Geliebter auf Zeit? - 2. Kapitel



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2. KAPITEL

Declans Erklärung schlug ein wie eine Bombe. Gwen fühlte sich in einen unfassbaren Albtraum versetzt. Sie und alle anderen waren sprachlos. Alle verharrten mitten in der Bewegung, als hätte eine höhere Macht auf einen Knopf gedrückt und die Zeit angehalten. Aller Augen waren dabei auf Declan gerichtet.

     Gwen fühlte sich wie zu Eis erstarrt. Da darf doch nicht wahr sein! dachte sie. Natürlich hätte sie die Situation entspannen können. Sie brauchte nur laut aufzulachen und Declan zu seinem grandiosen Witz zu gratulieren, den er gerade gemacht hatte, aber sie stand neben ihm wie eine Marmorstatue und war wie gelähmt. Declan hatte ihr noch immer den Arm fest um die Schultern gelegt und schaute selbstsicher in die Runde.

     Dann begann jemand zu klatschen. Gwens Kopf fuhr herum. Es war Libby. „Was für eine Überraschung!“, formten ihre Lippen lautlos, und ein Grinsen so breit wie die Auckland Harbour Bridge erschien auf ihrem Gesicht. Nach und nach fielen die nächsten in den Applaus ein, bis der ganze Raum von tosendem Beifall und laut gerufenen Glückwünschen für das glückliche Paar erfüllt war. Und da sie ihre Chance, die Sache richtigzustellen, längst verpasst hatte, entschloss Gwen sich notgedrungen, in die Runde zu lächeln.

     Kurze Zeit später waren sie und Declan von Menschen umringt, und Gwen überließ es ihm, den Ansturm von Fragen abzuwehren. Aber so fassungslos und empört sie über sein Vorgehen auch war, sie kam sich schutzlos und verloren vor, sobald er den Arm von ihren Schultern nahm. Sie nutzte die Gelegenheit, dass Declan von allen Seiten bestürmt wurde, schlich sich davon und machte sich auf die Suche nach Libby. Sie fand sie mit dem Rücken an die Wand gelehnt in einer ruhigeren Ecke des Zimmers.

     „Du bist mir vielleicht eine Nummer“, bemerkte Libby. „Greifst dir mal eben einen neuen Bräutigam und sagst deiner besten Freundin kein Wort davon.“

     „Libby, es ist nicht so, wie du denkst … Ich wollte die ganze Zeit schon mit dir reden.“

     „Ach, was soll’s. Ich könnte verrückt werden vor Freude für dich. Aber sag mal, wie hast du das Steve eigentlich beigebracht?“

     „Ich … äh …“

     „Steve ist für die nächste Zeit verreist“, kam eine vertraute männliche Stimme aus dem Hintergrund. Wie aus dem Nichts war Declan bei ihnen aufgetaucht. „Tut mir leid, dass wir mit dieser Neuigkeit einfach so hereingeplatzt sind. Wir wollten dich eigentlich schonender darauf vorbereiten, nicht wahr, Liebes?“

     Er sah Gwen an, und in seinen Augen blitzte unmissverständlich die Warnung auf, ihm nicht zu widersprechen. Dann nahm er sie wieder in den Arm, und sie spürte die Wärme seines Körpers.

     „Es kommt eben, wie es kommt“, fuhr er leichthin fort. „Wir kennen uns ja schon viele Jahre. Und irgendwann war es einfach an der Zeit, uns füreinander zu entscheiden.“ Wie zur Bekräftigung drückte er Gwen noch ein wenig fester an sich.

     Das kann er alles nicht ernst meinen! dachte sie. Bis vor Kurzem hatte er kaum ihre Anwesenheit im selben Raum ertragen können. Aber am Druck seiner kräftigen Finger merkte sie, dass sie nun aufgefordert war, auch etwas zu sagen. „Ja, genau so ist es“, war alles, was sie mit Mühe herausbringen konnte, und sie fragte sich dabei, ob das wirklich ihre Stimme war.

     Sie bemerkte bei Libby ein feines Stirnrunzeln. „Und du bist dir wirklich sicher?“

     „Natürlich.“ Gwens Stimme klang jetzt ein wenig fester.

     „Wir waren uns in unserem Leben noch nie sicherer“, bekräftigte Declan. „Übrigens, Libby, wäre es möglich, dass Gwen und ich mal für einen kurzen Moment allein sind?“

     „Selbstverständlich. Ihr könnt in mein Schlafzimmer gehen, wenn ihr wollt.“

     „Nein, lieber auf den Balkon“, warf Gwen schnell ein. „Wir müssen ja nur ganz kurz etwas besprechen.“ Jetzt mit Declan allein in einem Schlafzimmer – das fehlte noch, dachte sie.

     Sie machte sich von ihm los und ging auf die Balkontür zu. Dabei blieb sie mit dem Absatz in dem dicken Teppich hängen, und Declan fing sie auf, bevor sie ins Stolpern kam. Offenbar hatte er sich in den Kopf gesetzt, ihr keinen Zentimeter von der Seite zu weichen. „Alles in Ordnung?“, fragte er und öffnete galant die Schiebetür.

     Sie traten hinaus. Der Balkon nahm ebenso wie die bis zum Boden reichenden Fenster die ganze Front des Apartments ein, sodass sie beide von drinnen für jedermann gut zu sehen waren. Sie schlossen die Tür. Das Stimmengewirr hinter ihnen erstarb.

     „Mit mir ist alles wieder in Ordnung, sobald du diesen Mist, den du uns eingebrockt hast, wieder aus der Welt schaffst“, antwortete sie und machte sich dann von seinem Arm frei.

     Die Lichter der Stadt leuchteten über den Hafen hinweg zu ihnen herauf. Gwen kam die plötzliche Stille um sie herum so vor, als sei sie unversehens auf einer einsamen Insel im Ozean gestrandet.

     „Welchen Mist meinst du denn?“, fragte Declan scheinheilig und kreuzte die Arme über der breiten Brust. Gegen den dunkler werdenden Abendhimmel wirkte seine Silhouette beinahe bedrohlich.

     „Deine Verkündung unserer angeblichen Verlobung natürlich“, antwortete Gwen, ohne zu zögern. „Was hat dich denn da geritten? Wir wissen doch beide, wie absurd die Idee ist, dass ausgerechnet wir heiraten.“

     „In dem Punkt will ich dir keineswegs widersprechen. Trotzdem glaube ich, dass es die einzige Lösung für deine und meine Probleme ist.“

     „Das ist doch lächerlich. Welche Probleme sollten denn damit gelöst werden können? Seit Renatas Tod und dem, was darauf folgte, haben wir kaum mehr ein Wort miteinander gewechselt.“

     „Lass Renata aus dem Spiel!“, entgegnete er schroff. Er trat einen Schritt näher, legte eine Hand auf das Geländer und die andere ihr auf die Schulter. „Lächle“, sagte er. „Du musst lächeln.“

     Gwen sah Declan an, als hätte er den Verstand verloren.

     „Alle da drinnen können uns sehen. Immerhin haben wir gerade unsere Verlobung bekannt gegeben. Da erwartet man von dir nicht einen Gesichtsausdruck, als wolltest du mich im nächsten Moment vom Balkon werfen.“

     „Bring mich nicht noch auf Ideen“, erwiderte sie. Trotzdem zwang sie sich zu einem kleinen Lächeln.

     Er legte seine Stirn an ihre Schläfe und sagte leise: „Na bitte, es geht doch. Und es tut noch nicht einmal weh.“ Nach außen hin boten sie tatsächlich das Bild eines frisch verliebten Paars.

     „Fühlst du dich jetzt besser?“, fragte Gwen bitter.

     „Das ist doch alles Show für die da drinnen. Begreifst du das denn nicht? Wenn gelingen soll, was ich vorhabe, müssen wir schon ein wenig dick auftragen und …“

     „Dass was gelingt?“, unterbrach sie ihn ungeduldig. „Ich weiß überhaupt nicht, was dieses ganze Theater bezweckt. Schon gar nicht habe ich mich bereit erklärt, es mitzumachen. Im Übrigen, falls du es vergessen haben solltest: Ich bin immer noch mit Steve verlobt.“ Trotz ihres Ärgers und der Anspannung merkte Gwen, wie ihr Körper seine Wärme aufnahm und dass die leichten kreisenden Bewegungen, die er mit den Fingern auf ihrem Rücken beschrieb, Wünsche in ihr weckten, für die sie sich selbst verfluchte.

     „Wo ist denn dein Verlobter? Über alle Berge. Außerdem machst du auf mich nicht den Eindruck, als ob dir das das Herz bricht.“

     Gwen musste zugeben, dass er recht hatte. Eine wirkliche Herzensangelegenheit war ihre Verlobung mit Steve von vorneherein nicht gewesen. Von ihrer Seite aus war die Verbindung mehr aus dem Wunsch entstanden, endlich Ruhe und eine gewisse Sicherheit in ihr Leben zu bekommen – Dinge, die sie gerade bei Steve zu finden glaubte, den jeder für einen zwar etwas faden, aber verlässlichen Mann und Partner hielt. Dafür war sie bereit gewesen, auf glühende Leidenschaft und große Gefühle zu verzichten.

     Gwen mobilisierte alles, was ihr an Selbstachtung noch geblieben war. „Pass auf, Declan. Ich werde jetzt warten, bis alle gegangen sind. Dann weihe ich Libby ein, und sie hilft mir, die Hochzeit abzusagen. Sie sollte ohnehin nur in kleinem Rahmen stattfinden.“

     Das ist alles schön und gut, meinte eine kleine Stimme in Gwen. Und was passiert dann? Im Augenblick hatte sie nicht einmal Geld genug auf dem Konto, um für die nächste Woche etwas zu essen einzukaufen. Ganz zu schweigen davon, dass sie auf der Straße sitzen würde, sobald die erste Rate für das Hypothekendarlehen fällig wurde. Und damit war nicht nur der Traum von der Sicherheit, die sie sich von Steve erhofft hatte, zerplatzt wie eine Seifenblase, sondern auch der Traum von der Geborgenheit, die ihr Zuhause ihr vermittelt hatte. Dieses Haus war ihre Bastion und ihr Rückhalt gewesen, seitdem ihre Mutter sie hier ihrem Schicksal überlassen hatte.

     „Warum absagen?“, fragte Declan.

     Gwen nahm ihren Mut zusammen. „Ich verstehe wirklich nicht, worauf du hinauswillst. Nenn mir einen vernünftigen Grund, warum wir vorgeben sollten, das wir heiraten wollen.“

     „Nicht vorgeben – wir werden heiraten. Und wenn mich nicht alles täuscht, können wir sogar noch den vorgesehenen Termin einhalten.“

     „Bist du unter der Dusche ausgerutscht und hast dir den Kopf gestoßen oder so was? Ich heirate dich nicht. Vergiss es!“

     „Und ich sage dir: Wenn wir heiraten, haben wir beide etwas davon.“

     „Kommt nicht infrage.“

     „Nun hör mir erst einmal zu. Willst du nun dein Geld zurückbekommen oder nicht? Ich habe Verbindungen und Mittel und Wege, Crenshaw ausfindig zu machen, und wenn ich ihn erst einmal habe, dann bekomme ich auch mein Geld zurück, das verspreche ich dir. Dasselbe könnte ich als dein Ehemann für dich tun.“

     Dagegen war wenig zu sagen. Erst jetzt wurde Gwen richtig bewusst, welch katastrophale Konsequenzen Steves Betrug für sie hatte. Angesichts ihrer verzweifelten Lage blieb ihr kaum etwas anderes übrig, als sich an jeden Strohhalm zu klammern.

     „Aber vorerst sieht es so aus“, fuhr Declan fort, „dass dein Exbräutigam mich in eine äußerst schwierige Situation gebracht hat. Du hast doch sicher von der Ausschreibung des Umbaus des alten Sellers-Hotels gehört?“

     Gwen nickte. Nicht nur das. Sie verfolgte die Pläne für den Umbau schon eine Weile sehr aufmerksam, immer in der Hoffnung, dass ein Investor den Zuschlag bekam, der vorhatte, das Hotel in seinem alten Art-déco-Stil wieder herzurichten. Dann, so hoffte Gwen, könnte sie als Subunternehmerin einsteigen und sich um die Restauration der Möbel und eine stilgerechte Innendekoration kümmern. Sie hatte sich bereits in der Branche einen gewissen Ruf auf diesem Gebiet erworben. Ein Projekt wie das Hotel wäre eine Chance, wie sie sich nur ganz selten bot. Mit so einer Empfehlung wäre ihr der Durchbruch so gut wie sicher.

     „Genug, um das Objekt zu erwerben, habe ich beiseite gelegt. Aber dank Mr. Crenshaws letzter Transaktion zu meinen Lasten reicht es nicht für die Realisierung des Umbaus, und ich müsste jetzt eigentlich mein Angebot zurückziehen. Und jetzt …“, Declan sah Gwen an und hob den Zeigefinger, „… kommt wieder die Heirat ins Spiel.“ Er rückte ein Stück näher. Durch ihren Rock spürte sie die festen Muskeln seines Schenkels. Eingedenk der Rolle, die sie beide im Augenblick zu spielen hatten, unterdrückte sie den Impuls, ein Stück von ihm abzurücken.

     Auf Gwens fragenden Blick hin, fuhr Declan in seinen Ausführungen fort: „Die nötigen Finanzmittel sind da. Mein Anteil aus dem Erbe meiner Mutter wäre mehr als ausreichend. Nur gibt es leider einen Haken: Meine Mutter hat verfügt, dass keiner ihrer Söhne an sein Erbteil kommt, solange er nicht verheiratet ist.“

     „Sie hat euch zur Bedingung gemacht, dass ihr heiratet? Das ist ja wie Mittelalter!“, stieß Gwen hervor.

     „So war sie nun einmal. Meine Mutter war sehr altmodisch und wollte keinem ihrer Söhne ein Vermögen in die Hand geben, bevor er sich die Hörner abgestoßen hat.“

     Wäre nicht Renatas verhängnisvoller Unfall gewesen, hätte er sein Erbteil längst, dachte Gwen. Aber die Vorwürfe, die sie sich selbst wegen Renatas Tod machte, konnten ja wohl nicht bedeuten, dass sie das Spiel, das Declan vorhatte, mitspielen musste. „Das mag für dich alles gut und schön sein. Aber für mich sieht es immer noch so aus, dass du von mir erwartest, dich zu heiraten, damit du an deine Erbschaft kommst. Nein, dazu ist mir eine Heirat eine zu ernste Sache.“

     „Ich zahle dir die Summe aus, um die Steve dich betrogen hat.“

     Gwen machte sich von ihm los und ging ans andere Ende des Balkons. Declan fühlte plötzlich eine Leere und Kühle, wo sie sich eben noch an ihn gelehnt hatte. Es kam ihm vor, als fehlte ihm ein Teil seiner selbst. Ließ man alles andere außer Betracht – körperlich passten sie gut zusammen, das musste er zugeben. Zu gut. „Komm, Gwen, gib dir einen Ruck. Was sagst du dazu?“

     „Ich mache das nicht mit. Ich will das nicht.“

     „Gwen, ich habe dir schon gesagt, es geht hier nicht so sehr darum, was wir wollen, sondern was wir müssen. Und wir müssen vor allem eine Entscheidung treffen – heute Abend noch.“

     „Warum müssen wir das? Ich sehe das nicht ein. Warum kannst du nicht einfach einen ganz normalen Geschäftskredit aufnehmen?“

     Wieder sah Declan sie lange an. Das Licht der Straßenlaterne ließ Gwens hellblondes Haar noch heller wirken und das verlieh ihr eine fast unwirkliche Schönheit. Declan nahm sich zusammen. Er durfte sich jetzt nicht ablenken lassen. Zu viel stand für ihn auf dem Spiel. „Weil ich keinen Kredit bekommen werde“, antwortete er endlich.

     „Das ist doch Unsinn. Cavaliere Developments ist eines der erfolgreichsten Bauunternehmen im ganzen Land. Das weiß sogar ich.“

     „An den Banken scheitert es auch nicht.“ Declan zögerte, dann atmete er tief durch. Es half nichts. Wenn er Gwen überzeugen wollte, musste er sie in Zusammenhänge einweihen, die er lieber für sich behalten würde. „Als ich die Firma aufgebaut habe, habe ich meinen Vater mit ins Geschäft geholt. Er hat für das Startkapital gesorgt und sich um den ganzen administrativen Kram gekümmert. Ich wollte nur draußen auf den Baustellen arbeiten, bis ich abends restlos erschöpft ins Bett fiel. Das war kurz nach Renatas Tod vor acht Jahren. Für mich war es die einzige Möglichkeit, diese Zeit zu überstehen. Seitdem hat aber mein Vater die entscheidende Stimme im Aufsichtsrat, und ohne seine Zustimmung geht gar nichts.“

     „Ich verstehe immer noch nicht. Warum sollte dein Vater denn seine Zustimmung nicht geben?“

     „Er hat schon durchblicken lassen, dass er einem Projekt dieses Ausmaßes auf keinen Fall seinen Segen gibt. Er liebt es nun mal, alles und jeden unter Kontrolle zu haben.“

     „Und wenn du nun dein Erbteil hast?“, fragte Gwen.

     „Dann kann ich alles selbst entscheiden, weil ich das Projekt ausschließlich selbst finanziere.“ Oh bitte, nun sag doch endlich Ja, dachte Declan.

     „Aha.“ Sie dachte einen Moment nach und fuhr dann etwas versöhnlicher fort: „Ich nehme an, dass auch einige Arbeitsplätze davon abhängen, oder?“

     „Aber sicher.“

     Gwen seufzte. „Okay, meinetwegen. Tun wir’s.“ Sie sagte das so leise, dass er sie kaum verstehen konnte.

     „Du machst es?“

     „Ja. Aber unter einer Bedingung.“

     „Was für eine Bedingung?“

     Sie ging einige Schritte auf Declan zu und blieb vor ihm stehen. „Du nimmst mich bei dem Sellers-Projekt mit ins Boot, und ich übernehme die Innenausstattung.“

     Declan atmete auf. Damit konnte er leben. Und nicht nur das. Gwen genoss einen hervorragenden Ruf in ihrem Metier. Ihre Mitarbeit konnte für das Unternehmen nur ein Gewinn sein. Auch wenn er privat seine Vorbehalte ihr gegenüber hatte: Hier zählte nur die professionelle Arbeit.

     „Also abgemacht. Wir können das in allen Details gleich morgen mit Connor schriftlich festhalten.“ Connor, Declans jüngerer Bruder, war der Chef der Rechtsabteilung im Knight-Imperium. „Du brauchst dir seinetwegen keine Sorgen zu machen. Connor ist absolut diskret und zuverlässig. Sonst noch etwas?“

     „Kein Sex.“

     Declan zog die Augenbrauen hoch. „Meinst du nur zwischen uns oder mit irgendjemandem sonst?“

     „Weder noch – gar keinen. Es ist mir ernst damit.“ Sie blickte ihm entschlossen ins Gesicht.

     Auch das war in seinem Sinn. „Einverstanden. Allerdings kommen wir nicht darum herum, nach außen das Bild eines glücklichen jungen Paares zu vermitteln. Das gilt besonders für meine Familie. Ich denke, dass sie uns die etwas überstürzte Verlobung abnehmen werden. Aber nur, wenn sie den Eindruck bekommen, dass wir es vor Verliebtheit nicht mehr ohne einander aushalten können. Wenn wir das nicht überzeugend rüberbringen, weiß mein Vater gleich, was gespielt wird. Und dann kann ich das Hotel-Projekt vergessen.“

     „Werden deine Leute nicht trotzdem Fragen stellen?“

     „Sehr wahrscheinlich. Aber das bekomme ich schon in den Griff.“ Declan stieß einen Seufzer aus. „Was sonst noch?“

     „Die finanzielle Seite für mich muss geklärt werden.“

     „Es wird sich für dich lohnen, das verspreche ich dir.“ Allmählich reichte es ihm.

     „Das will ich hoffen“, erwiderte Gwen.

     Er blickte in ihre rätselhaften grauen Augen. Was geht in ihrem Kopf vor? fragte er sich.

     „Einen Punkt hätte ich noch“, erklärte Gwen entschlossen.

     Declan verkniff sich die Bemerkung, die ihm auf der Zunge lag. Sie hatte ihn jetzt in der Mangel, und das war ein Zustand, den er mehr hasste als alles andere. „Was noch?“, fragte er mit gereiztem Unterton.

     „Es geht um die Dauer dieser sogenannten Ehe. Drei Monate, mehr nicht.“

     „Gwen, das ist lächerlich. Da riecht mein Vater sofort den Braten. Ein Jahr ist das Mindeste.“

     „Das ist viel zu lange. Sechs Monate, das ist mein letztes Wort.“

     Declan überlegte einen Moment, dann nickte er.

     Gwen streckte ihm die Hand entgegen, um die Abmachung zu besiegeln. Er dachte daran, dass das eine merkwürdige Geste für ein frisch verlobtes Paar sei. In diesem Augenblick drang von drinnen gedämpftes Lachen zu ihnen heraus und brachte ihm in Erinnerung, dass sie hier auf dem Balkon keineswegs unbeobachtet waren. Er nahm ihre Hand, drehte sie um und drückte einen zarten Kuss auf die Innenseite ihres Handgelenks. Dabei spürte er, wie schnell ihr Puls ging, flatternd wie ein gefangener Schmetterling. Sie war also keineswegs so kühl und beherrscht, wie sie sich nach außen hin gab.

     „Nur um die Form zu wahren“, bemerkte Declan, Als sie unwillkürlich die Hand wegzog, konnte er sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Eines muss ich noch loswerden, Gwen.“

     „Was?“

     „Ich danke dir. Du wirst es nicht bereuen.“

     Gwen lachte kurz und wandte sich der Schiebetür zu, um zu den anderen zurückzukehren. „Du hast vielleicht Nerven. Ich bereue es jetzt schon.“

Vorheriger Artikel Geliebter auf Zeit? - 3. Kapitel
Nächster Artikel Geliebter auf Zeit? - 1. Kapitel