vorbeugte und mit seinen Lippen leicht die ihren berührte. Es war ein federleichter, kaum spürbarer Kuss. Aber in ihr explodierte ein wahres Feuerwerk. Ihr Körper, der gerade erst die Geheimnisse der Liebe entdeckt hatte, reagierte hungrig. Marina erinnerte sich an den Moment der Ekstase. Einen Moment, den dieser Mann so leicht und mühelos herbeigezaubert hatte.

     Ronan lehnte den Kopf nur so weit zurück, dass er ihr in die Augen sehen konnte. Dabei hörte er auf, sie zu streicheln. Er hielt sie noch, aber eine einzige Bewegung, und alles wäre vorbei. Sie konnte sofort gehen, wenn sie wollte. Die Entscheidung lag bei ihr.

     Marina sah die Frage in seinen Augen. Seine Muskeln waren gespannt und kontrolliert. Sie sollte gehen. Jetzt. Solange sie noch klar denken konnte. Es würde ihr das Herz brechen, wenn er noch einmal mit ihr schlief. Die körperliche Nähe machte alles nur noch schlimmer.

     Ein einziges Mal mit Ronan hatte gereicht, um sich als bleibende Erinnerung in ihr Herz zu brennen. Seine Sinnlichkeit, seine Berührungen, sein Körper auf ihrem, sein heißer Atem an ihrem Ohr, seine unbändige Kraft in ihr.

     Ihre Brust hob und senkte sich heftig. Mittlerweile kannte sie das Verlangen, das in ihr aufstieg. Sie wusste, dass sie die Kontrolle verlor. Doch schlimmer noch als die Tatsache, dass Ronan sie so erregte, war das Wissen, dass er ihr Herz besaß. Wie konnte sie jetzt gehen, wo er alles war, was sie je gewollt hatte?

     Vorsichtig streckte sie eine Hand aus und berührte ihn. Zitternd streifte sie sein Hemd. Unter ihren Fingern spürte sie sein Herz schlagen. Genauso so schnell wie ihr eigenes. Es pochte, vibrierte in seiner starken Brust. So sehr wollte er sie.

     Mit einem Mal hatte Marina keine Hoffnung mehr, dass ihr Verstand siegte. Erst recht nicht, als Ronan plötzlich aussprach, was er dachte.

     „Ich will mit dir schlafen, Marina. Diesmal richtig. Ich will dir zeigen, wie schön es zwischen uns sein kann.“ Seine Stimme klang tief und heiser. Verführerisch. „Du verdienst mehr als das, was ich dir heute gegeben habe. Viel mehr.“

     Das Blut schoss ihr ins Gesicht. Sie begann zu zittern. Es war zu spät. Sie hörte nicht mehr, was er sagte. Sie verstand nur, dass es das pure Verlangen war, das sie in seinen Augen sah.

     Er blickte sie noch immer an, als er ihre Hand an seine Lippen führte und sie sanft und erotisch auf die Handfläche küsste. Marina spürte seine Zunge an dieser empfindlichen Stelle. Die Gefühle in ihr explodierten. Das Verlangen wurde übermächtig, und sie konnte nichts dagegen tun.

     In seinen Augen las sie, dass er auf eine Antwort wartete. Es reichte nicht, dass sie vor Lust erschauerte. Zögernd fuhr sie mit ihrer Hand über seinen bloßen Hals. Sofort spannte er alle Muskeln an, aber er saß ganz still, als sie mit den Fingern durch sein Haar fuhr. Es war seidenweich und unglaublich sexy bei so einem harten Mann wie ihm.

     Sie sah, wie er schluckte.

     Dann beugte er sich zu ihr, bis sein Gesicht nur noch wenige Zentimeter von ihrem entfernt war. Sie spürte seinen heißen Atem an ihrem Gesicht. Er küsste sie langsam mitten auf den Mund. Es fühlte sich köstlich an, als er sie in seine starken Arme schloss. Er umfing sie voller Leidenschaft und trotzdem zärtlich. Marina wurde zu Wachs in Ronans Händen.

     Er war stark, mächtig und liebevoll zugleich. Ein wahr gewordener Traum.

     Langsam und bedächtig legte er sie auf das Bett und zog sie aus. Marina lag wie erstarrt und wartete atemlos auf das, was kommen würde. Sein feuriger Blick hielt sie noch immer gefangen. Sie war wie erschüttert von der Macht ihrer Gefühle.

     Und dann konnte sie nicht mehr still liegen. Er hatte sie jetzt ganz ausgezogen, und seine Finger streichelten, neckten und erforschten ihren Körper. Ronan war so unglaublich zärtlich, dass Marina vor Verlangen und Wonne seufzte.

     Schließlich näherte er sich wieder ihrem Mund und küsste sie noch einmal. Begehren. Leidenschaft. Die Gefühle überwältigten sie. Sie dachte, sie würde explodieren müssen, als er ihre Lippen mit den seinen berührte und mit der Zunge in ihren Mund eindrang. Das Verlangen wurde fast unerträglich.

     Aber es wurde noch stärker.

     Als er ihre Brustspitze zwischen die Lippen nahm und erst sanft, dann kräftiger daran leckte, entfuhr ihr ein leiser Seufzer. Alles in ihr war zum Zerreißen gespannt, und die Spannung wurde immer heftiger. Sie dachte, etwas in ihr würde zerspringen, wenn er sie nicht bald liebte. Sie brauchte ihn. Immer wieder versuchte sie seinen Körper auf ihren zu ziehen.

     Aber Ronan wollte sich Zeit lassen. Unbeirrt fuhr er fort mit seinen Liebkosungen, küsste sie und streichelte sie am ganzen Körper. Die Hüften, Waden und Fußknöchel entlang und wieder hinauf zu ihren Oberschenkeln, bis er die Stelle zwischen ihren Beinen erreichte, wo das Blut am heißesten pochte. Hitze durchströmte ihre Adern und erregte sie bis zum Äußersten. Er stöhnte heiser an ihr Ohr, und sie wimmerte vor Lust. Sie verlor den Verstand, so sehr wollte sie ihn.

     Marina zitterte vor gespannter Begierde und wand sich unter Ronans Händen. Sie wollte mehr. Aber er ließ es nicht zu, entzog sich ihr immer wieder, egal, wie sehr sie sich auch bemühte. Schließlich hielt er ihre Handgelenke fest.

     Und dann glitt er langsam nach unten. Verteilte zarte Küsse auf ihrer Taille und ihrem Bauch. Marina erschauerte und befreite sich mit aller Kraft aus seinem Griff. Ungeduldig zerrte sie an seinem Hemd und riss in ihrer Hast sogar ein paar Knöpfe ab.

     Ronan fasste erneut nach ihren Händen und drückte sie an seine Brust, um ihre hastigen Bewegungen zu stoppen. Dann blickte er sie an. Sie atmete scharf ein. Seine Augen glühten so heiß, dass sie dachte, sie würde auf der Stelle verbrennen. Sein Gesicht wirkte starr, fast schmerzverzerrt. So sehr musste er sich beherrschen.

     „Ronan.“ Sie schluckte. Ihre Kehle war zugeschnürt. „Bitte lass mich!“

     Er schüttelte den Kopf und senkte den Mund zu ihren Brüsten.

     „Ronan, bitte!“

     Wieder hob er den Kopf. Sein dunkler Blick lag prüfend auf ihrem Gesicht.

     „Ich will dich“, fügte sie in leiser Verzweiflung hinzu.

     Etwas in seinem Blick veränderte sich. Er ließ sie los, stand vom Bett auf und riss sich in blinder Eile die Kleider vom Leib. Atemlos betrachtete Marina seinen Körper. Er war so schön. Und er gehörte ihr.

     Dann drehte er sich kurz weg, um sich den Schutz überzustreifen. Doch sofort war er wieder bei ihr und zog sie in seine Arme. Aber jetzt bewegte er sich vorsichtig. Nicht mehr so hastig. Auch wenn er merklich zitterte.

     Vorsichtig legte er sich auf sie. Um Marina schien die Welt herum still zu stehen – es gab nur noch Ronan und seinen starken, wunderschönen Körper. Sie liebte es, diesen Körper auf ihrem zu spüren. Seine muskulösen Beine an ihren empfindlichen Schenkeln. Das erotische Gefühl seines Oberkörpers, der sich eng an ihren presste.

     Sie wollte ihn ganz. Jeden Zentimeter dieses fantastischen Körpers. Sofort.

     Fast schrie sie vor Erleichterung auf, als er ihre Beine spreizte und sich zwischen sie legte. Er suchte, tastete sich vor, um dann ganz langsam und vorsichtig in sie einzudringen. Marinas Augen weiteten sich gespannt. Ronan füllte sie so völlig aus, glitt immer tiefer, bis sie glaubte, dass er ganz in ihr war.

     „Zieh die Knie an“, flüsterte er.

     Vorsichtig gehorchte sie. Dann spürte sie einen Moment lang Erleichterung, bis ihr ein Stöhnen entfuhr, als er bis zu ihrem tiefsten Punkt vordrang.

     War es vorhin schon so unglaublich schön gewesen? Sie waren miteinander vereinigt, verschmolzen zu einem Ganzen.

     Sie hob ihre Hüften an, ganz von dem Gefühl beseelt, ihm so nah wie möglich zu sein.

     „Nein!“ Er klang heiser. „Beweg dich nicht!“

     Jetzt stützte er sich auf den Unterarmen ab. Jede Faser seines muskulösen Körpers war angespannt. Sein Mund bildete eine schmale Linie unter der eisernen Selbstbeherrschung, zu der er sich zwang. Kleine Schweißperlen glänzten auf seiner Stirn, seine Augen funkelten.

     Aber Marina wollte nicht, dass er sich beherrschte. Er roch herb und sinnlich. Erregend. Sie hob den Kopf und leckte an seinem Hals. Er schmeckte nach Salz und nach Ronan.

     Er stöhnte auf.

     Dann schlang sie ihre Arme um ihn und zog ihn an sich. Sie wollte ihn nie mehr loslassen.

     „Ja“, wisperte sie. Wieder hob sie ihre Hüften, fordernd, und genoss das Gefühl, wie seine Erregung immer größer wurde.

     Einen Moment lang hielt er es noch aus, dann atmete Ronan stoßweise die Hitze aus, die er einbehalten hatte. Plötzlich schien er wie verwandelt. Er übernahm die Kontrolle, liebte sie in einem natürlichen Rhythmus, in den sie automatisch einstimmte. Immer schneller, stärker und intensiver.

     Marina klammerte sich an ihn. Die pure erotische Energie, in der sie beide gefangen waren, machte ihr genauso sehr Angst, wie sie sie erregte. Aber dann wurde die Spannung in ihrem Körper übermächtig – und entlud sich als eine gewaltige, Funken sprühende Explosion. Marina erbebte. Beinahe war es mehr als sie ertragen konnte. Die Welt um sie herum begann sich zu drehen, und sie glaubte, vor Lust sterben zu müssen.

     Plötzlich wurde ihr klar, dass die Welle der Befriedigung sie beide erfasst hatte: wild und heftig und vollkommen. Durch ihre berauschten Sinne hindurch spürte sie Ronans pochendes Herz an ihrer Brust. Leise hörte sie ihn stöhnen, während sie allmählich wieder auf die Erde zurückschwebte. Sein Name klang noch auf ihren Lippen und in ihren Ohren.

Sie saß in der Falle. Ihr Leben stand still.

     Marina starrte über die Terrasse auf die türkisblaue Wasseroberfläche des Swimmingpools. Aber alles, was sie vor ihrem inneren Auge sah, war Ronan.

     Jetzt hatte sie endgütig ihr Herz verloren. Er war der stärkste, faszinierendste Mann, den sie je getroffen hatte. Bei ihm fühlte sie sich als richtige Frau, und das war ein Gefühl, das sie liebte.

     Sie sagte sich, dass er sie nicht brauchte, nicht wirklich. Aber das änderte nichts an ihren Empfindungen. Sie verzehrte sich nach ihm. Als Liebhaber, als Partner, als Mann an ihrer Seite.

     Im Moment reichte es Marina schon, dass er sie begehrte. Mit ihrer Unsicherheit, ihren üppigen Kurven und ihren Narben – Dinge, von denen sie geglaubt hatte, dass sie jeden Mann abschrecken müssten. Und doch wollte Ronan sie so sehr, dass es sie mit Stolz erfüllte. Sie fühlte sich sexy und glücklich wie nie zuvor.

     Sogar jetzt, wo er auf Geschäftsreise war, fühlte sie sich von ihm begehrt. Jeden Tag rief er an. Seine Stimme weckte intime Erinnerungen in ihr, die ihr Herz schneller schlagen ließen. Wann immer sie den Klang seiner Stimme am Telefon hörte, war das für Marina der schönste Moment des Tages.

     Gleichzeitig quälte sie das schlechte Gewissen, ihn anzulügen. Eigentlich war sie nur noch in seinem Haus, weil sie ihm etwas vorspielte. Seit sie Wakefields beleidigendes Angebot ausgeschlagen hatte, war sie für Ronans Plan wertlos. Jemand wie Charles Wakefield hatte es nicht nötig, einer verklemmten Furie nachzustellen. Aber was sollte sie tun? Sie konnte Ronan nichts von dem Vorfall erzählen. Wenn sie es tat, war das Theater vorbei, und er würde sie auf der Stelle verlassen.

     Marina machte sich nichts vor. Ronan mochte sie, begehrte offenbar ihren Körper und hatte sich in eine Affäre mit ihr gestürzt. Aber er hatte ihr nie etwas versprochen. Sie war nur ein Abenteuer für ihn, und früher oder später würde sein Verlangen erlöschen.

     Trotz der Mittagssonne fröstelte Marina plötzlich. Sie hatte Angst vor der Entscheidung, die sie treffen musste. Der Arzt hatte ihr heute Morgen gesagt, dass sie vollkommen genesen sei. Sie würde bald wieder arbeiten können. Und eigentlich sollte sie sich darüber freuen.

     Denn das war es, worum es ging: ihre Zukunft. Sie hatte schon während des Studiums hart gearbeitet und sich immer voll für die Firma eingesetzt. Sie wusste, dass sie gut war in dem, was sie tat. Und sie hatte noch immer einen Job, auch wenn die Firma nicht mehr ihr gehörte. Noch hatte Wakefield sie jedenfalls nicht gefeuert.

     Und außerdem brauchte sie eine Wohnung.

     Marina schluckte bei dem Gedanken. So war es nun mal. Ronan hatte keinen Platz in ihrer Zukunft, und er würde ihn sicher auch nicht wollen. Der Gedanke, ihn zu verlassen, tat weh. Aber er würde sowieso irgendwann von ihr erwarten, dass sie ging. Also war es besser, mit erhobenem Kopf und zu einem von ihr selbst bestimmten Zeitpunkt zu gehen. Auf gar keinen Fall sollte er merken, wie sehr sie das schmerzte.

     Nie wieder wollte sie sein Mitleid.

     Widerwillig nahm Marina die Zeitung von dem kleinen Beistelltisch. Sie hatte schon ein paar Wohnungsanzeigen angestrichen. Eigentlich sollte sie anrufen, aber sie brachte es nicht über sich. Noch nicht.

     Ruckartig schob sie ihren Stuhl zurück, stand auf und ging zum Pool. Dann sprang sie ins Wasser, dessen Kühle ihr gut tat. Wenn sie sich zusammenriss, würde der Schmerz irgendwann aufhören.

     Als sie ihre Runden beendet hatte und atemlos aus dem Wasser auftauchte, traute sie ihren Augen nicht. Vor ihr stand Ronan. Zwei Tage früher als angenommen!

     Voller Zärtlichkeit huschte ihr Blick über seinen Körper. Er trug nur eine Badehose, das Handtuch hatte er über die Schulter geworfen. Augenblicklich stieg Erregung in Marina auf. Sie beobachtete fasziniert, wie seine Armmuskeln sich bewegten, als er sein Handtuch neben ihres warf. Die Sonne tauchte seinen Körper in goldenes Licht. Er war einfach vollkommen in seiner Männlichkeit.

     Jetzt drehte er sich zu ihr. Als sie auf ihn zu schwamm, sah sie, dass er die Stirn runzelte. Ob etwas nicht stimmte?

     Plötzlich sprang er kopfüber ins Wasser, und im nächsten Moment spürte Marina seine starken Hände an ihrer Taille. Einen Moment später fand sie sich in seinen Armen wieder und konnte ein Lächeln nicht unterdrücken.

     „Hallo, Ronan.“

     „Marina.“ Seine Stimme klang tief und samtig dunkel, genauso, wie sie es in Erinnerung hatte. Und dann küsste er sie und presste sie fest an sich. Ein Beweis seiner Kraft, genauso unnötig wie herrlich.

     Marinas Herz machte einen Satz. Wie sehr sie ihn liebte! Wie sollte sie es nur jemals über sich bringen, ihn zu verlassen?

     Als er den Kuss beendet hatte, hielt er sie immer noch fest. Sie klammerte sich an ihn und genoss das Gefühl, seinen Körper an ihrem zu spüren.

     „Was ist los?“, fragte sie. Ronan presste die Lippen zusammen.

     „Du suchst dir eine Wohnung?“ Jetzt klang seine Stimme barsch, fast ein wenig anklagend.

     Das war das Letzte, was sie erwartet hatte. Sie wusste nicht, was sie antworten sollte. Er tat ja beinahe so, als hätte er sie bei etwas Verbotenem erwischt. „Ich wollte mich nur mal umsehen.“

     Ronan hielt sie noch fester, aber er schwieg. Marina spürte seine gespannten Muskeln und seinen kräftigen Herzschlag an ihrer Brust.

     War er etwa böse? Hieß das, dass er ihre Affäre noch nicht beenden wollte? Dass er sie immer noch wollte? Für einen kurzen Augenblick spürte sie Erleichterung in sich. Aber das Gefühl kühlte sofort wieder ab. Sie wusste, dass sie irgendwann mit den Nerven am Ende sein würde, wenn sie abwartete, bis er von sich aus Schluss machte.

     „Ich muss an meine Zukunft denken“, erklärte sie. Insgeheim hoffte sie, dass er sagte, dass er ihre Zukunft war. Aber das tat er nicht.

     „Ich war heute beim Arzt, weißt du.“

     Ein heftiges Gefühl flackerte in seinen Augen auf. Das klare Blau wurde dunkler. Aber es war vorbei, bevor Marina erkennen konnte, was das zu bedeuten hatte.

     „Und was hat er gesagt?“ Ronan sagte es kurz angebunden. So als ob er sich zwingen musste, sich danach zu erkundigen.

     Marina fragte sich, ob sie mittlerweile den Verstand verlor, weil sie sogar in diese simple Frage etwas hineinlas. Sein Gesicht verriet nichts.

     „Er meint, dass ich fantastische Fortschritte mache.“ Sie zwang sich zu einem Lächeln. „Er glaubt, dass ich schon bald wieder arbeiten kann. Erst mal nur ein paar Stunden am Tag. Ist das nicht wunderbar?“

     „Wunderbar.“ Seine Stimme war völlig ausdruckslos, genauso wie sein Blick. Marina war verwirrt. Was hatte sie erwartet? Nun, jedenfalls nicht diese kühle Maske.

     „Möchtest du denn wieder arbeiten?“

     Sie nickte langsam.

     „Und eine eigene Wohnung?“

     „Ich … Ja, ja, ich glaube schon“, log sie. Ihre albernen romantischen Träume zerfielen zu Staub. Es war leichter, als sie gedacht hatte. Leichter, als sie wollte. Sie bemühte sich, genauso unbekümmert zu gucken, wie ihre Worte geklungen hatten. Niemals sollte Ronan erraten, wie schwer ihr das alles fiel.

     „Du musst noch etwas Geduld haben.“ Plötzlich bekam sein Gesicht eine gewisse Strenge.

     „Ich verstehe nicht. Warum?“

     Einen langen Augenblick sah er sie nur an, als ob er ihre Frage nicht begriff.

     „Wir sind noch nicht mit Wakefield fertig. Oder hast du das vergessen? Ich brauche dich hier, bis wir ihn erledigt haben.“ Ronan machte eine Pause. „Du solltest die Chance nicht verspielen, dass er für das bezahlt, was er getan hat.“

     „Es wäre wunderbar, wenn ich die Firma zurückbekommen könnte. Aber dafür ist es doch egal, ob ich hier bin oder nicht“, erwiderte sie.

     „Glaubst du das wirklich?“ In seinen Augen blitzte es auf. „Du hast keine Ahnung, wie sehr du dem Kerl bereits den Verstand geraubt hast. In letzter Zeit hat er seine Geschäfte vernachlässigt und einige wichtige Dinge übersehen.“

     Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, um die Wahrheit zu sagen – dass Wakefield kein Interesse mehr an ihr hatte. „Es spielt keine Rolle mehr …“

     „Und es gibt noch einen Grund, weshalb du hierbleiben musst.“ Er senkte den Kopf, bis sein Mund nur noch ein paar Zentimeter von ihrem entfernt war. Sie schluckte und versuchte, ihr Verlangen zu bezwingen, als seine Stimme leise und rau wurde. Die verbotene Sehnsucht war wieder da.

     „Ach ja?“

     „Ja.“ Er nickte und sah ihr tief in die Augen. „Das hier.“

     Wellen schlugen hoch, als er sie mit dem Rücken gegen die Poolwand presste. Marina konnte nicht mehr stehen und klammerte sich an seinen Schultern fest. Aber sie wäre sowieso nicht untergegangen, denn sein starker Körper hielt sie gefangen.

     Und dann dachte sie nicht mehr nach. Ronan küsste sie, und es war anders als alles, was sie bisher mit ihm erlebt hatte. Sogar anders als das erste Mal, als er sie voll verzweifelter Leidenschaft geliebt hatte.

     Es war stärker, dringender, so gierig waren sie beide nach der langen Trennung. Ronan erforschte ihren Mund hungrig und mit atemberaubender Leidenschaft. Und Marina wollte all das und mehr. Genoss sein Verlangen, das genauso groß war wie ihr eigenes. Er drängte sich an sie, als ob er nicht nah genug kommen könnte. Seine Hände fühlten sich heiß und schwer an auf ihrer nassen Haut.

     Es fühlte sich so gut an. So richtig. Sogar noch besser als in ihrer Erinnerung. Wie konnte etwas so Schönes so gefährlich sein?

     „Ich habe dich vermisst“, murmelte er. Es war genug, um sie in den siebten Himmel zu heben. „Und du hast mich vermisst“, stellte er fest, als er sie sanft mit der Zunge hinter dem Ohr liebkoste. „Das hast du doch, oder?“

     „Ja“, flüsterte sie und klammerte sich an ihn. „Ich habe dich vermisst, Ronan.“

     Er knabberte an ihrem Ohrläppchen, und sie erschauerte. Sie hatte einfach nicht die Kraft, ihn zu verlassen. Nicht, solange er sie so küsste, sie so sehr begehrte.

     Erst, als er an ihrem Badeanzug zerrte, wurde ihr klar, wo sie waren und was sie taten. Erst schob er den linken Träger über ihre Schulter, dann den rechten.

     „Ronan! Wir können das nicht tun! Nicht hier.“ Sie blickte über seine Schulter zum Haus.

     „Natürlich können wir das.“ Lächelnd legte er seine Hände auf ihre nackten Brüste. Feuer breitete sich in ihrem Körper aus, bis zu der Stelle zwischen ihren Beinen, wo er sich ungeduldig gegen sie presste. Sie keuchte und versuchte, den Schauer, der sie durchfuhr, zu kontrollieren. Es war die Sehnsucht nach ihm und seinem Körper. Ihr eigener Körper, der bereit war, sich von ihm lieben zu lassen.

     Und er sah ihr all das an. Seine Augen glitzerten selbstzufrieden.

     „Mrs. Sinclair …“, begann Marina.

     Er schüttelte den Kopf und rieb mit seinen Fingern über ihre Brustspitzen, bis sie seufzte. „Ich habe ihr heute Nachmittag freigegeben.“ Er wirkte triumphierend. „Wir sind allein. Niemand kann uns sehen. Die Tore sind geschlossen, hier kommt niemand rein.“

     Marina spürte ihn zwischen ihren Beinen und ergab sich. Sie wusste nicht, wie viel Zeit sie noch mit ihm hatte. Jedenfalls war sie nicht so dumm, seine Leidenschaft abzulehnen, solange sie noch hier war. Ihr wurde schwindlig vor Liebe und Begehren.

     „Also gut“, sagte sie und schob ihn sanft ein Stück von sich. Wenn er sie so anfasste, konnte sie nicht mehr klar denken. Mit einer einzigen schnellen Bewegung streifte sie den Badenanzug ab, über ihre Taille, ihre Hüften und ihre Schenkel.

     Bevor sie etwas sagen konnte, drückte Ronan sie wieder an sich. Überrascht schnappte sie nach Luft. Mit der einen Hand hob er ihr linkes Bein an, mit der anderen entledigte er sich seiner Badehose.

     Marina schloss die Augen, so gut fühlte es sich an, ihn endlich wieder an sich zu spüren. Sie hatte es sich so sehr gewünscht. Nun nahm er auch ihr rechtes Bein und hob ihren Schenkel an seine Hüfte. Sie presste sich an ihn, bis ihre Brustspitzen sich an seiner Brust rieben, und erschauerte. Das Gefühl war unendlich erotisch.

     „Ja“, stöhnte er, „noch höher.“ Dann stieß er in sie hinein, mit einer einzigen, heftigen Bewegung.

     Ihre Augen weiteten sich, als er zu zittern begann.

     „Ja“, sagte er noch einmal. Von der Zärtlichkeit, die sie in seinen Augen las, wurde ihr innerlich warm.

     „Halt dich fest.“ Sein Gesicht war ganz konzentriert, als ihn die Leidenschaft übermannte. Sie hielt sich an seinen Schultern fest, als er sich immer schneller und heftiger bewegte. Die Welt vor ihren Augen verschmolz zu bunten Farben und Formen.

     Marina sah ihm immer noch in die Augen, bis sie es nicht mehr aushielt und auf dem höchsten Punkt ihrer Lust seinen Namen rief, außer sich vor Liebe und Erfüllung.

     Als ob er darauf gewartet hätte, bewegte er sich noch ein einziges Mal in ihr, zog sie fest an sich und vergrub dann sein Gesicht an ihrem Hals. Ein Erdbeben erschütterte seinen Körper.

     Marina schlang ihre Arme fest um ihn. Es war lächerlich, aber sie hatte das Gefühl, ihn beschützen zu müssen. Diesen großen starken Mann, der ihr Lebensglück in seinen Händen hielt.

     Sie schloss die Augen und fragte sich, wie sie um alles in der Welt nur gegen diese Liebe ankämpfen sollte.

Ronan zog seine Krawatte fest und blickte auf die schlafende Marina herab. Sie lag mitten auf seinem großen Bett. Genauso wie sie kurz vorher noch an seiner Brust gelegen hatte, bevor er sich gezwungen hatte aufzustehen. Sie hatte sich nicht bewegt, als er aus dem Bett stieg.

     Auch er war erschöpft. Und wie. Nachdem er Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt hatte, um zwei Wochen Arbeit in einer zu erledigen, und nach dem langen Flug von Perth nach Sydney hatte er Marina die ganze Nacht lang geliebt.

     Und am liebsten hätte er sich jetzt den Anzug vom Leib gerissen und da weitergemacht, wo sie aufgehört hatten, als die Morgendämmerung hereingebrochen war.

     Aber es ging nicht. Nicht heute. Er hatte noch eine dringende Sache im Büro zu erledigen, bevor er seinen lang verdienten Urlaub nahm.

     Es war alles vorbereitet.

     Ronan runzelte die Stirn, als er daran dachte, was ihn gestern hier erwartet hatte. Die Nachricht, dass Marina sich eine Wohnung suchte, hatte ihn eiskalt erwischt. Es war Ironie des Schicksals, dass sie gerade jetzt gehen wollte, wo sein Plan seinem Ziel zulief und die feindliche Übernahme mehrer Wakefield-Firmen beschlossene Sache war.

     Als sie erwähnte, dass sie beim Arzt gewesen war, hatte es ihn umgehauen. Sofort hatte er sich vorgestellt, wie sie ihm mit ihrem bezaubernden Lächeln sagte, dass sie schwanger sei. Dass sie ein Kind erwartete. Auch jetzt noch stieg sein Puls, wenn er daran dachte.

     Marina, die sein Kind in sich trug.

     Er hatte sich nie Kinder gewünscht. Das hatte er immer seinen Freunden überlassen, die heirateten und Familien gründeten, einer nach dem anderen. Er hatte sie nie beneidet.

     Aber jetzt … Es erschreckte ihn, wie sehr ihn der Gedanke aufwühlte.

     Ronan ballte die Hände zu Fäusten, als er erneut das verlangende Gefühl in sich aufsteigen spürte. Seit er Marina kannte, wurde er nur noch von seinen Instinkten beherrscht. Sie waren stärker als sein Verstand, als seine mühsam ausgefeilten Pläne.

     Die Situation geriet außer Kontrolle.

     Aber jetzt wusste er genau, was dagegen zu tun war.

„Ms. Lucchesi? Da ist ein Anruf für Sie.“

     Marina blickte vom Frühstückstisch auf.

     Mrs. Sinclair streckte ihr das Telefon entgegen. „Es ist Mr. Wakefield.“ Die ältere Dame sagte es in einem Tonfall, der verriet, dass sie ebenso schlecht über diesen Mann dachte wie Marina.

     Wakefield. Sie erschauderte. Beinahe war es, als wolle diese Schlange ins Paradies eindringen. Aber das war natürlich dumm. Wakefield konnte ihr nichts mehr anhaben. Ronan hatte es ihr versprochen, und was er versprach, das hielt er auch.

     „Danke.“ Marina nahm das Telefon entgegen und nickte Mrs. Sinclair zu.

     „Marina Lucchesi“, meldete sie sich vorsichtig. Den Frühstücksteller schob sie beiseite.

     „Das wird aber auch Zeit“, ertönte Wakefields Stimme. „Ich habe etwas für Sie. Wir müssen uns treffen.“

     Ihnen auch einen Guten Morgen. Er war der unhöflichste Mann, den sie je getroffen hatte. Aber wenn er glaubte, dass sie nach seiner Pfeife tanzte, dann irrte er sich. Sie würde ihn nicht wieder treffen. Einmal reichte.

     „Es tut mir leid, Mr. Wakefield, aber wir haben nichts mehr zu besprechen.“

     „Irrtum, Kleines.“ Sein süßliches Gewäsch verbarg kaum das Unangenehme in seiner Stimme. „Es geht um ihre Firma. Ich habe den Verkaufsvertrag für Marina Enterprises bei mir.“

     Marina erstarrte. Das konnte doch nicht sein. Wollte er ihr etwa wirklich die Firma zurückgeben?

     Sie wusste, dass Ronan vorankam. Aber er hätte es ihr doch gesagt, wenn sie so kurz vor dem Ziel standen!

     „Haben Sie mich verstanden?“, bellte Wakefield. Er klang nicht wie jemand, der besonders zufrieden war.

     „Ja.“

     „Gut. Dann sagen Sie an der Pforte Bescheid, dass ich in ein paar Minuten da bin. Ich bin ganz in der Nähe.“

     Sie sollte ihn ins Haus lassen? Der Gedanke ekelte sie an. Und Ronan würde außer sich sein, wenn er es erfuhr.

     Aber was sollte sie machen? Wenn Wakefield ihr wirklich die Firma wiedergeben wollte, dann konnte sie ihn nicht abweisen. Wer wusste schon, was er sich sonst wieder einfallen ließ.

     „Oder haben Sie kein Interesse mehr?“, fragte die verhasste Stimme.

     Marina straffte die Schultern. „Ich gebe am Tor Bescheid, dass man Sie einlässt“, erklärte sie kühl und genoss es, aufzulegen, bevor er es tat.

     Sie wollte ihn nicht sehen. Bei dem Gedanken stellten sich ihr die Nackenhaare auf. Oh, wie sehr sie wünschte, dass Ronan da wäre! Aber er hatte einen wichtigen Geschäftstermin. Mrs. Sinclair hatte ihr gesagt, dass er den ganzen Vormittag nicht erreichbar sein würde.

     Sie musste selbst mit dem Feind fertig werden.

Der Typ sieht immer noch unverschämt selbstgerecht aus, dachte sie zehn Minuten später, als sie einander im Wohnzimmer gegenüber saßen. Wakefield war der Prototyp eines modernen Geschäftsmannes, in seinem italienischen Anzug, den polierten Lederschuhen und mit seinen strahlend weißen Zähnen. Aber irgendetwas war anders, seit sie ihn das letzte Mal gesehen hatte.

     Von Nahem sah sie, dass seine Stirnfalten tiefer geworden waren und sich unter seinen Augen dunkle Ringe bildeten. Auch seine solariumgebräunte Haut konnte den Stress nicht verbergen.

     Er war nicht mehr der selbstsichere Firmenboss, der er noch vor ein paar Wochen gewesen war.

     Jetzt ließ er seinen Blick von Kopf bis Fuß über sie gleiten, als ob er eine Ware begutachtete. Marina erstarrte. Aber sie wandte den Blick nicht ab und bemerkte zufrieden, wie Wakefield unruhig in seinem Stuhl hin und her rutschte.

     „Ihr Freund ist sehr erfolgreich gewesen. Ich gratuliere.“ Der Spott in seiner Stimme strafte seine Worte Lügen. „Offensichtlich hatte er einen starken Anreiz.“ Es schien, als wolle er sie mit seinen lüsternen Blicken ausziehen.

     „Was wollen Sie?“, fragte sie scharf. Die Röte schoss ihr in die Wangen.

     Wakefield grinste, als er sah, dass sie verlegen wurde. „Das sagte ich bereits. Ich habe die Papiere, die Sie wollen.“ Er beugte sich vor. „Sie wollen sie doch noch, oder?“

     Marina nickte.

     Langsam öffnete er seinen Aktenkoffer und holte eine Mappe mit Dokumenten heraus. „Das sind die Papiere, mit denen ich auf Marina Enterprises verzichte“, sagte er langsam. „Wie viel sind Sie Ihnen wert?“ Er hob den Kopf und starrte sie gierig an. „Genug, um mir zu geben, was ich will? Mir das zu geben, was Sie Carlisle seit Wochen geben?“

     Ihr wurde übel. Deswegen war er also selbst gekommen, anstatt einfach seine Anwälte zu schicken. Er gab wohl nie auf.

     „Sie kennen meine Antwort bereits.“ Abrupt stand sie auf. „Es geht hier um meine Firma, nicht um meinen Körper.“

     „Das dachte ich mir.“ Wakefield grinste wieder und lehnte sich in seinem Stuhl zurück. „Sie glauben es wirklich, oder?“

     „Was?“, fauchte sie.

     „So viel Unschuld“, meinte er spöttisch und schüttelte den Kopf. „Was für eine Verschwendung. Sie haben sich anscheinend in Carlisle verliebt. Dann werden Sie wohl nie erfahren, wie viel besser ich bin. Vor allem in der Horizontalen.“

     Beinahe hätte Marina sich übergeben. „Raus hier. Sofort!“

     Aber er grinste nur noch breiter. „Was für eine Verschwendung“, wiederholte er.

     Das reichte. Marina ging auf die Tür zu. Sie konnte Wakefield nicht rauswerfen, wenn er sich nicht bewegte, aber Ronans Sicherheitsmänner würden sich darum kümmern.

     „Wenn Sie jetzt gehen, werden Sie die Papiere nie bekommen“, drohte er. „Sie sind schon unterschrieben.“

     Unterschrieben? Sie blieb stehen. Dann war doch schon alles vorbei? Misstrauisch blickte sie Wakefield an. Er schob die Papiere ineinander und warf sie auf den Wohnzimmertisch.

     „Hier“, blaffte er. „Unterschrieben und fertig.“ Dann lehnte er sich wieder zurück und verschränkte die Arme.

     Marina runzelte die Stirn. Es musste ein Trick sein. Aber sie war bereits auf dem Weg zurück. Sie wollte wissen, was los war. Wakefield rührte sich nicht. Sie nahm die Papiere vom Tisch und setzte sich auf die Couch.

     „Hier geht es nicht um Marina Enterprises“, stellte sie verwirrt fest. „Das ist der Verkaufsvertrag für mein Haus.“ Sie sah zu ihm hinüber, aber Wakefield zuckte nur die Schultern.

     Sie nahm die zweite Seite des Vertrags zur Hand. Hier wurde die Firma genannt, die das Haus gekauft hatte. Australis Holdings. Sie kannte den Namen. Wahrscheinlich ein Familienunternehmen.

     Dann blätterte sie die übrigen Seiten durch und fand, was Wakefield ihr zeigen wollte. Einen Moment lang setzte ihr Herzschlag aus. Das Blut rauschte in ihren Ohren, so laut, dass sie Wakefield kaum verstand, der jetzt auf sie einredete.

     „Unser Freund Carlisle konnte es wohl kaum abwarten, Sie in seinem Bett zu haben, was? Er hat seine Leute auf Ihr Haus angesetzt. Damit Sie obdachlos und verletzbar sind.“

     Marina hörte ihm nicht zu. Hektisch las sie den Vertrag, noch mal und noch mal. Aber es stimmte. Ronan hatte tatsächlich ihr Haus gekauft. Sie erinnerte sich daran, wie er darauf gedrängt hatte, dass der Verkauf so schnell wie möglich über die Bühne ging.

     In ihren Schläfen pochte es. Er hatte so getan, als wisse er von nichts! Aber was hatte er davon?

     Sie nahm die übrigen Papiere in die Hand und kam schließlich beim letzten an. Ihre Augen weiteten sich.

     Was sie da schwarz auf weiß las, hieß nichts anderes, als dass Charles Wakefield Marina Enterprises tatsächlich verkauft hatte. Aber nicht an eine Ms. Lucchesi. Der neue Eigentümer war – Ronan Carlisle.

Nächster Artikel Es geschah in einer Sommernacht - 10. Kapitel