Mit Tempo ins große Glück

– oder –

 

Rückgabe möglich

Bis zu 14 Tage

Sicherheit

durch SSL-/TLS-Verschlüsselung

Aufheulende Motoren, schnelle Reifenwechsel, hektisches Treiben am Rande der Rennstrecke: So sieht Kates Leben in Portugal aus, seit sie in dem Team des Formel-1-Weltmeisters Adrian Barton mitarbeitet. Nie hätte sie gedacht, dass Adrian trotz seines knallharten Jobs so zärtlich und sensibel sein kann …


  • Erscheinungstag 18.07.2018
  • ISBN / Artikelnummer 9783733758301
  • Seitenanzahl 130
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

1. KAPITEL

„Katherine, die Leute von ‚Carlisle Flint‘ haben Probleme auf der Teststrecke in Südfrankreich und brauchen dringend die Hilfe eines Treibstofftechnikers“, verkündete Jason Prior, der Leiter des Forschungsteams bei IMP, das an der Entwicklung von Benzinmischungen für den Motorsport arbeitete.

Lächelnd blickte Katherine vom Computerbildschirm auf. „Wann reisen Sie ab?“, erkundigte sie sich bei ihrem Vorgesetzten.

„Gar nicht.“ Er betrachtete sie flüchtig, ein seltsamer Ausdruck lag in seinen blassgrauen Augen. „Diesmal schicken wir unsere jüngste und schönste Mitarbeiterin, nämlich Sie.“

„Die Schönste zu sein ist kein Kunststück, wenn man die einzige Frau im Team ist“, erwiderte Katherine verlegen, da sie nicht gern auf ihr attraktives Aussehen angesprochen wurde.

Sie war hoch gewachsen, hatte eine perfekte, wohlgerundete Figur und lange schlanke Beine. Platinblondes Haar umrahmte ihr fein geschnittenes Gesicht mit den hohen Wangenknochen und den leicht schräg stehenden dunkelbraunen Augen, die einen reizvollen Kontrast zu dem hellen Haar bildeten.

Sie war keine Schönheit im klassischen Sinn, dennoch erregte Katherine bei Männern Aufsehen, obwohl sie versuchte, sie durch betont kühles und abweisendes Verhalten auf Abstand zu halten.

„Warum wollen Sie ausgerechnet mich schicken?“, fragte sie Jason.

„Weil die gegenwärtigen Schwierigkeiten in Ihren speziellen Forschungsbereich fallen“, erklärte er. „Sie sind zwar erst seit einem Jahr bei uns, aber dank Ihrer Arbeit sind wir auf dem besten Weg, das Problem der Verdampfung von Benzin bei hohen Außentemperaturen in den Griff zu kriegen.“ Seine Stimme klang bei diesem Lob so missmutig, als würde er Katherine den Erfolg verübeln. „In Südfrankreich herrscht für Oktober eine außergewöhnliche Hitze, und die Rennwagen von ‚Carlisle Flint‘ bringen nicht die erwarteten Leistungen.“

Nur mit halber Aufmerksamkeit hörte Katherine zu, während Jason ihr weitere technische Einzelheiten erläuterte.

Ich will nicht nach Frankreich, dachte sie aufsässig. Hier im Labor bei meinen Benzinmischungen und Testreihen bin ich völlig zufrieden.

Anfangs hatte Katherine sich bei IMP unsicher gefühlt, doch inzwischen wusste sie, dass die Kollegen sie als vollwertiges Teammitglied anerkannten. Nachdem sie das Chemiestudium mit einer Doktorarbeit über Hochleistungstreibstoffe abgeschlossen hatte, war sie zuerst zu einer kleineren Firma gegangen und dann zu IMP gewechselt, einem riesigen internationalen Konzern, der – neben vielem anderen – Treibstoffe für den Motorsport entwickelte und produzierte, und außerdem das „Carlisle Flint“-Rennteam sponserte.

Katherines Berufswahl hatte allgemein Verwunderung, teils sogar Missbilligung hervorgerufen, da der Motorsport und alles, was damit zusammenhing, noch immer hauptsächlich von Männern beherrscht wurde. Dennoch hatte Katherine sich zielstrebig in dem ungewöhnlichen Beruf durchgesetzt. Nicht etwa, weil sie als attraktive junge Frau eine Ausnahme darstellte, sondern weil sie klaren Verstand, mathematische Begabung und die Fähigkeit besaß, durch immer neue Ideen und Lösungsvorschläge die gemeinsamen Forschungsprojekte des IMP-Teams voranzubringen.

Dass Jason Prior insgeheim auf ihre Erfolge neidisch war, vermutete Katherine schon seit Längerem. Deshalb wunderte es sie, von ihm nach Frankreich geschickt zu werden. Ihre Kollegen rissen sich nämlich förmlich darum, zu den Testrennen fahren zu dürfen, weil das eine angenehme Abwechslung zur eintönigen Laborarbeit darstellte.

„Soll ich allein fahren?“, wollte Katherine wissen, nachdem Jason seine Erläuterungen beendet hatte.

„Ja“, bestätigte er schroff. „Wir anderen können unsere Arbeit nicht so einfach liegen lassen.“

„Und was wird aus meiner derzeitigen Testreihe?“, wandte sie ein.

„Die führe ich erst einmal für Sie weiter“, antwortete er verdächtig eifrig.

Wahrscheinlich will er sie abschließen, während ich weg bin, und selbst das Lob dafür einheimsen, dachte Katherine, insgeheim seufzend. Doch was machte das schon aus? Sie arbeitete in einem Team, und nur dessen Gesamterfolge zählten.

Jason schien ihre Vorbehalte zu spüren und fragte fast aggressiv: „Was haben Sie gegen die Reise, die ohnehin nur zwei, drei Tage dauert? Ihre Kollegen würden mit Freuden fahren.“

„Ich weiß. Warum schicken Sie nicht Jim oder Stan? Die beiden haben viel mehr Erfahrung im Umgang mit dem Rennteam.“

„Genau das ist der springende Punkt. Sie, meine liebe Katherine, haben sich lange genug davor gedrückt, mit den Konstrukteuren und Mechanikern vor Ort stundenlang darüber zu diskutieren, ob die schlechten Leistungen der Rennwagen nun am Treibstoff oder an der Einstellung der Motoren liegen.“ Jason lachte. „Dabei geht es meist hoch her, denn jeder will dem anderen die Schuld zuschieben. Wenigstens wird man Sie wahrscheinlich nicht so grob anschnauzen wie uns Männer.“

„Na gut, Jason. Wann soll ich losfahren?“

„Sofort. Vor dem Rennen in Estoril muss die Ursache des Problems gefunden und behoben sein. Flug und Hotelzimmer sind bereits gebucht. Sie müssen um achtzehn Uhr dreißig in Heathrow einchecken.“

„Sie halten offensichtlich nichts davon, jemandem Zeit für Vorbereitungen zu lassen.“

„Nicht, wenn es sich um unsere perfekte Dr. Katherine Ash handelt“, erwiderte er spöttisch. „Sie können die Unterlagen während des Flugs lesen. Hier ist das Ticket. Packen Sie Sommerkleidung ein. Gestern herrschten an der Rennstrecke zweiunddreißig Grad im Schatten. Und noch etwas.“ Jason lächelte vielsagend. „Wer nur arbeitet, versauert. Also gönnen Sie sich ein bisschen Spaß.“

„Na schön. Aber erst die Arbeit, dann das Vergnügen“, meinte Katherine. „Und keine Sorge, ich werde dem Problem schon auf den Grund kommen – und dabei versuchen, nicht allzu viel männliches Selbstbewusstsein durch meine Kritik zu zerstören.“

„Richtig so. Übrigens würde es nicht schaden, wenn Sie im Umgang mit Männern etwas weniger verkrampft wären. Sie müssen nicht gleich jedem die Augen auskratzen, der feststellt, dass Sie eine attraktive Frau sind.“

Katherine errötete verlegen. „Danke für die Tipps.“ Bevor Jason ihr weitere überflüssige Verhaltensmaßregeln geben konnte, verabschiedete sie sich von ihm und verließ aufatmend das Labor.

Katherine brauchte nicht lange, um das Nötigste zu packen und sich umzuziehen. Zu einem marineblauen Hosenrock wählte sie den passenden Blazer, eine hellgrüne Bluse und dunkelblaue Schuhe mit niedrigen Absätzen.

Nachdem sie Pass und Unterlagen in ihrem Aktenkoffer verstaut hatte, betrachtete sie sich kritisch im Spiegel und war mit ihrem Aussehen zufrieden.

Sie wirkte kühl, beherrscht und kompetent, und genau diesen Eindruck wollte sie vermitteln. Dass es sich dabei nur um eine Fassade handelte, hinter der sich Unsicherheit und Verletzlichkeit verbargen, brauchte niemand zu wissen.

Ich bin Dr. Katherine Ash, fünfundzwanzig Jahre alt, zielstrebig, erfolgreich, an männliche Bewunderung gewöhnt und fähig, damit gelassen umzugehen, sprach sie sich selbst Mut zu.

Trotzdem hatte sie das unbehagliche Gefühl, dass schon bald die scheinbare Selbstsicherheit von ihr abfallen und die wahre Katherine schutzlos und verwundbar zum Vorschein kommen würde.

Und all das wegen Adrian Barton, Weltmeister der Formel-Eins, Fahrer bei „Carlisle Flint“, derzeit in Südfrankreich mit Tests und Training beschäftigt, ehemals bester Freund von Katherines Bruder Eddie – und schuldig an Eddies Tod.

Katherine riss sich zusammen, nahm ihre Sachen und fuhr zum Flughafen.

Nachdem die Maschine abgehoben hatte, lehnte sie sich mit geschlossenen Augen zurück und dachte an das Begräbnis ihres Bruders Eddie.

Fast schmerzhaft genau erinnerte Katherine sich an jenen tristen Regentag vor zehn Jahren, an die zahlreichen Trauergäste, die das Grab umstanden – und an den großen dunkelhaarigen Mann mit den unglaublich blauen Augen, der sich etwas abseits hielt: Adrian Barton.

Während der Pfarrer die schicksalsschweren Worte sprach: „Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub“, hatte Katherine vorwurfsvoll zu Adrian hinübergeschaut. Er hatte aufgeblickt und sie sekundenlang aus schmerzerfüllten Augen angesehen.

Ein seltsames Gefühl hatte sie damals durchzuckt, und bei der Erinnerung daran verspürte sie es wieder. Ob es Schmerz oder Erregung gewesen war, hatte sie nicht sagen können. Sie wusste es auch heute noch nicht.

In wenigen Stunden würde sie den Mann wiedersehen, der dafür verantwortlich war, dass Eddie einen tödlichen Unfall erlitten hatte. Eddies Tod war ein Schock gewesen, den sie und ihre Eltern nie überwunden hatten. Vor allem ihr Vater konnte den Verlust des Sohns nicht verschmerzen. Als junger Mann war William Ash selbst Rennfahrer gewesen, allerdings kein sehr erfolgreicher, und als Eddie dann sozusagen in seine Fußstapfen trat, war er überglücklich gewesen und hatte ihm jegliche Unterstützung gewährt. Wahrscheinlich hatte er gehofft, dass Eddie die Erfolge erzielen würde, die ihm selbst versagt geblieben waren. Doch dann hatte das Schicksal all seine Hoffnungen zerstört.

Katherine seufzte leise. Vor zehn Jahren habe ich für Adrian geschwärmt, doch inzwischen habe ich das überwunden wie eine Kinderkrankheit, redete sie sich ein.

Da Adrian inzwischen Weltmeister der Formel-Eins geworden war und es so aussah, als würde er den Titel ein zweites Mal erringen, berichteten die Medien ständig über ihn. Immer wieder hatte Katherine Fotos von ihm in der Zeitung gesehen und Interviews im Fernsehen und ihn deshalb nie ganz aus dem Gedächtnis streichen können.

Wenn jemand sie gefragt hätte, ob sie sich ihren Beruf ausgesucht hatte, weil sie insgeheim hoffte, irgendwann einmal Adrian in ihrer Funktion als Treibstofftechnikerin zufällig zu begegnen, hätte sie das heftig bestritten. Sie hatte gar kein Interesse daran, ihn wiederzusehen. Warum also wird mir beim Gedanken, ihm noch heute Abend gegenüberzustehen, heiß und kalt? fragte sie sich verwirrt.

Sie wurde immer nervöser, und es war für sie dann fast eine Enttäuschung, als sie in Nizza vom Teammanager Mike Booker abgeholt wurde.

„Guten Abend, Dr. Ash“, begrüßte er sie strahlend. „Schön, Sie endlich kennenzulernen. Wir haben schon viel von Ihnen gehört.“

„Ach ja?“, erwiderte sie verlegen.

„Und ob. Sie sind der Liebling der IMP-Leute, und jetzt verstehe ich auch, warum.“

Katherine versuchte, seinen bewundernden Blick nicht zu beachten, wurde aber trotzdem rot. Sie musste sich zusammenreißen, um vernünftig darauf zu reagieren. „Nett von Ihnen, das zu sagen“, erklärte sie und lächelte Mike kühl an. „Allerdings gibt es im Labor keine Konkurrenz.“

Außer Bewunderung schien Mike auch Neugier zu empfinden, doch er hielt sie im Zaum, bis sie im Auto saßen. „Was hat Sie veranlasst, etwas so Ausgefallenes wie Treibstofftechnikerin zu werden?“, erkundigte er sich. „Mit Ihrem Aussehen hätten Sie Karriere als Fotomodell machen können.“

„Nicht als Fotomodell …“ Sie machte bewusst eine Pause. „Die müssen gertenschlank sein, um nicht zu sagen, flach wie ein Bügelbrett, und das bin ich nun einmal nicht.“

„Wie wahr!“ Mike konnte sich anscheinend kaum aufs Fahren konzentrieren, und das Auto geriet in einer scharfen Kurve leicht ins Schleudern.

„Achten Sie lieber auf die Straße als auf meine Figur“, rief Katherine ungehalten.

„Jawohl, Gnädigste! Übrigens haben Sie meine Frage noch nicht beantwortet. Warum haben Sie sich ausgerechnet diesen Beruf ausgesucht?“

„Warum nicht? Ich habe ein Diplom in Chemie, wollte einen interessanten Job und arbeite gern in einem Team. Die Entwicklung von Treibstoffen ist ein Forschungsbereich mit Zukunft. Hinzu kommt, dass mein Vater früher mehrere Autowerkstätten besaß, also haben Autos in meinem Leben schon immer eine Rolle gespielt.“

„Selbst dann …“ Neugierig warf er ihr einen kurzen Blick zu. „Es gab doch sicher genug andere, für eine Frau besser geeignete Jobs.“

„Meinen Sie zum Beispiel Chemielehrerin an einer Mädchenschule oder Sekretärin eines Professors?“, erwiderte sie sarkastisch und strich sich gereizt das Haar aus der Stirn. „Ich bin zwar keine fanatische Feministin“, fuhr Katherine missmutig fort, „aber allmählich bin ich solche Bemerkungen echt leid. Weshalb sollte eine Frau sich nicht für Treibstoffe interessieren? Die Entwicklung von Benzinmischungen mit hoher Leistung bei möglichst geringem Schadstoffausstoß ist in den letzten Jahren zu einer wichtigen Aufgabe geworden. Und für ein Rennteam wie ‚Carlisle Flint‘ zu arbeiten, finde ich faszinierend.“

„Schon gut!“ Kurz hob Mike beide Hände vom Steuer. „Ich wollte Sie nicht kränken.“

Katherine seufzte. „Wenn Sie wüssten, wie sehr es mich langweilt, immer wieder dieselbe Frage beantworten zu müssen.“

Er lachte reumütig. „Tut mir leid, daran hätte ich denken sollen. Jedenfalls hält Ihr Vorgesetzter viel von Ihren Fähigkeiten, deshalb hat er Sie ja auch hierher geschickt.“

Das war ein guter Anknüpfungspunkt, um zu Sachfragen überzuleiten. „Es gibt Probleme mit der Motorleistung?“, erkundigte Katherine sich.

„Das kann man wohl sagen“, erwiderte Mike und schilderte die Schwierigkeiten in groben Umrissen. Sie unterhielten sich angeregt, bis sie vor dem Hotel ankamen, in dem das gesamte Team untergebracht war. Mike half ihr beim Aussteigen und lud sie noch zu einem Drink ein, doch sie lehnte mit der Begründung ab, sie wolle lieber sofort auf ihr Zimmer gehen und die anderen erst am nächsten Morgen kennenlernen.

Nachdem Katherine sein Angebot, ihr das Gepäck zu tragen, abgelehnt hatte, wünschte Mike ihr eine gute Nacht, beobachtete amüsiert, wie sie ihre Tasche zur Rezeption schleppte, und verschwand in die Bar.

Katherine ließ sich den Schlüssel aushändigen und erkundigte sich, ob es Zimmerservice gab, denn da sie im Flugzeug nichts gegessen hatte, verspürte sie plötzlich Hunger.

Als sie erfuhr, dass das Restaurant noch geöffnet hatte, beschloss sie, dort zu essen. Kurz darauf saß sie im Speisesaal, der von der Bar nur durch eine halb hohe Wand getrennt war, sodass sie jedes Wort hören konnte, das nebenan gesprochen wurde. Nachdem der Kellner ihr ein Glas Weißwein serviert hatte, trank sie einen großen Schluck und versuchte sich zu entspannen. Plötzlich vernahm sie Mikes Stimme, die sich über den Lärm in der Bar erhob.

„Katherine ist in ihr Zimmer gegangen, weil sie müde ist.“

Raues Gelächter erklang, jemand rief: „Das kannst du deiner Großmutter erzählen“, und es wurden einige anzügliche Bemerkungen gemacht, bevor es wieder leiser wurde.

„Na los, Mike, erzähl mal. Ist sie tatsächlich so toll, wie die Leute vom Labor behaupten?“

„Sie ist ausgesprochen attraktiv, aber macht euch keine falschen Hoffnungen, sie ist sehr abweisend“, erklärte Mike.

„Damit willst du doch nur sagen, dass sie deinem ziemlich veralteten Charme nicht sofort verfallen ist.“ Wieder ertönte schallendes Gelächter.

„Leider muss ich zugeben, dass sie von mir nicht besonders beeindruckt zu sein schien“, erwiderte Mike gut gelaunt.

Katherine errötete, als sie hörte, wie er ihretwegen geneckt wurde. Dann wurden schon das Omelett, eine Schüssel knackiger grüner Salat und frische, knusprige Baguettes serviert. Beim Essen überlegte sie, ob sie sich nachher doch noch den Leuten vom „Carlisle Flint“-Team anschließen oder lieber gleich in ihr Zimmer gehen sollte. Es müsste Spaß machen, die Männer wissen zu lassen, dass ich ihre Bemerkungen gehört habe, dachte sie.

Ja, ich gehe noch in die Bar, beschloss Katherine und spürte ein eigenartiges Kribbeln in der Magengegend. Ob Adrian auch nebenan saß? Seine Stimme war jedenfalls noch nicht zu hören gewesen.

Nachdem sie ihre Mahlzeit beendet hatte, rief Katherine den Kellner und teilte ihm mit, dass sie noch gern einen Kaffee in der Bar trinken würde.

Anschließend stand sie auf und ging zum Barraum. Sie entdeckte Mike inmitten der größten und lautesten Gruppe von Gästen, die außerdem die einzigen waren, die Englisch sprachen. Scheinbar ungerührt musterte Katherine die Männer, obwohl sie ziemlich nervös war. Dann stellte sie erleichtert und zugleich enttäuscht fest, dass Adrian nicht bei ihnen war.

Niemand pfiff anerkennend, als sie an der Tür auftauchte, doch das plötzliche Schweigen war sehr viel sagend. Lächelnd blickte sie zu Mike Booker.

„Hallo!“, sagte sie freundlich und ging anmutig auf die Männer zu. „Ich bin doch noch nicht in mein Zimmer gegangen, wie Sie sehen, Mike. Darf ich mich zu Ihnen setzen, während ich meinen Kaffee trinke?“

„Ja, sicher, Katherine … das heißt, Dr. Ash, ich …“ Mike stand auf, und man konnte ihm deutlich ansehen, dass er sich fragte, wie viel von dem vorhergehenden Gespräch der Männer sie mit angehört hatte.

„Sagen Sie ruhig Katherine zu mir“, bot sie an. Als der Kellner mit ihrem Kaffee erschien, amüsierte es sie festzustellen, dass etwa zwanzig Männer aufsprangen, um ihr einen Stuhl anzubieten. Der Ober stellte die Tasse auf den Tisch und zog dann schwungvoll vom Nebentisch einen Stuhl heran, damit Katherine sich setzen konnte.

Mike stellte sie den anderen vor, und sie begnügte sich mit einem freundlichen Lächeln, es waren einfach zu viele, um jedem die Hand zu schütteln.

„So, nun haben Sie fast alle kennengelernt. Einige Mitglieder des Teams fehlen allerdings heute Abend“, erklärte er. „Äh, nun … wann sind Sie denn wieder heruntergekommen?“

„Ich bin gar nicht in mein Zimmer gegangen, sondern habe nebenan im Speisesaal noch eine Kleinigkeit gegessen“, informierte Katherine ihn schadenfroh.

„Ach du liebes bisschen“, murmelte Mike, und sie lachte über seine Verlegenheit.

„Wie ich mitbekommen habe, konnten Sie alle es kaum erwarten, mich kennenzulernen, daher wollte ich Sie nicht bis morgen warten lassen“, erklärte Katherine gelassen.

„Sie haben uns also gehört?“ Dino Tremiti, der zweite Rennfahrer des Teams, lehnte sich vor, seine braunen Augen glitzerten fröhlich.

„Das habe ich“, bestätigte sie.

„Können Sie uns verzeihen?“, bat Mike.

„Was denn?“, erwiderte sie gleichmütig. „Sie haben nichts gesagt, das mich kränken könnte oder dem ich widersprechen müsste. Ich hoffe nur, ich werde Ihren Erwartungen gerecht.“

„Sie übertreffen sogar unsere kühnsten Vorstellungen!“ Dino stand auf, nahm ihre Hand und drückte galant einen Kuss darauf, wobei er Katherine lächelnd in die Augen blickte.

Sie lächelte ihn ebenfalls an, und als die anderen merkten, dass sie ihnen nicht böse war, entspannten sie sich und akzeptierten sie als gleichrangiges, wenn auch ungewöhnlich attraktives, neues Teammitglied. Bald darauf redeten alle über die Arbeit.

Katherine war im Moment die einzige Frau beim Team, da nur Testfahrten gemacht wurden. Die Sekretärinnen und die jungen Frauen, die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig waren, wurden erst zum eigentlichen Rennen erwartet. Obwohl man sie wie eine Kollegin behandelte, spürte Katherine, dass die meisten der anwesenden Männer ihre beruflichen Fähigkeiten anzweifelten.

Es ist wieder das Übliche, dachte sie seufzend. Warum nur glauben Männer selbst heutzutage noch, dass eine attraktive Frau ihren Job nicht ernst nimmt? Sie würde sich besonders anstrengen müssen, um ihr fachliches Können zu beweisen und sich so den Respekt der anderen zu sichern. Deshalb stand sie nach einer halben Stunde auf, um schlafen zu gehen, damit sie am nächsten Tag ausgeruht war.

„Morgen möchte ich früh auf die Teststrecke“, wandte Katherine sich an Mike. „Könnte mich jemand hinbringen?“

„Das mache ich selbst“, versicherte er.

„Gut. Ich möchte die Computerausdrucke der heutigen Testfahrten sehen und mit den Fahrern sprechen“, fuhr sie sachlich fort.

„Wenn Sie wollen, kann ich Ihnen die Unterlagen sofort geben, falls Sie schon jetzt einen Blick darauf werfen möchten“, bot Mike an, und Katherine nickte. „Morgen treffen wir uns um acht Uhr und brechen sofort auf, wenn es Ihnen recht ist.“

„Das passt mir ausgezeichnet.“ Sie lächelte alle freundlich an und ging, von Mike begleitet, hinaus. Sobald sie die Bar verlassen hatten, entschuldigte er sich für die anzüglichen Bemerkungen, die Katherine gehört haben musste, als sie im Speisesaal saß.

„Vergessen Sie es, Mike“, beruhigte sie ihn. „Da ich schon seit Längerem ausschließlich mit Männern zusammenarbeite, bin ich daran gewöhnt, dass sie sich unnötig den Kopf über mich und mein Privatleben zerbrechen. Aber erinnern Sie bitte Ihre Leute daran, dass ich die Stelle bei IMP wohl kaum bekommen hätte, wenn ich der Arbeit nicht gewachsen wäre. Die Treibstoffmischung, die sie momentan testen, ist hauptsächlich von mir entwickelt worden – natürlich in Zusammenarbeit mit dem ganzen Laborteam – und deshalb hat Jason mich hergeschickt.“

Mike betrachte sie respektvoll. „Alle Achtung! Dann können wir von Ihnen ja noch etwas lernen. Ich werde es an die Kollegen weitergeben. Übrigens brauchen Sie nicht zu befürchten, dass man Sie belästigt …“

„Das tue ich nicht, denn ich bin durchaus fähig, mich gegen Belästigungen zur Wehr zu setzen“, erklärte sie ziemlich scharf und sah an Mikes bestürzter Miene, dass sie zu heftig reagiert hatte.

„Tut mir leid“, entschuldigte Katherine sich steif. „Aber ich erwarte nicht, dass man mich mit Samthandschuhen anfasst. Es wird keine Probleme geben, wenn Sie alle mich einfach als Expertin ansehen und vergessen, dass ich eine Frau bin.“

„Das zu vergessen wird uns schwer fallen“, erwiderte er galant. „Aber ich werde es den anderen sagen. Gute Nacht.“ Er trug noch ihre Tasche zum Lift und ging dann.

Im dritten Stock stieg sie aus und fand gleich ihr Zimmer, denn das Hotel war nicht groß. Da sie sehr müde und unkonzentriert war, glückte es ihr nicht sofort, den Schlüssel ins Türschloss zu schieben.

„Mir scheint, Sie brauchen Hilfe“, erklang plötzlich eine tiefe, vertraute Männerstimme. Katherine erstarrte. Wie aus dem Nichts aufgetaucht, stand Adrian Barton neben ihr.

Widerspruchslos ließ sie es zu, dass er ihr den Schlüssel abnahm, ins Schloss schob und die Tür öffnete.

„Na bitte, kein Problem.“

Katherine lächelte ihn mechanisch an, während er sie bewundernd und zugleich prüfend musterte.

„Ich glaube, wir kennen uns noch nicht, oder?“, fragte Adrian.

Katherine war enttäuscht, weil er sie nicht wiedererkannte, freute sich aber, weil er sich offensichtlich für sie interessierte. Vor lauter Verwirrung wusste sie nicht, was sie antworten sollte.

Schweigend blickte sie zu ihm auf und war sich augenblicklich seiner atemberaubenden erotischen Anziehungskraft und der vitalen, selbstsicheren Ausstrahlung bewusst, die von ihm ausging. Er war jetzt Anfang Dreißig und wirkte noch attraktiver als vor zehn Jahren. Um die tiefblauen Augen unter den dunklen Brauen hatten sich feine Lachfältchen gebildet, aber das dunkle Haar war noch genauso dicht wie früher, und auf den schön geschwungenen Lippen lag das leicht ironische Lächeln, an das Katherine sich so gut erinnerte.

Doch Adrian schien sich überhaupt nicht an sie zu erinnern. Na schön, sie würde seinem Gedächtnis nicht auf die Sprünge helfen. Er betrachtete sie amüsiert unter hochgezogenen Brauen. An Frauen, denen es bei seinem Anblick die Sprache verschlug, war er offensichtlich gewöhnt. Aber sie würde ihm schon zeigen, dass sie nicht von ihm begeistert war. Wie hatte er sie nur völlig vergessen können? Immerhin war sie die Schwester seines besten Freunds gewesen, dessen Tod er auf dem Gewissen hatte.

Dieser Gedanke half Katherine, kühl zu bleiben – oder sich wenigstens so zu verhalten. „Nein, wir kennen uns nicht“, log sie. „Danke für Ihre Hilfe, auch wenn sie nicht nötig war“, fuhr sie abweisend fort, ging schnell ins Zimmer und wollte die Tür schließen. Bei jedem anderen Mann wäre ihr das gelungen, doch Adrian besaß als Rennfahrer erstklassiges Reaktionsvermögen. Bevor die Tür geschlossen war, hatte er einen Fuß in den Spalt gestellt.

„He, warten Sie einen Moment“, protestierte Adrian. „Ich wollte mich noch vorstellen.“

Katherine zog die Tür wenige Zentimeter zurück. „Guten Abend, Mr. Barton. Sie brauchen sich nicht vorzustellen, wie Sie selbst wohl am besten wissen. Würden Sie jetzt bitte den Fuß wegnehmen?“

Adrian dachte nicht daran. „Sie haben mir noch nicht Ihren Namen gesagt“, erinnerte er sie.

„Sie können sich ja bei der Rezeption erkundigen, wer in Zimmer 302 wohnt“, erwiderte Katherine scharf. „Wenn Sie nicht wollen, dass ich den Direktor rufe und einen Aufruhr verursache, dann lassen Sie mich jetzt in Ruhe.“

„Nur, wenn Sie versprechen, morgen Mittag mit mir zu essen“, forderte Adrian unbeeindruckt.

Autor

Kristy Mccallum
Mehr erfahren