Mein irischer Held - 11. Kapitel

11. KAPITEL

Die Gäste waren bester Stimmung. Sie genossen, was die Küche von Rionallís zu bieten hatte, tranken Ale, warmen Met und Holunderbeerwein, freuten sich an der Musik und unterhielten sich angeregt. Dann, als alle gesättigt waren, versammelten sie sich um Trahern MacEgan, den besten Geschichtenerzähler weit und breit.

     Trahern war klein und kräftig, ein knorriger Mann, wie manche sagten, aber mit einer Stimme, die Jung und Alt gleichermaßen in ihren Bann zog. Er trug sein dunkles Haar offen und schien stolz auf seinen dichten Bart und seinen ausladenden Brustkorb zu sein. Tatsächlich hatte er alle Frauen aufgefordert, ihn in den Arm zu nehmen, um festzustellen, ob auch nur eine in der Lage war, ihn an sich zu drücken. Lachend war man seiner Aufforderung gefolgt. Nur Genevieve hatte sich zuerst geschämt. Doch auf Ewans Drängen hin hatte auch sie versucht, die Arme um Trahern zu legen. Vergeblich, er war einfach zu breit.

     Bevan selbst hatte Trahern eingeladen, sobald er erfuhr, dass der Geschichtenerzähler von seiner Wanderung durch Irland nach Laochre zurückgekehrt war. Und dann hatte er ihn Genevieve als seinen Bruder vorgestellt.

     "Noch ein Bruder?", hatte die sich gewundert. "Wie viele seid Ihr eigentlich?"

     "Jetzt nur noch fünf. Uilliam, der älteste von uns, ist im Kampf gefallen. Daraufhin wurde Patrick unser König. Ihm sowie Connor und Ewan bist du ja schon begegnet. Und nun kennst du auch Trahern."

     "Sechs Söhne", hatte sie bewundernd festgestellt. "Euer Vater muss sehr stolz auf seine Nachkommen gewesen sein. Habt Ihr auch Schwestern?"

     "Nein. Meine Mutter hat sich immer eine Tochter gewünscht, aber Gottes Pläne sahen anders aus. Und wie ist es bei Euch? Habt Ihr Geschwister?"

     "Zwei Brüder, James und Michael." Sie trank einen Schluck Met. "Michael hält sich seit einiger Zeit in Schottland auf. Und das ist gut so. Er verfügt über ein aufbrausendes Temperament. Wenn er erfahren hätte, wie Hugh mich behandelt …" Eigentlich hatte sie nicht von ihrem früheren Verlobten sprechen wollen. Doch Bevan griff das Thema sogleich auf.

     "Ich glaube, ich würde Euren Bruder mögen. Wenn es um Marstowe geht, habe ich auch ein ungezügeltes Temperament. Warum habt Ihr Euch für ihn entschieden? Ihr hattet doch bestimmt noch andere Verehrer?"

     Während er sprach, schaute Bevan sie so intensiv an, dass es ihr heiß den Rücken hinunterlief. Nun legte er ihr zudem die Hand auf den Arm. Ihr Herz begann schneller zu schlagen.

     "Es gab andere Bewerber. Manche sahen sogar recht gut aus."

     Er hob die Brauen. "Tatsächlich? Nun, ich sehe auch recht gut aus."

     Überrascht lachte Genevieve auf. "Natürlich seid Ihr ein gut aussehender Mann", erklärte sie amüsiert.

     "Das war nur ein Scherz." Bevan wirkte plötzlich verlegen.

     "Nun, meine Antwort war ernst gemeint. Ich finde Euch sehr attraktiv."

     Jetzt schaute er sie an, als wollte er sie am liebsten küssen. Sie hielt den Atem an. Doch der Moment verging, ohne dass ihr Gemahl sich ihr genähert hätte. Schade …

     Beide lauschten eine Weile Traherns Erzählungen, doch dann wandte Genevieve ihre Aufmerksamkeit wieder Bevan zu. "Leben Eure Eltern noch?"

     "Nein, sie sind schon seit einigen Jahren tot. Beide starben, noch ehe ich Fiona heiratete. Vermutlich hätten sie die Verbindung nicht gutgeheißen."

     Dieses Geständnis erstaunte Genevieve. Sie hatte angenommen, alle Eltern würden sich für ihren Sohn eine Gemahlin wie die wunderbare Fiona wünschen. Dann fiel ihr ein, was Ewan erzählt hatte. Vielleicht war Bevan doch nicht völlig blind für die Schwächen seiner Frau gewesen? "Was hätten Eure Eltern gegen die Ehe einwenden können?"

     Bevan seufzte. "Fiona war eine Ó Callahan, und mein Vater hasste die ganze Familie. Er hat immer behauptet, es seien Lügner und Viehdiebe. Aber der wahre Grund für seine Ablehnung war ein anderer. Der König der Ó Callahans wollte, genau wie mein Vater, meine Mutter heiraten."

     "Aber sie hat doch ihn gewählt."

     "Nein, das hat sie nicht. Sie hätte sich für jenen Ó Callahan entschieden, aber ihr Vater zwang sie, einen MacEgan zu heiraten."

     Bevan schenkte Genevieve noch einmal Met ein. Sie schob den Becher fort. Ihr war schon ein wenig schwindelig, weil sie mehr getrunken hatte, als sie gewohnt war.

     "Ist die Ehe trotzdem glücklich geworden?"

     "Anfangs wollte meine Mutter die Scheidung. Alle paar Wochen begab sie sich zum Hofe des Hochkönigs, um dort für ihr Ziel zu kämpfen. Doch jedes Mal gelang es meinem Vater, sie von ihrem Vorhaben abzubringen. Er hat sie umworben, sie angefleht, der Ehe noch eine Chance zu geben. Nun, zum Schluss hatten die beiden sechs Söhne."

     Genevieve schüttelte fassungslos den Kopf. "Ist es in Irland einer Frau wirklich gestattet, sich von ihrem Gemahl scheiden zu lassen?" Ihre Vorstellungskraft reichte nicht aus, sich eine Frau auszumalen, die es wagte, beim König um die Scheidung von ihrem Gemahl zu bitten. Und wenn es tatsächlich irgendwo in England eine so mutige und selbstbewusste Person geben sollte, so würde der König ihren Wunsch zweifellos nicht erfüllen.

     "Es gibt sieben Gründe, die eine Frau anführen kann, um eine Scheidung zu erlangen. Nach der Trennung darf sie sogar ihre Mitgift behalten. Aber im Fall meiner Mutter wurde keiner dieser sieben Gründe anerkannt. Sie musste also, wenn sie nicht alles verlieren wollte, bei meinem Vater bleiben. Und irgendwann begann sie dann doch, ihn zu lieben."

     "Seid Ihr Euch dessen sicher?"

     "Ja. Mein Vater starb, weil er sich im Kampf eine Verletzung zuzog, die sich entzündete. Ein paar Tage lang war er sehr krank und litt schreckliche Schmerzen. Meine Mutter blieb fast die ganze Zeit an seinem Krankenbett, hielt seine Hand und sprach ihm Mut zu. Er starb in ihren Armen. Leider hat sie ihn nur um ein paar Monate überlebt."

     "Es ist ein großes Glück, Liebe in der Ehe zu finden", sagte Genevieve leise. "Manchmal beneide ich die einfachen Leute beinahe, weil sie heiraten können, wen auch immer sie wollen."

     "Hier bei uns in Irland können fast alle Menschen ihren Gemahl oder ihre Gemahlin frei wählen. Es kommt nur selten vor, dass die Eltern so sehr gegen eine bestimmte Verbindung sind, dass diese nicht zustande kommt."

     In diesem Moment wünschte Genevieve sich nichts mehr, als dass Bevan Fiona nie begegnet wäre. Wenn er sich seiner verstorbenen Gemahlin nicht noch immer verpflichtet fühlen würde, wäre sein Herz frei gewesen, und er hätte sich vielleicht in sie, Genevieve, verliebt.

     Natürlich sprach sie diesen Gedanken nicht aus. Stattdessen fragte sie: "Wie habt Ihr Fiona kennengelernt?"

     "Sie war allein in den Wald gegangen, um Beeren zu sammeln. Dabei traf sie auf einen Keiler. Aus Angst vor dem Wildschwein kletterte sie auf einen Baum und rief um Hilfe. Ich konnte das Tier erlegen. Dann half ich Fiona vom Baum herunter. Sie hätte es allein wohl nicht geschafft. Sie hat ihr Leben lang Höhenangst gehabt."

     Trahern hatte inzwischen schon die zweite seiner Geschichten beendet, und der Saal tobte vor Lachen. Eine Frau drängte sich mit einem großen Krug Ale durch die Menge und reichte dem Erzähler das Getränk. Dankend nahm er es an. Die Frau flüsterte ihm etwas zu, und Trahern nickte vergnüglich.

     "Habt ihr von dem Mädchen gehört, das einen Verletzten am Wegesrand fand und ihn aus Mitleid mit zu sich nach Haus nahm?", fragte er in die Runde.

     "Nein, erzählt uns die Geschichte", rief jemand. Andere fielen in diese Aufforderung ein. Und dann erfüllte wieder Traherns faszinierende Stimme den Saal. Diesmal lauschte auch Genevieve seiner Erzählung.

     Irgendwann fuhr sie zusammen, weil jemand ihr eine Hand auf die Schulter legte. Sie hob den Kopf. Ewan hatte sich neben sie gesetzt. "Ihr könnt doch jetzt nicht einschlafen", drängte er sie. Tatsächlich war sie, entspannt durch den Genuss des Mets und durch das Gewirr der vielen Stimmen, am Tisch sitzend in einen Dämmerzustand gesunken.

     "Was ist los?", fragte sie schlaftrunken.

     "Die Wettkämpfe beginnen", erklärte Ewan sichtlich aufgeregt.

     Genevieve rieb sich die Augen. Tatsächlich, am Rande des Saals drängten sich die Menschen, während in der Mitte eine große Fläche geräumt worden war, auf der nun eine Reihe von Kriegern Aufstellung nahm. Sie hielten ihre Schwerter in der Hand.

     "Gleich werden sie gegeneinander antreten", fuhr Ewan fort. "Es gibt Preise für die Sieger."

     "Was für Preise sind das?" Sie unterdrückte ein Gähnen.

     "Ach, das kommt ganz darauf an. Man kann ein Schwein gewinnen oder etwas Geld. Manche wünschen sich einen Kuss von ihrer Liebsten."

     Bevan, der auch zu den Wettkämpfern gehörte, würde sich bestimmt keinen Kuss wünschen. Genevieve spürte, wie erneut eine gewisse Missgunst in ihr aufstieg. Wie dumm, schalt sie sich selbst, eifersüchtig auf eine Tote zu sein.

     "Lasst uns etwas näher herangehen", drängte Ewan. "Von dort drüben können wir viel mehr sehen."

     Und es gab wahrhaftig einiges zu betrachten. Ein Mann nach dem anderen zog seinen Überwurf aus, dann das Hemd, das darunter getragen wurde, bis alle mit nacktem Oberkörper dastanden. Einige Frauen stießen bewundernde Rufe aus, andere klatschten laut in die Hände oder riefen den Namen ihres Favoriten.

     Jetzt trat Trahern zu den Kriegern. Er hob beide Arme, spannte die mächtigen Muskeln an und sagte laut: "Nun, wer ist der Erste?"

     Einer der Männer trat vor, Trahern holte aus und versetzte ihm einen mächtigen Schlag gegen die Schulter. Der Krieger wankte, um seinen Mund zuckte es, doch kein Laut kam über seine Lippen. Dann trat er beiseite.

     "Was soll das?", flüsterte Genevieve Ewan zu.

     "Trahern ist stärker als alle. Wer sich von ihm schlagen lässt, beweist damit, dass er Schmerzen ertragen kann."

     Im weiteren Verlauf zeigte sich, dass einige der Männer unter der Wucht von Traherns Treffern zu Boden gingen. Einmal war Genevieve, als höre sie das Geräusch brechender Rippen. Aber keiner der Krieger äußerte einen Laut der Klage.

     Dann trat Bevan vor.

     "Seine Wunde ist noch nicht richtig verheilt!" Genevieve schaute nervös erst zu Ewan, dann zu Trahern hin. "Er würde doch seinen eigenen Bruder nicht verletzen?"

     "Warum sollte er Bevan anders behandeln als die anderen?", gab der Jüngste der MacEgans verständnislos zurück.

     In diesem Moment schoss Traherns Faust vor. Bevan hob gleichzeitig die Hand, seine Finger umklammerten Traherns Handgelenk. Und während der schlankere der Brüder mit gespreizten Beinen fest auf dem Boden stand, verlor der andere, weil er den Schwung, den er in seine Bewegung gelegt hatte, nicht mehr stoppen konnte, das Gleichgewicht und stürzte zu Boden.

     "Du hast nichts dazugelernt", stellte Bevan ruhig fest.

     Trahern sprang grinsend auf die Füße. "Wer weiß! Es soll etwas geben, worin ich besser bin als du. Das behaupten zumindest die Frauen."

     Jetzt lachte der ganze Saal. Selbst Genevieve amüsierte sich köstlich. Beflügelt vom Met, sagte sie sich, dass sie stolz darauf sein könne, mit einem so gut aussehenden Mann und einem derart geschickten Kämpfer wie Bevan verheiratet zu sein.

     Sie begann sich gerade auszumalen, wie es wohl sein würde, wenn er sie in sein Bett holen und sie wirklich zu seiner Frau machen würde, als Mairi sich zu ihr gesellte.

     "Als Nächstes treten die Schwertkämpfer gegeneinander an", sagte diese. "Jeder weiß, dass Bevan der Beste ist. Aber an dem Wettbewerb will er nicht teilnehmen."

     "Warum nicht?"

     "Weil der Sieger sich aussuchen darf, welche der anwesenden Schönheiten ihn küssen soll."

     "Darf jeder zum Kampf antreten?"

     "Ja. Ah, sie fangen schon an."

     Zwei Männer standen sich gegenüber und warteten auf das Zeichen, um den Kampf zu beginnen. "Los!" Gleich darauf konnte man hören, wie Metall auf Metall schlug. Obwohl Genevieve die Regeln, nach denen gegeneinander angetreten wurde, nicht durchschaute, begriff sie doch, dass es nicht darum ging, dem Gegner schwere Verletzungen zuzufügen. Aber es war dennoch ein ernsthafter Kampf und kein Spaß, den sie beobachtete. Ein geschickter Angriff, und plötzlich floss Blut. Damit stand der Sieger fest. Er hob triumphierend die Arme und zog dann eine der jungen Frauen an sich, um sie herzhaft zu küssen.

     Die Zeit verging wie im Fluge, während ein Schwertkampf nach dem anderen ausgefochten wurde. Als Letztes trat Ewan nach vorn. "Wer will gegen mich antreten?", fragte er und schaute auffordernd in die Runde.

     Niemand rührte sich. Ewan sah so jung aus, und trotz der Waffe, die er in der Hand hielt, wirkte er irgendwie wehrlos. Da begriff Genevieve, dass sich niemand meldete, weil keiner ihn beschämen wollte. Alle waren davon überzeugt, dass er nicht die geringste Chance auf einen Sieg hatte.

     Einem plötzlichen Impuls folgend, trat Genevieve vor. Sie schaute sich kurz um und bat dann einen der Krieger um sein Schwert. Er reichte es ihr nur zögernd, und einige der Männer begannen zu protestieren. Genevieve hob die Hand, um die Umstehenden zum Schweigen zu bringen. "Ich werde gegen Ewan antreten", verkündete sie. "Es stimmt doch, dass jeder am Wettkampf teilnehmen darf?"

     Ein paar Frauen steckten die Köpfe zusammen, einige kicherten. Ein gedämpftes Murmeln erfüllte den Saal. Dann ertönten erste ermutigende Rufe, die immer lauter wurden.

     Genevieve straffte die Schultern und nahm die Kampfposition ein.

     Bevan wollte mit Gesten zu verstehen geben, dass sie die Waffe zurückgeben sollte. Als Genevieve nicht reagierte, bahnte er sich einen Weg durch die Menge und eilte auf seine starrsinnige Gemahlin zu. Sie hielt ihn auf, indem sie die Spitze des Schwerts auf ihn richtete. "Tretet zurück, Bevan. Dies ist mein Kampf, nicht der Eure."

     "Ich gestatte Euch nicht …"

     Sie machte einen Schritt nach vorn, so dass die Spitze der Waffe seine Brust berührte. "Ihr könnt mich herausfordern, wenn der Wettstreit zwischen Ewan und mir beendet ist."

     Die Zuschauer brüllten vor Begeisterung. Trahern legte Bevan eine Hand auf die Schulter. "Lass sie. Sie hat das Recht zu kämpfen. Und ich möchte es sehen." Er schenkte Genevieve ein ermutigendes Lächeln.

     "He, Junge", rief jemand Ewan zu, "traust du dir zu, eine Frau zu besiegen?"

     Ewan wurde rot vor Scham und Wut und senkte sein Schwert. Er war im Begriff, auf den Kampf zu verzichten.

     "Hör nicht auf die Leute", sagte Genevieve zu ihm. "Zeig ihnen lieber, wie eifrig du geübt und was du gelernt hast."

     Er zögerte.

     "Zeig es ihnen", beharrte sie.

     Er rührte sich noch immer nicht. Also beschloss sie, einfach zu beginnen. Sie konzentrierte sich, hob das Schwert und griff an. Erst im letzten Moment wehrte Ewan den Schlag ab.

     "Du kannst mehr", zischte Genevieve ihm zu. "Ich weiß es. Ich habe es gesehen. Zeig auch den anderen, was du gelernt hast."

     Er warf ihr einen zornigen Blick zu. Aber sie hatte ihr Ziel erreicht: Ewan war nun bereit, zu kämpfen.

     Langsam umkreiste er Genevieve. Dann kam der erste Schlag. Er wurde mit solcher Kraft ausgeführt, dass Genevieve kaum in der Lage war, ihn abzuwehren. Einen Moment lang fühlte sich ihr Arm taub an. Aber sie hatte keine Zeit, darüber nachzudenken. Denn schon griff Ewan erneut an. Zum Glück hielt er sich an das Muster, das sie so oft geübt hatten. So kamen seine Schläge nicht überraschend für Genevieve, und sie hatte die Möglichkeit, ihnen auszuweichen oder zu parieren.

     Es war ihr Wunsch, Ewan als den stärkeren, schnelleren Kämpfer mit dem größeren Geschick erscheinen zu lassen. Doch schon sehr schnell stellte sie fest, dass er wirklich dazugelernt hatte. Sie musste sich anstrengen, wenn sie nicht allzu bald als Verliererin dastehen wollte. Außerdem musste sie möglichst gut sein, damit auch Ewan sein Bestes gab. Die Zuschauer sollten sein Können schließlich bewundern.

     Das Schwert in Genevieves Händen schien immer schwerer zu werden. Auch ihre Füße fühlten sich mittlerweile an, als wären sie aus Blei. Würde Ewan weitermachen, bis er sie so traf, dass Blut floss? Sie nahm alle ihre Kraft zusammen. Noch wollte sie nicht aufgeben.

     In diesem Moment trafen sich ihre Blicke. Ewan hatte verstanden, worum es bei ihrem Wettstreit ging. Noch zwei, drei Schläge, dann senkten beide Kämpfer wie auf Kommando ihre Schwerter.

     Ewan wandte sich den Zuschauern zu und setzte eine selbstzufriedene Miene auf. "Genug", sagte er, "ich würde mir Vorwürfe machen, würde ich die Gemahlin meines Bruders verletzen."

     Trahern brach in amüsiertes Lachen aus. "Mir scheint, jeder dieser Kämpfer hat den Siegespreis verdient. Los, Junge, hol dir deinen Kuss!"

     Ewans Wangen färbten sich hochrot. Doch ohne zu zögern trat er auf ein Mädchen mit rotbraunen Zöpfen zu. Er griff nach ihren Händen und drückte ihr einen herzhaften Kuss auf den Mund.

     "Und jetzt Ihr, Genevieve. Wählt gut! Es ist nur ein Kuss, der Euch zusteht." Trahern spitzte die Lippen, als erwarte er, dass sie ihn küssen würde.

     Die Zuschauer lachten, als Genevieve ihrem Schwager die Wange tätschelte und bedauernd den Kopf schüttelte. Dann trat sie an ihm vorbei auf ihren Gemahl zu. Sie legte Bevan die Hände auf die Schultern und drehte sich dann noch einmal in Richtung der versammelten Menschen. "Dies ist meine Wahl."

     Die Menge applaudierte.

     Bevan musste sich ein wenig herunterbeugen, damit Genevieve ihn küssen konnte. Seine Miene war angespannt, aber sie wusste, dass er sie nicht beschämen würde, indem er ihr ihren Preis verweigerte. Vermutlich würde er ihren Kuss sogar erwidern. Aber er würde es mit heimlichem Widerwillen tun.

     Nein, das würde ihr nicht gefallen. Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und berührte seine Lippen leicht mit den ihren. Dann wandte sie sich von ihm ab und floh aus dem Saal.

Bevan hatte das Gefühl, als sei er wieder ein Knabe und zum ersten Mal mit seinem Vater auf der Jagd. Damals war ihm ein Reh vor den Bogen gekommen. Deutlich erinnerte er sich an die Augen des Tieres: groß, ängstlich, unschuldig. Er hatte es erschossen.

     Genevieves Blick, als sie ihn küsste, hatte ihn an dieses Reh erinnert. Auch sie hatte zugleich ängstlich und unschuldig ausgesehen. Aber da war noch etwas anderes – die Hoffnung, eine zweite Chance zu bekommen. Bisher hatte er ihr diese verwehrt.

     Sicher, er war bereit gewesen, ihren Kuss zu erwidern. Er hatte den Zuschauern den Eindruck vermitteln wollen, dass zwischen ihm und seiner Gemahlin alles in Ordnung war. Aber ehe er seinen Vorsatz in die Tat hatte umsetzen können, war Genevieve vor ihm geflohen. Sie hatte ihn einfach stehen lassen.

     Warum, um Himmels willen, folgte er ihr jetzt bloß?

     Als er in den Flur einbog, sah er sie vor der Tür zu ihrem Gemach stehen. Sie hatte den Kopf gegen das Holz gelegt und ihre Schultern bebten. Sie weinte.

     Schuldgefühle stiegen in Bevan auf. Es war nie seine Absicht gewesen, seine Gemahlin unglücklich zu machen. Sanft legte er ihr die Hand auf die Schulter.

     Sie wandte sich um – und er sah die Verzweiflung in ihren Augen.

     "Genevieve!" Er zog sie an sich, und plötzlich verspürte er den Wunsch, ihr nun, da niemand zuschaute, einen innigen Kuss zu geben, keinen, bei dem sich die Lippen nur sehr flüchtig berührten.

     Er schmeckte das Salz auf ihnen. Ihr Mund war weich, warm, einladend. Sie öffnete ihn ein wenig, und Bevan nutzte die Chance, sie leidenschaftlicher zu küssen. Mit einem tiefen Seufzer legte sie ihm die Arme um den Hals.

     Eine Weile standen sie so da und tauschten Zärtlichkeiten aus. Bevans Puls beschleunigte sich. Und jene Begierde, die Genevieve nun schon so oft in ihm geweckt hatte, erwachte aufs Neue. Er umfasste ihre Hüften, presste sich an sie.

     "Bevan, du brauchst nicht …", murmelte sie, den Mund an seinem Hals.

     "Pst." Er verschloss ihr die Lippen mit einem weiteren leidenschaftlichen Kuss. Eine Stimme in seinem Inneren warnte ihn, dass das, was er tat, falsch war. Aber er wollte nicht darauf hören. Er wollte nicht vernünftig sein. Er wollte endlich dem Verlangen nachgeben, das ihn schon so lange quälte. Er wollte Genevieve in den Armen halten, ihren wunderbar weiblichen Körper erforschen und alles um sich herum vergessen.

     Ohne große Anstrengung hob er sie hoch und trug sie in sein Gemach. Die Tür schloss er mit einem Fußtritt, dann ließ er sich gegen das Holz sinken. Der Weg zum Bett erschien ihm unerträglich weit. Mit bebenden Fingern begann er, die Bänder von Genevieves Kleid zu öffnen, schob schließlich eine Hand unter den Stoff. Er fühlte die warme weiche Haut seiner Frau. Als er ihre Brust mit seinen Fingern umschloss, stöhnte er auf.

     Genevieve spürte, wie ihre Knie weich wurden. Sie drückte sich fester an Bevan und küsste ihn mit ungewohnter Leidenschaft. In diesem Moment empfand sie keine Angst.

     Nach einer Weile löste er seinen Mund von ihrem. Stoff riss, und dann umschloss Bevan mit den Lippen die Knospe von Genevieves Brust.

     Sofort bemerkte er nun, wie sich ihr Körper anspannte. Sie schmiegte sich nicht mehr an ihn, ihre Fingernägel gruben sich regelrecht in seine Oberarme, und Tränen strömten über ihr Gesicht. Sie hatte keinen Versuch gemacht, Bevan von sich fortzustoßen. Aber ihr Blick verriet, welche Anstrengung es sie kostete, nicht voller Panik aufzuschreien.

     Bevan verfluchte sich selbst. Beherrscht von seinem Verlangen, vergaß er völlig, was sie durchgemacht hatte. Er hätte rücksichtsvoller sein müssen, hätte langsamer vorgehen müssen, und vor allem hätte er den Stoff ihres Kleides nicht beschädigen dürfen. Sie hatte ihm gegenüber einmal erwähnt, dass Hughs brutale Quälereien meist damit begonnen hatten, dass er ihr die Kleider vom Leib riss.

     "Verzeiht", murmelte er und ließ sie los. "Es war nicht meine Absicht, Euch zu erschrecken."

     Sie sank zu Boden, schlang die Arme um die angewinkelten Knie, legte den Kopf darauf und begann haltlos zu schluchzen.

     Mit einer hilflosen Geste fuhr Bevan sich durchs Haar. "Genevieve, Ihr wisst, dass ich Euch niemals wehtun würde."

     Sie reagierte nicht.

     "Ich werde gehen, wenn das tatsächlich Euer Wunsch ist", sagte er schließlich.

     "Nein." Sie sprach so leise, dass er sie kaum hörte. "Bitte, bleibt."

     Er ließ sich neben ihr auf den Boden sinken. "Ich schäme mich", gestand er. "Ich hätte die Beherrschung nicht verlieren dürfen."

     Genevieve weinte noch immer, aber jetzt war sie zumindest wieder in der Lage zu sprechen, auch wenn die Worte hin und wieder von einem Schluchzen unterbrochen wurden. "Es ist nicht Eure Schuld. Ich dachte, ich hätte meine Angst überwunden. Ich dachte, mit Euch würde es anders sein."

     Er hasste es, mit Hugh verglichen zu werden. Aber so schwer es ihm auch fiel, er musste sich eingestehen, dass er tatsächlich über seinem Verlangen nach ihr alles andere verdrängt und sich rücksichtslos benommen hatte. Er war sehr unzufrieden mit sich. "Ich werde Euch nicht mehr belästigen", erklärte er. Seine Stimme klang hart.

     "Es wäre besser, wenn wir die Ehe wenigstens ein einziges Mal vollziehen würden", gab Genevieve zurück, die sich fast wieder beruhigt hatte. "Das wissen wir beide. Danach braucht Ihr nie mehr zu mir zu kommen. Ich stehe zu dem Versprechen, das ich Euch damals gegeben habe. Ihr seid frei."

     "Ich werde warten. Es war zu früh."

     "Ich kann es ertragen", beharrte sie. "Ihr müsst nur ein wenig Geduld mit mir haben."

     "Ihr wollt nicht wirklich, dass ich Euch in mein Bett hole." Jetzt, nachdem die Glut der Begierde erloschen war, fühlte er sich doppelt schuldig. Zusätzlich zu allem anderen hatte er seine Liebe zu Fiona verraten. "Ihr wollt nicht bei einem Mann liegen, auch nicht bei mir."

     Sie hob erst den Kopf und dann die Hand. Mit den Fingern berührte sie sanft die Narbe, die über seine Wange lief. "Ich vertraue Euch."

     Er wollte diese Art von Verantwortung nicht. Doch er brachte es nicht über sich, Genevieve erneut zu verletzen. Sie hatte den Kopf an seine Schulter gelegt und schaute ihn bittend an. Mit einer beschützenden Geste legte er ihr den Arm um die Schulter und zog sie näher zu sich heran.

     Sie seufzte tief. Wenn sie doch nur aufhören könnte, an Hugh zu denken. Wenn sie doch die Erinnerung an seine Brutalität endlich auslöschen könnte. Nun, mit Bevans Hilfe würde sie es schaffen. Er war der einzige Mann, dem sie zutraute, die Geister der Vergangenheit zu besiegen.

     Ohne sich über sein Tun Rechenschaft abzulegen, hatte er begonnen, sie sanft zu streicheln. Diesmal achtete er genau darauf, wie sie auf seine Liebkosungen reagierte. Vorsichtig löste er die Nadeln, mit denen ihr Schleier am Haar befestigt war. Die schwarzen Locken reichten Genevieve bis zur Taille. Bevan vergrub sein Gesicht in der seidigen Flut, atmete tief den weiblichen Duft ein, der ihrem Haar entströmte.

     Er spürte, dass sie ihre Angst noch nicht völlig überwunden hatte. Sie kämpfte dagegen an, aber noch konnte sie nicht vergessen, was Hugh ihr angetan hatte. Bevan wiederum hatte seine Bedürfnisse als Mann seit zwei Jahren nicht mehr befriedigt. Sein gesamter Körper schien zu brennen. Aber er wusste, dass er geduldig sein musste, wenn er Genevieve nicht erneut erschrecken wollte.

     Sie hatte die Hand flach auf seine Brust gelegt, so dass sie den Schlag seines Herzens spüren konnte. Vorsichtig schob sie die Finger in den Ausschnitt seines Hemds, streichelte zögernd seine warme Haut.

     Er schloss die Augen, um die ungewohnte Zärtlichkeit besser genießen zu können. Es war so lange her, seit er jemandem gestattet hatte, ihn auf diese Art zu berühren …

     "Seid Ihr sicher, dass Ihr nicht mehr von mir erwartet?", fragte sie nach einer Weile leise. "Wenn Ihr wollt, werde ich …"

     Er legte ihr den Finger auf den Mund. "Pst!" Natürlich wollte er mehr. Und es fiel ihm unsagbar schwer, Zurückhaltung zu bewahren. Aber er hatte begriffen, dass er – ehe er Genevieve im wahrsten Sinne des Wortes zu seiner Frau machen konnte – zuerst die Dämonen vertreiben musste, die sie verfolgten.

     Ich werde es schaffen, schwor er sich, noch in dieser Nacht werde ich es tun.

     Es beruhigte ihn, dass er einen Weg gefunden hatte, ihr zu helfen, ohne Fiona wirklich untreu zu werden. Obwohl er sich inzwischen auch hatte eingestehen müssen, dass es möglicherweise seine Kräfte überstieg, den Treueschwur gegenüber seiner verstorbenen Gemahlin noch lange aufrecht zu halten.

     Genevieves Finger spielten jetzt mit den Härchen auf Bevans Brust, liebkosten seine Rippen, dann die festen Bauchmuskeln. Stöhnend presste er seine Lippen auf die ihren. Der Kuss wurde wilder, drängender. Und irgendwann löste sie sich, erneut von Furcht berührt, aus Bevans Umarmung. Doch diesmal geschah es ruhig, ohne jeden Anflug von Panik. Es war, als wolle sie sich nur vergewissern, dass niemand sie daran hindern würde, dem allem dann ein Ende zu setzen, wenn sie es für nötig hielt.

     Sie holte tief Luft und fragte: "Was möchtet Ihr, dass ich tue?"

     "Nichts." Sein Puls raste, das Verlangen brannte in ihm wie Feuer. Aber so sehr er Genevieve auch begehrte, er konnte nicht aufhören, an seine erste Frau zu denken. Sein Verstand sagte ihm, dass es an der Zeit war, Abstand zu seiner Vergangenheit als Fionas Gemahl zu gewinnen. Aber seine Gefühle ließen sich nicht steuern. Es ist zu früh für eine neue Beziehung, schien sein Herz zu sagen.

     "Soll ich Euch verlassen?" Genevieve war verunsichert.

     "Nein." Er umschloss ihr Gesicht mit den Händen, küsste sanft ihre Stirn, ihre Nasenspitze, ihr Kinn. Dann fanden seine Lippen erneut die ihren, und gleichzeitig begann er ihre Schultern und ihren Rücken zu streicheln. Erstaunt stellte sie fest, dass eine unbekannte Sehnsucht in ihr erwachte, der Wunsch nach etwas, das sie nicht benennen konnte.

     Bevan fuhr fort, sie sanft zu berühren. Er zog ihre Finger an die Lippen, liebkoste sanft jeden einzelnen, küsste dann die empfindlichen Stellen innen am Handgelenk.

     Ihr Atem ging schneller.

     "Wie schön du bist, Genevieve. Eine Frau, wie jeder Mann sie sich erträumt." Er sprach Gälisch mit ihr, was seinen Worten in ihren Ohren einen geheimnisvollen, romantischen Klang gab. "Ich erwarte heute Nacht nichts von dir. Sei einfach du selbst. Ich werde dir zeigen, wie ein Mann seine Frau zu befriedigen vermag, ohne ihr Dinge abzuverlangen, die sie verunsichern können oder ihr gar Angst machen."

     Er hob sie hoch und trug sie zum Bett. Sie schaute zu ihm auf und begann zu zittern. Zu ihrer Erleichterung legte er sich nicht zu ihr, sondern kniete neben ihr nieder. Dann schlossen seine Lippen sich um ihre Brustknospen. Und noch ehe Genevieve protestieren konnte, breitete sich ein wunderbares Gefühl in ihr aus. "Oh", stöhnte sie. Und noch ein weiteres Mal, als seine Finger sanft die geheimsten Stellen ihres Körpers zu liebkosen begannen.

     Ihr Herz klopfte jetzt zum Zerspringen, sie atmete heftig, und noch immer blieben die Empfindungen, die Bevans Zärtlichkeiten in ihr weckten, so wunderbar und einzigartig, wie sie sich das nie hätte träumen lassen. Dennoch – das wusste sie plötzlich genau – konnte es noch schöner werden.

     "Bevan …", hauchte sie. Sie wollte seine Nähe spüren. Sie versuchte, ihn zu sich zu ziehen. "Kommt", bat sie, und er gehorchte.

     Er lag jetzt neben ihr, und obwohl er noch vollständig bekleidet war, konnte sie fühlen, wie erregt er war.

     "Wollt Ihr Euch nicht ausziehen?"

     Innerhalb von Sekunden war er nackt.

     Als sie seinen muskulösen, mit Narben bedeckten Körper sah, wurde ihr doch ein wenig bange. Sie richtete sich auf und rutschte ein Stück von Bevan fort.

     "Vielleicht möchtest du mich anfassen?"

     Er sprach noch immer Gälisch mit ihr. Und das war gut so, denn Hugh hätte niemals ein Wort in dieser Sprache benutzt.

     Sie starrte ihren Gemahl an, zögerte.

     Da ergriff er ihre Hand und legte sie auf seinen Bauch. "Mach mit mir, was du möchtest."

     Entschlossen schluckte sie ihre Angst hinunter. Dennoch kostete es sie Überwindung, ihre Neugier zu befriedigen. Sehr langsam ließ sie ihre Finger nach unten wandern.

     Bevan hatte genau gewusst, wo sie ihn berühren würde. Jetzt tat sie es.

     Er stöhnte auf und schloss die Augen.

     Nach einer Weile drehte er sich auf den Bauch. Er war so erregt, dass er befürchtete, seinen Schwur keine Sekunde länger halten zu können. "Genevieve", sagte er leise, seine Stimme war rau vor Verlangen, "ich muss dich bitten aufzuhören, sonst verliere ich jede Selbstbeherrschung."

     Ein Gefühl der Macht erfüllte sie. Ah, wie gut es tat, einem Mann gegenüber nicht immer die Schwächere zu sein! Plötzlich umspielte ein Lächeln ihre Lippen.

     In diesem Moment wusste Bevan, dass der richtige Zeitpunkt gekommen war. Sanft, aber zielstrebig begann er erneut, ihren Körper zu liebkosen. Die Erfahrung hatte ihn gelehrt, was eine Frau besonders erregte. Genevieve reagierte, wie er erhofft hatte. Er hörte, wie ihr Atem schneller und schneller ging, er spürte, wie ihr Puls raste. Jetzt wagte er, sie leidenschaftlicher zu küssen. Und auch seine Hand bewegte sich immer rascher. Er war entschlossen, ihr zu geben, wonach sie sich, ohne es zu wissen, sehnte.

     Dann bäumte sie sich auf und rief seinen Namen, ein Ausdruck der Ekstase lag auf ihrem Gesicht.

     Auch Bevan keuchte. Er war stolz auf sich selbst, hatte er doch sein Ziel erreicht. Er hatte seiner Gemahlin bewiesen, dass ein Mann geben konnte, ohne zu nehmen.

     Genevieve, die jetzt entspannt und zutiefst verwundert über das, was sie soeben erlebt hatte, neben ihm lag, begriff sehr wohl, was Bevan getan hatte. Sie empfand eine tiefe Dankbarkeit, aber auch ein gewisses Schuldbewusstsein. Denn ihr war bewusst, dass sein eigenes Verlangen nicht befriedigt worden war.

     "Ich möchte es für Euch auch schön machen", flüsterte sie, wobei sie errötete. "Sagt mir, was ich tun soll."

     Er schüttelte den Kopf.

     "Bitte!" Genevieve fühlte sich zurückgestoßen. Sie empfand so viel für diesen Mann, dass sie es nicht ertragen konnte, seine Erregung und Anspannung zu sehen, ohne den Wunsch zu verspüren, ihm Erleichterung zu verschaffen.

     Er küsste sie auf die Stirn. "Schlaft jetzt. Das ist alles, was ich mir wünsche."

     Sie drehte sich auf die Seite, damit er die Tränen in ihren Augen nicht sah.

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