Ich lege dir die Welt zu Füßen - 5. Kapitel

5. KAPITEL

„Vielleicht verspätet sich Ihre Braut ja auch“, versuchte der Chauffeur, Marcus Benson zu beruhigen.

     „Wie viele Leute wissen denn, dass ich heute heirate?“, fragte Marcus verblüfft.

     Robert schmunzelte. „Vermutlich die halbe Welt. Im Vorzimmer liefen den ganzen Tag die Telefone heiß. Sie haben kein Geheimnis aus Ihren Hochzeitsplänen gemacht.“

     Stimmt, dachte Marcus. Hatte etwa die Presse davon erfahren? Würden Fotografen da sein? Hoffentlich hatte Ruby es geschafft, Peta zu einem neuen Kleid zu überreden.

Peta stand im Vorraum des Standesamts und fühlte sich seltsam leicht und frei und anders als sonst.

     Sie und Ruby waren zum größten Brautausstatter New Yorks gefahren und hatten erklärt, dass Peta Marcus Benson noch am selben Nachmittag heiraten würde, Geld spiele keine Rolle. Daraufhin hatten sich die Verkäuferinnen fast überschlagen, um ihnen zu Diensten zu sein.

     Peta hatte ein exklusives Brautkleid nach dem anderen anprobiert und sich dann für ein relativ schlichtes Modell entschieden. Es war aus elfenbeinfarbener Seide und passte so perfekt, als wäre es für sie angefertigt worden. Das Kleid hatte Spaghettiträger und einen relativ tiefen Ausschnitt. Das weiche Material schmiegte sich an ihren Körper und betonte Petas schmale Taille, um dann in vielen Falten bis zu den Knöcheln zu fallen.

     Schnell fanden die Verkäuferinnen ein passendes Paar weiße Sandaletten, eine Friseurin flocht Peta weiße Bänder in das rötlich schimmernde Haar und schminkte sie dezent. „Bei Ihrem Teint ist Make-up fast überflüssig. Sie sehen großartig aus.“

     Sie hatte recht. Peta erkannte sich kaum wieder. Als Nächstes bestand sie darauf, dass Ruby sich für den feierlichen Anlass ebenfalls neu einkleidete. „Ich spiele meine Rolle nur, wenn Sie mit von der Partie sind, Ruby.“

     Erst sträubte sich Ruby, doch dann ließ sie sich zu einem Kostüm aus schimmernder blauer Shantungseide und einem reizenden kleinen Hut überreden. Ein neuer Haarschnitt brachte den Hut noch besser zur Geltung, und schließlich fühlte sich Ruby beinahe ebenso seltsam leicht und beschwingt wie Peta. Es war wirklich wie im Märchen.

     Im Standesamt angekommen, erfuhren sie, dass Mr Benson noch nicht eingetroffen war. Aber Darrell wartete bereits. In seiner besten Paradeuniform, die Brust mit Orden und Abzeichen gespickt, sah er so eindrucksvoll aus, dass die vielen Narben in seinem Gesicht, die von Brandwunden herrührten, kaum auffielen.

     „Ich freue mich für Sie, Peta. Und Mr Benson hat es verdient, dass ihn jemand glücklich macht. Er ist so gut zu mir gewesen …“ Darrell verstummte verlegen.

     „Sind Sie sicher, dass Marcus wirklich kommt?“, flüsterte sie Ruby zu.

     Ruby lächelte nervös. „Hoffentlich. Sonst heiraten Sie eben Darrell.“

     Unruhig sah Peta aus dem Fenster. Vor dem Eingang zum Standesamt drängten sich die Fotografen. Offensichtlich warteten sie auf eine wichtige Persönlichkeit. Peta hatten sie ebenso ignoriert wie die drei Bräute, die nach ihr eingetroffen waren.

     Peta blickte auf ihr wundervolles Bouquet aus weißen Orchideen. „Es muss ein Traum sein, ein verrückter Traum …“ Sie verstummte, als draußen ein wohlbekannter Wagen vorfuhr.

     Robert hielt die hintere Tür auf, und Marcus stieg aus. Er sah unglaublich gut aus in dem eleganten schwarzen Anzug. Am Revers steckte eine winzige weiße Orchidee.

     Das war ihr Bräutigam?

     Am liebsten wäre Peta davongelaufen. Aber Ruby hakte sich bei ihr ein und strahlte, als hätte sie das große Los gezogen. Darrell stand zwischen Peta und der Tür, sodass ihr der Fluchtweg versperrt war. Ihr blieb nichts anderes übrig, als abzuwarten, bis Marcus an den Fotografen vorbei war und kam, um seine Braut zu treffen.

Marcus öffnete die Tür – und erblickte Peta.

     Hatte er sich in der Tür geirrt? Er hatte ein Büro erwartet, einen Beamten hinter einem Schreibtisch und Peta in einem Kostüm oder einem Hosenanzug.

     Stattdessen erwartete ihn eine Braut.

     Einen Moment lang fühlte er sich in seine Kindheit zurückversetzt. Seine Mutter hatte immer wieder in Weiß geheiratet. Jedes Mal war es der Anfang eines Albtraums gewesen. Aber das ist nur eine Erinnerung, sagte sich Marcus. Dies war kein Albtraum, sondern Peta. Sie beendete ihr Gespräch mit Ruby, drehte sich um und sah Marcus an.

     Und dann lächelte sie ihn an.

     Marcus stockte der Atem. Wie schön sie war in dem traumhaften weißen Brautkleid. Noch nie hatte er eine so bezaubernde Frau gesehen.

     Dabei war Peta nicht im üblichen Sinn schön. Selbst frisch frisiert war ihr Haar noch immer ein wilder Lockenschopf, und sie hatte eine Stupsnase und unzählige Sommersprossen. Aber ihre perfekte Figur kam in dem eng anliegenden Kleid wunderbar zur Geltung. Die in ihr Haar geflochtenen weißen Bänder wirkten schöner als der zarteste Brautschleier.

     Aber Marcus faszinierten weniger das Kleid oder Petas Erscheinung, sondern vor allem ihre Augen, ihr Lächeln und die Art, wie sie ihn ansah. Sie schien ihn um Entschuldigung zu bitten und zugleich dazu aufzufordern, diesen Moment und das Vergnügen mit ihr zu teilen.

     Peta lächelte und lächelte. Plötzlich löste sich seine Überzeugung auf, dass er sich niemals wieder von etwas oder jemandem berühren lassen würde. In diesem Moment schlug ihm das Herz höher, obwohl es sich sonst nie regte.

     Schnell wandte Marcus den Blick ab und sah Ruby an. Sie war in dem blauen Kostüm kaum wiederzuerkennen. Und Darrell? Auch er strahlte und hatte sich in Schale geworfen wie für eine echte Hochzeit.

     Was für eine dumme Idee, dachte Marcus sogleich.

     Aber als Marcus neben Peta trat, hakte sie sich bei ihm so selbstverständlich ein, als gehörten sie zusammen.

     Fast hätte er einen Rückzieher gemacht. Aber da waren drei strahlende Menschen, und draußen wartete die Presse. Nein, er konnte jetzt nicht kneifen. Außerdem ging er ja keine Verpflichtung ein. Die Ehe würde nur auf dem Papier bestehen.

     Wieder sah er Peta in die Augen, und diesmal steckte ihn ihr Lächeln an. Dann nahm er ihre Hand und trat mit ihr ohne Zögern vor den Standesbeamten.

     Und so legten sie ihr Eheversprechen ab.

An Charles hatte keiner mehr gedacht.

     Ruby hatte ihm eine Einladung schicken lassen und ihn dann vergessen. Schließlich gab es Wichtigeres zu tun. Doch ehe der Standesbeamte die letzten Worte gesprochen hatte, ging die Tür auf. Petas Cousin Charles Higgins kam herein.

     Er sah aus, als wäre er einem Schlaganfall nahe. Sein teurer Dreiteiler wies ihn als ein Mitglied der Führungselite aus, doch seine Miene glich eher der eines Ganoven. Kaum erblickte er Peta, holte er aus, um sie zu schlagen. Peta zuckte zusammen und straffte sich, um den Schlag abzuwehren.

     Die beiden haben in einem Haushalt gelebt, Charles hat früher schon die Hand gegen sie erhoben, dachte Marcus. Auch in Marcus’ Vergangenheit hatte es Gewalt gegeben. Er war fit, und seine Reflexe waren in Ordnung. Mit einer einzigen Bewegung schob er Peta hinter sich, um sie zu schützen.

     „Du kleine …“ Charles versuchte, seitlich an ihm vorbei an Peta heranzukommen.

     Doch Marcus packte ihn mit eisernem Griff an den Schultern. „Was, zum Teufel, ist in Sie gefahren?“, fragte er zornig.

     „Diese … Schlampe!“ Charles war wie von Sinnen vor Wut. „Hier. Das fand ich nach der Mittagspause in meinem Büro vor.“ Er zog eine goldgeränderte Einladungskarte aus der Tasche. „Ich weiß nicht, wie sie Sie hereingelegt hat, aber …“

     „Mich legt niemand herein“, widersprach Marcus eisig.

     „Sie hat es aber getan, dieses Miststück, diese …“

     „Halt. Sie sprechen von meiner Frau.“

     Charles zuckte zusammen. „Peta soll Ihre Frau sein? Das ist unmöglich. Wieso sollten Sie ausgerechnet Peta heiraten?“

     Irgendwie schaffte Marcus es, sich zu beherrschen. „Sie werden beleidigend.“

     „Das ist ihre Schuld.“ Charles sah Peta giftig an. „Sie will sich nur mein rechtmäßiges Erbe unter den Nagel reißen. Die Farm gehört mir. Nachdem ich mir die Mühe gemacht habe, die Alte herzuholen …“

     Das ging wirklich zu weit.

     „Raus!“ Marcus wandte sich an den Standesbeamten: „Gibt es hier einen Sicherheitsdienst?“

     „Ich bin eingeladen“, protestierte Charles.

     „Wir nehmen die Einladung wieder zurück.“

     „Machen Sie lieber die Hochzeit rückgängig. Eine Ehe mit Peta? Dass ich nicht lache. Sie können sie nicht einfach heiraten und sich mit meinem Eigentum aus dem Staub machen. Ich lasse diese Ehe annullieren.“

     „Ich habe nicht die Absicht, Peta zu heiraten und mich aus dem Staub zu machen.“ Marcus tat so, als hätte er Charles missverstanden. „Wir fahren zusammen nach Australien.“

     Jetzt kam Peta hinter seinem Rücken hervor. Marcus legte den Arm um sie und zog sie an sich. Nun standen sie eng aneinander geschmiegt und Arm in Arm, als Mann und Frau.

     „Ich begleite Peta nach Hause“, erklärte Marcus sanft. „Ganz wie es sich gehört.“

     „Sie würden niemals …“

     „Doch. Gewöhnen Sie sich lieber an den Gedanken.“ Marcus sah Darrell an. „Es gibt hier offenbar keinen Sicherheitsdienst, der sich mit diesem Mann befassen könnte.“ Das sagte er in einem Ton, als gehörte Charles einer Gattung besonders widerlicher Geschöpfe an. „Helfen Sie mir, ihn an die Luft zu setzen, Darrell?“

     „Mit dem größten Vergnügen, Sir.“

     „Ich helfe auch“, sagte Ruby.

     „Ich auch“, schloss Peta sich an. „Immerhin ist er mein Cousin. Ich würde ihn gern zusammenschlagen.“

     „Bräute schlagen sich nicht“, antwortete Marcus.

     Peta lächelte schwach. „Nein?“

     „Bestimmt nicht.“

     „So ein Pech.“

     „Sie haben hier noch etwas zu erledigen“, erinnerte Ruby ihn und Peta. „Etwas Wichtiges.“ Dann sah sie Charles verächtlich an. „Sind Sie endlich fertig?“

     „Nein.“ Doch als Darrell energisch auf ihn zukam, trat er schleunigst den Rückzug an. „Meine Anwälte werden sich mit Ihnen in Verbindung setzen.“

     „Hoffentlich haben die bessere Manieren als Sie.“ Marcus kehrte Charles den Rücken zu. „Was sollen meine Braut und ich noch erledigen, Ruby?“

     Meine Braut! Das klang wie Versprechen. Und das war es auch, denn Marcus war fest entschlossen, dafür zu sorgen, dass Charles’ Anwälte Peta nicht verletzten. Es war unglaublich, aber er wollte sie beschützen. Was war bloß in ihn gefahren?

     Er warf Peta einen Blick zu. Sie schien genauso verwirrt zu sein wie er. Beschützt zu werden war offenbar etwas ganz Neues für sie. Vermutlich war sie immer auf sich allein gestellt gewesen. Wahrscheinlich hatte sie so hart kämpfen müssen wie er.

     Darrell schloss die Tür hinter Charles Higgins. Sie waren wieder unter sich.

     Nun brauchte er niemandem mehr etwas vorzumachen, doch Marcus ließ Peta trotzdem nicht los. Er drückte sie an sich.

     Ruby blickte den Standesbeamten an. „Können wir fortfahren?“

     Die unerwartete Störung schien den Mann aus dem Konzept gebracht zu haben. Rasch nahm er sich zusammen. „In Ordnung. Wo waren wir stehen geblieben? Ach ja, ich erkläre Sie zu Mann und Frau.“ Er lächelte erst Peta und dann Marcus an. Für ihn stellte sich keine Frage. Vor ihm stand ein frisch getrautes Paar, dem man deutlich ansah, dass es zusammengehörte. „Damit wären die Formalitäten erledigt. Sie können die Braut jetzt küssen.“

     Nein! Das Wort lag Marcus auf der Zunge, doch es gelang ihm, es für sich zu behalten. Dann sah er Peta an. In ihrem Gesicht spiegelte sich Panik. Einen Moment lang blickten sie sich so verblüfft an, als könnten sie nicht glauben, dass es so weit gekommen war und ihnen nichts anderes übrig blieb, als den Worten des Standesbeamten Folge zu leisten.

     Marcus hob Marcus die Hand, umfasste Petas Kinn und senkte die Lippen auf ihre. Dabei wollte er es gar nicht.

     Aber das stimmte gar nicht. Natürlich wollte er es. Es ist nur ein harmloser Kuss, er ist so bedeutungslos wie die Unterschriften, die wir hier leisten müssen, redete er sich ein.

     Aber kaum berührten sich ihre Lippen, war es kein harmloser Kuss mehr.

     Dieser Kuss stellte die Welt von Marcus Benson auf den Kopf. Zum ersten Mal im Leben hatte Marcus das Gefühl, die Kontrolle verloren zu haben. Normalerweise war er kühl, gelassen und Herr der Lage, und seine Welt bestand aus einer Reihe sorgfältig geplanter Schachzüge. Natürlich hatte er die Dinge immer in der Hand.

     Jetzt entglitt ihm jedoch die Kontrolle. Nein, das stimmte nicht ganz. Zähneknirschend gestand er sich ein, dass er schon seit seiner ersten Begegnung mit Peta das Heft nicht mehr in der Hand hatte. Aber als seine Lippen die seiner Braut berührten, traf es ihn wie ein Blitz.

     Auf einmal wusste er, dass er sie nie wieder gehen lassen würde.

     Er umfasste ihre Taille und zog Peta behutsam an sich. Ihre Nähe hatte eine unglaubliche Wirkung auf ihn. Es war, als würden sie zu einer Einheit verschmelzen. Seine Hände schienen genau da zu sein, wo sie hingehörten, so als wären sie endlich nach Hause gekommen.

     Sie schmeckt nach Peta, ging es Marcus flüchtig durch den Kopf. Unvergleichlich und eindeutig Peta. Und sie war so weich, so nachgiebig und doch so stark.

     Sie schmiegte sich an ihn und blieb sich dennoch treu. Er spürte, dass sie dasselbe empfand wie er und dass es sie ebenso verwirrte wie ihn. Noch nie hatte er etwas erlebt, was sich mit dieser Erfahrung hätte vergleichen lassen.

     Peta …

     „Sie werden sicher glücklich miteinander.“ Mit strahlendem Lächeln wartete der Standesbeamte darauf, die Zeremonie abzuschließen. Er drängte die beiden nur ungern, aber dieser Kuss schien nicht enden zu wollen, und das nächste Paar wartete schon.

     Schließlich löste Marcus sich widerstrebend von Peta, hielt sie jedoch weiter umfangen. Wie benommen sah er ihr in die Augen.

     „Ich wollte nicht …“

     „Es tut mir leid …“

     Beide verstummten verlegen.

     „Sie brauchen sich nicht zu entschuldigen.“ Der Standesbeamte reichte Marcus die Hand. „Als Mann und Frau dürfen Sie sich küssen, wann immer Sie wollen.“ Er schüttelte Marcus die Hand und küsste die Braut auf die Wangen.

     Marcus nutzte die Zeit, um die Fassung zurückzugewinnen.

     Schließlich trat der Standesbeamte zurück. „Es tut mir leid, dass wir vorhin unterbrochen wurden.“ Er warf einen verstohlenen Blick auf seine Armbanduhr. „Bitte unterschreiben Sie draußen im Büro noch einige Dokumente. Dann ist alles erledigt. Nochmals herzlichen Glückwunsch, Mr und Mrs Benson.“

Während der folgenden Stunde handelte Marcus beinah automatisch. Er trug sich ins Eheregister ein, nahm Glückwünsche entgegen und stellte sich der Presse. Später, beim Essen in dem Restaurant, in dem Ruby für die kleine Feier einen Tisch reserviert hatte, bemerkte er kaum, was er aß. Er hörte sich Darrells schüchtern vorgetragene Rede an und lächelte.

     Peta lächelte genauso gezwungen wie er.

     Schließlich war alles vorbei. „Darrell und ich nehmen ein Taxi nach Hause.“ Ruby reichte Marcus eine Plastikhülle. „Ihre Flugtickets, Mr Benson. Außerdem Ihr Pass und sämtliche Papiere, die Sie in den nächsten Wochen benötigen werden. Das Flugzeug startet morgen früh um neun.“

     „Meins fliegt erst abends“, erklärte Peta.

     „Ich habe Ihren Flug umbuchen lassen“, teilte Ruby ihr mit. „Sie haben heute einen kleinen Vorgeschmack davon bekommen, was es heißt, im Rampenlicht zu stehen. Heute waren nur wenige Reporter da, weil alles so schnell ging. Aber morgen wird die Nachricht, dass Marcus Benson geheiratet hat, Schlagzeilen machen. Ich dachte, Sie würden dem Medienrummel lieber entfliehen. Immerhin versucht die Sensationspresse Mr Benson zu verkuppeln, seit er seine erste Million gemacht hat.“

     „Und nun hat ihn sich tatsächlich jemand geangelt.“ Darrell lächelte Ruby an. „Das finde ich großartig!“

     „Ich habe mir niemanden geangelt“, stellte Peta verärgert klar. „Marcus hat aus freien Stücken angebissen.“

     „Und in zwei Wochen kann er wieder gehen.“ Ruby sah Darrell auffordernd an. „Wollen wir die beiden allein lassen?“

     „Ja, das ist eine gute Idee.“ Darrell schüttelte Marcus kräftig die Hand, ehe er Peta auf die Wangen küsste.

     „Halten Sie ihn am Haken“, riet er ihr. „Sie finden keinen besseren Partner als Marcus Benson, und er braucht Sie mehr, als er ahnt. Ich wünsche Ihnen beiden alles Gute.“

     Nachdem Ruby und Darrell sich verabschiedet hatten, blieb Marcus allein mit seiner Braut zurück. Sie saßen in einer Nische, in der sie vor neugierigen Blicken geschützt waren.

     Wenn sie nur nicht so schön wäre, dachte Marcus. Peta wirkte verletzlich und hilflos.

     „Ich muss mich unbedingt umziehen. Ich fühle mich in dieser Verkleidung nicht wohl“, erklärte Peta.

     Sie hatte recht, sie mussten zur Normalität zurückkehren. Dennoch glaubte Marcus, Bedauern aus ihrer Stimme herausgehört zu haben. Vielleicht ging es ihr genauso wie ihm: Es tat weh, sich wieder alltäglichen Dingen zuzuwenden. Vielleicht konnten sie sich damit noch etwas Zeit lassen?

     „Hättest du Lust, diesen märchenhaften Zustand noch ein wenig zu verlängern?“, fragte er.

     Peta zögerte. „Was hast du denn vor?“

     „Morgen verlässt du New York und bist nicht einmal im Central Park gewesen. Hättest du jetzt Lust dazu?“

     Sie sah ihn an, als hätte er den Verstand verloren. Dann lächelte sie und wies auf ihr Kleid. „In dem Aufzug?“

     „Vertrau mir einfach.“ Dabei wusste er selbst noch nicht, was er als Nächstes tun wollte.

     „Ich traue niemandem, der mir Märchen verspricht.“ Sie lächelte. „Ehrlich gesagt, ich habe Märchen schon immer ziemlich langweilig gefunden.“

     Marcus atmete auf. Peta brauchte er nichts vorzumachen. Sie würde sich nicht an ihn klammern. Mit ihr konnte er zusammen sein und dann wieder gehen. Ganz nebenbei würde er eine gute Tat vollbringen.

     „Und wenn ich verspreche, dich nicht zu langweilen …?“

     „Langweilen kannst du mich sowieso nicht, auch wenn du dich noch so sehr anstrengst.“

     „Vielen Dank.“

     „Keine Ursache.“

     „Was machen wir jetzt? Möchtest du ein bisschen Spaß haben?“ Als er sie ansah, wurde ihm klar, dass ihr das Wort so fremd war wie ihm.

     Eine Weile betrachtete sie ihn mit leicht geneigtem Kopf, so als würde sie einem fernen Echo lauschen. „Du willst, dass wir Spaß haben?“

     Worauf lasse ich mich da ein? fragte er sich beunruhigt. „Stimmt“, bestätigte er. „Das will ich. Ich will, dass wir die Benson Corporation, die Farm der Familie O’Shannassy und deinen Cousin Charles vergessen. Heute Nachmittag trägst du ein Kleid wie im Märchen, und ich war noch nie verheiratet. Also lass uns den Zauberstab schwingen und noch etwas länger im Märchenland bleiben.“

     Peta musterte ihn forschend. Dann traf sie eine Entscheidung … und schenkte Marcus ein Lächeln, um das ihn jeder Mann beneidet hätte. „Okay, Mr Benson. Ich spiele mit. Worauf wartest du noch? Komm, lass uns New York unsicher machen und Spaß haben!“

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