Und plötzlich ist es Leidenschaft - 11. Kapitel

11. Kapitel

Cole parkte seinen Pick-up vor dem Haus seiner Großmutter. Die Blumen blühten, und die Pferde grasten immer noch draußen auf den Weiden. Er hatte das Paradies erlebt, dann die Hölle, und hier auf der Ranch war alles wie immer. Als wäre nichts geschehen. Er versuchte, das Gefühl der Leere abzuschütteln, und zwang sich, etwas Enthusiasmus aufzubringen. Denn jetzt würde er seiner Großmutter die gute Nachricht überbringen. Um sich zu vergewissern, dass die letzten vier Tage kein Traum – oder richtiger, kein Alptraum – gewesen waren, strich er über seine Brusttasche, in der das Schmuckkästchen steckte. Er stieg aus und riss sich zusammen. Es brauchte ja niemand zu erfahren, dass er zum Idioten degradiert worden war. Er würde Lyndseys Verrat und seine Leichtgläubigkeit einfach übertünchen.

    "Grandma?", rief er, als er die Haustür geöffnet hatte.

    Sie kam in die Eingangshalle und wischte sich die Hände an einem Geschirrtuch ab. "Ich habe deinen Pick-up gehört. Gibt es Neuigkeiten?"

    Cole zwang sich zu einem Lächeln, als er das Schmuckkästchen aus seiner Brusttasche zog. "Großartige Neuigkeiten. Ich habe sie gefunden."

    Sie musterte ihn einen Moment. "Und es ist alles okay?"

    Er hatte eine andere Reaktion erwartet und lächelte breiter. "Natürlich. Wir haben die echte Brosche."

    In Grandmas blauen Augen standen Tränen, als sie das Kästchen öffnete und die Brosche betrachtete. "Wo ist Lyndsey?"

    Cole atmete tief ein und machte die Tür hinter sich zu. "In New York."

    "Warum? Warum ist sie nicht nach Hause gekommen?"

    "Sie hat etwas zu erledigen."

    "Was?"

    "Grandma …"

    "Ja, was denn, Cole Nathaniel? Das ist ihr Triumph. Sie hat die Brosche gefunden."

    Cole zuckte zusammen und verbiss sich eine heftige Erwiderung.

    "Das hat sie erreicht."

    Er zwang sich, den Mund zu halten.

    "Sie muss doch hier bei uns sein, um mit uns zu feiern."

    "Grandma …"

    "Sag mir endlich, was los ist."

    "Sie ist weg."

    "Was hast du getan?"

    "Lyndsey ist nicht unsere Freundin", sagte Cole so sanft, wie er konnte.

    Seine Großmutter funkelte ihn an und wedelte mit dem Schmuckkästchen vor seiner Nase herum. "Das ist lächerlich. Du wirst sie heiraten."

    Cole fuhr sich durch das Haar. Er brauchte dringend frische Luft und wollte im Moment keine Fragen beantworten, die Lyndsey betrafen. "Nein. Ich werde sie nicht heiraten."

    "Natürlich wirst du das." Grandma nickte. "Ich werde es nicht zulassen, dass du dich bei dieser Frau wieder herausredest. Es ist Zeit, erwachsen zu werden und Verantwortung zu übernehmen, Cole."

    "Ich werde eine andere Frau heiraten. Ich verspreche es."

    Grandma schüttelte nur den Kopf.

    Er versuchte, sich zu beruhigen. Je eher er es hinter sich brachte, umso besser. "Ich wünschte, ich müsste dir das nicht erzählen."

    "Was erzählen? Was hast du dieser wundervollen Frau angetan?"

    Nun reichte es Cole wirklich. "Diese wundervolle Frau hat versucht, den Blitz des Nordens zu stehlen."

    "Hat sie nicht."

    "Ich habe sie dabei beobachtet."

    "Das ist nicht möglich", erklärte Grandma.

    "Sie ist eine Fremde. Du kannst ihr doch nicht so blind vertrauen." Wie er selbst es getan hatte. Sie hatte ihn mit ihrem sexy Lächeln und ihrer verführerischen Stimme für sich eingenommen. Das war das Ergebnis, wenn man zuließ, dass Emotionen den Verstand ausschalteten. Oder vielleicht war es auch seine Libido gewesen.

    "Für dich mag sie eine Fremde sein, Cole", sagte Grandma. "Aber ich kenne diese Frau. Sie hat uns nicht enttäuscht."

    Lyndsey hat als Schwindlerin wirklich unglaubliches Talent, dachte er, wahrscheinlich betrügt sie ständig ältere Menschen. Sie und ihr Partner, Bradley Slander. "Du kennst sie nicht", erwiderte er.

    "Hol sie her."

    "Das werde ich nicht tun", protestierte er. "Sie hat mich in einem Hotelzimmer sitzen lassen und ein Geschäft mit der Brosche abgewickelt."

    "Ich bin sicher, dass es dafür eine ganz logische Erklärung gibt."

    "Ja, eine sehr logische. Sie wollte uns die Brosche stehlen."

    Ungläubig winkte Grandma ab.

    "Ich habe fünf Stunden auf sie gewartet", erzählte Cole. "Dann habe ich einen Zettel mit einer Adresse im Papierkorb gefunden, bin ihr gefolgt und habe sie und ihren Partner auf frischer Tat dabei ertappt, wie sie einen kriminellen Schwarzmarkthändler bestochen haben."

    Grandma wurde blass.

    Ihm tat es leid, seine Großmutter so desillusionieren zu müssen, aber Lyndsey war kein guter Mensch. Sie war eine Diebin. "Ich habe alle drei durch das Fenster beobachtet."

    "Cole", flüsterte Grandma rau.

    "Sorry, Grandma." Niemand wünschte sich mehr als Cole, dass sich die Dinge anders entwickelt hätten. Die Schwindlerin Lyndsey war die anziehendste Frau, die er je getroffen hatte. Sogar jetzt noch, nach allem, was sie ihm angetan hatte, dachte er wehmütig an ihre Stimme, ihr Lachen, ihre zärtlichen Liebkosungen und ihre smaragdgrünen Augen.

    Die alte Frau drückte das Schmuckkästchen an ihre Brust und straffte die Schultern. "Setz dich, Cole. Es gibt etwas, das ich dir sagen muss."

Cole hörte dem Geständnis seiner Großmutter zu und konnte die Geschichte kaum glauben. Als sie erzählte, dass sie Lyndsey ins Vertrauen gezogen hatte, sprang er auf und ging ruhelos auf und ab. Von Minute zu Minute wurde er wütender. Er gab Grandma und Lyndsey keine Schuld, aber seinem Großvater und sich selbst. Es war ihr Job, die Familie zu beschützen und deren Sicherheit zu gewährleisten.

    "Lyndsey hat die Brosche von deinem Halbonkel gekauft. Und sie hat dir nichts davon erzählt, weil sie es mir versprochen hat. Sie hat mein Geheimnis bewahrt, Cole. Sie hat es zugelassen, dass du sie hasst, um mich nicht zu verraten."

    Er blieb vor dem Kamin stehen und starrte zornig auf eine Fotografie seines Großvaters, die auf dem Sims stand. Der Mann grinste. Aus einem Impuls heraus schlug Cole mit der Faust gegen die Holzvertäfelung neben dem Bild und beschädigte dabei die Oberfläche. Seltsamerweise spürte er nicht den geringsten Schmerz.

    "Habe ich etwas verpasst?", fragte Kyle, der gerade hereinkam.

    "Cole und Lyndsey hatte einen Streit", erklärte Grandma nach langem Schweigen.

    "Wegen Melanie hast du nie auf eine Wand eingeschlagen", sagte Kyle.

    Als Cole auf das Bild seines Großvaters starrte, wurde ihm auf einmal schmerzlich bewusst, dass er genauso schlimm war wie der alte Mann. Er hatte versagt. Er war nicht für Grandma da gewesen und hatte Lyndsey in die Wüste geschickt, anstatt ihr auf Knien zu danken. Schließlich hatte sie seinen Job erledigt.

    "Cole, gibt es Neuigkeiten in Sachen Brosche?", erkundigte sich Kyle.

    "Sie ist hier." Grandma zeigte auf das Schmuckkästchen.

    "Dann ist die Mission doch erfüllt. Was stimmt denn nicht?", fragte Kyle seinen Bruder.

    Alles stimmt nicht, dachte Cole. Eine Familienkrise hatte sich direkt vor seiner Nase abgespielt, und er hatte es noch nicht einmal bemerkt. Und er hatte die Frau seiner Träume schändlich behandelt. Sie war jetzt in New York, musste die Wikinger-Ausstellung absagen und zerstörte damit ihre Karriere. Das verdiente sie nicht. Sie hatte ihnen geholfen, und was war der Dank dafür? Er wand sich innerlich, als er an die Beleidigungen dachte, die er ihr an den Kopf geworfen hatte. Er hatte ihr sogar gedroht, sie verhaften zu lassen. Und sie hatte nichts gesagt. Trotz allem hatte sie das Geheimnis bewahrt, das Grandma ihr anvertraut hatte. Er ignorierte Kyle und sah seine Großmutter an. "Ich weiß nicht, was ich jetzt tun soll."

    "Gib Lyndsey den Blitz des Nordens."

    Er schüttelte den Kopf. Es war zu spät. Nach allem, was er getan hatte, würde Lyndsey die Ausstellung absagen und nie mehr ein Wort mit ihm sprechen.

    "Nimm das nächste Flugzeug, Cole. Sieh zu, dass du nach New York kommst, und bring alles wieder in Ordnung", sagte Grandma.

    "Ich kann es nicht wiedergutmachen."

    "Doch. Das kannst du."

    Konnte er es? Würde eine reumütige Entschuldigung helfen? Würde die Brosche jetzt noch dazu beitragen können, seinen Fehler wiedergutzumachen? Es gab nur einen Weg, um das herauszufinden. Cole holte tief Luft, drehte sich auf dem Absatz um, lief aus dem Haus und zu seinem Pick-up.

Lyndsey kauerte niedergeschlagen in ihrem engen Büro und schlang die Arme um sich. Sie fror, dabei war es nicht mal sonderlich kalt.

    "Du hast dich in ihn verliebt, nicht wahr?", fragte Gwen und setzte sich auf die Fensterbank.

    Lyndsey nickte. Zumindest bei der Sache konnte sie ehrlich zu ihrer Freundin sein. "Ich konnte auch Cole nicht sagen, was wirklich los war. Und dann tauchte Slander auf …"

    "Und Bradley Slander ist der Grund, weshalb Cole denkt, dass du versuchst hast, die Brosche zu stehlen?"

    Lyndsey nickte wieder. Wie hatte Cole sie nur gefunden? Wieso war er in einer Stadt wie Miami ausgerechnet zu diesem kleinen Café gefahren? Sie hatte geglaubt, unentdeckt zu bleiben. Sie hätte ihm irgendeine Geschichte aufgetischt, und wenn sie ihm die Brosche gegeben hätte, hätte er gewusst, dass sie auf seiner Seite war. Doch stattdessen …

    Sie stöhnte laut. "Ich wünschte, ich könnte dir mehr erzählen."

    "Schon okay. Ich muss es nicht wissen. Aber was wirst du dem Boss sagen? Er ist ziemlich aufgebracht nach all den Versprechungen, die du ihm gemacht hast."

    "Dass die Ericksons mir die Brosche nicht leihen, denke ich." Sie zuckte die Achseln. Was spielte das noch für eine Rolle? Ihre Karriere war beendet. Sie bemühten sich schon mit allen Mitteln, eine andere Ausstellung für die Galerie zu organisieren. Lyndsey hatte eine Kardinalregel gebrochen, indem sie etwas versprochen hatte, das sie nicht halten konnte. Sie hätte ihren Boss anrufen sollen, sobald sie festgestellt hatte, dass die echte Brosche nicht da war. Nein, sie hätte sie erst gar nicht als Ausstellungsobjekt anbieten sollen. So etwas hatte sie vorher noch nie gemacht. Noch nie hatte sie ein Objekt versprochen, das sie nicht tatsächlich in Händen gehalten hatte. Doch sie hatte Cole vertraut, als er ihr sagte, er würde ihr den Blitz des Nordens überlassen. Dass er das jetzt nicht tat, war nicht sein Fehler, sondern ihrer. Alles war ihre Schuld.

    "Es ist nicht fair, dich so hängen zu lassen", sagte Gwen.

    Lyndsey lachte bitter. "Tja, das Leben ist nun einmal nicht fair." Sie wusste, dass sie sich darum kümmern sollte, ihr berufliches Fiasko zu begrenzen, aber sie schien einfach nicht darüber hinwegkommen zu können, Cole verloren zu haben. Jedes Mal, wenn sie ihre Augen schloss, sah sie ihn in dem Hotelzimmer in Miami vor sich. Sie erinnerte sich an das Mitgefühl in seinem Blick, als sie ihm von ihren Pflegeeltern erzählt hatte, an sein Zwinkern, als er ihr die Erdbeere in den Mund geschoben hatte, und an seine sehr leidenschaftlichen Küsse.

    "Nur der Ordnung halber …", hörte sie die Stimme, die sie in ihrem Kopf verfolgte, " … ich habe mich im Zweifel zu deinen Gunsten entschieden."

    Gwen riss die Augen auf und ließ sich von der Fensterbank gleiten.

    Als Lyndsey sich umdrehte, sah sie Cole. Er stand an den Türrahmen gelehnt da und wirkte zerknirscht. Sie blinzelte verwirrt.

    "Ich werde …, ich muss was erledigen." Gwen lief an ihm vorbei aus dem Büro.

    "Ich habe fünf Stunden in diesem Hotelzimmer gewartet", sagte er. "Es hat fünf Stunden gebraucht, bis ich davon überzeugt war, dass du mich tatsächlich betrogen hast."

    "Was machst du hier?", fragte Lyndsey angespannt. Die Brosche war echt. Er hatte keinen Grund, hier aufzutauchen und sie zu quälen.

    Cole betrat das Büro und schloss die Tür. "Grandma hat es mir gesagt."

    "Was hat sie dir gesagt?"

    "Sie hat mir die Wahrheit erzählt."

    Lyndsey wich zurück und schüttelte den Kopf. Das konnte nicht sein. Grandma würde ihr Geheimnis niemals preisgeben. Der Blitz des Nordens war ja wieder in ihrem Besitz. "Nein", flüsterte sie.

    "Doch." Cole nickte. "Warum hast du es mir nicht erzählt, Lyndsey?"

    "Ich hatte ihr mein Wort gegeben, Stillschweigen zu bewahren."

    "Ich hätte dir helfen können."

    "Du warst doch derjenige, vor dem sie es vor allem verheimlichen wollte."

    "Ich trage die Verantwortung für meine Familie", sagte Cole gepresst.

    Lyndsey schreckte zurück. Sie wünschte, sie wüsste, wie sie ihm helfen könnte. Das musste seinen Stolz enorm verletzt haben, denn er fühlte sich als Beschützer der Familie.

    Cole strich sich nervös durchs Haar. "Es tut mir leid."

    "Schon gut. Ich verstehe, dass du aufgebracht bist."

    Cole trat näher und schüttelte den Kopf. "Nein. Es tut mir nicht leid, dass ich laut geworden bin. Ich meine …, es tut mir schon leid." Er hielt inne. "Was mir wirklich leid tut, ist, dass ich dir misstraut und dich so schlecht behandelt habe. Und es tut mir leid, dass wir …" Er senkte den Blick.

    Lyndseys Anspannung ließ etwas nach. "Ja? Nun, was das angeht, tut es mir auch Leid." Sie hatten mit dem Feuer gespielt und sich beide dabei die Finger verbrannt. Sie hatte ja gewusst, dass sie mit Cole nur eine zeitlich begrenzte Affäre haben konnte. Aber sie war nicht fähig gewesen, ihm zu widerstehen. Und jetzt würde sich jeder Mann, mit dem sie in Zukunft ins Bett ginge, an Cole messen lassen müssen. Sogar jetzt nahm sein Duft sie gefangen. Sie schüttelte diese Gedanken ab. "Warum bist du hier?"

    Er zögerte. "Ich bin hier, um dir die Brosche zu geben."

    Ihr wurde der Hals trocken. "Das kannst du nicht tun."

    "Oh ja, das kann ich."

    "Aber …"

    Cole nahm ihre Hände in seine. "Ich mache dir einen Heiratsantrag, Lyndsey."

    Ihr Herz setzte einen Schlag lang aus. Er machte ihr wirklich einen Antrag? "Wie meinst du das?" Lyndsey wagte nicht zu glauben, dass es wahr sein könnte. Diesen Traum hatte sie schon ausgeträumt.

    "Wir machen alles genauso, wie wir es geplant hatten. Du stellst den Blitz des Nordens aus. Und dann …" Er zuckte die Achseln.

    Lyndseys Hoffnungsschimmer verflog. "Eine Zweckehe, Cole?"

    Er nickte. "Das ist die einzige Lösung."

    Das hatte sie auch gedacht, aber das war falsch gewesen. Die einzige Lösung war, dass Cole sie liebte. Dass er sie aus Liebe heiraten und den Rest seines Lebens mit ihr verbringen wollte. Nur das war für sie jetzt noch akzeptabel. Er hatte sie einmal gefragt, ob sie bereit wäre, in einem weißen Kleid mit ihm vor den Altar zu treten und ihm zu versprechen, ihn zu lieben. Ob sie bereit wäre, ihn dann zu küssen, den Brautstrauß in die Menge zu werfen – und anschließend wieder getrennte Wege zu gehen. Damals wäre sie dazu fähig gewesen. Doch jetzt konnte sie es nicht mehr tun. "Ich denke nicht, dass das immer noch eine Lösung ist", erklärte sie ihm tief enttäuscht.

    "Du hast es dir verdient."

    Lyndsey lachte bitter auf. "Weil ich dich belogen habe? Und weil ich mit dir geschlafen habe?"

    "Bitte nicht."

    Sie schüttelte den Kopf. "Danke für das Angebot, Cole. Aber ich verzichte." Unter diesen Umständen konnte sie den Blitz des Nordens nicht präsentieren. Nicht mehr. Und sie war noch nicht einmal sicher, ob sie sie der Öffentlichkeit überhaupt noch präsentieren wollte. Die Brosche war genau dort, wo sie sein sollte. In Grandmas Safe war sie in Sicherheit und würde eines Tages in die Hände von Coles Braut gegeben werden.

    "Ich akzeptiere kein Nein", beharrte er. "Nur durch dich haben wir die Brosche wiederbekommen. Und du warst für Grandma da, als sie sich mir nicht anvertrauen konnte."

    "Ach, Cole." Sofort empfand Lyndsey Mitgefühl. "Es war keine Frage des Vertrauens."

    "Nein?"

    "Nein. Sie war in großer Verlegenheit, und ich war eine Fremde. Wie ich darüber denken könnte, kümmerte sie weit weniger als deine Meinung."

    "So sehe ich das nicht."

    "Du denkst nicht klar."

    "Doch, das tue ich. Ich will, dass du mich heiratest. Ich will, dass du die beruflichen Vorteile bekommst, die es dir bringen würde, wenn du die Brosche präsentieren kannst. Das ist alles, was ich dir anbieten kann, um wiedergutzumachen, was …"

    Lyndsey kämpfte gegen die innere Kälte an, die sie frösteln ließ. "Ich will das nicht." Dachte er etwa, dass er die beiden letzten Wochen einfach ungeschehen machen konnte? Er hatte ihr den Mond und die Sterne vom Himmel geholt und dann alles einfach weggeworfen. Sie hatte beobachtet, wie er mit seiner Familie umging, wie sehr er sie liebte. Sie hatte eine Ahnung davon bekommen, wie ihr Leben aussehen würde, wenn er sie liebte. Aber das tat er nicht, und er würde es nie tun. Das konnte sie nicht ändern. "Nein, Cole."

    "Du wirst Grandma das Herz brechen."

    "Du übertreibst maßlos." Sie brachte ein schwaches Lächeln zustande.

    Er ließ sich nicht abweisen. "Heirate mich, oder ich werde zu schmutzigen Tricks greifen müssen."

    Sie verschränkte die Arme vor der Brust. "Nur zu. Was schwebt dir vor?"

    "Ich werde Bradley Slander anrufen."

    Entsetzt wich Lyndsey zurück.

    "Ich bin sicher, dass er einige Ideen hat, wie man den Blitz des Nordens präsentieren kann."

    "Nein, Cole." Sie schüttelte den Kopf. "Du weißt nicht, was er dann …"

    "Ich werde es tun. Entweder, du heiratest mich, oder ich mache einen Deal mit Slander."

    "Du bluffst."

    "Ich bluffe nicht."

    "Der Mann ist ein Teufel."

    "Dann heirate mich."

    "Nein, Cole."

    "Ich bitte dich doch nur um ein oder zwei Stunden, die du mit mir in trauter Zweisamkeit verbringen müsstest. Du wirst mir einen kleinen Kuss geben und beim Empfang so tun, als würdest du mich mögen. Dann gehen wir wieder unserer Wege. Du wirst Gründe finden, in New York sein zu müssen, und ich werde welche finden, weshalb ich auf der Ranch bleiben muss. Und nach einiger Zeit können wir sagen, dass es mit uns einfach nicht funktioniert hat."

    "Ich kann mir keinen Heiratsantrag vorstellen, der weniger romantisch wäre", meinte Lyndsey.

    Coles Augen funkelten vor Ärger.

    "Also wirklich, Cole. Gibt es eigentlich irgendetwas, das du hinzufügen könntest, damit sich eine Frau noch weniger begehrenswert fühlt?"

    Er sah ihr eindringlich in die Augen. "An meinem Verlangen nach dir gab es nie irgendwelche Zweifel."

    Lyndsey lief ein erregender Schauer über den Rücken. Einen Moment zog sie in Erwägung, den Antrag anzunehmen und Cole dazu zu überreden, berauschende Flitterwochen mit ihr zu verbringen. Aber das konnte sie nicht tun. Anschließend wäre ihr Liebeskummer umso schlimmer.

    "Offensichtlich denkst du nun doch darüber nach. Komm schon, Lyndsey, heirate mich. Du kannst es tun."

    Konnte sie das? Wenn sie nicht über ihre Gefühle für Cole hinwegkäme, würde sie verrückt werden. Sie musste sich auf etwas anderes konzentrieren. Und ihre Karriere war die einzig vernünftige Alternative. Zumindest hätte sie dann die Genugtuung, Slander in die Quere zu kommen. Sie blickte Cole fest an. "Gut." Plötzlich war sie es leid, zu kämpfen und sich etwas zu wünschen, was er ihr nie geben würde. "Ich werde dich heiraten."

    "Ja?"

    "Ja." Lyndsey warf die Haare zurück. "Schließlich ergäbe sich daraus ein beruflicher Coup, wie man ihn nur einmal im Leben landen kann."

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