Und plötzlich ist es Leidenschaft - 3. Kapitel

 3. Kapitel

Standhaft trank Cole seinen Kaffee allein und aß Pfannkuchen dazu, als es an der Tür seiner Blockhütte klopfte. "Herein", rief er barsch und bereitete sich innerlich darauf vor, es mit Kyle oder Katie aufzunehmen.

    Aber es war Lyndsey, die hereinschaute. "Hallo, Cole."

    Cole fluchte innerlich. Unfeiner Schachzug, Kyle, dachte er ärgerlich. "Guten Morgen, Lyndsey."

    "Darf ich reinkommen?"

    Nein, niemals. "Natürlich."

    Sie verzog den Mund zu diesem strahlenden, sexy Lächeln. "Danke", sagte sie atemlos, was ihn aus dem Gleichgewicht und seine Libido auf Touren brachte.

    Katie hatte ihr offensichtlich etwas zum Anziehen geliehen. Anstatt des unpraktischen Kostüms trug sie eine eng sitzende, ausgeblichene Jeans und ein kurzes T-Shirt. Ihr Haar hatte sie zu einem kessen Pferdeschwanz frisiert. Ihr Make-up war zurückhaltender, aber das fand er ausgesprochen sexy.

    "Kaffee?", fragte Cole und stand auf.

    "Sehr gern."

    "Er ist ein bisschen besser als der gestern." Eine Tasse Kaffee bekommt sie, das ist alles, dachte er. Und er würde sich auf keinen Fall dazu überreden lassen, zum Frühstück ins Haus mitzugehen. Kyles Plan war verrückt, aber Cole wusste, dass er nachgeben würde, wenn nur eine geringe Chance bestand, dass Katie damit geholfen wäre. Er konnte sich seine Schwägerin nicht ohne Babys vorstellen, denn er war überzeugt, sie wäre die tollste Mutter der Welt.

    "Der Kaffee gestern war okay", sagte Lyndsey.

    "Sie lügen."

    "Ich habe schon schlechteren getrunken."

    "Fragt sich nur, wo." Er stellte einen Becher mit frischem, heißem Kaffee vor sie hin.

    "Im Sherman's. Waren Sie jemals in New York?"

    "Nein. Haben Sie Hunger?"

    "Katie hat Spiegeleier gemacht", erklärte Lyndsey.

    Cole nickte und setzte sich wieder. "Wie geht es ihr?"

    "Sie ist traurig, denke ich."

    Er nickte erneut und versuchte, sich nicht wie ein Schuft vorzukommen.

    "Sie wissen, dass Ihr Bruder sich deswegen einen Plan ausgedacht hat, richtig?"

    Kyle hatte Lyndsey eingeweiht? Dieser miese, raffinierte …

    Cole nahm einen Schluck Kaffee, um Zeit zu gewinnen. "Welcher Plan denn?"

    "Kyle sagte, er hätte Ihnen gestern Abend alles erklärt."

    "Was hat er denn Ihnen erzählt?"

    "Dass mein Timing nicht besser hätte sein können. Dass Sie und ich heiraten und Katie denken lassen sollten, dass wir der Dynastie der Ericksons zu Nachwuchs verhelfen werden."

    Das ist eine Verschwörung, dachte Cole. "Denken Sie tatsächlich, dass Katie darauf reinfallen würde?"

    Lyndsey warf ihm einen wissenden Blick zu. "Denken Sie nicht, sie würde glauben, dass Sie an mir interessiert sind?"

    "Sind Sie auf Komplimente aus?"

    Sie lächelte verlegen und zuckte die Achseln. "Vielleicht."

    "Oder wollen Sie mich etwa in die Enge treiben?"

    Ihr Lächeln wurde breiter. "Vielleicht auch das."

    Cole seufzte. "Ich wollte nicht respektlos sein." Er wollte ganz einfach keine fremde Frau heiraten.

    Lyndsey musterte ihn aufmerksam. "Okay, ich werde anfangen. Sie sind ein gutaussehender, sexy Mann. Es wird Katie nicht schwerfallen zu denken, dass Sie mir gefallen."

    Cole holte tief Luft. Es war Lyndsey, die ausgesprochen sexy war, mit ihren fließenden, anmutigen Bewegungen, ihrer leicht heiseren Stimme und ihrem kehligen Lachen. Er konnte immer noch ihre Hand auf seinem Arm und seinem Oberschenkel spüren. Obwohl die Art, wie sie seinen Oberschenkel traktiert hatte, nicht besonders angenehm gewesen war. Dennoch war es sexy gewesen.

    "Cole?"

    "Hm?"

    "Ich halte es für einen guten Plan."

    "Natürlich tun Sie das."

    "Mit etwas Glück wird Katie auf diese Weise den Druck los. Und definitiv kommt es dem Laurent Museum zugute – einer anerkannten öffentlichen Institution, wie ich betonen möchte. Also, was kann es schaden?"

    "Müssen Sie nicht irgendwohin und ein paar Sachen ausgraben?"

    "Das machen Archäologen. Der Blitz des Nordens steht ganz oben auf meiner Prioritätenliste."

    Cole schob den Teller mit den Pfannkuchen von sich. Lyndsey meinte es also wirklich ernst. Okay, er würde sich eine Minute darauf einlassen. "Was ist mit Ihrer Familie? Würden Sie die bezüglich der Heirat belügen?"

    Sie winkte ab. "Das ist kein Thema."

    "Steht Ihnen Ihre Familie nicht nahe?", fragte er überrascht. Sie war eine so kluge, quicklebendige, nette Frau. Welche Familie hätte sie nicht gern um sich?

    "Meine Pflegeeltern sind vor fünf Jahren gestorben", sagte sie bedrückt.

    Er wusste, wie es war, seine Eltern zu verlieren, und hatte Mitgefühl. "Das tut mir leid."

    "Es ist okay."

    "Wie steht es mit Brüdern und Schwestern?"

    "Ich habe keine Geschwister", antwortete Lyndsey.

    Sein Mitgefühl nahm zu. Nun hatte er eine sexy Waise vor sich sitzen, die ihn dazu überreden wollte, seiner Schwägerin zu helfen. Er stand auf und brachte sein Geschirr zur Spüle.

    Sie folgte ihm. "Cole?"

    "Ja." Nun nahm er wieder ihren Duft wahr. Er wagte es nicht, sich umzudrehen.

    "Warum zögern Sie? Wenn Sie die Brosche schützen wollen, können wir das rechtlich absichern lassen."

    "Das ist es nicht." Nun, eigentlich doch. Teilweise ging es ihm tatsächlich darum. Er kannte Lyndsey nicht und wäre ein Idiot, ihr blind zu vertrauen. Aber da war noch mehr als dieses Risiko. Er würde eine Ehe mit einer Frau eingehen, die er nicht liebte und nicht einmal kannte. Vielleicht war er altmodisch, aber er konnte sich einfach nicht dazu überwinden.

    "Das Laurent ist ein sehr renommiertes Museum."

    "Das glaube ich Ihnen."

    "Liegt es dann daran, dass wir Katie belügen würden?"

    Cole drehte sich zu ihr um. Lyndsey stand nur einige Zentimeter von ihm entfernt. Er müsste nur die Hand heben, um sie zu berühren, und den Kopf neigen, um sie zu küssen. "Wir würden Katie und Grandma belügen und den Priester in der Kirche."

    "Wir können es beim Standesamt belassen."

    "Das ist nicht möglich."

    Lyndsey sah ihn perplex an.

    Cole ergriff die Chance, ihr seine Sicht der Dinge verständlich zu machen und sie davon zu überzeugen, diese lächerliche Idee aufzugeben. "Wir reden hier über meine Familie, die mich sehr gut kennt. Wenn ich jemanden lieben würde von ganzem Herzen –, gäbe ich mein Jawort ganz bestimmt nicht in einem nüchternen Standesamt. Das wissen alle."

    Lyndsey wartete.

    "Sind Sie bereit, in einem weißen Brautkleid mit mir zum Altar zu schreiten, mir zu geloben, mich zu lieben und zu ehren? Mich dann zu küssen und den Brautstrauß zu werfen?" Als er die Szenerie beschrieb, hatte Cole eine unverhoffte Vision. In Gedanken sah er Lyndsey in einem weißen Brautkleid mit einem Schleier und einem Rosenbouquet in den Händen vor sich. Er konnte ihre Haut fühlen, ihr Parfüm riechen und ihre süßen, sinnlichen Lippen schmecken.

    "Wir wüssten beide, dass es ein Schwindel wäre."

    Cole kehrte wieder in die Gegenwart zurück und nickte kurz. "Richtig, das wüsten wir."

    "Und nur das zählt." Sie straffte die Schultern. "Da ich um die Vorteile weiß, könnte ich es tun."

    Er biss die Zähne zusammen. Wenn er könnte, würde er ihr morgen den Blitz des Nordens aushändigen. Aber die Brosche war ein antikes und sehr kostbares Familienerbstück. Er betrachtete den Plan aus jeder erdenklichen Perspektive. Aus seiner, aus Kyles, aus Katies und aus Lyndseys Sicht. Sie könnte es tun? Natürlich könnte sie. Es bereitete ja keine körperlichen Schmerzen, und niemand würde daran sterben. Und es würde nie jemand dahinterkommen. Ehen scheiterten andauernd. Nach einer angemessenen Zeit könnten sie sich scheiden lassen.

    "Dann kann ich es auch", sagte Cole. Er hatte von Anfang an gewusst, dass er schließlich kapitulieren würde. Seine Familie brauchte ihn. Das hatte Vorrang.

    Lyndsey lächelte ihn strahlend an. "Womit fangen wir an?"

 "Zuerst werden wir Katie davon überzeugen müssen, dass ich mich in Sie verliebt habe", sagte Cole, als er zwei Stunden später vor der Blockhütte zwei Pferde sattelte.

    Lyndsey beäugte von der sicheren Veranda aus beklommen die großen Tiere. Sie hatte Bedenken, auf den Rücken eines Pferdes zu steigen, das sie mit einem Huftritt zu Brei treten könnte. "Erklären Sie mir noch einmal, warum Pferde dabei eine Rolle spielen müssen?"

    "Sehen Sie sich keine Filme an?"

    Cole zog mit seinen starken und geübten Händen einige Lederriemen fest an, und Lyndsey stellte sich plötzlich vor, wie es wäre, diese Hände auf ihrer Haut zu spüren. Er ließ den Steigbügel herunter und sicherte die Schnalle.

    "Dort galoppieren Leute, die sich ineinander verlieben, die ganze Zeit am Strand entlang."

    Vielleicht, dachte Lyndsey. Aber sie würde auf keinen Fall in nächster Zeit auf irgendeinem Pferd irgendwo entlanggaloppieren. "Könnten wir nicht einfach ins Kino gehen?"

    Cole überprüfte noch einmal den Sitz des Sattels. "Wo?"

    "Ich weiß nicht."

    "Es ist ein weiter Weg bis Wichita Falls."

    "Wie wäre es mit einem Picknick? Sie, ich, ein paar Ameisen, vielleicht eine Flasche Wein?"

    "Wir wollen, dass Katie uns sieht."

    Guter Einwand, musste Lyndsey zugeben. Sie beide allein auf einer Wiese würde nichts bringen. Außer dass ihre Fantasie beflügelt würde, in der Cole sie in seine starken Arme zog und sie küsste, bis ihr schwindelig wurde.

    "Vielleicht könnten wir zu zweit auf ihrem Pferd reiten?"

    "Das würde ich meinem Pferd nicht antun."

    "He!"

    Er verdrehte die Augen. "Seien Sie nicht so empfindlich. Ich bin hier das Schwergewicht, nicht Sie."

    Lyndsey suchte krampfhaft nach einer Alternative zum Ausritt. "Ich weiß was! Wir könnten unsere Haare und Kleider durcheinander bringen und Katie glauben lassen, dass wir Sex hatten."

    Cole nahm das Halfter des kleineren Pferdes, das ebenfalls vor der Veranda wartete. "Bei unserer ersten Verabredung?"

    "Was? Sind Sie prüde?"

    "Nein. Kommen Sie her und steigen Sie auf."

    Sie schüttelte den Kopf und wich zurück. "Warum dann nicht bei der ersten Verabredung?"

    "Weil ich mich in Sie verlieben soll. Kommen Sie. Clarabelle wird Ihnen nichts tun."

    Er konnte keinen Sex mit ihr haben, wenn er sich in sie verlieben sollte? "Jetzt erzählen Sie mir nicht, dass es für Sie anständige und verdorbene Frauen gibt. Denn wenn Sie derart rückständige Vorurteile …"

    "Was dann? Werden Sie sich dann weigern, mich zu heiraten?" Cole sah sie herausfordernd an.

    Lyndsey nahm die Herausforderung an. Es war okay, bei der ersten Verabredung Sex zu haben. Sie hatte bei einem ersten Date zwar noch nie welchen gehabt, aber es wäre kein Problem für sie. "Nein", antwortete sie. "Aber Sie werden mir sagen müssen, welche Art Frau ich für Sie spielen soll."

    Cole holte tief Luft.

    Na also. Jetzt war er derjenige, der aus dem Gleichgewicht geraten war. Lyndsey trat an die Kante der Veranda. Nun war ihre Brust auf seiner Augenhöhe. Sie machte großes Aufheben darum, den Arm neben seiner Schulter auszustrecken, um das Pferd zu tätscheln. "Wie möchten Sie mich haben, Cole?", fragte sie mit heiserer Stimme.

    "Lyndsey."

    "Hm?"

    "Tun Sie das nicht."

    "Was?"

    "Flirten Sie nicht mit mir."

    Sie blinzelte ihn betont unschuldig an. "Ich habe Ihnen nur eine Frage gestellt."

    "Nein, das haben Sie nicht." Er kam zu ihr auf die Veranda und stellte sich dicht hinter sie. "Sie wollen mich in Schwierigkeiten bringen", flüsterte er ihr mit rauer Stimme sinnlich ins Ohr.

    Da liegt er richtig, dachte Lyndsey. Er war groß, stark, sexy und ein richtiger Mann. Und wenn das Schwierigkeiten mit sich brachte, würde sie ihnen nicht ausweichen.

    "Halten Sie sich am Sattelknauf fest", wies Cole sie an. Er klang jetzt wieder ganz normal, nahm ihre Hand und legte sie auf den Pferderücken. "Sie werden den linken Fuß in den Steigbügel setzen und das andere Bein über den Sattel schwingen."

    "Hören Sie, ich habe noch nie im Leben …"

    "Es ist ganz einfach."

    Lyndsey wollte sich aus seinem Griff lösen. "Cole."

    "Sie ist ein ganz sanftes und ruhiges Pferd und wird mir anstandslos folgen."

    "Ich habe große Angst", gab Lyndsey zu.

    "Halten Sie sich gut fest." Er legte seine Hand auf ihre und drückte sie auf den Lederknauf. Seine Hand fühlte sich warm und sicher an, und einen Moment entspannte Lyndsey sich. "Ich werde direkt hinter Ihnen sein." Er schob sie näher an das Pferd heran. "Setzen Sie jetzt den Fuß in den Steigbügel."

    Lyndsey atmete tief ein und tat es.

    "Hoch und hinüber." Er platzierte seine Hand auf ihrem Hinterteil und hob sie fast in den Sattel.

    Es war ein kurzer Kick, aber dennoch ein Kick. Und plötzlich saß sie auf einem Pferd und starrte auf einen Cowboy hinunter, der sie mit einem wissenden Glitzern in den blauen Augen ansah. Sie fühlte, wie ihr die Hitze in die Wangen schoss, und die Muskeln in ihren Oberschenkeln zitterten.

    "Damit Sie es wissen." Jetzt klang seine Stimme wieder sexy und heiser.

    "Ja?"

    "Tun Sie sich keinen Zwang an. Von mir aus können Sie anständig und verdorben sein."

 Es wurde ein langer Weg von Coles Hütte am Bach bis zu Kyles und Katies Haus auf dem Hügel. Sie legten ihn im Schritttempo zurück, und Clarabelle folgte brav Coles Hengst. Sie ritten über den ausgetretenen Pfad einer Wiese mit Wildblumen, und Lyndsey spürte, dass sie Muskelkater bekam. Aber sonst lief alles glatt.

    "Katie erzählte, dass Sie eigentlich hier oben gewohnt haben", rief sie Cole zu, als das zweistöckige Haus vor ihnen auftauchte.

    Cole drehte sich kurz zu ihr um. "Als Kyle geheiratet hat, bin ich ausgezogen."

    "Haben nur Sie und Ihr Bruder darin gewohnt?"

    Er nickte und dirigierte sein Pferd dann neben Lyndseys. "Meine Eltern starben, als ich zwanzig und Kyle achtzehn Jahre alt war."

    "Das tut mir leid."

    "Es war hart. Aber wir hatten zumindest Grandma."

    "Die Großmutter, die so gern Leute verkuppelt."

    Cole lächelte kurz. "Sie wird wegen Ihnen ganz aus dem Häuschen sein."

    Lyndsey bekam einen Anflug von schlechtem Gewissen. Großmütter gehörten nicht unbedingt zu den Menschen, die man belügen sollte.

    "Wird das in Ordnung gehen?"

    Er schien über ihre Frage nachzudenken. "Nun, sie wird definitiv einen Termin in der Kirche machen. Und wahrscheinlich die Hochzeitstorte in Angriff nehmen." Er brachte beide Pferde zum Stehen, stieg aber nicht ab. "Wenn wir das wirklich durchziehen wollen, sorgen wir besser dafür, dass wir beide dieselbe Geschichte erzählen."

    Lyndsey warf ihr Haar in den Nacken und versuchte, ihn aufzuheitern: "Wie wäre es, wenn Sie sich Hals über Kopf in mich verliebt hätten, und ich Sie aus Mitleid heirate?"

    "Das wird funktionieren."

    "Cole, ich habe nur …"

    "Es wird funktionieren."

    Katie tauchte an der Hintertür auf und winkte enthusiastisch. "Lyndsey. Sind Sie immer noch hier?"

    Lyndsey lächelte sie an. "Cole hat angeboten, mir das Reiten beizubringen", rief sie. Sie hielt es für besser, so weit wie möglich bei der Wahrheit zu bleiben.

    Coles Schwägerin eilte auf sie zu. "Das ist fantastisch."

    "Man sitzt allerdings sehr hart." Lyndsey rutschte auf dem Sattel hin und her. "Ich weiß nicht, wie Sie das auf Dauer aushalten."

    "Wir haben Schwielen", sagte Cole, als er abstieg. Dann grinste er sie an. "Sie werden auch bald welche haben."

    Flirtet er mit mir?, fragte sich Lyndsey, der ein Schauer über den Rücken lief, als er auf ihren Po anspielte.

    Cole band sein Pferd an, dann kam er zu ihr zurück. "Wollen Sie, dass ich Ihnen beim Absteigen behilflich bin?"

    "Sicher." Sie hatte nicht die Hoffnung, das allein zu schaffen. Zudem kribbelte schon ihre Haut in Erwartung seiner Berührung.

    "Strecken Sie beide Füße aus."

    Lyndsey zog die Füße aus den Steigbügeln, und Katie hielt das Pferd an den Zügeln fest.

    "Lehnen Sie sich nach vorn und schwingen sie das andere Bein über Clarabelles Rücken." Nachdem sie das getan hatte, umfasste Cole ihre Taille, hob sie hoch und stellte sie dann langsam auf den Boden.

    Es war für Lyndsey nicht halb so aufregend wie das Aufsitzen, aber sie konnte seinen Duft wahrnehmen, und eine Sekunde lang spürte sie seinen Körper an ihrem Rücken und Po und erschauerte.

    "Sie lernt ziemlich schnell", sagte er zu Katie. Dabei strich er Lyndsey eine Locke aus dem Gesicht und drückte kurz ihre Schultern. "Schon bald wird sie fest im Sattel sitzen."

    Erstaunt blinzelte Lyndsey ihn an. Sie war noch nie jemandem begegnet, der so fürsorglich und aufmerksam war. Es war fast so, als …

    Sie gebot sich Einhalt. Er spielte das alles nur und wirkte einfach sehr überzeugend dabei. Mehr war da nicht.

    Katie nahm Lyndseys Hand. "Also, werden Sie eine Weile bleiben?"

    "Ist das für dich in Ordnung?", fragte Cole.

    "Natürlich." Katie drückte kurz Lyndseys Hand. "Sie sind uns herzlich willkommen."

    Cole band Clarabelle neben seinem Pferd an und folgte den Frauen ins Haus.

    Am Himmel zogen dunkle Wolken auf, und schon bald peitschte heftiger Regen gegen die Fenster. Kyle, der Schutz vor dem Sturm suchte, kam ins Haus gestürmt und wischte sich die Regentropfen aus dem Gesicht.

    Während Katie ihren Mann umarmte und mit einem Kuss begrüßte, stellte sich Cole neben Lyndsey. "Okay", flüsterte er ihr zu und warf einen verstohlenen Blick auf Kyle und seine Schwägerin. "Der Regensturm ist die perfekte Gelegenheit."

    Lyndsey sah ratlos aus dem Fenster. "Steht hier irgendwo ein Wald in Flammen oder so?"

    "Nein, aber die Pferde und das Sattel- und Zaumzeug werden jetzt völlig durchnässt sein. Es wird ein furchtbarer Ritt zurück zu mir werden." Cole klang unnatürlich aufgeregt bei dieser Aussicht.

    "Nun, viel perfekter kann es ja kaum werden." Sie verzog ironisch das Gesicht. Auch ohne Regen hatte sie Sorge, dass sie sich beim Ritt zurück die Haut an ihren Oberschenkeln wund scheuern würde.

    Er tätschelte ihr die Schulter. "Sie müssen strategisch denken."

    "Okay." Lyndsey nickte und überlegte, inwiefern der Regen in ihre Pläne passen könnte.

    "Wenn Kyle und Katie sich gebührend begrüßt haben, werde ich vorschlagen, dass wir nach Hause reiten", erklärte Cole. "Kyle wird anbieten, Clarabelle zu reiten, aber Sie werden darauf bestehen, es selbst zu tun."

    "Und warum sollte ich das tun wollen?"

    "Weil Sie mit mir zusammen sein wollen, natürlich. Sie brennen darauf, Zeit mit mir zu verbringen, weil ich so sexy und unwiderstehlich bin."

    "Wie konnte ich das nur vergessen?"

    "Keine Ahnung. Aber wenn Sie bereit sind, auf einem nassen Pferd im Regensturm zu reiten, wird Katie wissen, dass Sie eine Schwäche für mich haben."

    "Dann weiß Kyle also von dem Plan?", fragte Lyndsey.

    Cole schüttelte den Kopf. "Das ist mir gerade eingefallen."

    "Was ist, wenn er nicht für mich einspringen will?"

    "Machen Sie sich nicht lächerlich."

    Lyndsey sah ihn fragend an.

    "Wenn er es nicht tut, werden wir ihn hochkant aus Texas werfen. Also, ganz egal, was er sagt, Sie werden dieses Pferd reiten."

    "Das ist ein geheimer Racheakt, nicht wahr?", fragte Lyndsey.

    Cole tippte mit dem Zeigefinger auf ihre Nasenspitze. "Nein. Wenn es einer wäre, würde ich Ihnen das sagen."

Coles Plan klappte wie am Schnürchen.

    Eine Weile später stand Lyndsey klatschnass und mit schlimmem Muskelkater vor seiner Blockhütte. Obwohl er genauso durchnässt war wie sie, zündete er ein Feuer an und lief dann erst wieder nach draußen, um sich um die Pferde zu kümmern.

    Lyndsey erwog kurz, ihm ihre Hilfe anzubieten. Aber sie war erschöpft. Stattdessen strich sie sich die nassen Haare zurück und sah sich in dem kleinen Raum um. Sie musste zugeben, dass die Hütte mit ihren goldgelben Holzbalken behaglich und einladend wirkte. Auf dem Boden lagen Webteppiche, und an den Wänden hingen alte Bilder und Sturmlaternen. Die Einrichtung war nicht wertvoll, aber Lyndsey vermutete, dass Coles Vorfahren sie ihm über Generationen hinweg vererbt hatten. Sie strich über den Steinkamin, als sie näher zum Feuer ging. Obwohl es erst September war, war es schon sehr kühl. Ein Sessel mit einer Strickdecke wirkte sehr gemütlich. Zu dumm, dass sie das Polster nass machen würde.

    Cole kam zurück und schloss die Tür fest hinter sich. "Sie sollten sich abtrocknen." Er nahm seinen Stetson ab. "An der Badezimmertür hängen einige Bademäntel. Ich werde uns etwas Heißes zu trinken machen."

    "Ich sollte Ihnen behilflich sein." Sie genoss seine galante und fürsorgliche Art sehr, aber allmählich kam sie sich wie eine Last vor.

    "Machen Sie sich deshalb keine Gedanken."

    Aber Lyndsey machte sich Gedanken. Er hatte zugestimmt, sie zu heiraten, und sie wollte nicht, dass er seine Meinung änderte, weil er sie für verwöhnt hielt. "Halte ich Sie von der Arbeit ab?"

    Cole zeigte mit dem Daumen auf das Fenster. "Da draußen? Werden Sie eine nörgelnde Ehefrau sein?"

    Sie musste lächeln. "Sorry."

    "Sehen Sie zu, dass Sie trocken werden. Wenn Sie sich eine Lungenentzündung holen, kann ich Sie nicht heiraten."

    Lyndsey gab auf und schloss sich in dem winzigen Badezimmer ein. Es war kaum Platz genug, um sich um die eigene Achse zu drehen, und sie stieß sich den Po am Sockel mit dem Waschbecken. Aber sie schaffte es, die nassen Kleider auszuziehen und sich mit einigen Handtüchern trocken zu rubbeln. Sie entschied sich für einen langen Bademantel aus Flanell, den man von oben bis unten zuknöpfen konnte. Die Schultern hingen ihr fast bis auf die Ellenbogen, und sie musste die Ärmel aufkrempeln. Der Bademantel war warm und behaglich. Ihre nassen Kleider hängte sie über die Stange des Duschvorhangs.

    Das erinnerte sie daran, dass sie bald zurück nach Wichita Falls fahren und aus ihrem Hotelzimmer auschecken musste. Sie konnte nicht weiterhin Katies Kleider tragen und musste den Mietwagen zurückbringen. Bei dem Gedanken an die Kabel, die sie willkürlich herausgerissen hatte, zuckte sie zusammen. Sollte sie Cole den Sabotageakt beichten oder einfach warten, bis der Schaden entdeckt wurde, und dann dafür aufkommen? Letztendlich würde sie wohl lieber das Geld investieren, als sich bei Cole ihre Chancen zu verderben.

    Sie rieb ihr Haar trocken und entdeckte einen Kamm. Auf Make-up musste sie verzichten. Als sie zurück ins Wohnzimmer kam, ließ Cole den Blick über ihren Körper bis zu ihren bloßen Füßen gleiten. Er räusperte sich. "Möchten Sie warme Socken haben?"

    Lyndsey sah an dem sich bauschenden Flanellmantel hinunter. "Warme Socken wären wohl ideal, um dieses Outfit noch unattraktiver zu machen."

    "Sie sehen gut aus. Außerdem, wen kümmert ihr Outfit? Ich bin Ihnen doch sicher, erinnern Sie sich?"

    "Guter Einwand. Ich hatte noch nie einen Mann, bei dem es mir egal sein konnte, dass er mich im schlimmsten Aufzug meines Lebens sieht." Sie machte es sich auf dem großen Sessel gemütlich und fand das sehr erholsam. All die Jahre hatte sie sich um ihr Aussehen gesorgt, sich zurechtgemacht und gestylt. Doch Cole könnte sie in einem Kartoffelsack sehen, und es würde überhaupt keinen Unterschied machen. Und wenn sie es sich genau überlegte, kam dieser Bademantel einem Kartoffelsack ziemlich nahe.

    "Ist das der schlimmste Aufzug Ihres Lebens?", fragte Cole.

    Sie strich sich die feuchten Haare zurück. "So ziemlich."

    "Zumindest wird es dann in unserer Ehe keine Überraschungen geben." Er ging ins Schlafzimmer.

    Lyndsey lehnte sich zurück. Mit dieser Bemerkung zwang er sie, an die Zeit nach der Hochzeit zu denken. Was würden sie tun? Sie musste die Brosche nach New York bringen. Aber was wäre, wenn sich nicht sofort eine Schwangerschaft bei Katie einstellte? Würden sie die Scharade aufrechterhalten? Und würde sie dann hier auf der Ranch bleiben? Sie sah sich erneut in der Hütte um. Es war eine idyllische, kleine Unterkunft. Vielleicht ein bisschen zu idyllisch.

    Der Wasserkessel begann durchdringend zu pfeifen. Sie wartete einige Sekunden, als Cole nicht auftauchte, stand sie auf und eilte in die Küche. Auf dem Weg prallte sie fast auf Cole, der aus dem Schlafzimmer kam. Er hatte kein Hemd an, und seine Füße waren nackt. Der oberste Knopf seiner frischen Jeans war noch offen, was ihren Blick auf seinen Waschbrettbauch lenkte.

    "Sorry." Um eine Kollision zu verhindern, stützte sie sich mit den Händen an seiner Brust ab.

    Er hielt sie am Ellbogen fest, und seine Oberschenkel berührten ihre. "Sind Sie okay?", wollte er wissen.

    Lyndsey nickte. Ihr Herz klopfte heftig. Dieser Cowboy sah verdammt gut aus, ausgezogen sogar noch besser als angezogen.

    Cole griff hinter sie und stellte das Gas ab. Dann legte er seine Hand auf ihre und drückte sie an seine Brust. Seine Haut war warm und glatt, und Lyndsey konnte seinen Herzschlag fühlen.

    Unter ihren Fingern konnte sie eine horizontale, etwa sieben Zentimeter lange Narbe ausmachen, und sie fragte sich, wie die entstanden sein mochte. Soweit sie es bis jetzt mitbekommen hatte, war sein Leben hart und körperlich anstrengend. Aber woher stammte diese Narbe? Bevor sie ihm die Frage stellen konnte, trafen sich ihre Blicke. Seine Augen leuchteten jetzt in einem intensiven Blau. Lyndsey sog tief seinen Duft ein und wunderte sich, wie vertraut er ihr schon war.

    Cole streckte langsam eine Hand aus, um ihr übers Haar zu streichen. Ihr wurde ganz warm, und sie sehnte sich danach, sich an ihn zu schmiegen und seinen Körper zu spüren. Sie suchte jedoch nur seinen Blick und bemerkte den herausfordernden und erregten Ausdruck in seinen Augen.

    Cole senkte leicht den Kopf, hielt dann inne und blinzelte. "Geht es nur mir so?", fragte er, "oder hältst du das auch für eine wirklich dumme Idee?"

    Lyndsey konnte das verführerische Lächeln nicht unterdrücken, das sich auf ihrem Gesicht ausbreitete. "Es ist eine wirklich dumme Idee."

    Er öffnete leicht die Lippen. "Aber …"

    "Haben wir uns dadurch jemals zuvor aufhalten lassen?"

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