5. KAPITEL

Zoe musste sich zwingen, nicht ins Restaurant zurückzulaufen, um Dex zu sagen, dass er ihre Freundschaft vergessen und sie hier und jetzt lieben sollte.

Aber das wäre total verrückt. Schließlich hatte Zoe in ihrem Leben nicht gerade viele Freunde gehabt, und sie wollte es nicht riskieren, einen alten Freund über eine kurze Affäre zu verlieren. Aber zählte sie überhaupt noch als Freundin? Sie empfand die Freundschaft mit Dex längst nicht so stark wie das Verlangen nach ihm. Und was für eine Freundin war sie, wenn ihre Spekulationen über die Talente von Dex’ Händen sie davon abhielten, sich ausgiebig nach seinem Tun und Treiben zu erkundigen? Sie fragte sich, ob er Gandalf sein könnte. Nein. Erstens hatte er die letzten Jahre im IT-Bereich gearbeitet. Und zweitens war Dex immer der absolute Computerfreak gewesen. Ein Mathe- und Physikgenie, aber total unkreativ. Definitiv nicht der Typ, der Fantasy-Videospiele entwickelte.

Seinen dürftigen Informationen nach war er wahrscheinlich arbeitslos. Pleite? Waren diese großen Träume von Erfolg und Ruhm im Staub der Realität zertrampelt worden? Hatte er sich deshalb zuerst so merkwürdig benommen? Genierte er sich? Zoe seufzte. Armer Dex. Ihre Schritte wurden langsamer. Vielleicht könnte sie ihm helfen. Sie kannte so viele Leute, hatte jede Menge Kontakte. Ja, sie würde Dex helfen.

Mit diesem Gedanken wirbelte Zoe herum, um zurück zum Restaurant zu eilen.

Und prallte gegen eine breite, massige Brust.

„Hoppla“, ertönte eine tiefe männliche Stimme. Zwei fleischige Hände fassten Zoes Schultern, damit sie nicht auf ihrem Po landete.

Sie bog ihren Kopf zurück und zwinkerte. „Brad?“

Er sah aus wie ihr alter Schwarm. Das blonde Haar superkurz, so dicht wie eh und je und tadellos gestylt. Das jungenhafte Gesicht noch immer attraktiv, aber der Körper! Zoes Blick glitt über die massigen Arme und die voluminöse Brust. Die vergangenen zehn Jahre hatten diesem Körper nicht gutgetan.

„Ja, ich bin Brad.“ Er ließ ihre Schultern los. „Und du bist …?“

Zoe machte einen Schritt zurück, um ihn nochmals zu betrachten. Obwohl sie dieselben hochhackigen Stiefeletten trug wie letzten Abend, musste sie ihren Kopf weit zurückneigen, um Brads Gesicht zu sehen.

Sie musterte ihn noch einmal. Er war nicht dick, keineswegs. Aber er sah aus, als ob er seine Arme mit dem Heben von Bierhumpen trainierte. Brad war definitiv nicht der maskierte Supermann.

Zoes Magen schien bis in ihre Knie zu sacken, als ihr bewusst wurde, dass sie gestern mit einem Fremden herumgeknutscht hatte.

„Es freut mich, dass du weißt, wer ich bin, Babe, und ich wüsste gern, wer du bist. Aber du musst schon etwas sagen.“

Zoe riss ihre Gedanken von ihrem gestrigen Abenteuer los. „Ich bin Zoe Gaston.“

„Niemals!“

„Noch immer“, schoss sie zurück. „Wie geht’s dir, Brad?“

„Mir geht’s prächtig“, murmelte er, als ob er seine Worte kaum wahrnahm. Seine ganze Aufmerksamkeit galt Zoe. Langsam wanderte sein Blick über ihren Körper, von ihrem Haar bis zu ihren Stiefeletten.

Eigentlich hätte sie begeistert sein müssen. Hundertprozentige Aufmerksamkeit von Brad Young hatte unter ihren Highschoolzielen neben einem Einser-Abgangszeugnis ganz oben rangiert. Jetzt fühlte sie sich, als ob sie eine eiskalte Dusche nahm.

Sie wollte hier weg, aber sie brauchte Brad. Er war noch immer ihr Gandalf-Kandidat Nummer eins.

„Leider hab ich dich gestern Abend verpasst. Ich hab gehört, dass du total heiß aussiehst. Jetzt sehe ich es selbst.“ Wieder betrachtete Brad sie mit einem lüsternen Blick. Es war, als ob er sie mit den Augen betatschte. „Was haben Peitschen und Leder mit deinem Job zu tun? Ich wette, die Einzelheiten sind pikant.“

„Nicht wirklich.“ Zoe trat noch einen Schritt zurück. Schließlich wollte sie nicht, dass Brad das visuelle Betatschen in die Praxis umsetzte. Aber sie wollte auch seine Aufmerksamkeit behalten, und deshalb zog sie eine kleine Show ab. Sie bog ihre Hüfte zur Seite und zwinkerte Brad à la Mae West zu. „Ich bedaure es auch, dass ich dich gestern verpasst habe. Ich hätte zu gern dein Kostüm gesehen. Jemand sagte mir, dass du ein Zauberer warst.“ Sie klimperte mit den Wimpern. „Da ich dich verfehlt habe, musst du es mir sagen, ja? Was machst du momentan, Brad?“

„Hey, du weißt doch, dass das ein Geheimnis ist“, lachte er, während er sie unvermittelt zu sich zog und ungestüm umarmte. „Du bist genauso neugierig wie niedlich, hm? Versuchst, meinen Beruf rauszukriegen, um bei dem Wettstreit zu gewinnen.“

„Nein, ich …“ Zoe bekam in Brads Bärenumarmung kaum Luft und wollte sich losmachen. Gerade als sie ihr Gesicht von seinem Polohemd weggezogen hatte, ertönte ein kaltes Lachen.

„Wie süß“, säuselte Candice, als sie herangeschwebt kam, gefolgt von ihrer Entourage. Sie bedachte Zoe mit einem abfälligen Blick, während ihr Gefolge, darunter die Zwillinge, gebannt zusah. „Dies ist wie eine Zeitreise in die Vergangenheit“, höhnte die aufgetakelte Blondine. „Du jagst dem Unerreichbaren nach.“ Sie grinste Zoe selbstgefällig an, trat dann zwischen sie und Brad und küsste seine Wange. „Hoffentlich habe ich dich nicht warten lassen.“

Er runzelte die Stirn. „Äh …“

Zoe zog ihre Augen zusammen. Was war denn das? Vierundzwanzig Stunden, und die Zicke hatte ihn sich bereits geschnappt? Oder wollte sie nur den Eindruck erwecken? Egal. Candice konnte ihn haben. Zumindest seinen Körper. Was Zoe wollte, war Brads Beruf.

„Ich habe dir eine E-Mail geschickt“, murmelte Candice, wobei sie sich eng an ihn drängte.

Brad schien so verwirrt zu sein, dass sich seine blauen Augen trübten. Oder es war etwas anderes, da Candice jetzt ihre vollen Brüste gegen seinen Arm drückte.

„Ich hab die Mail mit SweetCheeks unterschrieben“, hörte Zoe die Blondine flüstern.

Brads Augen klärten sich, und er grinste. „Man muss den Frauen, die ihre Spiele beherrschen, wirklich dankbar sein.“

Zoes Herz begann zu hämmern, und sie machte einen Schritt vorwärts. „Brad …“

Bevor sie mehr sagen konnte, legte Candice ihren Kopf an seine Schulter. „Kommst du mit mir frühstücken?“

„Gern“, sagte er, den Blick auf ihr Dekolletee geheftet.

„Wir sehen uns später, Zoe“, rief er über die Schulter, als Candice ihn fortzog. Die Entourage folgte schweigend, obwohl einige der Frauen mitleidige Blicke in Zoes Richtung warfen.

Das geheuchelte Mitleid ignorierend, sah Zoe zu, wie Candice ihr Brad stahl. So wie damals. Als das Pärchen beim Restaurant anlangte, schoss die Blondine ihr noch einen letzten triumphierenden Blick zu.

Zoe zog ihre Strickmütze tiefer und vergrub ihre Hände in den Taschen ihrer Seemannsjacke. Verdammt, sie hatte vergessen, wie kalt es im Herbst in Idaho war. Es war idiotisch, bei dieser Kälte spazieren zu gehen.

Aber sie hatte nach der Konfrontation mit Candice und Brad dringend Bewegung gebraucht. War schnurstracks in ihr Zimmer gehastet und hatte sich Mütze und Jacke geschnappt. Nun stapfte sie durch das hohe trockene Gras und das Buschwerk des freien Geländes hinter dem Hotel. Sie schnaufte, als es bergan ging, behielt aber ihr Tempo bei. Bloß weg von dem Gekreisch und den albernen Veranstaltungen. Weit, weit weg von Candice und Brad, die mit ihrem Gefolge Hof hielten.

Sie war immer ausgegrenzt worden, aber früher hatte sie Dex gehabt. Mit ihm hatte sie sich sicher gefühlt. Akzeptiert. Und nun? Nun fühlte sie sich einsamer denn je. Und es war ihre eigene Schuld. Diese Erkenntnis traf sie wie ein Schlag.

Sie hatte die Freundschaft mit Dex nicht gepflegt, hatte nichts dafür getan.

Zoe schob ihre Hände tiefer in ihre Jackentaschen. Wie lustig! Sie musste ihre unglückliche Vergangenheit besuchen, um festzustellen, dass sie eine Heuchlerin war.

Um sich nicht mit ihren charakterlichen Defiziten befassen zu müssen, konzentrierte Zoe sich auf das Rätsel Gandalf. Außer Brad kam auch der maskierte Hottie infrage. Schließlich hatte er ein Kostüm im Stil „Herr der Ringe“ getragen, vielleicht war das ein Hinweis.

Jedenfalls war Zoe sich jetzt absolut sicher, dass dieser Mann nicht Brad war. Mit wem zum Teufel hatte sie herumgemacht?

Zoe stieg über einen Baumstamm und fiel beinahe hin, als der Absatz ihres einen Stiefels sich an der rauen Borke verhakte. Sie richtete sich auf und schaute hoch. Da war es, zwischen zwei dicke Äste einer Eiche geschmiegt. Das Baumhaus, das sie und Dex gebaut hatten, als sie fünfzehn waren.

Von Erinnerungen und Gefühlen bombardiert, ließ Zoe sich auf den Baumstamm fallen und starrte zu dem verrottenden Holz ihrer Teenager-Zuflucht hinauf. Dort oben in der Astgabel hatten Dex und sie ihre Zukunft geplant. Sie hatten über die lahmen Pauker und den öden Lehrplan gejammert. Und sich ausgemalt, wie sie es jedem, der sie verletzt hatte, heimzahlen würden. Ein Mal, erinnerte Zoe sich, hatte Dex sie dort oben entdeckt, als sie in Tränen aufgelöst war. Das war nach dem Tod ihrer Eltern gewesen, als sie sich vor der Welt verkrochen hatte. Dex war lautlos hochgeklettert und hatte sie lange schweigend umarmt und dann mit dem Ärmel seines Kapuzenshirts ihre Tränen fortgewischt. Sie hatte ihm sogar ihre Verliebtheit anvertraut und ihren Kummer nach dem schrecklichen Date mit Brad.

Was zehn Jahre für einen Unterschied machten! Früher war Zoe überglücklich gewesen, wenn ihr wenigstens ein Kerl Aufmerksamkeit schenkte.

Und jetzt hatte sie drei an der Hand. Der eine hatte ihr den heißesten Kuss gegeben, den sie je bekommen hatte. Den anderen brauchte sie für Zachs Geschäftserfolg. Der dritte war tabu. Nicht nur wegen ihrer Freundschaft mit Dex, sondern auch weil er der beständigste war. Dass er extra gekommen war, um seinen Eltern zu helfen, und seine spürbare Verbundenheit mit seiner Grandma waren Beweise, dass er das Dauerhafte schätzte und dass kurzlebige Beziehungen nicht sein Ding waren.

Von all den Problemen, die Zoe sich bei ihrer Abreise vorgestellt hatte, war das nicht auf der Liste gewesen.

Zoe Gaston, die ewige Jungfrau, war hinter drei Männern her. Und es sah nicht so aus, als würde sie sich auch nur einen von ihnen schnappen können.

Sie war nach Bradford zurückgekommen, um ihre erste selbstlose Tat zu vollbringen. Und was war das Ergebnis? Scheitern auf der ganzen Linie. Sie hätte es sich denken können.

Dex stürmte durch den Garten, der ans Hotel und an sein Elternhaus grenzte. Er betrat sein altes Zuhause und starrte wütend zum Hotel, bevor er die Haustür zuknallte.

Welch eine Plage. Zuerst hatte er den ganzen Morgen damit verbracht, sich Unmengen Koffein einzuflößen, während er sich pausenlos die Unterhaltung mit Zoe in Erinnerung rief. Was zum Teufel wollte sie mit seinem zweiten Ich? Sie sollte ihn wollen, verflixt.

Als er sich auf die Suche nach ihr machte, wurde er in einem fort von alten Schulkameraden aufgehalten. Ihre stürmischen Begrüßungen mündeten natürlich in Bitten um Gefälligkeiten. Die Jungs wollten Preisnachlässe auf ihre Zimmer, sie wollten freien Zugang zu Partys und andere Vergünstigungen.

Hinzu kam, dass Dex seine eigene Großmutter wegen ihrer Nacktbade-Idee ausschimpfen musste. Der Stress wegen eines Rohrleitungsproblems, die ständigen Anliegen des Komitees und die Suche nach einem herumstromernden Dreijährigen rundeten den Vormittag ab.

Seufzend hängte Dex seine Jacke an die Garderobe. Es war eine dumme Idee gewesen, wegen des Klassentreffens zurückzukommen. Er hatte keine Ahnung von der Führung des Hotels. Er konnte die Schmarotzer, mit denen er zur Schule gegangen war, noch immer nicht ausstehen. Und er war ein Idiot gewesen, von heißen Nächten mit Zoe zu träumen. Eigentlich hätte er inzwischen gelernt haben müssen, seine wilde Fantasie für seine Videospiele zu reservieren.

Dex ging durch die Küche, nahm eine Cola aus dem Kühlschrank und steuerte zum Esszimmer, wo er seinen Laptop deponiert hatte. Er wollte nochmals recherchieren, weil Zoes Suche nach Gandalf unentwegt seine Gedanken beschäftigte.

Eine Bewegung erregte seine Aufmerksamkeit. Er ging zum Fenster und sah Zoe den Hügel hinter dem Haus hinabwandern.

Von ihrer Strickmütze bis hin zu den Stiefeletten ganz in Schwarz verpackt, sah sie einsam aus. Die einzigen Farbtupfer waren ihr roter Schal und ihre von der Kälte geröteten Wangen.

Sogar von Weitem törnte sie ihn an.

Er hatte sie schon als Teenager gewollt. Und seit er sie geküsst hatte, wusste er, dass sie im wirklichen Leben noch aufregender war als in seinen Fantasien.

Was sollte er jetzt tun? Maulen wie ein verwöhntes Gör, weil er nicht sofort bekam, was er wollte? Oder einen Versuch machen?

Seine Erektion war dafür. Sein angeschlagenes Ego verlangte Zurückhaltung. Er selbst, stets der Vermittler, sann nach einem Kompromiss.

Als Erstes musste er herauskriegen, warum sie hinter Gandalf her war. Hier in Bradford würde ihre Suche garantiert erfolglos bleiben. Der einzige Mensch, der das Geheimnis kannte, war Nana, und die würde dichthalten. Die Möglichkeit, dass jemand von den Hotelangestellten Bescheid wusste, schloss Dex aus. In dem Fall müssten seine Eltern mit ihm angegeben haben, was eine absurde Vorstellung war.

Nun, da er sich mit konkreten Dingen beschäftigte, konnte Dex seinen Körper unter Kontrolle bringen. Trotzdem wollte er Zoe im Blick behalten und ging ins Wohnzimmer, wo er sie vom vorderen Fenster aus noch immer sehen konnte.

Er sah sich in dem Raum um. Nichts hatte sich hier seit seiner Kindheit geändert. Seine Eltern scheuten keine Kosten für das Hotel, aber für Neuerungen im Haus gaben sie kaum Geld aus. Er hatte ihnen über die Jahre reichlich Geld geschickt und hätte sich gefreut, wenn seine Mom sich wenigstens ein hübsches neues Sofa gekauft hätte. Na ja, vielleicht mochte sie die Einrichtung so, wie sie war.

Dex blickte aus dem Fenster und sah, wie Zoe durch den Garten zum Hotel zurückging. Sogar in der Verpackung schwangen ihre Hüften in einem verführerischen Rhythmus.

Ja, er würde es tun. Er würde das Spiel fortsetzen. Aber er musste sehr vorsichtig sein, damit Zoe nichts merkte. Den Bostoner Akzent hatte er gut hingekriegt, aber das reichte nicht. Oben in seinem Zimmer waren bestimmt noch gefärbte Kontaktlinsen – Überbleibsel von seinen Rollenspielen. Er würde sich welche einsetzen, um sein einziges Erkennungsmerkmal zu verbergen.

Heiße Erregung, mehr als nur sexuell, prickelte in seinem Inneren. So oder so, er würde gewinnen. Sein Preis? Es war der, von dem er dreizehn Jahre geträumt hatte.

Zoe Gaston.

 

6. KAPITEL

Verdammt, sie hasste es zu frieren. Zoe hatte vom Nachmittag bis zum Abend an einer Schnitzeljagd teilgenommen. Sie bildete mit Heather, dem Welpen von dem Kostümfest, ein Gespann, doch sie hatten kläglich verloren. Aber Zoe entdeckte, dass einige ihrer Ex-Klassengefährten gar nicht so übel waren. Vielleicht weil Heather die „eingebildete Ziege“ Candice auch nicht ausstehen konnte. Zoe lächelte. Sie hatten eine Menge Gesprächsstoff gehabt.

Auch über Gandalf war gesprochen worden. Alle waren sich darin einig, dass er in ihrer Klasse gewesen war. Spekulationen gab es im Überfluss, aber solide Fakten? Nichts. Es war wie eine Suche nach Batman.

Bis zu den Knochen durchgefroren, stampfte Zoe mit den Füßen, während sie versuchte, mit ihren steifen Fingern die Schlüsselkarte in den Schlitz zu schieben. Ihre Bemühungen wurden noch dadurch erschwert, dass sie kaum sehen konnte, da die Glühbirne in der Wandlampe gegenüber ihrem Zimmer durchgebrannt war.

„Brauchen Sie Hilfe?“

Zoe wirbelte herum und streckte die Plastikkarte wie eine Waffe vor. Mit weit aufgerissenen Augen suchte sie den Flur ab. Und dann sah sie ihn. Ihr Herz begann zu rasen.

„Du?“, flüsterte sie, während sie das heiße Verlangen genoss, das sie durchzog, das Vibrieren, diese atemlose Spannung. Aber … dieser Mann war ein Fremder. Müsste sie da nicht vorsichtig sein?

Er bewegte sich wie ein Phantom durch die Schatten. Das Cape hatte er diesmal weggelassen, aber er trug wieder diese hautenge Lederhose, das lose Hemd und die Maske.

Zoes Gefühle tobten wild durcheinander, sie verspürte ein süßes Ziehen zwischen ihren Schenkeln und die Lust, die sich in ihr aufbaute. Ach, zum Teufel mit der Vorsicht.

Es war die Maske, die sie am meisten antörnte. Vielleicht weil sie einen Hauch von Gefahr vermittelte, von etwas Mysteriösem, Verbotenem. Vielleicht war die Erklärung aber auch ganz einfach. Dieser großartig gebaute Kerl war die Verkörperung des sexy Helden. Dies war ein Mann, der sie mitreißen und alle ihre Fantasien verwirklichen könnte.

Möglichst bevor er wieder davonflog.

„Ob ich Hilfe brauche? Hm, ich bin mir nicht sicher, ob du tatsächlich Lust hast, mir zu helfen“, bemerkte sie spitz. „Wenn ich mich richtig entsinne, hast du mich gestern Abend ziemlich hängen lassen.“

„Irgendwie bezweifle ich, dass du wirklich hilflos warst“, erwiderte er mit einem vielsagenden Lächeln.

Zoes Mund zuckte, aber sie weigerte sich zurückzulächeln. Schließlich war sie sauer auf ihn.

„Du könntest deine Bekanntschaften wenigstens mit entsprechenden Gerätschaften versorgen, damit sie sich Entspannung verschaffen können, nachdem du sie heiß und benebelt stehen gelassen hast.“

Er kam näher, so nah, dass sie sein Aftershave roch. „Du warst heiß und benebelt?“ Seine dunkle Stimme war wie ein Streicheln.

„Eher lauwarm und verärgert“, gab sie zurück.

Er hob eine Hand und steckte eine Locke hinter ihr Ohr. „Kann ich vielleicht etwas tun, damit du deine Verärgerung loswirst?“

Verärgerung, pah. Er könnte etwas tun, damit sie diesen brennenden Drang loswurde, seine Lippen noch einmal zu schmecken.

„Und was ist mit der Wärme?“, fragte sie, den Blick auf seinen Mund geheftet.

„Die werde ich zu glühender Hitze hochtreiben“, versprach er, wobei er sich mit einer Hand hinter ihr abstützte. Zwar berührte er sie noch immer nicht, aber sie fühlte sich jetzt wundervoll gefangen.

„Und dann?“

„Willst du eine vollständige Vorhersage?“, fragte er mit einem belustigten Glitzern in den braunen Augen. Irgendetwas an seinen Augen kam Zoe merkwürdig vor, aber dann bewegte er sich, und ihr Blick fiel wieder auf seinen Mund.

„Besser ist besser. Ich trau dir nicht ganz.“

„Vertraust du überhaupt jemandem?“, fragte er locker.

Zoe wusste nicht recht, was sie hierauf antworten sollte. Sie mochte keine Lügen, aber wenn sie gestand, dass sie nicht vertrauen konnte, dann hätte sie ihm einen Einblick in ihre Neurosen gegeben. Nicht gerade sexy.

„Vertrauen muss man sich erwerben“, sagte sie schließlich und fügte mit einem durchtriebenen Lächeln hinzu: „Deshalb sollte ich dich vielleicht ans Bett ketten, damit du mir nicht entwischst und ich es mit dir treiben kann.“

Er stöhnte. „Du bringst mich um.“

„Nur mit herrlichen Verlockungen.“ Damit langte Zoe hoch und strich langsam über seine Schulter. Bei dem köstlichen Gefühl, unter dem weichen Stoff seines Hemdes die festen Muskeln zu spüren, wurden ihre Brustspitzen hart, und ihr war plötzlich unglaublich heiß.

Er nahm ihre Hand, hob sie an seinen Mund und strich mit den Lippen zart darüber. Es war ein so aufregendes Gefühl, dass sie wünschte, sie sei wirklich nackt.

Als sie seine Lippe mit ihrem Daumen streichelte, umschloss er ihr Handgelenk. „Keine Berührungen. Noch nicht.“

Dieses Noch klang so wunderbar verheißungsvoll. „Jetzt bringst du mich um“, murmelte sie. „Kannst du nicht mit dieser Folter aufhören?“

„Erst möchte ich dich besser kennenlernen. Ich will wissen, was dich antörnt. Was dich verrückt macht. Ich will alles, was ich tue, individuell an deine Bedürfnisse anpassen.“

Bei dieser Formulierung lachte Zoe etwas hilflos. „Individuell anpassen? Das klingt, als ob du ein Computer-Programm für mich schreiben willst.“

Für einen winzigen Moment erstarrte er, um gleich darauf wieder zu grinsen. Das ging so schnell, dass Zoe sich fragte, ob sie sich seine seltsame Reaktion nur eingebildet hatte. Bevor sie etwas sagen konnte, beugte er sich zu ihrem Gesicht vor. Sein Mund war nur Millimeter von ihrem entfernt.

Das erotische Knistern war kaum auszuhalten. Ihre Lider wurden schwer, und sie begegnete seinem Blick. Sie war wie gebannt von dieser Intensität. Und dann fuhr er langsam mit der Zunge über ihre Unterlippe und knabberte zart an der weichen Haut. Fast wäre sie hier und jetzt gekommen.

Nach einer Weile löste er sich von ihr. „Erzähl mir, was du mit mir tun würdest“, sagte er weich.

Zoe hätte am liebsten gesagt, dass er mit dem Herumspielen aufhören und sie endlich küssen sollte. Aber sie war auch fasziniert. Dieses sexy Gerede hatte etwas unglaublich Sinnliches. Sie war mehr der Action-Typ, und daher reizte sie dies Neuland ungemein.

Sie überlegte, was sie zuerst tun würde.

„Ich würde dich natürlich ausziehen – ganz langsam.“

„Die Maske muss ich aber behalten.“

„Das ist nicht fair.“

„Dafür darfst du deine Stiefel anbehalten“, bot er an.

Zoe lachte leise. Dann tauchte das Bild in ihrem Kopf auf, und ihr Lächeln schwand. Oh ja. Sein fantastischer Körper auf der seidenen Überdecke ausgestreckt. Sie rittlings auf ihm, in nichts als ihren schwarzen Stiefeln.

Sehr sexy.

„Okay, die Maske ist genehmigt.“

„Und was kommt dann?“

Sie würde seine Hände hinter seinem Kopf aufs Laken drücken. Dann würde sie sich hinabbeugen und ihn küssen. Sie würde seine Zunge tief in ihren Mund saugen und ihm dabei mit ihren Augen signalisieren, dass sie dasselbe mit seinem männlichen Körperteil machen würde.

Zoe zauderte. Irgendwie mochte sie all das nicht in Worte fassen. „Ich würde dich küssen. Aber auf eine Art, die dich wahnsinnig machen würde.“

„Da dein Anblick mich garantiert verrückt machen wird, bräuchtest du nicht weit zu gehen.“

„Ich würde deinen Mund küssen.“ Zoe lehnte den Kopf an die Wand und kniff die Augen etwas zusammen, sodass sie sich das Szenario besser vorstellen konnte. „Ich würde meine Zunge gebrauchen … und meine Zähne … bis du mich anflehen würdest, dich zu berühren.“

Er ließ ihre Hand los, um ihre Jacke aufknöpfen zu können.

„Ich sitze rittlings auf dir“, sagte sie so resolut, dass er aufhörte, an ihren Knöpfen zu hantieren, und seine Stirn an ihre legte. In diesem Moment begriff Zoe, welch eine Macht ihre Worte über ihn hatten.

Nun ließ sie ihrer Fantasie freien Lauf.

„Meine Knie umklammern deine nackten Hüften. Ich lasse deine Hände los, die ich vorher auf das Kopfkissen gedrückt habe. Du langst hoch und berührst meine Brüste.“

Sie stellte sich das Gefühl vor – seine Hände um ihre Brüste geschmiegt, seine Finger die harten Spitzen zwickend. Ein Schauer durchrieselte sie.

Erst als ein kühler Luftzug über sie hinwegstrich, merkte Zoe, dass ihre Jacke vollständig aufgeknöpft war. Sie gab einen Laut des Entzückens von sich, als ihr Adonis seine Hände unter ihren Pulli schob und an ihren Seiten hinaufglitt, bis seine Hände ihren BH erreichten.

„Sprich weiter“, drängte er. Dann vergrub er sein Gesicht in ihrer Halsbeuge. Er atmete tief ein, stöhnte und umfasste ihre Brüste.

Zoes Atem kam jetzt in kurzen Stößen. „Wir müssen …“

„Aufhören?“, fragte er.

„In mein Zimmer gehen.“

Sie spürte an ihrem Hals, dass er lächelte. Dann biss er zart in die sensible Haut. Zoe stöhnte.

„Schlüssel?“

Sie griff blind in ihre Jackentaschen und fand nichts. „Ich glaube, ich hab die Karte fallen lassen“, murmelte sie, außerstande sich zu bewegen. Vage nahm sie wahr, dass er sich bückte und sich kurz danach wieder aufrichtete.

„Komm“, murmelte er rau, als er seinen Körper an ihren presste und sie küsste.

Der harte Druck seiner Erektion machte sie wahnsinnig vor Begehren, doch irgendetwas störte sie noch. Zoe zwang sich, ihre Gedanken zu sortieren, um einen klaren Kopf zu bekommen – und begriff, dass sie drauf und dran war, mit einem Fremden ins Bett zu gehen. „Warte einen Moment. Ich … äh … wer bist du?“

Sie spürte, dass er erstarrte. Dann bewegte er sich von ihr weg. Und Zoe sah ihren Orgasmus in unerreichbare Ferne verschwinden.

„Nein, nein, so genau will ich gar nicht wissen, wer du bist. Ich brauche keinen vollständigen Namen und Lebenslauf. Du kannst deine geheime Identität behalten. Ich möchte nur eines wissen. Kennen wir uns?“

Zoe hielt den Atem an. Sie war nervös. Nicht nur weil ihr der wahrscheinlich beste Sex ihres Lebens entgehen könnte, sondern weil dies nicht einfach nur ein Spiel für diesen Mann war. Er wollte tatsächlich seine Identität verbergen. Warum? War er ein Verrückter, der im Hotel herumhing und darauf lauerte, eine allein reisende Frau zu erbeuten?

„Wir sind zusammen zur Schule gegangen“, sagte er schließlich. „Ich bin wegen des Klassentreffens hier.“ Dann runzelte er die Stirn, sodass seine Maske Falten warf und er etwas Dämonisches bekam. „Ich bin aber nicht Brad.“

Nun war Zoe ehrlich erleichtert, und die Verspannung in ihren Schultern löste sich. Bis zu diesem Moment hatte sie gar nicht gewusst, wie beunruhigt sie wirklich gewesen war. Der maskierte Beau war ein ehemaliger Klassenkamerad, was ihn als Bettgefährten fast legitimierte.

Dann aber besann sie sich seiner letzten Worte. Ich bin nicht Brad. Hatte sie gestern Abend „Brad“ zu ihm gesagt? Nein, ganz bestimmt nicht. Aber sie hatte von dem Date im Autokino gesprochen, und wenig später schon stand sie allein im Garten.

Bingo. Jetzt wusste sie, warum er gestern abgezischt war. Ach ja, das empfindsame männliche Ego. Ein falscher Schritt garantierte das Ende eines viel versprechenden Anfangs. Das hatte Zoe von anderen Frauen gehört, da sie selbst sich nie Gedanken über das Ego von Männern machte. Allerdings war auch noch nie ein Mann ihretwegen eifersüchtig gewesen.

„Ich weiß, dass du nicht Brad bist“, sagte sie weich. „Aber ich dachte es gestern Abend. Ich meine, er ist der Einzige aus unserer Klasse, der je an mir interessiert war.“

Seine Antwort war so leise, dass sie ihn kaum verstand. „Brad war nicht der einzige Junge, der an dir interessiert war.“

Dex beobachtete, wie Zoe verdutzt ihren Mund öffnete und nicht wieder zu bekam.

„Das brauchst du nicht extra zu erwähnen. Ich lasse dich ja schon in mein Zimmer“, sagte sie kopfschüttelnd. „Denk bloß nicht, dass Süßholzgeraspel dir irgendwelche Extrawürste verschafft.“

Dex schnaubte. Zoe war wirklich eine Meisterin darin, einen Silberstreifen am Horizont in eine dunkle Wolke zu verwandeln. Er wollte kein Unwetter heraufbeschwören, aber er war auch nicht gewillt, seine Worte zurückzunehmen.

„Brad Young hat nur Interesse an dir gezeigt, weil er wusste, dass deine Verliebtheit dich zu einer leichten Beute machen würde.“

Er wartete darauf, dass Zoe auf ihn losging. Stattdessen nickte sie. „Das beweist wohl, dass du wirklich in meiner Klasse warst.“

Dex grinste.

„Aber sonst war keiner an mir interessiert.“

„Doch. Ein paar Jungs ganz gewiss. Aber du hast sie eingeschüchtert.“

„Eingeschüchtert? Soll das ein Witz sein?“

Dex lachte. „Du hast fast jeden eingeschüchtert. Von den dümmeren Klassenkameraden zu Cheerleaderinnen bis hin zu den Lehrern.“

„Habe ich dich auch eingeschüchtert?“, fragte sie leise.

Dex war drauf und dran, Nein zu sagen, bremste sich aber. Er täuschte sie schon mit der Maske und der Augenfarbe. Da sollte er in allen anderen Bereichen ehrlich sein. „Ich würde nicht direkt sagen, dass du mich eingeschüchtert hast.“

„Aber du hast auf mich gestanden?“, fragte sie zweifelnd.

Dex überlegte, wie er sie dazu bringen könnte, ihm zu glauben. Da bloßes Reden nicht so überzeugend war wie Handeln, würde er beides kombinieren. „Ich war heiß auf dich“, sagte er und trat so dicht an sie heran, dass ihre Brüste gegen seine Brust drückten. Gleich darauf schob er die Hände in ihr Haar und senkte sein Gesicht. „Ich war verrückt nach dir. Du sahst völlig anders aus als all die Modepuppen an der Schule. Du hast nicht das Lächeln und das aufgesetzte Gehabe der Filmstars kopiert. Du hattest Ecken und Kanten und warst etwas frech.“

Zoes Augen verrieten, dass sie ziemlich amüsiert war und keine Zweifel mehr hatte. Dex zog eine Hand aus ihrem Haar und strich über ihre Wange. Er wollte sie küssen, doch er hielt sich zurück.

„Deine Grufti-Kluft hatte Löcher und Risse, sodass ich ab und zu einen Blick auf deine Haut erhaschen konnte. Ich hätte sie zu gern berührt, hatte aber Angst, dass du mir auf die Finger hauen würdest.“ Er gab der Versuchung nach und strich leicht mit dem Mund über ihre Lippen. „Du hast dir von niemandem was gefallen lassen. Dieses Selbstbewusstsein hatte eine enorme Wirkung auf mich. Ich wollte Dinge tun, von denen ich nur gehört hatte. Hab nur im Dunkeln daran gedacht.“

Außerstande, sich noch länger zurückzuhalten, presste er seinen Mund heiß und leidenschaftlich auf ihren. Ihre Zungen schlangen sich umeinander, ihre Lippen verschmolzen.

Dex brauchte mehr. Den Mund noch auf ihrem, griff er um sie herum und ertastete den Schlitz für die Schlüsselkarte. Ein leiser Klick, und er schob die Tür auf und Zoe ins Zimmer. Zwei weitere Schritte, und sie waren dem Himmel so nah, wie man dem Himmel in voller Bekleidung kommen konnte. Mit anderen Worten, horizontal auf dem Bett.

Dex hob den Kopf und blickte in Zoes lächelndes Gesicht. „Hast du hier deine Reitgerte deponiert?“

„Im Schrank. Wenn du die Gerte willst, gibt’s aber keine Stiefel. Eins von beidem. Schließlich sollst du nicht gierig werden.“

„Die Entscheidung ist leicht. Definitiv Stiefel.“ Dex ließ seinen Blick über ihren Körper wandern, der in dem dunklen Zimmer kaum sichtbar war. „Aber wie kann ich dich ausziehen, wenn du deine Stiefel anbehältst?“

„Das erfordert nur ein wenig Geschicklichkeit.“

„Meine oder deine?“

„Versuchen wir’s zuerst mit deiner. Mal sehen, ob du es hinkriegst.“

Dex nahm an, dass sie sich selbst besser ausziehen konnte als er sie. Deshalb nahm er Abstand von dem Geschicklichkeitstest. Die Aussicht, sich an Zoes Körper zu erfreuen, gefiel ihm weit besser. Also rollte er sich herum, sodass sie unter ihm gefangen war. Statt ihren Mund zu küssen, drückte er diesmal kleine Küsse an ihrer Wange entlang bis zu ihrem Hals. Als er das Tal zwischen ihren Brüsten erreichte, erfasste ihn eine erregende Hochstimmung, und er fühlte sich lebendig wie selten zuvor.

Zoe wand sich unter ihm. Es schien ihr zu gefallen, was er mit ihr tat, denn sie rieb auffordernd ihren Schenkel an seiner pochenden Erektion. Um nicht die Kontrolle zu verlieren, rutschte er tiefer, fort von ihrem Schenkel.

Sie protestierte lautlos, indem sie seine Schultern umfasste und ihn aufwärts drängte. Doch er rutschte noch tiefer.

Das Spiel ging weiter, es wurde immer heißer. Und Dex wollte immer mehr. Darum schob er ihren Pullover hoch, um ihren Bauch zu entblößen. Und stöhnte bei dem Anblick. Ein winziger Rubin zierte ihren Nabel, wie eine Kirsche auf einer köstlichen Leckerei.

Schon bis zur Grenze des Aushaltbaren angetörnt, schloss Dex die Augen und versuchte, sich zu fangen. Vergebliche Mühe. Er wollte die Leckerei. Und er wollte sie jetzt. Er schnippte den Druckknopf an ihrer Jeans auf, zog den Reißverschluss hinab und vergrub sein Gesicht in ihrem Bauch. Sanft zwickte er mit den Zähnen die weiche Haut unterhalb des Steins. Dann glitt er tiefer.

Zoe machte ihn fast wahnsinnig. Sie hob die Hüften, und Dex vergrub sein Gesicht dort, wo sie es sich offensichtlich wünschte. Er nahm ihren Duft wahr, weiblich und einladend. Er musste sie kosten.

Kaum war die Jeans ausgezogen, übernahm er die Führung und umfasste ihren nackten Po.

„Du bist unglaublich“, hauchte er.

Sie lag da, ihr Haar ein Fächer von Farben um ihr Gesicht. Ein zartes Rosa überzog ihre Wangen, während er sie betrachtete. Ein Zeichen von Begehren, wusste er, da sie normalerweise nicht errötete. Ihre Augen waren schläfrig und zugleich herausfordernd. Sie wartete auf ihn, lockte.

Dex ließ seinen Blick an ihrem Körper hinabwandern. Ihre Brüste erzitterten unter dem Shirt bei jedem Atemzug. Er wollte sie sehen. Waren sie so rund und schwer, wie sie erschienen? Waren ihre Brustspitzen dunkel oder hell? Groß oder klein? Dex konnte es nicht erwarten, das herauszufinden.

Aber zuerst … Sein Blick glitt tiefer, zu dem dunklen Dreieck zwischen ihren Beinen. Er fuhr mit dem Finger über ihren Oberschenkel, ganz oben, am Rand der Hüfte. Ihre Haut war weich wie Seide.

Dex zwang sich, seine Hand von den verführerischen Löckchen fortzunehmen, und streichelte Zoes Schenkel. Unglaublich, wie glatt ihre Haut war. Er liebkoste ihre Kniekehlen, und sie schnurrte vor Behagen. Anschließend glitt er mit den Fingern ihre Waden hinab, bis er sein Ziel erreichte.

Die Stiefel.

Er schloss seine Hände um ihre Fesseln. Das Leder unter seinen Fingern törnte ihn gewaltig an. Bedeutete das, dass er ein wenig pervers war? Doch scherte es ihn?

Zoes gestiefelte Füße haltend, stand Dex mittlerweile am Fußende des Bettes und sah zu ihr hinab. Himmlisch. Sie war der Himmel selbst. Und er war der Glückliche, der ein Stück davon erhaschen würde.

Dex ließ eines ihrer Beine los. Sie setzte ihren Fuß aufs Bett, das Bein angewinkelt. Er hob ihr anderes Bein und drückte einen heißen Kuss darauf, direkt oberhalb des Stiefels. Dann kniete er sich hin, rutschte zwischen ihre Schenkel und beugte sich hinunter.

Nun strich er mit der Zunge über die Innenseite ihres Oberschenkels, zeichnete ein Muster auf ihre Haut. Zoe lag völlig ergeben da, doch sie stöhnte leise, und Dex sah hoch. Welch himmlische Aussicht! Rosig, feucht glänzend, einladend. Seine Erektion pochte und drängte bei diesem verlockenden Anblick.

Da Dex Zoe genießen wollte, zwang er sich, es langsam angehen zu lassen. Er legte Zoes Beine über seine Schultern und hob sie zur perfekten Kusshöhe an. Dieser Duft! Pure Weiblichkeit! Zärtlich strich er mit den Fingern über die geschwollenen Lippen, und Zoe zuckte bei dieser intimen Berührung leicht zusammen. „Mehr“, flüsterte sie kaum hörbar, und Dex’ Herz hämmerte. Erregung und Vorfreude tobten in ihm, und endlich gab er nach. Er kostete sie mit der Zunge, nippte hier, leckte dort – und ließ sich Zeit.

Und falls das ungeduldige Zerren an seinem Haar und das leise Stöhnen irgendwelche Anzeichen waren, dann machte er Zoe genauso verrückt wie sie ihn.

Seine Zunge wirbelte, drängte, stieß. Zoes Stöhnen wurde heftiger.

Dex schob seine Hände unter ihren Pulli. Er tat nicht mehr, als die mit Spitze bedeckten Hügel zu umschmiegen und im Takt mit den Stößen seiner Zunge zu drücken.

Zoes Schenkel spannten sich auf seinen Schultern an, als er ihre Hüften noch näher zu seinem Mund hob. Schließlich gebrauchte er einen, dann zwei Finger, während er ihre sensibelste Stelle mit der Zunge reizte.

Zoe keuchte. Ihre Finger gruben sich in sein Haar, sie war hoffnungslos in dem Vergnügen verloren, das er ihr bereitete. Er saugte und küsste, seine Zunge tanzte – und Zoe explodierte.

Ihr leiser Schrei der Befriedigung klang in seinem Innern fort. Die Bewegungen seiner Zunge wurden zu einem sanften Streicheln, bis er sich schließlich von ihr löste. Er beobachtete, wie ihr Orgasmus verebbte. Das Gesicht rosig, die Augen geschlossen, sah sie aus wie in seinen Träumen.

Ja, dies war eine Vorahnung himmlischer Freuden gewesen. Es war sogar noch besser gewesen, als er es sich vorgestellt hatte. Und sobald er wieder normal atmete, würde er weitere himmlische Freuden genießen.