3. KAPITEL

Oktober

Zooey konnte sich noch gut an Jacks Erleichterung erinnern, als sie an ihrem ersten Arbeitstag vor seiner Tür gestanden hatte. Inzwischen hatte sie sich gut in den Haushalt eingelebt.

     Lustig, wie eine neue Haarfarbe einen Mann verblüffen konnte! In ihrer Zeit als Kellnerin hatte ihr Haar kastanienbraun geglänzt. Davor hatte sie schon eine ganze Palette von Farben ausprobiert, die man eher in einem Kindermalkasten als in einem Modemagazin vermutet hätte – sogar Pink.

     Nun ihre natürliche Haarfarbe wieder anzunehmen war ihr angemessen vorgekommen. Schließlich sollte sie sich um die Kinder eines renommierten Anwalts kümmern.

     Das Umfärben der Haare war das Letzte gewesen, was sie in ihrem winzigen Apartment getan hatte.

     Ihre Mühe hatte sich gelohnt, denn Jack hatte sie völlig überrascht angesehen, als sie am nächsten Morgen vor ihm stand.

     "Zooey?", hatte er unsicher gefragt.

     Sie hatte ihre Antwort so lange wie möglich hinausgezögert. "Ist der Job noch zu haben?"

     "Zooey", wiederholte er zufrieden. Eine Sekunde später trat er zurück und öffnete die Tür.

     Kaum war sie im Haus, als sie schon lautes Jubeln hörte. "Ja, Zooey ist da!" Schon liefen beide Kinder auf sie zu, um sie zu begrüßen. Jackie trug noch Windeln, während Emily bis auf eine Socke und einen Schuh fertig angezogen war.

     Jack starrte sie immer noch an. "Warum haben Sie Ihre Haare gefärbt?"

     "Habe ich gar doch nicht", entgegnete sie und lachte, als die Kinder die Arme um sie schlangen. Emily und Jackie schien es gar nicht zu wundern, dass ihr Haar plötzlich goldblond statt kastanienbraun schimmerte. "Jedenfalls nicht so, wie Sie meinen. Das hier ist meine natürliche Haarfarbe." Sie sah ihn an. "Es kam mir einfach richtig vor."

     Jack hatte bedächtig genickt, als sei ihre andere Haarfarbe eine Angelegenheit, die genauer Prüfung bedurfte.

     Dann hatte er etwas Unerwartetes und Nettes gesagt. "Mir gefällt es." Das war die erste persönliche Bemerkung, die er an sie gerichtet hatte.

     Unglaublich, dass seitdem schon fast zehn Monate vergangen sind, dachte sie, während sie eine abgeschnittene Jeans anzog und in ihre Sandalen schlüpfte.

     In dieser Zeit hatte sie entdeckt, dass ihr die Arbeit mit den Kindern gefiel. Natürlich war es nicht ihr Lebensziel, die beste Nanny seit Mary Poppins zu werden, aber es gefiel ihr, ein wichtiger Teil der Familie zu sein. Sie kümmerte sich gern um die Kinder und den Mann, der sich für so unabhängig hielt.

     Schon beim bloßen Gedanken daran musste Zooey leise lachen. Sie bezweifelte nicht, dass Jack Lever in einem Gerichtssaal eine gute Figur machte – aber unabhängig? Wer glaubte, niemand anders zu brauchen, musste zu Hause schon mehr zustande bringen, als nur durch die Tür zu treten und sich in den Sessel fallen zu lassen. Und das tat er.

     Manchmal kam er gar nicht, sondern rief an und verkündete, dass er im Büro bleiben würde. Dort stand ein Ledersofa, auf dem er schlafen konnte.

     Sie wusste davon, weil sie ihn einmal mit den Kindern in der Kanzlei besucht und einen Picknickkorb mitgebracht hatte. Jack war über ihr Auftauchen völlig erstaunt gewesen. Sie hatte ihm nur das Essen hingestellt, und dann war sie mit den Kindern wieder gegangen, während Jack ihnen verdutzt hinterhergesehen hatte.

     Zooey fragte sich, ob ihr Arbeitgeber glaubte, dass im Haus alles von selbst lief. Hatte er überhaupt bemerkt, dass sie nicht nur als Nanny fungierte, sondern auch die Pflichten einer Haushälterin übernommen hatte?

     Ohne sie bekämen die Kinder nichts zu essen, das Haus wäre schmutzig, und es gäbe kein sauberes Geschirr. Zooey packte an und kochte, putzte, kaufte ein und erledigte die Wäsche, wann immer sie nicht mit den Kindern beschäftigt war.

     Eigentlich versah sie die Aufgaben einer Ehefrau und Mutter – ohne die zusätzlichen Extras.

     Soviel sie wusste gab es keine andere Frau in Jacks Leben, die irgendwelche "Extras" genoss, denn bei ihm drehte sich alles um die Arbeit.

     Deshalb mussten seine Kinder häufig ohne ihn auskommen. Mehr als einmal hatte Zooey ihm das schon vorgehalten, und beim ersten Mal hatte er sie überrascht angesehen. Offensichtlich war er es nicht gewöhnt, dass eine Angestellte ihn auf Fehler hinwies. Doch Zooeys angeborene Offenheit ließ es nicht zu, dass sie den Mund hielt, wenn es um Emily und Jackie ging.

     "Kinder brauchen einen Vater", hatte sie Jack ohne Umschweife erklärt, nachdem er mitgeteilt hatte, dass er abends nicht nach Hause kommen würde. Das war schon der fünfte Abend in Folge, an dem er nicht mit den Kindern gemeinsam essen wollte.

     Er hatte sie finster angesehen. "Sie brauchen auch etwas zu beißen und ein Dach über dem Kopf."

     Zooey erinnerte sich immer noch daran, was sie damals gedacht hatte: dass er mit diesem Tonfall vermutlich so manchen Mann in ein zitterndes Nervenbündel verwandelt hätte. Aber sie ließ sich nicht einschüchtern. Schließlich hatte sie sich früher sogar gegen ihren dominanten Vater durchgesetzt.

     "Und das Essen und das Dach verschwinden, wenn du einmal früher nach Hause kommst, um den Kindern eine Gutenachtgeschichte vorzulesen?"

     Er schien jeden Moment aufbrechen zu wollen. Umso überraschter war Zooey, als er lange genug blieb, um ihr zu antworten. "Ich habe dich als Nanny eingestellt, nicht als mein schlechtes Gewissen."

     Lange sah sie ihn an und fragte sich, ob sie sich in ihm getäuscht hatte. Dann beschloss sie, dass es sich lohnte, ihm den Kopf ein wenig zurechtzurücken. Und das war dringend nötig. "Meines Erachtens brauchen die Kinder beides."

     Ihr Mut schien ihn zu erstaunen – aber er wirkte nicht verärgert. "Ich entscheide, was die Kinder brauchen."

     "Vielleicht weißt du das gar nicht", entgegnete sie. Bevor er protestieren konnte, fügte sie hinzu: "Manchmal sieht ein Außenstehender besser, was los ist."

     Jack atmete tief aus. "Du nimmst dir einiges heraus, Zooey."

     Das sollte wahrscheinlich heißen: 'Halt dich raus!', dachte sie amüsiert. "Tut mir leid, aber so bin ich nun einmal. Halbe Sachen liegen mir nicht."

     Er murmelte etwas Unverständliches vor sich hin und ging dann zur Arbeit.

     An diesem Abend war er früher nach Hause gekommen, aber an den anderen in den nächsten beiden Wochen nicht.

     Trotz allem hoffte Zooey, dass ihre Worte bei Jack ankamen – den Kindern zuliebe.

     Er war kein schlechter Mensch und liebte Emily und Jackie auf seine Weise. Leider glaubte er, dass Geld ein angemessener Ersatz für Liebe war, obwohl doch jedes Kind den Unterschied deutlich spürte.

     Irgendjemand hat dem Mann ein merkwürdiges Verständnis von Werten vermittelt, dachte Zooey, als sie aus ihrem Schlafzimmer zur Küche ging. Eine liebevolle Umarmung konnte man nicht mit Geld kaufen.

     Es roch nach Kaffee. Dabei war sich Zooey sicher, dass sie die Kaffeemaschine am Vorabend nicht versehentlich angelassen hatte.

     Zu ihrer Überraschung traf sie Jack in der Küche. Er war nicht nur vor ihr aufgestanden, sondern trug sogar schon seinen Anzug. In der einen Hand hielt er eine Scheibe verbrannten Toast, in der anderen ein Glas mit Orangensaft.

     Nicht zum ersten Mal verstand sie, warum er im Café immer einen Kaffee und einen Muffin bestellt hatte. Dieser Mann würde sogar Wasser anbrennen lassen. Nach dem Geruch zu urteilen, hatte er irgendetwas mit dem Kaffee angestellt.

     "Guten Morgen", grüßte sie fröhlich und ging zur Kaffeemaschine. Sie nahm die Kanne heraus und goss eine dickflüssige Brühe weg, die verbranntem Schlamm ähnelte. Danach spülte sie die Kanne aus. "Setz dich", befahl sie. "Dann mache ich dir ein vernünftiges Frühstück."

     Er schüttelte den Kopf, während er den verbrannten Toast aß. "Keine Zeit, ich muss heute früh in der Kanzlei sein."

     Sie warf einen Blick auf ihre Uhr. So früh war er sonst nicht auf. "Wie früh?"

     Jack blickte gar nicht auf seine Uhr, denn er konnte die Zeit fühlen. "In einer halben Stunde." Er spülte den ungenießbaren Toast mit Orangensaft hinunter und stellte das Glas auf der Anrichte ab. "Bei dem Verkehr sollte ich schon unterwegs sein."

     "Ohne dich von den Kindern zu verabschieden?" Das war neu, und sie sollte ihn aufhalten, bevor er sich daran auch noch gewöhnte.

     Er griff nach seiner Aktentasche. "Kann man nichts machen."

     Zooey ließ den Kaffee Kaffee sein. "Doch, kann man", widersprach sie. Sie trocknete sich die Hände ab und warf das Handtuch über einen Stuhl. "Ich kann sie jetzt wecken."

     Als sie Jacks Ungeduld wahrnahm, versuchte sie es mit einem Appell an sein Gewissen. "Wenn die Kinder schon einschlafen müssen, ohne dich gesehen zu haben, dann sollten sie ihrem Vater wenigstens noch Guten Morgen sagen, bevor er das Haus verlässt."

     Jack seufzte entnervt. "Zooey, ich schätze deine Bemühungen, aber …"

     Wenn die Zeit knapp war, dann durfte man sie nicht vergeuden. "Nein, das tust du nicht", unterbrach sie ihn. "Ich nerve dich, aber damit kann ich leben. Die Kinder sollten nicht gezwungen sein, ohne dich aufzuwachsen. Meine Güte, Jack, die beiden sehen den Briefträger häufiger als dich."

     Für ihre Übertreibungen hatte er keine Zeit. "Ich muss jetzt gehen."

     Zooey schockierte ihn, als sie sich vor die Tür stellte und ihm den Weg versperrte. "Erst, wenn du dich von den Kindern verabschiedet hast."

     Jack hatte viel um die Ohren. Vor allem musste er unbedingt eine Verteidigungsstrategie für einen Mandanten entwickeln, der von den Medien schon im Voraus verurteilt wurde, weil Indizien gegen ihn sprachen. Um sich mit Zooey auseinanderzusetzen, fehlte ihm die Zeit.

     "Selbst für dich ist das doch etwas zu dramatisch", meinte er.

     Seit sie in seinem Haus lebte, war ihm klar geworden, dass diese Frau ganz anders war als alle Nannys, die vorher für ihn gearbeitet hatten. Und zwar in jeder Hinsicht.

     Was auch immer Zooey über sein Tun und Lassen dachte, sie teilte es ihm mit. Vor allem, wenn es um die Kinder ging – und um seine Fehler im Umgang mit ihnen.

     Es gefiel ihm, dass sie sich so um Emily und Jackie sorgte, und er sah mit Erleichterung, mit welcher Liebe die beiden an ihrer Nanny hingen. Das milderte seine Schuldgefühle etwas. Manchmal aber gab es Augenblicke, in denen Zooey zu weit ging. So wie jetzt.

     Diesmal blickte er demonstrativ auf seine Uhr. "Zooey, in einer guten Stunde muss ich bei Gericht sein."

     Unbeirrt starrte sie ihn an. "Je länger du mit mir diskutierst, desto mehr Zeit verlierst du."

     Jack umklammerte die Aktentasche fester. "Ich könnte dich jetzt einfach beiseiteschieben."

     Tapfer blieb Zooey stehen. "Versuch es doch", forderte sie ihn heraus. "Ich kenne Griffe und Bewegungen, die du nicht einmal aussprechen kannst."

     Richtig – sie beschäftigte sich ja mit Kampfsport! Eines Abends hatte er im Innenhof merkwürdige Geräusche gehört. Als er ihnen auf den Grund gehen wollte, erblickte er Zooey, die gegen einen nicht vorhandenen Gegner kämpfte. Damals hatte er jeden bedauert, der sich mit dieser Frau anlegte.

     Als Jack sie jetzt betrachtete, bezweifelte er, dass sie ihn tatsächlich aufs Kreuz legen würde. Allerdings wollte er es lieber nicht darauf ankommen lassen, denn wenn es um die Kinder ging, war sie unnachgiebig.

     Er versuchte, an ihren gesunden Menschenverstand zu appellieren. "Emily und Jackie schlafen noch."

     Das schien Zooey keineswegs zu beunruhigen. "Die Kinder sind froh, wenn sie ihren Vater noch sehen. Außerdem müssen sie sowieso bald aufstehen, denn Emily muss zur Schule gehen."

     Jack hatte das ganz vergessen. Die Monate gingen so schnell vorbei, und die Schule hatte vor vier Wochen angefangen. Manchmal vergaß er, dass seine Tochter überhaupt schon zur Schule ging.

     Vielleicht lag das daran, dass er Emily immer noch für ein kleines Kind hielt, kaum älter als Jackie.

     Aber selbst Jackie war kein Baby mehr.

     "Okay, gehen wir jetzt. Ich habe keine Zeit für Diskussionen."

     Zooey strahlte. "Genau das meine ich auch." Sie blieb in der Tür stehen und wies auf die Rückseite des Hauses. "Nach dir."

     Neugierig sah Jack sie an. "Traust du mir nicht?"

     Von ihrer Familie hatte sie die Kunst der Diplomatie gelernt, und deshalb gab Zooey keine direkte Antwort. "Ich bin lieber auf der sicheren Seite."

     Zuerst gingen sie in Emilys Zimmer.

     Das kleine Mädchen schlief noch fest. Ihr blondes Haar lag auf dem Kissen ausgebreitet und glänzte wie Gold in den ersten Sonnenstrahlen. Zooey legte ihr sanft eine Hand auf die Schulter, beugte sich zu ihr hinunter und flüsterte ihr ins Ohr: "Emily, Süße, dein Daddy möchte dir Auf Wiedersehen sagen."

     Sofort öffnete das Kind die Augen und setzte sich auf.

     Erstaunt und ängstlich sah sie den Vater an und umklammerte seinen Arm.

     "Du gehst weg, Daddy?"

     Ich wusste gleich, dass das eine schlechte Idee war, dachte Jack. Er strich über das seidige blonde Haar. "Ich muss gehen, Kleine. Heute muss ich früh im Gericht sein, und Zooey meinte, du wärest unglücklich, wenn ich mich nicht von dir verabschiede."

     Sofort war der ängstliche Ausdruck verschwunden, und Emily wirkte wieder wie ein kleines Mädchen und nicht wie eine verängstigte Erwachsene.

     "Ach so, dieses Auf Wiedersehen." Jetzt lächelte sie. "Okay."

     Jack war völlig verwirrt. Unsicher blickte er Emily an. "Welches andere Auf Wiedersehen gibt es denn noch?"

     "So wie das von Mommy", antwortete seine Tochter ernst.

     Diesmal sah Jack die Nanny Erklärung heischend an. "Wovon redet sie?"

     Zooey wandte sich zuerst an Emily. "Ich bin gleich bei dir und helfe dir beim Anziehen. Bis dahin kannst du noch ein bisschen weiterschlafen."

     "Okay". Emilys Stimme klang müde, und sie schloss die Augen.

     Zooey hakte sich bei Jack unter. "Komm", flüsterte sie, als ob er Emily aufgeweckt hätte und nicht sie. Sanft zog sie ihn aus dem Zimmer.

     "Was hat sie gemeint?", wollte Jack wissen, als sie draußen waren.

     Anstatt zu antworten, sah Zooey ihren Arbeitgeber an. Er weiß es wirklich nicht, stellte sie fest. Aber er war auch nicht dabei gewesen, als Emily Albträume gehabt hatte, und er hatte nicht ihren ängstlichen Blick gesehen, wenn er spät nach Hause kam, ohne vorher anzurufen.

     "Emily befürchtet, dass du sterben könntest."

     Ungläubig starrte er sie an. "Was? Wieso?" Er hatte dem Mädchen doch keinen Anlass zu dieser Sorge gegeben! Was hatte Zooey ihr erzählt?

     "Weil ihre Mutter gestorben ist", erwiderte sie. "Emilys Reaktion ist ganz natürlich, denn wenn ein Kind einen Elternteil verliert, hat es Angst davor, den anderen Elternteil auch zu verlieren und als Waise zurückzubleiben. Deshalb war es so wichtig, dass Emily dich noch einmal sieht, bevor du das Haus verlässt. So weiß sie, dass es dir gut geht und du nach Hause zurückkommst. Im Moment braucht sie diese Sicherheit."

     "Du bist also auch noch Kinderpsychologin." Jack hatte gar nicht beabsichtigt, so sarkastisch zu klingen. Da er sich aber auch nicht entschuldigen wollte, sagte er lieber nichts mehr.

     Zooey fühlte sich nicht persönlich angegriffen. Schließlich ging es hier nicht um sie, sondern um die Kinder. "Ich habe immerhin einige Vorlesungen in Psychologie besucht."

     Jack schwieg einen Moment und wies dann auf das Zimmer seines Sohnes. "Und wie lautet Jackies Geschichte?"

     "Er spürt Emilys Unruhe natürlich", erwiderte Zooey offen. "Aber in seinem Alter weiß er noch nicht, wie er damit umgehen soll, obwohl er sehr intelligent ist."

     Sie lächelte. "Meistens will er nur, dass sein Daddy da ist. So wie jeder andere kleine Junge."

     Jack war nie wie die Väter gewesen, die man in der Werbung bewundern konnte. Er hatte sich nicht für Kinderspiele interessiert, und seine Fantasie reichte gerade aus, um Plädoyers zu entwerfen. Deshalb konnte er sich gar nicht vorstellen, warum seine Kinder ihn gern um sich haben sollten.

     "Warum?", wollte er wissen. "Du bist doch da."

     "Mit mir haben sie vielleicht mehr Spaß", gab Zooey zu, "aber du bist ihr Daddy, und darum lieben die Kinder dich. Es ist ganz natürlich, dass sie gerne bei dir sein und an deinem Leben teilhaben wollen."

     Jack schüttelte den Kopf. Als Anwalt hätte er Zooeys Worte am liebsten widerlegt, aber er schwieg lieber. Tief in seinem Innern wusste er nämlich, dass sie recht hatte. Er sollte sich mehr mit den Kindern beschäftigen als bisher.

     Im Moment war das nicht möglich. Zu vielfältig waren die Ansprüche, die an seine Zeit gestellt wurden, und in seinem Beruf musste man das Eisen schmieden, solange es heiß war. Nur so konnte man Karriere machen.

     Glück für die Kinder – und für ihn –, dass er Zooey gefunden hatte.

     Wahrscheinlich war es doch nicht so schlecht, manchmal impulsiv zu handeln.

     Als Jack vor dem Zimmer seines Sohnes stand, blickte er die Nanny kurz an. Sein Gesicht wirkte jetzt nicht mehr so streng. "Zahle ich dir eigentlich genug?"

     "Wahrscheinlich nicht", erwiderte sie und wies auf die Tür. "Nun verabschiede dich noch von Jackie, damit du nicht zu spät kommst."

     Jetzt kümmerte sie sich auch noch um ihn. Jack schüttelte den Kopf. "Hat dir schon mal jemand gesagt, dass du Leute herumkommandierst?"

     Einige, dachte sie, sprach es jedoch nicht laut aus. "Das könnte sein, aber ich müsste gar nicht so streng sein, wenn du dich anders verhalten würdest. Jetzt öffne schon die Tür."

     "Jawohl, Ma'am", murmelte er amüsiert und erfüllte ihre Bitte.