11. KAPITEL

Fünf Minuten später ging Tony mit Shannon den Weg entlang, der vom Anwesen zum Gewächshaus führte. Er hatte ihr die Hand auf den Rücken gelegt und konnte ihre von der Sonne erwärmte Haut durch das dünne Sommerkleid spüren. Schon bald hoffte er, nicht nur jeden Zentimeter von ihr spüren, sondern auch sehen zu können.

     Er hatte den Morgen damit verbracht, einen romantischen Hintergrund für ihre nächste Begegnung zu schaffen. Allerdings war es gar nicht so einfach, hier auf der Insel einen Ort zu finden, an dem sie wirklich allein sein konnten. Mit Beharrlichkeit und Kreativität war es ihm gelungen, und nun war er doch aufgeregt.

     Diesmal würde er es richtig machen. Shannon verdiente es, wie eine Prinzessin behandelt zu werden, und er hatte schließlich die Möglichkeiten dazu.

     "Wohin gehen wir?", wollte sie wissen.

     "Wirst du gleich sehen."

     Er schob einen Ast zur Seite und schreckte etliche Schmetterlinge auf. "Das ist das Gewächshaus, von dem ich dir erzählt habe. Von hier kommen all die Blumen, die du im Haus gesehen hast."

     "Es ist wirklich an alles gedacht worden." Fasziniert betrachtete sie eine Vogeltränke, auf deren Rand ein Vogel saß.

     "Mein Vater hat immer gesagt, der Job eines Königs ist es, dafür zu sorgen, dass es seinem Volk gut geht. Diese Insel wurde sein Minikönigreich. Und wegen der Isolation musste er für Ausgleich sorgen." Wolken hatten sich zusammengebraut, und Tony beschleunigte seine Schritte. "Er hat angefangen, für Neuerungen zu sorgen. Einige der alten Weggefährten sind in letzter Zeit gestorben, was ihn vor neue Herausforderungen stellt, da er Leute einstellen muss, die nicht auf der Flucht sind, Menschen, die auch andere Möglichkeiten haben."

     "So wie Alys."

     "Genau", sagte er, gerade als es zu regnen anfing. "So, darf ich dich zum Lunch ausführen? Ich kenne da einen Ort, der ist schön gelegen, voller frischer Blumen und vor allem trocken."

     "Wer kann da schon Nein sagen." Lachend rannten sie die letzten Meter zum Gewächshaus. Tony stieß die Tür auf und blickte sich einmal kurz um. Ja, alles war genau so, wie er es bestellt hatte.

"Du meine Güte, Tony!" Shannon schnappte überrascht nach Luft und nahm mit allen Sinnen die Pracht auf, die sich ihr bot. "Das ist ja im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend."

     Entzückt ging sie in das große Gewächshaus, dessen Reichtum an Düften und Farben überwältigend war. Klassische Musik erklang leise aus versteckten Lautsprechern. Ein italienischer Marmorbrunnen plätscherte vor sich hin, nur übertönt vom Prasseln der Regentropfen auf dem Glasdach. An schmiedeeisernen Paravents wuchsen üppige Kletterhortensien und Winden, und davor standen Bänke zum Lesen oder Meditieren.

     Zwar verstand Shannon, dass Tony nicht für immer hier hatte leben wollen, dennoch bewunderte sie den zauberhaften Rückzugsort, den Enrique geschaffen hatte.

     Nachdem sie sich langsam einmal um die eigene Achse gedreht hatte, um alles in sich aufzunehmen, sah sie, dass Tony sie mit unverkennbarem Verlangen anschaute. Voller Erwartung begann ihre Haut auf einmal zu kribbeln. Die Tatsache, dass Tony nur Shorts und Segelschuhe anhatte, trug vermutlich ebenfalls dazu bei.

     "Sind wir allein?", fragte sie.

     "Ganz allein", antwortete er und deutete auf einen kleinen runden Tisch, auf dem Wein und eine Auswahl an Fingerfood standen. "Bedien dich bitte."

     Sie schlenderte an ihm vorbei, ohne ihn zu berühren, doch so nah, dass es sie geradezu drängte, sich an Tonys Brust zu schmiegen.

     "Das sieht ja gut aus. Aber können wir noch einen Moment damit warten, bis ich mir alles angeschaut habe?"

     "Natürlich. Wie wäre es aber schon mal mit einem Glas Wein?"

     "Ja, gern." Sie nahm das Glas, das er ihr reichte, und nippte daran. "Perfekt."

     "Und das war längst noch nicht alles." Er verschränkte seine Finger mit ihren und führte sie an einem der schmiedeeisernen Paravents vorbei in eine abgeschiedene Ecke.

     Dort rankten Weinreben an den Glaswänden empor, und eine mit Rosenblättern bedeckte Chaiselongue wirkte so romantisch, so perfekt, dass Shannon Tränen in die Augen traten. Oh, wenn sie doch nur nicht solche Angst hätte. Angst davor, ihren Gefühlen zu vertrauen.

     Um ihre Gefühlsregungen zu verbergen, vergrub sie das Gesicht in einem großen Blumenstrauß, der auf einem Beistelltisch stand. "Was für eine einzigartige Mischung aus Düften."

     "Es ist ein ganz besonderer Strauß – nur für dich, denn jede Blume hat eine ganz bestimmte Bedeutung."

     Gerührt, weil er sich solche Mühe gegeben hatte, drehte sie sich zu Tony um. "Du hast mir mal gesagt, du würdest mich auf einem Meer von Blumen lieben wollen."

     "Genau." Er schlang ihr die Arme um die Taille. "Und ich habe auch sehr darauf geachtet, dass es keine Dornen gibt. Nur Vergnügen."

     Wenn doch das Leben auch so einfach sein könnte. "Bist du sicher, dass uns hier niemand stört?" Sie stellte das Weinglas auf den Tisch und umarmte Tony. "Keine Überwachungskameras oder Teleobjektive?"

     "Ganz sicher. Draußen sind Kameras installiert, aber nicht hier drinnen. Ich habe dem Personal den Nachmittag freigegeben, und unsere Sicherheitsleute sind keine Voyeure. Wir sind ganz allein." Er zog sie an sich, und sie konnte seine Erregung deutlich spüren – ein Vorgeschmack auf das, was hoffentlich gleich folgen würde.

     Als hätte Tony ihre Gedanken erraten, zog er ihr das Kapuzen-T-Shirt über den Kopf. Noch während er das Bikinioberteil öffnete, eroberte er ihren Mund. Sekunden später fiel der BH zu Boden, und die feuchte Gewächshausluft liebkoste ihre Brüste.

     Shannon knabberte an Tonys Ohrläppchen, wo eine winzige Narbe davon zeugte, dass er einmal einen Ohrring getragen hatte. Eine Teenager-Rebellion, hatte Tony ihr gestanden. Sie konnte ihn sich auf einer spanischen Galeone vorstellen, ein braun gebrannter Piratenkönig.

     Für einen Moment, diesen Moment, gab sie sich den verrückten Fantasien hin und verspürte keine Angst. Sie würde sich mitreißen lassen vom Augenblick, und weder über Vergangenes noch über die Zukunft nachdenken, sondern einfach das Vergnügen, das Tony versprochen hatte, genießen. Ohne weiter nachzudenken, schob sie ihm die Shorts über die Hüften.

     "Es ist so verdammt lange her", murmelte er, während er ihr das Bikiniunterteil abstreifte.

     "Keine acht Stunden, seit du aus meinem Zimmer geschlichen bist."

     "Sag ich doch, viel zu lange."

     Mit den Fingerspitzen zeichnete sie seinen muskulösen Oberkörper nach, legte eine Handfläche auf den Waschbrettbauch, während sie die Lippen auf seine Schulter presste und hinunter bis zu seinem Arm kleine Küsse verteilte. Als sie beim Tattoo ankam, meinte sie: "Ich wollte schon immer wissen, warum du dich ausgerechnet für einen Kompass entschieden hast."

     Seine Muskeln spannten sich an. "Er soll symbolisieren, dass ich meinen Weg nach Hause finde."

     "Es gibt noch so viel, was ich nicht über dich weiß."

     "Hey, wir sind hierher geflüchtet, um all das einmal zu vergessen." Vorsichtig nahm Tony ihr die Brille ab und legte sie auf den Tisch.

     Anschließend griff er in die Vase, zog eine Orchidee heraus und knipste eine Blüte ab. Langsam strich er damit über Shannons Gesicht, während ihr der Duft in die Nase stieg. "Für wahre Größe."

     Ihr wurden die Knie weich, und sie setzte sich auf die Kante der Chaiselongue. An ihren Oberschenkeln spürte sie den rauen Stoff und die weichen Rosenblätter. Tony steckte ihr die Orchideenblüte hinters Ohr und drängte Shannon, sich auszustrecken.

     Wieder griff er in die Vase und nahm einen Stiel mit dunkelblauen Blüten heraus, die er an ihrem Arm entlang und dann über jeden einzelnen Finger gleiten ließ. Über den Bauch hinüber zur anderen Hand und wieder hinauf, bis Shannon wohlig erzitterte.

     "Blauer Salbei", sagte er, "weil ich Tag und Nacht an dich denke."

     Seine Worte erregten sie genauso wie die Berührung der Blume.

     Eine weiße Calla kam als Nächstes. Er zog die Blüte erst über ihr Schlüsselbein, bevor er sie tiefer gleiten ließ und ihre Brüste berührte.

     "Diese Calla habe ich ausgewählt", erklärte er heiser, "weil auch du eine königliche Schönheit bist."

     Er benutzte die Blüte, um erst die Unterseite einer Brust nachzuzeichnen, bevor er Kreise zog, die immer kleiner wurden, bis er die harte Brustwarze reizte. Shannon spürte, wie ihr Körper zu kribbeln begann und sie sich vor Erregung anspannte. Sie hob sich den Zärtlichkeiten entgegen, als Tony seine Aufmerksamkeit der anderen Brust widmete, und die köstliche Folter wiederholte.

     Doch als Shannon die Hände ausstreckte und seine Schultern umklammerte, um ihn näher an sich zu ziehen, umschloss er sanft ihre Handgelenke. "Du darfst mich nicht berühren, sonst höre ich auf."

     "Wirklich?"

     "Wahrscheinlich nicht, weil ich dir nicht widerstehen kann." Er ließ die Calla in ihrer Hand liegen. "Aber wie wäre es, wenn du es einfach genießt? Ich garantiere dir, es wird dir gefallen."

     Seine dunklen Augen glänzten, als er zur nächsten Blume griff. "Eine rote Rose für die Leidenschaft."

     Seine Stimme war heiser, sein Blick so intensiv und voller Glut. Ganz langsam streichelte er mit der Blüte Shannons Bauch und dann tiefer. Noch tiefer. Shannon ließ den Kopf zurückfallen und schloss die Augen, während sie sich fragte, wie weit er wohl gehen würde.

     Mit der seidig weichen Blüte strich er über die Hüften nach innen, wurde immer mutiger. Shannon entschlüpfte ein kehliges Stöhnen.

     Trotzdem machte er weiter, bis … oh! Shannon ließ ein Knie zur Seite fallen, um es ihm – der Blüte – leichter zu machen. Ein wohliger Schauer durchfuhr sie, und sie verlor sich in den sinnlichen Berührungen und dem Duft, der ihr Verlangen immer weiter steigerte.

     Sein warmer Atem strich über ihren Bauch und ließ ihr nur eine Sekunde Zeit, um sich auf das vorzubereiten, was jetzt kam. Statt des kühlen Blütenblattes spürte Shannon Tonys warme Lippen auf der Haut. Nach Atem ringend, ballte sie die Hände und zerdrückte dabei die Calla, sodass frischer Blumenduft die Luft erfüllte. Mit schnellen Zungenschlägen sowie sanften Küssen verwöhnte Tony sie, bis der Höhepunkt nah war.

     Shannon wand sich, warf den Kopf hin und her, während sie auf die Erlösung wartete. Tony steigerte die Lust, nur um dann sein Tempo zu verzögern, damit sie das Vergnügen voll auskosten konnte, bis schließlich der Augenblick gekommen war, und sie den Gipfel der Lust erklomm.

     Shannon schrie lustvoll auf. Hemmungslos ritt sie auf einer Welle der Leidenschaft dahin.

     Tony zeichnete die Konturen ihres Körpers nach, während er sich mit seinem harten, durchtrainierten Körper auf sie legte. Shannon schlang ihm ein Bein um die Hüften und zog ihn noch näher, um ihn endlich in sich spüren zu können.

     Er drang in sie ein, füllte sie aus und bewegte sich langsam in ihr. Sie war überrascht, schon wieder neues Verlangen zu verspüren, gab sich aber den Empfindungen vorbehaltlos hin und genoss das Kitzeln seiner Härchen auf ihrer Brust, die samtweichen Blütenblätter an ihrem Rücken.

     Und diese betörenden Düfte – Blüten, Sex und erdige Gewächshausluft.

     Tony hatte nicht nur ihren Körper erobert, sondern auch ihr Herz. Hatte sie überhaupt jemals eine Chance gehabt, ihm widerstehen zu können? Auch wenn sie sich die ganze Zeit eingeredet hatte, dass es hier nur um körperliche Anziehungskraft ging, wusste Shannon inzwischen, dass dieser Prinz ihr sehr viel mehr bedeutete. Mehr als je ein anderer Mensch.

     Verzweifelt zog sie ihn an sich, kurz davor, noch einmal den Gipfel zu erstürmen.

     "Lass los, und ich fange dich auf", flüsterte er ihr ins Ohr.

     Zum ersten Mal seit Langem gelang es ihr, einem Mann wieder volles Vertrauen zu schenken.

     Diese Erkenntnis breitete sich in ihr aus und durchstieß alle Barrieren, bis Shannon noch einmal in unbekannte Höhen katapultiert wurde. Im selben Moment spannte Tony sich an, und mit einem heiseren Schrei fand auch er Erlösung.

     Tränen brannten in Shannons Augen, als sie hinauf zu dem regennassen Glasgewölbe blickte und Tony fest in die Arme schloss. Sie fühlte sich so entblößt und verletzlich und wusste, sie konnte sich nicht länger verstecken. Sie hatte Tony ihren Körper anvertraut. Jetzt war es an der Zeit, ihm auch ihre Geheimnisse anzuvertrauen.