Weingut der Liebe - 1. Kapitel

 

1.KAPITEL

 Acht Jahre später

 Jessica,

mir scheint eines meiner besten Messer zu fehlen. Ich habe es auf unserer Amerikareise gekauft. Solltest du es mir nicht zurückgeben, muss ich dich bitten, es mir zu ersetzen. Der Einzelhandelspreis beträgt rund zweihundert Dollar.

Grant

 

Wenn der Typ glaubt, ich würde ihm auch nur einen einzigen Cent zahlen, irrt er sich aber gewaltig, dachte Jess, während sie die E-Mail in den elektronischen Papierkorb verschob. Wer hatte ihn und seinen extravaganten Lebensstil denn finanziert, als er den Job verloren und sich als Caterer selbstständig gemacht hatte? Sie! Und zum Dank dafür, dass sie ihn mit Geld und Mitgefühl überschüttet hatte, hatte er sich immer dann mit der Blondine von nebenan vergnügt, wenn sie bei der Arbeit war.

            „Was ist los?“

            Jess schreckte aus ihren Gedanken. Sie blickte zur Tür und sah Ally, ihre toughe Büroleiterin und beste Freundin mit ihrem Tablet-PC unterm Arm in ihr Büro kommen. „Grant hat gerade versucht, mich mit einer E-Mail zu nerven. Er vermisst irgendein teures Messer. Er will es zurück oder zweihundert Dollar von mir. Sollte es tatsächlich in meiner Küche sein, kannst du es gern haben. Ich als Kochmuffel fange bestimmt nichts damit an.“

            „Er hat es tatsächlich geschafft, dich wieder aufzuregen.“ Ally setzte sich ihr gegenüber auf den Stuhl.

            „Dieser Mistkerl kann mich mal …“

            „Ja, ja. Das habe ich alles schon x-mal gehört. Das Ganze ist jetzt sechs Monate her. Warum bist du immer noch so sauer?“

            Jess stellte die Ellbogen auf dem Schreibtisch auf und stützte das Kinn in die Hände. Vor einem Jahr hatte Grant den Job als Produktmanager bei einer angesehenen Modekette verloren. Sechs Monate später hatte sie ihn dann mit der Nachbarin in ihrem Bett erwischt.

            Nun wusste sie nicht nur aus Erzählungen von Freundinnen, wie weh Untreue tat, sondern hatte es am eigenen Leib erfahren müssen. Inzwischen war sie völlig davon überzeugt, dass eine Frau, die sich im Namen der Liebe von jemand anderem gefühlsmäßig beherrschen ließ, entweder sehr mutig oder total verrückt sein musste. Und sie war weder das eine noch das andere.

            „Jess, rede mit mir.“ Ally schreckte die Freundin aus den Gedanken.

            „Ja, ich bin sauer. Auf ihn und auf mich. Weil er mich getäuscht hat, und ich nicht gemerkt habe, was Sache ist.“

            Ally stand auf und ging zur Kaffeemaschine. Sie schenkte ihnen jeweils einen Becher ein und setzte sich schließlich auf die Fensterbank.

            „Ich habe auf dem Weg ins Büro mit Nick telefoniert“, erzählte Jess. „Er ist so glücklich mit Clem. Zwischen den beiden ist etwas ganz Besonderes. Jetzt hat auch der letzte meiner vier Brüder, die sich alle gründlich ausgetobt haben, seinen Ankerplatz gefunden.“

            „Und du treibst noch auf dem Meer? Macht es dir zu schaffen, weil deine Brüder es anders hinbekommen haben? Die Liebe ist kein Wettstreit, Jess. Weißt du, was dein Problem ist?“

            „Nein. Doch du wirst es mir sicher erzählen.“ Aber wollte sie es überhaupt hören? Ally nahm meistens kein Blatt vor den Mund.

            „Möchtest du, dass ich die Wahrheit sage?“

            „Das ist eine rhetorische Frage, oder?“ Jess atmete tief ein. „Okay, ich bin gewappnet.“

            „Du hast so viel Angst davor, verletzbar zu sein, dass du versuchst, alles und jeden in einer Beziehung zu kontrollieren. Es passt dir, Single zu sein, und es passt dir noch mehr, nicht verliebt zu sein. Sich zu verlieben ist für dich gleichbedeutend damit, die Kontrolle zu verlieren. Was für einen Kontrollfreak das Schrecklichste ist.“

            „Ich bin kein Kontrollfreak!“

            „Du machst dir etwas vor, Jess. Bei dir dreht sich alles um Kontrolle. Deshalb suchst du dir auch Männer aus, die du kontrollieren kannst.“

            Das ist das Problem mit besten Freundinnen, sie kennen einen zuweilen noch besser, als man sich selbst kennt, dachte Jess. Da Ally jedoch im Moment viel zu selbstgefällig aussah, beschloss sie, das Thema zu wechseln. Sie würde sich später mit den Äußerungen der Freundin befassen. Vielleicht. Wenn sie sich danach fühlte, tief in ihre Psyche einzudringen.

            „Erzähl mir lieber darüber etwas.“ Sie deutete auf Allys Tablet und hörte der Freundin zu, als diese begann, sie über den Stand von Marketingkampagnen einiger Kunden zu unterrichten, an denen sie nicht persönlich mitwirkte. Während sie Analysedaten diskutierten, stellte die Sekretärin ihr einen Anruf von Joel Anderson durch, dem Chef einer großen Werbeagentur. Er war zwar ihr größter Konkurrent, aber gleichzeitig einer der wenigen in der Branche, den sie mochte und dem sie vertraute.

            Ally wollte das Büro verlassen, aber Jess schüttelte den Kopf. Sie würde die Freundin dann ohnehin mit allen Infos versorgen und konnte sich die Mühe sparen, wenn sie gleich die Lautsprechertaste drückte. Und wie üblich kam Joel sofort zum Punkt, nachdem sie sich begrüßt hatten.

            „Was hältst du von Luke Savages E-Mail? Du wirst vermutlich auch an dem Agenturbriefing für die neue Marketingstrategie teilnehmen, die er für sein Weingut entwickeln lassen will, oder? Ich habe gedacht, falls wir mit derselben Maschine nach Kapstadt fliegen, könnten wir zusammen in einem Leihwagen nach St Sylve fahren.“

            Jess warf einen Blick auf den Monitor. Nein, bei ihr war keine E-Mail von Luke Savage eingegangen, obwohl sie mit ihrer Agentur schon einige Preise in der Werbewirtschaft gewonnen hatte. Viele Agenturen würden sich nach so einem Großauftrag die Finger lecken und deshalb im angekündigten Briefing für den Werbeetat des Weingutes zur Höchstform auflaufen. Am besten versuchte sie also, so viele Informationen wie möglich aus Joel herauszuholen.

            „Wie ist denn deine Meinung?“

            „Er kann die neue Strategie gut gebrauchen. Ich habe gehört, dass er Lew Jones mit einer Marktanalyse beauftragt hat und offen ist für etwas Neues. Aber angesichts der zweihundertjährigen Tradition der Familie Savage im Weingeschäft kann eine coole zeitgemäße Strategie auch leicht ins Auge gehen.“

            Nein, das glaubte Jess nicht. Und das hatte sie auch schon vor acht Jahren nicht geglaubt. Sie hatte St Sylve nie ganz aus dem Blick verloren. Dass der Erfolg des Weinguts stetig zurückging, bedauerte sie zwar, war ihrer Meinung nach aber nicht weiter verwunderlich. Die Werbung war trocken und die Etiketten langweilig gestaltet.

            „Meine Sekretärin ist gerade dabei, mein Tablet upzudaten. Für welche Uhrzeit ist denn das Briefing angesetzt?“

            „Für zehn Uhr dreißig am nächsten Freitag. Soll ich meine Sekretärin bitten, passende Flüge herauszusuchen?“

            „Lass mich dich deshalb noch mal zurückrufen. Ich war gerade ein paar Tage weg und bin noch nicht wieder ganz auf dem Laufenden. Außerdem muss ich vorher noch einige Kunden in Kapstadt treffen und fliege deshalb wahrscheinlich schon früher hin“, log Jess, und Ally runzelte noch mehr die Stirn.

            „Okay, bis dann.“

            Jess verzog das Gesicht. Luke Savage und sein verflixter verletzter Stolz! Sie würde es nicht zulassen, dass die Werbekampagne erneut vermasselt wurde. „Was weißt du über die Kellerei St Sylve, Ally?“

            „Dort hat man mehrere preisgekrönte Weine hergestellt. Aber es hat sich leider nicht in den Absatzzahlen niedergeschlagen.“

            Ihre Prophezeiung hatte sich mit etwas Verzögerung also bewahrheitet. Jess wünschte, sie hätte sich geirrt. St Sylve war eine Institution in Franschhoek. Es war eines der wenigen Weingüter, das von französischen Siedlern im frühen neunzehnten Jahrhundert gegründet worden war und sich immer noch im Besitz derselben Familie befand.

            Sie hatte ihre Zeit dort geliebt. Es war ein wunderschönes Anwesen, auf dem es sogar noch die uralten Gewölbekeller gab. Und natürlich Luke Savage, der sie zuerst leidenschaftlich geküsst und danach gefeuert hatte.

            „Er hat dich rausgeworfen?“, fragte die Freundin amüsiert und entsetzt, nachdem sie ihr kurz die Geschichte mit Luke erzählt hatte.

            „Ich hatte es verdient. Mit zweiundzwanzig meinte ich, für jeden ein Geschenk des Himmels zu sein. Obwohl ich es nur ungern eingestehe, schulde ich Luke Dank für eine wichtige Lektion. Es war dringend nötig, mir den Kopf zurechtzurücken. Ich war viel zu sehr von mir überzeugt. Wir haben uns erst angeschrien, und dann hat er mich geküsst. Es war der beste Kuss meines Lebens.“

            „Wow.“

            „Was zwischen uns passiert ist, war eigentlich zu ungeheuerlich, um es einfach nur als Kuss zu bezeichnen.“

            Aber Luke ist ja auch nicht einfach bloß ein Mann, dachte sie und seufzte. Er war ein Ausbund an Attraktivität mit seinen grünen Augen, den braunen Haaren, den breiten Schultern, den schmalen Hüften, den langen Beinen …

            „Jess? Hallo?“

            „Entschuldige. Ich war in Gedanken.“

            „Er scheint ein beeindruckender Typ zu sein. Die Frage ist jedoch, was du in Sachen St Sylve machen willst. Wirst du zu dem Briefing gehen?“

            „Ohne Einladung?“ Jess blickte zur Decke. „Ich bin echt versucht, mich einfach wegen des Entwurfs einer Marketingstrategie an ihn zu wenden.“

            Ja, sie würde sich wirklich gern eine neue Kampagne für St Sylve überlegen. Aber Luke war der erste und einzige Mann, der ihr je mit einem Kuss den Verstand geraubt hatte. Dies war ein triftiger Grund, um nicht für ihn zu arbeiten. Sie würde wohl nicht sonderlich kreativ sein, wenn sie ständig träumend vor dem Monitor saß.

            „Ruf ihn an und frag!“

            „Nein, das ist wegen damals keine Option.“

            Warum begann ihr Magen zu kribbeln, wenn sie nur an ihn dachte? Das Ganze war eine Ewigkeit her. Doch die Vorstellung, ihn wiederzusehen … ließ ihr wohlige Schauer über den Rücken laufen.

            Sie wollte sich nicht engagieren. Es gefiel ihr, Single zu sein. Sie wollte keine Beziehung, die tiefer ging. Wieso hatte sie den Eindruck, dass schon der Gedanke an Luke dieses Vorhaben gefährdete?

Luke Savage saß auf der Veranda seines Hauses. Er genoss ein kühles Bier, während er beobachtete, wie die Sonne allmählich hinter den Gipfeln des Simonsberg-Gebirges verschwand.

            „Ich schätze, du hast die Monatszahlen von St Sylve gesehen“, sagte Kendall de Villiers schließlich.

            „Wir haben die Gewinnzone immer noch nicht erreicht.“ Luke beugte sich vor, legte die Arme auf die Oberschenkel und ließ die Bierflasche hin und her baumeln. „Ich kann nicht ständig Geld in dieses Weingut pumpen. Irgendwann muss es sich selbst tragen“, fügte er hinzu, als seine beiden engsten Freunde schwiegen.

            Kendall machte eine ernste Miene. „Dein Vater hat bis zu seinem Tod das gesamte Betriebskapital verbraucht und dir außer einem maßlos überzogenen Konto und hohen Krediten nichts hinterlassen. Die Darlehen hast du ja inzwischen zu einem großen Teil zurückgezahlt …“

            „Mit Geld, das ich mit anderen Geschäften verdient habe“, sagte Luke. Es war für Kendall kein Geheimnis. Er war nicht nur sein Buchhalter, sondern ebenfalls Juniorpartner in seiner Risikokapitalfirma.

            „Unsere Weine sind gut“, warf Owen Black, seine rechte Hand, ein. Er war als Verwalter des Anwesens für den Wein- und Obstanbau sowie für die Olivenhaine und die Milchwirtschaft zuständig. „Mehrere deiner Weine wurden in den vergangenen Jahren ausgezeichnet, und du bist sogar Winzer des Jahres gewesen.“

            „Was nichts hilft, wenn wir die Flaschen nicht verkaufen. Sie liegen wie Blei in den Regalen. Weil unsere Marketingstrategie langweilig und altmodisch ist und nur die Leute anspricht, die demnächst an die Himmelspforte klopfen.“ Luke lehnte sich wieder zurück. „Warum habe ich das nicht längst erkannt?“

            Weil ein großspuriges junges Ding es dir vor Jahren erzählt und dein verletzter Stolz es nicht zugelassen hat, auf sie zu hören. Und weil du so viel anderes am Hals hattest und dachtest, du könntest es noch etwas schleifen lassen.

            Nun galt es, schnellstens eine effektive Werbekampagne entwickeln zu lassen, um den Absatz anzukurbeln. Wenn ihm dies nicht gelang, würde er das Weingut entweder verkaufen oder sich daran gewöhnen müssen, es mit Gewinnen aus anderen Geschäften quer zu finanzieren. Aber irgendwann wollte er auch mal ein wenig leben und nicht wegen zwei Jobs praktisch rund um die Uhr arbeiten müssen.

            „Wer wird zu dem Briefing kommen?“, fragte er Kendall, der ihm sofort die Agenturen aufzählte.

            „Jess Sherwood Concepts ist also nicht dabei?“

            „Du hast mir ausdrücklich gesagt, ich solle dort keine E-Mail hinschicken.“

            „Ich habe mich lediglich vergewissert.“

            „Wenngleich ich nicht verstehe, warum du sie ausgenommen hast. Natürlich ist es eine junge Firma, doch hat Jess Sherwood bereits einige beeindruckende Kampagnen kreiert.“

            „Trotzdem willst du sie nicht?“ Owen blickte verwundert drein. „Warum nicht?“

            Luke wusste kaum noch, wie seine geschiedene Frau ausgesehen hatte. Aber an Jess erinnerte er sich sehr genau. Die Begegnung in seinem Büro war die seltsamste – und erregendste – in seinem bisherigen Leben gewesen. Und obwohl Jess noch die Berufserfahrung gefehlt hatte, hatte sie im Gegensatz zu ihm gleich erkannt, was schieflief. Vielleicht war es Sturheit oder falscher Stolz, doch wollte er sich heutzutage wegen der neuen Marketingstrategie trotzdem nicht an sie wenden. Irgendwo müsste er noch den Entwurf von damals haben. Es könnte interessant sein, einen Blick hineinzuwerfen.

            Owen stellte die Bierflasche auf den Tisch. „Was hast du für ein Problem mit Jess Sherwood?“

            „Sie war hier Praktikantin in dem Sommer, als ich St Sylve geerbt habe. Ich ließ mich gerade von meiner teuflischen Frau scheiden und wollte nicht auf dem Anwesen sein. Ich wollte die Verantwortung für das Gut nicht, habe rund um die Uhr gearbeitet und war …“

            „Unglücklich?“, warf Kendall ein, als er zögerte. „Deprimiert? Wütend? Griesgrämig?“

            Verflixt, er hatte verdammt noch mal das Recht gehabt, seine Wunden zu lecken. Er hatte sich stets eine Familie gewünscht und geglaubt, mit Mercia diesen Traum verwirklichen zu können. Zumindest hatte sie bei ihm zunächst den Eindruck erweckt, sie hätte ähnliche Pläne wie er. Kurz nach der Hochzeit hatte er dann erkannt, dass er eine nach Freiheit strebende, habgierige, Geld verprassende, streitsüchtige Frau geheiratet hatte. Und in den folgenden zwei Jahren war ihm immer klarer geworden, dass er hereingelegt worden war. Erneut!

            Wie hatte er nur so dumm sein können. Aber er hatte seine Lektion gelernt. Deshalb hatte er beschlossen, sich nie wieder in einer Beziehung wirklich zu engagieren oder es einer Frau zu erlauben, ihn gefühlsmäßig und finanziell auszubeuten. Er war dankbar gewesen, dass Mercia schließlich aus seinem Leben verschwunden war. Doch den Traum von einer Familie zu begraben, hatte sehr wehgetan.

            „Willst du die Geschichte mit Jess Sherwood nun hören oder nicht?“ Finster blickte er Kendall an. „Sie war wahnsinnig attraktiv und wusste es – und sie war maßlos nervig. Ich war ihr nur ein- oder zweimal begegnet, bevor sie in mein Büro platzte und mir einen Vortrag über meine Werbeabteilung hielt. Sie bezeichnete die Leute als Dinosaurier, hat mir die üblichen Marketingbegriffe um die Ohren gehauen und mir erzählt, was ich falsch mache und wie ich es wieder hinbekomme.“

            „Und dann hast du sie an die Luft gesetzt?“ Kendall lächelte, als Luke nickte.

            „Sie scheint ein Mordsweib zu sein“, meinte Owen grinsend.

            „Jess Sherwood würde sich damit brüsten, dass sie recht gehabt hat, und mir unter die Nase reiben, dass St Sylve – und ich – sie brauchen. Ich möchte einfach nichts mit ihr zu tun haben.“ Vor allem nicht, wenn sie immer noch so faszinierend aussah. „Unsere Zusammenarbeit würde nicht funktionieren.“

            Sie würde tatsächlich schwierig werden, sollte Jess noch so sexy sein. Wenn er sich nur an sie erinnerte, wurde ihm bereits heiß. Was untypisch für ihn war. Er hatte eine befriedigende … Übereinkunft mit der Inhaberin eines Weinladens in der Stadt. Wenn einer von ihnen Zweisamkeit in welcher Richtung auch immer suchte oder eine Begleitung zu einer Einladung, wandten sie sich aneinander. Sie beide verband eine Freundschaft, in der es keine besonderen Erwartungen gab.

            „Und schließlich geht es nicht um eine Firma, die ich aufgekauft habe und wieder veräußern will. Es geht um St Sylve, das erneut zum besten Weingut des Landes werden soll. Es ist schon hart genug, mit der Situation fertigzuwerden, die mir mein Vater hinterlassen hat. Ich brauche keine weitere Komplikation.“

            Er hatte zwar versucht, den Familienbetrieb rein kaufmännisch als ein normales Unternehmen zu betrachten. Aber es war ihm nicht gelungen. Das Anwesen war schließlich sein Erbe. Es stellte für ihn eine emotionale wie finanzielle Last dar und war ihm gleichzeitig eine Freude. Er liebte es ebenso sehr, wie er es hasste.

            Widerwillig gestand er sich ein, dass Jess wahrscheinlich genau die Person war, die St Sylve guttun würde. Ihm jedoch nicht, denn sie würde sein Leben durcheinanderbringen. Aber dieses eine Mal würde er seine Bedürfnisse über die des Betriebes stellen. Wozu er mit sechsunddreißig sicher auch das Recht hatte.

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