5. KAPITEL

Mehrere Sekunden lang brachte Zooey keine Silbe heraus. Sie fühlte sich ein bisschen benommen.

     "Ein Date?"

     "Ja, mit Rebecca Peters." Schon während er antwortete, keimten Zweifel in Jack auf. Hatte er sich da zu etwas drängen lassen?

     Zooey starrte ihn immer noch an. "Rebecca Peters? Die am Ende der Straße wohnt?"

     "Ja." Jack konnte sich nicht daran erinnern, wann er sich in seinem Leben schon einmal so unbehaglich gefühlt hatte. "Ist das ein Problem?"

     Natürlich ist es das, du Blödmann. "Nein." Sie zwang sich zu lächeln. "Warum sollte es?" Ihre Stimme klang verdammt schrill. Warum gehst du nicht mit mir aus?

     "Weiß nicht, aber du wirkst irgendwie …" Jack schüttelte den Kopf.

     Sie hatte aufgewühlt gewirkt, aber vielleicht übertrug er seine eigenen Gefühle auf sie. Zooey sollte nicht glauben, dass er dachte, sie fühle sich zu ihm hingezogen. Genau das Gegenteil war der Fall: Er dachte ständig an sie.

     Verzweifelt suchte er nach einem anderen Thema. "Hast du nicht von Schmorbraten gesprochen?"

     Noch vor wenigen Minuten hatte sie gehofft, ein ruhiges Abendessen mit Jack zu genießen. Inzwischen war ihr der Appetit vergangen.

     "Er ist in der Küche. Ich hole noch schnell Emily ab", murmelte sie.

     Sie hatte gar nicht vorgehabt, die Haustür zuzuknallen, aber der Griff war ihr aus der Hand gerutscht.

     Schnell ging Zooey über die Straße, denn ihr war kalt, und sie trug nur ihr Sweatshirt. Im Haus hörte sie Jackie weinen, der sicher aufgewacht war. Sie konnte sich Jacks gequälten Gesichtsausdruck genau vorstellen.

     Zooey ging einfach weiter. Bitte doch deine Freundin um Hilfe.

 

Trotz ihrer lebhaften, überschäumenden Art war Zooey immer eine gute Pokerspielerin gewesen, deren Gesichtsausdruck nichts von ihren Gefühlen verriet, selbst wenn sie ein gutes Blatt auf der Hand hatte. Diese Gabe kam ihr jetzt zugute, denn auf keinen Fall sollte Jack merken, dass sein Date Zooey irgendwie berührte.

     Deshalb führte sie ihr Leben in den nächsten drei Tagen so weiter wie immer und ließ sich nichts von ihrem Schock anmerken.

     Trotzdem kostete es Zooey viel Kraft, ihr Temperament zu zügeln. Schließlich wollte Jack ausgehen. Er hatte ein Date. Mit einer anderen Frau.

     Verdammt.

     In ihren Tagträumen hatte sie sich ausgemalt, selbst diejenige zu sein, die Jack von seiner Arbeit in der Kanzlei ablenkte. Stattdessen traf er sich mit der braunhaarigen, blauäugigen und kurvenreichen Mitarbeiterin eines Modemagazins.

     Vielleicht hatte sie sich etwas vorgemacht, aber sie war sicher gewesen, dass die Chemie zwischen ihr und Jack mehr als nur stimmte. Außerdem hatte sie geglaubt, er empfände genauso.

     Sie sollte sich nicht so viel mit Jacks Privatleben beschäftigen, sondern lieber die Aufgaben erledigen, die vor ihr lagen.

     Jetzt musste sie erst einmal sicherstellen, dass der Einkaufsbummel am Samstag stattfinden konnte.

Zooey presste die Lippen aufeinander und blickte auf das fünfgeschossige Gebäude, vor dem sie geparkt hatte. Darin befand sich der Firmensitz von Finnegan's Fine Furniture.

     Es ließ sich nicht länger aufschieben. Natürlich könnte sie Jackie morgen mitnehmen, aber dann wäre der Bummel sicher nicht so entspannt. Zooey liebte das kleine Energiebündel zwar wie ihr eigenes Kind, aber Jackie konnte einen ziemlich nervös machen, wenn er wollte.

     Sie drehte sich um und blickte zu dem kleinen Jungen, der hinter ihr saß. "Den ganzen Morgen können wir hier nicht stehen bleiben, nicht wahr?"

     "Nein", bekräftigte Jackie, indem er sein neues Lieblingswort benutzte.

     Sie lächelte, drehte sich um und sah wieder an dem Bürogebäude hoch. Wie schnell die Zeit vergangen ist.

     Zooey berührte den Türgriff, zögerte aber noch einen Moment. Noch nie war sie nervös gewesen, bevor sie ihre Mutter getroffen hatte. Aber es hatte auch noch nie so lange Funkstille zwischen ihnen geherrscht.

     Tief aufatmend stieg sie aus dem Wagen und ging nach hinten, um Jackie aus dem Kindersitz zu heben. Kaum hatte sie die Tür geöffnet, als der Junge anfing, wild herumzustrampeln. "Ganz ruhig, Jackie", bat sie ihn.

     Nun trommelte er erst recht mit den Beinchen gegen den Vordersitz und sah sie an wie ein kleiner Teufel. Ein Teufel mit Engelsgesicht. "Raus!"

     "Wie du meinst."

     Sie nahm ihn aus dem Kindersitz und setzte ihn sich auf die Hüfte. Eigentlich wäre es besser für ihn, wenn sie ihn an der Hand nähme und selbst gehen ließe, aber sie hatte es eilig. Jackie war nur dann schnell, wenn er etwas ausgefressen hatte und vom Tatort flüchtete.

     Zooey ging in das Gebäude und sah sich gründlich in der Lobby um. An den Wänden hingen einige Gemälde. Alles sah so aus wie immer.

     Eigentlich hatte sie mit Veränderungen gerechnet, aber das lag sicher daran, dass sie sich anders fühlte. Weiser.

     Sie nickte dem Mann am Empfang zu und ging zum Aufzug. Der Mann schien zu überlegen, ob er sie schon einmal gesehen hatte, aber offensichtlich erkannte er sie nicht. Auch als sie sich mit den Eltern noch nicht gestritten hatte, war sie nicht häufig in der Firma gewesen.

     Auch in der zweiten Etage wirkte alles elegant und großzügig. Zooey konnte sich noch an die Zeit erinnern, als ihre Eltern in einem winzigen Laden in ihrer Garage Möbel verkauft hatten. Damals war sie so alt wie Emily gewesen.

     Ihre Eltern hatten einiges erreicht, und Zooey war stolz auf sie.

     "Entschuldigung, haben Sie einen Termin?", fragte die junge Frau, als Zooey an ihr vorbeimarschierte.

     "Ich brauche keinen", erwiderte sie.

     "Nein", krähte Jackie.

     "Du sagst es, Junge", meinte Zooey lächelnd.

     Sofort eilte die Empfangssekretärin hinter ihnen her. "Warten Sie! Ohne Termin dürfen Sie nicht in die Büros gehen", rief sie atemlos.

     Zooey stand jetzt vor dem Büro ihrer Mutter und lächelte. Die Empfangsdame schien ja nicht besonders gut in Form zu sein – und das bei einer so jungen Frau!

     "Mrs. Finnegan, es tut mir leid", japste die Angestellte, "aber sie …"

     Frances Finnegan blickte von ihrem Bildschirm auf und war völlig überrascht, als sie ihre Tochter vor sich sah. Was machte sie mit einem Kleinkind?

     Sorgfältig betrachtete sie den kleinen Jungen. Keine Ähnlichkeit. Weder mit Zooey noch mit den anderen Geschwistern, als sie in dem Alter gewesen waren. Sah es dem Vater ähnlich?

     Hatte Zooey einen Mann mit Kindern geheiratet?

     "Schon gut, Liz." Frances stand langsam auf, ohne ihre Tochter und das Kind aus den Augen zu lassen. "Das ist meine Tochter Zooey", erklärte sie der Mitarbeiterin.

     "Oh", erwiderte die überrascht. "Dann ist ja alles in Ordnung." Hastig zog sie sich zurück und schloss die Tür.

     Stille trat ein. "Du siehst gut aus, Mom."

     "Und du bist zu dünn", erwiderte Frances. "Sicher isst du nicht genug." Das war keine Kritik, sondern eine Feststellung. Jetzt stand sie direkt vor ihrer Tochter. "Darf ich?" Sie streckte die Arme aus.

     "Natürlich, aber pass auf", warnte Zooey, als ihre Mutter Jackie auf den Arm nahm. "Er ist sehr quirlig."

     Frances warf ihrer Tochter einen nachdenklichen Blick zu. Sie liebte sie sehr und hatte sie in den letzten Monaten vermisst. Es war ihr furchtbar schwergefallen, ihr den nötigen Freiraum zu gewähren. "Du warst in dem Alter auch sehr lebhaft."

     "Daran kann ich mich nicht mehr erinnern."

     "Glaub mir", versicherte Frances ihr, "du warst genauso." Jetzt lächelte sie. "Wie heißt er?"

     "Jackie. Eigentlich John junior", korrigierte Zooey. Da Jack nie den richtigen Namen benutzte, vergaß sie manchmal, was auf der Geburtsurkunde eingetragen war.

     Frances nickte. Schon lange hatte sie kein Kind mehr auf dem Arm gehalten, und sie genoss die Wärme des kleinen Jungen.

     "Jackie", wiederholte sie. Als er seinen Namen hörte, fing der Kleine wieder an, begeistert zu strampeln.

     "Hallo, Jackie", grüßte Frances ihn lächelnd. Wieder schaute sie zu ihrer Tochter. "Es ist doch nicht dein Kind, oder?"

     Die Stimme ihrer Mutter klang ein bisschen sehnsüchtig, und Zooey fühlte sich schuldig. Hätte sie Connor geheiratet, wie ihre Eltern das gewünscht hatten, dann wäre vielleicht schon das erste Enkelkind unterwegs.

     "Nein, er ist nicht mein Kind. Ich kümmere mich nur um ihn."

     "Du arbeitest jetzt als Babysitterin?" Die Stimme ihrer Mutter klang gleichmütig, aber ihre Augen verrieten sie.

     Als sie damals das College verlassen hatte, musste Zooey sich damit abfinden, dass sie ihre Eltern enttäuschte. Trotzdem tat es weh, diese Enttäuschung zu spüren.

     "Es klingt etwas professioneller, Mom. Ich arbeite als Nanny."

     "Eine Nanny", wiederholte Frances. "Mit einem fantastischen IQ." Wahrscheinlich war der Job etwas anspruchsvoller, als Hunde auszuführen oder zu kellnern, aber wenn sie an die Hoffnungen dachte, die sie für Zooey gehabt hatte, die Träume …

     Frances verdrängte ihre Gedanken. "Tut mir leid. Nach unserem letzten Treffen habe ich mir geschworen, nicht mehr über das, was du machst, zu urteilen." Sie blickte auf Jackie. "Willst du dich so wieder mit mir versöhnen? Indem du mir ein Baby in den Arm legst?"

     "Kein Baby!", erklärte Jackie empört.

     Nun blickte Frances ihre Tochter amüsiert an.

     "Er ist zwei Jahre alt", erklärte Zooey leicht genervt.

     Frances lächelte, als sie sich an die Zeit von damals erinnerte, und sie war erleichtert, dass ihre Kinder heute älter waren. Andererseits hieß es doch zu Recht "Kleine Kinder, kleine Sorgen – große Kinder, große Sorgen".

     Sie nickte und sah den Jungen an. "Das erklärt einiges."

     Mom ist ein Naturtalent, was Kinder angeht, dachte Zooey. Komisch, dass ihr das jetzt erst auffiel. "Könntest du einmal auf ihn aufpassen?"

     "Jetzt?"

     "Nein", erwiderte Zooey schnell. "Einige Stunden am Samstag."

     "Warum ich?"

     "Weil du die Beste für diesen Job bist und weil ich deine Hilfe brauche", erwiderte Zooey ehrlich.

     Eigentlich müsste sie noch mehr sagen. Sie müsste sich entschuldigen, aber sie wusste nicht, wo sie anfangen sollte. "Schau, Mom, ich mache das jetzt schon einige Zeit …"

     "Was bedeutet 'einige Zeit'?"

     "Zehn Monate, und ich habe viel gelernt."

     Frances gab Jackie ihren Schlüsselbund zum Spielen, und der Junge war sofort fasziniert.

     "Geduld?", erkundigte sich Frances mit amüsiert hochgezogener Augenbraue.

     "Unter anderem. Hauptsächlich habe ich gelernt, dass du und Dad einiges mitgemacht habt, als ihr mich erzogen habt. Natürlich auch bei Kim, Ethan und Tyler", fügte sie hinzu, denn sie wollte sich nicht in den Vordergrund spielen.

     Puh, wie lange wollte sie noch um den heißen Brei herumreden? "Mom, es tut mir leid."

     Überrascht blickte Frances, die für Jackie lustige Grimassen geschnitten hatte, zu ihrer Tochter. "Was hast du gerade gesagt?"

     "Es tut mir leid", wiederholte Zooey. "Dass ich euch Kummer gemacht habe."

     Frances konnte kaum glauben, was sie da hörte. Das klang so gar nicht nach ihrer eigenwilligen, dickköpfigen Tochter! "Bedeutet das, du kommst wieder zurück? Willst du im Unternehmen arbeiten?"

     Zooey lächelte. "Nein, es bedeutet, dass ich mich wieder mit euch vertragen will."

     Frances setzte sich Jackie auf die andere Hüfte und legte ihrer Tochter den freien Arm um die Schulter. Sie zog sie an sich und küsste sie auf die Stirn. "Wir waren nie zerstritten. Wir haben dir nur den Freiraum gegeben, den du gefordert hast."

     "Danke", erwiderte Zooey. "Vielleicht brauche ich gar nicht so viel Freiraum, wie ich dachte."

     Überrascht und erfreut sah die Mutter sie an. Jackie hatte gerade ihre Kette entdeckt, aber Frances löste seine Finger davon und hielt sie fest. Die Wandlung, die mit ihrer Tochter vor sich gegangen war, erstaunte sie. "Das muss aber ein besonderer Job sein."

     "Das könnte man so sagen", gab Zooey zu.

     Sie wollte Jackie ihrer Mutter wieder abnehmen, aber Frances schüttelte den Kopf und fragte: "Wie viele Kinder gibt es in der Familie?"

     "Zwei. Jackie und seine Schwester Emily. Sie ist sieben und sehr schüchtern. Ich versuche, sie ein bisschen aus der Reserve zu locken."

     "Man kann so etwas nicht erzwingen", stellte Frances fest.

     "Ich weiß." Zooey versuchte sich an die Zeit zu erinnern, als sie sieben Jahre alt gewesen war. Was es hieß, schüchtern zu sein, wusste sie allerdings nicht, denn das war sie nie gewesen. "Aber gegenüber wohnt ein Mädchen aus Emilys Klasse, und ich möchte morgen mit den beiden einkaufen gehen. Deshalb brauche ich jemanden, der auf Jackie aufpasst."

     "Wieso kann er nicht bei den Eltern bleiben?", fragte Frances sachlich. Für sie war es ganz natürlich, dass Eltern sich um die Kinder kümmerten, die sie in die Welt gesetzt hatten. Obwohl sie immer berufstätig gewesen war, hatte sie so viel Zeit wie möglich mit ihren vier Kindern verbracht. "Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass sie nicht mit diesem süßen Fratz zusammen sein wollen."

     "Es gibt nur den Vater", stellte Zooey richtig.

     Ihre Mutter wirkte neugierig. "Geschieden?"

     Zooey schüttelte den Kopf. "Verwitwet."

     "Du arbeitest also für einen alleinstehenden Vater?", erkundigte Frances sich interessiert.

     "Ja." Sie kannte ihre Mutter – lieber sagte sie ihr selbst alles über Jack, bevor die Fantasie mit ihr durchging. "Er ist Partner in einer Anwaltskanzlei. Strafverteidiger."

     Frances runzelte die Stirn.

     Sieht nicht gut aus, dachte Zooey. Ob ihre Mutter etwas gegen seinen Beruf einzuwenden hatte?

     "Hoffentlich bringt er seine Arbeit nicht mit nach Hause."

     Zooey seufzte. "Er kommt selbst häufig nicht nach Hause."

     "Dann wohnst du also bei ihm?"

     "Ja", erwiderte Zooey vorsichtig. Früher hatte sie ihre Mutter für engstirnig gehalten. Das war, bevor sie erkannt hatte, was es bedeutete, sich um jemanden Sorgen zu machen, den man liebte.

     Jackie warf den Schlüsselbund auf den Boden, aber Frances hob ihn auf und legte ihn zur Seite. Sie ließ den Jungen auf dem Arm hopsen, um ihn ruhig zu halten.

     "Wie heißt denn dieser Anwalt?", fragte sie.

     Oh, sie wollte doch wohl keinen Privatdetektiv beauftragen? "Mom, jetzt sei doch nicht wieder so übertrieben mütterlich zu mir …"

     "Bist du nicht deswegen gekommen?"

     "Ich will mich wieder mit euch vertragen und bitte dich um Hilfe. Allerdings nur um eingeschränkte Hilfe", betonte Zooey." Er ist ein sehr netter Mann, Mom."

     "Wie nett?", fragte Frances misstrauisch.

     "Dir würde er sicher gefallen", erklärte sie. Um ihre Mutter zu überzeugen, fügte sie hinzu: "So ähnlich wie Connor, aber ohne geldgierig zu sein."

     "Connor ist nicht geldgierig."

     "Du kennst den echten Connor nicht, Mom. Ich bin aber nicht hergekommen, um über ihn zu reden …"

     Bevor sie weitersprechen konnte, warf Frances ein: "Er ist jetzt übrigens mit Kim zusammen."

     Zooey war völlig überrascht. Kim hatte immer schon haben wollen, was ihre Schwester hatte. Sicherlich würde sie nicht auf Zooeys gute Ratschläge hören.

     Kim ist jetzt in dem dickköpfigen Alter, dachte Zooey. Wie hält Mom das nur aus?

     "Sag ihr, sie soll die Beine in die Hand nehmen und sehen, dass sie von ihm wegkommt", war Zooeys einziger Kommentar. Dann lächelte sie und kehrte wieder zum Grund ihres Besuches zurück. "Kannst du nun morgen auf Jackie aufpassen?"

     "Wie könnte ich zu so einem reizenden jungen Mann Nein sagen?" Frances lachte und umarmte Jackie, bevor sie ihn an Zooey gab. "Bringe ihn vorbei und lasse ihn so lange bei mir, wie du möchtest." Einen Moment zögerte sie. "Unter einer Bedingung."

     "Und die lautet?"

     "Lass dich mal wieder bei deinem Vater sehen."

     Kein Problem – schließlich wollte sie wieder zur Familie gehören. "Einverstanden."

     Frances ergriff die ausgestreckte Hand ihrer Tochter und schüttelte sie.

     "Abgemacht."

 

"Guck mal, Daddy, guck mal!", rief Emily aufgeregt und schoss durch die Tür.

     Jack wandte sich seiner Tochter zu, ohne zu wissen, was ihn erwartete.

     Vor einer halben Stunde war er nach Hause gekommen und hatte sich darüber gewundert, einmal nicht lautstark begrüßt zu werden. Das Schweigen war ganz ungewohnt, und es machte ihn unruhig. Einerseits vermisste er die Kinder im Haus, und andererseits war er nervös wegen seiner Verabredung, die ihn am Abend erwartete.

     Seine Erfahrungen geselliger Art beschränkten sich fast vollständig auf die Arbeit, und dort befand er sich auf sicherem Terrain.

     Im privaten Bereich war das anders, hier fühlte er sich wie in einer weiten Steppe, die weder Schutz noch Rückzugsmöglichkeit bot. Ausgeliefert. Diese Unsicherheit gefiel ihm gar nicht, und schließlich konnte er sich nicht verstecken, nur weil er ein Date hatte.

     Am liebsten würde er sich einer solchen Situation gar nicht erst aussetzen, aber er hatte wohl keine andere Wahl.

     Er musste unbedingt ein Ventil für seine aufgestauten Gefühle finden, sonst passierte noch etwas, was er bereuen müsste. Etwas, das er nicht mehr ungeschehen machen könnte.

     Mit aller Kraft zwang er sich dazu, seine umherschweifenden Gedanken zu sammeln und sich auf sein kleines Mädchen konzentrieren, das sich vor ihm im Kreis drehte.

     Emily sieht wie eine Puppe aus, dachte er, und trotzdem kann man schon die künftige Frau ahnen.

     Wieso verspürte er darüber auf einmal diesen seltsamen, unerwarteten Schmerz?

     "Wer ist denn diese Schönheit?" Diese Frage richtet er an Zooey, die hinter seiner Tochter ins Haus kam und seinen kleinen Sohn vor sich her schob. An ihren Handgelenken hingen mehrere Einkaufstüten.

     "Lass mich helfen", bot Jack an und versuchte, ihr die Taschen abzunehmen. "Das sieht ja fast so aus, als hättet ihr alle Läden leer gekauft!"

     "Ach, wir haben einfach alle Sachen in Emilys Größe mitgenommen", antwortete Zooey schlagfertig. "Ich mache nur Spaß", korrigierte sie schnell, als sie Jacks Gesichtsausdruck bemerkte. Der Mann hatte sie beim Wort genommen. Er musste dringend lockerer werden. Hatte Humor in seinem Leben gar keinen Platz?

     Nicht mein Problem, sagte sie sich. Sie zog schnell ihren Mantel aus, und dann half sie Jackie aus seiner Jacke, bevor er weglief. Er zappelte hin und her und verschwand sofort, nachdem sie ihn aus der Jacke geschält hatte.

     "Daddy, du guckst ja gar nicht", beschwerte sich Emily und zog an seinem Ärmel.

     Jack stellte die Einkaufstüten ab, schaute seine Tochter an und lächelte. "Nur weil deine Schönheit mich blendet."

     Emily strahlte über das ganze Gesicht, und Jack fiel auf, wie sie vor seinen Augen aufzublühen schien.

     "Wirklich, Daddy?"

     "Wirklich."

     Jack blickte zu Zooey und merkte, dass sie seine Reaktion beobachtete. Er war dankbar für das, was sie für seine Tochter getan hatte. Keine der Nannys, die er bisher beschäftigt hatte, war so auf die Kinder eingegangen. Für sie war ihre Aufgabe nur ein Job gewesen. Zooey war völlig anders, und sie verhielt sich eher wie ein Familienmitglied und nicht wie eine bezahlte Arbeitskraft.

     Ein Glück, dass er sie gefunden hatte. "Sie sieht sehr hübsch aus."

     "Zooey hat mir die Haare gemacht." Emily drehte sich um, damit ihr Vater den Bauernzopf bewundern konnte. "Sehe ich gut aus?"

     "Sehr. Du wirkst schon richtig erwachsen", stellte er fest, denn er wusste, dass sie das gerne hören wollte. In gewisser Weise stimmte das auch. Das kleine Mädchen, das gestern noch im Haus herumgelaufen war, schien verschwunden zu sein. Jack spürte einen Stich in der Herzgegend, und er beugte sich zu Emily. "Werde nicht zu schnell erwachsen."

     "Jedes Jahr ein bisschen, Daddy", erwiderte sie ernst, als habe sie sich diesen Plan schon zurechtgelegt.

     Jack lachte und drückte sie an sich. Im nächsten Augenblick krachte es hinter ihm. Er drehte sich um und sah Jackie, der dabei war, Bücher aus dem Regal neben dem Kamin zu reißen und auf den Boden zu werfen. Offenbar fand er, dass sein Daddy ihm nicht genügend Aufmerksamkeit widmete.

     Zooey warf Jack einen Blick zu. "Da ist jemand ungehalten."

     Jack wollte schon protestieren, als er registrierte, dass Zooey nicht von ihm sprach. "Oh, du meinst Jackie."

     "Dieses Mal ja."

     Wahrscheinlich klang das etwas sarkastisch, aber sie fühlte sich jetzt nicht mehr so ausgeglichen wie im Einkaufszentrum. Dort hatte sich alles um Emily und ihre neue Freundschaft zu Olivia gedreht. Jetzt aber war Zooeys Laune umgeschlagen, denn sie erinnerte sich an Jacks Verabredung.

     Natürlich hatte sie kein Recht, beleidigt zu reagieren, denn Jack war nur ihr Boss, aber der gesunde Menschenverstand schien sie verlassen zu haben.

     "Was möchtest du zum Abendessen?", wollte sie wissen, als sie die Bücher wieder in das Regal räumte. "Oh, ich habe ganz vergessen, dass du heute mit Rebecca ausgehst." Sie stellte den letzten Band zurück und drehte sich um. "Es ist doch heute, oder?"

     Ihr Gesichtsausdruck schien nicht ganz so unschuldig zu sein, wie sie ihn gerne hätte, denn Jack runzelte die Stirn.

     "Ja", erwiderte er kühl.

     Zooey biss sich auf die Zunge. Erst denken, dann sprechen. Sie wollte nichts von sich geben, was sie später bereute. "Ziehst du das heute Abend an?"

     Er trug immer noch den dunkelgrauen Anzug, mit dem er am Morgen ins Büro gegangen war. Obwohl heute Samstag war, hatte er keine Freizeitkleidung angezogen. Jack fühlte sich als Partner einer renommierten Anwaltskanzlei dazu verpflichtet, stets einen seriösen Eindruck zu machen.

     Jack blickte an sich hinunter und dann zu Zooey. "Ja, warum? Was stimmt nicht damit?"

     "Nichts." Und so war es auch. Er sah gut aus. Zu gut. "Ich bin nur neugierig." Sie blickte auf die Uhr. "Solltest du nicht losgehen?"

     "Deine Aufgabe ist es, dich um die Kinder zu kümmern, nicht um mich", erwiderte er zurückhaltend.

     Zooey richtete sich auf und straffte die Schultern. Er wurde aus ihrem Gesichtsausdruck nicht schlau, und das warf kein besonders gutes Licht auf einen Mann, der häufig mit Geschworenen zu tun hatte.

     "Ich kümmere mich doch gar nicht um dich, Jack", erwiderte Zooey. Dann drehte sie sich um und wandte sich an das kleine Mädchen, das ruhig zugehört hatte. "Emily, warum bringen wir nicht unsere Einkäufe in dein Zimmer?", schlug sie vor und griff nach den Tüten.

     Sofort strahlte Emily. "Okay! Kann ich alles noch mal anprobieren?"

     Über so viel Begeisterung musste Zooey lachen. Wenigstens etwas war an diesem Tag gut gelaufen. "Natürlich, aber danach hängen wir alles auf Kleiderbügel, damit wir uns das Bügeln sparen können."

     Emily nickte ernst.

     "Ich auch!", sagte Jackie, der offensichtlich nichts versäumen wollte, was seine große Schwester machte.

     "Natürlich, du auch. Hier ist eine Tüte." Zooey gab ihm eine kleine Tüte, in der nur eine Bluse war. Dann gingen sie aus dem Zimmer, während Jack ihnen hinterhersah.

 

Als sie viel später wieder ins Wohnzimmer zurückkam, hatte Jack das Haus immer noch nicht verlassen.

     Es wurde spät, und Zooey musste für sich und die Kinder etwas zu essen zubereiten. Zumindest für die Kinder, denn sie selbst hatte keinen großen Hunger.

     "Du bist immer noch da?", fragte sie.

     Jack steckte die Hände in die Hosentaschen. Er sollte längst unterwegs sein, aber er zögerte noch. "Ja."

     Zooey schaute ihn forschend an. "Kalte Füße?", vermutete sie.

     Diese Bemerkung ging ihm gegen den Strich. Besonders, weil sie der Wahrheit ziemlich nahekam. "Wie kommst du darauf?"

     Sie zwang sich, ihre Sehnsucht nach ihm zu unterdrücken und ihn nur als Mann zu betrachten, mit dem sie befreundet war. Jemand, der gerade etwas verloren wirkte.

     "Ich vermute, Rebecca ist die erste Frau, mit der du seit dem Tod deiner Frau ausgehst."

     Mit ihrer Vermutung hatte sie völlig recht, und er bereute schon, dass er sich von Bo zu dem Date mit Rebecca hatte überreden lassen.

     "Gut beobachtet. Vielleicht solltest du als Privatdetektivin arbeiten?"

     Zooey bemühte sich um einen neutralen Gesichtsausdruck. "Vielleicht." Sie ging zur Küche, drehte sich aber kurz davor noch einmal um. Er sah wirklich unglücklich aus. "Brauchst du einen Rat?"

     Obwohl er befürchtete, dass ihm nicht gefallen würde, was sie ihm zu sagen hatte, sagte er: "Na gut." Er war neugierig.

     "Sei ganz du selbst, und dann wird alles gut gehen." Diesen Ratschlag bekam nun wirklich jeder, der zum ersten Mal ein Date hatte. Sie wusste gar nicht, warum sie Jack diesen Tipp gab, aber er wirkte so unbehaglich, und sie empfand Mitleid mit ihm.

     Er lachte auf. "Ich werde es mir merken."

     "Dein Kragen sitzt nicht richtig!", rief sie ihm hinterher, als er schon gehen wollte.

     Jack blieb stehen und blickte über die Schulter. Da er in Gedanken weit weg war, hatte er Zooey zwar gehört, ihre Worte aber nicht aufgenommen. "Wie bitte?"

     Zooey wollte sich nicht wiederholen und ging zu ihm. Vorsichtig richtete sie den Kragen des Hemdes.

     Dabei kam sie ihm so nahe, dass sie seinen Atem auf ihrem Gesicht spüren konnte. Ihr Puls beschleunigte sich.

     Eigentlich wollte Zooey die Hände sinken lassen, aber das gelang ihr nicht. Um sie herum schien alles stillzustehen.

     Jack sah ihr in die Augen, und plötzlich waren seine Lippen auf ihren. Ihre Gefühle schienen wie ein Feuerwerk zu explodieren. Was sie empfand, war … mehr. Intensiver. Einfach … größer als alles, was sie bisher gekannt hatte.

     Wie in Trance legte sie die Arme um Jacks Nacken und erwiderte seinen Kuss mit Hingabe. Als sie spürte, dass Jack ihr über den Rücken streichelte und sie fester an sich zog, schlug ihr Herz schneller.

     In ihrem Kopf drehte sich alles. Als der Kuss inniger wurde, verschwanden Raum und Zeit um sie herum, und sie spürte nichts mehr außer seinen Lippen und seinem Körper an ihrem.

 

Jack wusste nicht, was in ihn gefahren war.

     Im einen Augenblick kämpfte er damit, seine Gedanken und Sehnsüchte unter Kontrolle zu behalten und Abstand zwischen sich und der Welt zu wahren. Im nächsten war dieser Abstand zu nichts zusammengeschrumpft. Zumindest der zwischen ihm und dieser Frau, die ihm so sehr unter die Haut ging wie nichts sonst.

     Schon bei ihren kurzen Begegnungen in dem Café hatte er sich gefragt, wie sich Zooeys Lippen wohl anfühlen mochten – und zwar immer, wenn Zooey ihn strahlend angelächelt hatte. Nun gab er der Neugier nach.

     Die Lippen waren samtweich, und sie schmeckten genauso, wie er es sich vorgestellt hatte.

     Er sollte das nicht tun – seiner Neugier und seinem Begehren nachgeben und die Nanny seiner Kinder küssen. Gleich wollte er mit einer anderen Frau ausgehen. Schließlich hatte er nur deshalb das Date mit Rebecca geplant, um der Versuchung aus dem Weg zu gehen. Der Versuchung, der er gerade erlegen war.

     "Daddy, küsst du Zooey?"

     Beim Klang der Kinderstimme fuhren beide erschrocken auseinander.

     Jack sah, dass Zooey tief Luft holte. Der Kuss hat sie genauso außer Atem gebracht wie mich, stellte er fest. Das verschaffte ihm eine gewisse Befriedigung, aber jetzt war nicht der richtige Augenblick, um dieses Gefühl auszukosten.

     Jetzt war Schadenbegrenzung angesagt.

     "Hm, nein. Ich habe sie nicht geküsst." Warum konnte er bei Gericht kaltblütig die Worte des härtesten Gegners parieren, wenn ihn die unschuldige Frage seiner Tochter aus dem Konzept brachte? "Zooey hatte etwas im Auge, und ich habe ihr geholfen, es herauszuholen."

     Emilys Gesichtsausdruck zeigte ihm deutlich, dass sie ihm nicht glaubte. "Daddys dürfen nicht flunkern. Du hast Zooey doch geküsst."

     Zeit, ihm aus der Klemme zu helfen, dachte Zooey.

     Sie legte eine Hand auf Emilys Schulter, sodass das Mädchen sie ansah. "Ich war traurig, und dein Daddy hat mich getröstet. So wie ich dich manchmal küsse, wenn du dir wehgetan hast, weißt du?"

     Emily zog die Brauen hoch. "Warum bist du traurig, Zooey?"

     "Zooey traurig", wiederholte Jackie, schubste seine Schwester aus dem Weg und kam ins Zimmer gerannt.

     Der Kleine hatte sein Nickerchen wohl beendet. Jackie hatte so viel Energie wie drei Kinder in seinem Alter. Man müsste einen Weg finden, ihn etwas zu bändigen.

     Emily wartete immer noch auf eine Antwort, und Zooey suchte krampfhaft nach einer Erklärung. Sie blickte auf Emilys neues Kleid und hatte eine Idee.

     "Weil ich keine Zeit hatte, mir auch so schöne Kleider auszusuchen wie du", meinte sie.

     Das kleine Mädchen ergriff ihre Hand. "Beim nächsten Mal", versprach sie ernst.

     Verdammt, wieso waren manche Kinder so wunderbar? Zooey verspürte eine große Zuneigung zu dem Mädchen. Ob Jack wusste, wie viel Glück er hatte? Sie hoffte, dass sie auch einmal eine Tochter haben würde, die so süß und so großzügig wie Emily war.

     Am liebsten hätte sie geweint, aber stattdessen lachte sie und umarmte Emily. "Beim nächsten Mal", stimmte sie zu.

     Jack war völlig aufgelöst, weil seine Tochter ihn in dieser kompromittierenden Situation erwischt hatte. Was wäre geschehen, wenn er noch weiter die Kontrolle verloren hätte? Wenn sie sich nicht nur geküsst hätten, sondern … Er durfte gar nicht daran denken.

     Jetzt war es noch wichtiger als vorher, dass er sich mit Rebecca ablenkte, sonst …

     Er räusperte sich. "Ich gehe jetzt besser", sagte er zu Zooey.

     Sie hielt Emily immer noch im Arm.

     "Ja, tu das", stimmte sie ihm zu. Auf einer Skala von eins bis zehn hätte ihr Tonfall eine minus zwei für Begeisterung bekommen. Dann riss sie sich zusammen. "Wir lassen eine Kerze für dich im Fenster stehen", scherzte sie. "Damit du den Weg nach Hause findest."

     Das ist ja gerade mein Problem. Den Weg nach Hause kenne ich nur allzu gut.

     "Danke", erwiderte er emotionslos. Dann blickte er zu den Kindern, die sich an Zooey schmiegten, als sei sie der Mittelpunkt ihres Lebens.

     Sie ist nur die Nanny und sonst gar nichts, redete er sich ein. "Seid brav und gehorcht Zooey."

     "Ja, Daddy", entgegnete Emily folgsam. Jackie gab einen Laut von sich, der eher wie "Nein" klang. Aber Jack hatte keine Zeit mehr, eine richtige Antwort zu verlangen, denn er war spät dran.

     Sobald ihr Vater die Tür hinter sich geschlossen hatte, fragte Emily: "Meinst du, Daddy verirrt sich?"

     Zooey wusste, dass sie an die Kerze im Fenster dachte. Diesem Mädchen entgeht aber auch gar nichts, dachte sie. "Nein, Emily."

     Dann nahm sie die Hand des Mädchens. "Komm, wir kochen etwas zum Abendessen."

     "Können wir Püree machen?", fragte Emily.

     "Nur Kartoffelpüree?" Ihr Bruder Ethan hatte als kleiner Junge eine Vorliebe für Erbsen gehabt. Nur Erbsen zum Mittag- und zum Abendessen. Diese Phase hatte fast vier Monate gedauert.

     "Mit Sauce?", fügte Emily hoffnungsvoll hinzu.

     "Kartoffelpüree mit Sauce, einverstanden", antwortete Zooey. Glücklicherweise hatte sie am Vortag Kartoffeln gekauft.

     Emily lächelte zufrieden. Sie mochte längst nicht alles, aber Kartoffelpüree liebte sie. Hauptsache, sie isst überhaupt etwas, dachte Zooey und bemühte sich krampfhaft, Jack und die Nachbarin zu vergessen.

     Ich bin nur verknallt, redete sie sich ein, mehr nicht. Frauen verknallen sich ständig, und morgen empfinde ich vielleicht schon wieder anders.

     Sie fürchtete jedoch, dass sie immer noch seine Lippen auf ihren spüren würde.

     Einfach ignorieren, befahl sie sich.

     In diesem Augenblick forderte Emily sie auf: "Bück dich mal."

     Als Zooey ihr gehorchte und sich hinunterbeugte, legte das Mädchen ihr die Arme fest um den Hals und drückte sie.

     "Womit habe ich das verdient?", fragte Zooey.

     "Du hast schon wieder traurig ausgesehen", erklärte Emily.

     Das war ich auch, dachte Zooey. "Ich bemühe mich, glücklich zu sein", versprach sie. Dann legte sie einen Arm um Emilys Schultern. "Es sei denn, ich will von dir noch mal umarmt werden."

     "Eine Umarmung kannst du gerne haben. Die kostet nichts", versicherte Emily. Dann sah sie Zooey forschend an. "Zooey?"

     "Ja?"

     "Wirst du meine Mommy?"

     Zum Glück saßen sie gerade nicht beim Essen, denn sonst hätte sie sich garantiert verschluckt.

     "Mommy, Mommy", wiederholte Jackie singend. Zooey fiel auf, dass sie diese Worte von ihm noch nie gehört hatte.

     Emilys Frage hatte sie völlig überrumpelt. Schon zum zweiten Mal in dieser Woche fehlten ihr die Worte.

     Hoffentlich wurde das nicht zur Gewohnheit.