6. KAPITEL

"Theos mou … das fühlt sich gut an", flüsterte Alexandros und ließ seine Zunge zwischen ihre Lippen gleiten – bis sie unter der provozierenden Bewegung erzitterte und keinen klaren Gedanken mehr fassen konnte.

     Atemlos und schwach von seinen raffinierten Küssen, unternahm Katie einen letzten Versuch. "Wir sollten reden …"

     Doch Alexandros wollte sich nicht unterhalten. Er presste sie gegen die Kissen und hielt sie mit seinem muskulösen Körper gefangen; konzentrierte sich ganz darauf, ihr so viel Vergnügen wie möglich zu bereiten, damit eine ernsthafte Diskussion das Letzte war, woran sie dachte. Er setzte ohne Unterlass seine Erkundungen ihres Mundes mit Lippen, Zähnen und Zunge fort.

     Eine Woge reinster Erotik hüllte Katie ein. Sie brannte, sie loderte in glühendem Rot, in gleißendem Weiß. In rastlosen Kreisen strich sie über seine breiten Schultern. Die Hitze zwischen ihren Beinen flammte noch heißer auf. Sie zerrte an seinem Hemd. Alexandros erhob sich und befreite sich davon.

     Katie tat einen unsicheren Atemzug. Er war so sexy, so absolut sexy, und noch perfekter, als sie ihn in Erinnerung hatte. Ohne nachzudenken, getrieben allein von ihrem Verlangen, von dem sie geglaubt hatte, es nie wieder zu empfinden, richtete sie sich auf und streichelte mit den Händen über seine durchtrainierte Brust hinunter zu seinem Bauch. Als ihn ein Zittern durchlief, war sie von ihrer eigenen Kühnheit überwältigt.

     "Warum sollten wir reden, wenn wir das hier tun können?", fragte er und legte ihre Hände wieder an seinen Körper. Er strahlte eine so sinnliche Erotik aus, die im krassen Gegensatz zu seinem kühlen und kalkulierenden Denken stand.

     "Alexandros." Seine warme Haut zu berühren machte sie ganz schwach und warm vor Sehnsucht. Er streckte sich neben ihr aus, damit ihre Finger die feinen Härchen über seinem Gürtel streifen konnten.

     "Berühre mich", drängte er, umfasste ihre Hüften und presste sich gegen sie, sodass sie seine erregte Männlichkeit spüren konnte.

     "Wir sollten nicht … wir dürfen nicht", murmelte sie unbestimmt und kämpfte gegen den Strudel verwegenen Verlangens an, der sich in ihr gebildet hatte.

     Doch noch während sie sprach, straften die Reaktionen ihres Körpers ihre Worte Lügen. Sie hielt ihn eng umschlungen, genoss die Stärke und Männlichkeit seines Körpers. Als er ihre geröteten Lippen hungrig mit seinen verschloss, stöhnte sie hilflos auf, ließ sie ihren Kopf zurücksinken und spürte eine bebende Sehnsucht tief im verborgenen Zentrum ihrer Lust.

     Doch als er ihr das Kleid auszog, erwachte sie aus ihrer entrückten Versunkenheit.

     Fasziniert betrachtete Alexandros das Bild, das sich ihm darbot: ihre weiblichen Kurven nur noch von feiner Spitzenunterwäsche verhüllt.

     Die unverhohlene Freude, die in seinen glühenden Augen funkelte, nahm Katie gefangen. Verlegene Röte breitete sich auf ihren Wangen aus, dennoch fühlte sie sich geschmeichelt, dass er solche Bewunderung für sie empfand.

     Mit einem Finger löste er den Verschluss vorne an ihrem BH; die Körbchen glitten zur Seite und enthüllten die bereits aufgerichteten, rosa schimmernden Knospen ihrer Brüste.

     "Ich weiß nicht, was dein Körper an sich hat", bekannte er mit belegter Stimme, als er sie hastig an sich zog, "aber er lässt mich den Verstand verlieren, glikia mou."

     Die erotischen Liebkosungen seiner Zunge auf ihren empfindsamen Brüsten ließen ihren letzten Widerstand schmelzen. Als er aufstand und sie in seine Arme hob, schien ihr Körper nur noch aus Empfindungen zu bestehen. Er trug sie die wenigen Treppenstufen zur Veranda hinauf und durch den geschwungenen Eingang in den Turm. Dahinter befand sich ein unerwartet märchenhaftes Zimmer. Der Duft von Hunderten frischer Blumen lag in der Luft; ein großes Himmelbett stand in der Mitte des Zimmers, dessen Seiten mit dünnen Stoffbahnen verhängt waren.

     "Was für ein Traum!" Katie kam sich vor, als befinde sie sich in einem Traum, aus dem sie nie wieder erwachen wollte.

     "Ich wusste, dass es dir gefällt", entgegnete Alexandros und setzte sie vorsichtig auf dem Bett ab. "Ich weiß genau, was du magst."

     Im Bruchteil einer Sekunde befreiten sich ihre Gedanken aus dem Verlies, in das sie die letzten Monate verbannt worden waren, und kehrten zu den romantischen Dingen zurück, die er in jenem Sommer für sie getan hatte. Eine von Kerzen umgebene Badewanne, die Wasseroberfläche mit Rosenblüten bedeckt. Kleine unerwartete Geschenke wie Parfüm und Blumen. Ihr Lieblingsbuch in Leder gebunden, ein Film, den sie seit ihrer Kindheit nicht mehr gesehen hatte. Es schien, als wüsste er genau, womit er sie glücklich machen konnte. Dann zeigten Bilder in ihrem Kopf das abrupte Ende ihrer Affäre. Hastig schob sie die düsteren Erinnerungen beiseite.

     "Katie." Alexandros neigte den Kopf und küsste sie voller Leidenschaft. Ihr Ausflug in die Vergangenheit verflüchtigte sich wie ein unheimlicher Schatten. "Ich will dich."

     Als sie in sein Gesicht blickte, durchströmte sie zärtliche Sehnsucht, die keinen Platz mehr für rationales Denken ließ. Er liebkoste ihre Brüste, und die sinnlichen Empfindungen verdichteten sich zu heißem Verlangen. Während er die rosa Spitzen mit dem Mund verwöhnte, befreite er sie von den letzten Kleidungsstücken.

     Als er ihre Beine spreizte, stieg eine noch intensivere Welle der Lust in ihr auf. Er streichelte über das Zentrum ihrer Weiblichkeit, und die erste bebende Glut ergriff ihren nach Leidenschaft hungernden Körper. Seine Berührungen waren wie eine süße Qual. Noch nie in ihrem Leben hatte sie solche Erregung empfunden. Kleine Schreie und lautes Stöhnen entrangen sich ihrer Kehle. Der Punkt der höchsten Lust kam immer näher und näher, bis es kein Zurück mehr gab. In wilden Wogen trug die Ekstase sie mit sich davon.

     "Gut?"

     Nach Atem ringend erreichte Katie wieder die Erde. Die Intensität ihres Erlebnisses ließ sie immer noch erzittern. Sie sah ihn mit weit aufgerissenen Augen an. "Mehr als das!"

     Ein schelmisches Grinsen erschien auf seinen sinnlichen Lippen. "Schön. Ich habe dir ja auch gar nicht erst die Zeit gelassen, an deine Hemmungen zu denken."

     In einer geschmeidigen Bewegung schob er sich über sie. Langsam und tief drang er in sie ein, und erneut durchflutete heißes Verlangen ihren so wunderbar erregten Körper. Die Schwere, die sie eben noch umfangen hatte, verschwand. Dafür regte sich ihre Lust erneut.

     Alexandros umfasste ihre Handgelenke und hielt sie in festem Griff gefangen. "Du fühlst dich so gut an", sagte er. "Und ich fühle mich fantastisch!"

     Ihr Körper schien seinen eigenen Willen zu entwickeln. Er bog sich Alexandros' Bewegungen entgegen und ließ sich auf den glühenden Wogen forttragen, die sie gemeinsam entfachten. Wieder trieb sie dem Punkt ohne Wiederkehr entgegen und verlor sich in den süßen Fluten der Lust.

     Er lachte leise und zog sie in seine Arme. "Ich habe dich so vermisst … Du bist so leidenschaftlich, pedhi mou."

     "Ich bin so schläfrig", erwiderte sie.

     Alexandros strich ihr in einer beruhigenden Geste über den Rücken. "Dann schlaf."

     "Hm …", erwiderte sie eine Ewigkeit später, als sie sich, noch ganz ermattet vom Schlaf, der erotischen Wärme und Erregung seines Körpers wieder bewusst wurde. All ihre Sinne erwachten erneut, und sie flüsterte seinen Namen zum Zeichen des Willkommens.

     Es war die wunderbarste Erfahrung ihres Lebens. Dieses Mal genossen sie das langsame und sinnliche Vergnügen, das sich in sanften Wellen über ihre Körper ausbreitete. Ganz allmählich steigerten sie ihren Rhythmus, bis die Wogen der Leidenschaft leise über ihnen zusammenschlugen. Ein übermächtiges Gefühl von Glück und Erfüllung nahm von Katie Besitz. In diesem Moment, als keine Vorsicht mehr existierte, formten sich Worte der Liebe auf ihren Lippen … und wären vielleicht laut ausgesprochen worden, wenn nicht ein sechster Sinn sie vor dem gefährlichen Terrain gewarnt und zum Schweigen gebracht hätte. Grausamer hätte sie nicht in die Wirklichkeit zurückgeholt werden können.

     Katie öffnete die Augen, Schock und Furcht lagen in ihrem Blick. Die dunkle Ahnung eines Déjà-vus stieg in ihr auf. Sie hatte sich ihm hingegeben, war in seinen Armen eingeschlafen wie ein vertrauensseliger Naivling. Und beinahe hätte sie ihm wieder gestanden, dass sie ihn liebte. Denn tief in ihrem Inneren, unter all dem Zorn und dem Trotz, verbarg sich die Liebe, von der sie glaubte, sie überwunden zu haben. Der Panik und der Verwirrung über die Gefühle, die sie sich selbst nicht eingestanden hatte, folgte rasch wütende Scham. Das war der Kerl, der sie skrupellos verlassen hatte. Hatte er sie wirklich vermisst? Ja klar – so sehr, dass er keinen Kontakt mehr mit ihr aufgenommen hatte! Was war aus der Freundschaft geworden, die er vorgeschlagen hatte?

     Mit klopfendem Herzen blickte Katie sich im Zimmer um. Die Einrichtung war sehr weiblich und traf genau ihren persönlichen Geschmack. Sie runzelte die Stirn. Pastelltöne waren ihre Lieblingsfarben, und sie liebte frische Blumen. Hatte sie jemals mehr Rosen und Lilien in einem Zimmer gesehen? Was war noch notwendig, um ihren Verdacht zu erregen und ihre Wachsamkeit zurückzugewinnen?

     Schon das Picknick war sorgfältig inszeniert worden, überlegte sie angespannt. Eine eisige Kälte breitete sich in ihr aus. Wie ein dummer kleiner Fisch hatte sie sich von einem erfahrenen Angler ködern lassen.

     "Du bist so still", seufzte Alexandros in diesem Moment. "Ich hasse es, unsere Idylle zu zerstören, aber ich habe seit dem Frühstück nichts mehr gegessen. Und jetzt ist es bereits Zeit für das Abendessen."

     Mit einer abrupten Bewegung wandte Katie sich von ihm ab und richtete sich auf. "Du hast wirklich einen Narren aus mir gemacht!"

     Er versteifte sich und stützte sich auf einen Ellenbogen. "Ich kann dir nicht ganz folgen."

     Überstürzt sprang Katie aus dem Bett. Die Sonne ging bereits unter, doch es drang noch immer mehr Tageslicht durch die Fenster, als ihr Anstandsgefühl ertragen konnte. Noch nie hatte sie Nacktheit als so entwürdigend empfunden. Sie erspähte ihr Höschen auf dem Teppich, griff mit zitternden Händen danach und schlüpfte hinein.

     Alexandros schlug die zerwühlten Decken zurück und setzte sich auf. "Was ist los?"

     "Ich kann nicht glauben, dass du mir diese Frage stellst!", herrschte sie ihn an. "Ich habe es dir wirklich leicht gemacht, nicht wahr? Du brauchtest nur ein bisschen Sonnenschein, eine Schachtel Rosen, und schon falle ich auf die ganze Verführungsmasche herein."

     "Masche?" Er zog seine Boxershorts an und griff nach seiner Hose.

     "Glaub ja nicht, dass ich jemals vergessen werde, was du mir angetan hast!", warf sie ihm vor, riss das Laken vom Bett und wickelte es sich um den Körper.

     Tränen der Wut und des Schmerzes brannten in ihren Augen, als sie aus dem Zimmer und die Verandastufen hinunterhastete, um ihre übrige Kleidung einzusammeln. Der unglaubliche Charme der Picknickdecke und der wahllos darauf verteilten Kissen im grünen Schatten der Bäume ergriff sie erneut.

     "Bist du verrückt geworden?", fragte Alexandros, der ihr auf die Terrasse gefolgt war und gerade sein Hemd anzog. "In der einen Minute lieben wir uns, und in der nächsten schreist du mich an."

     "Was ist aus der Freundschaft geworden?", rief sie.

     Er hielt inne. Die ersten Bartstoppeln zauberten einen sexy blauen Schatten um seinen großen sinnlichen Mund. Sein Blick ruhte auf ihr. "Die Chance war da … Du hast sie nicht ergriffen."

     Diese ruhige Antwort ließ sie erschauern. Fassungslos starrte sie ihn an.

     Er streckte eine Hand aus. "Komm doch zurück ins Bett, thespinis mou. Ich bestelle etwas zu essen."

     Doch sie hob ihr Kleid auf, streifte vorsichtig das Laken ab und zog sich hastig an. "Das soll wohl ein Witz sein! Ich bin nach Italien gekommen, weil ich dir vertraut habe. Weil ich mich dir und den Kindern gegenüber fair verhalten wollte!"

     Alexandros breitete die Arme aus und ließ sie wieder sinken. "Und das warst du auch, wofür ich dir dankbar bin. Heute haben wir die Vergangenheit hinter uns gelassen … Das war ein wichtiger Schritt."

     "Den einzigen Schritt, den ich gemacht habe, war der in dein Bett. Und das halte ich für einen Rückschritt!"

     "Aber du hast es genossen", entgegnete er. "Ich habe keine Beschwerden gehört."

     "Das ist nicht der Punkt …"

     Er ließ ein zynisches Lächeln aufblitzen. "Vielleicht ist dein Punkt zu unlogisch für mich, als dass ich dir folgen könnte. Du wolltest mich."

     "Dann war es also in Ordnung, mich hereinzulegen, oder wie? Nur weil ich dich noch attraktiv finde, dachtest du, es sei lustig, mich mit falschen Versprechungen hierher zu locken?"

     Alexandros beobachtete, wie sie in ihre Sandaletten schlüpfte. In diesem Moment wurde ihm klar, wie sehr sie ihm gefiel. Er stieß ein ungeduldiges Stöhnen aus. "Ich versichere dir, dass ich diesen lächerlichen Streit ganz und gar nicht lustig finde. Ich verstehe immer noch nicht, was das Problem ist."

     "Wirklich nicht?" Katie bedachte ihn mit einem Blick voller Bitterkeit. "Du siehst nichts Falsches in dem, was du getan hast?"

     Seine Miene blieb ausdruckslos, als er die Achseln zuckte – er war ein kampferprobter Veteran, wenn es darum ging, direkten und unangenehmen Fragen auszuweichen. "Was habe ich denn getan?"

     "Etwas, das dir deine kostbare Ehre eigentlich verbieten sollte. Ich hätte die Falle erkennen müssen, sobald ich das wundervolle Picknick gesehen habe. Es war zu schön, um wahr zu sein."

     Allmählich breitete sich Frustration in ihm aus. Er war ein praktischer Mann. Sie liebte Märchen, Himmelbetten und Blumen. Er hatte dafür gesorgt, dass sie all das bekam, und sie hatte sich verzaubern lassen. Soweit es ihn anging, war alles ganz fantastisch verlaufen: Sie war glücklich, er war glücklich. Was war ihr Problem?

     "Seit wann ist es schlimm, dir zu geben, was dir gefällt?"

     "Es war alles ein einziger Betrug – ein hässlicher, gemeiner Betrug."

     "Theos mou … Ich will dich heiraten!", sagte er ungläubig. "Wie kann das Betrug sein?"

     Am liebsten hätte sie vor Schmerz geschrien. Sie hatte sich so sehr gewünscht, dass alles real war. Es war fast eine Erleichterung, dass sie in diesem Augenblick ihren BH entdeckte und sich danach bücken konnte, um seinem Blick zu entgehen.

     "Ich habe dich gebeten, mich zu heiraten, und du hast Nein gesagt. So leicht gebe ich nicht auf, wenn ich etwas will." Herausfordernd sah er sie an.

     Dass er seinen Fehler partout nicht einsah, steigerte ihren Zorn noch weiter. Sie richtete sich auf. "Schon damals hast du all diese romantischen Dinge für mich inszeniert, und es hat dir überhaupt nichts bedeutet! Du hast mich dazu gebracht, mich in dich zu verlieben, und dann hast du mich verlassen!", stieß sie gequält hervor. Dann wandte sie sich um und begann, den schmalen Weg zwischen den Bäumen hindurch zurückzugehen. "Ich werde nicht noch einmal auf dasselbe Spielchen hereinfallen. Mich kannst du nicht wie irgendein Geschäft manipulieren!"

     "Definiere 'romantische Dinge'", bat er und folgte ihr.

     "Die Rosenblüten in der Badewanne … die Blumen … die Karten … mein Lieblingsfilm … das Buch", zählte sie über die Schulter hinweg auf.

     Alexandros zog eine finstere Miene. "Ich verstehe nicht, warum du einigen kleinen Geschenken und Aufmerksamkeiten so viel Bedeutung beimisst", erwiderte er knapp. "Es war nicht meine Absicht, dich zu falschen Schlussfolgerungen zu verleiten. Ich hatte noch nie eine solche Beziehung."

     "Ja, ich weiß. Hast du deshalb von mir als 'das Dienstmädchen' gesprochen, als dein Freund zu Besuch gekommen ist?" Sie lachte humorlos.

     Alexandros zuckte zusammen. Er hatte gehofft, sie hätte das Gespräch nicht mitbekommen.

     "Dieser Freund verbreitet ganz gerne Gerüchte. Ich habe nur unsere Privatsphäre geschützt."

     Katie verzog das Gesicht. "Nein, du hast die Wahrheit gesagt. Das war alles, was ich je für dich war und jemals sein werde … das Dienstmädchen, das dein Bett wärmt."

     "Das klingt so schmutzig und billig, und das war es nicht!", rief er ihr nach. "Von dem Tag an, an dem ich dir erlaubt habe, mich anzuschreien, warst du nicht mehr das Dienstmädchen. Du warst mir ebenbürtig."

     Entsetzt über seinen Wutausbruch, warf Katie ihm einen ängstlichen Blick zu und beschleunigte ihre Schritte. "Billig war, was du heute getan hat … Hast du deinen Innenarchitekten gebeten, das Zimmer im Turm für meine Verführung zu gestalten?"

     "Theos mou, solange ich lebe, werde ich nie wieder versuchen, dich glücklich zu machen! Du bist die dickköpfigste Frau, die ich kenne."

     "Und ich traue dir nicht. Kannst du mir das verübeln?" Endlich konnte sie die Villa vor sich sehen. Sie wirbelte herum, die Hände in die Hüften gestützt. "Wo waren deine Sicherheitskräfte heute Nachmittag? Ihre Abwesenheit ist der Beweis, dass du geplant hast, mich ins Bett zu bekommen!"

     "Kein Kommentar."

     "Dafür sollst du in der Hölle schmoren, Alexandros Christakis!"

     "Es ist doch kein Verbrechen, dich heiraten zu wollen."

     "Wenn ich jemals einen Ehemann brauche, lasse ich es dich wissen!"

     Unterhalb des weitläufigen Säulengangs der Villa ergriff Alexandros ihre Hand. "Vielleicht gefällt mir die Existenz meiner Söhne mehr, als du mir zutraust", sagte er mit einem barschen Unterton. "Ianthe hat jedes Mittel, das der Menschheit bekannt ist, ausprobiert und ist trotzdem nicht schwanger geworden."

     Verblüfft über diese Information starrte Katie ihn an. Ihre Schwangerschaft musste ihm wie bittere Ironie vorgekommen sein, wenn der Kinderwunsch seiner verstorbenen Frau immer wieder enttäuscht worden war.

     "Falls ich heirate, will ich eine persönliche Beziehung zu meinem Ehemann", teilte sie ihm herablassend mit.

     Damit riss sie sich los und marschierte in die Villa. Alexandros fühlte sich, als würde etwas in seinem Inneren explodieren. Wutentbrannt stürmte er ihr nach. "Was könnte denn noch persönlicher sein, als das, was wir haben?"

     Katie blieb stehen. "Das ist nur körperlich", murmelte sie.

     "Und was ist daran falsch? Ich bin um die Welt geflogen, nur um eine Stunde in deinem Bett sein zu können! Wir haben den besten Sex, den ich je erlebt habe. Ich bin glücklich damit, mehr als glücklich. Warum kannst du das nicht auch sein?"

     Heiß schoss das Blut in ihre Wangen. Es fiel ihr schwer, zu glauben, dass er das wirklich zu ihr gesagt hatte. "Alexandros …"

     Irgendwo hinter ihr erklang ein Husten. Es war das warnende Husten, mit dem Menschen andere auf ihre Anwesenheit aufmerksam machen wollten. Alexandros erstarrte, dann verlor seine Miene jeden Ausdruck.

     Langsam und zögernd, weil jemand vielleicht die letzten Sätze ihres heftigen und sehr privaten Streits mit angehört hatte, wandte Katie sich um. Ein weißhaariger älterer Mann hielt Toby auf seinem Arm und lächelte ihnen vom Fuß der Treppe aus zu.

     "Pelias Christakis", stellte er sich freundlich vor. "Und Sie sind …"

     "Katie", warf Alexandros tonlos ein. "Darf ich dir meinen Großvater vorstellen?"

     Mit seinem freien Arm zog Pelias die überraschte Engländerin in eine herzliche Umarmung, dann drängte er sie, ihn in den Salon zu begleiten. "Katie, das ist meine Frau Calliope."

     Eine rundliche ältere Dame mit weißem Haar hielt Connor auf ihrem Schoß. Freundlich begrüßte sie Katie in deren Muttersprache.

     Katies Wangen brannten vor Scham. Wie lange hatten Alexandros' Großeltern auf sie gewartet? Ahnten sie den Grund für ihre lange Abwesenheit? Ihre zerzausten Locken und ihr verschmierter Mascara waren ja kaum zu übersehen. Und Alexandros trug weder Jackett noch Socken. Außerdem war der hässliche Streit, den sie gerade miteinander ausgefochten hatten, nicht zu überhören gewesen. Doch weder Pelias noch Calliope zeigte auch nur die Andeutung von Unbehagen oder Missbilligung.

     Pelias strahlte, als Toby die Hände ausstreckte und er ihn Katie übergab. "Natürlich will er zu seiner Mutter. Calliope und ich waren so aufgeregt, als wir von den Kindern erfahren haben. Ich hoffe, Sie verstehen, dass wir keinen Tag länger warten konnten. Wenn man so alt ist wie wir, ist Zeit ein kostbares Gut."

     Alexandros begriff, dass die Angst, seine Großeltern würden einen Skandal wegen seiner unehelichen Söhne befürchten, falsch war. Die beiden sahen so glücklich aus wie schon lange nicht mehr. Er beugte sich vor und küsste seine Großmutter auf die Wange.

     "Dein Großvater wollte unseren Besuch ankündigen, aber ich weiß doch, wie sehr du Überraschungen magst", sagte sie mit heiterer Ironie.

     "Es ist eine ganz wundervolle Überraschung", erwiderte er trocken.

     Calliope erklärte Katie, dass Arthritis ihre Gelenke langsam steif werden ließ, und bat sie, neben ihr Platz zu nehmen.

     "Das sind großartige kleine Jungen. Stark, gesund und so voller Leben. Sie müssen sehr stolz auf sie sein."

     Mit verklärtem Blick streichelte Pelias über Tobys schwarze Locken, bevor Katie den Kleinen auf den Teppich setzte. "Wir sind überglücklich", erklärte der ältere Mann mit ruhigem Blick. "Ich will, dass Sie eines wissen: Was auch immer zwischen Alexandros und Ihnen passiert, wir werden Sie und die Kinder immer als Teil unserer Familie ansehen. Sie sind jederzeit in unserem Haus willkommen."

     Seine Worte bewegten Katie sehr. Sie beobachtete, wie Toby auf seinen Vater zukrabbelte. In ihrem Kopf hallten Alexandros' Worte von vorhin wider. Der beste Sex, den ich je hatte. Der unangemessene Gedanke ließ sie erröten; deutlich spürte sie unbändiges Verlangen in sich aufsteigen.

     "Ihr bleibt doch ein paar Tage, oder?", fragte Alexandros seine Großeltern. "Leider muss ich morgen früh zu einem Meeting nach Brüssel und schon heute Abend abreisen. Aber Katie freut sich bestimmt über eure Gesellschaft."

     Plötzlich wurde sie von Schuldgefühlen durchflutet. Die Vertrautheit, mit der er Toby auf die Arme nahm, überraschte und beeindruckte nicht nur das ältere Paar, Zweifel und Verwirrung durchströmten sie. Die Zwillinge begannen bereits, sich an ihren Vater zu gewöhnen und ihn zu lieben. Hatte sie die richtige Entscheidung getroffen? Oder die falsche? Ihre Gefühle befanden sich in wildem Aufruhr.

     Eine halbe Stunde später bestand Alexandros darauf, Katie zu helfen, die Kinder ins Bett zu bringen. Nachdem sie die beiden gefüttert und gebadet hatten, liefen sie nebeneinander den Korridor entlang und blieben vor der Tür zu Katies Schlafzimmer stehen. "Es gibt eine Frage, die ich dir stellen wollte … sie bezieht sich auf die Zeit, als du schwanger warst. Wann genau hast du die Telefonnummer angerufen, die ich dir gegeben habe?"

     "Das war im Sommer … Ende Juni, Anfang Juli."

     "Und die Briefe, die du erwähnt hast? Wann hast du die abgeschickt?"

     "Ungefähr zur gleichen Zeit."

     "Aber das war ja sechs oder sieben Monate, nachdem wir uns getrennt haben. Zu dem Zeitpunkt musst du doch schon lange von der Schwangerschaft gewusst haben. Warum hast du so lange gewartet, bis du versucht hast, mich zu erreichen?", fragte er ungläubig.

     Sie hatte inständig gehofft, er würde diese Frage niemals stellen. Doch nun, da er gefragt hatte, wollte sie ihm eine ehrliche Antwort geben. "Ich habe darauf gewartet, dass du mich zuerst anrufst."

     "Warum?"

     "Dass du dich nicht von dir aus gemeldet hast, hat mir alles gesagt, was ich wissen musste."

     "Ich hätte mich gemeldet, wenn ich gewusst hätte, dass du schwanger bist!", erwiderte er frustriert. "Als du dich endlich entschlossen hast, mich anzurufen, stand dein Name nicht mehr auf der Liste. Deshalb hast du mich nicht erreicht."

     "Einige von uns arbeiten nicht mit einem Aktenschrank, um ihr Liebesleben zu organisieren", murmelte sie zornig.

     Alexandros atmete tief ein. Es entsetzte ihn, dass er schon wieder kurz davorstand, die Geduld mit ihr zu verlieren. Ein Schleier legte sich über seine dunklen Augen, und er zwang sich zur Ruhe. Der einzige Ort, an dem Katie tat, was er wollte, war im Bett, überlegte er grimmig und dachte daran, dass es eine Schande gewesen war, sie überhaupt aus dem Turm entwischen zu lassen. Zeit für einen neuen Plan. Kurzfristig sollte er sich besser geschlagen geben und sie herausfinden lassen, was sie eigentlich wollte.

     "Bleib doch eine Weile hier in der Villa", riet er ihr also und ging geflissentlich über ihren letzten Kommentar hinweg. "Dann habe ich mehr Zeit, ein passendes Apartment für dich in London zu finden."

     Der Themenwechsel verwirrte Katie, ebenso die Bestätigung, dass sie eine eigene Wohnung bekommen sollte. Unsicher blickte sie ihn an. "Alexandros, ich verstehe, wenn du immer noch wütend auf mich bist. Aber es gibt einige Missverständnisse zwischen uns, die wir …"

     "Vor ein paar Stunden warst du noch in meinem Bett … Bitte frag mich jetzt nicht, ob wir Freunde sein können. Dafür ist es zu spät."

     "Vielleicht war das nie eine Möglichkeit", stimmte sie zu. Mit ihm zu streiten fiel ihr so leicht. Doch sobald er sich wieder in seine geschäftsmäßige Reserviertheit zurückzog, stieg Panik in ihr auf.

     Katie streckte die Hand aus und ergriff seine. Es war eine intuitive und zugleich intime Geste, über die sie gar nicht nachdachte.

     "Das solltest du besser nicht tun!" In seinen schönen dunklen Augen schimmerte eine deutliche Warnung. Er drängte sie gegen die Wand und stützte seine Hände rechts und links von ihrem Kopf auf. "Fass mich nicht an, wenn du nicht auch von mir berührt werden willst, pedhi mou."

     Ihr stockte der Atem, und ihr Mund wurde trocken. Das Feuer in seinem Blick entfachte ein Feuer in ihrem Inneren. Sein Kopf war so nahe an ihrem, dass sie erschauerte.

     "Du musst dringend an deiner Widerstandskraft arbeiten, denn ich habe noch nicht aufgegeben", sagte er mit einer Stimme, so sanft und leise wie das Schnurren einer zufriedenen Wildkatze. "Wenn ich etwas will, setze ich alles daran, es zu bekommen. In der nächsten Runde kämpfe ich vielleicht mit schmutzigen Tricks."

     Mit einem sarkastischen Lächeln ließ er von ihr ab, straffte die Schultern und trat mit übertriebener Höflichkeit einen Schritt zurück, um ihr den Weg freizugeben.