Und plötzlich ist es Leidenschaft - 5. Kapitel

5. Kapitel

Lyndsey hielt den Atem an und fragte sich, ob Cole ihr vielleicht eine Abfuhr erteilen würde.

    "Ich will dich so sehr", sagte er stattdessen.

    "Einen Moment lang hast du mich beunruhigt, Cowboy", meinte sie erleichtert.

    Er schüttelte den Kopf und strich ihr Haar zurück. "Deswegen brauchst du dir keine Gedanken zu machen. Niemals."

    Nun verflogen ihre Bedenken. Cole war offensichtlich der aufrichtigste und ehrenhafteste Mann, den sie jemals getroffen hatte. Ja, er hatte sich ihr in Bezug auf den Blitz des Nordens in den Weg gestellt. Aber er hatte es aus Respekt vor seiner Familie getan. Anders als bei den Männern, mit denen sie sich in New York getroffen hatte, sagte ihr alles, was sie von ihm gesehen und gehört hatte, dass Cole ein Mann war, dem sie vertrauen konnte. Sie wollte ihn, und er wollte sie. Aufrichtiger konnten sie kaum miteinander umgehen.

    Er sah sie voller Verlangen an und vermittelte ihr den Eindruck, die begehrenswerteste Frau auf der Welt zu sein. Von ihren Empfindungen überwältigt, schloss Lyndsey die Augen. Er umfasste ihre Wange und küsste ihre Augenlider.

    Lyndsey fühlte sich völlig schwerelos, hörte das Rauschen des Baches draußen und genoss es, dass jede von Coles Berührungen ihre Haut in Flammen setzte. Sie schmeckte seine salzige Haut und schmiegte sich eng an ihn, bis sie ganz von seiner Wärme eingehüllt war. Cole hob sie mühelos auf seine Arme. Nie zuvor hatte ein Mann sie getragen. Sie bedauerte, dass das Schlafzimmer ganz in der Nähe war. "Halte mich noch eine Minute so", sagte sie, als sie im Schlafzimmer angekommen waren.

    "Kein Problem."

    Sie seufzte. "Kannst du nicht genau jetzt und hier die Zeit anhalten?"

    "Ich wünschte, ich könnte es."

    "Versuch es mit aller Kraft."

    Cole lachte leise. "Ich kann es langsam angehen lassen."

    "Das dürfte dir leichtfallen."

    "Nein, ganz und gar nicht."

    "Aber du würdest es für mich tun?"

    "Ich werde alles für dich tun. Du musst es nur sagen."

    Lass mich hinein in deine Welt, wollte Lyndsey sagen. Nicht nur in dein Bett, sondern auch in dein Herz und deine Seele. Aber das war unmöglich. Das, was sie hier und jetzt miteinander teilten, war alles, was sie hatten. Sie zwang sich, unbeschwert zu klingen. "Zieh dich aus."

    "Okay. Aber das könnte die Sache etwas beschleunigen."

    "Oder ich könnte mich ausziehen."

    "Das würde es noch schlimmer machen." Coles Stimme klang gepresst.

    Sie fing an, ihm das Hemd über die Schultern zu schieben. "Lass uns mit dem Feuer spielen."

    Er stellte sie langsam auf die Füße. "Lyndsey, ich spiele schon mit dem Feuer, seit ich dich das erste Mal gesehen habe."

    Sie trat einen Schritt zurück und griff nach dem Saum ihres T-Shirts. Er starrte sie so sehnsüchtig und ehrfurchtsvoll an, dass sie erschauerte. Sie zog das T-Shirt aus und genoss seine Reaktion.

    Cole schnappte nach Luft und konnte die Augen nicht von ihrem BH aus Spitze wenden. Wortlos streifte er sein Hemd ab.

    Lyndsey starrte unverhohlen auf seine muskulöse Brust. "Denkst du, dass wir beide das so sehr tun wollen, weil wir es nicht sollten?"

    "Ja. Wahrscheinlich hat es nichts damit zu tun, wie du aussiehst, schmeckst, duftest oder dich anfühlst."

    "Das ist es."

    "Das ist was?"

    "Wie du duftest."

    "Nicht gut?"

    Sie schüttelte den Kopf, ging zu ihm und schmiegte ihr Gesicht an seine Brust. "Doch. Sehr gut."

    Cole machte den Knopf ihrer Jeans auf. "Du auch."

    Lyndsey lächelte, stellte sich auf die Zehenspitzen und küsste ihn auf den Mund, während er den Reißverschluss ihrer Jeans herunterzog. "Es soll unser Geheimnis bleiben."

    "Dass wir miteinander geschlafen haben?"

    "Nein, die Sache mit dem Duft."

    "Abgemacht." Erst zog Cole ihr und dann sich die Jeans aus. Dann drückte er Lyndsey sanft aufs Bett, bedeckte ihren Körper mit Küssen, flüsterte ihr Koseworte zu und sorgte dafür, dass ihr Herz raste und ihre Hormone Tango tanzten. Mit den Fingerspitzen fuhr er leicht über ihren Bauch, umkreiste ihren Nabel, und sie schnappte nach Luft. Dann beugte er sich über ihre Brüste und liebkoste die Brustspitzen zärtlich mit Lippen und der Zunge.

    Lyndsey stöhnte und strich ihm durch das Haar. Als seine Hand tiefer glitt, bebte ihr Körper vor Erregung. Sie würden sich nicht langsam lieben, sondern es würde ziemlich schnell gehen, wenn sie nicht etwas unternahm. "Cole." Sie rang nach Atem.

    "Du bist zum Anbeißen."

    "Mach langsamer", bat sie. Sie konnte sein Lächeln fühlen.

    "Auf keinen Fall." Er streichelte sie.

    Ihre Hüften zuckten. "Cole", stöhnte sie.

    "Lass dich fallen."

    "Aber …"

    Er schaute ihr in die Augen, während er sie weiter streichelte und liebkoste. Sie bog sich ihm entgegen, und er küsste sie auf den Mund. "Das ist noch nicht alles", raunte er ihr zu. "Das verspreche ich dir."

    Lyndsey schloss die Augen. Sie konnte keinen Widerstand mehr leisten und kaum noch denken. Sie überließ sich seiner Führung, spürte seine Haut auf ihrer und fühlte sich ihm ganz nah, als er mit dem Finger in sie eindrang.

    Cole hielt Wort, ließ es langsam angehen und beobachtete sie, um auf ihre unausgesprochenen Wünsche eingehen zu können. Sie atmeten im gleichen Takt, als Lyndsey von einer Welle ekstatischer Empfindungen überrollt wurde. Er lächelte, vertiefte seinen Kuss und beschleunigte den Rhythmus, bis die Welt stillzustehen schien und Lyndsey den Gipfel erreichte.

    Sie fühlte sich wie im Paradies, schlang die Arme um ihn und bekam Schuldgefühle. Noch nie zuvor hatte ein Mann seine eigenen Bedürfnisse zurückgestellt, um sie glücklich zu machen. Als sie wieder zu Atem kam und sprechen konnte, sah sie ihn forschend an. "Wir …, wir hören doch jetzt nicht auf, oder?"

    Er schüttelte den Kopf, strich ihr eine Locke aus der Stirn und bedeckte ihren Körper mit seinem. "Oh, Süße. Wir fangen gerade erst an." Cole küsste sie leidenschaftlich, strich mit den Daumen über ihre Brustspitzen und entfachte ihre Lust sofort wieder.

    Sie ließ die Hände über seinen Rücken und den festen Po gleiten und erschauerte vor Erwartung, als sie spürte, wie erregt er war. Heiß erwiderte sie sein raffiniertes Zungenspiel und bemerkte, wie sich seine Muskeln anspannten. Lyndsey stöhnte, bewegte sich unter ihm und spreizte die Beine, was eine deutliche Einladung war.

    Cole rang nach Luft. "He. Das sollte der langsame Part werden."

    "Schnell macht es auch Spaß", versicherte sie ihm und bewegte sich noch eindeutiger.

    Er umfasste ihre Hüften, lehnte sich zurück und sah ihr in die Augen. "Wenn ich jetzt loslege, werde ich den Geschwindigkeitsrekord brechen."

    "Das ist mir egal." Es langsam angehen zu lassen war ohnehin eine dumme Idee gewesen. Nichts zwischen ihr und Cole würde jemals langsam vonstatten gehen. Als er in sie eindrang und sie seine Hitze spürte, stöhnte sie auf und schmolz fast dahin. Er schob die Hände in ihr Haar und strich mit den Daumen über ihre Schläfen. Sie spürte seinen heißen, heftigen Atem, und auch ihre Muskeln spannten sich an.

    Als er sich in schnellerem Rhythmus bewegte, krallte Lyndsey die Finger in die Decke neben sich. Cole stieß immer wieder ihren Namen aus, fand ihre Hände und verschränkte seine Finger mit ihren, als die Welt zu explodieren und die Zeit stillzustehen schien. Danach lagen sie eine Weile erschöpft und schwer atmend da. Schließlich küsste Cole sie auf die feuchte Stirn. "Bist du okay?"

    Lyndsey seufzte zufrieden. "Ich denke nicht, dass okay genau das richtige Wort ist."

    "Habe ich dir wehgetan?"

    "Nein. Es war fantastisch. Fantastisch ist das richtige Wort."

    Cole lachte leise und legte sich neben sie. "Du sorgst ständig dafür, dass mein Herz ins Stocken gerät, weißt du das?"

"Du treibst die Dinge zu schnell voran." Kyle zog vorsichtig ein Stück Glas aus dem zerbrochenen Fenster des Werkzeugschuppens.

    Cole stellte die neue Fensterscheibe auf den Boden und nahm einen Hammer und Nägel aus dem Werkzeugkasten. Sein Bruder wusste nicht einmal annähernd, wie weit er schon gegangen war. Cole war noch nie zuvor nach nur zwei Tagen mit einer Frau ins Bett gegangen. "Ich denke, es läuft gut."

    "Erst hast du auf dem Rasen neckische Spielchen mit ihr gespielt, und dann bringst du sie erst nach Mitternacht nach Hause."

    Ein Grinsen breitete sich auf Coles Gesicht aus. "Du klingst wie ihr Vater, weißt du das?"

    "Ich sage nur, dass Katie uns das nicht abkaufen wird, wenn du nicht langsamer vorgehst."

    Cole zog mit einer Zange einen Nagel nach dem anderen aus dem Fensterrahmen. "Es ist ein Kompromiss. Lyndsey muss den Blitz des Nordens zu einem bestimmten Zeitpunkt präsentieren können."

    "Du machst dir Gedanken darüber, dass sie ihre Termine einhalten kann? Vor zwei Tagen wolltest du sie noch vom Grundstück jagen."

    "Jetzt habe ich sie kennengelernt. Und ich wusste ja nicht, dass ihr Job auf dem Spiel steht."

    "Das hat Lyndsey dir erzählt?", fragte Kyle verblüfft.

    "Ja."

    Kyle funkelte ihn ungeduldig an.

    "Was ist?"

    "Was machst du, Cole?"

    Ist es so offensichtlich, was gestern Abend passiert ist, dass Kyle etwas ahnt?, fragte er sich. "Ich tue so, als würde ich mich in Lyndsey verlieben", erwiderte er betont geduldig.

    "Bist du da sicher?"

    "Absolut. Was denkst du denn?"

    Kyle zog ein weiteres Stück Glas aus dem Fenster. "Ich denke, dass du dich vorsehen solltest."

    Fast hätte Cole gelacht. "Moment mal. Das Ganze war doch deine Idee, kleiner Bruder."

    "Ja. Und ich könnte mich da vertan haben."

    "Vertan haben? Hallo? Was habe ich verpasst?"

    "Sie könnte mit dir spielen." Kyle zog seine Arbeitshandschuhe an.

    "Inwiefern denn? Sie geht ganz ehrlich und aufrichtig an die Sache heran."

    "Tut sie das?"

    "Ja!"

    "Denk mal darüber nach, Cole. Sie wird genau das bekommen, weswegen sie hergekommen ist."

    "Ja. Das ist die Abmachung."

    "Wir hatten abgemacht, dass Katie denken soll, Lyndsey habe sich in dich verliebt. Aber jetzt denkst du, dass Lyndsey sich in dich verliebt."

    "Nein, das tue ich nicht", fuhr Cole ihn an.

    "Doch, das tust du. Und wie wahrscheinlich ist das wohl?"

    Cole hatte tatsächlich nicht darüber nachgedacht, wie wahrscheinlich das war. Aber er glaubte ja auch nicht, dass Lyndsey sich in ihn verliebte. Nicht wirklich. Es handelte sich eher um eine sehr starke körperliche Anziehung. Natürlich würde er Kyle nicht erzählen, dass er mit ihr geschlafen hatte. Das würde seinen Bruder nur noch misstrauischer machen. "Es ist alles unter Kontrolle."

    "Dann bist du also auch nicht im Begriff, dich in sie zu verlieben?"

    "Wir spielen das doch nur."

    "Wir haben fünfzehn Jahre lang ein Zimmer geteilt, Cole. Und offen gesagt warst du noch nie ein guter Schauspieler."

    "Also, was schlägst du vor? Den Handel rückgängig machen und Lyndsey nach Hause schicken?"

    "Ich schlage lediglich vor, dass du dich in Acht nimmst. Schenke ihr nicht zu schnell dein Vertrauen."

    "Gut."

    "Ich meine es ernst. Ziehe alle Möglichkeiten in Betracht."

    "Gut. Das sagte ich doch schon." Cole kannte Lyndsey ja nicht wirklich, auch wenn er das Gefühl hatte, es zu tun. Natürlich konnte er ihr nicht bedingungslos vertrauen, Schließlich sah ihr Plan vor, ihn zum Altar zu bekommen. Was er als süß, verletzlich und sexy interpretiert hatte, könnte kühl kalkuliert und pure Manipulation sein. Vielleicht begehrte sie ihn. Vielleicht wollte sie ihm aber auch nur schöntun. So sehr es ihm auch zu schaffen machte, musste er zugeben, dass Kyle Recht haben könnte. Wie wahrscheinlich war es, dass eine Frau wie Lyndsey nach nur zwei Tagen mit einem Mann wie ihm schlafen wollte?

Katie hatte Lyndsey angeboten, das Telefon in ihrem Arbeitszimmer zu benutzen, um das Museum anzurufen. Aufgeregt wählte sie die Nummer.

    "Gwen hier", meldete sich ihre Freundin.

    "Hallo, Gwen. Hier ist Lyndsey."

    "Hallo. Na, wie geht es mit der Jagd voran?"

    Lyndsey holte tief Luft. "Ich habe den Blitz des Nordens gefunden."

    Gwen johlte. "Du hast sie tatsächlich ausfindig gemacht? Wo bist du? Wo ist sie? Was ist passiert?"

    "Ich bin in Texas."

    "Hast du die Brosche aus Europa mitgebracht?"

    "Sie war die ganze Zeit über hier."

    "Wow. Wann kommst du zurück?"

    Lyndsey senkte die Stimme. "Nicht gleich. Es ist kompliziert. Kannst du schon mal anfangen, die Ausstellung vorzubereiten?"

    "Ohne dich?"

    "Ja."

    "Natürlich", meinte Gwen. "Aber du hast den Blitz des Nordens, richtig?"

    "Sie ist in einer Anwaltskanzlei in Wichita Falls. Aber sage es keiner Menschenseele. Ich will nicht, dass Bradley Slander Wind davon bekommt, bevor die Sache unter Dach und Fach ist."

    "Aber wenn der Deal noch nicht perfekt ist, warum soll ich dann schon mit der Vorbereitung der Ausstellung anfangen?"

    "Er ist es ja irgendwie", druckste Lyndsey herum. "Nun ich …, ich muss den Besitzer heiraten."

    Am anderen Ende der Leitung herrschte beredtes Schweigen.

    "Es handelt sich um eine komplizierte Erbschaftsangelegenheit."

    "Du wirst in die Familie einheiraten, die den legendären Blitz des Nordens besitzt?"

    "Es wird eine Zweckehe sein."

    "Denkst du nicht, dass das zu weit geht?", fragte Gwen.

    Lyndsey zögerte. "Es ist der einzige Weg. Ich tue so, als ob ich mich … Wie auch immer. Wir werden uns scheiden lassen, sobald die Show vorbei ist."

    "Also, ich weiß nicht, Lyndsey."

    "Vertrau mir. Ich habe alles unter Kontrolle. Meine Notizen bezüglich der anderen Antiquitäten und die Namen der jeweiligen Kontaktpersonen sind in meinem Computer abgespeichert. Ich werde die Galerie reservieren lassen."

    "Du machst mich nervös."

    "Ich krieg das hin."

    "Bist du sicher?"

    "Ja."

    Sie musste es tun. Ihr blieb keine andere Wahl. Egal, wie kompliziert ihre Gefühle für Cole waren, und unabhängig davon, wie sehr sie diese verrückte Ranch zu lieben begann. Sie war hier, um einen Job zu erledigen. Wenn sie erst wieder zurück in New York wäre, würde sie das alles aus einer anderen Perspektive sehen. Sie würde als Heldin gefeiert werden, und ihre berufliche Reputation wäre wiederhergestellt.

    "Okay", meinte Gwen.

    "Toll. Ich werde mich in ein paar Tagen wieder melden." Lyndsey seufzte erleichtert und legte auf. Dann bemerkte sie plötzlich, dass Katie mit kalkweißem Gesicht in der Tür stand.

    Verdammt!

    Lyndsey machte den Mund auf, aber Katie hatte sich schon auf dem Absatz umgedreht. "Katie!" Lyndsey stand auf und lief ihr hinterher. "Katie, es ist nicht so, wie …"

    "Kein Wort mehr!" Katie ballte die Hände, als sie den Hang hinuntermarschierte. "Du hast mich belogen. Du hast mir ins Gesicht gesehen und mich angelogen, und ich habe dich bei uns in der Familie willkommen geheißen."

    "Cole weiß es."

    "Ja, ganz bestimmt."

    "Er weiß es wirklich."

    "Er wird es auf jeden Fall erfahren. Jetzt sofort." Katies Stimme bebte. Sie stürmte zum Werkzeugschuppen.

    Lyndsey folgte ihr eilig. Der Plan war ruiniert. Sie hatte alles vermasselt. Sie hätte leiser reden und die Zimmertür zumachen müssen. Cole würde sie umbringen. Genauso wie Kyle. Von nun an wäre Katie noch gestresster als vorher. "Katie, hör mir zu." Sie schnappte nach Luft und versuchte, Coles Schwägerin einzuholen. Doch in den Schuhen mit den hohen Absätzen konnte sie nicht mit ihr Schritt halten.

    Katie kam mit großem Vorsprung im Werkzeugschuppen an. "Sie ist eine Heiratsschwindlerin, eine Lügnerin und eine Diebin", rief sie gerade, als Lyndsey in die Nähe der drei Ericksons kam.

    Kyle legte den Arm um seine Frau. "Was ist los, zum Teufel?"

    "Sie hat zufällig gehört, was ich am Telefon gesagt habe", rief Lyndsey, die sich im hohen Gras ihren Weg bahnte.

    "Sie gibt vor, sich in Cole zu verlieben." Katies Stimme wurde brüchig. "Aber sie ist nur hinter der Brosche her. Ich habe es selbst gehört."

    Cole ging zu Katie und legte ihr die Hand auf die Schulter. "Es ist okay, Katie. Das weiß ich bereits."

    "Wie kannst du das wissen?" Sie schniefte. "Sie lügt dich an. Sie lügt uns alle an." Sie warf Lyndsey einen bitterbösen Blick zu.

    "Es tut mir so leid", sagte Lyndsey mit zitternder Stimme. Ihr wurde übel.

    "Das kann ich mir sehr gut vorstellen", fuhr Katie sie an.

    "Schatz", meinte Kyle weich und hielt seine Frau fest. "Das ist alles meine Schuld."

    Katie sah ihn an. "Wieso ist das denn deine Schuld?"

    Lyndsey wünschte, sie könnte im Boden versinken. Katie war so ein wundervoller Mensch und verdiente diesen Kummer nicht. Sie verdiente es, jede Minute am Tag von Kyle geliebt zu werden und eine ganze Mannschaft von kleinen Ericksons um sich zu haben.

    "Ich habe etwas sehr Dummes getan", sagte Cole.

    "Ich war es", erklärte Lyndsey, die das Familienglück nicht zerstören wollte. Die Ericksons liebten sich und bedeuteten einander alles.

    "Hört beide auf damit", mischte sich Kyle ein.

    "Katie", fing Cole an. "Nachdem die Sache mit den Babys zur Sprache gekommen war …"

    Seine Schwägerin wurde blass.

    "Ich dachte, wenn ich heirate und Kinder bekäme, würdest du dich nicht mehr so unter Stress gesetzt fühlen."

    "Wir hätten nicht wirklich Babys bekommen", fügte Lyndsey hinzu. "Wir hätten dich nur glauben lassen, dass wir welche bekommen werden. Es schien der perfekte Plan zu sein. Ich hätte den Blitz des Nordens bekommen, und du wärst vielleicht schwanger geworden. Und wenn wir uns dann wieder hätten scheiden lassen, wäre es dir gut gegangen."

    Katie wandte sich nun an Kyle. "Und du warst tatsächlich damit einverstanden?"

    "Ich …"

    "Wir haben ihn dazu überredet", meinte Cole. "Ich habe ihn überredet. Aber Tatsache ist, dass ich es wahr machen werde."

    Lyndsey stockte der Atem, und sie blinzelte, als sie Coles markantes Profil betrachtete. Sagt er das, weil wir uns gestern Abend sehr nah gekommen sind?, fragte sie sich. Ist das möglich? Denkt Cole, dass sich zwischen uns mehr entwickeln könnte? Ihr wurde ganz warm ums Herz. Sie hatte keine Idee, wie das mit ihnen funktionieren sollte. Aber dass Cole es versuchen wollte, weckte zärtliche Gefühle in ihr.

    "Sobald ich mich von Lyndsey scheiden lasse", fuhr Cole fort, "werde ich mich auf die Suche nach einer Ehefrau machen. Einer richtigen Frau. Ich werde meinen Teil der Verantwortung für diese verdammte Familiendynastie übernehmen."

    Lyndsey tat das Herz weh. Unwillkürlich trat sie einen Schritt zurück. Natürlich würde er die Richtige finden. Was hatte sie sich bloß gedacht? Cole konnte nicht nach New York ziehen, und sie würde nicht in Texas bleiben. Ihre Karriere und ihr Leben würden nach der Ausstellung der Brosche einen gewaltigen Aufschwung nehmen.

    Katie sah sie an, und Lyndsey zwang sich zu einem aufgesetzten Lachen. "Siehst du? Es wird sich alles fügen."

    "Cole", sagte Kyle. "Du musst nicht …"

    "Mein Entschluss steht fest." Cole strich über Katies Schulter. "Ich hoffe nur, dass ich eine Frau finden werde, die dir das Wasser reichen kann."

    Katie fuhr sich mit der Hand über das Gesicht. "Entschuldige", flüsterte sie Lyndsey zu.

    Lyndsey kam näher. "Es gibt nichts, wofür du dich entschuldigen müsstest." Katie hatte nur folgerichtig gehandelt.

    Sie nickte. "Okay. Aber Grandma sollte besser nicht erfahren, dass alles nur ein Schwindel ist."

    Cole und Kyle sahen sich an. "Du hast Recht", sagte Cole. "Wir planen immer noch eine Hochzeit."

Lyndsey setzte sich auf die alte Werkbank, um Cole dabei zuzusehen, wie er die Reparatur des Fensters beendete. Sie hatte es für eine gute Idee gehalten, Katie und Kyle eine Weile allein zu lassen. Sie wollte mehr über Coles Heiratsversprechen wissen, aber sie wollte nicht, dass er dachte, es würde ihr etwas ausmachen. Schließlich entschied sie, ihn einfach zu fragen. "Cole?"

    "Ja?"

    "War es dir ernst damit? Oder hast du nur versucht, Katie eine Last von den Schultern zu nehmen?"

    "Ernst womit?"

    "Eine richtige Frau zu finden." Lyndsey hasste es, dass sich ihr Herz verkrampfte, als sie die Worte aussprach. Es klang ja fast so, als wäre sie eifersüchtig. Was keinen Sinn machte. Spätestens nach der Ausstellung im Museum würde sie Cole nie wiedersehen. So war es immer geplant gewesen. Nur weil sie mit ihm geschlafen hatte, musste sie ja nicht gleich zu träumen anfangen. Sie war schon mit anderen Männern ins Bett gegangen. Mit Männern, die sie gemocht und denen sie vertraut hatte. Aber sie hatte sich dadurch nie den Kopf verdrehen lassen oder angefangen, sich eine feste Beziehung vorzustellen. Und sie war noch nie eifersüchtig auf die Frauen gewesen, die diese Männer in Zukunft treffen könnten.

    Cole nickte, während er die Nägel in den neuen Fensterrahmen hämmerte. "Es liegt zu viel Druck auf Kyle und Katie. Es wird Zeit, dass ich meine Pflicht gegenüber meiner Familie erfülle."

    "Hältst du die Absicht, eine Frau zu heiraten, die du nicht kennst, für eine besonders gute Idee?"

    Er schaute Lyndsey lange an. "Ja, tue ich."

    "Findest du nicht, dass du damit ein etwas zu großes Opfer bringst?"

    "Nicht wirklich. Wir Texaner nehmen Loyalität und Ehrenhaftigkeit sehr ernst."

    "Autsch."

    Cole zuckte die Achseln. "Das sollte keine Kritik sein."

    "Ganz bestimmt nicht." Offensichtlich zweifelt er an meinen Werten, dachte Lyndsey. Sie mochte für einen Abend im Bett gut sein, genügte aber sicherlich nicht den Ansprüchen, die er an eine Ehefrau stellte. Für ihn gab es wohl wirklich anständige und eher anrüchige Frauen. Zumindest wusste sie dieses Mal, zu welcher Kategorie sie gehörte.

    "Wir können die Heiratspläne wahrscheinlich ein bisschen beschleunigen", sagte er.

    "Das ist gut." Je eher ich von ihm wegkomme, desto besser, überlegte sie.

    "Falls Grandma Verdacht schöpfen sollte", fuhr er fort, "werden wir sagen, dass du schwanger bist und wir schnell heiraten müssen."

    "Aber du hast mich doch erst vor ein paar Tagen kennengelernt."

    Cole hämmerte den letzten Nagel in den Rahmen. "Ich bin viel unterwegs. Sie wird annehmen, dass wir uns schon vorher begegnet sind."

    "Natürlich." Denn eine anrüchige Frau ist immer gut für einen One-Night-Stand, wenn ein Mann auf Tour ist, dachte sie und zwang sich, sich auf ihren Job zu konzentrieren. "Ich habe eine Kollegin gebeten, mit den Vorbereitungen für die Ausstellung anzufangen."

    Er nickte.

    "Ist es möglich, dass ich noch vor der Hochzeit einen Blick auf den Blitz des Nordens werfen kann?"

    "Das nehme ich an. Weswegen?"

    "Es würde mir helfen, ein Konzept für die Ausstellung zu entwickeln. Mir wäre sehr damit gedient, wenn ich einige Fotos von der Brosche machen und diese ans Museum schicken könnte", erklärte Lyndsey geschäftsmäßig.

    "Sobald ich hier weg kann, werde ich dich zu der Anwaltskanzlei fahren", erwiderte Cole.

 

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