11. KAPITEL

Jeder Tag war noch schlimmer als der vorherige.

     Zooey wusste nicht, wie lange sie noch durchhalten konnte. Dabei sollte doch mit der Zeit alles besser werden, nicht schlechter! So elend hatte sie sich noch nie gefühlt.

     Nachdem sie Jacks Haus verlassen hatte, war Zooey quasi obdachlos, als sie sich bei ihren Eltern meldete.

     Ihre Mutter bot ihr sofort ihr altes Zimmer an, schlug ihr aber vor, nur so lange zu bleiben, bis sie eine andere Wohnung gefunden hatte. Schließlich sollte ihre Tochter sich nicht bevormundet fühlen.

     Das Problem war, dass Zooey überhaupt nicht auf die Suche ging. Sie hatte einfach nicht die Energie, sich Wohnungen anzusehen. Ihre Kraft reichte gerade dafür aus, morgens aufzustehen und sich anzuziehen.

     Zooey redete sich ein, dass sie sicher etwas ausbrütete, aber dieses Etwas war auch nach zwei Wochen noch nicht zum Vorschein gekommen. Ihre Glieder fühlten sich furchtbar schwer an, und sie konnte sich nur mit Mühe bewegen.

     Ein Tag verging wie der andere, und Zooey verlor jegliches Zeitgefühl.

 

"Glaub nicht, dass ich dich nicht gerne um mich habe, Zooey, aber ich weiß wirklich nicht, was ich mit dir anstellen soll."

     Frances Finnegan blickte ihre Tochter über den Rand ihrer Brille an. Nachdem sie den lieblos verfassten Bericht über die Verkaufszahlen der letzten sechs Monate gelesen hatte, hatte sie Zooey zu sich gerufen.

     "Dieser Bericht wurde von jemandem geschrieben, der überhaupt nicht bei der Sache war."

     Zooeys Miene drückte ihr schlechtes Gewissen aus. Sie nahm den Stapel Blätter wieder an sich. "Ich überarbeite ihn noch einmal, dann wird er besser."

     "Schlechter kann er wohl kaum werden", meinte Frances ehrlich und seufzte. "Zooey, ich versuche herauszufinden, was du hier eigentlich willst. Für die Firma zu arbeiten scheint dir jedenfalls nicht zu gelingen."

     "Ich muss mich erst eingewöhnen", verteidigte Zooey sich, und ihre Mutter freute sich, wenigstens etwas von Zooeys alter Persönlichkeit aufblitzen zu sehen.

     Sie schüttelte den Kopf. Nie hätte sie geglaubt, dass sie eines Tages so etwas zu ihrer Tochter sagen würde. "Du musst wieder dahin zurückgehen, wo du hergekommen bist."

     Zooey riss die Augen auf. Damit hatte sie nicht gerechnet. "Feuerst du mich?"

     "Ich befreie dich", korrigierte Frances.

     Ich will nicht befreit werden, dachte Zooey und fühlte Panik in sich aufsteigen. Sie musste arbeiten, nicht unbedingt wegen des Geldes, sondern weil sie irgendetwas tun musste. Wenn sie nur zu Hause säße, würde sie den Rest Verstand, den sie noch besaß, auch verlieren.

     "Mom, es tut mir leid, ich werde mich bessern", versprach sie.

     Ihre Mutter sah sie so an wie früher, wenn sie die Wahrheit von ihr erwartete. Deshalb rückte sie mit der Wahrheit heraus. Zumindest mit dem Teil, den sie in Worte fassen konnte.

     "Es ist nur … Ich frage mich immer, ob es Jackie und Emily gut geht", erklärte sie.

     Sicher war das nicht alles, aber Frances ging darauf ein. "Wenn du dir Sorgen machst, dann ruf sie doch an und frag nach."

     "Ich will nicht …" Zooey unterbrach sich. Fast hätte sie gesagt, dass sie nicht riskieren wollte, Jack am Telefon zu erwischen, aber das wollte sie nicht verraten. Vielleicht nie. "Einmischen", sagte sie schließlich. "Ich will mich nicht einmischen", wiederholte sie. "Sicher gewöhnen sie sich gerade an eine neue Nanny, und wenn ich sie anrufe, dann wirft sie das zurück."

     Ihre Mutter wirkte amüsiert. "Vielleicht gewöhnen sie sich gar nicht an eine neue Nanny, sondern hassen sie."

     Zooey blickte die Mutter durchdringend an. "Ich wusste gar nicht, dass wir ähnlich denken."

     Frances lachte. "Deine besten Eigenschaften hast du von mir. Für die anderen ist dein Vater verantwortlich." Dann wurde sie wieder ernst. "Zooey, entweder blickst du nach vorn, oder du gehst zurück. Dieses Schwanken …"

     "Ich will nach vorne blicken. Es dauert nur alles länger, als ich dachte." Sie setzte sich auf die Ecke des Schreibtisches. So hilflos hatte sie sich noch nie gefühlt.

     "Als ich mit Connor Schluss gemacht hatte, war er schnell vergessen. Genauso war es mit dem College und allen Jobs, die ich hatte."

     "Nur mit dem letzten nicht."

     "Genau." Sie blickte zu ihrer Mutter. "Du musst einfach Geduld mit mir haben, Mom."

     "Meine Geduld ist unendlich." Und das stimmte. Das hatte sie oft genug bewiesen, als Zooey heranwuchs.

     "Die Arbeit für das Unternehmen verlangt allerdings mehr Einsatz von dir, als du bisher gezeigt hast. Die Vierteljahresberichte stehen vor der Tür …"

     Zooey nickte heftig. "Ich weiß, ich weiß." Sie rutschte vom Schreibtisch. "Ich verspreche, mich mehr anzustrengen."

     "Gut." Frances stand auf. Sie legte ihrer Tochter einen Arm um die Schulter und ging mit ihr zur Tür. "Du machst deinen Vater sehr glücklich – wenn es das ist, was du willst."

     Was ich will, wird leider nicht geschehen, dachte Zooey. Sie bemühte sich um ein echtes Lächeln. "Ich freue mich immer, wenn ich dich und Dad glücklich sehe."

     "Du weißt genau, was ich meine", erwiderte Frances.

     "Ja, ich weiß." Zooey küsste ihre Mutter auf die Wange. Ich habe sie nie richtig zu schätzen gewusst, dachte sie bei sich. "Danke, Mom."

     Sie ging aus dem Büro zu ihrem eigenen und schwor sich, besser und sorgfältiger zu arbeiten. Das schuldete sie ihren Eltern.

     Als sie an der Empfangssekretärin vorbeiging, stand die Frau von ihrem Stuhl auf. "Ich habe sie in Ihr Büro gebracht."

     Verwirrt sah Zooey sie an, denn sie erwartete keine Lieferung. "Was haben Sie in mein Büro gebracht?"

     "Die Kinder. Ich wollte Sie nicht bei Mrs. Finnegan stören, und ich wusste nicht, was ich mit ihnen anstellen sollte …"

     Den Rest hörte Zooey schon nicht mehr, denn sie rannte zu ihrem Büro. Sie brauchte gar nicht zu fragen, um welche Kinder es sich handelte. Die Frage war nur: Waren sie allein gekommen?

     Kaum hatte sie die Tür geöffnet, als die Kinder schon auf sie zurannten. Sie hockte sich hin und fing die beiden auf.

     "Wir haben dich vermisst, Zooey!", rief Emily und drückte sie, so fest sie konnte.

     "Vermisst", plapperte Jackie lauthals nach.

     "Und ihr habt mir gefehlt." Zooey küsste die Kinder und hielt sie lange fest. Dann schob sie sie von sich, um ihnen ins Gesicht sehen zu können. "Was macht ihr hier?"

     Emilys Unterlippe bebte, als rechnete sie damit, weggeschickt zu werden. "Du hast gesagt, wir könnten kommen, wenn wir dich brauchen."

     "Nein", verbesserte Zooey sie sanft. "Ich habe gesagt, ihr sollt anrufen, damit ich zu euch kommen kann."

     Sie nahm die beiden an der Hand und führte sie zu einem Sofa. Emily setzte sich neben sie, und Jackie zappelte ausnahmsweise einmal nicht hin und her, sondern legte den Kopf in ihren Schoß. So zahm hatte sie ihn noch nie erlebt. Sie streichelte sein Haar, während sie von Emily den Grund ihres Hierseins erforschte.

     "Wie seid ihr hergekommen? Hat euer Dad euch gebracht?"

     "Nein." Emily sah sie unschuldig an. "Wir haben ein Taxi genommen."

     Völlig erstaunt sah Zooey das Mädchen an. "Ein Taxi?"

     Emily nickte. "Olivia hat mir geholfen, eins im Telefonbuch zu finden, und dann haben wir angerufen. Ich habe dem Mann die Adresse auf deiner Karte gezeigt."

     "Wie habt ihr denn bezahlt?"

     "Ich habe das Geld aus meinem Sparschwein genommen", erklärte Emily. "Und der Mann hat uns hergefahren."

     Wieso hatte er das getan? Ein siebenjähriges Mädchen und ein zweijähriger Junge sollten nicht alleine unterwegs sein. Warum hatte der Taxifahrer nicht nach einer erwachsenen Begleitperson gefragt? "Wo ist eure Nanny?"

     "Die schläft." Emily beugte sich vor. "Sie schläft viel. Die gelbe Medizin, die sie immer in einer Flasche bei sich hat, macht sie müde."

     Was für Leuten vertraute Jack seine Kinder an? "Hast du deinem Dad gesagt, dass die Frau so viel schläft?"

     Emily schüttelte den Kopf. "Daddy ist so traurig, da wollte ich ihn nicht noch trauriger machen. Er hat dein Bild angesehen."

     Jetzt flunkerte Emily aber, denn sie hatte Jack niemals ein Foto von sich gegeben. "Dein Daddy hat gar kein Foto von mir."

     "Doch. Das Foto, das Olivias Mom bei der Halloween-Party gemacht hat. Daddy ist auch auf dem Bild."

     Jetzt erinnerte Zooey sich. Sie hatte sich gewundert, dass Jack nicht einfach weggegangen war, als Angela sie fotografiert hatte.

     "Olivias Mommy hat es ihm letzte Woche gegeben. Jedes Mal, wenn Daddy das Foto sieht, wird er trauriger. Es steht auf seinem Schreibtisch." Emily rückte näher an Zooey heran. "Er hat mir gesagt, er vermisst dich", flüsterte sie ihr ins Ohr.

     Zooey wollte den Worten des Mädchens keinen Glauben schenken, denn das hätte wieder trügerische Hoffnungen geweckt. Denn eigentlich wünschte sie nichts mehr, als dass Jack sie so sehr vermisste wie sie ihn.

     Aber Emily hatte mit ihrer lebhaften Fantasie vielleicht eine Geschichte erfunden, um zu bekommen, was sie wollte.

     "Deine Nase wird länger, wenn du lügst", sagte sie zu dem Mädchen.

     Emily wirkte immer noch ganz unschuldig, als sie antwortete. "Er vermisst dich, Zooey."

     Warum ruft der Blödmann dann nicht an?

     Langsam fühlte sie sich wieder wie immer. Zooey beschloss zu handeln.

     "Kommt", forderte sie die Kinder auf.

     Emily sprang vom Sofa. "Wohin gehen wir?"

     Zooey hob Jackie hoch, schnappte ihre Tasche und zog ihren Poncho über den Kopf. "Zu deinem Dad, um ihm zu sagen, wo seine Kinder sind."

     Als Zooey zum dritten Mal innerhalb von fünf Minuten an der Empfangsdame vorbeilief, fragte die verwirrt: "Wohin gehen Sie, Ms. Finnegan?"

     "Ich muss Jack Lever mitteilen, dass er eine unmögliche Nanny für seine Kinder engagiert hat."

     Eigentlich sollte Zooey um vier Uhr an einem Meeting teilnehmen. "Sie können aber doch nicht …", begann die Empfangssekretärin.

     "Oh doch, ich kann", entgegnete Zooey und eilte zu den Aufzügen.

     Zum ersten Mal seit mehr als zwei Wochen konnte sie wieder lächeln.

 

Mit der Ruhe in den ehrwürdigen Räumen der Kanzlei Wasserman, Kendall, Lake & Lever war es in dem Moment vorbei, als die Fahrstuhltür aufging. Neugierig öffneten die Leute ihre Bürotüren, um zu sehen, woher der Aufruhr kam. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich das Gerücht, irgendjemand hätte eine Busladung Kinder in die Kanzlei gebracht.

     Zooey ermahnte Jackie diesmal nicht, leiser zu sein, als sie mit den Kindern zu Jacks Büro ging.

     Als Jack den vertrauten Lärm hörte, stand er auf und öffnete die Tür.

     Fast hätte ihn Zooeys Faust mitten ins Gesicht getroffen.

     Wenn Noah vorbeigekommen wäre, um ihn als Skipper für die Arche anzuheuern, wäre er kaum erstaunter gewesen.

     "Zooey."

     Sie hatte anklopfen wollen, ließ die Hand aber jetzt sinken. Zooey setzte Jackie ab, nahm die Hände beider Kinder und hielt sie hoch.

     "Vermisst du etwas?", fragte sie Jack.

     Auf ihre sarkastische Frage konnte es eigentlich nur eine Antwort geben, aber Zooey erhielt nicht die, die sie erwartet hatte.

     "Ja", erwiderte er ruhig. "Dich."

     Seine Worte trafen Zooey wie ein Blitzschlag. "Was?", fragte sie heiser.

     Weil es im Flur zu viele neugierige Zuschauer gab, zog Jack die Kinder und Zooey in sein Büro und schloss die Tür.

     "Was machst du hier?"

     Das klingt schon mehr wie Jack, dachte sie. Alles andere habe ich mir nur eingebildet.

     "Ich will dir zeigen, dass du vielleicht ein guter Anwalt bist, aber bei der Wahl einer Nanny für deine Kinder kläglich versagt hast." Es fiel ihr schwer, einen strengen Gesichtsausdruck zu bewahren, weil sie sich mit jeder Faser ihres Herzens danach sehnte, in seine Arme zu fallen.

     Wo ist mein Stolz geblieben?, fragte sie sich.

     "Also, ich weiß nicht …"

     Zooey ließ ihn gar nicht erst ausreden. "Ich aber. Emily und Jackie sind in mein Büro gekommen. Sie haben ein Taxi genommen", betonte sie verärgert. "Emily meinte, ihre Nanny würde schlafen, was sie wohl ziemlich oft tut, nachdem sie getrunken hat." Zooeys Augen funkelten vor Zorn. "Lässt du dir keine Referenzen geben?"

     Er wollte sie küssen. Zum ersten Mal seit mehr als zwei Wochen fühlte er sich wieder lebendig. Er musste sich beherrschen, nicht wenigstens ihr Gesicht zu berühren. "Sie ist doch nur vorübergehend da."

     Das war eine schlechte Ausrede, und er wusste es.

     "Der Schaden, den sie bei den Kindern anrichtet, könnte aber dauerhaft sein", schimpfte sie. "Offensichtlich brauchst du Hilfe."

     Jack wagte es nicht, den Blick von ihr zu wenden. Er hatte Angst, sie könnte sonst verschwinden. Wahrscheinlich träumte er, denn beide Kinder standen neben ihnen – und gaben keinen Mucks von sich. Und das war schließlich unmöglich.

     "Ja", stimmte er zu. "Die brauche ich."

     Zooey fällte eine weitere impulsive Entscheidung. "Okay, ich arbeite wieder für dich, bis du eine neue Nanny gefunden hast."

     Jack setzte sein bestes Pokerface auf. "Das könnte schwer werden."

     Wollte er sie nicht zurückkommen lassen? War er so wütend, weil sie gegangen war? "Warum?"

     Seine Mundwinkel bewegten sich ein bisschen nach oben. Oder bildete sie sich das ein? "Weil ich keine neue mehr suche."

     Sollte sie das etwa auch noch für ihn erledigen? Sah er denn nicht ein, wie wichtig es war, sich darum zu kümmern?! Die richtige Nanny auszuwählen konnte über Wohl und Wehe seiner Kinder entscheiden. Das musste er einfach begreifen!

     "Du bist wohl sehr beschäftigt, Jack, aber es geht um deine Kinder."

     Bevor er antwortete, holte er tief Luft. Nicht um sich zu stärken, sondern um den Duft ihres Shampoos einzuatmen. Er hatte gar nicht gewusst, dass ihm Jasmin so gut gefiel, bis Zooey nicht mehr bei ihm war.

     "Ich weiß, aber die Kinder wollen keine Nanny", informierte er sie. "Sie wollen dich."

     Verdammt, jetzt fühlte sie sich ganz elend. Zooey schüttelte den Kopf. "Das funktioniert nicht", erwiderte sie kläglich.

     "Wieso nicht? Warum funktioniert es nicht?" Er wollte, dass es diesmal funktionierte, und er war bereit, alles dafür zu tun.

     Zooey sagte ihm die Wahrheit. "Weil ich nicht für einen Mann arbeiten kann, der nie zu Hause ist."

     Er nickte verständnisvoll. "Und wenn ich verspreche, öfter zu Hause zu sein?"

     Sie wollte sich nicht von der Redekunst eines Anwalts einwickeln lassen. "Wie oft?"

     "Wie oft hättest du es denn gerne?"

     Zooey überlegte kurz. Er klang jetzt sehr entgegenkommend. Vielleicht hatte sie ihn falsch beurteilt, und er hing doch an seinen Kindern?

     "Zu den üblichen Zeiten. Morgens und abends, damit die Kinder nicht vergessen, wie du aussiehst."

     "Einverstanden."

     Er hatte überhaupt nicht gezögert, und Zooey war misstrauisch. "Einfach so?"

     "Einfach so", bestätigte er. "Ich tue alles, was nötig ist, um dich wieder in unser – in mein Leben zurückzubekommen."

     "Dein Leben?", wiederholte Zooey, in dem festen Glauben, sich verhört zu haben.

     Während seine Kinder zuschauten, nahm Jack ihre Hand in seine. "Mein Leben."

     "Du brauchst auch eine Nanny?" Diesmal kicherte Emily nicht. Zooey hätte schwören können, dass das Mädchen die Luft anhielt und gespannt zuhörte.

     "Vielleicht keine Nanny, aber ich brauche dich."

     Vielleicht hatte sie Halluzinationen. "Du brauchst mich", wiederholte Zooey verwundert.

     "Ja", erwiderte er und sah ihr in die Augen.

     Sie benötigte weitere Erklärungen, bevor sie ihm glauben konnte.

     "Wofür?"

     "Damit die Sonne morgens aufgeht. Um mich zu erfreuen."

     Jetzt sah sie ihn amüsiert an. "Das klingt ja wie in einem Film mit Clint Eastwood."

     Jack hielt Zooeys Hand immer noch fest, denn er hatte Angst, dass sie wieder wegging, wenn er sie losließ.

     "Du siehst viel besser aus als Clint Eastwood", erwiderte er. Er holte tief Luft, bevor er einen Vorstoß wagte. "Die Kinder brauchen eine Mutter, und ich brauche eine Frau …"

     Ihr Herz raste, und sie wusste gar nicht, was sie sagen sollte. "Das klingt fast wie eine Anzeige."

     "Emily und Jackie wollen dich zurückhaben, und ich will es auch. Ich liebe dich, Zooey. Seit du weggegangen bist, habe ich nur noch an dich gedacht."

     Zooey hatte Angst, ihm zu glauben, denn sie wollte nicht wieder verletzt werden.

     "Du wusstest doch, wo du mich finden konntest. Emily hatte schließlich die Karte", erinnerte sie ihn.

     "Aber ich wollte dich nicht zu etwas zwingen, was du nicht wolltest." Er hatte geglaubt, ihre Wünsche – oder das, was er dafür gehalten hatte – vor seine stellen zu müssen. Dadurch hatte er kostbare Zeit verloren. Es sah nämlich gar nicht danach aus, als hätte sie solche Wünsche überhaupt gehabt.

     Sie lachte leise. "Ein selbstloser Anwalt. Was für eine Vorstellung!"

     "Ja", stimmte er zu und legte einen Arm um sie. Glücklicherweise zog sie sich nicht zurück. Es fühlte sich so gut an, sie zu berühren. "Als ich dich gerade mit den Kindern sah, wollte ich nicht mehr selbstlos sein."

     "Was möchtest du denn sein?", fragte sie lächelnd.

     "Verheiratet." Falls das noch nicht deutlich genug war, stellte er die entscheidende Frage. "Zooey, willst du uns heiraten?"

     Zooey merkte, dass ihr die Tränen kamen. "Pauschalangeboten konnte ich noch nie widerstehen."

     "Sagst du Ja?", rief Emily laut.

     Zooey sah das Mädchen kurz an. "Auf jeden Fall."

     "Jetzt musst du Daddy küssen", forderte Emily sie auf. "Dann ist alles offiziell."

     Zooey lachte. "Woher weißt du das?"

     "Aus dem Fernsehen", erwiderte das Mädchen stolz.

     "Daddy küssen", rief Jackie.

     "Das fällt mir nicht schwer", murmelte Zooey, als sie die Arme um Jacks Nacken schlang. "Ich liebe dich auch", flüsterte sie und tat, wozu die Kinder sie aufgefordert hatten.

 

– ende –