Geliebter auf Zeit? - 10. Kapitel

10. KAPITEL

Am nächsten Morgen hockte Gwen auf der Bettkante. Sie saß dort schon eine ganze Weile. Vor Stunden schon, so kam es ihr vor, war sie aufgestanden. Gleich anschließend hatte sie sich angezogen und fertig gemacht. Aber sie konnte sich einfach nicht dazu entschließen, das Schlafzimmer zu verlassen und auf Declan zu treffen, mit dem sie seit gestern verheiratet war. Declan musste ebenfalls schon wach sein. Vor etwa einer Stunde hatte sie sein Handy klingeln hören. Declans Stimme hatte sie gehört, aber nicht, worum es ging.

     Kurz darauf klopfte es an der Tür der Hotelsuite. Für Gwen war das das Signal, sich nicht länger im Schlafzimmer zu verkriechen. Sie stand auf und ging ins Wohnzimmer. Declan stand gerade in der Tür und sprach mit einem Besucher, den sein breiter Rücken verdeckte. Als er Gwen eintreten hörte, drehte Declan sich nach ihr um. Dann sprach er noch einige Sätze mit der Person vor der Tür, verabschiedete sich und kam zurück ins Zimmer.

     Daran, wie er an ihr vorbeisah, merkte Gwen dass etwas vorgefallen sein musste. „Wer war das?“, fragte sie.

     „Ein Kriminalbeamter. Er heißt Saunders.“

     Gwen erinnerte sich an den Namen, Er leitete die Ermittlungen in Sachen Steve. „Und was wollte er?“ Wie konnte er wissen, dass wir hier sind, wollte Gwen gerade fragen, als ihr einfiel, dass Detective Saunders der Anrufer vom Morgen gewesen sein musste.

     „Er wollte, dass ich mir ein Foto ansehe …“ Declan zögerte, bevor er weitersprach. „Ein Foto von Steve. Ich sollte ihn identifizieren.“

     Declan tat so geheimnisvoll, dass Gwen ein Schauer über den Rücken lief. „Und? War es Steve?“

     „Ich glaube, er war es.“

     „Was heißt, du glaubst? Er hat für dich gearbeitet. Es dürfte nur wenige Leute geben, die ihn besser kennen als du.“

     „Es war ein sehr schlechtes Foto – und obendrein ein Fax. Es war kaum etwas darauf zu erkennen. Wie auch immer, es deutet alles darauf hin, dass sie herausbekommen haben, wo unser Geld geblieben ist. Crenshaw hat ein Nummernkonto in der Schweiz eröffnet. Interpol ist noch dabei, die Details zu ermitteln.“

     „Heißt das denn, dass sie Steve auch erwischt haben? Haben sie ihn verhaftet?“

     „Nein.“ Declan zögerte nun, es auszusprechen. „Steve ist tot.“

     „Tot?“, fragte sie fassungslos. Sie musste sich setzen. „Und wie ist er ums Leben gekommen?“, fragte sie, als sie ihre Sprache wiedergefunden hatte.

     Declan atmete tief durch. Das Bild, das ihm der Kriminalbeamte gezeigt hatte, war eine Tatortaufnahme von einem Polizeifotografen gewesen. Es hatte nicht sehr appetitlich ausgesehen. „Offenbar war er in eine Schlägerei in einer Bar verwickelt.“

     Gwen brauchte eine Weile, um ihre Gedanken zu sortieren. Dann fragte sie: „Und das Geld? Bekommen wir es zurück?“

     „Vermutlich, ja.“

     „Dann hätten wir ja gar nicht zu heiraten brauchen“, platzte Gwen heraus.

     Obwohl die Schlussfolgerung nahe lag, traf sie Declan unerwartet hart. Aus, vorbei. Gwen hatte recht: Theoretisch konnten sie die Ehe auf der Stelle annullieren lassen. Er biss die Zähne zusammen. „Ganz so einfach ist es nicht. Bis wir das Geld aus der Schweiz zurückbekommen, können Monate vergehen. Und dann wären ich bei dem Sellers-Projekt und du bei deiner Bank aus dem Rennen.“

     Gwen fiel darauf keine Erwiderung ein. Sie machte eine vage Geste. „Also geht es so weiter wie geplant?“

     „So ist es.“

     Sie ließ den Kopf hängen und starrte auf den Teppich. Declan fragte sich, was in ihrem hübschen Kopf vorgehen mochte. Hatte sie einen Augenblick lang die Hoffnung gehegt, aus dieser Zweckehe mit ihm herauszukommen? Wahrscheinlich. Oder trauerte sie vielleicht sogar um ihren ehemaligen Verlobten? Das musste es sein. Schon der Gedanke daran, sie könnte an den Windbeutel Crenshaw auch nur einen Funken Gefühl verschwenden, empörte ihn.

     „Und was passiert mit seinem Leichnam?“, fragte Gwen.

     Declan zuckte die Achseln. „Familie hat er nicht. Wenn sich weiter niemand darum kümmert, werden die Behörden veranlassen, dass er irgendwo dort in Europa begraben wird.“ Er zögerte. „Oder willst du, dass man ihn hierher überführt, damit er hier bestattet werden kann?“

     Gwen kämpfte einen Moment lang mit ihren Skrupeln, dann gab sie sich einen Ruck. „Nein, lass ihn, wo er ist.“

     „Okay.“ Declan ging ein paar Schritte durchs Zimmer. Gleich darauf blieb er stehen. „Sag mir, wenn du deine Sachen gepackt hast. Ich kann dann in der Rezeption Bescheid sagen, dass sie uns ein Taxi bestellen.“ Schweigend stand Gwen auf und ging noch immer mit gesenktem Kopf in Richtung Schlafzimmer. „Was ist los, Gwen? Ist alles in Ordnung mit dir?“

     Sie zuckte resigniert die Achseln. „Was soll schon los sein?“

Declan hockte sich hin und begutachtete das schmiedeeiserne schwarze Kamingitter, dem er soeben den letzten Anstrich verpasst hatte. Er war mit seiner Arbeit zufrieden. Gwen und er hatten in dieser letzten Woche ziemlich geschuftet, um mit der Renovierung von Gwen Haus voranzukommen. Dieses Kamingitter war der krönende Abschluss. Jetzt war das Wohnzimmer fertig.

     Gwen und Declan hatten großes Glück gehabt, dass sie für die seitliche Einfassung des Kamins auf einer Baustelle am anderen Ende der Stadt passende Kacheln gefunden hatten, um die zersprungenen alten zu ersetzen. Gwen war ganz aus dem Häuschen gewesen vor Freude und total in ihrem Element. Es war ihre erste spontane Regung dieser Art nach der Hochzeit gewesen, und Declan hätte eine Menge dafür gegeben, um herauszufinden, wie man dieses strahlende, glückliche Lächeln häufiger auf ihr Gesicht zaubern konnte. Von einem Augenblick auf den anderen war sie voller Energie und Lebensfreude, während sie die Tage zuvor verdrossen gewirkt und in sich gekehrt mit verbissenem Ehrgeiz an der Renovierung des Hauses gearbeitet hatte.

     Gwen trat ein. Auf einem Tablett mit Kaffeebechern und Sandwiches brachte sie den Lunch.

     „Oh, du bist schon fertig? Der Kamin sieht wirklich fantastisch aus.“

     Declan wischte sich die Hände an einem alten Handtuch ab und nahm den Becher, den sie ihm reichte. „Ja. Wir haben es geschafft.“

     Gwen stellte das Tablett auf dem Tisch ab, setzte sich auf das Sofa und schaute sich um. Auch Declan, nachdem er ein Sandwich genommen hatte, betrachtete ihr gemeinsames Werk im Wohnzimmer mit Wohlwollen. Die Wände waren in einem warmen, fast goldenen Ockerton gehalten. Die Fensterrahmen waren frisch lackiert. Sogar die schweren Vorhänge hingen schon. Es war ein wahrer Kraftakt gewesen, sie an den Eisenstangen über den hohen Fenstern aufzuhängen, aber mit vereinten Kräften hatten sie es bewältigt. Die Fußbodenleisten hatten sie abgeschliffen und das schöne, natürliche Holz wieder zum Vorschein gebracht. Und endlich war auch das Prunkstück des Ganzen fertig geworden, der Kamin. Sie hatten wirklich ganze Arbeit geleistet.

     „Ich kann gar nicht glauben, was wir in dieser einen Woche alles geschafft haben.“ Gwens graue Augen, die die meiste Zeit nur bedrückt und traurig dreingeschaut hatten, strahlten.

     „Ja, wir sind schon ein gutes Team. Was hältst du davon, wenn wir den Kamin gleich heute Abend einweihen?“

     „Meinst du? Eigentlich ist es ja noch nicht die Jahreszeit dafür. Außerdem sieht er gerade so schön sauber aus.“

     „Dann putze ich ihn eben wieder“, meinte Declan und winkte ab. „Ich habe gesehen, dass hinter dem Haus eine Menge gut abgelagertes Kaminholz liegt.“ Er freute sich. Wieder war auf Gwens Gesicht dieser lebhafte, optimistische Ausdruck zu sehen. Sie lächelte.

     „Ja, lass uns den Kamin heute einweihen“, stimmte sie schließlich zu. „Ich hätte nicht gedacht, dass wir das so bald schon können.“

     „Weißt du was? Wir könnten uns ja auch etwas zu essen bestellen. Dazu machen wir eine gute Flasche Wein auf und feiern das neue Wohnzimmer so richtig.“

     Gwen war begeistert. „Ich bin dabei“, sagte sie.

Sie hatten ihr festliches Dinner beendet. Gwen stieß einen zufriedenen Seufzer aus und betrachtete durch den granatroten australischen Wein in ihrem Glas das Kaminfeuer. Noch einmal schaute sie sich um. Das Wohnzimmer sah jetzt genauso aus, wie sie es sich immer gewünscht hatte. Auf einem Ehrenplatz auf dem Kaminsims stand ein schmiedeeiserner sechsarmiger Leuchter, ein Hochzeitsgeschenk von Connor und Holly. Das Feuer, die Kerzen auf dem Leuchter und die, die sie auf dem Couchtisch aufgestellt hatten, erfüllten den Raum mit ihrem flackernden Schein.

     „Glücklich?“, unterbrach Declans tiefe Stimme das Schweigen, das für eine Weile geherrscht hatte.

     Gwen musste einen Augenblick überlegen. Die Frage hatte sie überrascht. War sie wirklich glücklich? „Ja“, sagte sie dann. Es stimmte – zum ersten Mal seit langem fühlte sie sich wirklich glücklich und zufrieden.

     Declan hob sein Glas. „Worauf trinken wir? Auf die erfolgreiche Verbindung von Mr. und Mrs. Knight?“ Er sagte das gut gelaunt und in scherzhaftem Ton.

     Dennoch glaubte Gwen ein bestimmtes verräterisches Glitzern in seinen Augen zu bemerken. Ganz einverstanden war sie mit diesem Trinkspruch nicht. In absehbarer Zeit würde sie wieder wie gehabt Gwen Owen sein, und an etwas anderes sollte sie sich besser erst gar nicht gewöhnen. Declan hielt sein Glas noch immer erhoben und wartete auf ihre Antwort. „Auf uns“, sagte sie schließlich und stieß mit ihm an.

     Die Schonbezüge waren inzwischen zwar endgültig von den Möbeln abgenommen. Trotzdem hatten Gwen und Declan es sich auf dem dicken, weichen Teppich vor dem Kamin bequem gemacht. Gwen spürte die Wärme des Feuers auf ihrem Gesicht und die des Rotweins von innen. Dass es für einen Abend am Kamin eigentlich noch zu früh im Jahr war, machte ihr nichts aus. Im Gegenteil, sie genoss es in vollen Zügen.

     Gwen ließ die Arbeit dieser letzten Woche noch einmal Revue passieren. Sie wunderte sich im Nachhinein, mit welcher Geduld und Rücksicht Declan mit ihr umgegangen war, selbst wenn sie von Zeit zu Zeit mal eine ihrer melancholischen Anwandlungen überkam. Immer wieder war ihm etwas eingefallen, um sie zu überraschen und sie aus ihrem Jammertal wieder herauszuholen. Steve hätte ihre Stimmungen niemals toleriert, geschweige denn es geschafft, sie aufzuheitern.

     Declan war schon ein außergewöhnlicher Mann – nicht nur äußerlich. Er hatte Einfühlungsvermögen, kannte Nachsicht und war stets bemüht, sie in irgendeiner Weise zu beschützen und zu umsorgen. Ein wenig hatte sie in der Zwischenzeit durch ihre Gespräche bei der gemeinsamen Arbeit über seine Hintergründe erfahren. Er hatte erzählt, dass seine Mutter schon früh gestorben war, wie er als Ältester der Geschwister schon in jungen Jahren lernen musste, Verantwortung zu übernehmen, selbst für seinen Vater, der versuchte, die Trauer um seine Frau nicht nur durch Arbeit, sondern von Zeit zu Zeit auch in Whiskey zu ertränken. Diese Jahre hatten Declan geprägt. Diese Züge und die großartige Zusammenarbeit mit ihm hatten es ihr mit der Zeit immer schwerer gemacht, Abstand zu wahren. Auch wenn sie sich anfangs dagegen gewehrt hatte, war er ihr im Laufe dieser Woche nähergekommen.

     Gwen betrachtete ihn. Sein langes schwarzes Haar, das er nicht zusammengebunden hatte, fiel ihm weich über die Schultern und den Rücken. Instinktiv streckte sie die Hand aus und strich sanft darüber, um den seidigen Glanz zu fühlen. Sie hatte einfach das Bedürfnis, ihn zu berühren.

     Declan drehte den Kopf zu ihr und küsste zart die Innenseite ihres Handgelenks, dort wo ihr Puls schlug. Dann nahm er ihr das Glas aus der Hand und stellte es zusammen mit seinem auf den niedrigen Tisch hinter ihnen. Ihr Herzschlag setzte für zwei Sekunden aus. Sie wusste, was er vorhatte. Zu jedem anderen Zeitpunkt wäre sie aufgesprungen oder zumindest zurückgewichen. Aber nicht jetzt, nicht an diesem Abend.

     Als sie seinen Mund auf ihren Lippen spürte, schloss sie die Augen. Sanft nahm er sich ihre Unterlippe vor und fuhr mit der Zungenspitze über die Innenseite. Gwen kam ihm mit ihrer Zunge entgegen. Er schmeckte nach Wein und nach verbotenen Träumen. Ein leises Stöhnen kam tief aus Declans Brust, für Gwen ein heimlicher Triumph. Sie hatte die Macht, eine solche Reaktion in ihm hervorzurufen, seine Barrieren zu durchbrechen. Plötzlich wollte sie die Initiative übernehmen und das Geschehen bestimmen. Noch einmal streifte sie der Gedanke, dass sie gerade frühere Fehler wiederholten. Aber in der nächsten Sekunde war der Gedanke vergessen.

     Sie öffnete den Mund ein wenig weiter und rückte näher. Declan ließ sie gewähren. Sie fuhr ihm mit der Hand durchs Haar und küsste ihn, wie sie noch nie einen Mann geküsst hatte. Es kam ihr vor, als würde dieser Kuss ihren ganzen Körper unter Strom setzen. Ohne die Lippen von ihm zu lösen, drehte sie sich zu ihm und setzte sich langsam rittlings auf ihn. Sie spürte die Glut des Feuers im Kamin und die Hitze seines Körpers, und diese Hitze fachte das Feuer an, das in ihr loderte.

     Kurz richtete Gwen sich auf und zog ihr T-Shirt aus. Seine Augen funkelten wie polierte Onyxe, als sie sich über ihn beugte und ihn sanft auf den Teppich drückte. Sie überzog sein Kinn und seinen Hals mit Küssen, genoss den Geschmack und den Duft seiner Haut, während sie ihm mit beiden Händen über die breite Brust strich. Dabei spürte sie, dass kleinen, flachen Brustwarzen auf ihre Berührung reagierten.

     Überlegungen zählten jetzt nicht mehr. Sie wollte ihn fühlen. Quälend lange dauerte es, bis sie ihm das Hemd aufgeknöpft und von den Schultern gestreift hatte, damit sie endlich die Finger über seine nackte Haut gleiten lassen konnte. Gwen musste lächeln, als sie merkte, dass Declan vor Lust erschauerte. Sie steckte den Zeigefinger in den Mund und zog ihn langsam wieder heraus, den Blick auf Declan gerichtet, der sie wie gebannt beobachtete. Der Ausdruck auf seinem Gesicht löste eine Kribbeln in ihrem Bauch aus, und tief in ihr begann es zu pulsieren.

     Mit der Spitze ihres feuchten Fingers fuhr sie um die linke seiner Brustwarzen herum, dann wiederholte sie das ganze Ritual auf der anderen Seite. Als Nächstes beugte sie sich über ihn, ließ ihr Haar über seine Haut gleiten und pustete sacht über die feuchten Stellen auf seiner Brust. Mit Vergnügen sah sie, dass seine Brustwarzen noch härter wurden, und fühlte, wie dasselbe bei ihr geschah. Die Spitzen ihrer Brüste zeichneten sich überdeutlich durch ihren BH ab. Ein heißer Schauer durchfuhr sie vom Kopf bis in die Zehenspitzen. Gwen fasste hinter sich und öffnete ihren BH. Dann schob sie die Träger von den Schultern und streifte den BH ganz ab.

     Durch seine halb geöffneten Lider sah Declan ihr zu und flüsterte dann mit rauer Stimme: „Du bist unglaublich schön.“

     „Pst“, sagte Gwen leise und beugte sie zu ihm vor, sodass ihre Brüste seinen Oberkörper berührten, und zeichnete mit der Zungenspitze die Konturen seines Mundes nach. Dann schmiegte sie sich eng an ihn. Ihr Herz schlug so heftig, das sie glaubte, man könnte es im ganzen Raum hören. Das Verlangen nach Declan hatte vollkommen Besitz von ihr ergriffen. Sie griff nach seinem Hosenbund, öffnete den obersten Knopf seiner Jeans und ließ ihm gerade genug Raum, dass er sich die Hose ausziehen konnte.

     Declan war halb wahnsinnig vor Erregung, aber er fand, dass Situationen wie diese zu den schönsten Arten gehörten, um den Verstand zu verlieren. Nachdem er sich der Jeans entledigt hatte, fühlte er sich befreit aus einer quälenden Enge. Aber nicht ganz befreit, denn so wie Gwen den Gang des Geschehens bestimmte, kam er sich nahezu hilflos vor, und etwas in ihm strebte danach, wenigstens zu einem Teil die Kontrolle zurückzugewinnen.

     Grün wie ein frisches Blatt im Frühling leuchtete ihm das kleine Dreieck ihres Slips entgegen. Wie von selbst streckten sich seine Hände danach aus, um es ihr herunterzuziehen. Auf halbem Wege besann er sich eines Besseren. Sie bestimmte bei diesem Spiel die Regeln, und dabei sollte es bleiben.

     Heiße Begierde durchzuckte ihn, als sie sich quälend langsam den Slip auszog und dabei den Blick auf ihre langen schlanken Beine lenkte. Das Kaminfeuer ließ ihre Haut schimmern, sodass Gwen noch sinnlicher und schöner wirkte, als sie ohnehin war.

     Gwens weiches blondes Haar strich über seinen Bauch. Es war wie die Berührung feinster Seide, und sie setzte eine wahre erotische Kettenreaktion in ihm in Gang. Er war bereit für sie. Fast fürchtete er schon, gänzlich die Kontrolle über sich zu verlieren. Endlich – es schien ihm eine halbe Ewigkeit vergangen zu sein – nahm sie wieder ihren Platz auf ihm ein, presste die Knie an seine Seiten und führte ihn zu sich. Die ganze Zeit über sah sie ihm ins Gesicht. Ihre grauen Augen schienen größer und dunkler geworden zu sein, und als sie ihn in sich aufnahm, erschien auf ihren Wangen eine leichte Röte. Ein winziges, kaum merkliches Lächeln umspielte ihre vollen Lippen, und ein Schauer durchfuhr sie, als sie ihn so groß und hart in sich spürte.

     Es kostete Declan alle Selbstbeherrschung, sie nicht bei den Hüften zu packen und sich wild zu bewegen, um endlich Erfüllung zu finden. Er ballte die Fäuste und konzentrierte sich mit aller Macht darauf, sich zurückzuhalten. Die Art und Weise, wie Crenshaw mit ihr umgesprungen, aber auch wie er, Declan, in ihr Leben eingebrochen war, hatte sie viel Kraft gekostet. Jetzt hatte er Gelegenheit, bei ihr etwas wiedergutzumachen, und diese Chance würde er nutzen.

     Gwen ließ die Fingerspitzen über seine Brust und den Bauch gleiten, bis sie an die Stelle erreicht hatte, wo sie miteinander vereint waren. Ohne den Blick von ihm zu lassen, berührte sie sich selbst, und stöhnte laut auf vor Lust. Declan konnte nicht anders und bewegte sich vorsichtig in ihr. Darauf griff Gwen nach seinen Seiten, öffnete sanft seine Fäuste und führte seine Hände zu ihren Brüsten, deren Spitzen rosig schimmerten. Sanft streichelte er die zarte Haut, während Gwen sich fester an ihn drängte und sich gegen seine Hände stemmte. Dann, ganz allmählich, fand sie zu ihrem eigenen Rhythmus und senkte und hob sich in einem sich allmählich steigerndem Tempo.

     Und ein weiteres Mal wuchs in Declan das schier unbändige Verlangen, zum Höhepunkt zu kommen, aber noch immer weigerte er sich mit aller Kraft, diesem Drang nachzugeben. Nicht bevor Gwen ihr Ziel erreicht hatte. Sie stöhnte und streckte sich leicht nach hinten, um das Gefühl noch mehr auszukosten. Hingerissen betrachtete er ihren verklärten Gesichtsausdruck. Alles fühlte sich so richtig, so stimmig, so perfekt an, dass er mit einem Mal verstand: Er liebte diese Frau, er liebte sie, mehr als er je einen anderen Menschen geliebt hatte.

     Immer heftiger, immer schneller wurden jetzt Gwens Bewegungen. Dann endlich spürte er, wie sich alles in ihr zusammenzog und sich aufbäumte, während ein Zittern ihren ganzen Körper erfasste. Sie stieß einen Schrei aus, der aus ihrem tiefsten Innern zu kommen schien. Das Beben in ihr übertrug sich auf ihn und ließ ihn alles andere vergessen. Da ließ er seiner Leidenschaft freien Lauf und kam zum Höhepunkt.

     Von tiefem Glück erfüllt und mit einem Gefühl vollkommener Befreiung nahm Declan Gwen in die Arme und hielt ihren noch immer zitternden Körper eng an sich gedrückt. Auf ihrer Haut entdeckte er winzige Schweißperlen, die im Schein des Feuers glitzerten. Ganz allmählich wurden ihre Atemzüge ruhiger und tiefer. Nie mehr wollte er sie loslassen. Sie war da, wohin sie gehörte, sicher und geborgen in seinen Armen.

     Zwei Stunden später, die Nacht war vorangeschritten, und es hatte sich merklich abgekühlt, schreckte Declan aus einem leichten, traumlosen Schlaf auf. Er wusste nicht, was ihn geweckt hatte. Vermutlich ein letztes Holzscheit im Kamin, das in der Glut geborsten war. Noch schlaftrunken ließ er spielerisch die Finger über Gwens Hüfte gleiten und strich dann ihre Wirbelsäule hoch. Mit einem leisen Seufzer, aus dem Zufriedenheit und Wohlbehagen klang, rückte Gwen an ihn heran und schmiegte sich an ihn. Das allein genügte, um in Declan wieder alle Lebensgeister zu wecken.

     Er richtete sich ein wenig auf, näherte dann seinen Mund einer rosigen Knospe. Behutsam umkreiste er sie mit der Zungenspitze und spürte, dass sie sich augenblicklich zusammenzog. Er sog die kleine harte Spitze in seinen Mund, ohne mit seinem Zungenspiel aufzuhören. Er sog ein wenig stärker an der empfindlichen Knospe, gab sie dann aber frei, um sich der anderen zu widmen.

     Irgendwo zwischen Schlaf und Erwachen begann Gwen sich zu rühren. Sie stöhnte leise auf und drängte zu ihm.

     „Jetzt noch nicht, mein Herz“, flüsterte Declan und setzte seine zärtliche Tortur in derselben Weise abwechselnd erst auf der einen, dann auf der anderen Seite fort. Er wollte das Verlangen in ihren Augen sehen, Verlangen nach ihm. Er wollte ihre Erregung auf die Spitze treiben, bevor er zu ihr kam. Als er glaubte, das erreicht zu haben, legte er sich zwischen ihre geöffneten Schenkel, bedeckte ihren Hals mit Küssen, atmete den köstlichen Duft ihrer Haut ein und drang langsam ein.

     Declan stemmte sich mit den Armen ein wenig hoch und begann sich behutsam zu bewegen. Ein leichter, kühler Luftzug strich über ihre Körper. Er beobachtete, wie sich auf Gwens Haut die winzigen Härchen aufrichteten.

     Plötzlich öffnete Gwen die Lippen und fragte halblaut: „Steve?“

     Declan erstarrte. Steve? Er war wie vom Donner gerührt. Hatte sie die ganze Zeit an Steve Crenshaw gedacht? Hatte sie sich den ganzen Abend vorgestellt, mit diesem Mann zusammen zu sein, als er mit ihr geschlafen hatte? War das der Grund gewesen, warum sie so viel Initiative gezeigt hatte und so hingebungsvoll gewesen war wie nie zuvor? War das der Grund, warum gegen seine Annährung nicht den geringsten Widerstand geleistet hatte?

     Mit einem Schlag hatte ihn die grausame Wirklichkeit eingeholt. Auch er hatte sie früher schon einmal dazu missbraucht, um zu vergessen und seinen Schmerz zu lindern. Jetzt hatte Gwen es ihm doppelt und dreifach heimgezahlt.

     „Tut mir leid, ich bin nicht Steve“, sagte er lauter als nötig, als er sich zurückzog, bevor er der Versuchung erlag, die Erinnerung an den Zwischenfall mit einer Flut von Leidenschaft und Begierde auszulöschen.

     Bestürzt und verwirrt kämpfte Gwen sich durch das Gespinst ihrer Träume, besonders dieses einen bösen Traums, der sie eben noch gefangen gehalten hatte, der von ihrer Hochzeitsnacht handelte, die sie dieses Mal aber nicht allein verbrachte, sondern mit Declan, der dabei war, alle Leidenschaft in ihr zu wecken. In dem Augenblick jedoch, in dem sie die Arme nach ihm ausstrecken wollte, bemerkte sie, dass es nicht Declan war, der bei ihr lag, sondern Steve. Entsetzt nahm Gwen erst jetzt richtig war, was geschehen war.

     „Ich bin für niemanden der Lückenbüßer“, zischte Declan, und seine Augen blitzten vor Zorn.

     Unfähig, ein Wort herauszubringen, musste Gwen hilflos zuschauen, wie er sich erhob und das Zimmer verließ. Nein! wollte sie ihm hinterherrufen, aber kein Laut kam ihr über die Lippen. Declan nicht mehr zu spüren, das war, als hätte man ihr einen Arm oder ein Bein abgeschnitten. Sie holte Luft, um zu schreien, aber dann beherrschte sie sich und gab sich stumm ihrem Schmerz hin.

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