8. KAPITEL

Antonio legte seinen starken Arm um Sophies Taille und wollte sie zum Ausgang geleiten, doch dann fiel Sophie ein, dass sie den Nachtclub wohl kaum verlassen konnte, ohne sich von Reina zu verabschieden. Das sagte sie auch Antonio und verschwand.

     "Entschuldige, Reina, aber ich muss gehen."

     "Ich weiß, ich habe Antonio ankommen sehen", erwiderte die elegante Brünette trocken.

     Zuerst lächelte Sophie erleichtert, aber dann fragte sie sich, ob sie bei Antonios Ankunft vielleicht etwas gelassener hätte reagieren sollen. Doch als sie in der Limousine saß und Antonio ihre Hand nahm, dachte sie nicht mehr daran, ihm die kalte Schulter zu zeigen. "Antonio …", flüsterte sie stattdessen mit unsicherer Stimme, "küss mich!"

     Normalerweise tauschte Antonio im Beisein seines Chauffeurs keine Zärtlichkeiten mit einer Frau aus. Doch nun sah er in Sophies schönes Gesicht, während sie mit inniger Hingabe seinen Blick erwiderte, und ihre verlockend sinnlichen Lippen erschienen ihm nur allzu verführerisch. Als sie dann auch noch die Arme um ihn schlang, sah Antonio sie schon halb nackt vor sich – hier auf den Ledersitzen. Seine Eifersucht war im Nu vergessen, nur zu gerne hätte er auf der Stelle seinem leidenschaftlichen Verlangen nachgegeben.

     Antonio zog Sophie an sich und gab ihr einen zärtlichen Kuss, der sich bald in einen intensiven Zungenkuss verwandelte. Sophie gab sich ihm in freudiger Erregung hin.

     Am liebsten hätte Antonio seine Fantasien tatsächlich hier im Wagen ausgelebt. Aber schließlich unterdrückte er diesen Wunsch, auch wenn es ihn größte Überwindung kostete. "Wir müssen uns beherrschen, bis wir zu Hause sind", sagte er atemlos.

     Sophie wurde erst in diesem Moment bewusst, dass der Chauffeur sie sehen konnte. Am liebsten wäre sie im Erdboden versunken. Warum machte sie sich in Antonios Beisein eigentlich immer lächerlich? Lernte sie denn nie dazu?

     Unterdessen war Antonio zu dem Schluss gekommen, dass es das Beste wäre, sich mit Sophie zu unterhalten, um der Versuchung zu widerstehen. "Das Kleid steht dir wirklich ausgezeichnet."

     Sophie lächelte wieder und bedankte sich für das unerwartete Kompliment.

     "Aber … so solltest du nicht mit einer Horde von Singles in einem Nachtclub verkehren."

     Erstaunt zog sie die Brauen zusammen. "Warum nicht?"

     "Josias Marcaida ist ein Frauenheld und –"

     "Ach, das weiß ich doch", fiel ihm Sophie ins Wort. "Reina hat mich schon vor ihm gewarnt. Aber sie hat auch gesagt, dass er im Vergleich zu dir harmlos sei."

     Antonio erstarrte. Auf diese Antwort war er nicht vorbereitet. "Ich glaube nicht, dass du mit anderen Familienmitgliedern über mich reden solltest."

     Sophie presste die Lippen zusammen, entzog Antonio ihre Hand und rückte unwillkürlich von ihm ab. "Na schön … dir gefällt es also nicht, wenn ich in einen Nachtclub gehe."

     "Nun", erklärte Antonio, während der Chauffeur den Wagen vor dem Stadthaus zum Stehen brachte, "ich denke, was ich dir zu sagen habe, lässt sich in einem einfachen Satz auf den Punkt bringen: Du bist nicht länger Single, sondern meine Frau."

     Sophie atmete tief durch, denn nur so war sie imstande, den Wagen zu verlassen, der an der Tür wartenden Haushälterin zuzulächeln und die Treppe zu den Schlafzimmern hinaufzugehen – ohne vorher zu explodieren.

     "Sophie …!", sagte Antonio ruhig, aber bestimmt.

     Noch auf der Treppe wirbelte sie zu ihm herum. "Wir haben Abmachungen getroffen, die übrigens deine Idee waren. Du hast mir gesagt, du wolltest weiterhin deine Freiheit genießen. Das bedeutet ja wohl auch, dass du nichts dagegen haben kannst, wenn ich mir meine nehme." Sophie war so empört, dass sie ihr eigentliches Ansinnen, Antonio zurückzugewinnen, ganz vergaß. "Richtig?"

     "Falsch. En realidad … Als ich dich heute Abend mit einem anderen Mann tanzen sah, wurde mir klar, wie falsch das war."

     "Ich hör wohl nicht richtig."

     "Du bist meine Frau. Du trägst meinen Ring am Finger. Du lebst in meinem Haus. Da kannst du nicht mehr so tun, als wärst du noch Single. Das widerspricht sich."

     "So wie ein Ehemann, der tun und lassen kann, was er will?", konterte Sophie zuckersüß.

     "Ein guter Einwand", meinte Antonio und fügte mit breitem Lächeln hinzu: "Jedes Mal, wenn du mit mir schimpfst, querida, habe ich das Gefühl, verheiratet zu sein."

     Aber Sophie ließ sich dadurch nicht vom Thema abbringen. "Inzwischen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass für mich nicht einfach andere Regeln gelten können als für dich."

     "Aber diese Ansicht vertrete ich ja auch überhaupt nicht mehr."

     "Seit wann das denn?"

     "Seitdem wir unsere Ehe vollzogen haben. Seit dieser Nacht habe ich eingesehen, dass meine Freiheitsansprüche dir gegenüber unfair und unrealistisch waren. Du bist unglaublich verführerisch und übst einen wahnsinnigen Reiz auf mich aus. Während ich weg war, habe ich ständig dagegen angekämpft", sagte Antonio zerknirscht, "aber es ist mir nicht gelungen."

     Sophie hörte erstaunt zu … und glaubte ihm nicht. Warum war er denn dann am Telefon so kalt gewesen? Außerdem wollte sie ihm nicht wieder nachgeben und danach die Dumme sein. Deshalb erklärte sie jetzt tapfer: "Wir brauchen von nun an nur vernünftig zu sein und uns an unsere Vereinbarungen zu halten, dann werden wir bald vergessen, was geschehen ist."

     Seine Augen blitzten. "Da gibt es aber ein Problem: Ich kann unsere Hochzeitsnacht nicht vergessen, und ich kann auch nicht die Finger von dir lassen."

     "Wie bitte?"

     "Das ist alles nicht vernünftig und hat auch nichts mit unseren Abmachungen zu tun, aber ich will jetzt einfach mit dir zusammen sein."

     "Aber … so war das nicht vorgesehen", murmelte Sophie abwehrend, denn sie konnte immer noch nicht glauben, dass Antonio tatsächlich meinte, was er da sagte.

     "Aber so soll es sein", erklärte er mit ernster Miene. "Lass uns fürs Erste doch einfach genießen, dass wir verheiratet sind."

     Aha, da war der Haken: Antonios Angebot bezog sich nur auf eine begrenzte Zeit.

     "Heute Abend hätte ich es zum Beispiel gern gesehen, wenn du mich vom Flughafen abgeholt hättest", gestand er ihr jetzt, damit Sophie fürs nächste Mal Bescheid wusste. "Als du nicht da warst, beschloss ich, nicht ohne dich nach Hause zu fahren. Vielleicht habe ich mir selbst erst in diesem Moment eingestanden, wie sehr ich mich darauf gefreut hatte, dich wiederzusehen."

     Unwillkürlich trat Sophie wieder näher an ihn heran. Dass er von ihr abgeholt werden wollte, war doch wirklich süß, und sie hätte es nie erwartet. "Wieso hast du denn so selten angerufen?"

     "Du hast meine Anrufe irgendwie gemieden."

     Sophie errötete. "Ja, weil du immer so kühl wirktest."

     "Ich hatte mit mir selbst zu kämpfen, querida. Jetzt nicht mehr, und es wird auch nicht wieder vorkommen", versprach Antonio heiser.

     Sophie fühlte sich unsäglich erleichtert, sogar nahezu beschwingt, und erwiderte glücklich seinen Blick. So hätte sie ewig verweilen können, denn sie liebte Antonio. Und deshalb sollte sie sich auch mit dem begnügen, was er ihr zu geben bereit war, anstatt ewig auf das Unmögliche zu warten. Er würde sie niemals bitten, seine Frau zu bleiben, denn was er für sie empfand, war keine Liebe, sondern nur Lust. Außerdem, dachte Sophie gleich darauf bedauernd, hätten sie ohnehin keine gemeinsame Zukunft. Vielleicht war Antonio jetzt noch nicht bereit, sesshaft zu werden und eine Familie zu gründen. Irgendwann würde er sich aber wünschen, seinen Titel und sein Erbe an ein eigenes Kind weiterzugeben. Dazu brauchte er eine Frau, die ihm auch Kinder gebären konnte – für sie, Sophie, ein Ding der Unmöglichkeit.

     Antonio hatte durchaus bemerkt, dass Sophie etwas auf dem Herzen hatte. Tröstend drückte er sie an sich und murmelte: "Du siehst unglücklich aus."

     "Nein … nein, das bin ich gar nicht", beeilte sich Sophie zu sagen, ehe sie sich auf die Zehenspitzen stellte, um ihm die Krawatte zu lösen.

     Doch Antonio ließ sich nicht ablenken. Er hielt ihre flinken Finger fest, drehte ihre Handflächen zu sich und drückte einen Kuss hinein. Dann sah er Sophie wieder an, aber noch immer lag ein trauriger Ausdruck auf ihrem Gesicht. "Was ist los?"

     "Es ist ein Geheimnis … nichts, was dich interessieren würde."

     Antonio neigte seinen Kopf und strich mit der Zungenspitze über Sophies zartrosa Lippen. Sophie hielt den Atem an, und ihre Knie wurden weich. "Wenn es sich bei dem Geheimnis um ein Problem handelt", meinte er dann, "bestehen gute Chancen, dass ich es für dich lösen könnte."

     "Dieses spezielle Problem wohl nicht."

     "Doch, vertrau mir!" Kaum hatte Antonio dies ausgesprochen, kam ihm allerdings in den Sinn, dass Sophie vielleicht betrübt war, weil sie keine Kinder bekommen konnte. Darüber wollte er jetzt allerdings nicht weiter nachdenken. Dabei war es gar nicht seine Art, Probleme zu verdrängen. Wieso er es trotzdem tat, vermochte er genauso wenig zu analysieren. Es war eine rein gefühlsmäßige Entscheidung.

     "Nein … ich kann es dir nicht sagen." Ihre Stimme klang undeutlich, denn Sophie barg ihr tränenfeuchtes Gesicht an seiner Brust und versuchte, ihre Gedanken zu ordnen. Es bestand keine Notwendigkeit, Antonio zu erzählen, dass sie unfruchtbar war. Die Menschen neigten dazu, eine Frau nur noch als halben Menschen zu betrachten, wenn sie erfuhren, dass sie keine Kinder bekommen konnte. Und viele Männer fanden eine solche Frau dann eher unattraktiv.

     "Eines Tages wirst du dich mir anvertrauen, gatita", prophezeite Antonio, bevor er Sophie in die Arme schloss und hochhob. Dabei drückte er sie fest an seinen muskulösen Oberkörper und gab ihr einen leidenschaftlichen, innigen Kuss. Seine Umarmung nahm ihr den Atem, aber Sophie gefiel diese stürmische Bekundung seiner Stärke und seiner Beschützerqualitäten.

     Antonio legte Sophie behutsam auf das Bett und zog sich dann an Ort und Stelle Jackett und Krawatte aus.

     Währenddessen fragte Sophie schüchtern: "Und seitdem hat es auch wirklich keine andere gegeben …?"

     Antonio sah lächelnd zu ihr hinunter. "Zum ersten Mal, seitdem ich erwachsen bin, habe ich absolut keusch gelebt", antwortete er dann, ehe er sich auch seines Oberhemdes entledigte.

     Sophie streifte sich ihre Schuhe ab und lehnte sich gegen die Kissen. Sie straffte die Schultern, winkelte ihre Beine an und brachte somit ihr Dekolleté und ihre langen, wohlgeformten Beine zur Geltung.

     "Diese verführerische Pose hast du doch heimlich geübt", sagte Antonio in scherzhaftem Ton, konnte jedoch seinen Blick nicht mehr von Sophie lösen.

     Aufreizend langsam senkte Sophie eine Schulter, sodass ein Träger ihres Kleides herunterrutschte und der Ansatz ihres Busens sichtbar wurde.

     "Und die Mühe zahlt sich aus", erklärte Antonio beeindruckt. Plötzlich befiel ihn jedoch ein Verdacht. "Oder hast du sie bereits an jemand anderem getestet?"

     Erschrocken sah Sophie ihn an. "Natürlich nicht … ich habe mich auch benommen."

     Antonio atmete erleichtert aus. "Ich hätte schon vor mehr als einer Woche zurückfliegen und hier nach dem Rechten sehen sollen."

     "Vielleicht warst du da noch nicht bereit dafür."

     Ob er jetzt für diese enorm vielfältige neue Lebenssituation bereit war, die sich so ganz anders gestaltete als sein bisheriges Leben, vermochte er nicht zu sagen. Er hatte diese Entwicklung nicht vorhergesehen, aber wenigstens fühlte er sich inzwischen wieder Herr der Lage. Antonio betrachtete Sophie mit unverhohlenem Stolz und konnte gar nicht verstehen, dass er sie bisher immer nur für "ganz hübsch" gehalten hatte. Ihre Gesichtszüge waren edel, ihre klaren Augen wunderschön, und ihre Haut makellos und samtweich.

     "Wieso siehst du mich so an?", flüsterte Sophie ängstlich.

     "Weil ich dich gern betrachte, querida", murmelte Antonio heiser, wobei er sich auf der Bettkante niederließ und Sophie auf seinen Schoß zog.

     Als er begann, die Häkchen zu öffnen, die das Oberteil ihres Kleides zusammenhielten, überkam sie ein Kribbeln. Er strich den hauchdünnen Stoff zur Seite und entdeckte, dass sie keinen BH trug. Sophie hielt den Atem an, während sie überdeutlich spürte, wie sich die Haut an ihren bloßen Brüsten spannte und die rosigen Knospen hervortraten.

     "Du bist einfach perfekt", stöhnte Antonio, beugte sich über sie und übersäte ihren zarten Oberkörper mit kleinen leidenschaftlichen Küssen, bis Sophie leise aufstöhnte. "Während ich weg war, habe ich die ganze Zeit daran gedacht, mit dir zu schlafen … Und nachts habe ich kaum ein Auge zugetan, so sehr hast du mir gefehlt."

     "Ich habe jede Nacht von dir geträumt", sagte Sophie atemlos.

     Antonio ließ Sophie von seinem Schoß gleiten, stellte sie vor sich hin und streifte ihr zuerst das Kleid und dann ihren rosa Slip ab. Während er sie auszog, sah Sophie ihn mit großen Augen und geröteten Wangen an. Antonio schaute ihr tief in die Augen und schob eine Hand zwischen ihre Schenkel. Sophie war so erregt und angespannt zugleich, dass ihr die Beine zitterten. Behutsam erkundete Antonio ihren Venushügel und flüsterte drängend: "Enamorada, empfange mich, umfange mich", während er Sophie bereits wieder zu sich ins Bett zog.

     Ihr Herz schlug wie wild, und es verlangte sie geradezu schmerzlich nach Antonio. Auch er war über alle Maßen erregt und drang sofort in sie ein. Sophie schlang die Arme um ihn und küsste ihn leidenschaftlich. Antonio bewegte sich immer schneller in ihr, und Sophie verlor sich in einer Welt wollüstiger Selbstaufgabe. Als sie gemeinsam den Höhepunkt erreichten, klammerte sich Sophie laut stöhnend an Antonio.

     "Du bist fantastisch", raunte er ihr ins Ohr und hielt sie ganz fest.

     Sophie lächelte entrückt und genoss das Nachbeben ihrer Ekstase.

     "Aber das Allerbeste ist, dass du mein bist."

     "Für eine Weile zumindest", warf Sophie ein, ohne groß darüber nachzudenken, einfach nur, um es sich selbst auch wieder ins Gedächtnis zu rufen.

     "Das könnte eine sehr lange Weile werden."

     "Ja", dachte Sophie traurig, "aber das wird wohl nicht der Fall sein". Plötzlich nahmen ihre Gedanken jedoch einen ganz anderen Verlauf: Wenn sie miteinander schliefen, hatten bislang weder sie noch Antonio an Verhütung gedacht. Das sagte sie ihm jetzt auch. "Ich nehme nicht die Pille, weißt du, und … nun ja, wir haben überhaupt nicht aufgepasst."

     Antonio schwieg zunächst, machte sich aber große Vorwürfe, denn er wollte nicht, dass Sophie erführe, dass er von ihrer Unfruchtbarkeit wusste. "Mein Fehler …", sagte er dann, "ich dachte, nun … dass du vielleicht dafür gesorgt hättest."

     "Nein", meinte Sophie nur und schmiegte den Kopf wieder an seine Schulter. Und zum ersten Mal in ihrem Leben spielte sie mit dem Gedanken, vielleicht doch schwanger werden zu können. Als sie zwölf Jahre alt war, hatte ihr Vater ihr erzählt, dass die Ärzte der Meinung seien, sie könne nie Kinder bekommen.

     "Gibt es denn nicht wenigstens eine kleine Chance?", hatte sie damals gefragt.

     "Ja, schon, aber keine große", hatte ihr Vater geantwortet. "Mach dir deswegen bloß keine Sorgen! Kinder ruinieren einem nur das Leben. Ohne bist du besser dran."

     "Ich habe mir ein paar Wochen freigenommen", sagte Antonio jetzt und hoffte, lässig zu klingen, damit Sophie von dem anderen Thema abkam. "Ich muss mehr Zeit mit dir und Lydia verbringen."

     Sophie seufzte zufrieden und strich ihm zärtlich über seinen muskulösen Oberkörper. "Ja, das glaube ich auch."

     Er drückte sie sanft in die Kissen zurück und beugte sich über sie, während er ihr tief in die Augen sah. Sophie war hingerissen von seinem Lächeln. Dieses umwerfende, charismatische Lächeln galt ihr allein und bedeutete, dass ihm im Augenblick nichts wichtiger war als sie. Für Sophie ging ein Traum in Erfüllung, und sie verdrängte alle Zweifel und Ängste und gestattete sich, den Traum auch zu leben.