Heiße Küsse für den Boss - 15. Kapitel

15. Kapitel

Als Amanda erwachte, bekam sie die verquollenen Augen kaum auf. Ganz still blieb sie liegen und versuchte, die pochenden Kopfschmerzen zu ignorieren.

    Sie lag in seinem Bett, und Jared schlief tief und fest und, so weit sie sehen konnte, nackt.

    Obwohl sie am Vorabend schon so viele Tränen vergossen hatte, bekam sie wieder einen Kloß im Hals.

    Sie versuchte, die Tränen fortzublinzeln.

    Gestern Abend hatte er sie zurückgewiesen, als sie ihn so dringend brauchte. Zwar hatte er ihr das Herz gebrochen, doch sie machte ihm keinen Vorwurf. Sie konnte ihm nicht böse sein. Sie hatte jetzt begriffen, dass er ihre Bedürfnisse nie erfüllen würde. Er empfand einfach nicht genug für sie. Deshalb hatte er auch dieses Angebot gemacht. Weil er nicht verstand, was sie von ihm wollte, dass sie mehr von ihm wollte. Er wollte nur Spaß haben. Mehr nicht. Er war sogar bereit, dafür zu zahlen, und verstand nicht, warum sie darüber erbost war.

    Es spielte keine Rolle mehr. Sie wusste, was sie zu tun hatte. Abstand halten. Auch wenn ihr Großvater jetzt hierher gezogen war. Jared hatte offensichtlich nicht vor, ihn zu besuchen. Und wenn sie sich eine neue Wohnung und einen neuen Job suchte, würden sich ihre Wege nicht mehr kreuzen. Es wäre aus und vorbei.

    Doch etwas konnte sie sich nicht verkneifen. War es falsch, sich an einem wehrlosen Mann zu vergreifen? Er hätte bestimmt nichts dagegen. Für ihn war es sowieso nur Sex, und sie wollte ihn noch ein letztes Mal spüren, sich ihm ein letztes Mal hingeben. Sie liebte ihn, hatte ihn immer geliebt. Und dieses letzte Mal wollte sie ihm zeigen, wie sehr sie ihn liebte. Nicht mit Worten, die auszusprechen ihr der Mut fehlte, sondern mit ihrem Körper.

    Etwas nervös zog sie ihre Unterwäsche aus. Das letzte Mal, als sie etwas Ähnliches probiert hatte, war es nicht gerade gut angekommen. Doch diesmal war es anders. Sie kannte ihn. Sie wusste, was ihm gefiel.

    Er bewegte sich. Murmelte etwas. Sie streichelte seine Wange. Wollte ihn nicht wecken, aus Angst, er könnte sie wieder zurückweisen, wollte nur ein letztes Mal mit ihm schlafen.

    Sie bewegte sich ganz langsam, geschmeidig, drückte ihm einen Kuss auf sein stoppeliges Kinn.

    „Schlaf weiter“, flüsterte sie. „Es ist nur ein Traum.“

    „Amanda.“

    Das war kein Traum. Jared spürte, wie ihre Haare über sein Gesicht strichen. Er konnte sie riechen – ein frischer, warmer Duft.

    Doch er konnte die Augen nicht öffnen. Er war so müde, fühlte sich so wohl – so herrlich wohl.

    Sie war über ihm. Er spürte ihren geschmeidigen Körper, fühlte sich davon umhüllt. Sie berührte ihn dort, wo sein Verlangen am größten war, erst sanft, dann bestimmter.

    Jared versuchte, sich zu konzentrieren. Es durfte nicht sein. Sie war so verletzlich. Letzte Nacht hatte er stundenlang wach gelegen, sie einfach nur in den Armen gehalten, ihr beim Schlafen zugesehen und gewünscht, es wäre alles anders gelaufen. Erst als es draußen schon zu dämmern begann, war er eingeschlafen, und deshalb war er jetzt todmüde. Sein Widerstand schwand. Seine guten Vorsätze bröckelten …

    Er schloss die Arme um sie und drückte sie an sich. Sie war weich. So weich, dass sie mit seinem Körper zu verschmelzen schien. Ihr Haar, ihr warmer Körper, ihr großer Mund. Sie war einfach unwiderstehlich.

    „Amanda?“

    „Schhh.“ Sie küsste ihn. Küsste ihn, als sei es das erste Mal, und raubte ihm den Verstand.

    Und dann wanderte sie mit dem Mund, mit ihrem wunderschönen Mund an seinem Körper hinab, hinterließ eine Spur von Küssen …

    „Nein“, keuchte er.

    Sie verstand nicht, dass er zu schwach war, um ihr zu widerstehen. Zu müde, um sich zu beherrschen. Er würde jeden Moment kommen … jeden …

    Sie hörte auf. Gott sei Dank hörte sie auf. Er atmete tief durch. Doch dann berührte sie ihn erneut. Umschloss ihn heiß und feucht.

    Er stöhnte heiser auf.

    „Jared.“ Ihr Flüstern, ihr Flehen gab ihm den Rest. Nie hatte jemand seinen Namen mit solcher Sehnsucht ausgesprochen, mit solcher … Liebe.

    Er schrie auf, ihrer beider Stimmen im Einklang in völliger Ekstase.

    Eine Weile später begannen sich seine Gedanken zu klären. Sie hatte sich so gut angefühlt, so unglaublich gut, doch er war vollkommen erschöpft. Seine Augen blieben geschlossen. Er hielt sie ganz fest, fühlte sich glücklich wie nie zuvor, zum ersten Mal nicht allein.

    Und dann schlief er ein.

Als er erwachte, hielt er die Augen geschlossen, doch er konnte nicht aufhören zu lächeln. Genüsslich erinnerte er sich an den magischen Moment, als sie seinen Namen geflüstert hatte. Jared.

    Abrupt setzte er sich auf, um endlich mit ihr zu reden.

    Blinzelnd starrte er auf die leere Bettseite neben sich.

    Er streckte die Hand aus und befühlte die Delle im Kissen – es war kalt. Er warf die Decke zurück und ging sie suchen.

    Im Wohnzimmer wurde er fündig. Da lag er. Unübersehbar. Unabwendbar.

    Zum zweiten Mal in seinem Leben sorgte ein unscheinbarer Zettel dafür, dass seine Welt aus den Fugen geriet. Vor über fünfzehn Jahren hatte auch seine Mutter ihm einen Zettel hinterlassen, doch diesmal steckte er nicht einmal in einem Umschlag. Eine gekritzelte Nachricht auf einem gefalteten Blatt Papier. Eigentlich brauchte er die Nachricht gar nicht lesen, um zu wissen, was darin stand. Trotzdem nahm er den Zettel, faltete ihn auseinander und überflog ihn.

    Ich gehe fort.

    Es tut mir leid.

    So weit nichts Neues.

    Ich danke dir.

    Wofür? Er zerknüllte den Zettel in seiner Faust. Den Sex?

    Plötzlich spürte er einen bitteren Geschmack in seiner Kehle brennen. Er lief in die Küche, um die Übelkeit mit einem Glas Wasser hinunterzuspülen.

    Zorn stieg in ihm auf. Das Glas zerbrach, als er es in die Spüle schleuderte. Doch das berstende Glas war nicht genug, um seine unbändige Wut zu dämpfen.

    Er hielt sich am kalten Stahltresen fest, starrte auf die Scherben, zählte stumm, um nicht die Beherrschung zu verlieren, wartete, bis der Drang, wütend um sich zu schlagen, verebbte.

    Sie hatte ihn verlassen.

    Sie hatte ihren Namen in sein Herz geritzt und eine klaffende Wunde hinterlassen. Verzweiflung pulsierte durch seine Adern, erfasste jede Faser seines Körpers. Er drehte sich schwer atmend um und sah sich in seiner Wohnung um – die edlen Möbel, die teuren Bilder, der Luxus. Nichts davon bedeutete ihm etwas. Er konnte ebenso gut unter einer Brücke schlafen. Ihm war alles genommen.

    Und wer war schuld?

    Er selbst. Sein Zorn richtete sich gegen ihn selbst. Gegen seine Feigheit. Er hätte mit ihr reden müssen, hätte ihr gestehen müssen, was er sich selbst nicht eingestehen wollte.

    Dieser unerträgliche Schmerz war die Kehrseite der Liebe, und er verdiente es nicht besser. Denn sie war die einzige Frau, die er liebte, die Einzige, die er je lieben würde. Und er war zu feige gewesen, es ihr zu sagen.

    Jetzt hatte er sie verloren. Und er wusste, dass sie nicht zurückkommen würde.

    Er ging ins Wohnzimmer und blieb vor dem Bild stehen, das sie so bewundert hatte. Sein Magen krampfte sich zusammen. Keine Sekunde länger würde er diesen Anblick ertragen. Er musste es verkaufen, verschenken …, jedenfalls musste es weg.

    Er hob das schwere Ding von der Wand, drehte sich um und wollte es mit der Vorderseite auf den Tisch legen. Doch als er es sinken ließ, rutschte es ihm aus der Hand, fiel mit der Leinwand auf die Tischkante – und riss mitten durch.

    Er blickte auf sein Werk der Zerstörung.

    Er war mit seiner Kraft am Ende.

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