Vom Feind erobert - 8. Kapitel

8. Kapitel

Gillian verlor nur deshalb nicht den Halt, weil sie saß. Sie spürte, wie ihre Wangen heiß wurden, und berührte sie. Er hatte sich so schnell entkleidet, dass sie gar nicht dazu gekommen war, etwas zu sagen – zu protestieren oder ihn auf ihre Gegenwart hinzuweisen. Dies musste sein gewohnter Ablauf sein: Zuerst den schweren Kettenpanzer ablegen, um sich anschließend der Unterkleider zu entledigen, zu waschen und schlafen zu legen. Er schien sie gar nicht wahrzunehmen.

     Gillian nahm ihn allerdings sehr wohl wahr: Ihr Mund war wie ausgetrocknet, und sie hatte das Gefühl, nicht genügend Luft zu bekommen. An ihrem Hals und zwischen ihren Brüsten sammelten sich Schweißperlen. Dort, wo ihre Schenkel sich trafen, verspürte sie ein wohliges Ziehen, und in den Spitzen ihrer Brüste prickelte es. Sie erhob sich und hielt sich nur mit Mühe davon ab, zum Zeltausgang zu stürzen.

     Wie gern hätte sie sich einen kalten Lappen aufs Gesicht gelegt, um die Hitze zu vertreiben, die sich immer weiter ausbreitete. Aber den einzigen Lappen im Zelt hielt Brice in der Hand. Er war fertig mit dem Waschen, hatte sich ein Tuch um die Hüften gewickelt und reichte nun Ernaut die Schüssel mit dem Wasser hinaus.

     Nachdem Brice seinem Knappen leise ein paar knappe Anweisungen gegeben hatte, wandte er sich an Gillian.

     „Ernaut wird Euch sauberes Wasser bringen, Madame. Benötigt Ihr sonst noch etwas, ehe Ihr Euch zur Ruhe begebt?“

     Vielleicht war es der Unterton seiner Worte, vielleicht auch sein nackter wohlgeformter, stattlicher Körper, der pure Kraft ausstrahlte. Oder es war ihr eingehendes und gänzlich ungehöriges Interesse am sinnlichen Element der Ehe. Was immer der Grund war – der Drang, sich von Umhang und sämtlichen Kleidern zu befreien, die die Hitze festhielten, hätte sie in diesem Moment beinahe ihren Verstand gekostet.

     „Nein“, brachte sie heraus, schüttelte den Kopf, ballte die Hände zu Fäusten und presste sie gegen den Umhang.

     Ein Schauer überlief Brice und hinterließ Gänsehaut. „Wird es in Eurem England eigentlich jemals warm? Bei dieser Kälte schrumpft einem ja der …“ Er brach ab, grinste verlegen und runzelte die Stirn, als suche er nach einem Ersatz für das Wort, das ihm, wie sie wusste, auf der Zunge lag. „Nachdem ich es nun einen ganzen Winter hier ausgehalten habe, sehne ich mich mehr denn je nach der Bretagne, in der es nicht so unerbittlich kalt und trostlos ist wie hier.“

     „Dann solltet Ihr Euch besser ankleiden, Mylord“, schlug Gillian vor und nahm Ernaut, der gerade eintrat, die Schüssel mit dampfendem Wasser ab. Die Röte, die dem Jungen in die Wangen stieg, und die Stille, die sich umgehend über das Zelt senkte, sagten ihr, wie unangemessen ihr Rat gewesen war. Lord Brice hatte keineswegs die Absicht, sich anzukleiden. Ernaut hüstelte und zog sich zurück, wobei er dem Blick der verlegenen Gillian geflissentlich auswich.

     Auch Brice blieb stumm. Er legte sich Kleider, Stiefel und Schwert bereit – zweifellos für morgen – und begab sich zum Lager in einem Winkel des Zelts. Als Gillian einen Blick in seine Richtung riskierte, wirkte er, als habe er sie vergessen. Sie wusch sich, und nachdem sie sich ebenfalls bettfertig gemacht hatte, lag er bereits unter den Decken. Er hatte die Arme hinter dem Kopf verschränkt und verfolgte jede ihrer Bewegungen. Neben der Liegestatt lag das zerknitterte Leinentuch, das wenigstens den Anschein von Schicklichkeit gewahrt hatte, als er auf solch anstößige Weise seinen Körper zur Schau gestellt hatte. Was bedeutete, dass er unter den Decken nichts trug.

     Gillian wartete darauf, dass er die Spannung löste und ihr sagte, wo sie schlafen sollte oder was er sich von ihr erhoffte, aber er tat nichts dergleichen. Schließlich wagte sie sich mit weit mehr Kühnheit vor, als sie empfand.

     „Ich weiß nicht, was Ihr von mir erwartet, Mylord“, sagte sie und hörte ihre Stimme beben.

     Brice lächelte, und das ließ ihn jünger und weniger Furcht einflößend wirken – und anziehender. Er schlug die Decken zurück. Gillian hielt den Atem an, als er ihr so weitere Einblicke gewährte.

     „Kommt ins Bett.“

     „Ich bin noch nicht müde“, erwiderte sie. In der Tat war sie auf einen Schlag wacher als zuvor. Erinnerungen stürmten auf sie ein; Erinnerungen daran, wie sich seine Haut angefühlt hatte, als er sie vergangene Nacht und heute Morgen unter den Decken berührt und geküsst hatte. Schlaf war das Letzte, das sie im Sinn hatte.

     „Kommt ins Bett.“ Sein Lächeln wurde eine Spur verrucht. Er versuchte sie zu umgarnen, auf dass sie zu ihm unter die Decken schlüpfte. Ihr Leib vernahm den Lockruf deutlicher als ihr Verstand, und sie spürte, wie ihr das Blut glutheiß durch die Adern strömte, als er die Überwürfe noch ein wenig höher hob.

     „Was erwartet Ihr von mir?“, fragte sie abermals leise. Ihre gewohnte Zuversicht war an den Veränderungen zerschellt, die seit gestern in ihr Leben getreten waren. Einmal mehr und mit einer Heftigkeit, die sie selbst überraschte, brannten ihr Tränen in den Augen und drohten, sich Bahn zu brechen.

     Brice setzte sich auf, zog die Knie an und legte die Arme darum.

     „Jetzt gerade, in den Stunden vor der Morgendämmerung, erwarte ich nichts als ein wenig Geborgenheit in den Armen meiner Frau.“ Seine Miene zeugte von der Aufrichtigkeit seiner Worte. „Sollte ich das kommende Gefecht überleben, werden wir schon einen Weg finden, auch den Rest der Fehde durchzustehen.“

     Obgleich sie nicht länger unberührt war, wusste Gillian nicht recht, wie sie sich diesem Fremden, der ihr nun Gemahl war, nähern sollte. Da sie nach wie vor das lange Gewand und das Unterkleid trug und fest in ihren Umhang gehüllt war, konnte sie sich in der Tat nicht vorstellen, was er von ihr erwartete. Hob ein Mann seiner Gemahlin lediglich die Röcke, wie es bei Buhlen und Mägden geschah? Ging dies zwischen Ehegatten nicht vielleicht anders vonstatten?

     „Entledigt Euch Eures Umhangs, und legt Euch zu mir, Madame.“ Tiefe Empfindungen sprachen aus seiner Stimme und ließen sie dunkel und rau klingen. Gillian spürte, wie ihre Brüste zu kribbeln begannen. „Oder schlaft Ihr immer in solcher Gewandung?“

     Um die Wahrheit zu sagen, zog sie es tatsächlich dann und wann vor, in so vielen Kleidungsschichten wie möglich zu schlafen – manchmal um sich zu wärmen und manches Mal um sich zu schützen. Doch derlei Dinge brauchte er nicht zu erfahren und wollte es gewiss auch gar nicht. „Nicht in einem Umhang zumindest“, entgegnete sie und verriet damit wohl mehr, als klug war, denn prompt runzelte er die Stirn. Rasch schüttelte sie den Kopf und wehrte weitere Fragen ab, indem sie anfügte: „Nein, Mylord.“

     „Brice“, sagte er, streckte sich wieder aus und hob einladend die Decken. „Nennt mich bei meinem Namen, wenn Ihr in mein Bett kommt.“

     Gillian wusste, dass es sie einigen Mut kosten würde, sich aufs Lager und in seine Arme zu begeben. Also schloss sie die Augen, ließ den Umhang zu Boden gleiten, löste das Tuch und warf es auf den Umhang. Bevor sie verzagen konnte, zog sie sich hastig Gewand und Unterkleid über den Kopf, die ebenfalls zu ihren Füßen landeten. Nun war sie hüllenlos bis auf die Schuhe und zitterte in der eisigen Luft. Im Nu hatte sie eine Gänsehaut und spürte ihre Brustwarzen hart werden.

     „Madame“, sagte er auffordernd.

     Sie lenkte ein – ob aufgrund der Kälte im Zelt oder der Wärme seiner Einladung, vermochte sie selbst nicht zu sagen. Sie setzte sich aufs Lager, und ehe sie sich versah, fand sie sich in seiner Umarmung wieder. Er umschlang sie, zog sie zu sich hinab und hüllte sie beide in eine dicke Schicht aus Decken.

     Mit einer Unerschrockenheit, die mehr vorgetäuscht war, versuchte Gillian die Anspannung zwischen ihnen zu lockern. „Und Ihr solltet mich Gillian nennen, wenn Ihr schon das Bett mit mir teilt.“

     Er rückte ein Stück von ihr ab und starrte sie an, als könne er nicht glauben, was sie da soeben gesagt hatte. „So sei es, Gillian“, erwiderte er, senkte den Kopf und küsste sie auf den Mund, sodass sie Worte und Namen und beinahe auch das Atmen vergaß.

     Vor seinen Augen hatte sich Gillian soeben von einer verschreckten Maid in eine beherzte, verführerische Frau verwandelt. Er hatte die Furcht einer Jungfrau in ihren Augen gesehen, als er sich vor ihr entkleidet und gewaschen hatte. Ganz allmählich hatte sie sich in seiner Gegenwart entspannt, weil er ihr Zeit gelassen und sich ihr nicht aufgedrängt hatte. Sie schien akzeptiert zu haben, was zwischen ihnen geschehen war und abermals geschehen würde. Dass sie zugab, nicht zu wissen, was von ihr erwartet wurde, berührte ihn. Damit entblößte sie eine verletzliche Seite an sich, die sie anderen gegenüber vermutlich verbarg.

     Er zog sie unter sich und kostete genießerisch ihren Mund aus, so wie er es sich den ganzen Tag lang erträumt hatte. Diese Nacht musste – nein, wollte – er unvergleichlich für sie machen. Diese Vereinigung sollte so besonders für sie werden, wie das letzte Mal enttäuschend gewesen war. So besonders, dass sie in der Erinnerung daran würde schwelgen können, sollte es ihre letzte gemeinsame Nacht sein.

     Sie öffnete sich ihm, berührte ihn jedoch nicht. Er griff nach ihrer rechten Hand und legte sie sich auf die Hüfte. Während er die Köstlichkeiten ihres Mundes schmeckte, fühlte er, wie sie ihm nun auch mit der anderen Hand über die Haut strich und auf seiner Hüfte verharrte. Sein Schaft drückte gegen ihr Bein. Brice löste sich von ihrem Mund und ließ seine Lippen an ihrem Hals hinab bis zu ihren Schultern wandern. Als sie sich ihm entgegendrängte und ihr Schoß seine Lenden streifte, glitt er mit einer Hand an ihrem Körper entlang und ließ sie auf ihrem Bauch ruhen.

     Langsam und spielerisch lautete sein Vorsatz für diese Nacht; und wenn es ihn umbrachte – erst würde er sie zufriedenstellen, ehe er seine eigene Lust stillte. So arglos ging sie auf seine Küsse und sein Streicheln ein, dass es ihm beinah unmöglich war, seinem Vorsatz treu zu bleiben. Zudem rauschte ihm das Blut heiß durch die Adern, und er konnte nur mit Mühe an sich halten. Welche Gier sie in ihm weckte! Seine Erregung wuchs, und er rieb seine harte Männlichkeit an Gillian und genoss das Gefühl. Köstlicher noch wäre es gewesen, von Gillian berührt zu werden oder tief in ihr zu sein, aber vorerst genügte es.

     Brice hatte schon bemerkt, dass Gillians Brüste überaus empfindsam waren, und so beugte er sich vor und küsste die beiden vollkommenen Rundungen. Er saugte an den Knospen, bis sie aufgerichtet vorstanden, nahm eine in den Mund und umspielte die Spitze mit der Zunge, um sie dann mit den Zähnen zu necken. Gillian keuchte. Ihr Atem ging flach. Es war wie eine Bitte an ihn, fortzufahren – doch ihre Hände, mit denen sie seinen Kopf genau dort festhielt, forderten es regelrecht. Und Brice gab, an ihrer weichen Haut lächelnd, nach und widmete sich einer jeden ihrer Brüste in gleichem Maße.

     Unwillkürlich schob sie sich seiner Hand entgegen. Brice, der sich kaum noch beherrschen konnte, glitt mit den Fingern zwischen ihre Schenkel. Sie war feucht und warm. Unter der ersten Berührung presste sie die Beine zusammen, aber als er erst energisch und schließlich ganz behutsam über ihren Schoß strich und seine Finger tiefer in den schmalen Spalt schob, spreizte sie die Beine, sodass ihn nichts mehr hinderte. Was er ausgiebig nutzte.

     Bald bebte sie unter seinen Händen und Lippen. Er löste sich trotz ihres enttäuschten Stöhnens von ihren Brüsten und küsste sie abermals auf den Mund, drang vor, fand ihre Zunge und saugte daran. Gleichzeitig ließ er immer nachdrücklicher, immer entschlossener seine Finger zwischen ihren Schenkeln vorrücken, um Gillian bis an den Gipfel der Lust zu treiben. Er wusste, dies war neu für sie, und daher übernahm er die Führung.

     „Lasst Euch gehen, Gillian. Ergebt Euch Eurem Leib“, raunte er ihr zu, ohne die Hand zwischen ihren Beinen ruhen oder auch nur langsamer werden zu lassen.

     Als er spürte, wie ihr Körper vor Erregung vibrierte, berührte er die kleine harte Perle in ihrem Schoß und streichelte sie, erst sanft, dann lebhafter. Dies zeigte umgehend Wirkung, auf eine Weise, die all seine Mühen wert gewesen war. Wollust brandete über Gillian hinweg. Sie klammerte sich an seine Schultern, während sie unter ihm erschauerte und sich aufbäumte. Er liebkoste sie weiter, bis das Beben nachließ und sie kehlig stöhnte. Danach fühlte er ihren Leib in seinen Armen erschlaffen. Sie schlug die Augen auf und starrte ihn verwirrt an.

     „Was ist passiert?“, fragte sie heiser. Sie keuchte und wischte sich ein paar Haarsträhnen aus den Augen.

     „Das ist Lust“, erwiderte er sanft. „Habt Ihr sie nie zuvor verspürt?“

     Zwar war sie gestern noch unberührt gewesen, doch gab es durchaus Wege, die Begierden des Fleisches zu stillen, ohne die Jungfräulichkeit anzutasten. Er selbst hatte auf diese Weise viele, viele – wenngleich nicht unberührte – Frauen verwöhnt, die ihn in ihr Bett gelassen hatten.

     Noch einmal erzitterte Gillian, als ein letzter wohliger Schauer sie überkam. Sie keuchte auf, als sich an ihrer Hüfte etwas regte. Etwas Großes, Hartes.

     „Ihr seid nicht …“ Sie stockte. „Ihr habt ja gar nicht …“

     „Noch nicht“, presste er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, während er den Drang zu bekämpfen suchte, sie zu nehmen und gänzlich auszufüllen.

     „Aber weshalb nicht? Ich dachte, Ihr suchtet … Erlösung.“

     Er wälzte sich von ihr. Über sein Verlangen zu sprechen, während er ihr so nahe war, dass er es hätte in die Tat umsetzen können, war eine zu große Herausforderung. Das schaffte er nicht, solange er ihre heiße Haut und ihren Herzschlag spürte, der noch immer vor Erregung raste. Aber was er auch hatte sagen wollen, entfiel ihm, als Gillian sich auf die Seite drehte und ihn ansah.

     „Braucht Ihr Hilfe? Ich nehme an, dass es schwierig für Euch ist, den … Akt von heute Morgen so kurz danach noch einmal zu vollziehen.“ Sie sprach die Worte hastig aus, stieß sie in einem Atemzug hervor. Zuerst glaubte er, sie scherze, aber aus ihren Augen sprach nichts als Aufrichtigkeit und Sorge. Ihre Frage war ernst gemeint. „Was muss ich tun, um Euch beizustehen?“

     Brice wähnte sich in Himmel und Hölle zugleich, denn seine ihm frisch angetraute Gemahlin war eine Verführerin, die nicht um ihre Reize wusste – die kaum verstand, was zwischen Mann und Frau geschah. Brice verschob seine Dankbarkeit ob einer solchen Gemahlin auf später, denn im Augenblick hatte er genug damit zu tun, die Sprache wiederzufinden. Er wollte nichts anderes, als sich über ihren wohlgeformten, nackten Körper zu beugen und so tief und gründlich in sie hineinzutauchen, wie er nur konnte. Er wollte vergessen, was der anbrechende Morgen für sie beide bereithielt.

     „Fasst mich an.“ Mehr brachte er nicht heraus.

     Als Gillian die Hand ausstreckte, schloss er die Augen, hielt den Atem an und wartete auf die erste Berührung. Er gierte danach, wie er es nicht von sich kannte. Da spürte er ihre Finger über seine Brustwarzen streichen, die sich sogleich zusammenzogen, so wie die ihren es unter seiner Hand getan hatten.

     „Tut das weh?“, fragte sie leise, hörte jedoch nicht auf, ihn zu streicheln, sondern ließ die Finger über seine Haut gleiten und rieb die andere Brustwarze.

     „Nein“, stöhnte er. Er wollte, dass sie sich einem anderen Teil von ihm widmete, ja er verzehrte sich danach, dass sie es tat, und zugleich betete er, sie werde es nicht tun.

     Gillian strich ihm mit dem Handrücken über Brust und Bauch. Sie verharrte aber, ehe sie seine aufragende Männlichkeit erreichte. Als habe sie ihn dort berührt, wölbte sich sein Leib ihrer Hand entgegen, ohne dass Brice es verhindern konnte. Aber sie wich weiter aus und ließ die Finger stattdessen an seinem Schenkel hinab- und wieder hinaufgleiten.

     Die Versuchung war zu groß, und er widerstand nicht länger. Er fasste ihre Hand und legte sie dorthin, wo er sie so sehnlich haben wollte. Gillian riss die Augen auf und öffnete den Mund auf höchst aufreizende Weise. Dann schloss sie die Finger um seinen harten Schaft, ließ sie nach oben gleiten und wieder hinab. Abermals stöhnte er.

     Brice glaubte, sie wolle ihm auf diese Weise Erleichterung verschaffen, denn so unerfahren ihre Bewegungen auch waren, zeigten sie doch Wirkung. Doch plötzlich nahm sie ihre Hand weg. Gut möglich, dass er in jenem Moment der berauschenden Wonne gebettelt hatte, er war sich hinterher nicht sicher. Er mühte sich, sein immer heftiger werdendes Begehren und sein Verlangen nach ihr zu zügeln und sich von ihr führen zu lassen … dieses eine Mal.

     „Ihr seht aus, als habet Ihr Schmerzen“, flüsterte sie.

     Sie hatte ihn zwar losgelassen, strich ihm jedoch erneut über die Haut, ließ ihre Finger mit langsamen, trägen Bewegungen über Brust, Bauch und Schenkel gleiten – und das half keineswegs gegen den wachsenden Druck in seinen Lenden. Er bezweifelte, dass sie wusste, wie ihn die Begierde fast um den Verstand brachte.

     „Ich will Euch, Gillian“, raunte er rau. „Ich will Euch jetzt.“

     Da lächelte sie, und ihr Gesicht und ihre Augen erstrahlten. Sie wirkte engelhaft und teuflisch zugleich. Es war ein Ausdruck, der ihn in den kommenden Tagen und Jahren verfolgen würde. „Dann nehmt mich, Mylord“, flüsterte sie. „Brice“, verbesserte sie sich.

     Eine Frau, die sich keck gab, schien nach seinem Geschmack zu sein, erkannte Gillian. Er lachte, ehe er sie mit solcher Wildheit küsste, dass sie seine Leidenschaft bis in die Zehenspitzen spürte. Tief in ihrem Schoß erwachte pulsierend die Begierde, die durch seine Liebkosungen vorhin noch lange nicht gestillt war. Nun, da Brice sie von den Wonnen hatte kosten lassen, verlangte ihr Leib nach mehr – selbst wenn dies bedeutete, auch den anderen, weniger angenehmen Teil des Akts ertragen zu müssen. Sie wusste, dass sie beide sich ihrer vertrackten Lage in Bezug auf Thaxted morgen früh erneut würden stellen müssen, doch diese Nacht, entschied sie, gehörte ihnen … und der Lust.

     Gillian keuchte, als Brice sich von ihren Lippen löste und sich ihr rechtes Bein um die Hüfte legte. Sofort spürte sie die kühle Luft an jener heißen Stelle zwischen ihren Schenkeln. Brice zauderte nicht, sondern wies ihr sogleich einen weiteren Pfad der Freuden. Es dauerte nicht lange, bis sie nicht anders konnte, als sich seiner Hand entgegenzubiegen. Er streichelte den empfindsamen Punkt zwischen ihren Schenkeln und ließ das Feuer in ihr im Nu wieder heiß auflodern. Gillian wollte ihn berühren, aber er ließ sie nicht und legte sich ihre Hand stattdessen auf den Oberschenkel. Sie bangte, dort Spuren ihrer Nägel zu hinterlassen, denn sie konnte sich nicht beherrschen, bohrte ihm die Fingerspitzen ins Fleisch und zerkratzte seine Haut, sosehr verlangte ihr Leib nach mehr.

     Plötzlich fand sie sich auf dem Rücken liegend wieder, und Brice war über ihr und kniete zwischen ihren Beinen. Gillian kostete jede einzelne Welle der Leidenschaft aus, die sie durchpulste. Dabei betrachtete sie ihn, sah, wie er den Kopf zurückwarf, ihre Hüften anhob und sich bereit machte, in sie einzudringen – etwas, das für den Mann eindeutig lustvoller war als für die Frau. Sie schloss die Augen, wollte noch einmal den Höhepunkt durchleben, zu dem er sie gebracht hatte, denn sie wusste, dies alles wäre gleich vorbei.

     Und da füllte er sie auch schon aus. Sie hielt den Atem an und konnte weder denken noch sich rühren.

     Aber statt Schmerz wie beim ersten Mal spürte sie nur ihn, spürte, wie groß und hart er war, wie er tief in sie hineinglitt und sich wieder zurückzog. Erneut wallte das pochende, drängende Verlangen in ihr auf. Sie schob sich seinen Stößen entgegen, und Brice schlang sich ihre Beine um die Hüften, beugte sich vor, stützte sich mit den Armen ab und kam ihr so nahe, dass die Haare auf seinem Oberkörper ihre Brüste kitzelten.

     Und es war wundervoll.

     „Besser dieses Mal?“ Er hielt kaum merklich inne, ehe er behutsam tiefer und immer tiefer in sie vordrang.

     „Ja“, hauchte sie. Mehr bekam sie nicht heraus.

     Ohnehin bedurfte ihr Körper keiner Worte. Einmal mehr rauschte ihr das Blut durch die Adern, und ihr Herz schlug so schnell, dass sie es hören und bis zu den Ohren hinauf fühlen konnte. Während er in sie hineinstieß, war ihr, als berste etwas in ihrem Innersten. Sie spürte, wie sich ihr Schoß um ihn zusammenzog, als wolle sie ihn festhalten. Heißer Schweiß trat ihr auf die Haut und perlte ihr von Hals und Rücken. Sie war keines vernünftigen Gedankens mehr fähig. Brice trieb sie mit seinem Körper an, erregte sie so sehr, dass sie bei jeder seiner Bewegungen, unter jeder seiner Berührungen und Zärtlichkeiten erschauerte.

     Sie hörte, wie er sie zu irgendetwas anwies. Ihr Leib folgte ganz ohne ihr Zutun und strebte dem Gipfel der Lust dieses Mal allein und doch mit Brice gemeinsam entgegen. Sie klammerte sich an seinen breiten Rücken und spürte ihn in sich weiter anschwellen und pulsieren. Wie als Antwort darauf kam sie zum Höhepunkt – Woge um Woge durchflutete sie eine Wollust, die zu erleben sie nie erahnt hätte.

     Brice hielt inne, die Miene angespannt. Seine Arme zitterten unter seinem Gewicht und der Anstrengung. Schließlich schlug er die Augen auf und sah Gillian an. „Seid Ihr wohlauf?“, erkundigte er sich.

     Darauf wusste sie nichts zu sagen. Ihr Herz raste, und dann und wann überkamen sie letzte Schauer der Leidenschaft. Sie atmete tief durch und seufzte. „Ich weiß nicht recht.“

     Er lachte und küsste sie federleicht, ehe er von ihr glitt und sich neben ihr ausstreckte. „Ich denke, das war eine weit bessere Vorstellung als heute Morgen.“ Aus seinem Ton sprach männlicher Stolz, der wohl keiner Frau verborgen geblieben wäre.

     Gillian verstand, was ihn zu diesem Akt bewegt hatte, obgleich so viel wichtigere Dinge zwischen ihnen geklärt und beredet werden mussten.

     Zum einen wusste sie, dass das Verlangen bei Männern und der Drang, einer Frau beizuliegen, unmittelbar vor und nach einer Schlacht besonders stark waren.

     Zum anderen war ihr bekannt, dass dieser Mann, ihr Gemahl, aufgrund seiner vergangenen Liebschaften einen gewissen Ruf besaß. Sie hatte von einigen der Frauen im Lager, die ihren Männern nach England gefolgt waren, Gerede aufgeschnappt. Brice war begehrt und galt als jemand, der Weiber in sein Bett zog, wie Honig die Fliegen anlockte. Der nie allein schlief. Der eine Frau niemals unbefriedigt ließ, wenngleich Gillian bis jetzt nicht geahnt hatte, was das bedeutete. Sich seiner Gemahlin ebenso hingebungsvoll zu widmen, wie er sich anderen Frauen widmete, musste daher wichtig für ihn sein – und für seinen Ruf als Liebhaber.

     Er drehte sie auf die Seite und zog sie fest an sich, damit sein Leib ihr in dieser kalten Nacht Wärme spendete. Während sie in den Schlaf glitt, fiel ihr ein dritter Grund ein, aus dem heraus Brice Wonnen wie Trost in ihren Armen gesucht hatte.

     Ihm war bewusst, dass er morgen sterben könnte.

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