Ich lege dir die Welt zu Füßen - 2. Kapitel

  1. KAPITEL

Marcus war davon überzeugt, sich bei Frauen auszukennen. Dass er täuschte, ahnte er noch nicht. Deshalb ging mit ihr in das Geschäft, das ihm eine Freundin für elegante, geschäftsmäßige Kleidung empfohlen hatte. Peta blickte sich misstrauisch in der exklusiven Boutique um.

     Die Verkäuferin reagierte dementsprechend: Sie schenkte Marcus ein strahlendes Lächeln, Peta behandelte sie jedoch distanziert und herablassend höflich. Aber Marcus ließ sich von solchen Kleinigkeiten nicht aufhalten. Schließlich hatten sie es eilig und suchten nur etwas zum Anziehen für Peta.

     „Haben Sie für meine Begleiterin ein Outfit für einen Geschäftstermin?“, fragte er.

     Peta sah ihn aufgebracht an. „Das klingt ja so, als wäre ich eine Barbiepuppe, die man nach Belieben anziehen kann!“

     „Soll ich Ihnen denn nicht helfen?“

     „Nein.“

     Die Verkäuferin suchte etwas heraus.

     „Oh, okay.“ Peta blickte Marcus wie um Entschuldigung bittend an, obwohl sie immer noch zornig war. „Ich weiß, Sie wollen nett sein, und ich benehme mich dumm. Aber das hier fühlt sich so verkehrt an.“

     „Trotzdem ist es vernünftig. Geben Sie einfach nach.“

     „Versuchen Sie es einmal damit.“ Die Verkäuferin reichte Peta einen Hosenanzug, lächelte aber Marcus an. Offensichtlich erwartete sie, dass er die Entscheidung traf. Vielleicht hätte er sich für diesen Hosenanzug entschieden, doch so weit kam es nicht.

     Peta warf einen Blick auf das Preisschild und stieß einen Schrei aus. „Sind Sie wahnsinnig?“

     „Wieso? Was ist denn?“, fragte Marcus verblüfft.

     „Wissen Sie, was das kostet? Das kann ich mir nicht leisten.“

     „Ich bezahle es doch, weil ich Ihre Kleidung ruiniert habe.“

     „Unsinn! Sie haben mein Milchshake über mein T-Shirt geschüttet, das fünf Dollar gekostet hat, und Sie wollen mir dafür einen Hosenanzug für dreitausend Dollar kaufen?“ Entschlossen drehte sie sich um. „Das geht zu weit. Ich bin froh, dass mein Knöchel versorgt worden ist und ich diese praktischen Krücken bekommen habe. Aber das reicht. Mehr nehme ich nicht an.“ Sie humpelte zur Tür.

     „Dann verpassen Sie Ihre Chance, mit Charles zu sprechen.“ Marcus beobachtete sie. Die widersprüchlichsten Gefühle spiegelten sich in ihrem Gesicht. Auch er machte einen inneren Konflikt durch. Bis eben hatte er sich gut amüsiert. Es machte ihm Spaß, den Wohltäter zu spielen. Vor allem dann, wenn es dabei um eine so attraktive junge Frau ging. Aber sie hätte dankbar sein, ihn süß anlächeln und sein Geschenk gern annehmen sollen.

     Peta wirkte plötzlich ziemlich verzweifelt. „Dann muss ich eben auf meine Art mit Charles zurechtkommen.“

     „Sie waren doch einverstanden, dass ich Ihnen die Sachen ersetze.“

     „Das war dumm. Ich muss mir auch den Kopf angestoßen haben, sonst würde ich bestimmt nicht in einer Luxusboutique mit einem Mann stehen, der mehr Geld für einen Hosenanzug ausgeben will, als ich brauche, um meine Familie ein ganzes Jahr lang durchzubringen.“

     „Ihre Familie?“

     „Ich möchte nicht über meine Familie reden.“ Noch zwei Schritte, und sie stand in der Tür. „Vielen Dank für alles.“

     „Peta …“

     „Da kann ich einfach nicht mitmachen. Tut mir leid, es ist unmöglich.“

Drei Häuser weiter holte Marcus Peta ein. Sie ging so schnell wie möglich, aber mit den Krücken war sie im Nachteil. Marcus blieb hinter ihr, damit sie Zeit hatte, sich zu beruhigen. Sobald ihr Zorn nachließ, würde sie den schmerzenden Knöchel wieder spüren. Schon wurde sie langsamer, dann blieb sie stehen. Mutlos ließ sie die Schultern sinken. Marcus legte ihr die Hand auf die Schulter und drehte Peta zu sich um. Dass sie Tränen in den Augen hatte, überraschte ihn nicht.

     Als er sie berührte, versiegten die Tränen. Sie wischte die Tränen weg und trat einen Schritt zurück. Dabei verlor sie fast das Gleichgewicht. Marcus packte sie am Arm, um sie zu halten, aber sie trat noch einen Schritt zurück.

     „Lassen Sie mich in Ruhe!“

     „Es tut mir leid.“

     „Es braucht Ihnen nicht leidzutun. Sie wollten doch nur nett sein.“

     Marcus verdrängte den Wunsch, den Wohltäter zu spielen, und versuchte, sich in Petas Lage zu versetzen. Vor langer Zeit war auch er auf die Hilfe anderer angewiesen gewesen. Deshalb wusste er, zu geben war leichter als zu nehmen. Allerdings hatten in den letzten Jahren immer mehr Menschen etwas von ihm gewollt.

     Dass Peta sich weigerte, etwas anzunehmen, war für ihn eine ganz neue Erfahrung. Aber er war ja flexibel.

     „Ich war ziemlich gefühllos, aber ich wollte nur helfen. Das würde ich auch immer noch gern tun.“

     „Ja, Sie wollen mit Geld um sich werfen.“ Ärgerlich wischte sie die Tränen weg, die ihr wieder über die Wangen liefen. „Das können Sie gut.“

     „Es tut mir leid.“ Er hatte keine Ahnung, was da mit ihm geschah. Wie hatte er sich in die Situation gebracht? Er konnte jederzeit gehen. Warum tat er es nicht? Diese Frau hatte ihm noch nicht einmal erzählt, was sie von Charles Higgins wollte, und Marcus wusste nicht, ob er ihr überhaupt helfen konnte.

     Er wusste nur, dass es mehr wissen wollte. „Können wir bitte noch einmal von vorn anfangen?“

     Peta blickte misstrauisch zu ihm auf. „Von vorn anfangen?“

     „Ja. Ich gebe zu, dass ich mich ungeschickt angestellt habe. Dabei weiß ich gar nicht, worum es geht oder warum ich Ihnen helfen will. Aber helfen möchte ich.“ Unwillkürlich berührte er leicht ihre Hand und spürte, dass Peta immer noch am liebsten davongelaufen wäre. Ihm ging es ähnlich.

     „Sagen Sie mir, was Sie brauchen.“ Marcus blickte sie an. „Wie kann ich Ihnen ganz praktisch helfen, jetzt, in diesem Moment?“

     Peta atmete tief durch und versuchte, sich auf den neuen Ton einzustellen. Scharen von Passanten schlenderten an ihnen vorbei über die Fifth Avenue, schick gekleidete Männer und Frauen, Touristen, Geschäftsleute. Marcus passte perfekt hierher, sie selbst dagegen war hier sicher fehl am Platz. Sie blickte Marcus eine Weile schweigend an und äußerte dann so zögernd einen Wunsch, als wäre es etwas Verwerfliches oder Peinliches.

     „Ich würde gern etwas essen.“

     „Gern. Haben Sie Hunger?“

     „Mein Mittagessen ist ausgefallen, erinnern Sie sich? Gefrühstückt habe ich nicht. Nach dem Essen brauche ich dann noch eine Fahrkarte zu der Pension, in der ich meine Sachen gelassen habe. Morgen wird Tante Hattie beerdigt. Danach reise ich ab. Am liebsten möchte ich … Ach, ich glaube, ich will nur noch nach Hause.“

     „Okay. Ich lasse Sie zu Ihrer Pension fahren. Vorher sorge ich dafür, dass Sie etwas zu essen bekommen.“

     Unwillkürlich wich sie wieder vor ihm zurück.

     Marcus schüttelte den Kopf. Er hatte begriffen, dass Geld sie nicht beeindruckte, sondern abschreckte. „Ganz in der Nähe ist ein gutes Bistro. Das Essen ist einfach, aber ausgezeichnet. Und preiswert. Ich schulde Ihnen zumindest eine Mahlzeit. Halten Sie es noch eine Weile mit mir aus?“

     Mithilfe der Krücken hielt Peta sich auf einem Bein im Gleichgewicht. Gedankenvoll blickte sie ihn an.

     Marcus Benson war es nicht gewohnt, dass ihn die Frauen, mit denen er ausging, so ansahen. Es verunsicherte ihn.

     „Sie müssen mich für sehr undankbar halten“, sagte sie schließlich.

     Diese Bemerkung unterschied sich so sehr von seinen Überlegungen, dass er Peta verblüfft ansah. „Nein, das tue ich nicht. Ich möchte Ihnen etwas zu essen besorgen.“

     „Wollen Sie mich füttern wie Tiere im Zoo?“

     Er lächelte. „Entschuldigung, das war schlecht ausgedrückt. Würden Sie bitte mit mir essen gehen?“

     „Haben Sie Mitleid oder dergleichen?“

     „Ich möchte etwas gutmachen.“

     Eine Zeit lang betrachtete sie ihn aufmerksam. „Vielen Dank“, erwiderte sie dann. „Ich würde gern mit Ihnen essen gehen.“

     „Ich mit Ihnen auch“, antwortete er. Und es war die Wahrheit.

Marcus war schon seit Jahren nicht mehr in dem Bistro gewesen. Der Besitzer, ein kräftiger Mann Ende sechzig, begrüßte ihn erfreut. „Wenn das nicht Marcus Benson ist! Was führt Sie denn in mein bescheidenes Lokal?“

     „Lassen Sie’s gut sein, Sam“, brummte Marcus.

     Sam lachte. „Okay. Wem verdanke ich die Ehre?“ Er lächelte Peta an. „Ihrer Begleiterin natürlich. Die Dame beweist einen guten Geschmack. Ich wette, Sie werden eins meiner köstlichen Gerichte mit Appetit verspeisen, ohne an die Kalorien zu denken.“

     „Die Wette werden Sie gewinnen.“ Weil Sam so offen und freundlich war, entspannte sich Peta endlich ein wenig. „Was können Sie mir denn empfehlen?“

     „Alles, meine Dame. In diesem Lokal ist jedes Gericht ein Gedicht. Wissen Sie was?“ Er sah Marcus fragend.

     Marcus nickte beinahe unmerklich.

     „Ich schlage vor, Sie überlassen mir die Wahl. Sie entspannen und unterhalten sich, und ich serviere Ihnen etwas ganz Besonderes.“

     Doch offenbar gab es nichts, worüber sie hätten reden können. Jedenfalls sagte Peta kaum etwas. Aber das Essen war wirklich köstlich. Sam brachte ihnen eine Terrine Meeresfrüchte mit Gemüse und dazu fantastische, frisch gebackene Maisfladen mit Kräutern. Das Rezept für die Suppe stammte von seiner Großmutter, erzählte er, und die Suppe schmeckte so gut, dass Marcus sich fragte, warum er so lange nicht hier gewesen war.

     Außerdem genoss er nicht nur das Essen. Das Publikum gefiel ihm mindestens ebenso sehr. Das Lokal war voller Studenten, jungen Müttern mit Kleinkindern, Akademikern und Künstlern, die aussahen, als hätten sie keinen Cent in der Tasche. Die meisten aßen schweigend und ließen sich wie Peta das Essen sichtlich schmecken.

     Unwillkürlich dachte Marcus an seine Verabredung vom Vorabend. Elisabeth war eine sehr gute Anwältin. Sie arbeitete für die größten Konzerne und war intelligent, gebildet und schön. Aber sie hatte in ihrem Salat nur herumgestochert, das Dessert zurückgehen lassen und bloß ein halbes Glas Wein getrunken.

     Dass Peta jeden Löffel Suppe und jeden Bissen der aufgerollten würzigen Maisfladen genoss, gefiel ihm.

     „Was ist?“, fragte Peta auf einmal.

     „Wieso?“

     „Sie sehen mich an wie ein interessantes Studienobjekt. Das mag ich nicht.“

     „Sie sind doch Australierin. Was hatten Sie denn erwartet?“

     „Haben Sie noch nie eine Australierin kennengelernt?“

     „Keine, der das Muschelgericht so gut schmeckt wie Ihnen“, konterte er lächelnd.

     „Es ist aber auch fantastisch.“ Peta lächelte zurück.

     Er zwinkerte verblüfft. Dieses Lächeln konnte jeden Mann umwerfen. Petas Augen leuchteten dabei auf, sie zeigte die blendend weißen Zähne und zwei entzückende Grübchen. Zum Anbeißen sah sie aus, wenn sie ihn so anlachte.

     Reiß dich zusammen, emotionale Verwicklungen brauchst du so dringend wie ein Loch im Kopf, mahnte er sich insgeheim.

     „Verraten Sie mir vielleicht, weshalb Sie Charles Higgins aufsuchen müssen?“, fragte er. Petas Lachen erstarb. Marcus versetzte es einen Stich. Hätte er das Thema vermeiden müssen?

     Andererseits saßen sie wegen Charles Higgins hier, und Marcus war neugierig auf diese junge Frau, die gerade ein Geschenk von ihm zurückgewiesen hatte. Einen Hosenanzug für dreitausend Dollar hätte keine der Frauen, die er kannte, ausgeschlagen. Dabei hatte er nicht einmal eine Gegenleistung erwartet.

     „Sie haben mich zwar die Treppe hinuntergestoßen, aber es war zum Teil meine Schuld“, erklärte Peta. Konnte sie Gedanken lesen? „Ich möchte mich nicht verpflichtet fühlen, niemandem gegenüber. Wenn Sie für meine Kleidung dreitausend Dollar ausgeben würden, würde es mich mein Leben lang belasten. Und Charles würde es durchschauen und wissen, dass es nur Fassade ist.“

     „Charles kennt Sie?“

     „Ja. Ich habe doch erzählt, dass er mein Cousin ist.“

     „Ah ja. Warum müssen Sie dann …?“

     „Meinen Sie, ich müsste freien Zutritt haben, weil wir verwandt sind?“

     „Ja, so etwas Ähnliches.“

     „Ich bin hier, weil meine Tante Hattie gestorben ist, Charles’ Mutter. Die letzten Tage habe ich an ihrem Bett gesessen. Charles ist nicht gekommen. Morgen wird Hattie beerdigt. Vielleicht erscheint Charles zur Beerdigung. Die Kosten hat er nicht übernommen.“

     „Dann stehen sich Ihre Familienmitglieder nicht sehr nahe?“

     „Doch, ich liebe meine Familie.“ Trotz des schwierigen Themas ließ sie sich das Essen schmecken. Aber ihre Stimme klang verbittert. „Ich halte die Familie zusammen und kümmere mich um alle und alles. Charles ist da anders.“

     „Weshalb wollen Sie ihn dann sprechen?“

     Peta atmete tief durch, legte die Gabel hin und schob das Kinn vor. „Meine Tante Hattie und mein Vater hatten gemeinsam die Farm der Familie geerbt. Mein Vater hat uns seine Hälfte der Farm hinterlassen, und wir sind davon ausgegangen, dass Hattie uns ihre Hälfte vermachen würde. Stattdessen hat sie sie Charles vererbt. Daher muss ich ihn …“ Ihr schien plötzlich die Aussichtslosigkeit ihres Vorhabens bewusst zu werden, und sie schwieg sekundenlang. „Ich muss Charles bitten, seine Hälfte nicht zu verkaufen. Dann kann ich die Farm so lange bewirtschaften, bis ich frei bin.“

     „Frei?“

     In Petas Augen spiegelte sich ein so abgrundtiefer Schmerz, dass Marcus es kaum ertragen konnte.

     „Die Farm ist alles, was ich habe. Charles bedeutet sie nichts. Ihn interessiert nur das Geld, das ein Verkauf bringen würde. Er muss einfach einsehen, dass es schrecklich unfair wäre, mir nicht zu erlauben, weiter dort zu leben.“ Sie biss sich auf die Lippe und trank einen Schluck Orangensaft. „Aber das hat nichts mit Ihnen zu tun. Es ist mein Problem, Charles ist schließlich mein Cousin.“ Sie straffte sich. „So, jetzt will ich mich frisch machen. Dann fahre ich zu Charles und versuche noch einmal, mit ihm zu sprechen. Wenn das nicht klappt, fahre ich eben unverrichteter Dinge nach Hause. Aber ich habe es wenigstens versucht.“

     „Sie können ihn nicht allein aufsuchen, Peta.“

     „Doch, natürlich kann ich das.“

     „Von wegen natürlich“, brummte Marcus. „Charles Higgins ist ein schmieriger Betrüger. Vielleicht behandelt er Verwandte anders, aber er ist und bleibt ein übler Kunde. Mit meinem Angebot, Ihnen ein teures Outfit zu kaufen, habe ich vorhin leider daneben gegriffen, das gebe ich zu. Trotzdem sollten Sie angemessen auftreten und mich zur Unterstützung mitnehmen. Ich kann zumindest garantieren, dass Charles Higgins Sie zu einem Gespräch vorlässt.“

     „Wie denn?“

     „Mir gehört das Gebäude, in dem er sein Büro hat.“

     „Das ist ein Scherz, oder?“

     „Nein, leider nicht. Ich habe mich schon dagegen entschieden, seinen Mietvertrag zu verlängern, wenn er ausläuft. Da Charles das aber nicht weiß, kann ich Druck auf ihn ausüben. Also leeren Sie das Glas und lassen Sie uns gehen.“ Wieder einmal wunderte sich Marcus, dass er sich immer mehr auf diese Sache einließ. „Wir sollten Charles nicht noch länger warten lassen.“

     Diesmal war Marcus so vernünftig, ein normales Kaufhaus aufzusuchen und sich im Hintergrund zu halten. Peta wählte einen schlichten Rock, eine passende Bluse und Sandaletten. Sie sah so großartig in den Sachen aus, dass Marcus sich fragte, warum Frauen Tausende von Dollars ausgaben, wenn sich für wesentlich weniger Geld derselbe Effekt erzielen ließ.

     Oder war das unfair? Peta konnte vermutlich anziehen, was sie wollte, und sah immer noch großartig aus.

     Auf der Rückfahrt zu Charles’ Büro saß Peta angespannt auf dem Rücksitz der Limousine und ballte die Fäuste im Schoß.

     Marcus juckte es, ihre Hände zu lösen und sie zu zwingen, sich zu entspannen. „Machen Sie sich keine Sorgen, Peta!“ Wie um sie zu trösten, legte Marcus eine Hand auf ihre. Die elektrisierende Wirkung der Berührung überraschte sie beide. Es fühlte sich kribbelig an, warm, vertraut und verbindend. Und irgendwie unendlich tröstlich.

Miss Pritchard, Charles’ Sekretärin, benahm sich so unausstehlich wie immer. Sie gab nicht einmal vor, höflich zu sein. „Was wollen Sie?“

     „Ich habe einen Termin.“ Es gelang Peta, ruhig und gelassen zu bleiben. „Ich warte seit heute Vormittag um zehn Uhr.“

     „Mr Higgins hätte sich gegen zwei Uhr einige Minuten für Sie Zeit genommen“, antwortete die Sekretärin kühl. „Aber Sie waren nicht da. Nun ist er bis Mitte nächster Woche ausgebucht.“

     „Würden Sie Mr Higgins dann fragen, ob er einen Moment für mich erübrigen kann?“ Erst beim Klang seiner tiefen Stimme wurde Miss Pritchard auf Petas Begleiter aufmerksam. „Der Mietvertrag für dieses Büro läuft in Kürze aus“, fuhr Marcus fort. „Es muss über eine Verlängerung verhandelt werden. Als Vermieter erwarte ich einen gewissen professionellen Standard von meinen Mietern. Peta hatte einen Termin für zehn Uhr morgens und wartet immer noch. In meinem Haus wünsche ich keine unzufriedenen Kunden.“ Marcus wies auf einen Stuhl. „Peta, nehmen Sie doch Platz.“ Dann lächelte er die Sekretärin leicht spöttisch an. Dieses Lächeln hatte schon mehr als einen Konkurrenten nervös gemacht. „Wir warten hier“, sagte er zu Miss Pritchard. „Richten Sie Mr Higgins aus, dass wir hier sind und so lange warten werden, bis er uns vorlässt.“

     Die Frau wirkte ziemlich fassungslos. Marcus war einer der einflussreichsten Männer der City. „Aber …“

     „Gehen Sie schon!“, drängte er sie nun müde. „Ich möchte die Angelegenheit gern zügig hinter mich bringen und hoffe, Mr Higgins geht es ähnlich.“

     Keine fünf Minuten später wurden sie ins Büro gebeten.

     Petas Miene verriet, dass sie ruhig und beherrscht auftreten wollte. Bestimmt hatte sie nicht damit gerechnet, dass sich ihr jahrelang aufgestauter Zorn plötzlich Bahn brechen würde.

     Charles saß hinter einem riesigen Mahagonischreibtisch. Ehe er aufstehen konnte, hatte Peta schon den Raum durchquert. Mit beiden Händen schlug sie so kräftig auf den Schreibtisch, dass der Korb für die Post einen Satz machte.

     „Du kaltherziges Ungeheuer“, schimpfte sie.

     Marcus sah sie verblüfft an. Aber ihr war offenbar alles egal.

     „Du hast Hattie hierher geholt, und sie ist gekommen, weil sie dachte, du liebst sie. Aber das war ein Irrtum. Du hast sie sträflich vernachlässigt und sie abgeschoben.“ Kalte Wut und tiefe Verachtung sprachen aus Petas Ton und Miene. „Sie hätte zu Hause bei mir und Harry friedlich sterben können, im Kreis von Menschen, die sie geliebt haben. Stattdessen hast du sie hereingelegt und in eine fremde Umgebung geholt, wo sie keinen Menschen kannte. Wie konntest du nur, Charles?“

     „Meine Beziehung zu meiner Mutter geht dich nichts an“, fuhr Charles sie an. Er war Ende dreißig und wirkte trotz seines teuren dreiteiligen Anzugs schmierig. Offensichtlich verachtete er Peta zutiefst. „Ich weiß gar nicht, was du hast. Oder weshalb du unbedingt mit mir sprechen wolltest.“ Nervös sah er Marcus an und dann wieder Peta. Wäre Marcus nicht gewesen, hätte Charles Peta sicher schon hinausgeworfen. „Warum du Mr Benson hineinziehen musst, ist mir ein Rätsel.“

     „Ich bin aus freien Stücken hier. Mich zieht niemand in etwas hinein“, erwiderte Marcus. Er nahm einen Stuhl und setzte sich mit der Miene eines Menschen, der unendlich viel Zeit hat und erwartet, gut unterhalten zu werden.

     „Es handelt sich um eine Familienangelegenheit“, erklärte Charles abweisend.

     Marcus lächelte verbindlich. „Dann betrachten Sie mich als Petas Familie. Ich habe mich gerade zum Familienmitglied ernannt. Peta, entschuldigen Sie, wenn ich Sie darauf hinweise, dass es nichts bringt, Charles vorzuwerfen, er hätte seine Mutter falsch behandelt. Vermutlich haben Sie recht, aber es lässt ihn kalt. Kommen Sie, wir gehen. Die Atmosphäre hier macht mich ganz krank.“

     Charles wurde verlegen. „Niemand hat Sie gebeten zu bleiben.“

     „Ich begleite die Dame. Nun sagen Sie schon, was Sie ihm zu sagen haben, Peta.“

     Peta blickte Marcus an. Er hielt ihrem Blick stand. Beruhige dich, Zorn bringt dich nicht weiter, konzentriere dich auf das Wesentliche! versuchte er, ihr wortlos zu übermitteln.

     Peta schien den unausgesprochenen Rat ernst zu nehmen. Sie rang einen Moment um Beherrschung, dann wandte sie sich an Charles. „Das Testament …“

     „Ach so“, fiel ihr Charles ins Wort. Auch er hatte die Pause genutzt, um sich zu fangen. „Das Testament.“ Er warf Marcus einen nervösen Blick zu und lehnte sich dann in seinem schweren Ledersessel zurück. Den mächtigen Schreibtisch hatte er absichtlich gewählt. Normalerweise ließen sich selbst seine einflussreichsten Klienten davon einschüchtern, und Charles hatte nicht vor, hinter dieser Deckung hervorzukommen. „Was geht dich das Testament meiner Mutter an?“

     „Hattie wollte mir ihre Hälfte der Farm hinterlassen.“

     „Das stimmt nicht.“ Charles grinste hämisch.

     Jemand sollte dem Kerl einen Schlag versetzen, dachte Marcus. Es fiel ihm immer schwerer, ruhig zu bleiben und den unbeteiligten Beobachter zu spielen.

     „Hattie hat immer auf der Farm gelebt“, fuhr Peta fort. „Wie wir alle. Nur du bist vor zwanzig Jahren weggegangen, aber deine Ausbildung wurde aus den Einkünften der Farm bezahlt, deine Reisen natürlich auch.“ Sie blickte sich in dem protzigen Büro um. „Ich wette, dass diese Einrichtung auch aus den Einkünften der Farm bezahlt worden ist. Deine Ausgaben haben alle Rücklagen und Überschüsse verschlungen. Jahrzehntelang ist die Hälfte aller Gewinne in deine Tasche geflossen. Es war verrückt von Hattie, dir die halbe Farm zu vermachen.“

     „Immerhin bin ich ihr Sohn.“

     „Wir haben dich ja auch sehr lange unterstützt. Aber Hattie wusste, dass ich dich nicht auszahlen kann, sondern dann verkaufen muss.“

     „Das ist nicht mein Problem.“

     „Stimmt.“ Peta straffte sich. Aber es fiel ihr nicht leicht, ruhig zu bleiben. „Vergiss es. Ich bitte dich ja nur, deine Hälfte der Farm nicht zu verkaufen, bis Harry volljährig ist, und uns zu gestatten, bis dahin weiter dort zu leben.“

     „Bis Harry …“ Charles blickte sie verächtlich an. „Wie alt ist Harry jetzt?“

     „Zwölf.“

     Zwölf? Marcus runzelte die Stirn. War Peta alt genug, um bereits einen zwölfjährigen Sohn zu haben? Vielleicht hätte er sie gründlicher ausfragen sollen …

     „Wir müssen auf der Farm bleiben, bis Harry achtzehn ist“, fuhr Peta beinahe flehend fort. „Du weißt doch, wie sehr uns die Farm ans Herz gewachsen ist, Charles.“

     „Mir hat sie nie etwas bedeutet.“

     „Die Erlöse der Farm sind in deine Ausbildung geflossen, sodass du den Beruf lernen konntest, der dir gefiel. Ich möchte Harry diese Möglichkeit auch geben. Für dich ist es doch eine gute Investition“, erklärte sie. „Du kannst weiterhin die Hälfte der Gewinne bekommen. Gleichzeitig steigt der Wert des Grundstücks von Jahr zu Jahr.“

     „Ich habe mich erkundigt“, antwortete Charles. „Es würde jetzt schon ein Vermögen bringen. Da die Farm am Meer liegt, können wir das Land in Grundstücke für Ferienhäuser aufteilen. Die Hälfte gehört dir. Wir würden beide viel Geld machen.“

     „Wir lieben die Farm.“

     „Dein Pech. Ich verkaufe.“

     „Charles …“

     „War das alles? Du verschwendest meine Zeit, Peta.“

     Peta schluckte, ballte die Fäuste und entspannte die Hände wieder. Dann ließ sie den Kopf hängen und die Schultern sinken. Anscheinend gestand sie sich die Niederlage ein und akzeptierte sie. Marcus spürte Petas Schmerz. Am liebsten hätte er Charles geschlagen.

     Aber Peta ging schon zum nächsten wichtigen Punkt über. „Kommst du morgen zu Hatties Beerdigung?“, flüsterte sie.

     „Beerdigungen liegen mir nicht.“

     „Hattie war deine Mutter!“

     „Na und?“ Charles lächelte kalt. „Jetzt ist sie tot. Gleich nach der Beerdigung biete ich die Farm zum Verkauf an. Wäre die Klausel nicht, hätte ich das schon längst getan.“

     „Welche Klausel?“ Marcus lehnte sich entspannt zurück. Mit Klauseln kannte er sich aus. Aus langjähriger Erfahrung wusste er, dass es besser war, sein Gegenüber nicht zu drängen oder zu viele Fragen zu stellen, sondern geduldig abzuwarten, gut zuzuhören und, wenn nötig, kurz nachzuhaken.

     Charles sah ihn ärgerlich an. „Meine Mutter hat einen dummen Zusatz in das Testament aufnehmen lassen. Ich bin vor dem Anwalt weggegangen, und da hat sie noch diese Bedingung hinzugefügt.“

     „Wie lautet die Bedingung?“, fragte Marcus ruhig.

     „Das geht Sie nichts an.“

     „Es interessiert mich.“

     „Wenn ich heirate, bekomme ich die Farm“, sagte Peta unglücklich. „Es macht keinen Sinn. Kurz vor Hatties Abreise nach New York bin ich mit einem jungen Farmer ausgegangen. Wir haben uns zweimal verabredet. Das reichte Hattie, um zu hoffen, wir würden heiraten. Als ob ich das könnte … Aber sie hat befürchtet, ich würde mein Leben lang nur für die Familie sorgen, statt auch an mich zu denken. Offenbar hat sie geglaubt, sie könnte etwas bewirken. Deshalb hat sie diese absurde Zusatzklausel in das Testament aufnehmen lassen. Wenn ich heirate, erbe ich Hatties Hälfte. Aber es kommt nicht infrage.“

     „Wieso nicht?“

     „Innerhalb von einer Woche?“ Peta lachte verbittert. „Hattie war todkrank und verwirrt, schon vor ihrer Abreise. Vermutlich hat sie sich überhaupt nur deshalb überreden lassen, in die Staaten zu kommen. Charles muss sie gedrängt haben, ihm ihren Anteil an der Farm zu vererben. Hattie hat nachgegeben und war dann, weil Charles rasch wieder wegmusste, noch eine Weile mit dem Anwalt allein. Also nutzte sie die Gelegenheit, um eine Zusatzklausel anfügen zu lassen. Die Klausel besagt, dass ich die ganze Farm erbe, wenn ich innerhalb einer Woche nach Hatties Tod heirate. Vielleicht hat sie ein Jahr gemeint. Oder … Ach, wer weiß, wie es gemeint war. Geschrieben hat sie jedenfalls eine Woche. Die Woche endet am Mittwoch.“ Peta wandte sich noch einmal an ihren Cousin, aber Marcus sah ihr an, dass sie die Hoffnung aufgegeben hatte. „Ich bitte dich, Charles!“

     „Ich schlage vor, du gehst jetzt, Peta! Du vergeudest meine Zeit.“ Charles erhob sich, strich seine ohnehin faltenlose Weste glatt und ging zur Tür.

     Marcus sah ihn sich beim Hinausgehen noch einmal genau an. Charles war übergewichtig, schmierig, ein widerwärtiger Mensch. Beinahe wäre Marcus vor ihm zurückgewichen.

     „Es tut mir leid, dass sie Ihnen die Zeit gestohlen hat, Mr Benson“, verabschiedete sich Charles. „Und meine Zeit dazu. Fahr zurück auf die Farm, Peta! Hier hast du nichts zu suchen. Und genieße das Landleben noch, ehe die Farm verkauft wird. Aber du kannst dich schon mal an den Gedanken gewöhnen. Ich gebe die Verkaufsanzeigen bereits am Mittwoch auf.“

„Es tut mir leid, dass ich Ihre Zeit vergeudet habe, Mr Benson“, sagte Peta, als der Aufzug im Erdgeschoss hielt. Sie verließen das Bürogebäude und traten in den strahlenden Sonnenschein hinaus. Peta schüttelte den Kopf, als könnte sie nicht glauben, dass immer noch die Sonne schien.

     „Ich nehme an, die Farm ist viel wert“, stellte Marcus sanft fest.

     „Wie bitte? Oh, ja. Sie haben gehört, was Charles gesagt hat.“

     „Dann werden Sie also wohlhabend sein.“

     „Aufgeteilt in … Nein, das werde ich nicht.“

     „Haben Sie eine Ausbildung?“

     „Wie bitte?“

     „Haben Sie einen Beruf?“

     „Ja. Ich bin Farmerin.“

     Das hätte er sich denken können. „Würden Sie einen Job bekommen?“

     „Soll das ein Scherz sein? Mit vier Kindern stellt mich doch niemand ein.“

     „Vier Kinder?“, fragte er vorsichtig.

     Peta zuckte die Schultern, als wollte sie sagen, es ginge ihn nichts an. Natürlich hatte sie recht. Es hätte ihn nichts angehen sollen.

     „Hören Sie, Mr Benson, ich habe gesagt, es tut mir leid.“ Sie atmete tief durch. „Okay, vielen Dank. Das reicht. Sie sind wirklich nett zu mir gewesen. Das war’s. Ich habe getan, was ich konnte, und mehr erreicht, als zu hoffen war. Ich durfte bei Hattie sitzen, als sie starb. Dank Ihrer Hilfe konnte ich mit Charles sprechen. Obwohl es aussichtslos war, musste ich es wegen der vier Jungen versuchen. Morgen wird Tante Hattie beerdigt, danach fliege ich zurück nach Australien.“

     Wie alt mochte sie sein? Fünfundzwanzig? Sechsundzwanzig? Und dann hatte sie vier Kinder?

     Marcus musterte sie forschend. Bei der Figur? Nein, das war unmöglich.

     „Weshalb sehen Sie mich so an?“, wollte Peta wissen.

     „Ich bewundere Ihre Figur“, gab er zu. „Sie haben sich gut gehalten bei vier Kindern.“

     Peta sah ihn verblüfft an. Plötzlich fing sie an zu lachen. Ihre Fröhlichkeit war ansteckend, ihr Lachen umwerfend. Mehrere Passanten drehten sich um und betrachteten sie fasziniert.

     „Sie halten mich für eine alleinerziehende Mutter mit vier Kindern?“

     „Hm …“

     „Die vier Jungen sind meine Brüder“, erklärte sie. „Daniel, Christopher, William und Harry. Zwanzig, achtzehn, fünfzehn und zwölf Jahre. Sie gehen alle noch zur Schule oder studieren. Auf Kosten der Farm.“ Sie überlegte. „Anders gesagt: Ich versorge uns alle. Die Jungen helfen mir, aber das meiste hängt bisher an mir. In Zukunft müssen wir vermutlich die Ausbildung der Jungen vom Kapital bezahlen, aber ich habe keine Ahnung, wo wir leben sollen. Die Semesterferien dauern vier Monate. In der Zeit sind wir eine große Familie, und Harry hängt sehr an der Farm. Es wird ihm das Herz brechen, dass wir sie aufgeben müssen.“

     Marcus traute seinen Ohren nicht. Sie versorgte vier Brüder? Was für eine schwere Bürde für so zarte Schultern.

     Offenbar spürte Peta, was er dachte. Jedenfalls erstarb ihr Lächeln, und sie straffte sich etwas. „Wie gesagt, das ist mein Problem.“

     „Es gibt einen Ausweg: Sie können heiraten.“

     „Bis Mittwoch? Unmöglich. Das ist die Idee einer alten, verwirrten Frau, die unter Druck stand und es gern allen recht gemacht hätte. Aber das ist unmöglich.“ Peta reichte Marcus die Hand und verabschiedete sich mit einem festen, warmen Händedruck. „Vielen Dank für Ihre Hilfe, Mr Benson. Sie haben viel für mich getan, und ich bin Ihnen aufrichtig dankbar. Auf Wiedersehen.“

     Und dann ließ sie ihn stehen.

     Sie nahm ihre Krücken, drehte sich um und verschwand langsam in der Menge.

     Marcus blickte ihr nach. Peta hob sich von den anderen Fußgängern ab. Nicht wegen der Krücken. Nein, eher lag es an ihrem rötlich schimmernden Haar und ihrer Figur. An ihrem schönen, schlanken Hals und an ihrer inneren Stärke. Sie hatte Marcus weggeschickt und war ganz auf sich gestellt.

     Das konnte Marcus nicht ertragen. Er wusste nicht, was er sagen oder tun würde, aber er musste eingreifen.

     „Peta!“, rief er hinter ihr her. „Warten Sie!“

     Zwanzig Meter weiter blieb sie stehen, drehte sich um und blickte ihn fragend an. Aber ihre Miene wirkte so abweisend, als hätte Peta sich endgültig verabschiedet. Sie sah blass, zart und so zerbrechlich aus, als könnte sie sich jeden Moment in Luft auflösen.

     Und sie würde wirklich jeden Moment verschwinden. Er musste sie jetzt sofort aufhalten, oder er würde sie nie wiedersehen.

     Das war eigentlich ganz in seinem Sinne. Er hatte sich vor langer Zeit geschworen, sich nie einzumischen und sich für niemanden einzusetzen. Nie war er in Versuchung geraten, den Schwur zu brechen.

     Bis zu diesem Augenblick. Jetzt stand er vor der Wahl, seinen Schwur zu brechen oder Peta gehen zu lassen. Er kannte sie kaum, und er hatte wichtige Termine. Für den Abend war er mit einer Frau verabredet, um die ihn die meisten Männer beneiden würden.

     Peta wartete darauf, dass er sagte, was zu sagen war, damit sie aus seinem Leben verschwinden konnte.

     „Es gibt eine Möglichkeit, bis Mittwoch verheiratet zu sein!“, rief Marcus.

     Viele Leute drehten sich nach ihm um.

     Peta sah ihn erstaunt an. „Welche Möglichkeit?“, rief sie zurück.

     Oder hatte sie nur geflüstert? Marcus sah sie die Lippen bewegen und spürte, dass sie glaubte, er halte sie wegen nichts und wieder nichts auf.

     Aber er meinte es ernst. Jetzt wusste er, was er sagen wollte, und als er es aussprach, hatte er das Gefühl, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. „Sie können mich heiraten.“

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