Heiße Küsse für den Boss - 7. Kapitel

7. Kapitel

Amanda wurde von Jareds Gewicht in das weiche Ledersofa gedrückt. Sie war völlig überwältigt von dem, was gerade passiert war. Es hatte sich so gut angefühlt. So viel besser als gut. Ihr Körper war ganz warm, ihre Nervenenden prickelten noch, und für einen kurzen herrlichen Moment fühlte sie sich vollkommen entspannt und glücklich.

    Doch dann schaltete sich ihr Kopf wieder ein, und sie wünschte sich nichts sehnlicher als einen Kuss – als Beweis dafür, wie nah sie sich eben gewesen waren.

    Vergeblich hoffte sie auf eine zärtliche Geste, ein liebes Wort oder gar einen Kuss.

    Stattdessen spürte sie, wie seine Muskeln sich anspannten, und wappnete sich für das, was nun kommen würde. Jared stand auf, ohne sie anzusehen. Ohne etwas zu sagen. Sein Schweigen war lauter als ihr lustvoller Schrei von eben.

    Er wandte ihr den Rücken zu, zog seine Hose hoch und knöpfte die vier oder fünf Knöpfe an seinem Hemd wieder zu. In weniger als einer Minute war er wieder ganz Geschäftsmann. Nur sein abgehackter Atem, der Schweiß auf seiner Stirn und die geröteten Wangen verrieten, was geschehen war.

    Amanda zog den BH wieder über ihre Brüste und knöpfte ungeschickt ihre Bluse zu. Sie waren beide praktisch noch vollständig bekleidet, und doch waren sie sich so nah gewesen. So unvorstellbar nah.

    Endlich sah er sie an. „Du hättest es mir sagen sollen.“ Seine Augen funkelten.

    „Dazu war keine Gelegenheit“, rechtfertigte sie sich heiser.

    „Dazu ist immer Gelegenheit.“

    Doch dann hätte er aufgehört. Und sie hatte nicht gewollt, dass er aufhörte.

    Er presste die Lippen zusammen und wandte sich ab. „Das hätte nie passieren dürfen.“ Er schob die geballten Fäuste in die Taschen. „Habe ich dir wehgetan?“

    Sie setzte sich auf, strich verlegen ihren Rock glatt und schloss den obersten Knopf der Bluse. Sie hatte keine Ahnung, wo ihr Slip war, doch es war ihr auch egal. Sie wollte nur hier weg.

    „Alles in Ordnung.“ Sie konnte kaum glauben, was passiert war, hätte es für einen Traum gehalten, wäre da nicht dieses Brennen zwischen ihren Beinen und dieses Nachprickeln in ihren Muskeln gewesen.

    „Unsinn. Ich war zu unbeherrscht.“ Er wandte ihr das Gesicht zu. „Es hätte viel schöner für dich sein können.“

    „Du schläfst wohl oft mit Jungfrauen.“

    „Du bist die erste. Aber ich weiß, dass die Frau bereit dafür sein muss. Und du warst nicht bereit.“

    Dann fluchte er, fast so schlimm wie damals am Abend ihres Geburtstags.

    Sie saß auf dem Sofa und schloss fest die Augen. Sein Zorn war zu viel für sie. Gegenwart und Vergangenheit verschmolzen für einen Moment, und ihr wurde übel.

    „Verzeih meine Ausdrucksweise, aber du … du …“ Er zeigte mit dem Finger auf sie wie eine viktorianische Autoritätsperson. Dann bemerkte sie, dass sein Finger leicht zitterte. Empfand er vielleicht doch noch etwas anderes als Zorn für sie?

    Ermutigt stand sie auf. „Du darfst dir keine Vorwürfe machen, Jared. Ich wollte es.“ Sie versuchte zu lächeln. „Ich habe endlich bekommen, was ich wollte.“

    „Warum weinst du dann?“

    „Ich weine nicht.“

    „Und was ist das?“

    Zärtlich wischte er ihre Tränen fort und legte dann die Finger an ihren Mund.

    „Schmeckst du das Salz, Amanda?“

    Nicht nur das. Seine Finger schmeckten nach ihr. Rochen nach ihr. Nie hatte sie solche Nähe gekannt. Ihre Augen weiteten sich.

    Fluchend zog er die Hand weg.

    Wieder lief ihr eine heimliche Träne über die Wange, die sie verstohlen fortwischte. „Irgendwie habe ich mir das Nachspiel anders vorgestellt.“

    „Was hast du denn erwartet?“ Er packte sie. „Liebesschwüre?“

    „Nein, natürlich nicht.“

    „Du bist wirklich immer noch das verwöhnte Kind von damals. Du hast keine Ahnung. Du könntest schwanger werden.“

    „Ich bin nicht so naiv, wie du denkst, Jared. Ich nehme die Pille. Aber ich muss mir wahrscheinlich um etwas anderes Sorgen machen.“

    „Nein, musst du nicht“, widersprach er pikiert. „Es mag dir unglaublich erscheinen, aber es ist das erste Mal, dass ich ungeschützten Sex hatte. Von mir kannst du dir nichts einfangen.“

    Sie sahen sich an, beide sprachlos.

    Dann sammelte Amanda ihre Unterlagen ein, fassungslos über die Wendung der Ereignisse. Als sie sich ein letztes Mal umdrehte, sah sie, wie blass er war.

    „Wir machen ein anderes Mal damit weiter.“ Er deutete auf ihren Ordner. „Ich bringe dich jetzt nach Hause. Nimm dir für den Rest des Tages frei.“

    „Mir geht es gut, Jared. Ich fahre ins Büro.“

    „Du willst zur Arbeit?“ Er schüttelte den Kopf. „Du musst dich ausruhen. Du musst …“

    Dich ausheulen? Seine Stimme verstummte, doch sie wusste, dass er recht hatte. Auf keinen Fall würde sie sich heute auf die Arbeit konzentrieren können. Eigentlich wollte sie nur allein sein und sich unter der Bettdecke verkriechen.

    Stattdessen sah sie auf die Uhr. Gute Güte. Es war erst kurz nach halb elf. Seine Bürotür war nicht abgeschlossen gewesen. Jeder hätte hereinkommen und sie erwischen können. Sie hatte ihre Unschuld verloren, ungeplant, ungeschützt und an einen Mann, der sie nicht einmal mochte, geschweige denn liebte.

    „Amanda, ich …“

    „Du brauchst dich nicht entschuldigen, Jared“, unterbrach sie ihn kühl. „Ich wollte es nicht anders.“ Und nach dem anfänglichen Schreck über den Schmerz hatte sie es sogar genossen. Sie wollte nicht, dass er alles kaputt machte, indem er immer wieder betonte, wie sehr er es bedauerte.

    Auch Amanda empfand Bedauern. Aber nicht darüber, dass es passiert war, sondern darüber, dass es bei diesem einen Mal bleiben würde …

Während der Fahrt schwiegen sie beide verlegen.

    Als sie vor dem Gebäude hielten, löste sie den Sicherheitsgurt und wollte sich eilig verabschieden. Doch er stellte den Motor aus und stieg ebenfalls aus.

    „Du brauchst nicht …“

    „Ich bringe dich hinein. Keine Widerrede.“

    „Plötzlich so galant, Jared?“ Sie wollte nicht, dass er sich verpflichtet fühlte. Er hatte ja nur ein schlechtes Gewissen, weil er mit ihr geschlafen hatte. Weil er sie entjungfert hatte und es zu spät gemerkt hatte. Weil er Angst hatte, dass er ihr wehgetan hatte.

    Weh tat ihr nur die Gewissheit, dass es mit keinem anderen Mann je so schön sein würde. Sie hatte es ja schon so oft versucht. Hatte jede Menge Toms, Dicks und Harrys geküsst, doch weiter war sie nie gegangen, weil es sich nicht richtig anfühlte. Bei keinem von ihnen hatte sie etwas empfunden, jedenfalls nicht das wilde Verlangen, das sie eben bei Jared verspürt hatte.

    Weh tat die Erkenntnis, dass sie doch noch nicht über ihn hinweg war, dass sie nie über ihn hinwegkommen würde. Sie wollte keinen anderen.

    Doch er wollte sie nicht.

    Wer hatte schon das Glück, ein so schönes erstes Mal zu erleben? Ja, es hatte wehgetan, aber dann war er so zärtlich gewesen, hatte sie so lange liebkost, bis sie den Schmerz vergaß und sich ganz dem unglaublichen Gefühl hingeben konnte, ihn in sich zu spüren. Sie sehnte sich nach mehr.

    Es war ein spontaner Quickie auf dem Sofa in seinem Büro, und sie waren nicht einmal nackt gewesen. Wie herrlich wäre es erst, eine ganze Nacht mit ihm in einem Bett zu verbringen? Ohne zu streiten …

    Zu ihrer Überraschung stand die Haustür offen. Sie ging die Stufen zu ihrem Zimmer voran, vorbei an den verschlossenen Türen der anderen Mieter. Er schwieg, bis sie ihre Tür aufschloss. Sie wollte, dass er ging, doch ihr fehlte die Kraft, sich gegen ihn zu wehren. Sie wollte nur duschen und sich ausheulen.

    „Ich komme noch mit hinein.“

    Als sie die Tür öffneten, lag die Post auf dem Boden. Sie bückte sich, um sie aufzuheben, und erkannte das Logo des Pflegeheims auf dem obersten Umschlag. Plötzlich wurde ihr klar, was sie getan hatte. Wie hatte sie das vergessen können? Die Zukunft der Agentur stand auf dem Spiel. Und damit auch die ihres Großvaters.

    „Ich dachte, du hast eine eigene Wohnung.“ Jared blickte sich stirnrunzelnd um.

    „Nein, ich habe hier nur ein Zimmer gemietet.“

    „Warum?“

    Weil sie sich nicht mehr leisten konnte.

    „Mir gefällt’s“, log sie.

    Er starrte sie ungläubig an, doch die Gedanken an den Brief vom Pflegeheim nahmen sie so sehr in Anspruch, dass sie es kaum bemerkte. War es eine Rechnung? Die Kosten für die neuen Medikamente ihres Großvaters waren hoch, doch sie wollte alles tun, was in ihrer Macht stand, um seinen geistigen Verfall aufzuhalten.

    Amanda versuchte sich zusammenzureißen. Sie musste die Situation irgendwie retten.

    „Ich bedaure nicht, was passiert ist, Jared“, begann sie mit zittriger Stimme. „Aber es tut mir leid, dass ich mich so habe gehen lassen.“ Sie zwang sich, ihn anzusehen. „Ich hätte dich nicht anschreien dürfen. Das war sehr unprofessionell von mir.“

    Sie spürte den Umschlag in ihrer Hand. „Ich hoffe, es hat keinen Einfluss auf unser berufliches Verhältnis.“

    Einen Moment lang rührte er sich nicht, betrachtete nur ihre Hände und sah sich dann noch einmal im Zimmer um.

    „Ich melde mich“, erwiderte er schließlich unverbindlich. Dann drehte er sich um und ging eilig davon.

    Amanda schloss die Tür hinter ihm. Sie hatte immer geglaubt, dass sie sich nie wieder so gedemütigt fühlen würde wie an ihrem sechzehnten Geburtstag. Jetzt wusste sie es besser. Zum Glück gab es diesmal keine Zeugen. Letztes Mal hatten Polly und ihr Großvater ihre Demütigung noch verschlimmert. Diesmal betraf die Sache nur sie und Jared. Doch obwohl es in seiner Macht lag, sie glücklicher zu machen als jeder andere, war sie unglücklicher denn je.

Er hätte sie nie anrühren dürfen. Es war viel zu gefährlich.

    Er hatte nicht geahnt, wie gefährlich. Jared schlug die Autotür zu. Er konnte jetzt nicht ins Büro gehen. Er fuhr und fuhr, hinaus aus der Stadt, Richtung Strand, und überlegte, was er über Amanda Winchester wusste – oder zu wissen glaubte.

    Er erinnerte sich, wie sie damals in einem schwarzen Spitzennegligé in seinem Bett auf ihn gewartet hatte – in der festen Überzeugung, er würde sich darüber freuen. Wie oft hatte er sich ausgemalt, was passiert wäre, wenn er sie beim Wort genommen hätte. Doch so hatte er es sich nicht vorgestellt …

    Er war wütend. Vor allem auf sich selbst. Er hatte sich geirrt. Jared hasste es, im Unrecht zu sein. Nichts war, wie es schien – nicht, wenn es um Amanda ging.

    Er hätte gedacht, dass sie längst keine Jungfrau mehr war. Dass sie sich damals einen anderen gesucht hatte, wie sie angedroht hatte. Doch das hatte sie nicht. Warum nicht? Gott, sie war eine so fantastische Frau, bestimmt rissen sich die Männer um sie …

    Sie lebte auch nicht im Luxus, wie er es sich immer vorgestellt hatte. In Wahrheit arbeitete sie hart, um ihren geliebten Job nicht zu verlieren, wohnte in einem bescheidenen Zimmer in einem heruntergekommenen Stadtteil. Und dann ließ sie sich völlig überstürzt von ihm entjungfern.

    Was war hier los?

    Wieder dachte er an jene Nacht damals, versuchte, sich an ihr Gesicht zu erinnern. Sie musste aufgeregt gewesen sein. So aufgeregt, dass sie sich mit dem Brandy ihres Großvaters Mut angetrunken hatte. Sie war dumm gewesen, verwöhnt und verzogen. Naiv. Und, wie er erst jetzt erkannte, auch ziemlich süß. Hatte sie vielleicht wirklich etwas für ihn empfunden?

    Nein. Unmöglich.

    Doch dass sie nie mit einem anderen geschlafen hatte? Er konnte nicht glauben, dass die junge Frau, die sich ihm so ungestüm dargeboten hatte, nie einen anderen an sich herangelassen hatte.

    Bei dem Gedanken wurde ihm heiß und kalt zugleich. Er hatte ihr wehgetan und hasste sich dafür, und er hasste sie dafür, dass sie ihn in diese Lage gebracht hatte. Sie hätte es ihm verdammt noch mal sagen müssen. Wie war es möglich, innerhalb weniger Minuten die beste und die schlimmste Erfahrung seines Lebens zu machen?

    Jared nahm den Fuß vom Gas, als er bemerkte, dass er viel zu schnell fuhr. Wieder flammte Bitterkeit in ihm auf. Er wusste, dass sich Frauen von ihm angezogen fühlten. Schon damals, als er jung war und keinen Penny besaß, hatte er sich vor Frauen kaum retten können.

    Doch es ging nur um Sex. Jedenfalls war er nicht bereit, mehr zu geben. Eine Beziehung kam für ihn nie in Betracht. Dafür war er einfach nicht gemacht.

    Er hatte in Amanda das verwöhnte junge Mädchen gesehen, das sich von seinem Image als Rebell angezogen fühlte. Und von seinen Muskeln. Die mochten viele Frauen. Noch mehr mochten Frauen Geld. Auch das wusste Jared. Doch was wollte sie wirklich? Hoffentlich keine Hochzeit und ein Häuschen in der Vorstadt, denn das kam für ihn nicht infrage.

    Er musste sich von ihr fernhalten. Die Situation war völlig außer Kontrolle geraten.

    Doch ihm war klar, das würde nicht leicht sein. Denn sein Körper brannte noch immer vor Verlangen nach ihr …

    Er hielt am Straßenrand an und starrte auf den Tachometer. Er musste es zugeben. Sein Verlangen war stärker als der Drang, die Flucht zu ergreifen. Er konnte sich nicht von ihr fernhalten.

    Doch er würde ihrem Zauber kein zweites Mal erliegen. Es würde keine langen, einsamen Nächte mehr geben, in denen er von ihr träumte. Er würde sich beherrschen.

    Er wendete das Auto und fuhr zurück in die Stadt. Der Vorsatz, sich auf eine rein geschäftliche Beziehung zu beschränken, war längst über den Haufen geworfen. Doch was immer auch als nächstes zwischen ihnen geschah, er würde den Ton angeben.

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