6. KAPITEL

Als Zooey endlich wieder klar denken konnte, fragte sie das kleine Mädchen: "Was hast du gesagt?"

     "Wirst du meine Mommy?", wiederholte Emily ihre Frage.

     "Warum willst du das wissen, Emily?", erkundigte sich Zooey vorsichtig, damit das Kind nicht glaubte, es habe sie mit der Frage durcheinandergebracht.

     Offensichtlich war für Emily alles ganz logisch. "Weil Daddy dich geküsst hat und du ihn."

     Das Mädchen wird es sicher noch zu etwas bringen, dachte Zooey. Wenn Emily jetzt schon so gut beobachtet, dann wird ihr später, wenn sie älter ist, noch mehr auffallen. Sie hatte natürlich auch erkannt, dass Zooey wegen des Kusses eine Ausrede erfunden hatte. Dem Kind konnte man nichts vormachen.

     "Mütter und Väter küssen sich", behauptete Emily. "Manchmal sehe ich das auf dem Schulhof, wenn die Eltern ihre Kinder bringen."

     Einen Moment lang stellte Zooey sich vor, wie es wäre, Emilys Mutter zu sein. Ab und zu fühlte sie sich schon fast so. In dem Bild der glücklichen Familie fehlte nur noch Emilys Vater.

     "Manchmal küssen Leute sich, Emily. Wenn sie sich mögen und der Zeitpunkt richtig ist, dann küssen sie sich."

     Diese Erklärung schien Emily zu gefallen. "Ist das passiert?", fragte sie eifrig. "Magst du meinen Daddy?"

     "Dein Daddy ist ein sehr netter Mann", antwortete Zooey vorsichtig.

     Emily gab sich nicht mit vagen Antworten zufrieden. "Mag mein Daddy dich auch?"

     Wieder wich Zooey aus. "Er findet, ich bin eine gute Nanny." Aus der Vorratskammer holte sie die Tüte mit Kartoffeln und stellte sie auf die Anrichte.

     Emily schien nachzudenken. "Das ist gut, denn dann bleibst du. Die anderen Nannys mochte er nicht, und sie sind weggegangen." Sie senkte die Stimme und warf einen raschen Blick zu ihrem Bruder, um sicherzugehen, dass er nicht zuhörte. "Ich mochte die anderen Nannys auch nicht, aber ich mag dich."

     Gerührt umarmte Zooey das Mädchen. "Und ich mag dich." Sie küsste Emily auf die Stirn. "Sogar sehr."

     "Ich auch!", fragte Jackie und kam zu ihnen.

     Ärgerlich schubste Emily ihren Bruder weg. Zooey kniete sich zwischen die Geschwister und legte einen Arm um jedes Kind. Sie drückte sie an sich und versuchte, die mütterlichen Gefühle zu ignorieren, die in ihr erwachten.

     "Ja, Jackie, dich auch. Ich mag euch beide." Seit wann war sie so vorsichtig? "Ich liebe euch beide!", rief sie aus.

     Mit einem entzückten Schrei warf Emily die Arme um sie und drückte sie fest.

 

In dieser Nacht konnte Zooey nicht einschlafen.

     Normalerweise fielen ihr die Augen zu, sobald sich zugedeckt hatte, aber diesmal lag sie wach und dachte über den Tag nach.

     Der Einkaufsbummel hatte Spaß gemacht, und Emily und Olivia hatten sich gut verstanden.

     Vor dem heutigen Tag hatte sie selbst nur selten ein paar Worte mit Olivias Tante gewechselt, aber sie hatte entdeckt, dass Megan eine warmherzige, liebenswerte Person war. Sie entsprach überhaupt nicht dem Bild der gemeinen Ehebrecherin, das die Klatschbasen der Straße von ihr entworfen hatten. Die Frau hatte Humor, liebte ihre Nichte, und man konnte sich gut mit ihr unterhalten.

     Es schien so, als wäre Emily nicht die Einzige, die heute eine neue Freundin gefunden hatte.

     Ihr persönlicher Höhepunkt des Tages war aber der Besuch bei ihren Eltern gewesen, dem sie mit leichtem Unbehagen entgegengesehen hatte. Seit sie das College abgebrochen hatte, war sie ihrem Vater aus dem Weg gegangen. Das Wiedersehen hatte sie sich deshalb ein wenig schwierig vorgestellt.

     Sie hatte sich geirrt.

     Natürlich hatte es einen unbehaglichen Augenblick gegeben, als ihre Mutter sie in die Werkstatt des Vaters geführt hatte. Wortlos hatte sie ihren Vater angeschaut.

     Aber kaum hatte sie das Wort "Dad" ausgesprochen, da war ihr Vater bei ihr und umarmte sie. Fast schien es, als habe während des letzten Jahres keine Funkstille zwischen ihnen geherrscht.

     Zooey lächelte. Im Großen und Ganzen war sie mit dem Tag zufrieden. Das war aber nicht der Grund, warum sie noch wach war.

     Sie wartete darauf, dass Jack nach Hause kam. Alleine.

     Was wäre, wenn er sie mitbrachte?

     Oder wenn er die Nacht oder einen Teil davon bei Rebecca blieb? Sie konnte sich nicht vorstellen, dass sie gemütlich Tee tranken und über Rasendünger redeten. Dafür war Rebecca viel zu sehr Frau.

     Und was bin ich?, fragte sich Zooey. Schließlich hat er mich geküsst. Vor den Kindern.

     Der Kuss war zwar nicht geplant gewesen, aber es hatte ihn gegeben. Bedeutete das gar nichts?

     Sie presste die Lippen zusammen. Natürlich bedeutete das etwas. Jack hatte sie benutzt, um sich für das eigentliche Ereignis des Abends aufzuwärmen.

     Entschlossen drehte Zooey sich um und zog das Kissen über den Kopf. Sie musste einfach schlafen, denn sonst war sie morgen zu nichts zu gebrauchen.

     Finde dich damit ab: Außer in deiner Fantasie läuft nichts zwischen dir und Jack. Basta.

     Schlafen konnte sie trotzdem nicht.

     Zooey setzte sich auf und warf das Kissen auf den Boden. Sie hatte das größere Zimmer unten gegen ein kleineres auf der ersten Etage getauscht, damit sie näher bei den Kindern war, wenn sie nachts riefen.

     Deshalb musste sie sich so anstrengen, wenn sie Geräusche von unten hören wollte.

     Du bist einfach armselig.

     Sie brauchte ein Buch. Ein langweiliges. Vielleicht schlief sie dann endlich ein. Zooey schlug die Bettdecke zurück und stand auf. Der Holzboden unter ihren Füßen war kalt. Deshalb zog sie Hausschuhe an und warf sich ihren Bademantel über die Schultern.

     Kaum war sie unten angekommen, als die Haustür geöffnet wurde. Kurz überlegte sie, schnell nach oben zu flüchten, aber sie wusste, dass Jack sie sehen würde.

     Die Alternative, sich in der Küche zu verstecken, kam ihr feige vor. Deshalb blieb sie, wo sie war, und rechnete fast damit, Rebecca zu erblicken, die an Jacks Arm hing.

     Als Jack ohne Begleitung ins Haus kam, schlug Zooeys Herz schneller.

     Jack war in Gedanken noch bei dem Abend. Du liebe Zeit, er hatte sich auch schon intelligenter benommen! Deshalb nahm er zunächst nichts um sich herum wahr.

     Er wusste nicht, was seine Aufmerksamkeit erregt hatte, aber plötzlich blickte er auf. Und sah Zooey am Fuß der Treppe stehen. Sie trug ein Fußballtrikot, das mindestens zehn Zentimeter länger hätte sein sollen. Und warum hatte sie den Bademantel nicht zugebunden?

     Merkwürdige Gedanken gingen ihm da durch den Kopf! Rebecca hatte ein Kleid getragen, das fast gar nicht vorhanden war. Das bisschen Stoff hatte sich so eng an ihren Körper geschmiegt, dass man sich unwillkürlich fragte, wie sie darin atmen konnte. Trotzdem hatte es ihn nicht so erregt, sie in diesem Kleid zu sehen, wie Zooey in ihrem verflixten Fußballtrikot. Und dem offenen Bademantel.

     Sein Mund schien auf einmal ausgetrocknet, so als hätte er eine Tasse Sand getrunken. "Warum bist du wach? Stimmt etwas nicht?" Er räusperte sich, um nicht zu krächzen.

     Sie schüttelte den Kopf. Sich zu bewegen war leicht, aber zu reden fiel ihr schwer. Jack war zwar nicht früh nach Hause gekommen, aber er war jetzt wenigstens zu Hause. Ohne sie. "Ich wollte mir ein Buch holen."

     "Ein Buch?" Er blickte nach oben und lauschte, ob die Kinder riefen. Doch er hörte nichts. "Um den Kindern vorzulesen?"

     "Nein, um selbst zu lesen", erwiderte sie lächelnd. War das Date nicht gut gelaufen? Ich hoffe es.

     "Ich konnte nicht einschlafen." Noch während sie das sagte, musste sie gähnen, und das war ihr peinlich. "Wahrscheinlich bin ich doch müder, als ich dachte."

     Sie wusste genau, dass sie jetzt das Buch holen oder wieder nach oben gehen sollte. Sie tat allerdings nichts von beidem. Stattdessen ging sie auch noch auf Jack zu. "Wie war denn das Date?", erkundigte sie sich, um einen fröhlichen Tonfall bemüht.

     Er war nicht darauf vorbereitet, von der Nanny seiner Kinder nach seinem Date gefragt zu werden. "Du klingst wie eine besorgte Mutter. Nicht dass meine Mutter jemals solche Fragen gestellt hätte."

     Zooey lachte leise. "Du Glücklicher. Meine immer, egal, wann ich nach Hause kam."

     Einmal hatte sie sich um vier Uhr morgens ins Haus geschlichen, nur um ihre Mutter wach im Wohnzimmer vorzufinden, wo sie gewartet hatte. Diese Frau hatte ein unheimliches Durchhaltevermögen. Wie sie von Kim gehört hatte, traf das immer noch zu.

     "So glücklich war ich darüber gar nicht", erwiderte er. Klang das etwa traurig?, fragte Zooey sich. "Deine Mutter hat sich wenigstens Sorgen gemacht."

     Obwohl sie wusste, dass es sie nichts anging, hakte Zooey nach. "Deine nicht?"

     Jack zog seinen Mantel aus und hängte ihn an die Garderobe. "Zumindest habe ich davon nie etwas bemerkt."

     Mütter machen sich immer Sorgen, dachte Zooey. Viele kümmerten sich sogar zu sehr um ihre Söhne. "Vielleicht wollte sie nur nicht, dass du es merkst. Möglicherweise wollte sie dir mehr Freiraum geben."

     "Das hat sie allerdings getan. Freiraum über den Ozean hinweg." Als Zooey ihn fragend anschaute, erklärte er: "Fast während meiner gesamten Highschool-Zeit ist meine Mutter durch Europa getourt."

     Sein Ausdruck wirkt zynisch, dachte Zooey. Ob sich hinter seiner Fassade so etwas wie Wut verbarg? "Ist sie denn Künstlerin?"

     Bitter lachte er auf. "Wer weiß? Vielleicht." Seine Mutter umgab sich jedenfalls gerne mit Künstlern und anderen Berühmtheiten. Vielleicht hatte sie mit einigen von ihnen geschlafen. "Offiziell hieß es immer, dass sie Urlaub macht. Mein Stiefvater war so viel beruflich unterwegs, dass ihm wahrscheinlich gar nicht aufgefallen ist, wenn sie nicht zu Hause war."

     In Zooeys Ohren klang das schrecklich. Trotzdem bemühte sie sich, ihre Gefühle für sich zu behalten. Jack konnte mit Mitleid sicher nichts anfangen. "Also kein besonderes Familienleben."

     Sie ging in die Küche, und Jack folgte ihr. "Die Hausangestellten waren manchmal ganz in Ordnung."

     Zooey füllte den Wasserkocher und stellte ihn an. Sie würde Jack einen Kräutertee machen, denn er schien etwas Beruhigendes zu brauchen.

     "Daher hast du das also", murmelte sie.

     Jack setzte sich und beobachtete Zooey. Unter dem Trikot konnte man deutlich die Umrisse ihres Körpers sehen.

     "Was habe ich woher?", fragte er. "Wovon sprichst du?"

     "Du imitierst ein Verhaltensmuster. Das einzige, das du kennengelernt hast. Dein Stiefvater war ein Workaholic, und du bist heute genauso."

     Verärgert sah Jack sie an und wollte schon widersprechen. Im letzten Augenblick verbiss er sich die Bemerkung. Sie hatte ja recht. Obwohl er als Jugendlicher unglücklich gewesen war, verhielt er sich seinen Kindern gegenüber nun genauso, wie seine Eltern das getan hatten: Er zog sich ins Büro zurück und behauptete gleichzeitig, er täte es für die Kinder. Was für hohle Phrasen!

     Dabei ging es ihm vor allem um sich selbst. Er arbeitete, weil er sich dann nützlich fühlte. Wenigstens einen kleinen Teil seines Lebens wollte er unter Kontrolle haben.

     Jack fuhr sich durch die Haare. Ihm gefiel überhaupt nicht, dass Zooey die Wahrheit erraten hatte, aber das änderte gar nichts.

     Er betrachtete sie, als sie sich streckte, um Tassen aus dem Küchenschrank zu holen. Ihr Trikot rutschte hoch, und Jack wurde sofort heiß. Schuldbewusst schaute er weg.

     "Welchen Abschluss hast du eigentlich gemacht?", fragte er leise.

     "Keinen." Sie gab einen Teebeutel in jede Tasse und goss das kochende Wasser darauf. "Im letzten Semester habe ich mit dem Studium aufgehört."

     Jack zuckte zusammen. Er wusste genau, wie er sich fühlen würde, wenn Emily das einmal zu ihm sagte. "Ich nehme an, dass deine Eltern nicht begeistert davon waren."

     "Das kannst du laut sagen."

     "Warum hast du aufgehört?", erkundigte er sich neugierig.

     Da war sie, die große Preisfrage. Leider wusste sie darauf keine zufriedenstellende Antwort. "Einfach so", erwiderte sie. "Weil ich mir von niemandem etwas vorschreiben lassen wollte, schon gar nicht von meiner Familie. Ich wollte mich nicht anpassen." Sie zögerte. "Vielleicht hatte ich aber auch Angst."

     "Angst?" Jack konnte sich nicht vorstellen, dass Zooey vor irgendetwas Angst hatte. Sie kam ihm absolut furchtlos vor. "Du? Wovor denn?"

     Zooey stellte die Tasse Tee vor Jack. "Vor dem, was man von mir nach dem Abschluss erwartet hätte", erwiderte sie und sprach damit etwas aus, das sie sich selbst gegenüber noch nie eingestanden hatte. "Solange ich das Studium nicht abgeschlossen hatte, konnten meine Eltern auch nicht erwarten, dass ich so werde wie sie. Nämlich perfekt."

     "Wenn ich dich richtig verstehe, dann hast du deine Eltern enttäuscht, um sie nicht enttäuschen zu müssen."

     Aus seinem Mund klang diese Erklärung albern. Vielleicht ist sie das auch, dachte Zooey.

     Sie zuckte mit den Schultern und grinste. "Wenn ich verzweifelt bin, bringe ich nicht gerade gute Leistungen."

     Jack dachte immer noch an ihr abgebrochenes Studium. Was für eine Schande, dass sie so viel Arbeit investiert hatte, nur um knapp vor dem Ziel aufzugeben! Er nahm einen Schluck Tee, ohne den Blick von Zooey zu wenden. "Warum holst du den Abschluss nicht nach?", erkundigte er sich. "Du solltest deinen Verstand nutzen."

     "Vielleicht", räumte sie ein. "Aber ich kann mein Studium doch gar nicht wieder aufnehmen. Schließlich habe ich einen Job, der mir gefällt, und mein Chef braucht mich für seine Kinder."

     Jack lachte. Natürlich hatte er das nicht vergessen. Er wollte ja gar nicht, dass sie wegging. "Was hältst du von einem Abendstudium?"

     "Abends sind die Kinder auch da."

     "Ja, aber der 'Chef' könnte auch mal zu Hause sein."

     Sie sah ihn an. Das sind ja ganz neue Töne, dachte sie. Normalerweise musste sie ihn immer darum bitten, den Kindern abends wenigstens noch Gute Nacht zu sagen. "Dann müsste er sich bemühen, abends früher heimzukommen."

     "Nun ja, ich könnte es zumindest versuchen." Immer noch blickte er Zooey in die Augen. Ich sollte damit aufhören. "Für einen guten Zweck."

     Es fiel ihr schwer, sich nicht geschmeichelt zu fühlen. "Was wird aus deinen wichtigen Fällen?"

     Die Frau führte wirklich jedes Gegenargument ins Feld. "Hast du schon davon gehört, dass man Arbeit auch mit nach Hause nehmen kann?"

     Natürlich hatte sie das, aber Jack hatte so etwas noch nie getan. Langsam wurde sie misstrauisch.

     Sie stellte ihre Tasse neben seine und setzte sich zu ihm. "Und das würdest du für mich tun?"

     Zooeys Augen waren sehr groß. Und wunderschön. Noch nie war ihm das aufgefallen. Langsam fiel es Jack schwer, sich noch auf das Gespräch zu konzentrieren. Die Sehnsucht danach, die Nanny seiner Kinder in den Arm zu nehmen, schien seit dem Date mit Rebecca sogar noch stärker geworden zu sein.

     "Du hattest recht. Ich sollte wirklich mehr Zeit mit den Kindern verbringen", räumte er ein. "Und wenn ich zu Hause bin, dann könntest du doch Vorlesungen besuchen, damit du den Abschluss noch machen kannst."

     Lachend schüttelte sie den Kopf. Diese Worte hätte sie nie von ihm erwartet. "Meine Mutter würde dich mögen. Sie ist schon ganz verrückt nach Jackie", fügte sie hinzu. Statt erschöpft zu sein, hatte ihre Mutter den kleinen Jungen nur ganz widerwillig abgegeben.

     Jack blickte sie fragend an.

     "Ich habe Jackie heute bei meiner Mutter gelassen, als ich mit Emily und Olivia beim Einkaufen war."

     Fast hatte er den Einkaufsbummel vergessen. Er nahm einen Schluck von dem Tee, den sie ihm zubereitet hatte. Allerdings brauchte es wohl mehr als Kräutertee, um die Schmetterlinge zu beruhigen, die er im Bauch hatte. "Emily wirkte viel glücklicher als sonst."

     "Ja, sie hat eine neue Freundin und eine neue Garderobe. Wenn man sieben Jahre alt ist, dann ist damit die Welt fast perfekt."

     "Danke", sagte er unvermittelt.

     "Für den Tee?"

     "Nein, für das Glück meiner Tochter." Er schob seine Tasse weg und betrachtete sie. "Du bist wirklich eine ganz besondere Frau, Zooey."

     Komplimente machten sie verlegen, weil sie nie wusste, wie sie darauf reagieren sollte. "Deine Kinder machen es mir leicht."

     Dass sie das findet, spricht nur noch mehr für sie, dachte Jack.

     "Die Nannys, die ich früher eingestellt hatte, haben ganz anders reagiert. Für sie waren die Kinder kleine Teufel. Von mir waren sie natürlich auch nicht begeistert, weil sie mich zu anspruchsvoll fanden. Und 'zu unsichtbar', was immer das bedeutet."

     Zooey stützte ihr Kinn in die Hand und blickte Jack an. "Für mich bist du sehr wohl sichtbar." Abrupt hielt sie inne. Sie nahm eine Serviette aus dem Behälter auf dem Tisch, wickelte sie um den Zeigefinger und wischte Jack sanft über einen Mundwinkel. "Pink steht dir nicht", meinte sie und hielt die Serviette mit dem Rest Lippenstift hoch.

     Jack räusperte sich. "Rebecca hat mich geküsst."

     "Ich glaube nicht, dass sie dich brandmarken wollte."

     Zooey saß zu nahe neben ihm, und er konnte ihr nicht mehr lange widerstehen. Die ganze Zeit schon fragte er sich, wie sie wohl unter dem Trikot aussah.

     Unvermittelt stand Jack auf. "Ich gehe jetzt lieber schlafen", sagte er abrupt.

     "Ich räume noch die Tassen weg", erwiderte sie leise.

     Zooey seufzte, als Jack die Treppe hochging. Sie hatte das Gefühl, für jeden Schritt nach vorn einen zurück zu machen. Am Ende stand sie an der gleichen Stelle, an der sie angefangen hatte, und fragte sich verwirrt, wie sie dort hingekommen war.