7. KAPITEL

Zooey schloss die Haustür hinter sich. Gerade hatte sie Emily und Olivia von der Schule abgeholt und Olivia nebenan abgeliefert.

     Als Nächstes mussten Hausaufgaben gemacht und das Essen vorbereitet werden, aber Zooey hielt es für wichtig, dass Arbeit und Vergnügen sich die Waage hielten. Deshalb hatte sie Milch und Schokoladenkekse für die Kinder bereitgestellt. Das Schwierige daran war gewesen, Jackie von den Süßigkeiten fernzuhalten, denn der Kleine naschte für sein Leben gern.

     Unter Zooeys wachsamen Blicken kletterten Jackie und Emily nacheinander auf den kleinen Hocker vor der Spüle und wuschen sich die Hände. Nachdem Jackie fertig war, musste erst einmal der Boden um die Spüle trockengewischt werden.

     "Freust du dich schon auf Halloween?", fragte Zooey Emily, während sie das Handtuch aufhängte. "Ich war früher immer ganz aufgeregt."

     "Halloween, Halloween!", rief Jackie begeistert, während seine Schwester kaum reagierte.

     Der Kleine war wie ein Papagei, der alles nachsprach, was er hörte, aber um ihn sorgte Zooey sich gerade nicht. Emily beschäftigte sie mehr. Natürlich hatte sie schon Fortschritte erzielt, denn ein paar Mal hatte Emily sogar selbst eine Unterhaltung mit Olivia angefangen. Aber sie brauchte mehr als das, damit ihr Selbstbewusstsein gestärkt wurde.

     Die Halloweensüßigkeiten im Supermarkt, die Jackie am liebsten alle aus den Regalen geräumt hätte, hatten sie auf eine Idee gebracht. Emily konnte doch eine Halloween-Party feiern, und zwar für die Kinder aus der Nachbarschaft und deren Eltern. Für Jack wäre es auch nicht schlecht, noch weitere Nachbarn außer Rebecca kennenzulernen.

     Die Frage war nur, was Emily von der Idee hielt. Wenn das Mädchen Halloween so toll fand wie andere Kinder Spinat, dann brauchte sie sich erst gar keine Mühe zu geben, Jack von einer Party zu überzeugen.

     Trotzdem konnte sie sich kein Kind vorstellen, das sich nicht auf Halloween freute. Sie und ihre Geschwister hatten früher förmlich auf den Tag hingefiebert.

     "Vielleicht", antwortete Emily endlich und zuckte gleichgültig mit den Schultern.

     Ihren Mangel an Begeisterung konnte Zooey nicht begreifen. Hier musste sie wohl ein wenig intensiver nachbohren. Sie setzte sich an den Tisch und nahm einen Keks.

     "Verkleidest du dich nicht gerne und ziehst durch die Nachbarschaft, um Süßes zu sammeln?", fragte Zooey nach.

     Emily sah sie an, als hätte Zooey Chinesisch gesprochen. "Aber das machen wir doch gar nicht", erwiderte sie schließlich.

     "Dann feiert ihr immer eine Party?"

     "Nein", erwiderte Emily und schüttelte den Kopf.

     "Verkleidet ihr euch wenigstens?"

     Wieder schüttelte das Mädchen den Kopf.

     "Warum nicht?"

     Wehmütig seufzte Emily. "Die letzten beiden Nannys, die wir hatten, fanden das albern."

     Wo hatte Jack nur so herzlose Frauen aufgetrieben? Welche Anzeige hatte er aufgegeben? "Nanny ohne jeden Humor und ohne Erinnerung an die eigene Kindheit gesucht"?

     Zooey reichte Emily einen Keks. "Du bist doch ein Kind, und Kinder dürfen albern sein. Außerdem ist es nicht albern, sich an Halloween zu verkleiden. Das Fest hat bei uns eine lange Tradition, und es macht Spaß."

     Nun hing Emily an ihren Lippen. "Verkleidest du dich an Halloween?", fragte sie hoffnungsvoll.

     "Aber natürlich." Sie beugte sich verschwörerisch zu dem Mädchen. "Möchtest du nicht gerne dieses Jahr eine Party feiern?"

     Nun strahlten Emilys Augen. "Eine richtige Party?"

     "Jawohl, eine richtige Party", erwiderte Zooey lächelnd.

     Emily schien es nicht zu glauben. "Mit Ballons und allem?"

     "Mit Ballons und allem", wiederholte Zooey und schwor sich, die schönsten und größten Ballons zu finden. Es sollten keine mit Gruselmotiven sein, sondern mit Prinzessinnen und Elfen und Zauberwesen.

     Plötzlich verschwand Emilys Begeisterung. "Daddy findet das sicher nicht gut."

     "Überlasse deinen Daddy mir", riet Zooey ihr.

     Offensichtlich hatte Emily immer noch Zweifel, aber sie schien zu glauben, dass Zooey Wunder bewirken konnte. "Meinst du wirklich?"

     "Ja", versprach Zooey dem Kind.

     Emily sprang von ihrem Stuhl und umarmte ihre Nanny fest. Überglücklich erwiderte Zooey die Umarmung.

     "Du bist super, Zooey."

     "Ja, das bin ich", erwiderte sie lachend. Sie hoffte nur, dass sie den Mann, den sie in der vergangenen Woche kaum gesehen hatte, überzeugen konnte.

     "Super!", rief Jackie und richtete sich in seinem Kinderstuhl auf. Gerade rechtzeitig konnte Zooey ihn festhalten.

     "Du bist noch mein Tod, Junge", sagte sie ihm.

     "Tod!", brüllte er.

     "Aber nicht vor der Halloween-Party", fügte sie hinzu und blickte zu Emily.

     "Danach auch nicht", sagte das Mädchen energisch.

     Gerührt umarmte Zooey beide Kinder.

 

An diesem Abend wartete sie auf Jack, um ihn um Erlaubnis für die Party zu bitten. Wenn nötig, wollte sie sämtliche Register ziehen, um seine Zustimmung zu bekommen.

     Nachdem sie die Kinder zu Bett gebracht hatte und die beiden schliefen, ging sie ins Wohnzimmer und setzte sich in den großen, bequemen Sessel, der gegenüber der Tür stand.

     Seufzend ließ sie sich in die Polster sinken. Der Tag mit den Kindern war anstrengend gewesen. Heutzutage bekamen die Kinder viel mehr Hausaufgaben auf als früher, und obwohl Emily sehr intelligent war, kontrollierte Zooey trotzdem, ob sie alles erledigt hatte.

     Einen Augenblick später fragte sich Zooey, ob Jack bald eine Frau heiraten würde, die Emily bei den Hausaufgaben half.

     Dieser Gedanke schmerzte. Natürlich sollte es ihr egal sein, wen der Mann heiratete und wer die Mutterrolle bei seinen Kindern übernahm.

     Sie warf einen Blick auf die Uhr. Es war schon spät.

     Jacks Abendessen stand bereits seit Stunden bereit. Kannte der Mann den Nachhauseweg nicht mehr? Das war der letzte klare Gedanke, den Zooey fassen konnte, bevor die Müdigkeit sie überwältigte.

     Als die Haustür geöffnet wurde, schreckte Zooey auf und sah blinzelnd auf die Uhr. Sie hatte fast eine Stunde geschlafen. Schnell stand sie auf, aber sofort wurde ihr schwindelig. Sie schwankte etwas, und bevor sie sich wieder gefangen hatte, trat Jack ins Wohnzimmer.

     "Zooey, was ist los?"

     Sie spürte seine starken Arme, die sie hielten, sodass sie das Gleichgewicht nicht verlor. Seine Stimme klang besorgt. Zooey atmete tief ein und aus.

     "Nichts. Ich bin im Sessel eingeschlafen und dann zu schnell aufgestanden", erklärte sie.

     Jack betrachtete sie genau, um festzustellen, ob sie ihm etwas verschwieg. Langsam kehrte wieder Farbe in ihr Gesicht zurück.

     "Warum bist du noch wach?", fragte er. Er war absichtlich so spät nach Hause gekommen, um ihr nicht zu begegnen. Niemals hätte er damit gerechnet, dass er sie auffangen müsste, sobald er hereinkam. "Es ist schon spät. Du solltest im Bett liegen."

     Wieder atmete sie tief ein. Seine Nähe trug nicht gerade dazu bei, das schwummrige Gefühl in ihrem Kopf loszuwerden. "Diesen Spruch solltest du eher bei deiner Tochter anbringen, nicht bei mir."

     "Aber Emily liegt im Bett, im Gegensatz zu dir", konterte er. Er merkte, dass er sie immer noch festhielt. Und dass es ihm viel zu sehr gefiel. "Kann ich dich jetzt loslassen? Kannst du stehen?"

     "Ja."

     Er ließ die Hände sinken, und sofort vermisste Zooey seine Berührung.

     "Ich habe auf dich gewartet."

     "Stimmt etwas nicht mit den Kindern?"

     "Nur wenn du Nein sagst."

     Nach dem langen Arbeitstag lagen seine Nerven blank, und er hatte nicht viel Geduld. "Ich weiß, warum die Kinder dich so mögen. Du sprichst in Rätseln."

     Oje, Jack wirkte gereizt – dabei sollte er milde gestimmt sein, um ihr die Erlaubnis für die Party zu geben. Ein voller Magen würde dabei sicher helfen. "Ich habe das Abendessen für dich warm gestellt."

     "Habe schon gegessen."

     "Was?"

     "Habe schon gegessen", wiederholte er.

     "Nein, ich will wissen, was du gegessen hast."

     Einen Augenblick dachte er nach. Er hatte zwar etwas gekaut, wusste aber nicht mehr genau, was es gewesen war.

     "Bin nicht sicher", gab er zu. "Irgendetwas mit Hühnchen, das ein Kollege beim Imbiss geholt hat."

     Jack ging zur Treppe und war überrascht, als Zooey sich bei ihm unterhakte und ihn zur Küche führte.

     "Was hast du vor?"

     "Du sollst etwas Vernünftiges essen. Ich habe einen Hackbraten gemacht, der den Kindern sehr gut geschmeckt hat."

     Er zog die Stirn in Falten, als er in die Küche kam. Alle Lampen waren eingeschaltet, und der Raum schien ihn willkommen zu heißen. Wahrscheinlich war er übermüdet.

     "Hackbraten mag ich nicht."

     "Meiner wird dir schmecken."

     "Hat dir schon mal jemand gesagt, dass du verdammt stur bist?"

     Zooey blickte ihn über die Schulter an. "So etwas habe ich schon mal läuten hören. Dir wird der Hackbraten schmecken", wiederholte sie und nahm den Teller aus dem Ofen. "Er enthält unter anderem Möhren, zwei Arten Paprika, Zwiebeln, und saure Sahne. Man könnte sagen, er ist eine vollständige Mahlzeit."

     Jack musste zugeben, dass es verführerisch duftete.

     Dasselbe galt für Zooey. Sie wirkte schläfrig, und er fand das ungemein sexy. Obwohl er sich zu einem weiteren Date mit Rebecca verabredet hatte, reagierte er nach wie vor stark auf Zooey. Gegen seinen Willen.

     In den letzten zehn Tagen war er nicht viel zu Hause gewesen, um ihr aus dem Weg zu gehen, und trotzdem fühlte er sich immer noch zu ihr hingezogen. Seine Gefühle waren eher noch stärker geworden, denn Zooey amüsierte und faszinierte ihn.

     Leider durfte er seinen Gefühlen nicht nachgeben. Er brauchte eine Nanny für seine Kinder, und die liebten Zooey sehr. Sie schien die Einzige zu sein, die gut mit ihnen umgehen konnte.

     "Probier mal", bot Zooey an und schob ihm den Teller hin, bevor sie ihm eine Gabel reichte. "Setzen", befahl sie, als er immer noch stand.

     Folgsam ließ Jack sich auf den Stuhl sinken und probierte einen Bissen Hackbraten. Vermutlich schmeckte er ohnehin nichts, denn der Sinn stand ihm nach etwas ganz anderem als Essen.

     Doch was er da schmeckte, überraschte ihn. Er führte die nächste Gabelvoll zum Mund. Und die nächste. Und mit jedem Bissen wuchs sein Genuss.

     "Und?", fragte sie, als er nichts sagte. Natürlich sah Zooey ihm an, dass es ihm schmeckte, aber sie wollte die Worte hören. Der Mann musste lernen, sich auszudrücken, damit er auch seinen Kindern gegenüber Gefühle äußern konnte. Das war viel wichtiger, als ihr Komplimente für ihre Kochkünste zu machen. Aber irgendwo musste man ja anfangen.

     "Nicht schlecht", murmelte er.

     "Nicht schlecht?", fragte sie nach. Wenn einer ihrer Brüder so geantwortet hätte, hätte sie ihn kräftig geknufft. "Was ist mit deinen Geschmacksknospen los?"

     Jack musste über ihren Gesichtsausdruck lachen. Schon lange hatte er nichts so Gutes mehr gegessen, und das wollte schon etwas heißen. Schließlich kochte Zooey schon seit Januar für ihn.

     "Dein Hackbraten ist wirklich lecker", gab er zu.

     "Dann iss auf", befahl sie. "Es gibt noch mehr."

     "Worüber möchtest du mit mir reden?", wollte er wissen, während er weiteraß.

     Zooey setzte sich und bereitete sich innerlich auf eine Diskussion vor. "Ich dachte, wir könnten einmal eine Party für Emily geben."

     "Eine Party?", fragte er verwundert. "Warum? Sie hat doch gar nicht Geburtstag." Dann überlegte er einen Moment, in welchem Monat sie sich gerade befanden. "Oder?"

     Entgeistert starrte Zooey ihn an. Hatte er denn nichts als seine Arbeit im Kopf? "Du weißt nicht, wann deine Tochter Geburtstag hat?"

     "Natürlich weiß ich das." Es ärgerte ihn, dass sie so schlecht von ihm dachte. "Am 11. Juni. Wenn ich so lange arbeite, dann verliere ich manchmal das Zeitgefühl", gab er zu. "Wochen und Monate verschwimmen."

     "Das kommt nur von den staubigen Büchern, in denen du dich vergräbst." Da sie ihn nicht verärgern wollte, kam sie wieder auf das Ursprungsthema zurück. "Ich rede von einer Halloween-Party", erklärte sie. "Du solltest für Emily eine Halloween-Party geben."

     "Sollte?" Merkwürdige Wortwahl, die sie verwendete. Er sollte mehr Ruhe haben, aber damit war in naher Zukunft nicht zu rechnen. "Zooey, von Partys habe ich überhaupt keine Ahnung."

     Natürlich hatte sie nicht gemeint, dass er sich darum kümmern sollte. Um Himmels willen, das würde in einer Katastrophe enden! "Was für ein Glück für dich, dass ich mich damit umso besser auskenne!"

     Sein Teller war leer. Jack legte die Gabel beiseite und trank einen Schluck Wasser. "Daran zweifle ich nicht. Aber wieso sollte ich eine Party für Emily geben? Ich dachte zwischen ihr und Odette liefe alles gut …"

     "Olivia", verbesserte Zooey. "Das Mädchen heißt Olivia. Es läuft auch alles gut mit den beiden, aber Emily muss noch mehr aus sich herausgehen. Sie muss lernen, Spaß zu haben."

     "Dafür habe ich doch dich." Das klang jetzt ein bisschen zweideutig, wie Jack bemerkte. Hastig fuhr er fort: "Ich will damit sagen, dass du dafür sorgen sollst, dass Emily sich amüsiert."

     "Das versuche ich auch", betonte sie. "Sobald du Ja zu der Party sagst."

     Er war nicht der Typ, der in einen Pool sprang und dann erst nachfragte, wie tief er war. Eher einer, der sich vor dem Sprung nicht nur nach der Tiefe, sondern auch nach der Baugenehmigung erkundigte. Bevor er dieser Idee zustimmte, brauchte er mehr Informationen. Wer weiß, was Zooey genau unter Party verstand?

     "Wie viele Leute sollen denn kommen?"

     Fast konnte sie sehen, wie sein Verstand arbeitete. "Nicht die ganze Welt", beruhigte sie ihn. "Nur die Kinder aus der Nachbarschaft und deren Eltern."

     Er merkte, dass Zooey alles schon geplant hatte. Vielleicht wäre eine solche Veranstaltung wirklich gut für Emily, denn er selbst hatte als Kind nie eine Party gefeiert. Wenn das anders gewesen wäre, fiele es ihm möglicherweise heute leichter, Kontakte zu knüpfen. "Wann ist Halloween?"

     "Am 31. Oktober, demselben Tag wie jedes Jahr. In zwei Wochen", fügte sie hinzu, falls er das aktuelle Datum nicht kannte.

     "Gut, dann bereite alles vor." Er schob den Stuhl zurück und stand auf. "Ich kann dann länger in der Kanzlei bleiben, selbst wenn ich nicht an einem aktuellen Fall arbeite …"

     "Nein, nein, nein!", unterbrach ihn Zooey so vehement, dass Jack sie anstarrte. "Du musst hier sein."

     "Wieso?"

     "Weil die Party auch für die Eltern ist", betonte sie, "und du bist schließlich Emilys Vater."

     Die Vorstellung, an einer Party teilzunehmen, bei der ein Haufen Kinder herumsprang, sandte ihm Schauder über den Rücken. Und die Aussicht, sich mit Erwachsenen zu befassen, die er kaum kannte, fand er auch nicht gerade reizvoll.

     "Du kannst ja meine Rolle übernehmen."

     "Ich sehe nicht böse genug aus." Kaum hatte sie die Worte ausgesprochen, da bereute sie sie auch schon.

     "Böse?"

     Er hatte sich nie für böse gehalten, schon gar nicht im Umgang mit den Kindern. Natürlich war er häufig nicht da, aber wenn er zu Hause war, brüllte er nie und verlor nie die Geduld, egal wie wild Jackie sich benahm.

     Zooey machte einen Rückzieher. "Okay, vielleicht ist streng ein besseres Wort. Du machst oft ein finsteres Gesicht." Er wirkte überrascht. Wusste er das etwa nicht?

     "An Halloween ist das natürlich in Ordnung, dann passt der Blick zum Kostüm."

     "Welches Kostüm?"

     "Das Piratenkostüm, das du tragen wirst", antwortete sie unschuldig.

     "Auf keinen Fall trage ich ein Piratenkostüm", stellte er klar.

     "Aha?" Sie konnte ihn sich gut als Pirat vorstellen, denn er hatte etwas Verwegenes an sich. Sonst würde sie sich nicht so zu ihm hingezogen fühlen. Sie wollte allerdings nicht auf dem Piraten bestehen. "Welches Kostüm möchtest du denn tragen? Ich muss ziemlich bald eins für dich besorgen, denn sie sind schnell vergriffen."

     "Ein Jackett, passende Hose und Krawatte", antwortete er.

     Sie hätte es wissen müssen. Zooey schüttelte den Kopf. "Es geht darum, in eine andere Rolle zu schlüpfen. Wenn wir kein Kostüm finden, das dir gefällt, kann ich eins nähen."

     "Du kannst nähen?"

     Zooey wusste, dass sie nicht besonders häuslich wirkte. "Beim Nähen kann ich mich gut entspannen."

     Entspannen – dieser Wirbelwind? "Kommt mir nicht vor, als hättest du in letzter Zeit viel genäht."

     Sie lachte. "Die erste witzige Bemerkung, die ich von dir höre."

     "Das sollte kein Witz sein." Er hatte nur eine Beobachtung gemacht. "Zooey, tu alles, was nötig ist, um meine Tochter glücklich zu machen. Ich gebe dir meine Kreditkarte, damit du besorgen kannst, was du für die Party brauchst …"

     "Gut, aber das Erste, was ich möchte, bist du." Das kam jetzt etwas zu schnell und zu gefühlvoll, dachte sie. "Für Emily", fügte sie hastig hinzu. "Wie soll sie sich fühlen, wenn die Eltern der anderen Kinder dabei sind, und nur bei ihr treten weder Vater noch Mutter in Erscheinung?"

     Obwohl er es nicht gerne zugab, hatte sie wahrscheinlich recht. "Dir fällt es offenbar ziemlich leicht, jemandem Schuldgefühle einzureden."

     Zooey lachte, während sie seinen Teller vom Tisch nahm und in die Spülmaschine stellte. "Ich hatte einen guten Lehrer."

     "Deine Mutter?", vermutete er.

     "Meinen Vater." Sie schloss die Spülmaschine und wandte sich zu Jack. "Du kommst also?"

     Eigentlich wollte er wirklich nicht, aber sie ließ ihm keine andere Wahl. "Bei dir hört sich das so an, als müsste Emily die nächsten zehn Jahre therapiert werden, wenn ich nicht komme."

     "Schön, dass wir uns verstehen", erwiderte sie.

     Nicht so ganz, dachte er, als er ihr aus der Küche folgte. Er bezweifelte, ob er jemals verstehen würde, wie ihr Verstand funktionierte.

     Ein Pirat. Er seufzte innerlich. Irgendwie musste er diesem Schicksal doch entkommen. Zwei Wochen blieben ihm, um eine Lösung zu finden.