Und plötzlich ist es Leidenschaft - 8. Kapitel

8. Kapitel

Lyndsey brauchte den ganzen nächsten Morgen, um Cole davon zu überzeugen, getrennte Wege zu gehen. Aber schließlich schickte sie ihn zu einigen Antiquitätenhändlern in der Stadt. Sie ging ins Rathaus, um etwas über Irene Cowan herauszufinden.

    Im Kellergewölbe des Gebäudes setzte sie sich an ein Lesegerät für Mikroaufnahmen und entdeckte, dass Irene Cowan zehn Jahre lang für ein kleines Haus am Risotto Beach Steuern gezahlt hatte. Ihre Spur verlor sich dann. Vielleicht hatte sie danach zur Miete gewohnt oder war weggezogen. Lyndsey schaute sich vergeblich die Kundenverzeichnisse der Stromversorgungsbetriebe an. Zwei Stunden später schien sie am Ende mit ihrem Latein zu sein. Doch dann kam ihr in den Sinn, die Heiratsurkunden zu überprüfen.

    Also ging sie nach oben ins Standesamt und fand dort endlich eine weitere Spur. Aus Irene Cowan war Irene Robertson geworden. Sie und ihr Ehemann hatten in Oceanside weitere fünfzehn Jahre Steuern gezahlt, bis sie bei einem Autounfall ums Leben gekommen waren. Und sie hatten einen Sohn großgezogen. Laut der Oceanside Gazette hatte Rupert Cowan die Edison High School besucht und dann ein Stipendium für das Southwestern State Fashion Design College erhalten. Aus dem Newsletter der Absolventen der Southwestern State erfuhr sie, dass er nach seinem Abschluss einen Job in New York angenommen hatte. Dank der Suchmaschine Google im Internet kam sie dann einen großen Schritt weiter. Im vergangenen Jahr waren auf einer Modenschau in Miami Kleider präsentiert worden, die von Rupert Cowans Firma mit dem Namen Zap entworfen worden waren. Rupert könnte also in Miami sein.

    Sie musste so schnell wie möglich nach Miami fliegen. Lyndsey begann einen Plan zu schmieden. Sie würde Cowan wie jeden anderen potenziellen Verkäufer auch persönlich kontaktieren. Sie musste ihm ins Gesicht sehen können, damit sie seine Stimmung, sein Interesse und seine Schwächen einschätzen konnte. Das würde der wichtigste Kauf einer Antiquität in ihrem bisherigen Leben werden. Deshalb musste sie vorsichtig Schritt für Schritt vorgehen. Im Foyer des Rathauses nahm sie ihr Handy aus der Tasche und wählte Gwens Nummer.

    "Hallo?", meldete sich Gwen.

    "Du musst uns nach Miami schicken."

    "Lyndsey?"

    "Ja, ich bin's."

    "Was ist in Miami?"

    "Das kann ich dir nicht erklären. Aber du musst uns irgendeine Spur nennen, die nach Miami führt."

    "Eine falsche Fährte?"

    "Ja."

    "Was ist los?"

    "Gwen, du weißt, dass ich dich nicht darum bitten würde, wenn es nicht wichtig wäre."

    "Du hast etwas in Erfahrung gebracht. Was?"

    "Einen Namen", gab Lyndsey zu. "Mehr kann ich dir nicht sagen. Das wäre ein Vertrauensbruch."

    "Arbeitet denn sonst noch jemand an der Sache mit?"

    "Es ist alles sehr kompliziert."

    "Ich bin einigermaßen intelligent."

    "Ich weiß." Lyndsey konnte es Gwen nicht erzählen. Sie hatte Grandma ihr Wort gegeben.

    "Und was tue ich dann eigentlich hier?"

    "Du wirst uns nach Miami schicken."

    "Das habe ich damit nicht gemeint." Gwens Ton würde schärfer. "Bin ich hier bloße Dekoration?"

    "Im Augenblick, ja."

    "Willst du damit sagen, dass ich aufhören kann, sämtliche Kontakte von Edinburgh bis Rom anzurufen, um sie um einen Gefallen zu bitten?" Gwens Frust war unüberhörbar.

    "Ja."

    "Lyndsey!"

    "Ich schwöre dir, dass ich das bis zu diesem Moment auch nicht gewusst habe. Ich habe es gerade erst herausgefunden."

    "Gut."

    Lyndsey kam sich mies vor. "Es tut mir leid."

    "Ruf mich an, wenn du Hilfe brauchst", erwiderte Gwen nur.

    "Werde ich. Und Gwen?"

    "Ja?"

    "Was ich weiß, werde ich dir später erzählen."

    "Ich bin ganz Ohr."

    "Ich werde dich von Miami aus anrufen."

    "Dann werde ich bereits schlafen." Gwen legte auf.

    Lyndsey steckte das Handy ein und verließ das Gebäude. Draußen auf der breiten Treppe fluchte sie leise. Gwen war eine gute Freundin und absolut professionell. Wahrscheinlich ginge sie kein Risiko ein, wenn sie es Gwen erzählte. Sie versuchte zu entscheiden, inwieweit sie Gwen einweihen konnte. Als sie die Fakten durchging, hatte sie Grandmas betroffenes Gesicht wieder vor Augen und dachte an ihr aufrichtig gemeintes Versprechen. Da wusste sie, dass sie dieses Geheimnis mit in ihr Grab nehmen würde. Gute Freundin hin oder her.

    "Ich frage mich wirklich …"

    Die spöttische, ihr bekannte Stimme riss sie aus ihren Gedanken. Sie blinzelte und starrte direkt in das Gesicht Bradley Slanders.

    " … was das Rathaus in Oceanside mit unserer kleinen Suche zu tun hat."

    Augenblicklich war Lyndsey vor Angst wie paralysiert.

    Er lachte leise. "Nun komm schon, Lyndsey. Erzähl dem alten Bradley, was du herausgefunden hast."

    "Nichts." Sie verfluchte sich insgeheim. Panisch ging sie in Gedanken durch, was sie in den letzten Stunden unternommen hatte. Hatte sie ihre Spuren verwischt? Würden die Beamten im Rathaus sie wiedererkennen? Hatte sie irgendetwas aufgeschrieben? Oder einen Hinweis in einen der Papierkörbe geworfen? Wie hatte sie nur so unvorsichtig sein können, Slander an sich herankommen zu lassen? Konnte er ihr Telefongespräch mit Gwen mitgehört haben? Vielleicht wusste er schon, dass sie nach Miami fliegen wollte.

    "Wir können fifty-fifty machen." Er ging neben ihr her.

    "Hau ab."

    "Das ist jetzt aber unhöflich."

    Lyndsey blieb auf dem Bürgersteig stehen, drehte sich um und starrte ihn an. Dabei kam ihr ein entsetzlicher Gedanke in den Sinn. Und wenn er nun mit Coles Großmutter gesprochen hatte? Was war, wenn er zur Ranch gefahren war, sich als jemand anderer ausgegeben und die Familie ausgefragt hatte?

    "Wenn du so verdammt gut bist, warum brauchst du mich dann eigentlich?", fragte sie, um aus ihm herauszukitzeln, was er wusste.

    "Weil wir ein Team sind, Wainsbrook. Ohne dich würde es nicht halb so viel Spaß machen."

    "Soll das heißen, dass du nicht den ganzen Profit willst?"

    Slander sah sie argwöhnisch an. "Du glaubst nicht einen Moment, dass ich die Brosche finden werde, nicht wahr?"

    "Offen gesagt …", Lyndsey warf ihre Haare in den Nacken und hoffte, vollkommen unbesorgt zu wirken, "… denke ich, dass keiner von uns sie finden wird."

    "Warum verschwendest du dann deine Zeit?"

    "Es ist meine Zeit, die ich verschwende."

    "Was hast du in der Hand?"

    "Nichts, denn die Brosche ist spurlos verschwunden." Sie wartete und hoffte, dass Slanders aufgeblasenes Ego ihn dazu treiben würde, seine Informationen an sie weiterzugeben.

    "Wir wissen, wann die Fälschung hergestellt wurde."

    "Natürlich tun wir das." Lyndsey wartete wieder.

    "Wir wissen, dass es sich um die Ericksons handelt."

    Sie nickte und konzentrierte sich darauf, ein unbewegtes Gesicht zu machen. War er in Texas gewesen?

    "Hast du mit ihnen gesprochen?"

    "Ich bin in Cole Ericksons Begleitung hier", gab sie zu. Wenn sich Slander auf Cole konzentrierte, realisierte er vielleicht nicht, welche Rolle Grandma spielte.

    Wenn Slander überrascht war, dass sie ihm freiwillig Coles Namen genannt hatte, ließ er es sich nicht anmerken. Wahrscheinlich schrieb er es seiner ausgefeilten Fragetechnik zugute und dachte, dass er sie genau da hatte, wo er sie haben wollte.

    "War er der Mann am Telefon?"

    "Ja." Lyndsey seufzte und versuchte, einen müden und angreifbaren Eindruck zu machen. "Ich habe keinen einzigen Hinweis von ihm bekommen. Willst du es einmal versuchen?"

    Dieses Mal beäugte Slander sie misstrauisch, und sie hoffte, dass sie nicht überzogen hatte. Doch dann grinste er, legte einen Finger unter ihr Kinn und hob es an. "Nein."

    Erleichtert zwang sie sich, seine Hand nicht wegzuschieben und zog stattdessen die Augenbrauen hoch.

    "Ich will ihn nicht nervös machen." Slander lachte leise. "Ich denke, er ist scharf auf dich. Es ist keine gute Idee, ihn mit seinem Konkurrenten zu konfrontieren." Er rückte noch näher. "Warum redest du nicht mit ihm? Ich werde dir ein paar Fragen aufschreiben und anschließend kannst du mir sagen, was er darauf geantwortet hat, hm?"

    Der Mann ist leicht davon zu überzeugen, dass wir gemeinsame Sache machen werden, dachte Lyndsey. "Okay." Sie nickte, denn das würde Slander hoffentlich davon abhalten, im Rathaus zu schnüffeln.

    Slander legte den Arm um ihre Taille. "Hab keine Scheu, ihn zu überzeugen. Du weißt schon, was ich meine." Er strich über ihren Arm. "Flirte mit ihm und komm ihm ein bisschen entgegen."

    Sie presste die Lippen aufeinander und verkniff sich eine bissige Erwiderung. "Alles klar", sagte sie.

    "Gut." Er gab ihr einen Kuss auf die Wange.

Cole beobachtete ungläubig, wie ein geschniegelter, fast lächerlich weltmännisch aussehender Mann direkt vor ihm auf dem Bürgersteig Lyndsey küsste. Er umklammerte das Lenkrad und wurde innerlich zu Stein. Er wollte schon aussteigen, um dem Kerl den Kopf abzureißen, aber hinter ihm ertönte eine Hupe. Erst jetzt registrierte er, dass die Ampel auf Grün umgesprungen war. Er warf erneut einen Blick auf Lyndsey. Sie lächelte den Mann an, mit dem sie sehr vertraut zu sein schien. Cole holte tief Luft und schaltete in den ersten Gang.

    Kein Wunder, dass sie so darauf bedacht gewesen war, ihn an diesem Morgen loszuwerden. Sie hatte offensichtlich nebenbei etwas laufen, und da war er ihr im Weg. Augenscheinlich verfolgte sie andere Interessen als die der Familie Erickson, gleichgültig, ob der Typ nun ihr Liebhaber oder ein geheimer Kontaktmann war.

    Doch jetzt waren Miss New Yorks Tage endgültig gezählt. Sie würde kein Komplott mehr schmieden können. Von jetzt an übernahm er das Ruder. Er würde das beste Detektivbüro des Landes engagieren, um den Job erledigen zu lassen. Lyndsey konnte zum Teufel gehen. Er erreichte die Tiefgarage des Hotels und parkte den Wagen. Dann fuhr er mit dem Aufzug nach oben und rief Kyle an, um zu erfahren, ob sein Bruder irgendwelche Hinweise von den Nachbarn erhalten hatte, doch Kyle hatte keine neuen Informationen. Von Neely bekam Cole eine Liste mit den besten zehn Detektivbüros der Gegend.

    "Cole?"

    Er hörte Lyndseys Stimme durch die offene Verbindungstür und nahm den Telefonhörer ab, um das erste Detektivbüro auf der Liste anzurufen.

    Lyndsey klopfte kurz an und betrat sein Zimmer.

    "Hast du irgendwelche … Was tust du da?"

    Er drehte sich um, um in ihr verlogenes, betrügerisches, schönes Gesicht zu sehen. "Was du tust, ist wohl die weitaus bessere Frage."

    Lyndsey warf einen Blick auf das Telefon. "Ich suche nach dem Blitz des Nordens."

    "Hast du die Brosche gefunden?"

    "Nein."

    "Hast du heute etwas Neues herausgefunden?"

    Sie schüttelte den Kopf.

    "Überhaupt nichts, was interessant sein könnte?"

    "Cole?"

    Damit hatte sich das für ihn erledigt. Lyndsey hatte ihre letzte Chance vertan. "Ich rufe Detektivbüros an." Er wählte die Nummer.

    Sie trat auf ihn zu, doch als sie seinen Gesichtsausdruck registrierte, zögerte sie. "Warum?"

    "Amber und Co.", meldete sich eine Stimme.

    "Ich möchte einen Privatdetektiv engagieren", sagte Cole in den Hörer. "Ich muss ein Schmuckstück finden, das verschwunden ist."

    Lyndsey ging um das Bett herum und blieb vor ihm stehen. "Tu das nicht."

    Er ignorierte sie.

    Sie warf einen vielsagenden Blick auf die Telefongabel.

    Cole bedeckte mit der Hand die Sprechmuschel. "Denk nicht mal daran."

    "Ich stelle Sie zu Dean Skye durch", sagte die Empfangssekretärin am Telefon.

    "Danke." Cole warf Lyndsey einen warnenden Blick zu.

    "Leg auf", beharrte sie.

    "Nein."

    "Warum tust du das?"

    "Auf diese Weise kann ich den Blitz des Nordens finden."

    "Wir finden die Brosche."

    Cole verzog verächtlich den Mund.

    "Cole!", rief Lyndsey.

    "Dean Skye hier."

    "Mr. Skye", sagte Cole, der Lyndsey ignorierte. "Es geht um …"

    Sie streckte blitzschnell die Hand aus, doch Cole packte ihr Handgelenk. Es war jedoch zu spät. Die Leitung war unterbrochen.

    "Was zum Teufel …"

    Lyndsey zuckte vor Schmerz zusammen, und er ließ sie sofort los.

    "Was denkst du dir dabei?", schnauzte Cole sie an und knallte den Hörer auf die Gabel.

    "Das kannst du nicht machen."

    "Doch. Das kann ich durchaus. Es ist meine Brosche und mein Problem. Du müsstest nicht einmal hier sein."

    "Aber …"

    "Du bist nur Ballast, Lyndsey. Geh nach Hause."

    Sie blinzelte. "Ich verstehe das nicht. Was ist denn bloß passiert?"

    Er hatte sie mit einem anderen Mann gesehen. Das war passiert. Und in diesem Moment hatte Cole gewusst, dass er ihr nicht trauen konnte. Aber er wusste noch etwas anderes. Sie hatte nur eine Nacht in seinen Armen gelegen, aber er konnte nicht leugnen, sehr eifersüchtig geworden zu sein. Bevor er etwas wirklich Dummes tun und womöglich seine Familie kompromittieren würde, musste er sie wegschicken, denn er ließ sich zunehmend von seinen Gefühlen leiten.

    "Cole?"

    "Ich kenne dein kleines Geheimnis", meinte er verächtlich.

    Lyndsey wurde vor Schreck kalkweiß und ließ resigniert die Arme hängen. "Wie …"

    Falls irgendein Zweifel bestanden hatte, bestätigte ihre Reaktion jetzt seinen Verdacht. Er grinste höhnisch. "Ich habe gesehen, wie du ihn geküsst und ihn umarmt hast."

    "Wen?"

    "Den Mann auf dem Bürgersteig."

    "Gerade eben?"

    "Ja, gerade eben. Wie viele Männer hast du denn heute geküsst?"

    "Du meinst Slander."

    "Ich kenne seinen Namen nicht."

    Lyndsey bekam wieder Farbe ins Gesicht. Jetzt wirkte sie eher verwirrt als erschreckt. "Du rufst einen Privatdetektiv an, weil du gesehen hast, dass Bradley Slander mir einen Kuss gegeben hat?"

    "Ich rufe einen Privatdetektiv an, weil du den Nachmittag mit diesem Slander verbracht hast, anstatt deinen Job zu machen."

    "Ich war nur zwei Minuten mit ihm zusammen."

    Cole schnaubte. "Das muss aber enttäuschend gewesen sein. Und wenn das Bradley Slander war, dann gehört er sicherlich noch nicht zu deinen abgelegten Liebhabern."

    "Du denkst, dass ich Sex mit ihm hatte?", rief sie ungläubig. Dann starrte sie ihn so empört an, dass es ihn beeindruckte.

    In Anbetracht ihrer Reaktion dachte er einen Moment nach. "Okay, du hast ihn zum Abschied geküsst."

    Lyndsey ging im Zimmer auf und ab. "Er hat mich geküsst. Auf die Wange und in der Öffentlichkeit."

    "Du hast ihn dafür nicht gerade geohrfeigt."

    "Ich habe ihn aber auch nicht auf seine Wange geküsst. Er ist gerissen und unberechenbar. Ich wollte nur, dass er verschwindet."

    "Ich habe gesehen, was ich gesehen habe", beharrte Cole. Aber er klang nicht mehr sehr überzeugt.

    "Du hast gesehen, dass er mich auf die Wange geküsst hat, weil das alles war, was er getan hat."

    "Du hättest nicht lächeln müssen."

    "Ich habe die Zähne zusammengebissen", erwiderte Lyndsey.

    Cole schluckte und gestand sich ein, dass er vielleicht doch die falschen Schlüsse gezogen hatte.

    "Ich habe den Nachmittag mit der Recherche über den Verbleib der Brosche verbracht, Cole. Und ich würde mir eher die Pulsadern aufschneiden, als mit diesem Mann zu schlafen."

    Er bemerkte, wie er sich innerlich entspannte. Er wusste, es war ein schlechtes Zeichen. Aber er konnte nichts dagegen tun.

    Lyndseys grüne Augen funkelten wütend. "Und ich fühle mich beleidigt, dass du diese Situation so interpretiert hast. Nur weil ich mit dir im Bett war …"

    "Es tut mir leid."

    " … heißt das nicht …"

    "Es tut mir leid. Wirklich."

    Sie holte tief Luft. "Du bist ein Schuft, weißt du das?"

    Cole nickte. "Ich bin ein Schuft."

    Lyndsey tippte mit dem Zeigefinger auf seine Brust. "Du solltest dich schämen."

    Er nickte wieder. "Tue ich."

    Wieder tippte sie ihn mit dem Finger an. Diesmal hielt er ihre Hand fest. Sie sah ihm in die Augen. "Ich bin eine sehr verlässliche Person. Ich kann dir Referenzen vorlegen."

    "Ich brauche keine Referenzen."

    Sie sah ihn forschend an. "Was brauchst du dann?"

    Was er brauchte? Die Sicherheit, dass seine Gefühle nicht seinen Verstand außer Kraft setzten, wenn es um sie ging. Das Wissen, dass sie auf seiner Seite war und keine Hintergedanken hatte, wenn sie ihm bei der Suche nach der Brosche half.

    Lyndsey seufzte, als er nicht antwortete. "Denkst du nicht, dass du im Zweifel zu meinen Gunsten entscheiden könntest?"

    "Ja", sagte Cole. "Das werde ich."

    "Gut."

    Er nahm den Duft ihrer Haare wahr und fühlte Wut in sich aufsteigen. Sie mochte nicht an Slander interessiert sein, aber Slander war sehr an ihr interessiert. Cole fühlte das überwältigende Bedürfnis, die Spuren dieses Mannes auszumerzen. Er musste Lyndsey halten und sie küssen, um sich daran zu erinnern, dass er derjenige war, mit dem sie geschlafen hatte. Das mochte eine Überreaktion sein, aber schließlich floss in ihm Wikingerblut. Die Ericksons nahmen sich, was sie wollten. Und er wollte Lyndsey. Er wollte sie sogar sehr.

    Cole küsste sie auf den Mund, zwang sich aber, sie nicht anzufassen. Sie konnte weggehen, wenn sie wollte. Er hielt sie zwar nicht fest, aber er hielt sich auch nicht zurück. Er nahm sich vor, sie zu küssen, bis sie ihn stoppte, doch dann ging die Leidenschaft mit ihm durch. Er strich durch ihr seidiges Haar, umfasste ihren Kopf und zog sie an sich, so dass er ihren Körper und ihre Hitze spüren konnte. "Ich habe dich vermisst", wisperte er. "Ich habe dich so sehr vermisst." War erst eine Woche vergangen, seit sie sich geliebt hatten? Es schien eine Ewigkeit her zu sein.

    "Ich habe dich auch vermisst." Lyndsey seufzte und schmiegte sich an ihn. "Ich weiß doch, dass du eine andere Frau heiraten wirst."

    "Und ich weiß, dass es dir nur um die Brosche und um deinen Job geht."

    Sie vertieften den Kuss, und Cole wünschte, er könnte sie so fest an sich binden, dass sie nie mehr einen anderen Mann berühren oder auch nur ansehen würde. Er knöpfte ihre Bluse auf, weil er erneut ihre seidige Haut spüren musste. Dann ließ er die Fingerspitzen bis auf ihren Bauch gleiten, während er mit der anderen Hand ihre Brust umfasste. Durch den Stoff ihres BHs spürte er ihre Brustspitze. Am liebsten hätte er ihr die Kleider von Leib gerissen. Er bedeckte mit einer Hand ihre Brust und umfasste mit der anderen ihren Po, um sie fest an sich zu ziehen. Er wollte sie spüren lassen, wie sehr er sie begehrte.

    "Cole", stöhnte Lyndsey, während ihr die Knie nachzugeben drohten.

    Er schlang den Arm um ihre Taille, um sie zu festzuhalten.

    "Was tust du …"

    "Was tust du mit mir?", erwiderte er heiser.

    Sie legte die Arme um seinen Nacken, schmiegte sich fest an ihn und schmeckte seine Haut. "Cole, bitte."

    "Alles", sagte er. "Alles."

    "Wir müssen gehen."

    "Hm?"

    Lyndsey hörte auf, ihn zu küssen, und ließ ihn los, während sie stoßweise atmete. "Wir müssen nach Miami."

    Cole fiel aus allen Wolken. "Was?"

    "Ich habe herausgefunden … Gwen hat angerufen. Wir müssen nach Miami."

    Er starrte auf ihre offene Bluse, ihren BH aus Spitze und ihre schönen Brüste. "Jetzt?"

    "Jetzt. Slander ist hier. Wir können keine Zeit verschwenden."

    Er wich zurück, weil allein die Erwähnung von Slanders Namen ihn verärgerte. "Ist das, was wir gerade tun, Zeitverschwendung für dich?"

    Lyndsey schloss die Augen und seufzte ziemlich frustriert. "Bitte nicht."

    Gut. Vergiss es, dachte er. Sie würden also schleunigst die Zelte abbrechen. "Natürlich werden wir uns auf den Weg nach Miami machen."

    "Denkst du, dass ich jetzt aufhören will?"

    "Du tust es jedenfalls."

    Lyndsey stemmte die Hände in die Hüften. "Cole Nathaniel, ich will dich mehr, als ich jemals einen Mann in meinem Leben wollte. Und wenn es nach mir ginge …"

    "Du willst mich?"

    "Ja."

    "Aber wir brechen auf?"

    "Ja! Wir müssen los. Bradley wird das Hotel überwachen."

    "Aber du willst mich definitiv." Plötzlich schien das Leben nicht mehr so trostlos zu sein. Miami war nur vier Flugstunden entfernt. Sie konnten vor Sonnenaufgang dort sein. Und dann hätten sie nichts zu tun, bis die Antiquitätengeschäfte aufmachten.

    Lyndsey schüttelte den Kopf. "Ja, ich will dich. Soll ich einen Eid darauf leisten oder so?"

    "Und in Miami wirst du mich immer noch wollen?" Am liebsten würde Cole es sich schriftlich geben lassen.

    "Nur, wenn du jetzt endlich den Mund hältst."

    Er grinste. "Okay."

    "Gut. Hol deine Tasche."

    "Soll ich uns ein Taxi rufen?"

    "Nein. Lass uns besser durch den Hinterausgang verschwinden und ein paar Häuserblocks weiter ein Taxi nehmen."

    Cole umarmte sie. "Es ist sexy, wenn du die Geheimagentin gibst."

    Lyndsey warf ihm einen ungeduldigen Blick zu.

    "Okay. Ich sage kein Wort mehr."

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