Vom Feind erobert - 14. Kapitel

14. Kapitel

Brice entließ den Wachmann vor Gillians Tür und betrat die Kammer. Dabei legte er sich zurecht, auf welche Weise er ihre Pflichten als Lady of Thaxted zur Sprache bringen sollte. Als er die Tür schloss und Gillian schlafend vorfand, war er überrascht und enttäuscht zugleich. Er trat neben das Bett und überlegte, wie er sich verhalten sollte.

     Durfte er es als Zeichen ihrer Geneigtheit werten, dass sie nichts als ihr Unterkleid trug? Oder besagte dies, dass sie außer Schlaf nichts im Sinn hatte? War die Hand auf der leeren Hälfte der Matratze als Einladung gedacht? Oder wollte sie ihm damit den Zutritt verwehren?

     Ein verheirateter Mann zu sein, war gar nicht so leicht. Als Junggeselle hatte er stets gewusst, was eine Frau in seinem Bett oder in seiner Kammer zu bedeuten hatte. Doch hier? Schließlich war es ihr Zuhause …

     Gillian regte sich, warf den Kopf hin und her und wand sich unter den Decken. Sie träumte, aber es war anscheinend kein grausiger Albdruck, wie er sie während des Fiebers gequält hatte. Brice stieß die Luft aus, erleichtert darüber, dass sie nicht litt. Im Gegenteil – sie lächelte im Schlaf. Ihr Atem beschleunigte sich, war nicht länger der eines erholsamen Schlummers, sondern klang, als verausgabe sie sich körperlich in ihrem Traum.

     Merde.

     Sie träumte von ihrer beider Vereinigung.

     Sie träumte von den Freuden, die sie in jener Nacht geteilt hatten.

     Sie träumte von ihm, flüsterte seinen Namen, und dieser hallte in der Stille der Kammer wider.

     Der Laut bohrte sich Brice ins Herz, und im Nu war er gänzlich entbrannt.

     Mit einem Mal ging auch sein Atem stoßweise. Sein ganzer Leib gierte nach ihr. Er wurde hart und spürte pochendes Verlangen. Unter seiner Haut schien ein Feuer zu lodern. Er verzehrte sich nach Gillians sanften, erlösenden Fingern.

     Er wollte sie, wollte sie unter sich, wollte sie erstürmen und in Besitz nehmen. Nie zuvor hatte er so für eine Frau empfunden, obgleich seine Erfahrungen mit der Damenwelt recht erklecklich waren. Nie hätte er gedacht, dass die Frau, die er einst ehelichen würde, ihn derart locken und erregen würde. Nie hätte er dies auch nur zu hoffen gewagt.

     Bis zu jenem Tag zumindest, da Gillian of Thaxted schnurstracks in sein Lager spaziert war und ihm einen Bären aufgebunden hatte in der Erwartung, dass er ihr diese lächerliche Geschichte abnahm. Bis zu jenem Moment, da er sie das erste Mal zum Gipfel der Erfüllung gebracht und sie unter ihm aufgestöhnt hatte – kehlig, sinnlich, leidenschaftlich.

     Jäh hob sie die Lider und schaute ihn an. In ihren Augen sah er sein eigenes Begehren gespiegelt. Unerfahrenheit und Verlangen mischten sich in ihrer Miene. Brice musste schlucken, und er wurde noch härter, denn mit ihrem Blick lud Gillian ihn eindeutig in ihr Bett ein.

     „Gillian“, stieß er hervor. So sehr sehnte er sich danach, sie zu berühren, dass ihm die Stimme brach. Er setzte sich auf die Bettkante, riss sich die Tunika vom Leib, löste Gürtel und Hosen, streifte Beinlinge und Stiefel ab. Es war eine Sache weniger Herzschläge. Gillian hob den Saum der Bettdecke und strich ihm dabei wie zufällig über die Schenkel. Er erschauerte vor Erregung.

     Sollte er die Kerzen löschen, damit seine aufragende Lanze nicht gar so augenfällig war? Gillian fuhr sich mit der Zunge über die Lippen, und all seine Fragen waren vergessen. Zum ersten Mal, seit er das Mannesalter erreicht hatte, vermochte er nicht zu tun, was ihm sonst so selbstverständlich wie das Atmen war – eine Frau zu betören und zu verführen. Dass seine Zukunft ebenso wie die Gillians in Gefahr war, hatte ihn aus der Bahn geworfen.

     „Gillian“, setzte er noch einmal an, nachdem er sich geräuspert hatte. „Ich … ich … Merde!“ Seine Tölpelhaftigkeit verfluchte er lieber in seiner eigenen Sprache.

     „Mylord“, unterbrach sie ihn leise. „Ich habe einen langen, anstrengenden Tag hinter mir.“ Er dachte schon, sie wolle ihn abweisen. Doch plötzlich war die aufreizende Frau zurück, und jede Spur der unschuldigen Maid verschwunden. „Ich sehne mich nach ein wenig Geborgenheit in den Armen meines Gemahls.“

     Brice glaubte zu bersten. In seinen Lenden pulsierte es fast schmerzhaft, und alles in ihm drängte ihn, zur Tat zu schreiten. Dennoch vermochte er sich nicht zu rühren und starrte die Frau, die seine Gemahlin war, nur stumm an. Obwohl ihre erste fleischliche Zusammenkunft für sie reichlich zu wünschen übrig gelassen hatte, war Gillian offenbar mehr als bereit. Was wohl dem Umstand zu verdanken war, dass er ihr nachfolgend gezeigt hatte, wie genussvoll die Vereinigung sein konnte.

     Er stieg ins Bett, schlug die Decken zurück, streckte sich jedoch nicht neben Gillian aus, sondern lehnte sich mit dem Rücken gegen die Wand am Kopfende. Behutsam fasste er Gillian an der Taille und setzte sie sich auf den Schoß, wobei er sorgfältig auf ihre verletzte Schulter achtete. Er wollte ihr gerade das Unterkleid über den Kopf streifen, als ihm klar wurde, dass hier zügiger verfahren werden musste. Der Stoff riss mit einem satten Laut, und köstlicher war nur der Anblick ihrer wohlgeformten Brüste, der sich ihm eröffnete. Er warf das Kleid achtlos beiseite und zog Gillian näher, sodass sie rittlings auf seinen Schenkeln saß.

     Brice vermochte nicht zu sagen, wer von ihnen aufstöhnte, als sein hoch aufgerichteter Schaft gegen ihren Schoß stieß, aber beinahe hätte die Wollust auch den letzten Rest seiner Selbstbeherrschung fortgespült. Ihre feuchte Hitze lud ihn geradezu ein, und ihre Brüste, von einem verführerisch hitzigen Rosa überzogen, lockten in Höhe seiner Lippen. Die Spitzen der vollendet gerundeten Hügel lockten seine Lippen. Nun schloss Gillian die Augen, und endlich durfte Brice wieder die Stelle berühren, die ihn bis in seine Träume verfolgt hatte.

     Er ließ die Finger über ihre weiblichste Stelle gleiten und verharrte vor dem Zugang zu ihren geheimsten Gefilden, in die vorzustoßen ihn alles drängte. Damit Gillian nicht das Gleichgewicht verlor, legte er sich ihren unversehrten Arm an die Brust, damit sie sich abstützen konnte. Dann liebkoste er sie zwischen den Schenkeln, bis sie sich ihm lustvoll entgegendrängte. Brice strich erst mit einem, dann mit zwei Fingern über ihre samtigen Falten. Immer rascher und fordernder ließ er sie über ihr schwellendes Fleisch gleiten und spürte nach dem kleinen harten Mittelpunkt ihrer Lust.

     Gillian warf den Kopf zurück und stöhnte vor Wonne. Brice streichelte und rieb sie, bis sie in Flammen zu stehen glaubte. Sie versuchte, nicht gegen ihn zu sinken, sich nicht von der auflodernden Lust verzehren zu lassen, um den köstlichsten Augenblick hinauszuzögern. Endlich gab sie auf und ließ sich von ihrer beider Begierde mitreißen.

     Brice narrte sie erbarmungslos. Jedes Mal, wenn sie sich kurz vor dem Gipfel wähnte, wurden seine Zärtlichkeiten verhaltener und besänftigten, statt anzustacheln. Gillian erhob sich auf die Knie und folgte dem Rhythmus seiner Bewegungen, aber Brice umfasste ihre Hüfte und hielt sie fest. Sie wollte protestieren, doch er lachte nur, nahm eine ihrer Knospen in den Mund und saugte daran. Gerade als sie erneut dem Höhepunkt zustrebte, hörte er auf.

     Sie bettelte – um Erlösung, um Erfüllung, um mehr, ganz gleich was. Aber seine Zuwendungen blieben aufreizend langsam. Als er die andere Spitze zwischen die Lippen nahm, strich Gillian ihm ihrerseits über die Lenden. Er stöhnte, und das überraschte sie nicht. Schließlich wusste sie, wie empfindsam dieser Teil seines Körpers war – ungemein empfindsam sogar. Das geschah Brice nur recht; was hielt er sie auch so lange hin? Ohne Vorwarnung hob er sie plötzlich hoch, rückte sich zurecht, sodass er groß und hart genau unter ihrem geöffneten Schoß aufragte, und ließ sie langsam wieder sinken, sodass er Zoll um köstlich qualvollen Zoll in sie hineintauchte, bis er sie gänzlich ausfüllte.

     Wie er in ihr Platz fand, war ihr ein Rätsel, denn seiner Größe nach zu urteilen, schien es ihr unmöglich. Zu mehr als diesem Gedanken war sie nicht fähig, denn dann übernahm ihr Leib die Führung. Sie bewegte sich leicht, sodass sie an ihm auf- und abgleiten konnte, aber wieder hielt Brice sie zurück, indem er sie an den Hüften packte. Als er sich wieder einer ihrer Brüste zuwandte, an der Spitze saugte und dabei mit einer Hand zu der empfindsamen Stelle zwischen ihren Schenkeln glitt, raubte der Rausch ihrer Empfindungen ihr fast die Sinne. Sie spürte, wie sich ihr Schoß um den prallen Schaft in ihrem Innern zusammenzog und sie der verheißungsvollen Erfüllung immer näher kam.

     Abermals flehte sie ihn um Erlösung an. Brice lächelte so sündig, wie er es nur in Augenblicken wie diesem tat, und nickte. Doch wenn sie geglaubt hatte, er würde diese Erlösung umgehend herbeiführen, hatte sie sich getäuscht. Jedes Mal, wenn sie bei ihrem Spiel an diesen Punkt kamen, schlug Brice einen anderen Pfad ein. Und jedes Mal wählte er einen Neuen, sodass Gillian nicht wusste, was sie erwartete. Daher taumelte sie auch jetzt blindlings seiner Führung hinterher, folgte seinem Streicheln, seinen Küssen und seinen übrigen Lockungen.

     Keine Haaresbreite trennte sie mehr vom Gipfel der Lust. Hitze durchpulste sie, ihr Schoß pochte vor Erregung. Als Brice sie einmal mehr umfasste, hochhob, sanft auf die Decken bettete und den Zauber damit brach, schrie sie empört auf.

     „Ah, Gillian“, raunte Brice und umfasste ihre Hüften, gestattete ihr nicht, sich selbst auch nur einen Zoll zu rühren. „Nun zeige ich Euch, wovon ich schon lange träume … was ich zu tun gelobt habe, sobald wir das Bett miteinander teilen.“

     Er legte sie so hin, dass ihre Beine über die Bettkante hingen, und spreizte ihr die Schenkel. Damit war ihr empfindliches, erregtes Fleisch nicht nur der Kühle der Kammer, sondern auch Brices Blick ausgesetzt. Als sie sich bedecken wollte, lachte er nur, und der tiefe, kehlige Ton fuhr ihr durch Mark und Bein. Nicht seine eigenen Finger führte er an ihren Schoß, sondern einen der ihren, und brachte sie dazu, sich zu berühren – sich selbst zu berühren! Gillian hob den Kopf und sah Brice zwischen ihren Schenkeln knien. Was er bezweckte, entzog sich ihr.

     „Zeigt mir, wo ich Euch berühren soll, Gillian“, wies er sie an. „Zeigt es mir mit Eurem Finger.“

     Nie hätte sie gedacht, dass ihre eigene Berührung lustvoll sein könnte, aber das war sie. Gillian strich mit dem Finger über ihr eigenes Fleisch und suchte nach den Stellen, die zuvor Brice liebkost hatte. Er spreizte ihr die Beine noch ein wenig weiter und legte sie sich über die Schulter, um Gillian zu stützen. Sie fand eine der empfindlichsten Stellen und erschauerte, als Brice mit der Zunge darüberfuhr.

     „Mylord“, flüsterte sie, bemüht, die überwältigenden Empfindungen zu bezähmen, die seine Zärtlichkeiten auslösten. Aber Brice hielt sie an den Hüften fest, sodass sie sich nicht rühren konnte.

     „Ihr habt versprochen, mich Brice zu nennen“, erwiderte er und senkte erneut den Kopf. „Zeigt mir noch eine Stelle, Gillian.“

     Mit dem Mund folgte er ihrem Finger. Als er an dem vor Erregung pochenden Punkt saugte, an dem ihr Finger verharrte, wölbte sie sich ihm entgegen. Aber sie tat wie geheißen und ließ den Finger weiter über ihren Schoß wandern. Ein ums andere Mal erbebte sie, als Brice die Spur mit der Zunge nachzeichnete. Er leckte und kostete und sog, bis er ihre geheimsten Gefilde gänzlich erkundet hatte. Gillian bäumte sich auf, alles in ihr in Bauch und Schoß zog sich zusammen, bis sie es nicht mehr auszuhalten glaubte.

     Als die erste Woge der Wollust über sie hinwegbrandete, erhob Brice sich und drang mit einem einzigen harten Stoß in sie ein. So viel Kraft lag darin, dass Gillian nach hinten und fort von der Bettkante geschoben wurde. Brice folgte und versenkte sich wieder und wieder in sie, bis es ihr schier den Atem verschlug. So trieb er sie beide immer weiter der sinnlichen Erfüllung entgegen, stieß tiefer und tiefer in sie hinein, bis sie aufschrie, überwältigt vom Rausch ihrer lustvollen Verschmelzung.

     Gillian war, als betrachte sie, jenseits ihres Körper schwebend, wie sie Brice in sich aufnahm. Er hatte die Zähne zusammengebissen und sah aus, als leide er Schmerzen, aber Gillian wusste, dass dem nicht so war. Er litt ebenso wenig wie sie selbst. Als auch sie die Höhen der Leidenschaft erklomm, spürte sie, wie ihr Leib ihn mit dem Saft ihrer Lust netzte. Sie zog sich zusammen und hielt Brice fest. Und sie schwelgte in dem köstlichen Gefühl.

     Ein Moment verging, oder vielleicht waren es auch Stunden, das vermochte Gillian nicht zu sagen. Schließlich wich die Intensität des Taumels, und sie entspannten sich, wobei Gillian ihn noch immer in sich spürte. Und jede, wirklich jede seiner Bewegungen ließ sie erschauern. Brice war nicht auf sie niedergesunken, sondern stützte sich ab, sodass sie das Gewicht seines Körpers kaum spürte.

     „Ihr habt mit Eurem Mund …“, begann sie, noch immer erstaunt ob dieser Intimität. Sie fühlte ihn in ihrem Schoß pulsieren und keuchte, denn die Empfindung war so erregend, dass es an Qual grenzte. Brice löste sich von ihr. „Mit Eurem Mund!“, wiederholte sie fassungslos.

     Ihr ging auf, wie unbedarft sie ihm vorkommen musste im Vergleich zu den Frauen, die er vor ihr gehabt hatte. Aber nie hätte sie gedacht, dass so etwas möglich, geschweige denn derart lustvoll war. Nun lag Brice neben ihr und hatte ihr einen Arm über den Bauch gelegt.

     „Es gibt viele Wege zur Lust, meine Gemahlin. Und wenn Eure Schulter vollständig geheilt ist, werde ich Euch nicht schonen, um diese Wege gemeinsam zu beschreiten“, versprach er. Die Bilder, die daraufhin in ihr aufstiegen, ließen sie erbeben. Reichte ihre Vorstellungskraft überhaupt, um sich auszumalen, was er meinte?

     Brice glitt vom Bett und hielt ihr die Hand hin, um ihr aufzuhelfen. Die Bettüberwürfe bildeten ein heilloses Durcheinander, auf dem Boden lag das zerrissene Unterkleid. Ihre Brüste wie auch die Stelle zwischen ihren Beinen fühlten sich überempfindlich an, nachdem er sie berührt und gereizt hatte, und sie bezweifelte, dass sie in dieser Nacht würde schlafen können. Mit dem Blick folgte sie den Bewegungen seines kraftvollen Körpers, während er zum Tisch ging und mit einem Becher Bier für sie zurückkam. Er beugte sich vor und küsste sie sanft auf den Mund.

     Gillian schmeckte sich selbst auf seinen Lippen. Wie sündig! So ruchlos, wie sich selbst zu berühren, aber es erregte sie auf unbeschreibliche Weise. Sie leckte sich über die Lippen und kostete den salzigen Geschmack ihrer eigenen Nässe.

     „Wenn Ihr so weitermacht, findet Ihr mich gleich wieder zwischen Euren Schenkeln, Madame.“ Wie gebannt starrte Brice auf ihren Mund.

     Die nachfolgende Stille zog sich. Gillian fragte sich, was nun geschehen werde. Bei der verheißungsvollen Aussicht darauf, dass Brice erneut seine Zunge einsetzte, spürte sie es abermals zwischen ihren Beinen pochen. Doch Brice schüttelte den Kopf, goss sich ebenfalls Bier ein und murmelte etwas, das sie nicht verstand. Als sie sich bückte, um das Kleid aufzuheben, schüttelte er wieder den Kopf und lächelte. Seine nachfolgende Entschuldigung entbehrte jedweder Aufrichtigkeit. „Verzeiht mir, Gillian, dass ich Euch das Kleid ruiniert habe. Das war nicht meine Absicht.“

     Nicht ein Wort davon war ihm ernst, dessen war sie sich sicher. Sie lachte und gab damit zu verstehen, dass sie die falsche Anteilnahme sehr wohl durchschaute. Statt ihrer griff Brice nach dem zerknüllten Kleidungsstück und warf es über die Truhe, in der Gillian ihre Gewänder aufbewahrte. „Ihr solltet lieber nichts tragen, wenn wir das Bett miteinander teilen, Madame. Ich fürchte nämlich, dass ich in diesem Fall nicht für die Sicherheit Eurer Garderobe bürgen kann.“

     Brice wollte sie nackt, wenn er sie in den Armen hielt – nicht ein Hauch von Stoff sollte sie trennen. Selbst jetzt noch regten sich seine Lenden bei diesem Gedanken, und es fehlte nicht viel, um seine Männlichkeit abermals erwachen zu lassen. Gillian brauchte ihn nur anzusehen, sich mit der Zunge über die Lippen zu fahren oder ihn mit den Fingern zu streifen, und er wäre erneut bereit, sie zu nehmen.

     Wie machte sie das? Keine andere Frau hatte ihn je derart um den Verstand gebracht. Die Aussicht darauf, den Rest seines Lebens in ihrem Bett, in ihren Armen, tief in ihrem Schoß zu verbringen, schreckte ihn keineswegs, wie er ursprünglich angenommen hatte. Im Gegenteil – er konnte sich gar vorstellen, künftig mit keiner anderen als ihr das Bett zu teilen, sofern sie ihn weiterhin derart leidenschaftlich empfing. Er schüttelte den Kopf, verwundert über sich selbst, blies die Kerzen aus und kehrte zum Bett zurück.

     Nie hätte er für möglich gehalten, Gattin und Geliebte in einer Person zu finden. Könige … nun, Könige hielten sich neben der rechtmäßigen Gemahlin ein ganzes Sammelsurium an Buhlen und Konkubinen. Wobei die Kirche inzwischen bemüht war, den Bund der Ehe strenger zu überwachen. Edelmänner hatten Geliebte für die Sinnesfreuden und ein Eheweib, das ihnen Erben schenkte. Selbst im gemeinen Volk wurde nicht immer geheiratet – war kein Priester zur Stelle, um das Bündnis abzusegnen, lebten Mann und Frau einfach ohne Segen zusammen und zogen Kinder auf.

     Während er sich hinlegte und sie beide zudeckte, grübelte Brice über diese ihm ganz neue Art der Anziehungskraft nach, die seine liebreizende Gillian auf ihn ausübte. Er bettete sie beide wie in der vergangenen Nacht, und dabei wurden ihm zwei Dinge bewusst – er war kein bisschen müde, aber dafür erneut hart und bereit. Er hätte das Verlangen danach, sie abermals zu nehmen, niedergerungen, wenn Gillian ihm nicht ihr verführerisches Gesäß gegen seine Härte gepresst und sich ihm geöffnet hätte.

     Als er von hinten und ganz tief in ihren feuchten Schoß eindrang – dieses Mal auf ihr Geheiß hin –, schoss ihm kurz durch den Kopf, dass er eigentlich etwas mit ihr zu bereden hatte. Bald allerdings löschte die Lust jeden Gedanken aus, und einmal mehr suchten und fanden sie leidenschaftliche Wonnen, die mit einer Gemahlin zu teilen er sich niemals erträumt hätte.

 

So viel zu seinem Vorsatz, seine Frau zu schonen, bis ihre Wunde gänzlich verheilt war. Brice kam sich vor wie ein entfesseltes Tier, das von einer blindwütigen Gier erfüllt war. Gillian brauchte ihn nur anzusehen, während er durch Halle oder Hof schritt, und schon hatte er sie in die Kammer entführt, um sich mit ihr der Lust hinzugeben, bis sie beide erschöpft und gesättigt waren. Dasselbe geschah, wenn sie mit ihm sprach und sich dieser sinnliche Unterton in ihre Stimme stahl. Oder wenn sie ein Wort einfließen ließ, das ihn daran gemahnte, wie sie ihn um Zärtlichkeiten angebettelt hatte. Und auf gar keinen Fall durfte sie ihn berühren, denn wie unverfänglich die Berührung auch war, zog sie unweigerlich Stunden der Wollust nach sich.

     Einmal hatten sie es kaum mit allen Kleidern am Leibe in die Zurückgezogenheit ihres Gemachs geschafft. Bei anderer, nicht minder skandalöser Gelegenheit hob er ihr im Stall einfach die Gewänder und nahm sie an eine Boxenwand gelehnt, hinter der ein Hengst gerade eine rossige Stute bestieg.

     Es war schamlos, vermutlich auch würdelos und unanständig, aber Brice genoss jeden einzelnen sündigen Moment. Immerzu wartete er darauf, dass Gillian ihm zu verstehen gab, sie sei seiner Zuwendung überdrüssig. Das jedoch geschah nie. Er redete sich ein, dass er von ihr ablassen werde, sollte sie es je wünschen. Aber jeden Tag und jede Nacht öffnete sie ihm aufs Neue Arme und Schoß, und er betete inständig, sie möge nie genug von ihm bekommen.

     Sie berauschte sich an den Sinnesfreuden wie …

     „… wie eine Sau an der Suhle“, sagte Lucais.

     Verwirrt starrte Brice ihn an und sah sich dann nach besagter Kreatur um, ehe ihm aufging, dass er wieder einmal mit offenen Augen und am helllichten Tag von Gillian geträumt hatte. Und das nur, weil er sie in Erfüllung irgendeiner Aufgabe über den Hof hatte gehen sehen und in lüsterne Gedanken abgedriftet war. Abermals.

     Lucais schlug ihm auf die Schulter und lachte. „Ich habe gesagt, dass du und deine Dame euch am Eheleben erfreut wie eine Sau an der Suhle“, erklärte er. „In Bretagne und Normandie beweint das Weibsvolk schon den Verlust von zwei der stattlichsten Bastarde.“

     „Wie recht du hast“, entgegnete Brice lachend und schüttelte den Tagtraum ab.

 

„Wir sprachen gerade über …?“ Brice hatte gänzlich den Faden verloren, wenngleich er dies selbst Lucais gegenüber ungern zugab. Aber der grinste nur kopfschüttelnd.

     „Darüber, wie viele Morgen Ackerland wir mit Gerste bestellen sollen“, brachte ihn sein Kastellan wieder auf die richtige Spur. „Und wie viele mit Weizen. Die Zeit drängt, wir dürfen nicht länger warten.“

     Brice wusste kaum etwas über Landwirtschaft. Er hatte sich stets auf seine Fertigkeiten als Recke konzentriert. Schließlich war er davon ausgegangen, sich sein Leben lang als Söldner verdingen zu müssen, für jeweils den Herrn, der zu zahlen bereit war. Nun fiel plötzlich auch der Ackerbau in seine Zuständigkeit, denn von der Ergiebigkeit der Ernte würde abhängen, wie erfolgreich er sich hier in England etablieren konnte. Das war weniger aufregend als der Krieg, konnte jedoch sehr viel einträglicher sein.

     Es ging allerdings um weit mehr – darum, endlich Wurzeln zu bilden, eine Familie zu gründen, sich eine Heimat zu schaffen. Und zwar mit Gillian. Um diesen Preis würde er sich gern über Getreide und Brachjahre und darüber belehren lassen, wie viele Ziegen, Rinder und Schweine sie benötigten, um sich versorgen zu können. Glücklicherweise waren unter seinen Männern solche wie Lucais. Der stammte von einem großen Gut im Anjou, das sein Vater verwaltete. Lucais und andere Männer wie er hatten ihr Wissen durch ihre Ritterschaft keineswegs eingebüßt und waren eine große Hilfe. Für solche Freunde und Gefährten war Brice überaus dankbar.

     Giles hatte das Glück, dass er die meisten Leibeigenen und Freien von Taerford hatte halten können. Oremund hingegen hatte einen Großteil der einstmals hier heimischen Menschen erfolgreich vertrieben, umgebracht oder auf andere Güter verschleppt, sodass Brice nicht nur die Burg und die Ländereien auf Vordermann bringen musste, sondern auch zusehen konnte, wo er Arbeiter herbekam.

     Lucais wies auf mehrere Felder, die sie von ihrem Aussichtspunkt aus überblicken konnten, doch Brice war schon wieder abgelenkt – er hatte erneut die verlockende Gestalt seiner Frau erspäht. Gillian strebte über den Hof auf das Wohngebäude zu, plauderte mit Leoma und einer weiteren Magd und bot ein Bild der Unschuld. Aber er wusste inzwischen, was für eine Art Dame sich hinter der Fassade verbarg. Eine Dame, die ihre Hemmungen ablegte, sowie er ihr die Kleider abstreifte. Eine, die sich ihm mit atemberaubender Selbstvergessenheit hingab. Und leider auch eine, die ihm zwar ihren Leib uneingeschränkt anvertraute, nicht jedoch ihre Geheimnisse.

     Brice erkannte, dass er sich künftig beherrschen und endlich herausfinden musste, weshalb Oremund so erpicht darauf war, Thaxted und Gillian in seine Gewalt zu bekommen. Er musste es bald herausfinden, denn seine Spione hatten ihm zugetragen, dass Edmund Haroldson in der Gegend gesichtet worden war. Das verhieß nichts Gutes. Er atmete tief durch und schüttelte den Kopf, den Blick nach wie vor auf Gillians sich verführerisch wiegende Hüften geheftet.

     Zwei geschlagene Wochen hatte er damit vertrödelt, sich mit seiner Gemahlin zu vergnügen, während sich die Gefahr um ihn her zuspitzte. Edmund und Oremund aufzuspüren, war unerlässlich. Die Sache duldete keinen Aufschub. Keine Tändeleien mehr mit seiner Frau. Ende des tatenlosen Müßiggangs und der wonnevollen Stunden.

     Die Zeit drängte.

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