Ich lege dir die Welt zu Füßen - 9. Kapitel

  1. KAPITEL

Seit seinem vierzehnten Lebensjahr hatte Marcus Benson nie länger als vier Stunden durchgeschlafen. Denn sobald er einschlief, begann er zu träumen. Über die Finanzmärkte nachzudenken und sich Strategien auszudenken, wie er noch mehr Geld verdienen konnte, war leichter, als zu grübeln und die Dämonen der Vergangenheit heraufzubeschwören.

     Jedenfalls war es bis jetzt so gewesen.

     Im Morgengrauen schlüpfte Peta aus dem Bett, zog sich an und versorgte die Kühe. Die Hunde sprangen aufgeregt neben ihr her, begeistert, dass ihr Frauchen wieder da war.

     Marcus schlief immer noch.

     Er wachte erst auf, als Harry ums Haus rannte, in der einen Hand die Schultasche, in der anderen eine angebissene Scheibe Toast. Beim Laufen warf er einen flüchtigen Blick auf die Veranda und blieb dann verblüfft stehen.

     „Marcus!“

     Es war schwer zu sagen, wer von beiden überraschter war. Marcus sah auf die Uhr und dann wieder Harry an.

     „Du hast mit Peta geschlafen“, stellte Harry überrascht, aber nicht vorwurfsvoll fest.

     „Ich habe hier geschlafen und Peta drüben in ihrem Bett“, stellte Marcus die Sache sogleich richtig.

     „Ja, zu uns wollte sie auch nie ins Bett kommen.“ Harry kaute nachdenklich den nächsten Bissen Toast. „Wir haben es ihr immer wieder angeboten, weil es bei uns wärmer war. Aber sie nimmt lieber die Hunde mit ins Bett. Vermutlich war es mit dir gestern genauso, oder?“

     „Stimmt“, gab Marcus zu. „Und du? Bist du auf dem Weg zur Schule?“

     „Ja. Oh!“ Harry wies auf eine Staubwolke in der Ferne. Der Schulbus kam näher. „Ich muss los. Was gibt’s denn heute Abend zu essen? Bestimmt etwas Gutes, oder? Klasse. Tschüs, Marcus!“

     Marcus beobachtete, wie Harry über die Straße lief und den Bus in allerletzter Minute erreichte, und sah dann noch einmal auf die Uhr.

     Wie hatte er nur so lange schlafen können?

     Aus dem Stall erklang das leise Summen der Melkmaschine, gelegentlich muhte eine Kuh. War Peta schon auf? Arbeitete sie schon?

     Noch früher als er?

     Es war genauso unglaublich wie die Tatsache, dass sie arbeitete, während er schlief. Ich hatte ihr doch helfen wollen, dachte er. Aber es war gar nicht so einfach, Peta zu helfen.

     Einige Minuten später betrat Marcus den Kuhstall. Die Kuh, die dem Eingang am nächsten war, wich erschrocken zurück.

     „Bleib stehen!“, rief Peta.

     Marcus tat es.

     Hier im Stall erlebte er Peta von einer ganz neuen Seite. Sie trug alte Jeans und ein kariertes Hemd, dessen Ärmel bis über die Ellbogen hochgekrempelt waren. Das Haar hatte sie mit einigen Kämmen hochgesteckt, und ihre Füße steckten in Gummistiefeln, die bis an den Rand mit Schmutz bespritzt waren. Peta war offenbar ganz in ihrem Element, im Gegensatz zu Marcus. Alle Kühe hatten sich zu ihm umgedreht und sahen ihn an wie einen Marsmenschen. Genauso kam er sich auch vor.

     „Kann ich dir helfen?“

     „Nein, du machst mir nur die Kühe scheu.“

     „Wieso das denn?“

     „Sie sind keine New Yorker Milliardäre gewöhnt.“

     „Du hättest ihnen ja nicht zu verraten brauchen, dass ich Milliardär bin“, antwortete er vorsichtig.

     Peta lächelte. „Das haben sie schon beim Anblick deiner Schuhe erraten. Weiche Wildlederschuhe kommen hier nicht so gut an.“

     Er blickte an sich hinab. „Kann ich mir ein Paar Gummistiefel von einem deiner Brüder leihen?“

     Peta seufzte. „Die Jungen haben zwar Gummistiefel, die dir passen würden, aber das hilft auch nichts. Du machst es mir nur schwerer, Marcus.“

     „Indem ich einfach hier an der Tür stehe?“

     „Kühe mögen keine Fremden.“

     „Ich muss aber irgendetwas zu tun haben. Wenn du glaubst, ich würde hier zwei Wochen untätig herumsitzen …“

     „Du legst also nicht gern die Hände in den Schoß?“

     „Darüber habe ich noch nie nachgedacht“, gab er zu. „Vermutlich nicht.“

     „Und du möchtest wirklich arbeiten?“

     Eine innere Stimme riet zur Vorsicht. „Möglich.“

     „Dann streich doch Hatties Haus mit einer anderen Farbe an.“

     „Willst du darin wohnen?“

     „Nein, ich bleibe auf meiner Veranda. Aber die Jungen bringen in den Ferien manchmal Freunde mit. Es wäre nett, ein Gästehaus zu haben, das nicht rosa ist.“ Peta lächelte freundlich. „Das solltest du natürlich nur tun, wenn du dich wirklich nützlich machen möchtest. Aber mir ist es auch recht, dass du dir eine Pause gönnst. Du hast sie dir redlich verdient.“

     „Gibt es noch eine dritte Möglichkeit irgendwo dazwischen? Sagen wir, ich möchte nicht ganz untätig sein, aber ich habe auch keine Lust, Häuser anzustreichen.“

     Peta fiel sofort eine Alternative ein. „Dann mach mir etwas zum Frühstück.“

     „Hast du beschlossen, dass ich den Koch spiele?“

     „Dazu hast du dich selbst ernannt. Ich meinte eigentlich nur eine Schüssel Cornflakes und wollte andeuten, dass ich bereit bin, sie mit dir zu teilen.“ Sie warf einen Blick in den Hof, wo noch etwa zehn Kühe darauf warteten, gemolken zu werden. „In einer halben Stunde bin ich hier fertig und komme ins Haus.“

     „Um Cornflakes zu essen?“

     „Cornflakes oder was immer dir einfällt.“

     Marcus hatte noch keine Lust, wieder in das rosafarbene Haus zu gehen. Deshalb stellte er sich in Petas Küche und machte Pfannkuchen. Dabei hatte er ein sehr seltsames Gefühl.

     Während er einen Pfannkuchen nach dem anderen backte, wendete und warm stellte, beobachtete er Peta. Sie trieb die letzte Kuh aus dem Stall, spritzte das Gebäude mit einem Schlauch ab und bereitete alles für das Melken am Abend vor. Dann verschwand sie unter der primitiven Dusche, die außen hinter dem Haus angebracht war. Marcus hatte sie sich angesehen und für nicht gut genug befunden. Kurze Zeit später erschien Peta wieder. Umgezogen hatte sie sich nicht. Sie sah genauso aus wie vorher, nur sauberer.

     Petas Küche befand sich in einem Anbau und hatte nicht viel mit Tante Hatties blitzblanker Einbauküche gemein. Aber sie war gemütlich. Offensichtlich benutzten Peta und ihre Brüder sie als Wohnzimmer. In einer Ecke stand ein alter Kachelofen, es gab einen großen alten Esstisch, viele verschiedene abgewetzte Sitzgelegenheiten, abgenutztes Linoleum und große Fenster mit Blick über die Farm bis zum Strand. Kurz, es war ein wunderschöner Raum.

     Sobald Peta ihn betrat, wurde er sogar noch schöner.

     Peta verharrte auf der Türschwelle, atmete die Essensdüfte ein und lächelte. Ihr Lächeln erhellte den ganzen Raum. „Pfannkuchen! Und Kaffee. Ich wusste, dass ich einen guten Grund gehabt haben muss, dich zu heiraten!“

     „Ich wünschte, du würdest nicht dauernd über unsere Heirat reden, als wäre ich dein neuestes Spielzeug“, beschwerte sich Marcus.

     Peta bückte sich gerade, um die Gummistiefel auszuziehen. Doch nun richtete sie sich wieder auf und sah ihn an. „Anders kann ich die Sache nicht betrachten.“ Mit einem Mal wirkte sie ganz ernst. „Du bist natürlich kein Spielzeug für mich. Aber alles andere kommt mir vor wie ein Spiel. Ich kann einfach nicht glauben, dass wir wirklich geheiratet haben. Oder dass ich dieses sagenhafte Kleid getragen und ein Eheversprechen abgelegt habe.“

     Sie hatte recht. In ihrer gewohnten Umgebung sah sie ganz anders aus als in New York als seine Braut. Trotzdem war sie derselbe Mensch. Der Grund, warum er sie geheiratet hatte, bestand weiter. Sie brauchte seine Hilfe.

     „Es ist kein Spiel, Peta.“

     „Aber echt ist es auch nicht.“

     „Für zwei Wochen ist es unsere Wirklichkeit.“

     „Ja, und wenn ich oberflächlich darüber nachdenke, ist alles in Ordnung.“ Peta ging auf Socken zum Herd und wendete den letzten Pfannkuchen. „Aber dann wird mir plötzlich klar, was wir getan haben, und ich kann es einfach nicht fassen. Ein Fremder hat mich geheiratet, damit Harry und ich auf der Farm bleiben können und damit wir alle unser Zuhause behalten. Aber … wie kann man einen Fremden heiraten? Wie konnte das passieren?“

     „Es ist wie im Märchen“, erklärte Marcus. „Jeder mag märchenhafte Geschichten. Den Pfannkuchen hatte ich übrigens schon gewendet. Die anderen sind fertig. Setz dich, wir können frühstücken.“

     Peta nahm Platz und ließ es sich schmecken. Doch je mehr der Pfannkuchenstapel schrumpfte, desto sorgenvoller wurde ihre Miene. „Es tut mir leid, dass ich dir nicht erlaubt habe, mir beim Melken zu helfen“, sagte sie schließlich.

     „Das ist in Ordnung.“

     „Nein, ist es nicht. Du hast mir so sehr geholfen. Deshalb sollte ich dir erlauben zu tun, was du möchtest.“

     „Aber auf deiner Seite der Veranda darf ich nicht schlafen, oder?“ Kaum war ihm dieser Satz herausgerutscht, bereute Marcus es schon.

     Peta zuckte zusammen. Dann straffte sie sich und blickte auf. „Willst du das denn?“

     Natürlich wollte er es. Doch ihre Reaktion war ihm nicht entgangen, und er wusste, wie er die Frage beantworten musste. „Nein. Ich bin nicht hier, um dich oder die Situation auszunutzen. Es war eine dumme Bemerkung. Entschuldige bitte.“

     „Du hättest das Recht dazu.“

     „Wenn du die Ehe als eine Einrichtung verstehst, die dem Mann automatisch Rechte einräumt, hast du bisher keine netten Männer kennengelernt.“

     Peta blickte ihn lange nachdenklich an.

     „Erzähl mir, was du vorhast“, forderte Marcus sie schließlich auf.

     „Was das Heiraten angeht?“

     „Nein, verheiratet bist du ja schon. Was kommt als Nächstes?“

     „Meinst du, wie ich mein Leben jetzt gestalten will?“

     „Ich dachte eigentlich an heute Vormittag.“

     „Oh, meinst du einkaufen und so?“

     „Zum Beispiel. Steht das Einkaufen auf deiner Liste?“

     „Wir haben nur Konserven und Tiefkühlkost im Haus. Es wäre schön, etwas Frisches zu essen.“

     „Einkaufen kann ich gut.“

     „Du willst nach Yooralaa fahren und im Supermarkt einen Einkaufswagen schieben?“ Sie lächelte wieder. „Da gibt es aber keinen Kaviar“, scherzte sie.

     „Lass das bitte!“

     Peta sah ihn fragend an. „Okay, tut mir leid. Aber ich glaube nicht, dass du wirklich Lust hast mitzukommen.“

     „Ich habe keine Lust, zwei Wochen in Hatties Haus herumzusitzen.“

     „Aber dann denken die Leute …“

     „Dass wir verheiratet sind? Das sollen sie ja auch.“ Er verstummte. „Oder hast du Verehrer, die es abschrecken würde, mich an deiner Seite zu sehen?“

     „Nein.“

     „Gibt es keinen einzigen Verehrer?“

     „Mir gehen Verehrer auf die Nerven“, erklärte Peta. „Sie bringen das Haus durcheinander und mögen keine Gummistiefel.“

     „Ah! Deshalb hast du ihnen ein Schnippchen geschlagen und einfach geheiratet. Okay, dann lass uns losfahren!“ Marcus stand auf. Sie sieht toll aus, dachte er. Vielleicht machte es sogar Spaß, neben ihr durch den Supermarkt zu schlendern und ihren Einkaufswagen zu schieben.

     „Wehe, du kommst auf komische Ideen“, warnte Peta.

     Konnte sie Gedanken lesen? Er verdrängte rasch die angenehmen Fantasien. „Hör mal“, wandte er ein. „Mit deiner Vorstellung, auf zwei verschiedenen Seiten auf der Veranda zu schlafen, kann ich leben. Aber getrennte Einkaufswagen im Supermarkt, das geht mir zu weit. So viel Unabhängigkeit ist nicht nötig.“

     „Man kann nie unabhängig genug sein. Ich dachte, das wäre dein Motto.“

     Gedankenvoll blickte er Peta nach, die Schuhe suchte, in denen sie sich in der Stadt sehen lassen konnte. Was war nur mit seinem Unabhängigkeitsdrang passiert?

So einen Tag wie diesen hatte Marcus noch nie zuvor erlebt.

     Er hatte erwartet, dass es Peta peinlich sein würde, mit ihm gesehen zu werden, doch stattdessen stellte sie ihn allen und jedem vor. Die meisten reagierten überrascht und belustigt.

     „Guten Tag, Mrs Michaels. Darf ich Ihnen meinen Mann Marcus vorstellen?“

     Es irritierte ihn.

     „Alle sollen aber wissen, dass du hier bist“, erklärte Peta. „Charles kennt hier viele Leute und erkundigt sich bestimmt, ob du bei mir bist. Macht es dir etwas aus?“

     „Nein, gar nicht.“

     „Schließlich wirst du keinen von ihnen jemals wieder sehen, wenn die zwei Wochen vorüber sind. Ich hingegen muss dann die verlassene Braut spielen. So, wie viele Dosen Spaghetti mit Tomatensoße nehmen wir?“

     „Keine. Weshalb sollen wir sie in Dosen kaufen, wenn wir sie selbst kochen können?“

     „Ich kaufe immer Konserven.“

     „Stell die Dosen ins Regal zurück, sonst reiche ich morgen die Scheidung ein.“

     Sie wurden neugierig beobachtet. Ein Mann tuschelte seiner Freundin hinter vorgehaltener Hand etwas ins Ohr. Die Neuigkeit machte bereits die Runde.

     „Besonders freundlich sind die Leute hier aber nicht“, bemerkte Marcus, während sie alles in den Einkaufswagen legten, was auf der Liste stand.

     „Dad hat viele von ihnen belogen und betrogen. Charles ist nicht anders. Daher gelten wir als Außenseiter.“

     „Du auch?“

     „Ich habe gelernt, allein zurechtzukommen.“

     „Aber du bezahlst deine Schulden?“

     „Ich habe keine Schulden. Uns hat seit Jahren niemand mehr Kredit gegeben. Entweder ich zahle bar, oder ich bekomme nichts. Anders kenne ich das gar nicht. Wie steht’s mit gebackenen Bohnen?“

     „Nein, kommt nicht infrage.“

     „Aber …“

     „Halt! Wir nehmen auch keinen Schmelzkäse. Hast du denn gar kein Gespür für die Qualität von Nahrungsmitteln?“

     „Ich esse, um zu überleben!“

     „Mir tut sich eine ganz neue Welt auf“, sagte Marcus schwach. „Aber ich bin mir nicht sicher, ob ich sie kennenlernen will.“

     Natürlich wollte er wissen, wie Petas Leben aussah. Je weiter der Tag fortschritt, umso mehr faszinierte es ihn. Nachdem sie die Einkäufe im Haus verstaut hatten, nahm Peta Marcus auf einen Inspektionsgang an den Zäunen entlang mit.

     „Die Zäune müssen einmal pro Woche kontrolliert werden“, erläuterte sie. „Die Kühe beschädigen sie ständig, und wenn mir Vieh entwischt, bekomme ich Ärger.“

     Sie gingen zu Fuß los. Peta trug eine schwere Umhängetasche mit Werkzeug für eventuelle Reparaturen. Nach zwei Minuten nahm er ihr die Tasche ab.

     „Du machst dir nur dein schönes Hemd schmutzig“, wandte Peta ein.

     „Dein Knöchel tut immer noch weh. Außerdem bist du verheiratet, und schwere oder grobe Arbeiten sind Sache des Ehemannes.“

     „Nur in Familien, in denen die Frau brav zu Hause bleibt und sich ums Kochen kümmert. Aber du lässt mich ja nicht einmal eine Dose gebackene Bohnen kaufen.“

     „Stimmt.“ Er lächelte herausfordernd. „Du darfst den Spaten tragen und später Cornflakes und Toast machen. Alles andere erledigt dein Ehemann, verstanden?“

Sie reparierten den Zaun. Dabei entdeckten sie eine Kuh, die sich zwischen einer Ginsterhecke und einer tiefen, durch Erosion verursachten Furche verfangen hatte. Sie befreiten sie und blickten ihr nach, wie sie eilig zur Herde zurücklief, ohne ihren Rettern auch nur einen Blick zu gönnen.

     Später setzten sie sich auf die Klippen, schauten aufs Meer hinaus und aßen die Sandwiches, die Peta mitgebracht hatte. Wie gerufen tauchte ein Delfin auf und schwamm elegant die Küste entlang durch die hohen Wellen. Kein Wunder, dass Charles um die Erschließungsrechte der Farm kämpft, dachte Marcus.

     „Kann man an diesem Strand gefahrlos schwimmen?“

     „Ja, klar.“

     „Wollen wir?“

     „Das geht nicht, ich muss die Kühe melken.“

     „Jetzt schon?“

     „Frag doch Harry. Er müsste jeden Moment zurückkommen.“

     „Hilft dir denn niemand beim Melken?“

     „Ich mache es gern. Ich brauche keine Hilfe.“

     „Aber du …“

     „Wie du weißt, brauche ich nur zum Schein einen Ehemann.“ Sie warf einen letzten Blick aufs Meer. Marcus glaubte, Sehnsucht und Bedauern spiegelten sich in ihrem Gesicht. „Bleib doch hier, und entspann dich“, schlug sie ihm vor. „Ich muss jetzt an die Arbeit.“

     „Ich will aber mitkommen, Peta. Dein Knöchel tut weh und …“

     „Meinem Knöchel geht es bestens. Außerdem habe ich dir schon einmal gesagt, dass die Kühe Angst vor dir haben. Leiste lieber Harry Gesellschaft.“

Aber Harry hatte auch zu tun. „Ich bin mit der Arbeit ziemlich im Rückstand. Außerdem habe ich ein Referat über Vulkane übernommen. Damit fange ich gleich an.“

     „Brauchst du Hilfe?“

     „Nein, danke. Ich erledige meinen Kram immer allein.“

     Marcus ging es nicht anders. Dennoch missfiel es ihm, sich so überflüssig zu fühlen. Frustriert machte er sich auf den Weg zurück zum Strand. Hier besserte sich endlich seine Laune. Das Wasser war einfach himmlisch. Mit kraftvollen Zügen schwamm er hinaus. Aber er war allein. Er hätte seine Freiheit genießen sollen. Endlich hatte er zwei Wochen Urlaub und keine Verpflichtungen. Niemand wollte etwas von ihm.

     Es machte ihn jedoch unruhig und unzufrieden.

     Dabei hatte er nie gebraucht werden wollen. Schon gar nicht von einer Frau, die ihn nicht haben wollte.

Peta blickte beim Melken immer wieder aus dem Fenster und beobachtete Marcus. Er war offenbar in Topform. Er schwamm in der Bucht umher, als hätte er nie etwas anderes getan. Dabei erinnerte nichts mehr an den New Yorker Geschäftsmann im Designeranzug, in den sie sich vor fünf Tagen verliebt hatte. Es war ein Unterschied wie Tag und Nacht.

     Verliebt? „Und ob ich mich verliebt habe“, sagte sie laut. „Bis über beide Ohren.“

     Bei ihren Worten drehte die Kuh, die gerade gemolken wurde, den Kopf zu ihr um.

     „Verliebt ihr euch auch manchmal in den Falschen?“, wollte Peta wissen. Was hatte sie da gerade gesagt?

     Die Wahrheit, sie hatte die Wahrheit gesagt.

     „Marcus und ich haben absolut nichts gemeinsam“, fuhr sie laut fort. „Er ist ein moderner Märchenprinz. Marcus der Große, der junge Frauen, die in Not sind, rettet. Aber das hat mit einer gleichberechtigten Beziehung nichts zu tun.“

     Wünschte sie sich denn eine gleichberechtigte Beziehung?

     „Zumindest möchte ich ihm nicht für den Rest meines Lebens verpflichtet sein, nur weil er mir geholfen hat.“

     Spreche ich tatsächlich mit mir selbst? überlegte Peta. In ihrem Kopf schienen zwei Parteien miteinander zu kämpfen.

     „Wenn ich ihn dränge, wird er vielleicht …“

     Sie brauchte ihn nicht zu drängen. Oder wollte sie bestreiten, dass es jedes Mal zwischen ihnen knisterte, wenn sie sich berührten? Er empfand dasselbe wie sie, das wusste sie genau.

     „Was soll ich tun? Ihn verführen?“

     Sie waren verheiratet. Da konnte kaum von Verführung die Rede sein.

     „Das wäre verrückt! In zwei Wochen verschwindet er wieder und …“

     Und würde ihr das Herz brechen?

     „Habe ich mich wirklich in Marcus verliebt?“, flüsterte Peta verzweifelt. Dabei war er doch gar nicht der Ritter in schimmernder Rüstung, den sie sich immer vorgestellt hatte. Okay, er brachte Harry zum Lachen, und er ging menschlich mit seiner Assistentin Ruby um. Und sie, Peta, hatte er mitten ins Herz getroffen.

     „Das war dumm von mir“, entschied sie. „Aber ich werde kein Drama daraus machen, sondern so weitermachen wie bisher und im Übrigen versuchen, ihm aus dem Weg zu gehen. Vor allem werde ich mein Herz mit beiden Händen festhalten.“

     Dazu war es jedoch längst zu spät.

Als Peta ins Haus kam, verstaute Harry gerade ein Paket Würstchen im Picknickkorb. „Heute ist eine Strandparty angesagt“, informierte er sie.

     Strandpartys hatten bei ihnen Tradition. An warmen, windstillen Abenden wie diesem nahmen sie oft ihr Essen mit an den Strand und bereiteten es am Lagerfeuer zu. Dann aßen sie, schwammen und kehrten manchmal erst im Morgengrauen zurück.

     Es war eine großartige Sache, aber mit Marcus?

     „Er macht gerade einen Strandlauf“, erklärte Harry, als könnte er Gedanken lesen. „Wenn wir uns beeilen, brennt das Lagerfeuer schon, wenn Marcus zurückkommt.“

     „Aber er wollte doch kochen! Jedenfalls hat er Berge von Lebensmitteln gekauft.“

     „Wir kümmern uns um das Essen“, entgegnete Harry. „Es gibt die besten Würstchen aller Zeiten. Ich brate sie, damit du sie nicht verkohlen lässt.“

     „Oh, vielen Dank.“

     „Hol deinen Badeanzug. Und beeil dich.“

     „Aber …“ Peta verstummte. Sie wusste, dass es nicht gut war, was sie da machen würde.

Als Marcus von seinem Lauf zurückkam, brutzelten schon die ersten Würstchen in der Pfanne.

     „Wir machen ein Barbecue! Wenn du noch etwas abbekommen willst, musst du dich beeilen“, begrüßte Harry ihn fröhlich.

     Peta, die gerade die Würstchen wendete, trug einen Badeanzug und darüber ein T-Shirt, das ihr mehrere Nummern zu groß war.

     „Hallo, du Muskelprotz“, neckte Harry Marcus.

     Peta lächelte amüsiert.

     „Lass den Quatsch“, antwortete Marcus leicht gereizt, da er verlegen wurde.

     „Hast du Mut, eins von meinen Würstchen zu probieren?“, fragte Peta. Ihr war Marcus’ Verlegenheit nicht entgangen.

     „Keine Angst“, beruhigte Harry ihn. „Für das Essen bin ich verantwortlich. Danach gibt es den Kuchen, den ihr heute besorgt habt.“

     „Also muss ich nicht befürchten, vergiftet zu werden?“ Marcus beobachtete, wie Petas Lächeln sich vertiefte. Für ihn war es das schönste Lächeln der Welt.

     „So schlecht koche ich nun auch wieder nicht“, beschwerte sie sich.

     „Doch, Schwesterherz! Wie viele Würstchen willst du denn, Marcus? Drei, vier …?“

     „Sechs.“ Marcus ließ sich auf der Picknickdecke nieder. Etwas so Profanes wie Würstchen aß er normalerweise gar nicht mehr, aber sie dufteten einfach köstlich. Und er hatte den Tag an der frischen Luft verbracht und war fast am Verhungern. Vermutlich hätte er auch verbrannte Würstchen nicht verschmäht.

     „Wer wirklich Hunger hat, isst beinah alles“, stellte Peta fest. „Kochkurse sind reine Zeitverschwendung.“

     „Und wie steht’s mit Köchen?“

     Sie schwieg, doch ihre Augen funkelten übermütig.

     Verflixt, sie war nicht nur schön, sondern auch intelligent. Und sie besaß Humor. Sie brachte Marcus dazu, dass er sich wünschte, sie zu seiner Prinzessin zu erklären und bis ans Ende seiner Tage glücklich mit ihr zu leben.

     Ich muss mich zusammennehmen, mahnte er sich dann sogleich.

     Die nächste halbe Stunde widmete er sich dem Essen.

     Anschließend ging Peta schwimmen. Harry verschwand im Haus, und Marcus wäre ihm sicherheitshalber am liebsten gefolgt. Doch wie konnte er Peta allein zurücklassen? Natürlich war sie bisher stets allein geschwommen. Aber jetzt war er hier, und er würde auf sie aufpassen.

     Eigentlich wäre er gern auch noch einmal ins Wasser gegangen, aber etwas hielt ihn zurück. Ebenso wie auf ihrer Veranda schien Peta wieder eine Grenze gezogen zu haben, die es ihm verbot, ihr wirklich nahezukommen.

     Deshalb beobachtete er sie aus sicherer Entfernung. Sie ließ sich auf dem Rücken treiben, den Blick auf den Sonnenuntergang gerichtet, bei dem der Himmel wie in ein Flammenmeer getaucht wirkte.

     Plötzlich begriff Marcus, was ihn zu ihr hinzog. Sie war im Frieden mit sich und akzeptierte ihr Schicksal. Alles, was sie sich wünschte, war ihre Farm und eine Zukunft für ihre Brüder.

     Was ich ihr anzubieten habe, wird sie gar nicht interessieren, ging es ihm durch den Kopf. Der Gedanke war unerwartet schmerzhaft.

     Wollte er ihr überhaupt etwas anbieten? Wollte er sie womöglich nach Amerika mitnehmen, damit es ein Happy End gab?

     Wieder verdrängte er den Wunsch, ihr ins Wasser zu folgen. Als sie schließlich zurückkam, hatte Marcus sich beinahe davon überzeugt, dass seine Überlegungen reiner Unsinn waren.

     Die Hunde liefen ihr entgegen, nur um sogleich wieder herumzutollen und die Möwen zu jagen. Marcus lehnte sich auf dem Sand zurück und sah zu, wie Peta sich das Haar trocknete. Für ihn war es eine ganz neue Erfahrung. Seit einer halben Stunde saß er nur da und tat nichts. Er nahm einfach die Abendstimmung in sich auf und war ganz im Hier und Jetzt.

     „Du bist schön, Peta“, sagte er sanft.

     Sie hielt mitten in der Bewegung inne und blickte ihn an. Würde sie ihn jetzt auslachen? Das Kompliment zurückweisen? Die Augenbrauen hochziehen? All das hatte er bereits erlebt.

     Sie tat nichts dergleichen, sondern lächelte. Es war ein sanftes, beinahe nachsichtiges Lächeln. „Du siehst auch nicht übel aus.“

     „Herzlichen Dank.“ Leider fiel ihm auf die Schnelle nichts Geistreicheres ein. Er sprang auf und nahm ihr das Handtuch aus der Hand. „Kann ich das übernehmen?“

     Sie wich ihm geschickt aus. „Das willst du doch gar nicht.“

     „Dir das Haar trocknen? Doch, und wie.“

     „Du weißt, was ich meine.“ Plötzlich wurde sie ernst. „Auf Dauer würde es nicht funktionieren.“

     „Aber wir haben zwei Wochen …“

     Das hätte er nicht sagen sollen! Er spürte förmlich, wie Peta sich hinter ihren Schutzwall zurückzog.

     „Bleib auf dem Teppich, Marcus“, warnte sie ihn. „Vielleicht gehst du sogar besser in Hatties Haus zurück.“

     „Nein!“ Er schlug einen lockeren Ton an. „Alles, nur das nicht! Ich kann diese rosa Farbe nicht ertragen.“

     „Dann fass mich nicht an!“

     „Warum willst du nicht berührt werden?“

     „Wer sagt denn, dass ich es nicht will?“

     „Ich nahm an …“

     „Du nimmst ständig irgendetwas an“, unterbrach sie ihn verärgert. „Ich musste dein großzügiges Heiratsangebot annehmen, um meine zu Farm retten. Aber deswegen werde ich dich noch lange nicht für den Rest meines Lebens als Mr Wundervoll betrachten.“

     „Ich wollte gar nicht …“

     „Mr Wundervoll sein? Natürlich nicht.“ Sie atmete tief ein. „Leider gibt es da ein Problem. Sobald ich dich von deinem Podest herunterhole, sehe ich dich als einen Menschen, der genauso hilfsbedürftig ist wie ich und sogar noch einsamer. Du bist ein liebenswürdiger, großzügiger Mensch, dessen Lächeln bewirkt, dass ich mich öffne und verletzlich werde. Marcus, nein, ich meinte … ich wollte nicht …“

     Wie hätte er länger zuhören können? Sie stand vor ihm mit tropfendem Haar und den großen grünen Augen und versuchte ernsthaft, Ordnung in ihre Gedanken zu bringen und ihm die Wahrheit zu sagen. Es hätte übermenschliche Kräfte gebraucht, um nicht zu reagieren.

     Wie schön sie war! Er nahm ihre Hände, ihre Blicke trafen sich.

     Später hätte Marcus nicht sagen können, wer sich zuerst bewegt hatte. Hatte sie sich auf die Zehenspitzen gestellt und ihn erwartungsvoll angesehen? Oder hatte er sie an sich gezogen, ihr Gesicht umfasst, ihre Lippen geöffnet?

     Es spielte keine Rolle. Nichts spielte eine Rolle. Nur Peta war wichtig, die sich an ihn schmiegte. Er spürte ihre Wärme, ihre weiblichen Rundungen an seinen harten Muskeln. Ihre Brüste berührten seine Brust, und ihr Körper schien unter seinen Händen dahinzuschmelzen. Ihre Lippen schmeckten nach Meer, salzig und warm.

     Peta! Er hielt sie in den Armen. Er liebte sie, begehrte sie …

     Er liebte sie?

     Es war, als würde die Welt einen Moment lang stillstehen. Sein Herz setzte einen Schlag aus, und als es erneut zu klopfen begann, fühlte Marcus sich wie ein anderer Mensch. Ein unbeschreibliches Gefühl der Freude stieg in ihm auf. Nie hatte er gewusst, dass er zu solchen Empfindungen überhaupt fähig war. Denn er hatte sich noch nie emotional auf jemanden eingelassen.

     Bis jetzt.

     Und diese Frau war seine Ehefrau. Wenn das kein Wunder war.

     Peta gab sich ihm ganz hin, bot ihm die leicht geöffneten Lippen dar, während er immer intensiver ihren Mund erforschte.

     Noch nie hatte er eine Frau so sehr begehrt. Er wollte sie mehr als sein Leben …

     „Peta …“

     Der Kuss wurde zusehends leidenschaftlicher. Die Wellen rollten am Strand aus, zogen sich zurück, kehrten wieder. Die Hunde kamen angesprungen und liefen wieder davon. Nur Ted setzte sich vor seinem Frauchen in den Sand und winselte leise, als wollte er Peta warnen.

     Doch Peta nahm es nicht wahr. Sie gab sich ganz dem Augenblick hin, kostete ihn mit allen Sinnen aus. Sie spürte, dass es Marcus genauso erging. Er war ihr Mann und sie seine Frau. Sie gehörten zusammen.

     Die Dämmerung ging langsam in nächtliche Dunkelheit über.

     Irgendwann löste Marcus sich von Peta und betrachtete aufmerksam ihr Gesicht. In ihren Augen spiegelten sich Verwirrung und Verletzlichkeit, aber ihr wunderbares Lächeln war noch da. Mit diesem Lächeln hatte sie ihn verzaubert. Er kam nicht mehr von ihr los.

     „Es sieht ganz so aus, als wärst du wirklich meine Frau“, sagte er rau. „Meine Ehefrau …“

     Unvermittelt wurde sie ernst. „Wie meinst du das?“

     „Nun, wir haben uns ein Eheversprechen gegeben.“

     „Nein. Das war nie ernst gemeint.“

     „Damals nicht, aber langsam wird Ernst daraus.“

     „Du meinst, dass wir einander zur Seite stehen?“

     „Ja, das ist der Anfang.“

     „Und uns lieben und ehren? In guten und in schlechten Tagen, bis der Tod uns scheidet? Nein, Marcus, das glaube ich nicht.“

     „Okay, vielleicht nicht ganz so“, räumte er zögernd ein. Vielleicht hatte sie recht. Vielleicht war es vernünftig, noch einmal nachzudenken. Immerhin war er ein Einzelgänger und wollte es bleiben.

     Musste er sich denn ändern? Schließlich war Peta ebenfalls eine Einzelgängerin. Sie war unabhängig, selbstständig und keine Klette. Sie würde akzeptieren, was er ihr geben konnte.

     „Nein.“

     Marcus sah sie verständnislos an.

     „Ich weiß, was du vorschlagen willst, und bin dagegen.“

     „Wir sind verheiratet, Peta.“

     „Das sind wir nicht.“

     „Willst du abstreiten, dass du mich begehrst?“

     „Natürlich nicht. Du begehrst mich ja auch. Aber das genügt nicht.“

     „Warum nicht?“

     „Weil ich alles will“, erklärte sie entschieden. „Alles oder nichts. Mit weniger gebe ich mich nicht zufrieden.“

     „Was, zum Teufel, meinst du damit?“

     „Ich habe mich in dich verliebt, Marcus.“

     Einfach so? Verwirrt trat er einen Schritt zurück. „Ich weiß nicht, was du …“

     Ihre Miene wirkte auf einmal verschlossen. „Das ist mir klar, Marcus. Anscheinend lebe ich noch immer in einer Märchenwelt. Wie dumm von mir. Komm, es wird Zeit, nach Hause zu gehen.“ Sie hob den Picknickkorb auf.

     Marcus spürte, dass sie sich immer mehr von ihm zurückzog. Es schmerzte ihn mehr, als er je für möglich gehalten hätte.

     „Es tut mir leid“, sagte Peta leise. „Ich hätte dich nie küssen dürfen, nie zulassen dürfen, dass du mich …“

     „Wir haben es beide gewollt.“

     „Ich weiß. Aber lass uns hier aufhören.“

     „Warum? Hör mal, Peta, das mit der Liebe … Ich hätte mir nie träumen lassen … Aber was ich für dich empfinde … Also, ich bin bereit, es zu versuchen.“

     „Wie nett von dir.“

     „Nein.“ Er wollte ihre Hände nehmen, aber sie wich zurück. „Bitte, Peta, lass es uns versuchen. Du kannst die Farm behalten, solange Harry dich braucht. Ich lasse sie in Ordnung bringen, damit ihr vernünftig hier leben könnt. Du könntest mich in New York besuchen, wenn ich …“

     „Du willst die Farm für mich in Ordnung bringen lassen?“, fragte Peta empört.

     „Ja. Sie ist völlig heruntergekommen, aber sie bietet fantastische Möglichkeiten. Stell dir bloß vor, was man daraus machen könnte. Diese unglaubliche Lage wäre ideal für ein Herrenhaus.“

     „Ein Herrenhaus? Das kommt nicht infrage. Wie oft würdest du denn vorbeikommen?“

     „Natürlich arbeite ich weiter in New York. Aber ich verbringe jetzt doch auch zwei Wochen hier. Ich komme, wann immer ich kann.“

     „Das hört sich ja wahnsinnig romantisch an“, stellte Peta ironisch fest.

     „Du hast gesagt, dass du mich liebst.“

     „Aber nicht so. Ich nicht bereit, dir in allem zuzustimmen oder mich mit den Brosamen zufrieden zu geben, die du mir zuwirfst. Ja, ich liebe dich, Marcus. Sogar so sehr, dass es schon an Dummheit grenzt. Aber zum Glück habe ich nicht den Verstand verloren. Eine Beziehung zwischen uns würde nie funktionieren.“

     „Es wird funktionieren!“ Er nahm ihre Hand, aber Peta versteifte sich.

     „Lass mich los.“

     „Peta …“

     „Ich sagte, lass mich los. Vergiss nicht, die Hunde sind abgerichtet.“

     „Willst du sie etwa auf mich hetzen?“, fragte er ungläubig.

     „Notfalls ja.“

     Marcus wurde ärgerlich. Was für ein Spiel trieb sie mit ihm? „Verdammt, Peta, wenn ich morgen in die Staaten zurückfliege, bist du am Ende.“

     „Drohst du, das Ganze auffliegen zu lassen, weil ich nicht mit dir ins Bett gehe? Ich weigere mich, diese idiotische Scheinehe zu vollziehen, und du riskierst eiskalt, dass Charles die Farm bekommt?“

     „Natürlich nicht“, entgegnete Marcus empört. „Ich bin doch kein Erpresser.“

     Sie sah ihn lange an. Allmählich wich ihr Ärger einem Gefühl innerer Kälte. „Dann ist es ja gut“, sagte sie schließlich. „Gute Nacht, Marcus. Ich wäre dir übrigens dankbar, wenn du heute Nacht nicht in die Nähe meiner Veranda kommen würdest.“

     „Aber …“

     „Schlaf gut.“

Vorheriger Artikel Ich lege dir die Welt zu Füßen - 10. Kapitel
Nächster Artikel Ich lege dir die Welt zu Füßen - 8. Kapitel