Es geschah in einer Sommernacht - 12. Kapitel

12. Kapitel

Der Schmerz, der Marina durchzuckte, war so heftig, dass sie keine Luft mehr bekam. Sie glaubte zu spüren, wie ihr das Herz blutete.

     Letzte Nacht, als sie in Ronans Armen gelegen hatte, gehörte ihm bereits die Firma ihrer Eltern. Er hatte ihr nichts davon gesagt. Der Schmerz tief in ihrem Innern wurde immer stärker.

     Plötzlich stieg eine dunkle Vorahnung in ihr auf. Was, wenn er seine Gründe hatte, ihr nichts zu sagen?

     „Es tut weh, wenn Träume zerstört werden, nicht wahr?“ Das falsche Mitleid in Wakefields Stimme machte ihr nichts mehr aus. Sie versuchte, die Wahrheit zu begreifen.

     „Ich weiß nicht, was Carlisle Ihnen erzählt hat“, fuhr er fort, „aber er hatte dabei nur seinen Vorteil im Auge. Er war schon länger auf ihre kleine Firma scharf. Meine Leute haben es mir gesagt, deshalb wollte ich schneller sein.“

     Sie sah zu ihm auf. Er beobachtete sie gespannt.

     „Ich hätte vorsichtiger sein sollen“, fügte er hinzu und zuckte die Achseln. „In letzter Zeit habe ich ein paar Geschäfte gemacht, die mir nicht gut bekommen sind. Weil Carlisle immer noch Interesse hatte, habe ich Marina Enterprises an ihn verkauft. Er wollte den Laden schon die ganze Zeit.“ Jetzt schüttelte er den Kopf und grinste sein Haifischgrinsen. Marina schauderte hilflos.

     „Sie dachten, ich wäre gierig, mein Schätzchen. Aber ich war immer ehrlich zu Ihnen. Carlisle wollte Sie und die Firma, und er hat sich beides auf seine Weise verschafft. Er Ihnen vorgemacht, dass er Ihnen hilft, aber in Wahrheit ging es ihm nur um eine kleine Bettgeschichte.“

     Wakefields Worte hallten in der Stille nach. Fieberhaft las Marina immer wieder die Papiere durch. Schließlich fielen sie ihr aus den zittrigen Händen.

     Das konnte doch nicht wahr sein! Sie wusste, dass Ronan sie nicht liebte. Aber sie hatte ihm vertraut. So, wie sie noch keinem Menschen zuvor vertraut hatte.

     „Und noch was.“ Wakefield stand auf. „Sobald Ronan merkt, dass Sie ihm auf die Schliche gekommen sind, ist Ihre Zeit hier abgelaufen. Er hat bestimmt keine Lust auf eine hysterische Frau in seinem Haus.“

     An der Tür drehte er sich noch einmal um. „An Ihrer Stelle würde ich gehen, bevor er Sie rauswirft. Sie sind ja ganz hübsch, aber eigentlich nicht sein Typ. Der Reiz des Neuen ist bestimmt schon verflogen. Wenn Sie auch nur einen Funken Stolz übrig haben, dann gehen Sie, bevor es zu spät ist.“

     Marina saß da wie vom Donner gerührt. In ihrem Kopf herrschte Chaos.

     Es konnte nicht sein. Es konnte einfach nicht sein.

     Nicht Ronan. Er hatte sie doch gern. Oder nicht?

     Tränen füllten ihre Augen. Hatte er ihr die ganze Zeit nur etwas vorgemacht? Sein Hass auf Wakefield war echt gewesen. Aber hatte er ihr wirklich helfen wollen? Oder war sie sein gutgläubiges Opfer gewesen? Schließlich hatte sie ihn nie gebeten, es ihr schriftlich zu geben, dass sie die Firma zurückbekam.

     Sie war so dumm gewesen. So naiv. Selbst nach allem, was Seb passiert war. Sie hätte sich denken müssen, dass die Familie Lucchesi nichts in der Welt der Reichen und Mächtigen verloren hatte.

     Ihre Brust schmerzte, als sie gegen die Tränen ankämpfte. Vergeblich. Heiß und bitter liefen sie ihr über das Gesicht.

     Ronan schuldete ihr nichts. Aber konnte es denn wirklich wahr sein? Sie wiederholte sich wieder und wieder diese Frage.

     Ein Bettabenteuer, hatte Wakefield gesagt. Sah Ronan sie so? Waren seine glühende Leidenschaft, sein wunderbares Begehren nur die Lust auf etwas Ablenkung gewesen?

     Wenn Wakefield ihr nicht die Papiere dagelassen hätte, sie hätte es noch immer nicht geglaubt.

     Ihr wurde schwindelig, als der Schmerz sie erneut durchzuckte. War das alles? Hatte Ronan ihr das neue Aussehen nur verpasst, um sich selbst einen Gefallen zu tun?

     Sie holte tief Luft und kauerte sich zusammen, die Arme fest um die Knie geschlungen. Als ob sie so die Qual in ihrem Innern betäuben könnte. Hatte Ronan die ganze Zeit heimlich über sie gelacht? War es einfach ein Spaß gewesen, sie vom hässlichen Entlein in einen schönen Schwan zu verwandeln?

     Er konnte unmöglich so grausam sein.

     Seine Komplimente, wie schön er sie fand, hatte sie ihm nie wirklich geglaubt. Sie wusste, dass er es nur sagte, um sie aufzumuntern. Aber tief in ihrem Innern hatte sie gehofft, dass sie sich zumindest ein bisschen verändert hatte. Ein klein wenig attraktiver geworden war.

     Sie schaukelte auf der Couch hin und her. Als sie aufsah, stand Ronan in der Tür. Seine Krawatte hing lose um seinen Hals. Die Haare standen in alle Richtungen ab, auf seinen Fingerknöcheln war Blut.

 

Geistesabwesend rieb Ronan seine Faust. Wer hätte gedacht, dass Charles Wakefield so einen harten Schädel hatte?

     Sein dummes Gesicht, als er ihn zu Boden schlug, hatte ihn zutiefst befriedigt. Auch wenn es nur eine kleine Genugtuung war für das, was er Cleo und Marina angetan hatte. Aber immerhin ein Anfang.

     Jedenfalls sah Wakefield jetzt nicht mehr so blasiert und selbstgefällig aus, seit sein Vermögen um die Hälfte geschrumpft war. Selbst wenn er all seine Kontakte nutzte, würde es Jahre dauern, bis er die Verluste wieder aufholte.

     Das war eine Befriedigung. Ronan lächelte in sich hinein, als er das Wohnzimmer betrat. Doch dann blieb er abrupt stehen.

     Marina saß auf dem Sofa, die Arme um sich geschlungen. Sie wirkte blass und verheult. In Sekundenschnelle war er bei ihr. Wenn Wakefield ihr auch nur ein Haar gekrümmt hatte …

     Ronan blieb vor der Couch stehen. Marina zuckte zusammen, und sein Herz verkrampfte sich. Sie hatte Angst – etwa vor ihm? Es war wie ein Schlag in die Magengrube.

     „Marina.“ Seine Stimme war heiser. „Schau mich bitte nicht so an.“

     Sie blinzelte und wischte sich die Tränen mit dem Handrücken aus dem Gesicht. Die kindliche Geste berührte ihn. Er hatte sie beschützen wollen! Und doch hatte er versagt.

     „Egal, was er gesagt hat – glaub ihm bitte nicht! Wakefield ist der geborene Lügner. Das weißt du.“ Zumindest sollte sie es mittlerweile wissen. „Er würde alles behaupten, nur um uns auseinanderzubringen.“

     „Wo ist er?“, flüsterte sie.

     „Weg.“ Vorsichtig kam er einen Schritt näher. „Mach dir keine Sorgen. Der Sicherheitsdienst bringt ihn raus. Er kann dir nichts mehr tun.“

     Ronan holte tief Luft. Warum, zum Teufel, hatte sie ihn überhaupt ins Haus gelassen? Sie hatte doch versprochen, ihn nicht mehr allein zu treffen. Er schäumte vor Wut bei dem Gedanken, dass dieses Scheusal Marina etwas angetan hatte.

     Dann sah er die Papiere, die auf dem Boden verteilt waren.

     „Was ist das, Marina? Was sind das für Dokumente?“ Er sprach leise und ruhig, wie zu einem verängstigten Reh. Er musste herausfinden, was Wakefield getan hatte, ohne sie noch mehr aufzuregen.

     Ihre dunklen Augen blickten ihn schmerzerfüllt an. „Kopien von Verträgen.“ Ihre Stimme war dünn und tonlos. „Über den Verkauf meines Hauses.“ Sie machte eine Pause und räusperte sich. „Die Überschreibung von Marina Enterprises an dich.“

     Verdammt! Kein Wunder, dass sie aussah, als habe sie einen Geist gesehen.

     Ronan konnte sie lebhaft vorstellen, was für dreckige Lügen Wakefield erzählt hatte. Das Schwein wollte sich für seine geschäftlichen Verluste rächen. Und weil Ronan ein zu mächtiger Gegner war, hatte er sich ein leichteres Opfer gesucht: Marina. Es hatte ihm bestimmt noch Spaß gemacht, sie zu demütigen. Was für ein Feigling.

     Ronan ballte die Hände zu Fäusten. Er hätte diesen Mistkerl gleich bewusstlos schlagen sollen.

     Aber jetzt ging es um Marina. So hatte er sie noch nie gesehen. Außer an jenem Abend, als sie auf Wakefields Party zusammengebrochen war. Sie war schwach und verletzt gewesen, aber dennoch voller Kampfgeist. Es hatte ihn zutiefst beeindruckt.

     Aber jetzt kämpfte sie nicht mehr. Sie hatte aufgegeben. Und das ertrug er nicht.

     Er nahm ihre Hände in seine. Sie wollte sie ihm entziehen, als er sich neben sie aufs Sofa setzte, aber er ließ es nicht zu. Er sah sie an und hielt sie fest.

     „Was hat er zu dir gesagt?“, fragte er wieder.

     „Dass du die Firma die ganze Zeit für dich allein haben wolltest. Dass du mich belogen hast und mich nur …“ Die Stimme versagte ihr.

     Ronan starrte sie an. „Ich will Marina Enterprises nicht“, sagte er bestimmt. „Damit eins klar ist: Ich habe nie versucht, mir deine Firma unter den Nagel zu reißen.“

     Etwas in ihren Augen flackerte auf. „Aber Wakefield hat sie dir überschrieben.“

     „Das war einer seiner Tricks.“ Marinas Hände fühlten sich so kalt an. Sie stand unter Schock. „Er lügt. Er muss das alles von Anfang an geplant haben. Meine Anwälte haben mich informiert, dass er mir die Firma überschreiben will und nicht dir oder deinem Bruder. Ich dachte, dass es besser ist, kein Risiko eingehen und erst mal zuzustimmen. Um den Rest wollte ich mich später kümmern. Heute Morgen habe ich alles in die Wege geleitet, damit die Firma an Euch zurückgeht.“

     Marina blinzelte, und er spürte, wie ihr Körper zitterte.

     „Es ist wahr“, bekräftigte er. Sie musste ihm einfach glauben. „Dein Bruder ist gerade dabei zu unterschreiben. Du kannst ihn anrufen.“

     Sie schüttelte den Kopf. „Du hast mir nichts erzählt“, flüsterte sie.

     „Nein.“ Sein Gewissen plagte ihn. Wenn er ein Risiko eingegangen wäre und ihr vertraut hätte, so, wie sie es verdiente, wäre das hier nicht passiert.

     Er sah, dass ihre Unterlippe geschwollen war, weil sie sich darauf gebissen hatte. Am liebsten hätte er sich vorgebeugt und den Schmerz fortgeküsst, sie in die Arme genommen und ganz fest gehalten.

     „Und du hast mein Haus gekauft.“ Es war keine Frage. Es war eine Anklage.

     Er blickte auf die Papiere auf dem Boden. Wie sollte er es ihr erklären? Seine Gründe waren nicht ganz selbstlos gewesen. Sie würde ihn für einen Lügner halten. Würde sie ihn genauso verabscheuen wie Wakefield? Warum sollte sie ihn für besser halten? Ronan wurde übel.

     Er holte tief Luft und zog Marina an sich. Er redete sich ein, dass sie seine Wärme brauchte, um sich von dem Schock zu erholen. Die Wahrheit war, dass er sich danach sehnte, sie in seinen Armen zu halten. Sie wurde steif in seiner Umarmung, aber immerhin war sie jetzt da, wo sie hingehörte.

     „Ja, ich habe das Haus gekauft. Du brauchtest Geld, und zwar schnell. Deshalb habe ich es getan.“

     Marina beugte sich zurück, um ihm ins Gesicht sehen zu können. Erleichtert stellte er fest, dass etwas Farbe in ihre Wangen zurückgekehrt war.

     „Warum?“

     „Weil ich dich wollte.“ Seine Stimme klang rau und leise. „Ganz einfach.“ Er hörte seinen eigenen Atem, schnell und aufgeregt. Fühlte sein Herz in seiner Brust schlagen.

     „Seit dem Abend, als ich dich von Wakefields Party nach Hause gebracht habe, wusste ich es. Nachdem ich dich ins Bett gebracht hatte und nach Hause kam, beschloss ich, dass du zu mir gehörst.“

     Marina starrte ihn an und öffnete den Mund. Er redete weiter. Jetzt hatte er nichts mehr zu verlieren. „Deshalb wollte ich, dass du meine Geliebte spielst. Ich wollte dich in meiner Nähe haben. Aber als du hier eingezogen bist, hat sich alles geändert. Ich merkte, dass ich mehr wollte als …“ Sein Herz hämmerte jetzt wie wild. „Ich wollte …“

     „Was?“

     „Dass du dich in mich verliebst“, gab er schließlich zu.

     Stille. Das Blut rauschte in seinen Ohren, während er auf eine Antwort wartete. Plötzlich hatte er Angst.

     „Ich verstehe das nicht. Warum denn? War es, weil ich eine Art … Abenteuer für dich war?“ Sie sah ihm nicht in die Augen. Er musste sich vorbeugen, um zu verstehen, was sie sagte. „War es ein Spaß? Weil ich so anders bin?“

     „Eine Abwechslung? Hat er dir das eingeredet?“

     „Vergiss Wakefield und beantworte meine Frage.“

     „Aber Liebling. Du hast das doch nicht geglaubt, oder? Weißt du denn nicht, wie schön du bist? Dass ich alles tun würde, um dich bei mir zu behalten?“

     Sie sah ihn mit großen Augen an. „Alles was ich weiß, ist, dass du mich angelogen hast.“

     Das saß. Aber er verdiente es nicht anders.

     „Du hast recht.“ Ronan holte tief Luft. „Ich habe dich angelogen.“

     „Aber wieso? Warum hast du mir so wehgetan?“

     Bitter lachte er auf. Er war noch schlimmer, als Wakefield es je sein konnte. Jetzt wusste sie wenigstens, woran sie war.

     „Ich wollte dir nicht wehtun, Marina. Glaub mir. Ich …“ Er schluckte und zwang sich, weiter zu sprechen. „Ich wollte, dass du dich in mich verliebst. Dass es dir genauso geht wie mir.“

     Das Schweigen stand beängstigend zwischen ihnen. Nur sein rascher Atem war zu hören.

     Sie sah ihn an, ihre Augen riesengroß. Würde sie ihm verzeihen können?

     „Das hast du geschafft“, murmelte sie schließlich kaum hörbar.

     „Wie bitte?“ Ihre Lippen hatten sich bewegt, aber er musste sich verhört haben. „Was hast du gesagt?“

     Ihr Blick ließ ihn nicht los, und mit einem Mal wusste er es. Die ganze Anspannung der letzten Wochen fiel von ihm ab. Ihm wurde schwindelig vor Erleichterung und vor Glück.

     „Du hast es gehört“, flüsterte sie. Ihre Lippen verzogen sich zu einem winzigen Lächeln. Dann blickte sie verlegen zu Boden, als ob sie sich plötzlich schämte.

     Fest zog Ronan sie an sich, presste sie an seinen Körper. Noch nie hatte sich irgendetwas so gut angefühlt. Nicht einmal die leidenschaftlichen, hitzigen Liebesnächte mit ihr. Nichts war so wundervoll wie das Gefühl, diese Frau im Arm zu halten. Seine wundervolle, wunderschöne zukünftige Ehefrau.

     „Ich liebe dich, Marina.“ Er hörte das Echo seiner eigenen Worte. „Es hat lange genug gedauert, bis ich es mir eingestehen konnte. Ich wollte mir vormachen, dass es nur Verlangen war. Und das Bedürfnis, dich zu beschützen. Aber es ist mehr als das. Viel mehr.“

     Langsam glitten seine Hände über ihren Körper. „Ich war feige. Ich wollte es dir nicht sagen, bevor ich nicht wusste, dass du dasselbe fühlst.“

     Er beugte sich vor und küsste sie auf die Stirn. Und dann auf die empfindliche Stelle hinter ihrem Ohr. Sie roch herrlich. Er ließ seine Zunge über ihre Ohrmuschel gleiten und spürte, wie sie wohlig erschauerte.

     Er würde nie genug von ihr bekommen. Niemals.

     „Du hast mich zu Tode erschreckt, als du gesagt hast, dass du ausziehen willst.“

     „Ich wollte nicht von dir abhängig sein“, murmelte sie. „Du hast mir nie gesagt, was du fühlst.“

     „Weil ich ein Idiot war.“ Er lächelte in ihr Haar hinein, das frisch und blumig duftete. Er kostete das Gefühl aus, ihren Körper an seinem zu spüren.

     „Sag es mir“, drängte er plötzlich. Er wollte ganz sicher sein.

     „Sag es mir“, wiederholte er, legte einen Finger unter ihr Kinn und hob ihren Kopf. „Sonst küsse ich dich nicht.“

     Sie lächelte ein Lächeln, das ihr ganzes Gesicht erstrahlen ließ.

     „Ich liebe dich, Ronan. Ich dachte, du hättest es längst gemerkt.“ Und dann presste sie ihre Lippen auf seinen Mund. Heiß und fordernd.

     Er ließ sich fallen. Es war ein Gefühl, als würde er endlich nach Hause kommen. Sie küsste ihn, als wolle sie ihn nie mehr loslassen. Ihre Lippen waren weich und verführerisch. Ihr herrlicher Körper schmiegte sich an seinen, und er glaubte vor Glück fast den Verstand zu verlieren.

     Seine Frau. Warm, wunderbar und wie für ihn gemacht. Sein Leben und seine Liebe.

     „Ich wusste gleich am ersten Abend, dass du zu mir gehörst“, flüsterte er Minuten später an ihre Lippen. Es war ihm egal, wie besitzergreifend und ungeheuer stolz das klang.

     „Und dabei sah ich so scheußlich aus.“

     „Nein. Du sahst wunderschön aus. Wunderschön und voller Leben. Wie du mit Wakefield gesprochen hast, so selbstbewusst und stolz, als würdest du es mit der ganzen Welt aufnehmen, wenn es sein muss.“

     „Wirklich?“ Selbst jetzt klang sie noch verwundert.

     „Marina Lucchesi, du bist die umwerfendste, wundervollste Frau der Welt.“

     Er sah, wie sich ihre Augen weiteten. Diesmal musste sie ihm einfach glauben. „Du bist klug, stark und wahnsinnig sexy.“

     „Und trotzdem musste ich dich regelrecht anflehen, mit mir zu schlafen.“ Sie senkte den Blick.

     „Ich wollte das Richtige tun. Anständig sein – obwohl ich dich so sehr wollte, dass es schon wehtat. Ich wusste, dass du noch trauerst. Du hast deinen Vater, dein Zuhause und deine Zukunft verloren. Du hattest Schmerzen und dein Selbstbewusstsein war auf dem Nullpunkt. Ich wollte dich zu nichts zwingen. Und außerdem warst du noch Jungfrau!“

     Sie schüttelte den Kopf. „Du hast mich zu gar nichts gezwungen, Ronan. Es war meine freie Entscheidung.“

     „Jetzt auch? Bleibst Du bei mir? Aus freien Stücken?“

     Sie nickte und lächelte sanft. „Ich bleibe bei dir.“

     „Du bist die einzige Frau für mich, Marina.“ Ihre dunklen Augen fesselten ihn magisch.

     „Also eine Langzeit-Geliebte?“ Fragend hob sie eine Augenbraue.

     „Nein, keine Langzeit-Geliebte.“ Er zog sie wieder an sich. „Cleo und meine Mutter kommen dieses Wochenende zu Besuch, um dich in der Familie willkommen zu heißen. Sie können es kaum erwarten, dich kennenzulernen.“

     „Aha, und Marina Enterprises dient dann wohl als Bestechungsmittel. Um mich dazu zu bringen, dich zu heiraten.“

     Sein Herz schlug wie wild, als sie ihn halb spöttisch, halb verführerisch anlächelte. Er schüttelte den Kopf. „Nein, das ist alles schon erledigt. Ich hatte mir zwar überlegt, dass es deine Entscheidung beeinflussen könnte, wenn ich dir die Papiere bei einem romantischen Essen überreiche. Aber eigentlich wollte ich mich auf meinen Charme verlassen.“

     Er senkte den Kopf, um sie wieder zu küssen, aber stattdessen spürte er ihre Finger auf seinen Lippen.

     „Du hast etwas vergessen“, wisperte sie. „Wenn ich dich heiraten soll, musst du mich zuerst fragen. Das gehört sich so.“ Ihre Augen glitzerten. „Denn vielleicht musst du mich erst noch überreden.“

     Mit einem Satz hob er sie auf seine Arme. Dahin, wo sie hingehörte. Langsam stieg er mit ihr die Treppen hinauf.

     „Dann fange ich am besten gleich damit an“, murmelte er und küsste sie.

– ENDE –

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