Und plötzlich ist es Leidenschaft - 7. Kapitel

7. Kapitel

"Katie?" Cole hielt sich den Telefonhörer ans Ohr, während er dem Wagen des Doktors nachsah.

    "Hallo, Cole", meldete sich seine Schwägerin fröhlich. "Was ist los? Wo war Lyndsey letzte Nacht?"

    "Könnt ihr sofort zu Grandma kommen?"

    "Warum?"

    Cole senkte die Stimme, um sicherzugehen, dass niemand mithören konnte. "Weil wir euch brauchen."

    Einen Moment herrschte Stille am anderen Ende der Leitung. "Was stimmt denn nicht?"

    "Ist Kyle da?"

    "Er ist in der Scheune. Cole, was ist passiert?"

    "Es ist nicht …", begann er. Nicht was? Nicht schlimm? Nicht wichtig? Nicht furchtbar? In Wahrheit war es all das und noch viel mehr. "Hör mal, ich würde euch das wirklich lieber persönlich sagen."

    "Zum Teufel damit", erklärte Katie angespannt. "Schieß los, Cole."

    "Gut, okay." Wo sollte er anfangen? "Lyndsey und ich sind über Nacht in Wichita Falls geblieben."

    "Ja?", fragte Katie interessiert. "Aber ich dachte …"

    "Nicht deshalb."

    "Nein? Denn weißt du, sie ist wirklich eine …"

    "Könnt ihr einfach nur zu Grandmas Haus kommen?"

    "Ist Lyndsey immer noch bei dir?"

    "Ja."

    Katie hielt nun inne, und Cole konnte ihr Lächeln fast hören. "Sicher. Wir werden uns sofort auf den Weg machen."

    "Gut." Cole hörte, dass Lyndsey aus dem Schlafzimmer seiner Großmutter kam, und legte auf.

    Dann drehte er sich zu ihr um. "Ist Grandma okay?"

    "Es geht ihr gut."

    Lyndsey nickte, und Cole sah sie sich genauer an. Sie schien geweint zu haben und rieb sich die Oberarme, als würde sie frieren. War sie wegen ihrer Karriere beunruhigt? Das wäre verständlich.

    "Bist du okay?"

    "Alles bestens." Sie winkte ab.

    Okay, sie will also kein Mitgefühl, dachte er. "Was hat Grandma gesagt?"

    "Sie sagte, dass die Brosche zur fraglichen Zeit einige Monate lang auf der Ranch aufbewahrt wurde."

    "Weiß sie, wer sie gefälscht hat?"

    "Am besten redest du mit den Leuten, die schon damals hier gelebt haben. Vielleicht …"

    "Also weiß sie es nicht."

    Lyndsey sog scharf die Luft ein, als würde sie sich über ihn ärgern. "Vielleicht kannst du herausfinden, wer den Blitz des Nordens gesehen oder ein besonderes Interesse an ihm gezeigt hat."

    Cole entschied, ihre schlechte Laune zu ignorieren. Sie musste ja vom Lauf der Dinge enttäuscht sein. Ihr Job stand auf dem Spiel, und er konnte es ihr nicht verübeln, dass sie ihre Interessen im Auge behielt. Er nickte. Die Nachbarn zu befragen, war zumindest ein Anfang.

    Lyndsey schaute gedankenverloren aus dem Fenster. "Während du mit den Leuten hier redest, werde ich nach Kalifornien …"

    "Nach Kalifornien?"

    Lyndsey nickte. "Gwen lässt mir eine Liste mit Antiquitätenhändlern zukommen, die solche Schmuckstücke führen. In Kalifornien gibt es besonders viele davon, und ich kann überprüfen …"

    "Nein. Auf keinen Fall." Cole erkannte an, dass sie für ihn bei der Suche nach der Brosche unentbehrlich war, aber er würde ihr die Angelegenheit nicht völlig übertragen. Es war seine Familie und sein Besitz.

    Lyndsey sah ihn überrascht an. "Wie meinst du das?"

    "Ich werde nach Kalifornien fliegen."

    "Du hast keine Ahnung von Antiquitäten."

    "Wenn du hinfliegst, werde ich das auch tun."

    "Aber jemand muss hier bleiben."

    "Kyle kann die Nachbarn befragen."

    "Kyle?", fragte Lyndsey erstaunt.

    "Er und Katie sind auf dem Weg hierher", erklärte er.

    "Du hast es ihnen erzählt?"

    "Nein. Aber das werde ich gleich tun."

    "Aber …"

    "Was?"

    Lyndsey biss sich auf die Unterlippe und dachte fieberhaft nach. "Ich dachte nur, je weniger Leute davon wissen …"

    "Kyle ist mein Bruder." Cole bemerkte einen eigentümlichen Ausdruck in ihren Augen. Ist sie besorgt? Oder führt sie etwas im Schilde?, fragte er sich. Würde er dieser Frau jemals vertrauen können? Sie hatte nicht vorhersehen können, dass die Brosche gefälscht wurde. Aber Kyle hielt es für möglich, dass sie eine Opportunistin war. Versuchte sie, sich die Wendung der Dinge zunutze zu machen?

    "Ich denke, es wird besser funktionieren, wenn du hier bleibst."

    "Auf keinen Fall, Lyndsey."

    "Aber …"

    "Kyle kann sich um die Heimatfront kümmern. Ich werde mit dir kommen."

    "Ich arbeite allein besser."

    Cole ging auf sie zu. "Du gewöhnst dich besser an mich. Denn ich bin dein neuer Partner."

In ihrem Zimmer im Hotel Sands in Oceanside suchte Lyndsey unter dem Schreibtisch nach einer Steckdose, um den Laptop, den sie sich geliehen hatte, mit Strom versorgen zu können. Schließlich wurde sie fündig, schloss ihn an und schaltete ihn ein. Sie setzte sich, strich sich das Haar aus dem Gesicht und warf einen unbehaglichen Blick auf die Verbindungstür des Hotelzimmers. Am Empfang hatte man ihnen zwei angrenzende Zimmer gegeben. Aber sie hatte die Tür bisher nicht aufgemacht, und Cole hatte nicht angeklopft.

    Im Moment wollte sie nur möglichst schnell Gwens E-Mails herunterladen. Weder Gwen noch Cole wussten von Grandmas Geheimnis. Sie hatten ein Antiquitätengeschäft nach dem anderen aufgesucht, genau wie sie es Cole gesagt hatte, aber Oceanside war auch die Stadt, in der Harolds heimliche Geliebte Irene Cowan gelebt hatte.

    Sobald Lyndsey Cole unter einem Vorwand losgeworden war, würde sie im Rathaus die Liste der ehemaligen Grundeigentümer durchgehen. Online waren nur die derzeitigen Grundbesitzer einsehbar, wozu Irene Cowan nicht zählte.

    Gerade als sie den Befehl zum Herunterladen der E-Mails gegeben hatte, klopfte es an der Verbindungstür. Sie stand auf und wartete darauf, dass der Vorgang beendet wurde. Cole klopfte erneut. Endlich waren die E-Mails geladen, und sie klappte schnell den Laptop zu, bevor sie die Verbindungstür öffnete.

    Cole stand in einem blütenweißen Hemd, einer burgunderfarbenen Krawatte, einem schön geschnittenen, dunkelgrauen Anzug und polierten schwarzen Schuhen vor ihr. Er war frisch rasiert und hatte sich die Haare gekämmt. "Ich dachte, wenn wir den Eindruck erwecken, äußerst kaufkräftige Kunden zu sein, werden wir mehr Informationen bekommen."

    Auf jeden Fall wird das weibliche Personal heftig mit Cole flirten. Ganz egal, ob wir etwas kaufen werden oder nicht, dachte Lyndsey. Sie warf einen Blick auf ihre schwarze Jeans und das kurze Top aus Spitze, das bei ihrer Suche unter dem Tisch etwas Staub abbekommen hatte. Dann machte sie den Kleiderschrank auf und nahm einen elfenbeinfarbenen Hosenanzug in die eine und ein elegantes Kleid in die andere Hand. "Professionell oder kokett?", fragte sie.

    Cole ließ den Blick hin und her wandern. "Was funktioniert denn bei dir normalerweise am besten?"

    "Professionell", antwortete sie und hielt dann inne. "Nein. Das ist gelogen." Sie hängte den Hosenanzug zurück in den Schrank. "Auf weibliche Reize zu setzen, wirkt immer noch am besten." Lyndsey ging ins Bad, um sich umzuziehen.

    Cole lachte. "Ich weiß, dass es bei mir Wirkung erzielen würde."

    "Ja? Nun, du bist leicht zu beeindrucken."

    "Wie der Großteil der männlichen Bevölkerung in diesem Land."

    "Auf dem Tisch liegt eine Liste mit weiteren Antiquitätenläden", rief sie, um das Thema zu wechseln, bevor die Unterhaltung eine ungute Richtung nahm. Sie zog den weißen BH aus, dessen Träger unter dem Kleid zu sehen wären. "Meiner Meinung nach sollten wir am Zircon Drive beginnen", rief sie.

    "Denkt Gwen, dass einer dieser Antiquitätenhändler den Blitz des Nordens gesehen hat?"

    "Bis jetzt haben wir keine besondere Spur." Lyndsey bürstete sich das Haar und legte etwas Make-up auf.

    "Was genau tun wir dann eigentlich hier?", fragte Cole.

    "Wir werden den Angestellten das Foto mit der Fälschung zeigen. Vielleicht erkennt jemand die Brosche wieder."

    "Und wenn nicht?"

    Sie sah sich schnell um, weil er der Stimme nach ganz in ihrer Nähe sein musste. Natürlich befürchtete sie nicht, dass er ins Bad kommen könnte. Dafür war er viel zu sehr Gentleman. Es war vielmehr so, dass ihre Nacktheit in Kombination mit seiner Stimme sie leicht kribbelig machte. Sie zog sich das Kleid über den Kopf und spürte, wie der Seidenstoff über ihre Brüste glitt.

    "Lyndsey?"

    "Dann werden wir es im nächsten Geschäft probieren", antwortete sie mit heiserer Stimme.

    Cole schwieg einen Moment. "Glaubst du wirklich, das wird etwas bringen?"

    "Ich weiß es nicht", sagte sie ehrlich.

    "Bist du bald fertig?"

    "Ich ziehe gerade meine Schuhe an." Sie bürstete sich noch einmal die Haare und legte kleine Diamantohrringe an, bevor sie das Bad verließ.

    Cole musterte sie eingehend von oben bis unten. Seine Miene verriet nichts, aber Lyndseys Haut prickelte, als hätte er sie berührt.

    "Wir sollten gehen." Sie zwang sich, sich auf die Suche nach der Brosche zu konzentrieren.

    Cole starrte sie noch einen Moment lang an, dann räusperte er sich. "Richtig. Zircon Drive." Abrupt drehte er sich um und ging zur Tür.

"Das ist lächerlich", sagte Cole, als sie das vierte Antiquitätengeschäft verlassen hatten. Trotz Lyndseys Dekolleté und Coles sexy Bariton hatte keiner der Angestellten zugegeben, den Blitz des Nordens gesehen oder von ihm gehört zu haben.

    "Wir haben doch gerade erst angefangen", konterte Lyndsey, die wusste, dass ihre Chancen, auf diese Weise etwas über den Verbleib der Brosche zu erfahren, äußerst gering waren. Egal, wie sie gekleidet waren oder was sie den Leuten versprachen. Sie fühlte sich von Stunde zu Stunde schuldiger, weil sie Cole ihre tatsächliche Suche verheimlichen musste.

    "Damit können wir ein ganzes Jahr vertrödeln."

    "Wir beide erledigen ja nur einen Teil der Nachforschungen", entgegnete sie. "Gwen streckt ihre Fühler in Europa aus, und Kyle interviewt eure Nachbarn."

    "Während du und ich Zeit verschwenden."

    Lyndsey wich auf dem Gehweg einer Gruppe von Teenagern aus und beeilte sich, Cole wieder einzuholen. "Gib der Sache eine Chance."

    "Wir brauchen Unterstützung. Ich werde ein Detektivbüro engagieren, das im ganzen Land tätig ist und überall Mitarbeiter mobilisieren kann."

    Lyndsey kämpfte gegen einen Anflug von Panik an. Wenn mehrere Privatdetektive ihre Nase in die Angelegenheit steckten, wäre es wahrscheinlich unmöglich, Grandmas Geheimnis zu wahren. "Lass uns zunächst lieber einmal abwarten, was sich ergibt."

    "Was sich wodurch ergibt?"

    "Lass uns abwarten, was sich durch Gwens Recherchen ergibt." Jetzt war Lyndsey wieder an Coles Seite. Sie bemerkte, dass er nicht überzeugt wirkte. "Bevor wir etwas tun, das unbesonnen ist", redete sie weiter auf ihn ein. "Okay?"

    "Und ein Detektivbüro zu engagieren wäre unbesonnen?"

    "Ich denke, wir sollten uns erst einmal auf unsere Nachforschungen konzentrieren."

    Cole blieb skeptisch. "Aber wir haben ja keine Hinweise, auf die wir uns konzentrieren könnten", erklärte er zunehmend ungehaltener.

    "Du bist so ungeduldig."

    Er starrte sie frustriert an, während er ihr die Beifahrertür seines Wagens öffnete. "Ungeduldig? Entschuldige, aber der Blitz des Nordens ist eine halbe Million Dollar wert."

    Lyndsey setzte sich ins Auto und strich ihr Kleid glatt, während Cole die Tür schloss. Über den finanziellen Wert der Brosche hatte sie überhaupt noch nicht nachgedacht. Der echte Blitz des Nordens war einer der ersten Belege für den Einsatz von Diamanten bei Schmuckstücken in Europa, und die Edelsteine selbst waren hochkarätig. Einen Preis festzulegen schien ihr da fast unmöglich zu sein.

    Cole setzte sich auf den Fahrersitz und knallte die Tür zu. "Ich finde ein bisschen Ungeduld verzeihlich, wenn es um eine halbe Million Dollar geht."

    "Gut. Dir ist verziehen."

    "Und wir heuern ein Detektivbüro an."

    "Nein. Noch nicht." Lyndseys Handy klingelte, und sie konnte förmlich fühlen, wie Cole nach einem Gegenargument suchte, während sie das Telefon aus ihrer Handtasche holte. Sie hoffte, es war Gwen, die irgendeine Neuigkeit für sie hatte. Sie brauchten eine falsche Spur, um Cole abzulenken. "Ja?", meldete sie sich.

    "So, so", erklang Bradley Slanders Stimme. "Du hast mir etwas verheimlicht, Süße."

    Lyndsey hielt inne und murmelte einen Fluch, woraufhin Cole sie überrascht ansah. "Ich bin nicht deine Süße, Slander." Sie drehte sich von Cole weg, doch ihr war klar, dass er das Gespräch mithören konnte.

    "Der Blitz des Nordens also", fuhr Bradley fort. "Das ist sogar für uns eine große Sache."

    Lyndsey strich sich genervt das Haar zurück. "Es gibt kein Uns." Wie hatte er das so schnell herausgefunden? Wen bestach er?

    "Oh doch, das gibt es, Lyndsey", erwiderte Slander. "Wir sind sowohl kosmisch als auch finanziell untrennbar miteinander verbunden."

    "Vergiss es."

    "Wo bist du?"

    "Das geht dich nichts an."

    "Gwen spielt in der Provinzliga, Lyndsey", sagte Slander.

    "Gwen ist brillant."

    "Was hat sie denn bis jetzt für dich herausgefunden?"

    Sie schwieg. Sie würde Bradley Slander auch nicht die kleinste Information geben.

    "Dachte ich mir." Slander lachte selbstgefällig. "Lass uns gemeinsame Sache machen. Ich kenne jeden, der zwischen hier und Istanbul irgendetwas darstellt."

    "Da würde ich lieber in der Hölle braten."

    "Zusammen, Süße. Du und ich, wir können …"

    Lyndsey setzte sich aufrecht hin. Nun war es ihr egal, ob Cole oder sonst jemand zuhörte. "Kapier das doch endlich, Bradley. Ich werde nicht mit dir zusammenarbeiten."

    "Sicher wirst du das."

    "Nein."

    "Es ist nur eine Frage der Zeit."

    "Jetzt nicht und auch in Zukunft nicht. Niemals …"

    Cole nahm ihr den Hörer aus der Hand. "Ich denke, Sie haben gehört, was die Lady gesagt hat." Als Slander etwas erwiderte, zog Cole erstaunt die Augenbrauen hoch. "Wirklich?" Er sah Lyndsey an. "Nun, ich bezweifle ebenfalls sehr, dass Sie wissen, mit wem Sie sich anlegen." Dann klappte er das Handy einfach zu und gab es Lyndsey zurück. "Wer war das denn?"

    "Bradley Slander." Sie starrte auf das Handy und versuchte zu entscheiden, ob Cole sich zuvorkommend oder anmaßend benommen hatte. Sie kam zu dem Schluss, dass er sich einfach wie Cole verhalten hatte. Was nett war. Sie musste zugeben, dass es ihr einen Moment Vergnügen bereitet hatte, sich Slanders dummes Gesicht vorzustellen. Aber jetzt dachte sie an die Probleme, die sich daraus ergeben könnten. Slander war unberechenbar, und sie hatten ihn gerade fürchterlich wütend gemacht.

    "Ein alter Freund?" Cole musterte sie immer noch.

    Ihr schauderte nur bei dem Gedanken. "Eine Schlange und ein Aasgeier auf dem Feld der Antiquitäten. Hier ist der Mann mit den Kontakten zum Schwarzmarkt."

    "Aber du bist nicht bereit, mit ihm zusammenzuarbeiten?"

    "Nein. Um keinen Preis." Allmählich entspannte Lyndsey sich wieder. Bradley Slander war weit weg und hatte keine Ahnung von Grandmas Geheimnis.

    "Was wollte er denn?"

    "Er ist hinter dem Blitz des Nordens her."

    "Warum? Sie gehört mir. Er würde zum Dieb werden", entgegnete Cole.

    "Ich weiß." Lyndsey schloss eine Sekunde die Augen. Wenn Irene Cowan die Brosche verkauft oder weggegeben hatte, wurde die Sache mit dem Eigentum sehr kompliziert. "Wir müssen die Brosche finden, bevor er es tut. Das wird uns das Leben viel einfacher machen."

    Cole betrachtete sie sehr aufmerksam. "Du verschweigst mir etwas."

    Lyndsey versuchte, sich ihre Angst nicht anmerken zu lassen. "Es gibt viele Dinge, die ich dir nicht sage." Sie ging in die Offensive. "Aber ich tue alles, was in meiner Macht steht, um deine Brosche zu finden. Ich will dich nicht belügen. Wenn sie allerdings auf dem Schwarzmarkt angeboten wird, ist Bradley eine Bedrohung. Aber wir haben ja Gwen. Und Gwen ist gut."

    "Und du, Lyndsey? Bist du gut?", fragte Cole.

    "Gut darin, Antiquitäten ausfindig zu machen? Darin bin ich sehr gut."

    Er deutete mit einem Nicken auf das Antiquitätengeschäft, aus dem sie gerade gekommen waren. "Und warum sehen wir dann dabei wie Amateure aus?"

    Sie versuchte, sich nicht unter seinem Blick zu winden. "Weil wir noch nicht richtig losgelegt haben."

    "Dann lass uns das tun."

    Lyndsey nickte. "Richtig." Sobald sie Cole abgehängt hatte, konnte sie mit der eigentlichen Suche beginnen.

    Cole ließ den Motor an und blickte in den Seitenspiegel. "Welche Bedeutung hat dieser Slander für dich?"

    "Er ist mir ein Dorn im Auge."

    Cole grinste. "Hast du jemals mit ihm geschlafen?", fragte er beiläufig, während er sich in den fließenden Verkehr einfädelte.

    "Nein!" Lyndsey verschränkte die Arme vor der Brust. "Außerdem geht dich das nichts an."

    "Sicher tut es das."

    "Warum? Weil wir …?" Sie verstummte.

    "Weil ich wissen will, wie weit die Fehde mit diesem Mann gehen könnte."

    "Wäre es besser oder schlechter, wenn ich mit ihm geschlafen hätte?", fragte sie leicht verwirrt.

    "Ein abservierter Liebhaber kann ein mächtiger Feind sein." Cole stoppte vor einer roten Ampel.

    Lyndsey zögerte. "Bist du mein Feind?"

    Er sah sie an. "Bin ich abserviert?"

    Sofort bemerkte sie ihren Fehler. Ihn daran zu erinnern, dass sie miteinander geschlafen hatten, war idiotisch gewesen. "Entschuldige."

    "Was?"

    "Dass ich es angesprochen habe."

    Die Ampel schaltete auf Grün, und er fuhr los. "Dachtest du, dass ich es vergessen hatte?"

    "Diese Unterhaltung ist eine dumme Idee."

    Cole bog rechts ab. "Ich war dabei, und du warst dabei." Er schaltete in den vierten Gang. "Und da wir beide ein ziemlich gutes Gedächtnis haben, denke ich, dass es keine Rolle spielt, ob wir diese Unterhaltung führen oder nicht."

    Da konnte sie ihm nicht widersprechen. Sie erinnerte sich lebhaft an jede Kleinigkeit. An alles.

    "Wir hatten Sex", sagte er unverblümt. "Das ist eine Tatsache."

    Offensichtlich war die Angelegenheit für ihn damit abgehakt. Ebenso wie sie. Lyndsey tat das Herz weh. "Okay."

    Cole schwieg einen kurzen Moment. "Keine unguten Gefühle?"

    "Keine unguten Gefühle", log sie.

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